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Full text of "Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft"

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FOR THE PEOPLE 
FOR EDVCATION. 
FOR SCIENCE 


LIBRARY 


OF 


THE AMERICAN MUSEUM 


OF 


NATURAL HISTORY 


Bouad at 
aM: N.H, 
RENNEN HEN, 


| MITTEILUNGEN | 
| ier Münchner Entomologischen Gesellschait, €. \. 
| 


19. Jahrgang 1929. München, 1. Januar 1929. Nummer 1. 


3i- 121012-3Wwrre 7% Ausgegeben; 15. Februar 1929. 


Weiterer Beitrag 
zur Lepidopteren-Fauna Inner-Anatoliens. 


Von Fritz Wagner-Wien, 


Schon immer war es einer meiner sehnlichsten Wünsche 
gewesen, die so überaus reiche und interessante Lepidopteren- 
fauna Kleinasiens aus eigener Anschauung kennen zu lernen. 
Verschiedene Umstände, zuletzt der Weltkrieg mit seinen satt- 
sam bekannten Folgeerscheinungen verhinderten jedoch stets 
die Ausführung dieses Vorhabens. 

Durch die unten zitierte Arbeit Pfeiffer's*) neuerlich an- 
geregt, beschloß ich die lange bestandene Absicht endlich zur 
Durchführung zu bringen und zwar um so lieber, als auch mei- 
nen lieben Freund Oberst Viktor von Bartha-Budapest die glei- 
chen Wünsche beseelten, ich also nicht allein zu reisen brauchte. 
- Auf Grund der ausgezeichneten Beziehungen Bartha’s, so- 
wie auch infolge eines im Wege des Naturhistorischen Museums 
Wien von der türkischen Gesandtschaft ausgestellten Empfeh- 
lungsschreibens wurde unsere Reise von den türkischen Behör- 
den sowohl, als auch von privater Seite, in jeder Hinsicht ge- 
fördert und ich möchte deshalb nicht verfehlen auch an dieser 
Stelle allen jenen Behörden und Herren herzlichst zu danken, 
die es eben ermöglichten, daß unser Aufenthalt in Kleinasien 
— soweit nicht höhere Mächte im Spiele standen — so restlos 
befriedigend und angenehm verlief. 

In erster Linie sei Sr. Excellenz J. Jzzet Bey, Gouverneur 
des Vilajets Konia gedankt, dessen Gäste wir 2 Tage lang waren 


- ") Pfeiffer, E,, Ein Beitrag zur Insektenfauna von Kleinasien (Anatolien), 
Mitt. Münch. Ent. Ges, 1926 p. 99 uff,, 1927 p. 35 uff. 


1 


N TEN: ı Baus 
> DS, LI ı, Ir 


Nr 


und durch dessen Weisungen uns die ihm unterstellten Behör- 
den (Gendarmerie etc.) in jeder Beziehung behilflich waren. 

Nicht minderer Dank gebührt aber auch Herrn General- 
direktor der Hofherr-Schrantz-Werke, Alexander Läszlö, dessen 
Munifizenz es zuzuschreiben war, daß wir auf dem in der Steppe 
nördlich von Akschehir gelegenen Mustergute Tschiftlik als Gäste 
längeres Standquartier nehmen konnten, was den Erfolg unserer 
Sammeltätigkeit gewiß nicht unwesentlich beeinflußte. 

Auch des Herrn Ober-Ingenieur Rady-Stambul und der ihm 
unterstellten Herren, in erster Linie der Herren Faik- und Assim- 
Bey, sowie Gutsinspektor Heuchert, muß ich hier dankbarst ge- 
denken, die sich alle in geradezu beispiellos liebenswürdiger 
und uneigennütziger Weise unserer annahmen und uns bei jeder 
sich bietenden Gelegenheit mit Rat und Tat an die Hand gingen. 
Ohne die wertvolle Beihilfe dieser Herren hätten wir bestimmt 
weit mehr Plackereien zu bestehen gehabt als es tatsächlich 
der Fall war. 

Nach den notwendigen Vorbereitungen traten wir am 14. Mai 
unsereReise an. AufdemLandwege über Budapest-Belgrad-Sofia 
erreichten wir in ca. 50stündiger glatter Fahrt Konstantinopel, 
wo wir zur Beschaffung der nötigen Papiere für die Weiterreise 
durch Kleinasien, nicht zuletzt aber auch, um das überwältigend 
schöne Stambul wenigstens oberflächlich kennen zu lernen, einige 
Tage Aufenthalt nahmen. 

Es sei hier sozusagen „anhangsweise” bemerkt, daß durch 
die krampfhaft betriebene und durch Kemal-Pascha mit eiserner 
Energie durchgeführte Modernisierung der Türkei auch der Bubi- 
kopf und die kniefreie Mode Eingang fanden und daß der Jazz- 
Musik und den modernen Tänzen auch vonseiten der jungen 
türkischen Generation lebhaftest gehuldisgt wird. Kemal-Pascha 
wird übrigens von der türkischen Bevölkerung geradezu ver- 
göttert und sein Standbild befindet sich im Parke des ehemaligen 
Serails. Bedauerlich ist es vielleicht, daß mit der Modernisierung 
auch alle die malerischen, schönen türkischen Trachten ver- 
schwinden. Nur im Innern Kleinasiens findet man hie und da 
noch geringe Ueberreste, wie auch dort die „Entschleierung“ 
der Weiblichkeit viel langsamer von statten geht, in manchen 
Fällen zu Nutz und Frommen der anderen Menschheit. 

Eine Fahrt längs des Bosporus, an den herrlichen ehe- 
maligen Sultanspalästen, an malerisch schönen Burgen und 
Ruinen (Rumeli-Hissar) vorüber, bildete den Abschluß unseres 


Be) Me 


Konstantinopeler Aufenthalts. Am Morgen des 3, Tages ließen 
wir uns und unser Gepäck auf das kleinasiatische Ufer nach 
Haidar-Pascha, dem Ausgangspunkt der anatolischen Bahn, über- 
schiffen, um die Reise in's Innere fortzusetzen. 

‚ Die klaglos funktionierende, jetzt in türkischer Verwaltung 
stehende anatolische Eisenbahn, deren Maschinen- und Wagen- 


Auf dem Weg zum Sultan-Dash 


park aus modernsten Typen deutscher Herkunft besteht, brachte 
uns, an den Prinzeninseln vorüber, längs der Küste des Mar- 
marameeres, mit dem Ausblick auf den schneebedeckten bythi- 
nischen Olymp, zunächst nach Ismid, an dem gleichnamigen Golf 
gelegen. Von da ging es weiter durch landschaftlich schöne, 
mitunter ganz prachtvolle wildromantische Gegenden (Defile des 
Kara-Su) und nach insgesamt etwa 10stündiger Fahrt erreichten 
» 


re 


wir das bereits auf der Hochfläche Anatoliens gelegene Eski- 
Schehir. Von Eski-Schehir zweigt die Bahn einerseits "nach 
Angora ab, andererseits führt sie nach Ak-Schehir und weiter 
über Konia und durch den cilicischen Taurus nach Aleppo 
resp. Bagdad. 

Nach 1stündigem Aufenthalt in Eski-Schehir gelangten wir 
in weiterer etwa 7stündiger Fahrt nach Ak-Schehir, unserem 
vorläufigen Endziele, wo wir um halb 3 Uhr morgens eintrafen. 
Dort erwartete uns schon der von Stambul aus bereits ver- 
ständigte Inspektor des Landgutes Tschiftlik mit Assim-Bey, 
einem jungen Türken, der lange Jahre in Budapest studiert 
hatte, daher vorzüglich ungarisch sprach und später noch oft- 
mals als Dolmetsch unserer Gefühle auftrat. Die beiden Herren 
hatten schon in einem neu errichteten, sauberen Hotel ein sehr 
nettes Zimmer für uns bereitstellen lassen, wo wir den Rest 
der Nacht verbrachten. Am kommenden Morgen ging es dann 
auf einem kleinen Jagdwagen (unser großes Gepäck — wir hat- 
ten ja sogar ein großes Zelt mit — war auf einem Gutswagen 
bereits voraus expediert worden) nach dem ca. 28 km entfernten, 
in der Steppe nördlich von Akschehir liegenden, bereits mehr- 
fach erwähnten Landgute, wo wir die erste Zeit zuzubringen 
gedachten und von Inspektor Heuchert und dessen lieben Frau 
aufs herzlichste aufgenommen wurden. 

So erfreulich die angenehme Aussicht war, in deutsch- 
sprechender Umgebung und bei heimischen Fleischtöpfen die 
Zeit verbringen zu dürfen (die türkische Kost, an sich eigent- 
lich gut und schmackhaft, ist aber infolge des zumeist verwen- 
deten Hammelfettes doch nicht jedermanns Sache), so trostlos 
war der erste Eindruck der weiten, zum Großteil mit Getreide- 
feldern bestandenen Steppe, sowie der vollständig kahl erschei- 
nenden nördlichen Randberge derselben und wir schauten sehn- 
süchtigen Blickes nach dem in höheren Lagen noch schneebe- 
deckten, in den unteren Regionen aber schön grün schimmern- 
den Sultan-Dagh. Aus diesem trostlosen Gefühl des ersten 
Eindruckes heraus besprachen wir auch schon die schleunigste 
Flucht aus dieser uns so unwirtlich und entomologisch so gar 
nichts versprechenden Gegend; aber wie so oft, so sollte es 
auch in unserem Falle doch ganz anders kommen! 

Unsere ursprünglichste Absicht war, in Akschehir vor- 
erst nur kürzeren Aufenthalt zu nehmen, den Sultan-Dagh 
zu überqueren, um Egerdir und dessen Umgebung kennen zu 


gl 


lernen,*) schließlich mit vorrückender Jahreszeit nach dem 
cilicischen Taurus zu reisen und dort in höheren Lagen unsere 
Aufsammlungen fortzusetzen. 

Aber schon der erste Leuchtversuch zeitigte solch über- 
raschende Resultate, daß unser Vorhaben, die Gegend raschest 
wieder. zu verlassen sogleich wieder fallen gelassen wurde; je- 
doch auch andere Momente, so z. B. eine lokal oft herrliche 
Vegetation, interessante Luftspiegelungen bei Tage, wundervolle 
Abendstimmungen, die unendliche Ruhe der Steppe etc. be- 
wogen uns, vorerst noch einige Zeit zu bleiben. Als dann nach Ab- 
lauf der ersten Leuchtperiode auch der Tagfang an den Hängen 
des Sultan-Dagh sich recht ergiebig gestaltete, beschlossen wir 
endgültig, eine Zeit lang zwischen Tschiftlik und Ak-Schehir 
hin und her zu pendeln, die Leuchtperioden in Tschiftlik, die 
Zeit des zunehmenden und Voll-Mondes aber in Akschehir zu 
verbringen, später dann die höheren Regionen des Sultan-Dagh 
aufzusuchen und erst als Abschluß unserer Sammelreise auch 
noch den cilicischen Taurus in Augenschein zu nehmen. Leider 
kam aber schon in den ersten Tagen unseres Aufenthaltes ein 
weiterer Umstand hinzu, der uns notgedrungen zu längerem 
Verweilen bestimmte, nämlich eine arge Magen- und Darm- 
erkältung, die ich mir durch einen kalten Trunk zugezogen hatte, 
welche mir hartnäckig treu blieb, mich körperlich sehr herunter- 
brachte und schließlich sogar meine vorzeitige Heimkehr ver- 
anlaßte. Dadurch wurden natürlich alle unsere Pläne zu nichte 
und auch Freund Bartha wurde durch diese fatale Vis major 
bewogen, seine Reisedisposition zu ändern. 

Wir wählten also zu unserem Sammelgelände die nördlich 
von Tschiftlik in etwa 8—10 km Entfernung gelegenen Höhen- 
züge,") wobei es als sehr angenehm empfunden wurde, daß uns 
vonseiten des Herrn Inspektors Heuchert ein Wagen zur Ver- 
fügung stand, der uns rascher und ohne Anstrengung an die 
Sammelplätze brachte und uns von dort auch wieder abholte. 
Bei den nächtlichen Exkursionen wurde uns sogar ein Wächter 


*) Wir hatten mit Absicht die schon von Pfeiffer explorierten Gebiete 
gewählt, weil Pfeiffer in erster Linie dem Tagfang seine Aufmerksamkeit 
schenkte und Lichtfang nur nebenher an Bahnhoflampen etc. betrieb; wir 
beide aber gedachten gerade dem Nachtfang, von dem wir uns eine wesent- 
liche Bereicherung der Fauna versprachen, in ausgiebigster Weise zu betreiben. 

"*) So vollkommen vegitationslos und kahl diese aus der Ferne erschie- 
nen, zeigten sie doch eine große Mannigfaltigkeit in floristischer Beziehung 
und erwiesen sich als ganz hervorragende Sammellokalitäten, insbesondere 
für den Nachtfang. | 


een 


mit geladenem Gewehre beigestellt, um uns im Notfalle schützen 
zu können. Es kam aber niemals dazu, denn die türkische Be- 
völkerung ist liebenswürdig, harmlos und gutmütig und wir hat- 
ten auch niemals den geringsten Anstand. Viel unangenehmer 
und unter Umständen gefährlich sind die Hunde, welche zu 
4—5 Stück die oft riesigen Schafherden begleiten und von einer 
Wildheit sind, die ihresgleichen sucht. Ich habe noch niemals 
einen derartig „unsympathischen“, bösartigen Ausdruck in einem 
Hundegesicht wahrgenommen, als ihn einer der 5 Hunde zeigte, 
die uns allabendlich auf unserer Fahrt zur Leuchtstelle anfielen 
und uns eine lange Strecke mit wütendem Gekläff verfolgten, 
wenn sie der Hirt nicht zurückrief. Wir lernten da die An- 
nehmlichkeit eines Wagens um so höher einzuschätzen, denn als 
Fußgänger wäre es uns oftmals sicher recht schlimm ergangen, 
wenn uns die Biester angefallen hätten, was natürlich „fahren- 
der Weise“ nicht gut möglich war. 

Im Gebiete des Sultan-Dagh wählten wir das am Fuße des 
Gebirges gelegene Akschehir als Standquartier, wo wir in dem 
schon erwähnten Hotel, in einem geräumigen und hellen, mit 
schönen anatolischen Teppichen belegten und behängten Zimmer 
sehr gut und relativ billig untergebracht waren. Eine besondere 
Wohltat war es, daß wir auch vom Ungeziefer vollständig ver- 
schont blieben, ausgenommen die namentlich im Juli auftreten- 
den Stechmücken und Simuliiden, die wir uns aber später durch 
reichlich verspritztes „Fly-Tox* auch vom Leibe zu halten 
wußten. 

In der Umgebung von Akschehir waren es vorwiegend die 
Täler des Sultan-Dagh (auch einige Quertäler), die wir bis hoch 
hinauf verfolgten und welche sich als sehr ergiebige Sammel- 
stellen erwiesen. Aber auch einige in nächster Nähe Aksche- 
hir's gelegene, mit üppiger Vegetation bestandene muhammeda- 
nische Friedhöfe, auf welchen übrigens schon Herr Pfeiffer aus 
München erfolgreich gesammelt hatte, nötigten uns durch die 
Fülle der dort sich tummelnden Satyriden, Lycaeniden, Hesperi- 
den etc. zu öfteren Besuchen. Oberst v. Bartha besuchte meh- 
rere Male allein die höchsten Kämme des Sultan-Dagh — 
wozu ich infolge meines körperlichen Zustandes leider nicht 
mehr im Stande war — und brachte von dort manche interes- 
sante, von uns sonst nicht beobachtete Art „zur Strecke”. 

Die auf den Karten eingezeichneten Höhenkoten des Sultan- 
Dagh (1800 m als höchste Erhebung) sind sicherlich unrichtig. 


Be 


‚ Bereits die Kammhöhen müssen schätzungsweise durchschnitt- 
“lich 2000 m, die Hauptgipfel aber 2200-2500 m und darüber 
betragen, was allein schon der Umstand beweist, daß sich selbst 
in diesen südlichen Breiten (der Sultan-Dagh liegt etwa am 
38, Breitegrad) in den höheren Regionen noch Ende Juni aus- 
 gedehnte Schneeflächen befanden. 

Nach fast 3monatlichem Aufenthalt traten wir am 29, Juli 
die Heimreise an und landeten nach mancherlei Zwischenfälien 


Friedhof von Akschehir 
(hervorragender Sammelplatz für Satyr., Lycaen. und Hesper.) 


— die Heimreise ging leider nicht so glatt von statten als die Hin- 
reise — am 4, August glücklich und wohlbehalten, reich an Ein- 
drücken und mit erfreulich schöner Ausbeute wieder in der Heimat. 


Nachdem sich Herr Pfeiffer in seiner Arbeit bereits in gros- 
sen Zügen über die geologischen und floristischen Verhältnisse 
des Sultan-Dagh äußerte, habe ich nichts Wesentliches hinzu- 
zufügen, möchte aber doch nicht ermangeln, richtigstellend zu 
bemerken, daß von einer Ost- und Westseite des Sultan-Dagh 
kaum gesprochen werden kann und es eher Nord- und Südseite 


N 


heißen müßte, da der Gebirgszug in fast westöstlicher Richtung 
streicht (genau NW.-SO.). Auch einen weiteren offenkundigen 
Irrtum möchte ich hier berichtigen und zwar die Behauptung, 
daß der Akschehir-Göl ein Süßwasser-See sei. Dieser auf weite 
Strecken verrohrte See, der alljährlich um viele Kilometer zu- 
rückgeht, ist zweifellos ein Salzsee. Als Beweis hiefür möchte 
ich anführen, daß erstens jene Utferstellen, die früher vom 
Seewasser bespült waren, jetzt deutliche Salzablagerungen auf- 
weisen (von mir durch Verkosten erprobt) und daß wir ferner 
wiederholt Kamelkarawanen antrafen die zum Akschehir-Göl 
zogen um dort — Salz zu verladen. Eines schlagenderen Be- 
weises, daß der genannte See ein Salzsee ist, bedarf es wohl 
kaum mehr!*) 

Wenige Worte möchte ich noch über die ER, hydro- 
graphischen und floristischen Verhältnisse der vollkommen baum- 
losen Steppe von Akschehir verlieren. Das Klima der Steppe ist - 
ein ausgesprochen kontinentales; die Temperaturschwankungen 
innerhalb 24 Stunden sind ganz außerordentliche und betragen 
im Durchschnitt 20—25°. Da das Landgut Tschiftlik einige Meß- 
apparate aufgestellt hatte, war es uns ein Leichtes die täglichen 
Temperaturwerte an Hand eines Minimal-Maximalthermometers 
abzulesen. So betrug z.B. Ende Mai die Mittagstemperatur 29”, 
die Temperatur um Mitternacht — also noch nicht die niedrigste — 


*) Kurze Erwiderung von Ernst Pfeiffer-München: 

Durch Kenntnis des Manuskriptes von vorstehendem Artikel sei es mir 
gleich an dieser Stelle im Einverständnis mit Herrn Wagner gestattet, auf 
die Richtigstellung meiner Angaben kurz einzugehen. 

Die zwei sich vollkommen widersprechenden Behauptungen bezüglich des 
Salzgehaltes des Akschehir-Sees bestehen auf beiden Seiten zu vollem Recht, 
so unglaublich auch diese Tatsache eingangs klingen mag. Dem Herrn Wagner 
war nur das östl. und nördl, Ufergelände bekannt, mir nur das südl. resp. süd- 
westliche, das dem Sultan-Dagh zugewandt ist. Das von den Bergen in Normal- 
jahren reichlich kommende Süßwasser wird bereits oberhalb der Stadt in vielen 
kleinen Gräben auf die seewärts gelegenen Felder verteilt. Der Ueberschuß 
kommt an dem tiefer gelegenen See teils ober-, teils unterirdisch wieder zum 
Vorschein und speist an der von mir besuchten Seite den See. Der an und 
für sich nicht tiefe See ist streifenartig mit kilometerlangen und äußerst 
breiten Rohrwäldern durchzogen und müssen dieselben gleich Staudämmen 
in dieser Richtung hin wirken. Die Süßwasserschicht scheint sich auch nicht 
nur am Uferstreifen zu halten, sondern weit hinauszuziehen, denn durch die 
dortige Russenkolonie wird Süßwasser-Fischfang betrieben. Die ganze Ufer- 
flora entspricht einer ausgesprochenen Teichflora. Es finden sich Wasser- 
linse, Irisarten, Binsen etc. und soweit erinnerlich auch eine Seerosenart. 
Noch weit bessere Beweise sind folgende Funde und Beobachtungen: 


ER 


nur mehr 1° und noch Ende Juli, knapp vor unserer Abreise, 
konnte ich eine Mittagstemperatur von 34° gegenüber einer Mit- 
ternachtstemperatur von 9° ablesen. Die höchste registrierte 
Nachttemperatur betrug 14°. 

Die Niederschlagsmenge in den Sommermonaten ist sehr 
gering, besonders in manchen Jahren, wie z. B. im gegenwär- 
gen, was zur Folge hat, daß beispielsweise das Getreide, so- 
weit es nicht künstlich bewässert werden kann, kaum viel höher 
als 30--40 cm wird. Auch die sonstige Vegetation der Steppe 


ist, wenige ganz kleine Oasen — am Rande von Gebirgszügen 
oder in der Nähe von Bächen, wo sich offenbar eine größere 
Bodenfeuchtigkeit erhält — ausgenommen, wohl recht mannig- 


faltis, im Wuchse aber sehr dürftig. Die Charakterpflanzen der 
Steppe bilden im zeitlicheren Frühjahre eine wundervoll violett- 
blühende Papilionacea, eine andere, unserer Levkoje sehr ähn- 
liche Pflanze, riesige Saponaria-Büsche, sodaß dort von einer 
Saponaria-Formation gesprochen wird und später, in vorgerück- 
ter Jahreszeit zahlreiche Distelarten. Auch eine unserer Ononis 
ähnliche Pflanze und eine ziemlich hohe Crucifere treten stellen- 
weise in größeren Beständen auf. Sonst ist die Steppe von 
allerlei kleinen, schön blühenden Labiaten u. a. bestanden. Auch 
die vollkommen kahl scheinenden nördlichen Randberge der 
Steppe, deren höchster sich vielleicht bis ca. 1500 m erhebt, 


Viviparen (Sumpfdeckelschnecke), medizin. Blutegel (dem die Bevölkerung 
stark nachstellt), Wasserfrösche, Sumpfschildkröten, gestreifte Ringelnatter, 
sowie die gesamte Avifauna. Auch der Gebrauch des Seewassers zu Trink- 
zwecken für Mensch und Tier dürfte als Beweis gelten neben meinen 
eigenen reichlichen Kostproben dieses wohl trinkbaren aber sehr warmen 
und nicht besonders gutschmeckenden Wassers. Gerade dieser See erregte 
mein ganzes Interesse, sollte es doch der erste Salzsee sein, den ich zu sehen 
und zu verkosten hoffte. Ich habe eben die falsche Seite erwischt. Salz- 
krusten am Ufer fehlten natürlich vollkommen. Diese Naturerscheinung 
dürfte wohl einzig dastehen und auch Rückschlüsse über die Herkunft von 
sonst an Süßwasserpflanzen lebenden Insekten ziehen lassen, Diese meine 
Beobachtungen werden auch seitens meines Reisegefährten Herrn H. Kulzer 
vollauf bestätigt, der als Coleoptereologe im See auch Schwimmkäfer in An- 
zahl fing. 

Kurz möchte ich auch noch erwähnen, daß die meinerseits in groben 
Zügen angegebene Lage des Sultan-Dagh sich auf meine Uebergangsstelle 
bezieht, die ca. 30 km von Akschehir liegt. Hier schlägt der Sultan-Dagh 
einen Bogen und ändert dadurch seine Richtung gegenüber seiner Lage un- 
mittelbar bei Akschehir. Von dort stammt auch die zur Abbildung gebrachte 
Aufnahme von der Westseite des Sultan-Dagh. Laut deutschen und russischen 
Generalstabskarten ist die Allgemeinrichtung des Sultan-Dagh N.NW,-S.SO. 


Mo 


zeigen bei mannigfaltiger niederer Vegetation keinerlei Baum- 
wuchs. Wir fanden an strauch- oder baumartigen Pflanzen nur 
eine eng an die Felsen geschmiegte, kriechende, kleinblätterige 
Rhamnus-Art und an einer einzigen Stelle noch 2 kleine, ver- 
krüppelte wilde Mandelbäumchen. 

Gewitterbildungen sind im Gebiete des Sultan-Dagh im Mai- 
Juni nicht gerade sehr selten, erreichen aber oftmals nicht mehr 
die Steppe; diese bekommt vielfach nur noch wenige Tropfen 
ab, während über Akschehir und dem Sultan-Dagh der Himmel 
seine Schleusen soweit als möglich öffnet, was wir einigemale 
am eigenen Leibe zu verspüren hatten. 

Entomologisch mußten wir fast allabendlich auch sehr unter 
heftigen, oftmals sturmartigen Winden leiden, die zumeist aus 
nördlicher Richtung bliesen und es uns in den meisten Fäl- 
len unmöglich machten, die Leuchtleinwand aufzustellen. Wir 
konnten diese vielmehr nur, mit großen Steinen beschwert, auf 
den Boden legen und die Lampe daraufstellen. Daß wir trotz- 
dem eine artenreiche Ausbeute zu Stande brachten, beweist den 
Reichtum der dortigen Fauna. 

Noch eines mir sehr interessant scheinenden Umstandes 
möchte ich Erwähnung tun, dem Erscheinen aquatischer Lepi- 
dopteren und anderer Wasser-Insekten am Lichte. 

Die Steppe ist absolut wasserarm. Trinkwasser muß ver- 
mittelst artesischer Brunnen aus ca. 15 m Tiefe gepumpt werden, 
schmeckt übrigens etwas brackig und besitzt eine ähnliche Wir- 
kung wie Karlsbader Sprudel.e. Die nächstgelegenen Wasser- 
speicher sind der Akschehir-Göl und der Akschehir-Bach, beide 
in der Luftlinie mindestens 10—12 km von unserem Leuchtplatze 
entfernt. Dennoch erbeuteten wir eine ganze Reihe an und im 
Wasser lebender Insekten, wie z. B. Non. geminipuncta, Senta 
maritima, Phragm. castanea und territa, die wohl nur im Schilf 
des Akschehir-See’s ihr Raupenstadium verbringen konnten; 
aber auch verschiedenes Kleinzeug, wie mehrere Nymphula- 
Arten, Acentropus niveus, sehr kleine Notonectiden (Wasser- 
wanzen) u. a. erbeuteten wir am Lichte. Letztere allerdings 
vorwiegend an Abenden mit südl. Luftströmungen, dann aber 
in Scharen. Immerhin hatten die zarten kleinen Tierchen eine 
gewaltige Arbeitsleistung zu bewältigen, um ans Licht zu gelangen 
und deshalb erscheint mir dieser Umstand erwähnenswert. 


* * 


Be 


Ehe ich nun zur Besprechung der einzelnen Arten schreite, 
möchte ich noch einen kurzen Gesamtüberblick über die gegen- 
ständliche Lepidopterenfauna geben. 

Erbeutet wurden insgesamt 313 Arten, von welchen 4 über- 
haupt neu und weitere 23 für die Fauna Kleinasiens noch nicht 
nachgewiesen erscheinen. Letztere/habe ich durch ein f kenntlich 
gemacht. Sonst weist die Fauna Inneranatoliens, resp. die des 
Sultan-Dash — wie nicht anders zu erwarten stand — eine weit- 


Sultan Dagh 
Apollo-Fangplatz ca, 16—1700 m 


gehende Uebereinstimmung mit jener des cilicischen Taurus auf: 
176 Arten, das sind 56°/,, wurden bereits aus dem Taurus nach- 
gewiesen, Kosmopoliten nicht miteingerechnet. Weitere 78 Arten, 
rund 25°/, des bisher festgestellten Faunenbestandes sind aus 
anderen Gegenden Kleinasiens, namentlich von Amasia bekannt 
geworden und 23 Arten, d.s. 8°/, sind für die Fauna Kleinasiens 
neu, finden sich aber in den angrenzenden Gebieten, wie Süd- 
rußland, Armenien, Syrien, oder sind aus Zentralasien nach- 
gewiesen. 

Selbstverständlich ist die weitaus größere Mehrheit orienta- 
lischen Ursprungs, ein kleinerer Teil gehört mediterranen resp. 


Ba 


subtropischen Faunenelementen an und nur wenige Arten sind 
sibirischer Herkunft, 

Für Kleinasien neue Arten sind die folgenden: Shmiyesa 
Herrichi, beroe-aurantiaca, Lyc.hylas-armena, damone-damonides, 
Arsil. albovenosa-cretacea nov.ssp., Ägr. senna, semna, eremicola, 
celsicola-gracilis nov. ssp., haifae, ochrina, ripae-desertorum, 
Mam. implexa, stigmosa, Pseudohad. laciniosa, Non. geminipuncta, 
Senta maritima, Leuc. obsoleta, zeae, Call. Barthae nov.sp., Thalp. 
chlorotica, Cinglis humifusaria, Eupith. dubiosata nov. sp., calli- 
graphata nov. sp., Amicta Ecksteini, Holcocerus volgensis und 
Phrag. castaneae. 

Eine bemerkenswerte Arealbegrenzung im Gebiete finden nur 
Sat.mnyszechi-Herrichi, Lyc.hylas-armena, Agr.semna, eremicola, 
Mam. stigmosa und Pseudohad.laciniosa mit einer West- resp. Süd- 
westgrenze, sowie Nonagria geminipuncta und Senta maritima 
mit einer Ost- bezw. Südostgrenze. 

Als endemisch wäre, wenn man von den hier als neu be- 
schriebenen Arten und Rassen absieht, eigentlich nur Agrotis 
homicida anzusprechen, die bisher nur aus Kleinasien nach- 
gewiesen erscheint. 

Für das engere, hier besprochene Gebiet sind natürlich, 
abgesehen von den mit * bezeichneten, bereits von Pfeiffer 
konstatierten Arten, eigentlich alle als neu zu bezeichnen, da 
ja Max Korb-München, welcher wiederholt um Akschehir und 
Konia sammelte, außer gelegentlichen Neubeschreibungen und 
einigen biologischen Notizen, leider gar nichts Zusammenfassen- 
des publizierte. 

Als charakteristische Tagfalter des Gebietes wären die Sa- 
tyriden, namentlich Melanargia larissa in deren var. taurica, das 
Genus Satyrus s. str., Lycaeniden und Hesperiden zu bezeichnen, 
die in 14, 40 resp. 13 Arten bezw. Rassen festgestellt wurden, 
während unter den Heteroceren eigentlich keine einzige Gattung 
durch eine besondere starke Anteilnahme am Faunenbilde her- 
vorsticht, ausgenommen vielleicht die Gattung Agrotis und 
Orgyia dubia var. turcica, die als Raupe stellenweise geradezu 
zu Tausenden auftrat. 

Sehr auffallend und bemerkenswert ist ee anderen 
kleinasiatischen Regionen die große Armut an Arctiiden, Zy- 
gaenen und Sesien. Es ist wohl nicht ausgeschlossen, daß wir 
einerseits schon zu spät (für Ocognya z.B.) andererseits aber 
noch zu früh an der Zeit waren; dem widerspricht jedoch wie- 


der die Tatsache, daß wir auch die wenigen konstatierten Zy- 
gaeniden nur in sehr spärlicher Individuenmenge erbeuteten und 
ich mich stundenlang — alles andere vernachlässigend — nur 
der Sesiensuche widmete, ohne aber ein irgendwie nennens- 
wertes Resultat erzielen zu können. 


Unterirdische, mit Schilf gedeckte Hirtenbehausung, am Nordrand der Steppe, 


Es folgt nun ein Verzeichnis der benutzten Abkürzungen 
und zwar: 


Ak. = Akschehir, Stadt von etwa 10000 Einwohnern, ca. 1000 m 
am Fuße des Sultan-Dagh gelegen. 
T.=Tschiftlik, Landgut in der nördl. von Ak. gelegenen Steppe, 


in gleicher Seehöhe, 
B. = Oberst Viktor v. Bartha. 
W.— Wagner. 


Wenn nichts anderes bemerkt, wurden sämtliche Arten von 
uns beiden erbeutet. Die Typen der neubeschriebenen Arten 
und Formen befinden sich in meiner Sammlung, Cotypen in der 
Sammlung Bartha’s, die Typen der neubeschriebenen Micro- 
Heteroceren im naturhistorischen Staatsmuseum in Wien. 


soup 


20. 
21. 


2a ge 


| Nachstehend rn an Wenzel mnis der eat een. 


. Fahringer, Dr. J., Eine wissenschaftl. Studienreise nach der 


europ. Türkei und Kleinasien. (Separatum.) 


‚ Lederer, Beitr. z. Schmetterlingsfauna von Cypern, Beirut u. 


einem Teile Kleinasiens. Verh. d. zool. botan. Ges. Wien, 1855. 
— — Noch einige syrische Schmetterlinge. Wien. ent.Monats- 
schrift. II. 1858. 

— — Excursion l&epid. en Anatolie. Annales Soc. ent. Belg. IX. 
— — Contrib. ä la Faune d.Lep. d.1.Transcaucasie. Ibid. XII. 


‚ Mann, Wiener ent. Monatsschrift Bd. V, VI und VII, 


‚ Pfeiffer, Ein Beitr. z.Insektenfauna v.Kleinasien (Anatolien). 


Mitt. Münch. Ent. Ges. 1926 p. 99 uff., 1927 p. 35 uff. 


‚ Rebel, Lepidopteren aus Morea. Mit2 Nachtr. Berl. ent. Ztschr. 


Bd. XLVII-L. 1902-5. 


‚ — — Studien z. Lep.-Fauna d. Balkanländer I-IIl. Annalen d. 


nat. Hofmus. Wien, XVIIL-XXVIL 1903-13. 


.„ — — Ergebnisse e. naturwissensch. Reise z. Erdschias-Dagh. 


Lepidoptera. Ibid. XX. 1905. 


‚ Rebel, Zur Lep.-Fauna d. Ins. Rhodus u. Cypern. M, Nachtr. 


Jahresber. Wr. ent. Ver. 1915 u. 1924. 


‚ — — Zur Lep.-Fauna Kretas. Annalen d. Nat. Mus. Wien, 
XXX, 1916. 
‚ — — Eine Lep.-Ausbeute a.d. Amanusgebirge (Alman-Dagh). 


Sitz.-Ber. Akad. d. Wiss. Wien, Math.-nat. Klasse L., Bd. 126, 
H. 4-5, 1917. 


. Seitz, Groß-Schmetterlinge d. Erde. I. Palaearkten, ABde. 
. Staudinger, Beitr. z. Lep.-Fauna Griechenlands. Horae Soc. 


ent. Ross. 1870, 


. — — Lep.-Fauna Kleinasiens m. Nachtr. Ibid. 1879-81. 
. Staudinger und Rebel, Katalog d. Lep. d. pal. Faunengeb. 


3. Aufl. 1901. 


. Tölg, Eine zoolog. Studienreise durch Kleinasien in die Hoch- 


gebirge Ciliciens. (Unveröff. Manuskript.) 


. Tölg u. Fahringer, Eine naturwiss. Studienreise in das 


Amanus-Gebirge. Berlin, Arch. f. Naturgesch. 1919, A. S. 
Verity, Rhopalocera palaearctica. 1905-11. 
„Iris”, D. ent. Zeitschr. Bd. I-XLIL 


ARTS 


“ Zum Schlusse ist es mir eine liebe und angenehme Pflicht 
allen jenen Herren herzlichst zu danken, die mir bei Ueber- 
prüfung kritischer Arten behilflich waren und die Revision der- 
selben besorgten. Es sind dies die Herren O. Bang - Haas, 
Dr. A.Corti-Dübendorf(Agrotis), A.Naufock-Linz (Ino), L.B.Prout- 
London und endlich Hofrat Prof. Dr. Hans Rebel und Kustos 
Dr. H. Zerny-Wien, die mir in altgewohnter, liebenswürdigster 
Weise zur Seite standen. Von Kustos Dr. H. Zerny rührt auch 
die Bearbeitung meiner Micro-Ausbeute her. Dem Schriftleiter 
dieser Zeitschrift, Herrn Ernst Pfeiffer-München, der es ermög- 
lichte, daß meiner Arbeit auch Textbilder sowie Tafeln bei- 
gegeben werden konnten und welcher uns vor Antritt unserer 
Reise verschiedene Winke gab, sei an dieser Stelle gleichfalls 
aufs Wärmste gedankt. 


Wien, im Dezember 1928. 


PAPILIONIDAE.‘) 


“1. Papilio podalirius L. var. smyrnensis Eim. Ak. vom 11. bis 
26. VI. Die erbeuteten Stücke, offensichtlich bereits einer 
2. Gen. angehörig, zeichnen sich durch bedeutende Größe, 
hellere Grundfarbe und wesentlich längere Schwänze aus. 
Der Hinterleib ist beim 5 in geringerer Ausdehnung, beim 
Q fast ganz weiß. | 

2. Papilio alexanor Esp. var. orientalis Rom. Ak. Von mir in 
einem frisch geschlüpften 5’ am 6. VL, in einem ebensolchen 
Q am 14,Vl. erbeutet. Das weibliche Exemplar stimmt sehr 
gut mit dem Bilde bei Verity pl. LX Fig. 8 überein. Verity 
hält orientalis nur für eine Form des maccabaeus Stgr. und 


*) Die systematische Reihenfolge ist die des Staudinger-Rebel'schen Ka- 
taloges. Nur den Geometridae liegt in systematischer, wie auch in nomenkla- 
torischer Hinsicht die Bearbeitung von L.P, Prout im „Seitz" zu Grunde. 


auch Rebel spricht sich (Lit. Verz. Nr. 13) dahin aus, daß 

beide „gewiß nicht als Rassen von einander zu trennen sind.“ 

Orientalis hätte dann vor maccabaeus die Priorität. 

*3. Papilio machaon L. Mehrfach im Juni. Die erbeuteten 
Exemplare dürften am besten zur var. syriaca Ver. zu stel- 
len sein. 

"4. Thais cerisyi God. Es ist auffällig, daß diese für Klein- 
asien sonst so überaus charakteristische Art von uns weder 
in der Umgebung von Akschehir, noch im Sultan-Dagh auf- 
gefunden wurde. Wir sichteten dieselbe nur während der 
Fahrt hinter Haidar-Pascha mehrfach längs des Bahndam- 
mes und trafen ein vereinzeltes, ziemlich frisches @ noch 
am 6. VI. im Versuchsgarten der landwirtschaftlichen Schule 
zu Konia. Da ich das Stück nicht mitnahm, kann ich über 
die Rassenzugehörigkeit nichts aussagen. Auffällig ist fer- 
ner, daß von uns auch der von Pfeiffer in so großer Menge 
konstatierte Doritis apollinus Herbst nicht gefunden wurde. 
Stunden- ja tagelanges Suchen nach derRaupe aufden Brach- 
äckern um Akschehir blieb gleichfalls ganz erfolglos; wir 
konnten nicht einmal die Futterpflanze Aristolochia hastata 
ausfindig machen. 

5. Parnassius apollo L. var. anatolicus Pgstr. (Mitt. Münch. 
Ent. Ges. III. 1912. p. 74.) Sultan-Dagh in ca. 16—1700 m, 
25.—28. Vl., 4. VIL (vorwiegend © 2) und 12. VII. (zum weit- 
aus größten Teil bereits abgeflogen und zerfetzt). 

Oberst v. Bartha gelang es, diese sehr schöne, ausnehmend 
große und helle Rasse in einem Seitental des S.-D. aufzufinden, 
wo wir sie in der Folge ziemlich zahlreich erbeuteten. In ein- 
zelnen Exemplaren auch in dem von Ak. zum S.-D. führenden 
Haupttale angetroffen und auf dem rechten Bachufer von mir 
zahlreicher fliegend beobachtet. In dem erwähnten Seitental 
flog anatolicus in überraschend großer Menge, war aber in dem 
sehr steilen Gelände nur schwer zu erbeuten. Die frisch ge- 
schlüpten 9 © saßen zumeist in den Büschen der dort ein fast 
undurchdringliches Dickicht bildenden Krüppeleichen, die Jo 
schwebten — oftmals 4—5 über einem einzigen Busche — 
majestätisch darüber hin, um bei Annäherung nach allen Rich- 
tungen auseinander zu stieben. Besser gelang der Fang in den 
Mittagsstunden, wo die schönen, stolzen Tierchen dann zahl- 
reicher über den Bach wechselten, sich hin und wider auch 
niederließen und dann um vieles leichter zu erbeuten waren. 


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Die Variationsbreite von anatolicus ist ziemlich bedeutend, 
trotzdem weisen sämtliche Stücke einige sehr charak- 
teristische Merkmale auf. Dies ist vor allem die bis 
zum fast völligen Schwinden führende Reduktion der Subkostal- 


Apollo-anatolicus Pgstr. 


ca. */s nat, Gr. 


flecke der Vil, sowie das konstante Auftreten des inter- 
texta-Charakters. Unsere Stücke besitzen dieses letztere 
Merkmal ausnahmslos, auch ganz frisch geschlüpfte 
Exemplare. 

Die Expansion beträgt bei normaler Spannung im Durch- 
schnitt 80 mm beim 5’ und 85 mm beim 9, bei einer Vorder- 
flügelläinge von 46—48 mm. Mein größtes 5’ mißt jedoch 84, 
mein größtes © 90 mm. Ganz ausnahmsweise kommen auch 
sehr kleine Exemplare vor, so ein Pärchen meiner Serie, von 
nur 75 mm Spannweite. Es handelt sich also um eine aus- 
nehmend große Rasse, die auch durch die weiße Färbung und 
Reduktion einiger Zeichnungselemente sehr auffällt. Ohne als 
Nicht- Spezialist ein abschließendes Urteil fällen zu wollen, 
scheint es mir doch, daß anatolicus, kasthenkoi und levantinus 
von einander kaum verschieden sind und sehr wahrscheinlich 
auch für auerspergeri Rbl, das Gleiche gilt. Zweifellos gehören 
diese vier „Rassen“ einem einzigen Formenkreis an und ich 


2 


el, ©: 


wenigstens weiß unsere anatolicus von den bei Verity pl. LXII, 
Fig. 19—20 abgebildeten kasthenkoi — die Bryk in seinem 
Katalog übrigens zu democratus Krul. resp. zu seinem dubius 
zieht — sowie von dem 1. c. Fig. 21 abgebildeten levantinus 
Rothschild nicht zu trennen. Auch die von Rebel der Be- 
schreibung von auerspergeri beigegebene Abbildung (Zool. bot. 
Verh. 1911 p.49) paßt bis auf die bei auerspergeri stärkere Weiß- 
kernung der Augenspiegel der Hil. sehr gut auf unsere Stücke. 
Die für auerspergeri angegebene, basalwärts hakenförmige Fort- 
setzung des schwarzenKostalflecks unter dem Vorderrand der Vl. 
zeigen unsere anatolicus im männlichen Geschlechte ausnahmslos, 
doch kommt dies Merkmal auch einigen westmediterranen Rassen 
(hispanicus Obthr., nevadensis Obthr.) zu.) Die Länge des Glas- 
saumes und der Äntemarginalbinde schwankt gleichfalls außer- 
ordentlich, reicht bei manchen Exemplaren — wie bei auerspergeri 
— nur bis Ader M. resp. Zelle 3, bei anderen jedoch fast bis zum 
Innenwinkel der Vfl. Einigen 'Stücken fehlt die Antemarginal- 
binde nahezu ganz und ist nur noch durch wenige schwarze 
Schuppen angedeutet. Innenrands-Beschuppung der Hfl. schwach. 

Beim dunkleren und kräftiger gezeichneten 7 reicht der 
Glassaum und die Antemarginalbinde zumeist bis zum Innen- 
winkel, auch tritt auf den Hil. gewöhnlich eine kräftige Kap- 
penbinde auf. 

Die Weißkernung der Augenflecke ist großen Schwankungen 
unterworfen, decora-Charakter kommt in beiden Geschlechtern 
äußerst selten vor. Der Variationsradius von anatolicus gelangt 
auf der beigegebenen Tafel gut und deutlich zum Ausdruck. 


Pagenstecher selbst ließ seinerzeit die Frage offen, ob sein 
anatolicus zu einer der früher beschriebenen Formen gehöre 
‘oder nicht und betont sogar die „große Aehnlichkeit“ mit gra- 
jus St. Sollte sich meine Vermutung, daß es sich hier immer 
um ein und dieselbe Rasse handelt, richtig sein, — ich überlasse 
es gerne dem Urteil eines berufenen Spezialisten, dies zu ent- 
scheiden — dann hätte wohl kasthenkoi Schel. (1907 publiziert), 
den Vorzug der Priorität. 


*) Es ist merkwürdiger Weise überhaupt — bis auf die bedeutendere 
Größe — eine gewiße Uebereinstimmung mit diesen im allgemeinen kleineren 
westmediterranen Rassen bestimmt nicht zu leugnen, ein Umstand übrigens, 
der schon Pasenstecher auffiel und in der Originalbeschreibung von anatolicus 
auch zum Ausdruck gebracht, von Bryk (Mitt. Münch. Ent. Ges, 1914, P- 73) 
allerdings — zu Unrecht — wieder bestritten wird. 


"6. 


"10. 


11. 


Parnassius mnemosyne L. Von B. am 30. V. und 26. VI. 
am S.-D. in ca. 1800 m Höhe in einigen wenigen QQ er- 
beutet. Nach Pfeiffer 1. c. steht die Rasse des S.-D. der 
var. antitauricus Fruhst. zunächst. Rebel bezeichnet aber 
(Lit.-Verz. Nr. 13) Stücke vom Amanusgebirge als var. Shel- 
juzhkoi Bryk und bemerkt hiezu, daß sich die mnemosyne- 
Form vom Amanus von jener des cilic. Taurus nicht tren- 
nen lasse und daß ein von Bang-Haas als antitauricus er- 
haltenes Pärchen aus Hadjin mit den Amanus-Stücken ganz 
übereinstimmt. 


PIERIDAE. 


‚ Aporia crataegi L. var. hyalina Röb. Ak. und S$.-D. im 


Juni nicht selten. Noch in ca. 1500 m erbeutet. 


. Pierris brassicae L. var. catoleuca Röb. Die vorliegenden 


Ex. gehören zweifellos dieser, nach Taurus-Stücken be- 
schriebenen Rasse an und stimmen mit der Original- 
beschreibung gut überein. 


. Pieris rapae L.. Nach B. auch in der Form leucosoma 


Schaw. festgestellt. Ak. und S.-D. vom 26. VI. bis Ende VII. 
Pieris Manni Mayer. Ak. Am 25. VII. von mir in einem 
prächtigen © der g. a. Rossi Stef. erbeutet. Aus Kleinasien 
sonst nur von Pfeiffer in der. g. v. Manni Mayer erwähnt, 
nach Seitz auch im Taurus. 

Pieris callidice Esp. var. chrysidice H. S. S.-D. auf den 
höchsten Kuppen in rasendem Fluge; am 25. VIL ein SC 
(B.). 


. Pieris daplidice L. In der Steppe gemein in mehreren Gen. 


Stücke von Ende VII, die offenbar schon einer 3. Gen. an- 
gehören, zeigen unterseits ein helles Lauchgrün, sind aber 
keineswegs mit raphani Esp. zu identifizieren, welche stets 
eine ausgesprochen gelbliche Färbung der Hil.-US. 
aufweist. 


. Euchlo& belia var. /aurica Röb. Bis Ende V. in frischen 


Stücken beiderlei Geschlechts mit ausgesprochen gelblicher 
US. der Hfl. nicht selten auf den niedrigeren Randbergen 
der Steppe. Die Exemplare dürften bereits einer 2. Gen. 
angehören, da die Art später von uns nicht mehr gesich- 
tet wurde. 


Dy3 


14. 


15. 


Na 


Euchlo&@ charlonia Donz. var. mesopotamica Stgr. Die vom 
21. V. bis Ende Juni erbeuteten frischen Stücke zeichnen 
sich durch bedeutende Größe und ein leuchtendes sattes 
Gelb aus. Der Spitzenfleck, gewöhnlich breit gelb geteilt, 
ist manchmal auch tiefschwarz ohne Spuren einer Teilung. 
Unterseite der Hfl. bis auf einen deutlichen Mittelpunkt 
kaum gefleckt. Von Pfeiffer für Egerdir in einer Zwischen- 
form zur penia Frr. festgestellt, vom Erdschias-Dagh da- 
gegen die letztere in typischen Exemplaren. (Rebel, Lit.- 
Verz. Nr. 10). Wie schon Pfeiffer betont, ist charlonia ein 
sehr unsteter Flieger, der sich gerne in Gesellschaft der 
belia auf den höchsten Kuppen der niederen Randberge 
herumtrieb und nicht leicht zu fangen war. Mesopotamica 
hat eine viel ausgedehntere Flugzeit als belia und war Ende 
VI. immer noch in frisch geschlüpften Exemplaren anzu- 
treffen, die sicher noch keiner späteren Gen. angehörten. 


Zegris eupheme Esp. var. menestho Mön. Ich entdeckte 
Ende V. die hübsche — einer Cucullienraupe nicht unähn- 
liche — Raupe in zahlreichen Ex. an einer blühenden Cru- 


cifere in nächster Nähe des Landgutes. Die daraus erhal- 
tenen Puppen überliegen jetzt und werden erst im Frühling 
die Falter entlassen. Von Konia erhielt ich durch Korb 
mehrfach diese Var. und sah sie überdies auch in der klei- 
nen Lokalsammlung der landwirtschaftl. Schule daselbst an- 
läßlich unseres Besuches. 


. Leptidia sinapis L. g.a. diniensis Be Ak. vom 29. VL. bis 


Ende VII. und S.-D. ein y_% (B.). 


. Leptidia duponcheli Stgr. und g. a. aestiva Stgr. Ak. 20.V. 


o& und ab 6. VII. in beiden Geschlechtern nicht häufig, mit 
voriger zusammen. Beide Arten sind unschwer auseinander 
zu halten. 


. Colias hyale L. Die wenigen von uns erbeuteten Exem- 


plare — S.-D. 30. VL und Ak. 22. VI. — möchte ich un- 
bedenklich zur var. sareptensis Stgr. stellen. Ein mir vor- 
liegendes großes S' von intensiv gelber Färbung zeigt den 
Spitzenfleck fast ganz schwarz, die Hfl. mit sehr schmaler, 
stark reduzierter Randbinde. 


. Colias edusa F. (croceus Fourc.) mit ab. helice Hb. und 


helicina Obthr. mehrfach, aber durchaus nicht häufig. 


‘20. 


21 


22 


32. 


Te 


Gonepteryx farinosa Z. Ak. 10.VI. bis 28. VII. nicht sehr 
häufig. | 

Gonepteryx rhamni L. var. meridionalis Röb. Ak. 10. VL 
oO (B.). 


NYMPHALIDAE. 


Limenitis camilla Schiff. (rivularis Scop.) var. reducta Stgr. 
Ak. Ende V. und wieder im Juli; S.-D. 24. VII (B.). Die 
Stücke der 2. Gen. zeigen die Binden bedeutend weniger 
reduziert. 


. Pyrameis atalanta L. Ak. 28. VI. 

. Pyrameis cardui L. Mehrtarb. 

‚ Vanessa urlicae L. var. furcica Stgr. S.-D. 28. VL (B.). 

. Vanessa xanthomelas Esp. var. fervida Stdf. Ende Juni 


mehrfach in der Nähe der Stadt Ak. 


‚ Vanessa polychloros L. Ak. 6. bis 26.VI. Für kleinasia- 


tische Ex. hat wahrscheinlich der Name fervescens Stich. 
einzutreten, da fervida Stdf. für die entsprechende Form 
von xanthomelas vergeben ist. (Vgl. Seitz, Pal., Bd. I p. 205). 


. Vannssa antiopa L. Ak. Ende Juni. 
‚ Polygonia c-albumL. Ak. 24. VI. ein defektes, aber zweifel- 


loses Z dieser Art. 


. Polygonia egea Cr. Von Ende Juni ab mehrfach in der 


g. a. J-album Esp. 


‚ Melitaea cinxia L. var. clarissa Stgr. Ak. und in niedri- 


geren Lagen des S.-D. nicht selten. Nach Pfeiffer Ueber- 
gänge zur var. clarissa Stgr. Einzelne Ex. erreichen die 
letztere ganz. 

Melitaea arduinna Esp. S.-D. 1600 m 1 J' (B.). Von 
Pieiffer für Egerdir gemeldet, sonst für Kleinasien nur aus 
Diarbekir (Stgr.) und von Rebel vom Amanus-Geb. in der 
var. rhodopensis angegeben. 


. Melitaea phoebe Knoch. T. 21.V., Ak. 10.VL Ich ver- 


weise auf die Ausführungen Pfeiffers. Mir machen die Ak.- 
Stücke den Eindruck einer eigenen, sich an aetherea an- 
schmiegenden Rasse,! die vermutlich mit amanica Rbl. vom 
Taurus, Das-Dagh etc. (Lit.-Verz. Nr.13 p. 262) identisch: ist. 


ug 


34. Melitaea didyma O. Die in Anzahl erbeuteten Stücke 
beiderlei Geschlechts stimmen in beiden Generationen gut 
mit daimatinischen Exemplaren überein und sind m. E. auch 
als var. dalmatina Stgr. anzusprechen, die ührigens auch 
aus anderen Teilen Kleinasiens, so z. B. vom Erdchias-Dagh 
gemeldet ist. Die 2 Q sind in der überwiegenden Mehrheit 
gelb-rot gefärbt; graugrüne 2 © nur vereinzelt. Zwischen 
Exemplaren der Steppe (nördl. Randberge) und von Ak. 
keine wesentlichen Unterschiede, 

‘35, Melitaea trivia Schiff. Mitte bis Ende Mai, sowohl auf 
den Randbergen der Steppe, als auch am S.-D. bis in etwa 
1500 m erbeutet. Die Ex. der Steppe sind durchschnittlich 
etwas heller gefärbt, einzelne Stücke erreichen — nament- 
lich im © — eine ziemlich bedeutende Größe, Nach Pfeiffer 
steht die Rasse zwischen pseudodidyma Rbl. und syriaca Rbl., 
was zutreffen dürfte. 

36. Melitaea athalia Rott. Am S.-D. in ca. 1500 m am 24. und 
26. VI. in einigen männlichen Ex. erbeutet. Dieselben zei- 
gen ein so vollkommen einheitliches Gepräge und unter- 
scheiden sich so konstant von athalia anderer Provenienz, 
daß ich trotz der Unkenntnis des anderen Geschlechts nicht 
anstehe, sie als nov. subsp. anatolica zu bezeichnen. 
Von gewöhnlicher Durchschnittsgröße der athalia, in Färbung 

und Zeichnung an helle dictynna erinnernd. Als auffälligstes 

Merkmal das fast vollständige Fehlen der Randmonde 

auf allen Flügeln, wodurch ein breiter schwarzer Saum ent- 

steht. Durch Verbreiterung der schwarzen Färbung erscheint 
auch die vorletzte Fleckenreihe vor dem Saume in kleine runde 

Fleckchen aufgelöst. Vf#l.-Unterseite viel dunkler (düsterer), 

namentlich fehlt die gelbliche Aufhellung im Apex 

und längs des Saumes der V£l. nahezu vollständig. 

Hfl.-Unterseite viel gedeckter, weniger kontrastreich, an gewisse 

Ex. von aurelia resp. dictynna erinnernd. 

Die schwärzlichen Palpen einerseits, das Fehlen der schwar- 
zen Kerne in der braunen Antemarginalbinde der Hil.-Unterseite 
andererseits, stellen die Zugehörigkeit zu athalia außer jeden 
Zweifel. Ein oberseits ganz ähnliches Ex. liegt mir aus der 
Herzegovina (Vucija bara) vor. 

Athalia scheint in Kleinasien nur sehr lokal und äußerst 
spärlich vertreten zu sein und wird nur von Stgr. (resp. Mann) 
für Amasia und Brussa angegeben. 


— 23 — 


37. Argynnis daphne Schiff. Ak. Ende Juni nicht selten. 
Die Stücke dürften der schwach differenzierten var. epi- 
daphne Fruhst. angehören. 

"38. Argynnis lathoniaL. var. saturata Röb. (Ent. Nachr. 1896, 
p. 81). S.-D. 26. VIL, 12. VII (B.) 

39. Argyonis aglaja L. var. offomana Röb. (1. c. p. 82). S.-D. 
Ende VL i 

*40. Argynnis pandora Schiff. Ak. Juni bis Mitte VII. Die 
durch verminderte spangrüne Färbung auf der Vfl.-O'seite 
ausgezeichnete Rasse ist vermutlich mit var. pasargades 
Fruhst. vom Alexandergeb. identisch oder zumindest dieser 
nahestehend. | 


SATYRINAE. 
41. Melanargia larissa H.-G. Ak. (Friedhof) und S.-D bis 


ca. 1500 m überall gemein den ganzen Juni hindurch. 
Die Art variiert wie alle Melanargien außerordentlich, 
zeichnet sich durch durchschnittlich bedeutendere Größe 
(einzelne Stücke erreichen 55—60 mm Expansion bei 32 bis 
34 mm Vfl.-Länge) und Ausdehnung der schwarzen Färbung 
namentlich im Basalteil der Vfl. aus, erreicht aber noch nicht 
die Verdunkelung, wie sie den Exemplaren aus Akbes eigen 
ist. Die Synonymie der Art ist durchaus nicht geklärt und 
ich möchte vorschlagen für die gegenständliche Rasse den 
Namen taurica Röb. gelten zu lassen, astanda Stgr. aber, 
die der Autor selbst mit „vix nominanda“” bezeichet, auf 
Exemplare vom Kaukasus zu beschränken. 


Die Abbildung der syriaca bei Seitz Taf. 39 paßt sehr gut 
auf die vorliegenden Stücke der var. faurica Röb., während 
syriaca Obthr. nach mir vorliegenden Exemplaren aus Akbes 
in der Hauptsache noch wesentlich dunkler gefärbt ist; es bleibt 
bei letzterer eigentlich nur eine weiße Mittelbinde auf allen 
Flügeln übrig, da die weißen Randmonde - verschwinden. 

Auch Rebel, der allerdings faurica Röb. noch als Synonym 
zu syriaca stellt, bemerkt (Lit.-Verz. Nr. 13}, daß bei einzelnen 
Stücken vom Das-Dagh etc. die weißen Randmonde der Hinter- 
flügel vollständig wie in Oberthür's Abbildung fehlen. 

Zahlreiche Exemplare meiner großen Serie zeigen eine 
gelbliche Grundfärbung, wie solches bei vielen Melanargien 
(lachesis, galathea etc.) vorkommt; ein albinotisches Q, auch 


o'seits viel heller gefärbt und ohne die schwarze Limballinie 
der Hinterflügel, ist u'seits fast zeichnungslos,: milchweiß und 
entspricht etwa den Formen cataleuca resp. leucomelas von Mel. 
lachesis resp. galathea (ab. lactaea m.). 


42. 


43. 


44, 


45. 


46. 


47. 


Satyrus circe F. var. asiatica Seitz. Ak. Ende Juni, 
Mitte VIL Die Rasse zeichnet sich durch in Flecke aufge- 
löste schmale Vfl.-Binde und verschmälerte, „sägeartig spitze 
Zähne aussendende" Hfl.-Binde aus. 


Satyrus hermioneL. var. syriaca Stgr. Ak. untere Hänge 
des S.-D., etwas später als vorige erscheinend. 7. bis 27. VIL 


Satyrus briseisL. var. fergana Stg. Die um Ak., sowie am 
S.-D. bei ca. 1400 m im Juli erbeuteten Stücke gehören zu 
einer ziemlich großen, sehr breit gebänderten Form mit sehr 
kontrastreicher Hfl.-U’seite beim 5 und stark rötlich getön- 
ter U’seite beim 9, die wohl am besten mit der genannten 
Var. zu vereinen ist. Die Bilder der f/ergana bei Seitz 
stimmen recht gut mit unserer Form überein. Ein @ mit 
männlich gezeichneter Hfl.-U’seite (Coll. B.), ein besonders 
stark rötlich tingiertes @ meiner Serie mit auffälligem hell- 
rötlichem Außenrand aller Flügel, der besonders auf den 
Hfl. sehr an maracandica Stgr. erinnert. Die ab. pirata Esp. 
wurde nicht beobachtet. 

Satyrus anthe O. Sowohl T., als auch Ak. und S.-D. bis 
ca. 1500 m, von Mitte VI. bis Mitte VII. nicht häufig. Ver- 
einzelt auch die ab. hanifa Nordm. und Uebergänge hiezu. 
Oberst B. fand Ende VII. am S.-D. noch in ca. 1800 m Höhe 
3 durch ihre Kleinheit auffallende Exemplare. 

Satyrus semele L. Ak. von Mitte VI bis Ende VII. Die er- 
beuteten Exemplare sind von der Nominatform kaum zu tren- 
nen, keinesfalls liegt mersina Stgr. mit fast eintönig grauer 
Hfl.-U’seite vor, die im Gebiet eigentlich zu erwarten wäre, 
Satyrus arethusa Esp. Es liegt mir sowobl von Ak. 24. 
bis Ende VIL, als auch vom Sultan-Dagh aus 1500 — 2000 m 
Höhe je eine kleine Serie von Stücken beiderlei Geschlechts 
vor. Während nun die Form aus Ak. kaum von der No- 
minatform zu trennen sein dürfte, weil die Unterschiede 
doch zu gerinfügiger Natur scheinen — weisen die Ex. aus 
den höheren Lagen eine so weitgehende Differenzierung auf, 
daß ich diese Rasse als sulfana n. subsp. abgetrennt sehen 
möchte und im Folgenden beschreibe. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Oes, 


Erklärung zu Tafel I. 


Figur 


1 


. Satyrus arethusa nov. ssp. sultana Wgnr. 5' 

. Melitaea athalia „ „ anatolica W$nr. 5° 
„ M 2 „.‚anatolica Wgnr. j' 
;‚ Chondrostege pastrana Led, 5 

” Osthelderi Pigr. J' 

. Arsilonche albovenosa nov. ssp..crefacea W$nr. 
‚ Dianthoecia silenes nov. ssp. variegatla W$nr. 
& filigrama var. melanochroa Stgr. 

. Callophasia producta Ld. 

. Polia pygmea Stgr. 

‚ Polia acuta Frr. (Amasia) 

4 ., (Tschiftlik bei Akschehir) 

. Callophasia Barthae Wgnr. nov. sp. 

. Agrotis celsicola nov.;ssp; gracilis,W£nr., 

. Metopoceras beata Stgr: 

. Cloantha laciniosa Chr. (Tschirtlik bei Ak.) 

. Abrostola triplasia? var. clarissa Stgr. 

. Thalerastria diaphora Stgr. 

4, 2 nov.ab. mediofasciataW£$nr. 
. Eupithecia dubiosa Wgnr; nov. sp: 

h calligraphata: Wgnr. nov., sp: 

‚ Lycanea Löwii Z. aberratio 


‚ Hesperia proto nov.ssp. proteides Wgnr, 5 


Oberseite Type 
Unterseite‘ Type - 


Oberseite Type N 
Unterseite Type 


Oberseite 


Unterseite 


en 


Type.ex coll. Stagslinger 


Type 5 2 
Type. . u 
Type vn k 

ex coll, Wagner 
Type „on hr | 
Tpaorsängechi 


Type ex coll. Darren | 
Type 
Type 


Type 


Taiel II. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


O'seits etwas an dentata Stgr. erinnernd, indem die Flecken 
der von den Adern breit durchschnittenen gelbbraunen Binden 
besonders auf den Hfl. eine keilförmige, mit der Spitze wurzel- 
wärts gerichtete Form annehmen. Bei einzelnen Stücken neigen 
diese Flecken + zum Verschwinden. Sehr auffällig ist jedoch 
die Hfl.-U’seite. Diese entbehrt jeglicher weißlichen Aufhellung 
fast völlig, wodurch sie ein ziemlich eintöniges Aussehen erhält; 
dafür ist das Mittelfeld beiderseits durch eine sehr scharfe, 
zackige schwarze Linie begrenzt, die sonst entweder fehlt oder 
nur ganz verloschen auftritt. 


48. Satyrus anthelea Hb. Ak. und T. vom 3. VI. bis Mitte Juli 
sehr gemein. Die @ % suchen mit Vorliebe den Schatten 
überhängender Felsen auf. Die Variabilität der schönen 
Art mit den auffällig dichromen % 9 ist bis auf die ver- 
schiedene Ausdehnung der gelbbraunen Binden nicht sehr 
bedeutend, doch treten im weiblichen Geschlechte zwischen 
den beiden großen Augen der Vfl. mitunter weiße, schmal 
schwarz umrandete, winzige Ozellen auf. Ein aberrati- 
ves © ex coll. Bartha hat die dunkleren Stellen der Flügel 
silberig aschgrau aufgehell. Bei den Jo’ variüert die 
Ausdehnung der gelbbraunen Färbung in der Hil.-Binde 


etwas. 


49. Satyrus pelopea Klug var. kurdistana Stgr. Nür wenige 
Exemplare Ende VI. unter mnyszechi und mamurra erbeutet. 
Die Art kommt manchen Stücken dieser beiden letzteren 
recht nahe, ist aber besonders durch die Unterseite leicht 
zu trennen. ' 


"50, Satyrus mnyszechi H.-S. T. vom 11. VL, Ak. und S.-D. 
bis ca. 1500 m vom 26. VI. an bis Mitte VIl. zahlreich in 
beiden Geschlechtern. Während die Stücke von Ak. und 
dem S.-D. der Nominatform angehören, fliegt auf den Rand- 
bergen der Steppe ausschließlich nur deren o'- und u'seits 
viel hellere, auch durch die weißen Fransen gut gekenn- 
zeichnete var. Herrichi Stgr. In dieser Form neu für Klein- 
asien. 


"51. Satyrus bero& Frr. Von Oberst v. Bartha am 25. VII. am 
Sultan-Dagh in 1700—2000 m Höhe in Anzahl erbeutet. 
Darunter, namentlich in den tieferen Lagen, auch einzelne 
aurantiaca Stgr. Letztere neu für Kleinasien, 


52. Satyrus mamurra H.-S. var. Lydia Stgr. Ak. und S.-D. bis 
ca. 1500 m. Von Mitte Juni an sehr häufig. Die Art vari- 
iert sehr in der Ausdehnung und Intensität der gelbbraunen 
Binden bis zur ausgesprochenen ab, obscura Stgr., bei wel- 
cher nur noch Spuren derselben vorhanden sind. Bei ein- 
zelnen Exemplaren reicht die Binde der Hil. wurzelwärts 
weit über die Mitte. Zwei mir vorliegende 2 2 sind durch 
viel hellere, fast gelbe Binden ausgezeichnet. Die beiden 
kleinen weißen Fleckchen, welche pelopea sowie mnyszechi 
und deren Formen eigen, fehlen der mamurra stets. Nur 
das eine der erwähnten aberrativen Stücke zeigt zwischen 
den großen Augen der Vfl. zwei winzige schwarze Punkte. 
Daß graeca Stgr. zu mamurra gehören soll, will mir absolut 
nicht einleuchten. Dieselbe weist nach zwei mir vorliegenden 
frischen Pärchen aus Morea (Chelmos ex. coll. Sheljuzhko) 
auch unterseits weit mehr Aehnlichkeit mit beroe resp. deren 
var. aurantiaca auf, von der ich sie eigentlich nicht zu tren- 
nen weiß.*) Im Uebrigen verweise ich bezüglich der letzt- 
genannten 4 Arten auf die ausführliche Darstellung Staudingers 
(Lit.-Verz. Nr. 15 u. 16), doch ist die Synonymie dieser Arten- 
Gruppe m.E. noch lange nicht geklärt. 


53. Satyrus statilinus Huf. Ak. 22. bis 28. VIL nur im J er- 
beutet. Die Expl. gehören einer sehr kleinen Form an 
(Vfl.-Länge 24 mm), die durch die stark aufgehellte Unter- 
seite der Hfl. allerdings sehr an die weit größere allionia F. 
erinnert, Vielleicht liegt eine eigene Rasse vor. 


54. Satyrus jatuaFrr. Ak. 22 bis 28. VII. nur männl. Individuen, 
da die Art erst im Erscheinen begriffen war. 


55. Satyrus actaea Esp. var. hadijna Rühl. Am Sultan-Dagh 
in 1700—1900 m Höhe von Oberst B. in Anzahl erbeutet. 
Ich war ursprünglich geneigt, die erbeuteten Stücke infolge 
der sehr deutlichen weißen Rippen der Hfl.-U’seite für 


*) Staudinger selbst schreibt in seiner Fauna Kleinasiens bei Bespre- 
chung von beroe: „Endlich muß ich jetzt nach einer genauen Vergleichung 
meine als pelopea var. graeca aufgestellte Form aus dem Peloponnes als 
Varietät zu beroö ziehen”, begründet dann die Ursache dieser Sinnes- 
änderung, stellt im Katalog 1901 graeca aber doch wieder zu mamurra. 
graeca Stgr. scheint mir nur etwas breit- und rundflügeliger zu sein, die 
helle, fast;weißliche Unterseite, die beim © auffallend großen, ungekernten 
Augen der Vfl. verweisen sie m, E, aber unbedingt zu beroe. 


56. 
917. 


62. 


amasina anzusprechen; die beiden: Augenflecke und die 
dazwischen liegenden bläulichweißen Kerne der Vfl., sowie 
die für hadijna angegebene doppelte weiße Bände- 
derung der Hil.-U’seite lassen mir aber doch die Zu- 
gehörigkeit zu letzterer wahrscheinlicher erscheinen. Ich 
möchte übrigens bei dieser Gelegenheit bemerken, daß ich 
actaea Esp. und cordula F. für zwei verschiedene Arten 
halte und zwar aus dem Grunde, weil beispielsweise in Süd- 
frankreich (Castillon bei Menton) an denselben Plätzen, 
jedoch etwas später actaea erscheint, wo vorher nur cor- 


dula flog. 

Pararge aegeriaLl. Ak. 10. VL (B.) 

Pararge roxelana Cr. Um Ak. im Juni nicht selten, aber 
schwer zu erbeuten, da sie sich stets in die Krone der 
Bäume flüchtet, in deren Schatten sie sich gewöhnlich her- 
umtreibt. 


. Pararge megaera L. Sultan-Dagh, ca. 1600 m, 25. VII. (B.) 
. Pararge maera L. var. orientalis Stgr. Ak. 22. bis 28. VIL 


einzeln. 


. Epinephele jurtina L. var. hispulla Hb. Ak. sehr verein- 


zelt unter der folgenden. Nach B. in der Ebene an blühen- 
den Brombeeren nur diese Art. 


. Epinephele telmessia Z. Ak. an den untersten Hängen 


des S.-D. zehr zahlreich den ganzen Juni hindurch. Diese 
nach Rebel „in Abspaltung begriffene Form“ ist — wenig- 
stens in den uns vorliegenden Exemplaren — durch die 
viel gerundetere Flügelform und ihre Kleinheit unschwer 
von der vorigen zu trennen, Einzelne Sc zeigen nur eine 
hofartige braune Umrandung des Apicalauges, andere wie- 
der weisen eine ausgedehnte kastanienbraune Färbung im 
ganzen Saumdrittel auf. 

Epinephele Iyacon Rott. var. intermedia Stgr. Ak. ab 
Mitte VI. nicht selten. Während einzelne Jg’ eine starke 
gelbliche Behaarung der Vfl.-O'seite aufweisen, wodurch der 
Duftschuppenfleck sehr auffällig hervortritt und sehr stark 
gezackten Hfl.-Saum zeigen, sind andere meist auch klei- 
nere ZZ wieder viel dunkler gefärbt, der Hfl-Saum nur 
ganz schwach geeckt. Vom S.-D. 1800 m 25. VIL (leg. B.) 
liegt mir ein kleines, helleres Pärchen vor, das mit collina 
Röb. zusammenfallen dürfte. 


"63 


66 


. 


’ 


2a — 


Coenonympha leander Esp. S.-D. ca. 1500 m; einzeln 
ab Ende Mai. Manche Jg werden sehr dunkel und bilden, 
wie dies schon von Pfeiffer betont wird, Uebergänge zur 
ab. obscura Rühl, resp. erreichen diese ganz. 


Coenonympha pamphilus_L. Ak. und S.-D. bis ca. 1200 m, 
Juni—Juli; auch in Uebergängen zur thyrsides Stgr. 


LIBYTHEIDAE. 
Libythea celtis Laich. Ak. Ende VI bis Mitte VII ver- 


einzelt angetroffen. 


LYCAENIDAE. 
Thecla spini Schiff. var. melantho Klug. Ak. Anfang Juni 


nicht selten. Die erbeuteten Stücke zeichnen sich in bei- 
den Geschlechtern durch ziemlich lange Schwänzchen und 
hellere U’seite aus. 


Thecla illicis Esp. var. caudatula Z. Ak. von Ende V. bis 
Mitte VI. 


Thecla acaciae FL Ak. Juni—Juli in den Formen abdo- 
minalis Gerh. und Gerhardi Stgr. nicht häufig. 

Thecla Ledereri B. Diese interessante, einer Chrysophanus 
weitaus ähnlichere Art, trafen wir vom 21.V. bis Mitte VI. 
nur an einer sehr engumschriebenen Stelle am Plateau eines 
der niederen Randberge um T., dort aber nicht selten. 
Wie schon Max Korb (Mitt. Münch. Ent, Ges. XI, 1921, p. 11) 
beobachtete, trieben sich die Tierchen auch auf unserem 
Fangplatze zwischen einer kleinen, kriechenden Rhamnus- 
Art umher, um sich auf Steine oder Pflanzen zu kurzer 
Rast niederzulassen. Die Variabilität ist gering und äußert 
sich nur in Vermehrung der rötlichen Saumflecke auf den 
H£l., oder auch in der + großen Ausdehnung der eigenartig 
isabellfarbenen Stellen an der Vfl.-Basis. Unterschiede zwi- 
schen 3’ und © kaum in die Augen springend. Alle von 
uns erbeuteten Exemplare sind ungeschwänzt, der Saum 
der Hinterflügel springt aber auf Ader 2 etwas vor, sodaß 
zwischen A, und 2 eine Einbuchtung entsteht. System bei 
Thecla bedarf zweifellos einer Nachprüfung. Tutt stellt (Brit. 
Lep.IX, p. 142) für Ledereri etc. die Gattung Bakeria auf, 


(Fortsetzung folgt.) 


— (298 


Ueber die Arten und Formen der Gattung 
Nychiodes Led. 
Von Dr. Eugen Wehrli, Basel. 
Mit 2 Tafeln u. 11 Figuren. 


Anläßlich der Bearbeitung einer Bestimmungssendung vom 
Südost-Taurus, enthaltend eine interessante Serie dreier Nychiodes- 
Arten war ich genötigt, die anatomische Untersuchung einzelner 
Stücke vorzunehmen, weil Formen sich darunter befanden, die 
ohne solche nicht mit der wünschbaren Sicherheit zu determi- 
nieren waren. Natürlich mußten bei dieser Gelegenheit auch 
die verwandten Species in die Untersuchung einbezogen werden, 
die recht interessante Resultate zu Tage förderte, über die im 
Folgenden kurz referiert werden soll; sie erstreckt sich auf das 
Material der in meinem Besitz befindlichen Sammlungen Tancre, 
Oberthür, Hauri und meiner eigenen. 

Ueber anatomische Untersuchungen dieser Gattung treffen 
wir in der Literatur nur eine Bemerkung Warnecke’s, I. E. Z, 
Guben XIX, 1925, p. 18, wonach Diel die 5% Genitalien bei 
Obscuraria Vill., dalmatina Wgnr. und waltheri Wgnr. specifisch 
verschieden gefunden habe und darüber demnächst ‚eine Arbeit 
publizieren werde, die indessen, soviel mir bekannt, noch nicht 
erschienen ist; ferner gibt Zerny kurze Angaben über var. 
andalusiaria Mill, deren 5’ Organe mit obscuraria übereinstim- 
men und über die Form von Albarracin, für die das Gleiche 
gelte: er fügte eine falsch gezeichnete Abbildung des Jg 
Kopulationsapparates der obscuraria von Albarracin bei, ohne 
jede Beschreibung der Organteile.. (Eos, II, 1927, p. 419/20, 
fig. 5.) 
Die Arten der Gattung Nychiodes lassen sich hauptsächlich 
nach anatomischen Gesichtspunkten, sowie nach dem Habitus, 
in drei natürliche Gruppen einteilen, deren Charakteri- 
sierung unten erfolgen soll. Alle Species können ungezwungen 
in diese Gruppen eingereiht werden, mit Ausnahme der amyg- 
dalaria, die wohl durch die abweichende Zeichnung und Fär- 
bung, nicht aber durch die gut mit den Verwandten harmo- 
nierende Beschaffenheit der Genitalorgane, aus der Gattung 
herausfällt. 


ren. 


Die Gruppierung habe ich vorgenommen nach dem Grade der 
Chitinisierung des Penis und der Valven, in der Annahme, daß, 
wie Petersen bei den Eupithecien ausführt, die Arten mit am 


weitesten differenzierten und am stärksten chitinisierten Organen 


als die jüngsten Glieder des Genus oder Subgenus zu taxieren 
sind, und umgekehrt die primitivsten Formen als die ältesten N 
betrachtet werden dürfen. Nach diesem Einteilungsprincip wäre 
die amygdalaria-Gruppe die älteste, die obscuraria-Gruppe aber 
die jüngste. 


Die Verbreitung der Gruppen. 


Die älteste Gruppe amygdalaria-divergaria-antiquaria be- 
wohnt hauptsächlich das östliche Mittelmeer-Gebiet, Bulgarien, 
Mazedonien, Kleinasien, Kreta, Taurus, Syrien, Palästina und 
reicht mit dem jüngsten Sproß antiquaria bis zum Issyk-kul, 
Zentralasien. Die Ausbreitung scheint in östlicher Richtung vor 
sich gegangen zu sein. 


Die zweite Gruppe, mit dalmatina als ältester Art, hat ihr 
Zentrum im nordöstlichen Mittelmeergebiet, Istrien, Dalmatien, 
Mazedonien, Herzegowina, Rumelien, Griechenland; die jüngeren 
Arten persuavis und waltheri finden sich hauptsächlich in der 
asiatischen Türkei, Taurus, Syrien, Palästina, Mesopotamien und 
dringen ebenfalls in östlicher Richtung bis Transkaspien vor. 


Bei der letzten Gruppe, der obscuraria, auf die ich weiter 
unten noch zu sprechen komme, bewohnt die älteste Species, 
mauretanica, Nordafrika, Tunis und Algier und hat sich als 
obscuraria über Sizilien, Italien, Südtirol, Schweiz, Südfrankreich 
bis Andalusien (Spanien) ausgebreitet, also in nördlicher und 
nordwestlicher Richtung. 


‘Da die Kenntnisse über das Vorkommen der Nychiodes- 
Arten, namentlich der südlichen und östlichen, noch recht lücken- 
haft sind, können meine Angaben über die Verbreitung der 
Gruppen nur provisorische sein. Hoffentlich lenken die Sammler 
ihr Augenmerk auf diese so interessante Gattung, so daß die 
großen Lücken bald ausgefüllt werden. 


Es folgt nun die Besprechung der einzelnen Gruppen und 
Arten; die beigegebenen Literaturangaben machen keinen An- 
spruch auf Vollständigkeit; in manchen Fällen war es nicht ganz 
klar, welche der jüngst aufgestellten Arten gemeint war, da der 
Großteil unter dem Sammelnamen /ividaria Hb. ging. 


A) Die amygdalaria H.S.- Gruppe. 


Penis lang, schlank, mit sehr schwachem Chitinstab von 
l/, bis etwas über '/, Penislänge. Valven schmal, lang-oval, mit 
Endbürste und mit 2 Daumenfortsätzen oder einem solchen und 
einem Finger, unbewehrt. Arten: Amygdalaria H.S., divergaria 
Stgr. und antiguaria Stgr. 

Nach dem Grade der progressiven Chitinisation zu urteilen 
wäre als älteste Art der Gattung anzusprechen: 


1) N. amygdalaria H.S. 


H.S. III. p. 82, Taf. 70, Fig. 432/3, Q@ aus Creta (unter Boarmia). 
Gn.1. p. 226 (als Synopsia). Stgr. Horae Ross. VII. p. 161, 275 Sep. 
(als Nychiodes). Prout, Seitz, IV. p. 360, Taf. 19,i. (Die Fig., 
ein ©, ist zu blau, die hellen Stellen zu gelb geraten.) Spuler, 
1910, Taf. 61, fig. 21. 

Die Art scheint selten zu sein. Ich besitze nur 2 Jo, von 
Jericho (Palästina) und von Akbes (Syrien). Sie sind heller als 
die abgebildeten 2 @, hell weißlich im Saum- und Basalield, 
Mittelfeld an den Querstreifen z. Teil fleckig verdunkelt; die 
Unterseite ebenfalls viel heller, weißlich, die Zeichnung sonst 
wie auf der Fig. 433 H.S. Sie erinnern oberflächlich betrachtet 
an eine helle S. sociaria Hb., mit etwas verdunkeltem Mittelfeld, 
sind aber natürlich bedeutend größer. 


Verbreitung: Kreta, Brussa, Magnesia, Taurus, Diarbekir; 
Haifa, Akbes, Syrien, Jericho, Palästina; Mardin, Mesopotamien ; 
Mazedonien, Bulgarien; Osimo bei Ancona, Mittelitalien. 

Beschreibung des Genitalapparates (Taf. II, Fig. 1): 
Penis schlank, etwa von Valvenlänge, caudal allmählich sich 
verjüngend, mit gerundeter Spitze, oral ebenfalls etwas schmäler; 
anal ein spitzer, nicht hervortretender Chitinstab von etwas mehr 
als \/, Penislänge, der oral zu einer rundlichen mit Zähnchen 
besetzten Platte verbreitert ist. Ductus inferior ventral-caudal 
mit einem am Grunde geradlinigen tiefen Ausschnitt, zu beiden 
Seiten des Penis je einen breit zungenförmigen Lappen bildend. 
Uncus kräftig, Vogelkopf ähnlich, ziemlich breit; Schnabel nach 
unten gekrümmt, mit kurzer Spitze. Valven langoval, dick; 
Dorsalspange breit chitinisiert, caudal verbreitert, und im Gegen- 
satz zu divergaria und antigquaria breit geradlinig abgeschnitten, 
mit wenig Borsten und Zähnen besetzt, das anale Ende der Valve 
bildend; ventrale Spange ebenfalls breit verhornt, bildet vor dem 


Ende der Valve einen mit Zähnen besetzten starken Fingerfort- 
satz, dem ein zweiter noch stärkerer und längerer, gleichfalls 
dornentragend, dorsal dicht anliegt. 


2) N. divergaria Stgr. 


Iris, V, p. 171, eine von obscuraria Vill. total verschiedene 
Species, wie schon Prout in Seitz, p. 360 vermutete, abgebildet 
von Wagner (Iris 33/1919, p. 105—116) Taf. IV, der sie ganz zu 
Unrecht zu obscuraria zieht, indem er l.c. p. 113 sagt: „Prout 
ist geneigt, divergaria als eigene Art anzusprechen, doch ist bei 
reichlicherem Material die Zugehörigkeit zu obscuraria unver- 
kennbar.“” Wagner reproduziert I. c. auch die Beschreibung 
Staudingers, auf die ich verweise. 

Divergaria variiert in Größe, Zeichnung und Bärbung ganz 
außerordentlich; erstere schwankt nach Staudinger beim J' zwi- 
schen 27 mm und 43 mm; meine kleinsten 5 haben 29 mm, das 
größte Q@ 44mm. Das eine der kleinsten Z'cJ° ist von Dr. Stau- 
dinger, das Andere trägt den Zettel: Vu par Dr. Staudinger. 
Beide können demnach als Cotypen betrachtet werden; ersteres 
stammt von Mesopotamien, letzteres von Akbes (Syrien), woher 
indessen auch meine größten Stücke kommen. 

Auch die Zeichnung ändert bedeutend ab; die Oberseite 
kann völlig zeichnungslos sein, sogar die Mittelpunkte fehlen, 
und nur am Innenrand der Hinterflügel treten Andeutungen der 
Querstreifen auf. Andere sind scharf gezeichnet und besitzen 
deutliche, nach außen hell angelegte Querstreifen und scharfe 
M.monde; ein J' aus der Ausbeute Pfeiffers von Marasch (Taurus) 
hat hellgraue, weißliche Färbung und erinnert stark an die aller- 
dings noch hellere obsc. f. andalusaria Mill. Auf der lichtgrauen 
Unterseite sind die Mittelmonde meist groß und scharf, ge- 
wöhnlich auf den Hfln. deutlicher als auf den Vfln.; sie fehlen 
zuweilen ganz. 

Die Variabilität der Färbung ist ebenfalls beträchtlich. Eine 
der Cotypen von Mesopotamien ist graubraun, mit deutlicher 
Braunfärbung längs der Querstreifen; das zweite zeigt sich 
stärker mit hellgrauen Schuppen untermischt; andere sind fast 
reingrau, ohne deutliche Beimengung von Braun. 

Die dunkelsten Stücke, 3 % @, habe ich von Marasch, ge- 
sammelt von Pfeiffer, dunkelgrau, fast ohne Braun, eines mit 
großen Mittelmonden oberseits. 

In der Beschreibung der divergaria erwähnt Staudinger 


EUER, 1 RER: 


auch Exemplare von Marasch und Beirut und schreibt |. c. p. 171: 
„Ein altes 5, aus Lederer's Sammlung, das Kindermann bei 
Diarbekir fand, gehört auch zur var. divergaria, während Stücke 
von Marasch (S.O.Taurus) und Beirut teilweise Uebergänge dazu 
(zu lividaria Hb.) bilden. Da N. lividaria in Europa stark ab- 
ändert, so kommen einzelne aberrierende Stücke (aus Castilien 
und Sizilien) dieser Varietät ziemlich nahe.“ 

Es hat Staudinger offenbar ganz ähnliche Stücke von Marasch 
in den Händen gehabt, von welchen ich oben angab, sie er- 
innern an andalusaria Mill, (aus Castilien), scharf gezeichnete 
sehr helle Individuen, die aber, wie die anatomische Untersuchung 
lehrt, nur äußerlich ähnlich werden, aber ganz verschiedenen 
Arten angehören, nämlich die europäische Form zu obscuraria, 
die von Marakesch aber sicher zu divergaria. Ganz gleich ver- 
hält es sich mit den, der ragusaria Mill. von Sizilien (sowie 
der N. mauretanica Wrli) ähnlichen Tieren, die bezüglich gelb- 
grauer Färbung, dichter Bestreuung und Obsoletwerden der 
Zeichnungen einige Aehnlichkeit aufweisen, aber ganz differente 
Species sind. Es darf demnach nicht von Uebergängen, sondern 
nur von ähnlichen Formen, wohl Convergenzerscheinungen, ge- 
sprochen werden. 

Es ist beachtenswert, daß Staudinger diese „Uebergänge“, 
die sich als sichere divergaria herausgestellt haben, auch von 
Beirut, zusammen mit denjenigen von Marasch, erwähnt, mit 
welchen sie jedenfalls identisch sind; dadurch gewinnt die An- 
nahme, Wagners palästinensis aus Beirut gehöre ebenfalls zu 
divergaria, ganz wesentlich an Boden. 

Staudinger betrachtet dann ferner ein 5 von Marasch, 
40 mm groß, dunkelgrau, gleichmäßig licht gemischt, deutlicher 
gezeichnet, als zufällig in Kleinasien auftretende Aberration der 
Lividaria, rechnet es aber zu antiguaria Stgr., von welchen hier 
divergaria einen Uebergang zu lividaria bilde. Da sich indessen 
die drei Genannten als gute Arten herausgestellt haben, kann 
es sich auch hier nicht um Uebergänge, sondern nur um ober- 
flächlich ähnliche Formen handeln. Man wird nicht fehlgehen, 
wenn man jenes Jg’ ebenfalls zu divergaria zieht, besonders da 
die typische antiguaria bisher weder in der asiatischen Türkei, 
noch in Syrien oder Mesopotamien sicher nachgewiesen wurde. 

Vorkommen: Mardin, Mesopotamien, Egin, Malatia, Diar- 
bekir, asiat. Türkei, Beirut, Akbes, Syrien, Marasch, S.O. Taurus, 
Jerusalem, Palästina. 


ge ns 


Divergaria Stgr. ist von Wagner Il. c. abgebildet worden, und 
zwar hat er die kleine Form aus Mesopotamien zur Darstellung 
gebracht, die vielleicht nur eine seltenere Zwergform oder Hunger- 
form — es existieren in den Sammlungen nur ganz vereinzelte 
Exemplare, in meiner eigenen nur zwei — vorstellt, während 
alle Stücke aus Syrien und dem Taurus größer, sonst aber kaum 
verschieden sind. Da Staudinger Tiere ganz verschiedener Größe 
und Färbung, sowie deulicher und obsoleter Zeichnung, und von 
fast allen genannten Lokalitäten in seiner Originalbeschreibung 
erwähnt und beschreibt, und da alle diese Formen in den Kopu- 
lationsorganen übereinstimmen, geht es nicht an, einzelne dieser 
Formen vom Typus herauszulösen (z. B. palästinensis Wagner). 

Die gewöhnliche größere Form der divergaria aus Palästina, 
Syrien und dem Taurus ist von Culot, PI.54, Fig. 1096, (irrtüm- 
lich als amygdalaria H.S.) = palästinensis Wgnr. meisterhaft dar- 
gestellt worden und weist auch die von Wagner erwähnten 
gelblichen Aufhellungen an der Costa, zwischen den Mittelrippen 
und am Innenrand auf. Culots Falter stammt aus Jerusalem; 
seine Fig. ist bräunlich; es kommen aber auch fast rein graue 
Färbungen vor. Uebrigens berichtet Culot noch von einem 
zweiten merklich kleineren Exemplar, ebenfalls von Palästina. 

Beschreibung der Kopulationsorgane (Taf. Ill, Fig. 2): 
Penis sehr lang, über Valvenlänge, schlank, zylindrisch, caudal 
spitzer, dort mit einem sehr dünnen Chitinstab im Innern, von 
etwas unter !/, Penislänge; Blindsack nicht abgesetzt. Uncus 
geierkopfähnlich, nach unten gebogen, mit kurzer scharfer Spitze. 
Scaphium schwach, gerundet. Valven schwach, langoval, größ- 
tenteils häutig, mit einer schwach chitinisierten ventralen und 
dorsalen Spange, welch letztere in eine schwache, innen mit 
dünnen Borsten und kurzen Dornen besetzten ziemlich spitzen 
Bürste endigt und auf der Innenseite der Valven mit 2 neben- 
einanderstehenden, medial-anal gerichteten, am Ende mit kurzen 
Dornen besetzten Fingerfortsätzen, der ventrale lang, dünn, der 
dorsale erheblich dicker, wenig kürzer, daumenförmig. 

a) phasidaria Rghir., z.b.V.1873, p.572, eine fragliche Form, 
gegründet auf ein, nach Wagner, ziemlich stark abgeflogenes, 
abdomenloses ©, wohl kaum mehr sicher zu identifizieren, das 
von Staudinger als aberrierendes Stück der obscuraria Vill., 
das der divergaria am nächsten zu stehen scheine, betrachtet 
wird. Wagner hält sie eher für eine besondere Art, stellt sie 
aber mangels frischen Materials zu obscuraria. Nach der Ab- 


bildung und Beschreibung Wagners, |. c., auf die ich hiemit ver- 
weise, vermag ich die Oberseite mit dem ganz abweichend ver- 
laufenden äußern Querstreifen auch nirgends unterzubringen, 
hingegen kann die Unterseite mit ziemlicherer Sicherheit als die 
der divergaria angesprochen werden, wie sie ganz ähnlich bei 
einem Stück von Marasch vorkommt. Ich stelle sie deshalb 
vorläufig zu dieser. 


3) N. antiquaria Stgr. 
Stgr. Iris, V, p. 172; Wagner ibid. XXXIIl, p. 115; gleichfalls 


distincte Art, der divergaria nahe verwandt, aber nicht, wie 
Wagner p. 116 meint, „unendlich verschieden“; antiguaria unter- 
scheidet sich von dieser durch schwächer gezackten Hil.-Saum, 
durch feinere Bestreuung der Flügel, durch stärker gewinkelte 
Postmediane der Hfl., unterseits viel feinere Bepuderung und, 
wenigstens beim J', größere Mittelflecke, sowie deutlichere helle 
Streifen danach. Wagners Figur ist kenntlich, aber an meinen 
Exemplaren sind ober- und ganz besonders unterseits die Mittel- 
flecke viel deutlicher, auch die hellen Bogenstreifen ausgepräg- 
ter. Die Färbung der Figur harmoniert gut mit einem meiner ; 
während ein anderes 5’ nicht grau, sondern hellbräunlich tingiert 
ist. Beide stammen aus dem Alexandergebirge. Die Vfl. sind 
von gleicher Breite und Form wie bei divergaria und kaum schmä- 
ler, wenigstens beim 5, als bei obscuraria, wie Wagner angibt. 

Die von Staudinger angeführten „Uebergänge", sowie das 
von ihm sicher irrtümlich zu antigquaria gezogene Stück habe 
ich schon bei der divergaria besprochen. 

Die Art ändert nicht sehr stark ab, soweit dies nach dem 
geringen in Europa befindlichen Material beurteilt werden kann. 

Verbreitung: Margelan, Namangan, Ferghana; Samarkand, 
Seraf-shan, Alexandergebirge bis Issyk-kul, Ili, Zentralasien. 
Antiguaria scheint die zentralasiatische östliche Vertreterin der 
türkisch-syrisch-mesopotamischen westlichen divergaria zu sein; 
sie ist westlich von Samarkand bisher noch nicht sicher nach- 
gewiesen worden. 

Beschreibung der Kopulationsorgane (Tat. Ill, Fig. 3): 
Der divergaria sehr nahe, aber leicht zu trennen durch den be- 
sonders oral schlankeren Penis, seinen längeren Chitinstab, über 
'/, Penislänge, durch den kürzern, plumpern, weniger spitzen 
Uncus und den breitern stumpfern Valven, den dickern und viel 
kürzern ventralen Fingerfortsatz. (Fortsetzung folgt.) 

g# 


BR 


Buchbesprechung. 


Friedrich Schnack: Das Leben der Schmetterlinge. Verlag J. Hegner, 
Hellerau. 


Zum fränkischen Dichterkreis gehörig als eines seiner stärksten Talente, 
trägt Friedrich Schnack eine heiße Liebe zu den Schmetterlingen seit seiner 
frühesten Jugendzeit. In seinem Buch „Das Leben der Schmetterlinge” hat 
er seine außergewöhnliche Sachkenntnis niedergelegt in einer herrlichen 
Sprache. Das Buch ist ein Ereignis. 

Einzig schön und lebenswahr erhebt es sich zu einem Schwung, der 
als Hymnus auf die Schmetterlinge, aber auch auf das Leben selbst bezeich- 
net werden muß, 

Darum sei es wärmstens der Bücherei jedes Entomologen empfohlen. 


Max Bachmann, München. 


Kurze Vereinsmitteilung. 


Bei der letzten Generalversammlung traten folgende Aenderungen in 
der Besetzung der Vorstandschaft ein: 


Kassier: Gg. Wenger, München, Kolumbusstr. 2. 
Schriftleitung: Dr. von Rosen, München, Neuhauserstr. 51. 


m Selbstverlag der Münchner Entomologischen Gesellschaft. E.V. 
Schriftleiter: Dr, von Rosen, München, Neuhauserstr. 51. 


Tafel III 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges 1929. 


Taiel IV, 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


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MITTEILUNGEN 


er Minehner Entomologischen Gesellschaft, e.V. 


EREEFERELEITEIEFN) 


19. Jahrganı 1929. München, 1. April 1929. Nummer 2—1. 


EREEFEFEFTITEEFEFFFFETTERFEFTFEFFFEFEETEFERERT 
Ausgegeben: 1. IV. 1929. 


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Ueber die Arten und Formen der Gattung 
Nychiodes Led. 


Von Dr. Eugen Wehrli, Basel. 


(Fortsetzung.) 


B) Die Dalmatina-Gruppe. 


Anatomisch gekennzeichnet durch einen kräftigern, meist 
dickern Penis, mit stärkerem Chitinstab und durch einen, den 
übrigen Gruppen fehlenden, an der ventralen Valvenspange in- 
nen aufsitzenden, medial gerichteten starken Dorn oder Zahn, 
nicht zu verwechseln mit dem ventralen, analwärts gerichteten 
stumpfen fingerförmigen Endfortsatz der obscuraria-Gruppe. 

Arten: dalmatina Wö$nr., persuavis Wrli, waltheri We$nr. 


N. dalmatina W£nr. 


Wagner, Ent. Zeitschr. 23 (1909), p. 17; Iris 33 (1919), p. 110, 
Taf. IV; Berge-Rebel IX, Taf.45, Fig.26; Prout, Seitz IV, Taf. 19,i; 
Culot, P1.54, Fig.1095; Rebel, Ann. Nat. Hofmus. 1903, XVII, p. 266, 
XIX, p.279; Berliner E. Z.XLVI, p.99; Jahresbericht WienerE.V. 
1912, p.237; Bachmetjer, Hor. Soc. E. Ross. 1902, p. 462; Lederer, 
Wien. E. Monatsschr. 1863, p.41. Typus von Zara. Da die Ab- 
bildungen kenntlich und allgemein zugänglich sind, erübrigt sich 
eine weitere Beschreibung. 

Verbreitung der Art: Illyrien, istrien, Dalmatien, 
Herzegowina, Rumelien, Mazedonien, Griechenland. 

a) Andreasaria Warnecke. 1. E. Z. Guben, 1925, XIX, p. 18. 
Bunt und unruhig gefärbte Form aus Monastir, Mazedonien, mit 
heller, grauweißer Grundfarbe, hellbraunen, zuweilen zusammen- 
fließenden Flecken an der Costa, zwischen den Mittelrippen und 
am Innenrand, einem braunen Streifen an der Postmedianen 


rg 


beider Flügel und mit sehr charakteristischer, mehr oder weniger 
dichter, dunkelgrauer Uebersprenkelung, unterseits mit einer brau- 
nen Binde vor dem Saum, ober- und unterseits mit schwarzen 
Mittelflecken. 

Die Form ähnelt manchen gleichfalls dicht bestreuten wal- 
theri, besonders aus Syrien, ist aber anatomisch auch nach mei- 
nen Untersuchungen eine sichere dalmatina. 

Sie wurde ex ovo aus einem einzelnen © von Andreas in 
Deutschland gezüchtet, ist also auf ein Einzeltier mit seinen 
Nachkommen gegründet und hat ihre ganze Entwicklung in einem 
ganz andern Milieu vollendet. Es ist deshalb durchaus nicht 
sicher, daß andreasaria wirklich der um Monastir gewöhnlich 
fliegenden Rasse entspricht. Neues frisches Material von dort 
wird zur Entscheidung der Frage notwendig sein. 

b) Vorbrodtaria Wrli. n. ssp. Zu meiner großen Ueberraschung 
haben sich die beiden einzigen Exemplare, die ich aus der Schweiz 
auftreiben konnte, und die mir mein lieber Freund, Herr Oberst 
Vorbrodt, Lyss, freundlichst zur Ansicht sandte, sowohl nach 
der Zeichnung, als auch durch die mikroskopische Untersuchung 
als sichere dalmatina Wö$nr. herausgestellt, bezettelt mit Martigny, 
3. VII. 1906, die er von dem bekannten Sammler Arnold Wull- 
schlegel erhalten hatte. Auf meine Anfrage betr. nähere An- 
gaben, war Herr Oberst Vorbrodt so liebenswürdig, die in seinem 
Besitz befindlichen Notizkalender Wullschlegels durchzusehen 
und mir folgende Daten mitzuteilen: „1 5, 7.7.1902 La Batiaz; 
1 Raupe 19.5. 1904, La Batiaz, Falter e. |. 1., 3. 7. 04; Martigny, 
1 Falter 10.5. 1908, Falter e. 1. 24.6. 08; La Batiaz, 1 Raupe 
17. 5. 1908, Falter e.1. 24.6. 08.“ 

Er fügte dann noch bei: „Dazu ist zu sagen, daß Wull- 
schlegel seine Kalender nicht vollständig führte, d.h. nicht alles 
aufschrieb, was er fand. Diese Aufzeichnungen dienten ihm als 
Anhaltspunkte, was und wann, auch wo er zur gegebenen Zeit 
suchen sollte. Daß er N. lividaria bei Martigny fand und zog, 
scheint mir sicher. Ich glaube auch, daß die Ihnen gesandten 
Stücke von dort stammen. Meines Wissens hat W. an Staudinger 
wohl verkauft, mit ihm aber weder getauscht, noch bei ihm ge- 
kauft. Tausch- und Kaufverkehr betrieb er m. W. nur mit Ober- 
thür und zwar erst in den letzten Jahren seines Lebens.“ 

Es steht nach diesen Angaben außer Zweifel, daß Wuli- 
schlegel bei Martigny und La Batiaz im Wallis Raupen und Falter 
einer Nychiodes-Art erbeutet hat, und es scheint sich um dal- 


matina zu handeln; jedenfalls wäre das inselförmige Vorkommen, 
weit vom nächsten Standort Istrien (Mattuglie bei Abbazia), sehr 
interessant; denn es wäre viel eher N. obscuraria im Wallis zu 
erwarten gewesen, die ja von Milliere um Lyon nachgewiesen 
wurde, und die auch in der Lombardei und im Tessin gefangen 
ist. Ich habe deshalb das Wallis auch bei dieser Art als Fund- 
ort angeführt, die vielleicht dort ebenfalls vorkommt. 

Interessanterweise weichen die beiden Walliser Exemplare 
erheblich von der gewöhnlichen dalmatina ab, indem die bräun- 
lichen Töne gegenüber dem Eisengrau vorherrschen, die braunen 
Binden nach der Postmedianen beider Fl. oberseits gut ausge- 
prägt sind, viel deutlicher als auf der Abbildung Wagners, und 
eine gelbliche, namentlich beim 5 hervortretende Aufhellung 
danach folgt; eine gezackte helle Wellenlinie beim 2 deutlich, 
beim 5° angedeutet; lange Mittelstriche und Mittelschatten auf 
dem Vfl. vorhanden, auf dem Hfl. angedeutet. Auf der Uhnter- 
seite die braune Binde vor dem Saum scharf, davor ein heller, 
innen meist dunkel angelegter Streif. Mittelpunkte auf dem Hfl. 
vorhanden. Die Tiere ähneln ober- und unterseits der waltheri. 

Sollte es sich hier wirklich um eine Walliser Rasse handeln, 
woran kaum zu zweifeln ist, möchte ich den Namen vorbrodta- 
ria ssp. n. vorschlagen, zu Ehren des unermüdlichen verdienten 
Erforschers der Schweizer Fauna.') 


Mikroskopische Untersuchung des 5 Kopulations- 
organes (Taf. Ill, Fig. 4): Penis lang, nicht sehr dick, anal kurz 
zugespitzt, mit einem kräftigen, spitzen Chitinstab von nicht ganz 
halber Penislänge; Blindsack schwach sich erweiternd, oral leicht 
verjüngt. Ductus inf. schwach chitinisiert, ganzrandig, manchetten- 
artig; zu beiden Seiten des Penis je ein ziemlich spitzer Lappen. 
Uncus lang, schnabelförmig, spitz, gleichmäßig nach unten ge- 
krümmt. Scaphium sattelförmig, gerundet. Valven schmal und 
in der Form ähnlich der amygdalaria-Gruppe, anal spitz, dunk- 
ler chitinisiert. Dorsalspange S-förmig gebogen, als schräg 
geradlinig abgeschnittenes, am freien Rande und innen 
mit kurzen Zähnen besetztes, kratzerartiges Gebilde, 


!) Herr Oberst Vorbrodt hat nachträglich in der Sammlung von Büren, 
Bern noch zwei, seinen Walliser vorbrodtaria völlig gleiche Stücke 
aufgefunden, leider ohne Fundortangabe, aber mit sicher von der Hand Wull- 
schlegels geschriebenen Nummerzetteln, also jedenfalls vom gleichen Orte, 
wie vorbrodtaria stammend. Daneben steckte eine typische dalmatina von 
Dalmatien (von Wagner) und eine obscuraria Vill. von Südfrankreich. 


ER 


dessen Form für die Art charakteristisch ist; die mehr gerade ver- 
laufende ventrale Spange trägt an der Innenseite etwas hinter der 
Mitte der Valve einen ebenfalls für dalmatina charakteristischen 
breit dreieckigen spitzen Zahn, ferner am Ende einen 
schmalen, langen, mit spitzen Zähnen gekrönten Fingerfortsatz, 
neben dem medial ein dickerer, am freien Ende ebenfalls mit 
Zähnen versehener, Daumenfortsatz steht. 


N. persuavis Wrli. 


LE. Ztschr. Guben 22 (1929) Nr.42, p.385. Eine zwischen wal- 
theri und dalmatina die Mitte haltende, im Habitus der syrischen 
waltheri näherstehende Art, durch die lebhafte Sprenkelung sehr 
bunt und unruhig erscheinend, hierin etwas an f. andreasariaWarn. 
erinnernd, aber bedeutend intensiver braun und gelb. Charak- 
teristisch sind ferner der auffallende, längliche, zwischen Post- 
mediane und Wellenlinie zwischen Rippe 6 und 7 liegende rost- 
braune Fleck, die sehr feine, viel schwächer als bei waltheri 
ausgebuchtete, äußere Linie und namentlich durch die beträcht- 
lich stärker gewellte, vor der Mitte und vor dem Innenrand 
stumpf gewinkelte, bei Weitem nicht so stark wie bei waltheri 
geschwungene Postmediane der Hfl. Im Uebrigen verweise ich 
auf die Originalbeschreibung.') 


Die 5 Kopulationsorgane. (Taf. Ill, Fig.5.) Zwischen 
dalmatina und waltheri. Penis viel dicker als bei dalmatina, 
relativ (die untersuchte persuavis ist größer) fast so dick wie bei 
waltheri; caudal verjüngt, dorsal in einen langen grifielförmi- 
gen Fortsatz auslaufend, der etwa 4mal so lang und dicker 
ist als bei waltheri (auf Fig. 5 dorsalwärts gebogen); der spitze 
Chitinstab im Innern von etwa !/, Penislänge, schwächer als bei 
dalmatina u. waltheri. Ductus inf. anal manschettenförmig; late- 
ral am Penis zwei pigmentierte zungenförmige Lappen. Uncus- 
schnabel lang, spitz, dicker als bei waltheri. Scaphium sattel- 
förmig, chagriniert. Valven erheblich breiter als bei dalmatina, 
aber wesentlich schmäler als bei waltheri, oval, der häutige Teil 
am Ende vorstehend. Ventralspange stark, nicht recht- 
winklig wie bei waltheri, sondern stumpfiwinklig gebogen, 


!) In der Coll, Honegger, Nat. Mus. Basel befindet sich 1 5° der N. per- 
suavis, als ragusaria Mill. bezettelt (von der Firma D. Staudinger und A.Bang- 
Haas bezogen). Nach Wagner I. c. p. 111 gehören diese als ragusaria ver- 
schickten Exemplare aus Kleinasien zweifellos zu waltheri.und stimmen gut 


überein. 


u 


endet in einen, nur einen einzigen Zahn (bei waltheri 4—5) tra- 
genden, dünnen Fingeriortsatz; sie ist bewehrt mit einem weiter 
caudal als bei dalmatina und weiter oral als bei waltheri ge- 
legenen dreieckigen, in eine kurze Spitze vorgezogenen 
Zahn, größer als bei dalmatina, aber bei weitem nicht so lang 
wie bei waltheri. 


N. waltheri W$nr. 


Wagner, Iris 33 (1919) p.110u.£., Taf.IV. Warnecke, I. E.Z. 
Guben 1925, p. 18. Diese Species, nach von Walther gezüch- 
teten Exemplaren aus Haidar-Pascha bei Konstantinopel aufge- 
stellt, weist von allen N.-Arten die stärksten und ausgedehn- 
testen rein braunen und hellgelbbraune Binden und Flecken auf. 
Wahrscheinlich hat Staudinger die Art schon vor sich gehabt; 
er schreibt unter N. lividaria Hb. in seiner Lep.-Fauna Kleinasiens 
Sep. p. 275: „Diese kleinasiatischen Stücke haben viel Braun, 
fast richtige braune Binden auf den Vfln.“ Weiter südwärts tritt 
nach meinem Material diese Braunfärbung zurück auf Rechnung 
mehr gelber Farbentöne, und die Besprenkelung nimmt zu, wäh- 
rend ostwärts und im Gebirge scheinbar dunkelbraune düstere 
Töne vorherrschen und Gelb und Braun zurückdrängen. 

Die Art variiert, wie schon Wagner betont, individuell sehr 
erheblich und neigt auch zur Bildung von Lokalrassen. Von 
solchen habe ich, unter Vorbehalt der Bestätigung an größerem 
Material, abgegrenzt: 

a) transcaspica Wrli. 1.E.Z. Guben 22 (1929) Nr. 42, p. 386. 
Charakterisiert durch sehr geringeGröße, düstere Färbung, scharfe 
Zeichnung, ober- und unterseits scharfe Mittelflecken, Mangel einer 
deutlichen Binde unterseits, am auffallendsten aber durch eine 
vollständig gerade verlaufende, nicht wie bei waltheri 
sehr stark geschwungene Postmediane der Hfl.-Oberseite und 
Mangel einer deutlichen Binde unterseits. Aschabad. 

b) syriaca ssp.n. Stellt das Pendant zu dalmat. andreasaria 
Warn. vor; stärker bestreut und gesprenkelt, mit weniger aus- 
gedehnter Braunfärbung, heller gelbliches Mittelfeld der Vfl. und 
Basalhälite der Hfl., schwächer S-förmig geschwungene, nur vor 
der Mitte leicht ausgebuchtete oder schwach gewinkelte Post- 
mediane der Hfl. oberseits, stärkere Besprenkelung auch unter- 
seits, dort mit deutlicher dunkelbrauner Binde und scharfen 
schwarzen Mittelflecken meist beider Fl. oder wenigstens der 
Hil. und dadurch durch die bereits angegebenen Merkmale leicht 


von persuavis, der sie täuschend ähnlich werden kann, zu tren- 
nen. Akbes, Syrien. | 

c) osthelderi ssp. n. Das Paar, das Pfeiffer aus dem Taurus 
(Marasch) mitgebracht hat und ein zweites, von Herrn Osthelder 
gezogenes Paar, ist erheblich überschwärzt, die braunen Töne 
stumpf, die Linien scharf, auf beiden Flügeln ein auf dem Vfl. 
gewinkelter dunkelgrauer Mittelstreif, der auch auf der Uhnter- 
seite erkennbar ist; dunkle Binde schmal. 

Verbreitung: Von Konstantinopel (Haidar-Pascha) durch 
die asiatische Türkei zum Taurus, bis Syrien, Palästina und bis 
Transkaspien, Aschabat. 

Mein Exemplar, bezettelt Palästina, das ich Wagner vor 
Jahren für seine Nych.-Arbeit zur Ansicht schickte, trägt von ihm 
eine Etiquette mit dem Vermerk: „lividaria var. waltheri W$nr. 
Fundort »Palästina« sicher falsch”; W. glaubte offenbar, daß in 
Palästina nur seine palästinensis-divergaria Stgr. fliege und des- 
halb hat er dem Semiten die Heimat bestritten, sicher zu Un- 
recht, denn sowohl im Taurus als auch in Syrien fliegen waltheri 
und divergaria gleichzeitig nebeneinander und es ist nicht der 
geringste Grund vorhanden, anzunehmen, daß dies nicht auch 
im benachbarten Palästina der Fall sei. 

Das 5 Kopulationsorgan (Taf. Ill, Fig.6): Penis dick, 
doppelt so dick wie bei dalmatina, leicht konisch, mit kurzer 
griffelartig abgesetzter Spitze dorsal und mäßig erweitertem 
Blindsack; Chitinstab kräftig, nicht ganz von "/, Penislänge, mit 
einem grifförmigen Ausschnitt der oralen Hälfte und einem läng- 
lichen chagrinierten Knopf. Ductus inf. manschettenartig gerundet, 
mit einem abgestutzten innern Blatt am Penis. Uncusschnabel 
schlank, schwach, spitz, gebogen. Scaphium sattelförmig, gekörnt, 
spitz zungenförmig aufgebogen. Valven sehr breit, stark chiti- 
nisiert, am freien Ende gerundet, dort breit weichhäutig; Dorsal- 
spange kurz, stark, anal mit kurzer Spitze ohne bürstenförmiges 
Gebilde endigend; eine kräftige ventrale Chitinspange, die vor 
dem Valvenende rechtwinklich nach oben gebogen ist, an der 
Abbiegung einen sehr charakteristischen, sehr langen, 
— es ist der längste der Gattung — starken, medial-anal 
gerichteten etwa !/, Valvenbreite langen Dor.n trägt (auf Fig. 6 
zur besseren Darstellung nach außen geschlagen) und in einen 
medial abgebogenen, dünnen, am freien Ende mit Zähnen be- 
setzten Fingerfortsatz endigt; neben diesem ein ebensolcher 
dickerer Daumenfortsatz. Die Länge des langen ventralen Dor- 


ee 


nes schwankt innerhalb gewisser Grenzen — den längsten be- 
sitzt das Palästina-Exemplar, den kürzesten das von Aschabad — 
aber die Differenzen sind nie derart, daß die Art an dem, sie 
sogar bei Lupenbetrachtung kennzeichnenden, Dorn nicht sofort 
zu erkennen und von andern Species der Gattung mit Leichtig- 
keit zu unterscheiden wäre. 


C) Die Obscuraria Vill. - Gruppe. 


Ausgezeichnet durch einen sehr langen, kräftigen, gebogenen 
Chitinstab fast von Penislänge im dicken starken Penis, breite, 
stark chitinisierte, mit nur einem mit Zähnen bewehrten Daumen- 
fortsatz und 1—2, den andern Gruppen fehlenden, ungezähnten, 
nur beborsteten anal gerichteten End-Fingerfortsätzen versehene 
Valven. Die jüngste der Gruppen. 


N. mauretanica Wrli. 


I. E. Z. Guben 22 (1929), Nr. 42, p. 386. Manchen schlecht 
gezeichneten Stücken der großen Form der N. obscuraria var. 
ragusaria Mill. aus Sizilien recht ähnlich ; Vfl. entschieden schmäler 
und der Saum tiefer gezackt als bei dieser. Beide Geschlechter 
durchschnittlich von gleicher Größe. Das Gesicht dunkelbraun, 
im Gegensatz zu ragusaria, auch bei ganz hellen Exemplaren, bei 
welchen es bei letzterer meist wie der Thorax oder hellbraun 
gefärbt ist. Färbung und Zeichnung sehr variabel. Grundfarbe 
oberseits wechselnd, bei der Mehrzahl ein helles gelbliches 
Grau, bei Einzelnen weißlichgelb, gleichmäßig mehr oder we- 
niger dicht mit ziemlich groben, schwarzen, dunkelgrauen und 
bräunlichen Atomen überpudert, meist gröber als bei ragusaria, 
gewöhnlich dunkler als diese. Ein Paar der Serie ist gleich- 
mäßig dunkelgrau, mit fleckweisem bräunlichen Anflug an der 
Costa, zwischen den Mitteladern und über dem Innenrand; bei 
vier Exemplaren eine leichte Verdunklung des Saumfeldes, die 
anderen fast uniform, zum Teil ohne Zeichnung, aber dicht ge- 
sprenkelt, keines gleich wie das andere. Nur bei einem Paar 
läßt sich die Zeichnung ziemlich im ganzen Umfang verfolgen, 
sonst sind nur größere oder kleinere Bruchstücke vorhanden, 
am besten sichtbar auf dem Vfl. die Teile am Innenrand, auf dem 
Hfl. die Postmediane. Die Ausbuchtung der hintern Linie am 
schärfst gezeichneten Stücke viel schwächer als bei obscuraria; 
die Postmedianen beider Fl. näher der Mitte verlaufend. Mittel- 


Al 


flecke auf dem Vfl. obsolet, nur beim gutgezeichneten 9 vor- 
handen, die der Hfl. stets deutlich.. Unterseite gleichmäßig heller 
oder dunkler grau bis graugelb, besonders im Mittel- und Basal- 
feld mehr oder weniger dicht dunkel bestäubt und gestrichelt, in 
der Regel stärker als ragusaria. Die Costaltlecke meist schwarz, 
größer und deutlicher als bei der verwandten. Mittelflecke ge- 
wöhnlich auf allen Flügeln gut ausgeprägt; dahinter nur an gut 
gezeichneten Stücken eine helle, teilweise schwarz gesäumte Linie. 

Verbreitung: Tunis, Algier; wohl in ganz Nordafrika 
verbreitet. 

Mauretanica wird auch, namentlich in der ganz oder nahezu 
zeichnungslosen Form, manchen divergaria Stgr. aus Syrien und 
dem S.O.-Taurus sehr ähnlich, derart, daß ich vor der anatomi- 
schen Untersuchung an eine ganz nahe Verwandtschaft oder so- 
gar an Identität dachte; das hat sich dann allerdings als ganz 
irrig erwiesen; die Genitalien sind specifisch ganz verschieden 
und weisen sie sogar in differente Gruppen. 

Der S Kopulationsapparat (Taf.IV, Fig.7) erweist sich 
als von obscuraria sehr stark und sicher specilisch abweichend. 
Mauretanica stellt sich als ältere Species und als Stammart der 
Gruppe heraus. Der ganze Genitalapparat beim 5 ist kürzer, 
weniger stark gebaut und schwächer chitinisiert als bei obscuraria. 
Der Penis ist dem der letzteren ähnlich, schlanker, viel kürzer, 
der abgebogene Blindsack aber länger und dünner, das anale 
Ende stumpf gerandet (von unten gesehen), bei obscuraria zu- 
gespitzt. Chitinstab schwächer, relativ kürzer, fast von Penis- 
länge. Ductus inf. viel kürzer und schmäler; der stärker chi- 
tinisierte caudal-ventrale Rand total anders gestaltet, als schmale, 
in der Mitte tief spitz-dreieckig ausgeschnittene Quer- 
Spange, während sie bei obscuraria mindestens 4—5mal breiter, 
ganz anders geformt und nur ganz seicht ausgeschnitten ist. Das 
innere Blatt vierlappig. Der Uncus ist ebenfalls stark verschie- 
den. Von oben gesehen präsentiert sich das ganze Organ bei 
obscuraria als ziemlich schmal herzförmig, mit Einkerbungen bei- 
derseits an der Basis; bei mauretanica aber ist es viel breiter, 
fast gleichzeitig dreieckig, ohne starke seitliche Ein- 
kerbungen basal. Der Schnabel ist bei letzterer gedrungener, 
dicker, fast rechtwinklig nach unten gebogen, bei 
obscur. schlanker, nur leicht gekrümmt. Das Scaphium flacher, 
am freien Ende nur leicht aufgebogen, nicht tief sattelförmig, 
wie bei obscuraria. Die Valven viel kürzer, schmäler, 


4 


anders geformt, im Umriß breit lanzet 

Teil weiter vorgezogen als bei der \ 

Chitinspange breiter, mit stärkerem 

einer länglichen mit Zähnchen und Bors 
am ei ENiEt u era Bbiläugen auf Taiel m a iv. z 
rudimentär ist, bei einzelnen Formen gaı 

Spange endigt caudal mit einem kun 


satz, der weder nachLag%i ie ob; { 
und Funktion dem®PS% oimigen, nit, Zei On Y Taknafı 


Das diesem Dorn entsprechende Gebilde | 
GruppszeKopufätionsörgane‘ der Arnd Rassen der Gattung eyes 


der Ventra ink. ‚dar ferni)" Au \ 
Dj ponse t ime von der ventral- linken Seite. 
Ende in linke Valve, ist entfernt Jeträ unahı h, abeı o 


stankguwie bei obscuraria, und erhebt sich « 


ze N. amygdalariacH.|S: scJerichei.. kurz 
N. ahergaria sig S-OTaar 


nd er ist bei der verw 


Hals 3)eNSentiguatia: Stgr.. AlekEnder sabingeicı 
n N: N] a wi „de Zara, Datmätieh. 


wickelten mittleren ingerlorts 
noch5hälepeusuanin NHeh, wBeyaut.o, „H. 
Mira 
6) N Walther Went. lu Haiaglıpa Pascha, Konstantinopel, uch 
nungsloses 5 von mäurelanica n Dr: idier. 


7) N. mauretanica Sir Algier. 


n, mt Ku 


5 


N. obscuraria 
8 N, er Mill, Sizilien. i 
RIGMOhe SZ berührt den Diutientodtil] 5 A7rUCH 
fehler im lalon Sie be stehij } 6. 141, 1796 


Tr. VD) INagbsepraria Vi; 1. KL us, Digne. | 
Gn. L 221; Man heaphl 4 Aero, jlerenz der Valven gegenüber var. . hispa- 


M&m. Hist, Nat. d. dep. Saone et] 
fig. OV N. 5%; Mill. re Wrli.. Ban ira, Un 


Berrzgypigievalve "derevär ‚ferlölensis Dannehl. en "Südtirol. 


p.26; Spada, Naturalista Sicil. XJ, Lep. du Va- 
lais, p.257 et28; Rougemont, Cat n. 193; 
Gumppenberg, Syst. Geometr 3er | in Pyre- 
nees, Soc. lineenne Bordeaux I.V! wol. p. 28; 
Berge-Rebel IX, p. 400; Spuler i | Tab 6. 20; 
Vorbrodt, Schmett. Schweiz, P o. 360, 
Taf. 19,i; Culot, Ge&ometr., ». ® Wasner, Iris, 
XXXI, p. 105 u.f., Taf. IV | tom. 7 r. p. 109; 


Wehrli, Iris, XXX VII, p 


flecke auf dem Vfl. obsolet, nsir heim gutgezeichneten 2 vor- 
handen, die der Hil. stets destlich, Unterseite gleichmäßig heller 
oder dunkler grau bis grauge)b, besanders im Mittel- und Basal- 
feld mehr oder weniger : unkel bestäubt und gestrichelt, in 


VTban II taT iu 1 nomabliddA ob Yamaha schwarz, 
größer und deutlic -r verwandten. Mittelilecke ge- 


Ye 


wöhnlich aut is ger ir misgeprägt; dahinter nur an gut 7 


gezeichnet ter Stü obige schwarz gesäumte Linie. 


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curaria als dee ma herztörmig, mit Einkerbungen bei- 
an der Basis: hei rmuurelaniea aber ist es viel breiter, 

| tig de kig, ohne starke seitliche Ein- 

bassl. Der Schnabel ist bei letzterer sedrungener, 
recshtwinkiig h unten gebogen, bei 

hianker, nur leicht gekrümm as Scaphium flacher, 

freien Ende nur leicht aufgebogen, nicht tief sattelförmig, 


sei obseureria. Die Valven viel kürzer, schmäler, 


Te 


anders geformt, im Umriß breit lanzettförmig, der farblose 
Teil weiter vorgezogen als bei der Verwandten. Die dorsale 
Chitinspange breiter, mit stärkerem dreieckigem Vorsprung, zu 
‚einer länglichen mit Zähnchen und Borsten tragenden Bürste 
am freien Ende differenziert, die bei obscuraria kürzer und ganz 
rudimentär ist, bei einzelnen Formen ganz fehlt. Die ventrale 
Spange endigt caudal mit einem kurzen unbewehrten Fingertort- 
satz, der weder nachLage, noch nach Genese, noch nach Richtung 
und Funktion dem Dorn der vorigen Gruppe (dalmatina) analog ist. 
Das diesem Dorn entsprechende Gebilde stellt bei der obscuraria- 
Gruppe eine niedrige dünne blattförmige Leiste am Innenrand 
der Ventralspange dar. Diese letztere verbreitert sich gegen das 
Ende in dorsaler Richtung beträchtlich, aber bei weitem nicht so 
stark wie bei obscuraria, und erhebt sich gegen die Mitte der 
Valve zu einem ziemlich langen, starken, mit kurzen Zähnen auf 
der Kuppe besetzten, medial abgebogenen Daumenfortsatz, der 
stärker und länger ist als bei der verwandten Art. Er trägt am 
Hals des Stieles eine kurze auf Fig. 6 nicht sichtbare Warze, das 
Ausgangsgebilde des bei der var. hispanica am weitesten ent- 
wickelten mittleren End-Fingerfortsatzes, auf dessen Entwicklung 
noch näher eingegangen werden soll. 

In coll. Honegger, Mus. Basel, steckt 1 dunkles, fast zeich- 
nungsloses 5 von mauretanica Wrli. von Ain Draham, Algier. 


N. obscuraria Vill. 


C. Linn. Entomol. Il. 1789, p. 325 (nicht 225, wie als Druck- 
fehler im Katalog Stgr.-Rebel steht) lividaria Hb. Fig. 141, 1796; 
ER 207, Dup. Suppl.1V, Tat. 55, Big. 1ayılb; ES.0, Eis37: 
6n2r221, Stgr. Hor.'V1l. (1870) p.160,2Sep. p- 21557. Constant, 
Mem. Hist. Nat. d. d&p. Saone etLoire, 1866, II. p.221; Berce, P1.47, 
fi6. 6, V. p.51; Mill. Te. Pl.60, fig.1,Pp.78; Sand, Catal.Rais. de 
Berry et de l’Auvergne, p.96, 1879; Curö, Saggio, Lep. d'Italia, IV, 
p.26; Spada, Naturalista Sicil. XI, p.37; Favre, Faune Löp. du Va- 
lais, p.257 et28; Rougemont, Cat. Lep. Jura Neuchätelois, p. 193; 
Gumppenberg, Syst. Geometr. p. 368; P. Rondou, L&p. du Pyre- 
nees, Soc. lineenne Bordeaux LVII, 1902, 142; Favre, Suppl. p. 28; 
Berge-Rebel IX, p. 400; Spuler 1910, II, p. 102, Taf. 61, Fig. 20; 
Vorbrodt, Schmett. Schweiz, p. 166 pp.; Seitz, IV. Prout p. 360, 
Taf. 19,1; Culot, Geometr., p. 89, pl. 54, fis. 1024; Wagner, Iris, 
XXXIH, p. 105 u.f., Taf. IV; Heinrich, D. Entom. Zeitschr. p. 109; 
Wehrli, Iris, XXXVII, p. 32. 


Weitere Angaben folgen bei Besprechung der Rassen. 


Villers Typ der obscuraria stammt aus Südfrankreich, Gallia 
.australis, die südfranzösische Form hat demnach als die typische 
zu gelten; sie wird von Culot in einem ziemlich dunklen 2 von 
'Gedre,Pyren. vorzüglich dargestellt; Wagners ebenfalls gute Figur, 
ein 5‘, ist etwas zu bunt für die französische Form. 

Die lateinische Urbeschreibung Villers wird von Wagner l. c. 
'p. 106 reproduziert, weshalb ich auf eine Wiedergabe verzichte, 
ebenso wie auf eine Beschreibung der bekannten Art. 


Die obscuraria im engeren Sinne ist einer ganz beträcht- 
lichen Variabilität unterworfen, und je mehr Material eingeht, 
desto augenscheinlicher wird sie: auch ihre Neigung zur Bil- 
dung von Lokalrassen ist unverkennbar, und zwar bezieht 
sich diese Veränderlichkeit nicht nur auf das äußere Kleid, son- 
dern auch auf den anatomischen Bau, wie noch nach- 
gewiesen werden soll. Es handelt sich offenbar um eine sehr 
labile, noch in Spaltung begriffene, durch Veränderung 
des Milieus leicht beeinflußbare Species, die uns 
außerordentlich interessante Fingerzeige über die Einwanderung 
und Ausbreitung der Arten gibt. 


In der nun folgenden Besprechung der einzelnen Rassen 
lasse ich mich von vergleichend anatomischen Gesichtspunkten 
leiten, nach welchen als die genetisch älteste, die der älteren 
Art der Gruppe, mauretanica, am nächsten steht, ragusaria Mill. 
zn betrachten ist. 1 


a) ragusaria Mill. Nat. Sicil. II, p. 196, Taf. 3, fig. 1, 1884; 
Bellier, Ann. Soc. Ent. France 1860, p. 700 (Beschreibung ohne 
Namengebung); bellieraria Rag. Nat. Sicil. II, .p. 352, Taf. 3, fig. 2; 
Minä-Palumbo et Failla-Tedaldi, Nat. Sicil. VII-VIII, 1889, p. 89; 
Perlini Renato, Forme di Lepidotteri, 1905, p.52 ed Aggiunte, p. 68; 
Wagner, Iris XXXII, p. 108, Taf. IV. 

Ragusaria Mill. wurde erstmals von Bellier de la Chavignerie 
beschrieben nach einem 2, das er in den Madonie, Sizilien, An- 
fang Juli 1859 im Gebirge gefunden hatte. Später hat er dann 
nach der Publikation der ragusaria Millieres diese als, wenn nicht 
identisch, so doch sehr nahestehend mit seiner schon beschrie- 
benen Form erklärt und charakterisiert sie nochmals. (Note sur 
la Nychiodes ragusaria Mill. Nat. Sicil. II, p. 297.) Das typische 
Exemplar Millieres stammt ebenfalls aus den Madonie, von 


Castelbuono, wo Failla die Raupe fand, aus der Ragusa dann 
den Falter züchtete. 

Milliere hat sein Stück als „variete Sicilienne‘ wie folgt be- 
schrieben: Größe der obscuraria. Die Linien verloschen, zwischen 
den Adern auf dem Vfl. 7, auf den Hfl. 6 gelbliche subterminale, 
keilförmige, innen schwarz beschattete Flecken; Unterseite rußig 
grau, mit schwarzen Mittelflecken auf den Hfl., die oberseits auf 
allen Fin. fehlen. — Der Ausdruck subterminal darf nicht im jetzt 
allgemein gültigen Sinne als vor der Saumlinie liegend ausgelegt 
werden; die älteren Entomologen waren in der Anwendung sol- 
cher Ausdrücke nicht so streng wie wir heute; so hat ja gerade 
Milliere z. B. Wimperbüschel tragende Fühler als gekämmt be- 
zeichnet. 

Was stellen nun diese außen gelben und innen tiefschwar- 
zen Flecken vor, die offenbar Wagner verleiteten, ragusaria als 
„individuelle, bisher nur in einem einzigen Stücke bekannt ge- 
wordene Abänderung” zu betrachten’? 

Fast alle Nychiodes-Arten haben eine schwarze, oft unter- 
brochene, aus, in der Form und Ausdehnung sehr wechselnden 
Halbmonden oder Dreiecken bestehende Saumlinie, hinter der 
bei vielen Arten noch eine zweite ebenfalls meist unterbrochene, 
schön geibe, bei dunkeln Formen recht auffallende, oft nur 
fleckweise vorhandene Linie steht; diese letztere sieht man 
z. B. sehr schön abgebildet gerade auf Wagners Figur der 
bellieraria Rag., die gelben Striche innen mit dicken, schwar- 
zen Monden. Aber auch bei der typischen obscuraria Vill. 
z. B. von Digne (vide auch Wagners Nominatform, Tafel IV), 
dann besonders gut entwickelt bei der var. hispanica Wrli. 
von Albarracin, ferner bei divergaria Stgr. oft ähnllich wie bei 
ragusaria in Keilform, sowie bei dunkeln waltheri W$nr., bei 
ebensolchen mauretanica Wrli., bei Allen, wie Milliere angibt, 
7 auf den Vfln., 6 auf den Hfln. Diese schwarzgelben Flecken 
bilden also weder etwas für die sizilianische Rasse charakteristi- 
‚sches und ihr allein angehöriges, noch können sie als außergewöhn- 
liche und unbekannte Abänderung betrachtet werden. Von 
meinen 4 ragusaria aus den Madonie, also Topotypen, die laut 
Etiquetten ebenso wie das Original alle von Failla-Tedaldi stam- 
mnn, weisen 3 die Flecken auf; nur am hellsten Stück sind sie 
nicht deutlich ausgeprägt; an meinen übrigen 5 sizilianischen 
Exemplaren von Ficuzza sind sie an 4 gut erkennbar. Aller- 
dings sind die Flecken gewöhnlich nicht so übermäßig kräftig 


ausgebildet, wie sie auf der Fig. 1 Millieres dargestellt sind, aber 
sie fehlen auch auf der Fig. 2, 1. c., der bellieraria Rag., nicht. 

Milliere hat ein Exemplar abgebildet, das mit Ausnahme des. 
Saumes keineswegs dunkler ist als Fig. 2 der bellieraria; von 
meinen 4 Topotypen sind 2 dunkler, 1 ‚gleichhell, 1 etwas ge- 
- flogenes 9° entschieden heller als typische obscuraria, letzteres. 
Stück etwa der Figur Wagners, der bellieraria Rag., entsprechend. 
Die Rasse variiert in dieser Beziehung erheblich. 

Unter allen Umständen hat Milliere das Wesentliche und Cha- 
rakteristische der sizilianischen Rasse, nämlich die Verarmung 
der Zeichnung und die Bepuderung und Strichelung klar 
zum Ausdruck gebracht, die bei dunklen und hellen, bräunlichen 
und mehr gelblichen, fast ausnahmslos zu konstatieren sind, und 
deshalb muß der Name ragusariaMill., wie schon Staudinger-Rebel, 
Cat. und Prout richtig erkannten, gegenüber der von Wagner 
sehr zu Unrecht auf den Schild erhobenen bellieraria Rag. auf- 
recht erhalten werden. Die übrigens sehr schwankende Größe 
spielt, da beide Originale der gleichen Lokalität, Madonie, ent- 
sprossen waren, keine Rolle. Ich besitze 5 ragusaria, die we- 
sentlich kleiner sind als typ. obscuraria. 

Bellier beschreibt sein sehr großes @ wie folgt: „Aux ailes. 
superieures la ligne basilaire a disparu et il ne reste que quel- 
ques vestiges de la coud&e. Les memes ailes ont sur le disque 
une grande tache fauve, tres fondue.” Failla-Tedaldi fügt dann 
noch eine weißliche Aufhellung über der Mitte des Innenrandes 
und eine helle Binde der Hfl. bei, Merkmale, die nicht allen 
meinen Exemplaren eigentümlich sind. Dafür tritt bei einzelnen,. 
an den gewöhnlichen Stellen, die Braunfleckung stärker an der 
Costa, zwischen den Mittelrippen und am Innenrand auf, wäh- 
rend sie aber bei anderen ganz fehlt. Für die Rasse charak- 
teristisch sind außerdem meist gelblicher Farbenton, sowie feine 
dunkle Bepuderung, die Millieres Fig. 1 ebenfalls eigentümlich ist. 

Ragusa beschreibt p. 352 Il. c., verweisend auf seine Ab- 
bildung, bellieraria nur sehr kurz, als größer als der Typ, die Fär- 
buns an Millieres Ab. A. erinnernd, die Fühler kräftiger und stär- 
ker gekämmt als lividaria. Seine Fig. 2, 1. c. Taf.IIl der bellieraria 
ist größer als die danebenstehende Fig.1 Mill. der ragusaria, gleicht 
ihr aber im Kolorit durchaus und unterscheidet sich außer durch 
die Saumdreiecke nur durch den Besitz kaum sichtbarer Spuren 
der Linien und Mittelstriche der Hfl., Unterschiede, die ebenso- 
wenig wie die Saum-Keilflecke, welche eine nach heutigen An-. 


OR 


schauungen nicht namensberechtigte kleine Aberrativbildung vor- 
stellen, bei der Wertung der Formen in Betracht fallen. Wie 
oben bereits ausgeführt, kommt der ragusaria unter allen Um- 
ständen die Priorität zu, und bellieraria muß zu den Synonymen 
verwiesen werden. 


b) coloxaria Costantini, AttiSoc.Nat.Modena (5) 3 p. 17, 1916. 
Originalbeschreib, lateinisch: „Magna, valde crassiore; al. supra 
striga extramediana nigra tenuiter angulata, minus sinuata; punc- 
tis disco-cellularibus in S' et © conspicuis, elongatis. Subspecies 
meridionalis (faune mediterrane pertinens) esse videtur. M.Gib- 
bio, Castelvetro, Ligorzano: junio, julio ineunte.” Frei übersetzt: 
„Groß, viel kräftiger; Postmediane aller Fl. oberseits schwach ge- 
winkelt, weniger gebogen; längliche, auffallende Mittelstriche bei 
beiden Geschlechtern. Scheint eine südl. Mittelmeerrasse zu sein.“ 

Nach der sehr kurzen Beschreibung läßt sich die Rasse, 
ohne daß sie in natura vorliegt, nicht sicher beurteilen. 


c) obscuraria Vill. Typus. Literatur siehe oben. Ziemlich 
konstant; variabel inbezug auf Deutlichkeit und Ausdehnung der 
typischen Braunfleckung, der Ausbildung der weißlichen Flecken 
und Binden, und schwache dunkle Bestreuung. 

Verbreitung: Mittelitalien, Osimo; Oberitalien, Lombardei; 
Schweiz, LaBatiaz, Martigny, im Wallis, Tessin!); Südostfrank- 
reich, Lyon, Hautes-Alpes, Digne, Mont Cindre, Cite Napoleon; 
Südfrankreich, Nizza; Mittelfrankreich, Chälons sur Saone, Co- 
tes dOr häufig; Auvergne, Berry, Indre, Cargiless; Pyrenäen 
von Vernet les Bains bis Gedre. 


d) teriolensis Wgnr. nom. nud. Zeitschr. Oest. Ent. Ver. XI], 
p- 69; Zerny, Eos 1927, 420. Wagner belegt diese Form mit 
einem Namen, gibt aber ebenso wenig wie Zerny a.a.O. irgend- 
welche Merkmale derselben an, die sie als wesentlich verschie- 
dene Rasse bezeichnen. Nun habe ich kürzlich von Astfäller, 
Meran, eine sehr schöne Serie dieser Rasse erhalten, die er 
alle von bei Naturns, Vintschgau, Südtirol 19.V. an verkümmer- 
ten Schlehen eingesammelten, erwachsenen Raupen gezogen hat. 
Er schreibt mir, daß er auch einigemale Ende Juni/Juli den 
Falter gefangen habe. 


!) Herr F, Heckendorn, Altstetten-Zürich, fand bei Castione und bei 
Biasca, Tessin, Raupen an Schlehen und erzog daraus ein tadelloses © von 
obscuraria, mit normaler Zeichnung, rostbrauner Fleckung und verschwom- 
menen weißlichen Binden nach der hinteren Linie. 


Er 


Es handelt sich um eine sehr schöne, helle, etwas unruhig 
gefärbte Form, mit hellgrauen Binden hinter den Postmedianen 
beider Fl. und meist heller Basalhälfte der Hfl, oberseits, fein 
schwarz bepudert und gestrichelt, hintere Linie auf den Vfl.. oft 
aus mehreren Bogen bestehend und doppelt gewinkelt; schwach 
bräunliche Fleckung an der Costa, an den Mittelrippen und am 
Innenrand. Fransen gefleckt. Unterseite hellgrau, fein schwarz 
bepudert und gestrichelt, mit breiter dunkler Randbinde. 


Die Begattungsorgane stimmen mit obscuraria ziemlich 
überein und weichen nur wenig ab. 


e) andalusiaria Mill. Iconogr. PI. 60, fig.2, p. 77, Bd.ll; Mina- 
Palumbo et Failla-Tedaldi Nat. Sic. 1889, p.89; Stgr. Iris V, p.173; 
Hor. Ross. VII, p. 161; Stgr.-Rebel-Cat. p. 337; Spuler II, p. 102; 
Ribbe, Iris XXXII, p. 333; Prout, Seitz IV, p. 360; Wagner, Iris 
XXXII, p. 108, Taf. IV; Zerny, Eos 1927, p. 419. 

Milliere erhielt das von ihm vorzüglich abgebildete Exemplar 
von Staudinger, der es in Hoch-Castilien mit anderen e. |. ge- 
zogen hatte. Es stellt eine hell weißliche, leicht dunkel bepuderte, 
scharf gezeichnete schöne kleine Rasse dar, die bisher auffallen- 
derweise ausschließlich aus Castilien und Andalusien bekannt 
geworden; wohl wird sie von Minä und Failla aus den Madonie, 
Sizilien, und von Kalchberg von Palermo gemeldet; aber es han- 
delt sich dort jedenfalls 'nur um sehr helle Stücke der ragusaria 
Mill, einer auch anatomisch und in Größe verschiedenen Rasse. 
Ribbe erwähnt sie auch aus Andalusien; seine Exemplare steck- 
ten als ab. albida in seiner Sammlung. Ich selber habe den nur 
die var. hispanica getroffen. 


Andalusiaria wurde außer von Milliere abgebildet vonWasner, 
dessen atypisches, zeichnungsarmes Exemplar ebenfalls von Stau- 
dinger aus Castilien stammte; ein drittes sicheres Stück, eben- 
falls von Staudinger, beschreibt Zerny l.c. Ein viertes, ganz der 
Milliere'schen Figur entsprechend, nur mit vollständigem Mittel- 
schatten versehen, ist in meiner Sammlung, bezeichnet: „Ex coll. 
Graslin, var. castille", das offenbar auch aus Castilien kommt, 
aber anscheinend nicht von Staudinger war. 

Alle diese sicheren vier Repräsentanten der Rasse haben 
Castilien als Heimat; andererseits berichtet uns die Literatur 
von keinem einzigen anders gefärbten Exemplar von Castilien; 
es darf deshalb doch als wahrscheinlich angenommen werden, 
daß andalusiaria an irgend einer engbegrenzten, vielleicht hoch 


A 


gelegenen Lokalität als Lokalrasse vorberrscht, während aller- 
dings an anderen Orten die gewöhnliche spanische Form auf- 
treten mag. Als ein Analogon ( dazu könnte die von mir entdeckte, 
kleine, gleichfalls weiße Hochgebirgsrasse acronevadaria Wrli. der 
Fidonia plumistaria Vill. gelten, die in der Sierra Nevada auch nur 
an einer engbegrenzten Oertlichkeit über 2000 m fliegt. Es wäre 
gewiß im höchsten Grade merkwürdig, wenn nun gerade alle zu 
uns gelangten castilianischen Exemplare individuelle albinotische 
Abänderungen wären, als was sie Zerny auffaßt. Wie ich her- 
vorheben will, werden albinotische Exemplare auch aus Gegenden, 
wo obscuraria häufig vorkommt, wie in einzelnen Departements 
Frankreichs, nirgendwoher gemeldet. 

Nach allem bleibt nichts anderes übrig, als andalusiaria, bis. 
Gegenteiliges bekannt wird, als eine engbegrenzte Lokalrasse- 
aus Castilien und Andalusien aufzuführen. 


Die Untersuchung der Genitalorgane ergibt ihre 
specifische Zugehörigkeit zu obscuraria Vill.; sie sind aber nicht, 
wie Zerny behauptet, identisch mit der typischen südfranzösischen 
Form, sondern weisen besondere anatomische Rassenmerkmale auf. 


f) hispanica ssp.n. Ueber diese Form schrieb ich vor 2 Jahren, 
Iris 1927, p.78: „1 9, 1 2 Sierra Nevada, 1500 m. 6. 10. VI. 
In einer dunklen, dunkelgrauen Form, deren Vfl. in der Innen- 
randshälfte des Mittelfeldes und etwas darüber hinaus braun ge- 
färbt sind, und deren Postmediane einen stärkeren Vorsprung 
aufweist, als der südfranzösische Typus; er ist ungefähr so stark. 
wie bei waltheri Wgnr. Oberseits und noch vielmehr unterseits 
sind die Mittelpunkte gut ausgeprägt; auch unterseits die Post- 
mediane stärker gewinkelt. Es scheint sich um eine gute Lokal- 
rasse zu handeln; doch sind die Falter zur Aufstellung einer 
solchen nicht tadellos genug erhalten. Mit der weißlichen anda- 
lusiaria Mill, die Ribbe für Andalusien angibt, und die ich nicht 
gefangen habe, hat diese Form nichts zu tun.“ 

Zur Beschreibung ist noch nachzutragen, daß hinter der 
Postmedianen undeutliche weißliche Binden und Flecken auf- 
treten, daß unterseits die erwähnte Postmediane grauweiß, auf 
den Hlfn. mit schwarzen Punkten und Fleckchen versehen ist. 
Größe normal. 


Nach eingehenderem Studium der obscuraria-Rassen, und 
nachdem anatomische Unterschiede gegenüber der Nennform 
konstatiert werden konnten, habe ich mich doch zur Benennung 


a 


der durch die wesentlich stärkere Ausbuchtung der 
Postmedianen der Vfl. sehr charakteristischen Rasse ent- 
schlossen, umsomehr, als noch eine kleine Serie aus Albarracin, 
Aragonien, hinzukam, die ich ebenfalls zu hispanica rechne, ob- 
wohl diese Tiere etwas kleiner sind und durch Einmischung ver- 
einzelter weißlicher Schuppen etwas unruhiger gefärbt erscheinen. 
Auch diese besitzen eine unverkennbar stärker ausgebuchtete 
Postmediane und unterseits an gut gezeichneten Tieren einen 
stärker gewinkelten hinteren Streifen als die Südfranzosen und 
stimmen anatomisch mit der Nevada-Form überein. Schon die 
Pyrenäen-Form, die ich von Vernet-les-Bains habe, und die Culot 
von G£dre, PI. 54, fig. 1094 abbildet, zeigt die stärkere Ausbuch- 
tung der Postmedianen nicht, sondern diese verläuft ganz wie 
bei der typischen obscuraria. 

Der 5 Kopulationsapparat von obscuraria (Taf.IV, Fig.9): 
Penis lang, dick, caudal allmählich sich verjüngend in eine ziem- 
lich scharfe Spitze auslaufend; Chitinstab im Innern lang, kräftig, 
fast von Penislänge, hinten spitz, oral leicht verdickt, dort mit kur- 
zen Zähnchen besetzt, die nicht immer deutlich sind. Blindsack 
erweitert, kurz griffartig abgebogen. Ductus inferior von unten 
gesehen eine caudal chitinisierte Querplatte mit gerundeten Seiten, 
anal, in der Mitte, seicht ausgeschnitten, zwei stumpfe Höcker 
bildend. Uncus von unten betrachtet dreieckig herzförmig, an 
der Basis eingekerbt. Schnabel lang, kräftig, spitz, leicht gleich- 
mäßig nach unten gekrümmt. Scaphium sattelförmig, am freien 
Ende schmal zungenförmig aufwärts gebogen, dorsal raspelartig 
uneben. 

Valven interessanterweise nicht bei allen Rassen 
gleich geformt; beim Typus obscuraria (Fig.9) breit, kräftig, in 
der hintern Hälite stark chitinisiert, den dorsalen, kurzen häutigen 
Teil meist anal überragend; die Ventralspange nur basal deut- 
lich, geht in dem chitinisierten Teil auf, hat am innern Rand eine 
sehr schmale Leiste und endet in einen kurz fingerförmigen anal 
und etwas medial gerichteten Fortsatz; die Dorsalspange kurz, 
breit, dorsal bogenförmig ausgebuchtet, endet mit kurzer, be- 
borsteter häutiger Spitze, ohne ausgebildete Bürste. Das freie 
caudale Ende des Chitinteils trägt an der dorsalen Ecke einen 
kurzen, kräftigen, dorsal und etwas medial gerichteten, mit Zäh- 
nen besetzten Daumenfortsatz; zwischen dem Finger und dem 
Daumen, letzterem genähert, ein dreieckiger, nach hinten ge- 
richteter Vorsprung. 


eg 


Bei der ältesten Rasse, der ragusaria Mill. (Taf. IV, Fig. 8), 
findet sich dieser mittlere dreieckige Vorsprung am 
meisten dem sehr kurzen, dorsal und medial ge- 
richteten Daumen genähert und ist fast geradlinig 
mit ihm verbunden; er ist kurz und bildet nur eine rechtwink- 
lige Ecke, ein ziemlich tiefer Ausschnitt trennt ihn vom ventralen 
ziemlich kurzen, stumpfen Finger. Inbezug auf den mittleren 
Fortsatz steht ragusaria der N. mauretanica Wrli. (Taf. II, Fig. 5) 
am nächsten, wo er, erst im Entstehen begriffen, am Hals des 
langen, starken, medial-caudal gerichteten Daumens als unauf- 
fällige Warze sitzt. Der häutige dorsale Teil der Valve ist etwas 
stärker, samt seiner Spitze, vorgezogen, bildet aber noch keine 
Bürste wie bei mauretanica. Die Valven sind schmäler als bei 
obscuraria und weniger ausgedehnt chitinisiert; der caudale Aus- 
schnitt ist tiefer und kürzer. 


Die südostfranzösische typische obscuraria (Taf. IV, Fig.9) 
hat den mittleren Lappen schon mehr vorgezogen und spitzer, 
und wird von einem tiefern bogenförmigen Ausschnitt vom Dau- 
men getrennt, steht auch etwas weiter von diesem entfernt; der 
ventrale Finger etwas länger, stumpf. Der häutige Teil weniger 
vorgezogen. 


Die teriolensis (Taf. IV, Fig. 11) gleicht stark der typischen 
obscuraria, zeichnet sich aber durch einen sehr kurzen, stumpfen 
ventralen Finger und seichten Ausschnitt aus. 


Bei allen spanischen Formen (Taf. IV, Fig. 10) zeigt 
sich der mittlere Fortsatz lang fingerförmig und 
rückt weit vom dorsalund etwasmedial gerichteten 
Daumen ab, bis ungefähr in die Mitte des hinteren Valven- 
randes; auch der ventrale Finger ist lang (er ist auf Fig. 10 nach 
innen gebogen statt daß er caudal gerichtet ist wie in natura). 
Der Ductus inf. weist anal eine etwas andere Configuration auf. 


Die Abweichungen gegenüber der Nennform sind ganz be- 
deutende und sicher konstante, derart, daß die Rassen mikro- 
skopisch sofort leicht auseinandergehalten werden können. Es 
bestehen demnach die Behauptungen Zerny’s, Eos, p. 419, die 
männlichen Kopulationsorgane der Albarracin-Form sowohl, als 
auch der andalusiaria Mill. stimmen gut und vollkommen mit den 
südfranzösischen obscuraria, ganz bestimmt nicht zu Recht; die 
Unterschiede an den Valven sind (wie Fig. 9 u. 10 demonstrieren) 
ganz grobe. et, 


eg 


 Zerny's Fig. 5 stellt demnach nicht, wie darunter steht, den 
männlichen Kopulationsapparat der typischen Nych. öbscuraria\V ill. 
dar, sondern gibt, wenn auch verzeichnet, die typischen Valven 
‚der guten Rasse hispanica wieder. Das Bild, eine Dorsalansicht, 
ist zwar ganz verkehrt gezeichnet; der häutige Teil am Ende 
der Valven ist auf der Zeichnung ventral (innen) dargestellt, 
während er am Tier dorsal (außen) liegt; der die Finger tra- 
gende Chitinteil ist dorsal gezeichnet, während er tatsächlich 
ventral: (innen) liegt. Immerhin lassen sich Form und Lage der 
Finger erkennen. 

Es wurden die Formen von der Sierra Nevada, Andalusien, 
von Albarracin, Aragonien, und von andalusaria Mill. Castilien, 
untersucht und unter sich ziemlich übereinstimmend gefunden; 
die weiße castilianische Rasse scheint, nach meinem einzigen 
Stück zu schließen, erheblich spitzere Finger zu haben, die eher 
den Eindruck von langen Dornen machen. 

Ohne Zweifel haben die Valven der Spanier von allen 
bekannten obscuraria-Rassen den höchsten Grad der Dif- 
ferenzierung erreicht, und wir müssen im spanischen Typ 
den jüngsten, in Abspaltung begriffenen Sproß der Art erblicken, 
sofern die Progression der Chitinbildung einen Schluß auf das 
Alter der Rassen zuläßt. Die sizilianische ragusaria Mill. wäre 
die älteste, die sich als erste von der nah verwandten nord- 
afrikanischen mauretanica abgespalten hätte. Die Richtigkeit der 
Prämissen vorausgesetzt, ergeben sich ganz außerordentlich in- 
teressante Ausblicke auf die zoogeographische Ausbreitung der 
Formen der Art. Sie würde ursprünglich von Nordafrika 
stammen und hätte sich via Sizilien, Italien, Frank- 
reich, über Aragonien bis Andalusien in Europa 
verbreitet. Für die Einwanderung über Gibraltar besitzen 
wir keine Anhaltspunkte, denn es sind bisher aus Süd- 
spanien keine Formen, die der nordafrikani- 
nischen Art sich nähern, bekannt geworden; 
im Gegenteil, die hispanica hat sich von jener am weitesten 
entfernt und vermittelnde Rassen kennen wir nur aus Sizilien 
und Südfrankreich. 

Voraussetzung für die angenommene Ausbreitung wäre natür- 
lich, daß sie zu einer Zeit stattgefunden hätte, als noch direkte 
Landverbindung zwischen Sizilien und Nordafrika bestanden hat. 
Nach dem mir vorliegenden Material muß eine solche Brücke 
vorhanden gewesen sein. Eine zufällige Einwanderung durch Ein- 


ling 


schleppung mit Treibholz, Schiffen, durch Handel etc. erscheint 
aus verschiedenen Gründen ganz unwahrscheinlich, da, nach dem 
Grad der Umformung der Art und der Rassen zu schließen, die 
Einwanderung zu einer sehr frühen Erdepoche stattgefunden 
haben muß, wo wahrscheinlich weder Schiffahrt noch Handel 
existierten, und da die Raupe an niederen Sträuchern lebt, die 
sie oder die Eier nicht tagelang weit übers Wasser lebend zu 
tragen vermochten. 

Wie ich ganz besonders hervorheben will, ea obscu- 
raria und ihre Formen in viel näherer Verwandt- 
schaft mit mauretanica als etwa mit dalmatina, die 
inbezug auf Penis, den kurzen Chitinstab, andere Valven mit 
Dorn und verschiedenem Uncus derart stark abweicht, daß eine 
direkte Weiterentwicklung der jüngeren obscuraria von der viel 
älteren dalmatina hier nicht in Frage kommt; es fehlen auch 
z. Zt. vermittelnde und verbindende Arten und Formen. 

Auf Grund anatomischer Merkmale konnte meiner Ueber- 
zeugung nach ein ungewöhnlicher Einwanderungs- und 
Ausbreitungsweg, Tunis, Sizilien, Italien, Westeuropa, für 
eine junge Gruppe sehr zu Rassenbildung neigender labiler Arten 
festgestellt werden, eine Tatsache, die sicher auch einem späteren 
umfangreicheren Material standhalten wird. 

Ferner gelang der Nachweis konstanter anatomischer 
Rassenmerkmale am 5’ Kopulationsapparat. 


Schlüssel 


zur Bestimmung der Arten nach dem männlichen Kopulationsapparat. 
1) Valven mit einem medial gerichteten Dorn oder Zahn 
an der Innenseite der ventralen Leiste. . . . . - 3 


2) Valven ohne einen solchen Dorn an der Ventralleiste. 
An dieser nur ein caudal gerichteter, zuweilen spitzer 


Hingerlorisatzewan ara. a. ee 6 
3) Dorn (Zahn) etwa in der Mitte der Ventral- 
leiste. S,,'.: ie Kun Be Nee dahnalza Wenr. 


4) Dorn dreieckig, größer, mehr anal stehend. Valve mit 
starker Endbürste‘. ı. 0 on Be. 2, persuavis Wrii. 


5) Dorn sehr lang, schmal, am ventro-analen Winkel der 
Chitinplatte, medial gerichtet . . . . . „2... . waltheri W£nr. 


NE 


46) Chitinstab des Penis fast so lang wie dieser, kräftig 
7) Chitinstab wenig mehr als !!a bis '/s Penislänge 


8) Valve nur mit 1 Daumenfortsatz und 1 ventro-analen 
Finger und mit farbloser Endbürste 


9) Valve zwischen Daumen und oft kurzem Finger noch 
mit spitzem Lappen oder Fingerfortsatz 


10) Valve mit 2 fast gleich großen dicken Daumen 


11) Valve mit einem dünnen langen Finger und mit einem 
dickeren Daumen . 


12) Chitinstab des Penis etwas über '/; Penislänge, Dorsal- 
spange anal verbreitert, fast geradlinig abgeschnitten 


13) Dorsalspange am freien Ende nicht verbreitert, ge- 
rundet; Chitinstab etwas über !/» Penislänge . 


8 
10 


mauretanicaWrli. 


Oberer Vill. 


12 


divergaria Stgr. 


amygdalaria H.S. 


antiquaria Stgr . 


a VE 


ai, 


73: 


14. 


19: 


Weiterer Beitrag 
zur Lepidopteren-Fauna Inner-Anatoliens. 


Von Fritz Wagner-Wien. 


(Fortsetzung.) 


. Callophrys rubi L. Die von mir um Ak. erbeuteten Stücke 


gehören der Nominatform an, Oberst v. B. meldet mir vom 
S.-D. aus 1300 m Höhe, 1. VL, die var. herculeana Pfeiff. 
Chrysophanus thetis Klug. Von B. am Sultan-Dagh zwi- 
schen 1600—1800 m am 23. und 25. VII. in Anzahl erbeutet. 
Nur wenige © 9, da die Art erst im Erscheinen begriffen 
war. Unter letzteren ein stark verdunkeltes Stück. 


. Chrysophanus ochimus H.S. Sultan-Dagh 1900 m am 30.V. 


ein schlechtes 5. (B.) 


Chrysophanus thersamon Esp. Ak. 20. V. frisch und vom 
1. bis 28. VII. in der geschwänzten g. a. omphale Klug. Die 
od" der letzteren sind nur z. T. geschwänzt, während die 
G @ durchwegs ziemlich lange Schwänzchen aufweisen. 


Chrysophanus asabinus H.S. Am 30.V. S.-D. in ca. 1500m 
ein schlechtes 5’, vom 24. bis 28. VII. einige frische 79 der 
2. Gen. von mir erbeutet. Die Stücke stimmen zufolge der 
gelblichen U’seite mit der Nominatform überein, gehören aber 
der stärkeren Fleckung wegen vielleicht zur var. fauricus Rühl 
oder bilden Uebergänge zu dieser Form. Schwänzchen nur 
angedeutet. Die Größe ist durchaus nicht so gering, als Seitz 
für asabinus angibt, die Stücke erreichen vielmehr eine Vfl.- 
Länge von 17mm, sind also sogar etwas größer als thersamon 
gewöhnlich ist. Einem aberrativen £ fehlt die äußere Flecken- 
reihe auf der Hfl.-U’seite nahezu vollständig. 

Chrysophanus alciphron Rott. var. melibaeus Stgr. Ak. und 
S.-D. vom 20. V. bis Ende VI. bis ca. 1700 m nicht selten. 
Die 92 © dieser kleinasiatischen Rasse sind z.T. von alciphron 
99 kaum verschieden, z. T. aber ganz (stumpf) rotgolden. 
Einzelne 2 2 mit einer Reihe bläulicher Punkte vor dem 


Saume der Hfl. 


"76, 


Im: 


7 


*80. 


oe 
KT 
w_ 


ni 
B 


Chrysophanus phlaeas L. Ueberall nicht selten. Im Juli 
auch in typischen Exemplaren der Form eleus F. Unter letz- 
terer auch ab. caeruleopunctata Stgr. 


Chrysophanus dorilis Hufn. var. orientalis Stgr. Ak. und: 
S.-D. bis etwa 1500 m ziemlich häufig. Die 59° dieser durch 
die fast dottergelbe U’seite gut gekennzeichneten 
Rasse sind z.T. o'seits ganz dunkel, z.T. besitzen dieselben 
sehr deutliche rötliche Randflecken vor dem Saume aller 
Flügel. Die 2 © sind o'seits keineswegs immer ganz dunkel, 
es liegen auch mehrere stark rot tingierte Exemplare vor. 
Die Fleckung der O'seite in beiden Geschlechtern sehr deut- 
lich. 


. Lampides boeticus L. Ak. und T. im Juli ziemlich häufig. 


Darunter vereinzelt die ab. fasciata Tutt, sowie zwerghafte 
Ex. von nur halber normaler Größe. Sonst kann ich gegen- 
über Stücken anderer Provenienz keine Unterschiede er- 


blicken. 


Chilades trochilus Frr. Von Anfang Juni an bis weit in 
den Juli hinein überall; besonders zahlreich auf den Rand- 
bergen der Steppe. Die reizende kleine Art variiert insofern 
nicht unbeträchtlich, als es 55 von mehr grauer Färbung 
der O'seite gibt und wieder solche, bei welchen auf allen 
Flügeln deutliche bläulich-weiße Mittelflecke und ebensolche 
Randmonde auftreten. Diese Abänderungen dürften mit 
grisea Aign., resp. albolunulata Hayward zusammenfallen. 


Lycaena argus L. var. bella H.S. An einer grasigen, mit 
Binsen bestandenen Stelle zwischen Ak. und T. Anfang bis 
Mitte VIL in Masse; mitunter war geradezu ein blaues Flim- 
mern wahrzunehmen, in so großer Individuenmenge trat die 
Art auf. Die für bella angegebenen roten Flecken auf den 
Hfl. zeigen nur wenige Exemplare, dagegen sind die schwar- 
zen Fleckchen vor dem Saume stets vorhanden. Die Rasse 
ist außer durch die hellere, leuchtender blaue Färbung, auch 
durch die namentlich u’seits sehr hellen. o'seits mit breiten 
Randmonden auf allen Flügeln gezierten 2 © sehr gut cha- 
rakterisiert. Der Schienendorn fehlt den meisten, mir in 
Anzahl vorliegenden Exemplaren (bei einigen ist er allerdings 
deutlich sichtbar), das ganze Aussehen, insbesondere aber 
auch die braunen Fransen beim 9, die bei argyrognomon stets 
weiß sind, sprechen unbedingt für die Zugehörigkeit zu argus. 


die 


ro 


Vom S.-D. liegt aus ca. 2000 m Höhe, wo die Tiere um 
dortigen Juniperus-Zwergbüsche flogen, eine andere, viel 


dunklere Rasse mit sehr breiten schwarzen Rändern beim Jg’ vor 
(leg. B.), — auch die @ 2 sind wesentlich dunkler, die roten 
Randmonde stark reduziert — die kaum mehr mit bella zu iden- 
tifizieren ist und weit mehr den Stücken aus den Hochalpen (var. 
alpina Berce) gleicht. 


81. 


82. 


84, 


Lycaena argyrognomon Bergstr. Nach einer Mitteilung 
Freund Züllich's fand sich in dem ihm übergebenen Lycae- 
niden-Material nachträglich noch ein 9 dieser Art. Argyro- 
gnomon scheint in Kleinasien nur sehr spärlich aufzutreten 
und wird in der Hauptsache wohl durch zephyrus Friv. ver- 
treten. 


Lycaena eurypilus Frr. Ak. im Juni nicht selten, T. auf 
den Bergen viel seltener. Die Jg besitzen 3—5 rote Rand- 
monde auf der Hfl.-O'seite, die @ 2 zeigen solche mitunter 
auch auf den Vfl. Wie schon Staudinger (Lit.-Verz. 16) 
bemerkt, sind eurypilus Q @ von zephyrus © 2 durch die bei 
ersteren ganz weißen Fransen leicht zu unterscheiden. Auch 
die Unterseite ist bei eurypilus stets heller gefärbt. 


. Lycaena zephyrus Friv. Ak. und S.-D. bis ca. 1500 m 


zahlreich. Die Art variiert ziemlich beträchtlich. Die meisten 
go zeigen einen ganz unbezeichneten Saum der Hil., andere 
besitzen ziemlich große schwarze Saumflecke, wieder andere 
haben diese noch rot aufgeblickt (ab. Nicholli Elw.); bei eini- 
gen dc meiner Serie tritt in der Mittelzelle der Vil. ein 
großer, runder, matter Fleck auf (durchschlagender Mittel- 
mond der U’seite). Auch die ? © ändern ziemlich stark ab. 
Die roten Saumflecke werden mitunter sehr groß und breit 
und setzen sich auf die Vfl. fort (ab. akbesiana Obthr.). Ein © 
ex coll. B. besitzt blau angeflogene Hfl, eine bei zephyrus 
sicher seltene Erscheinung. 

Lycaena Löwii Z. und var. gigas Stgr. Diese prachtvolle, 
leuchtend blaue Art erbeuteten wir in großer Zahl von Ende 
Mai bis weit in den Juli hinein überall um Ak. bis etwa 
1200 m. Die Hauptflugzeit fällt in den Juni. Fast sämtliche 
erbeuteten Stücke erreichen eine ziemlich bedeutende Größe 
(17 mm VÄl.-Länge), nur einige wenige zeichnen sich durch 
besondere Kleinheit aus (nur 14—15 mm Vil.-Länge) und 


dürften der Nominatform angehören. Einzelne dc der sonst 


85. 


"88. 


89. 


2 


recht konstanten Art zeigen bei düsterem Blau sehr breite 
schwarze Ränder aller Flügel. Bei zwei SZ’ unserer Aus- 
beute (leg. B.) verschwinden die Augen auf der U’seite aller 
Flügel. 


Lycaena panagaea H.S. Ende Mai gleichzeitig mit Thecla 
Ledereri in einzelnen Exemplaren. Bartha fand die Art Ende 
VII. auch auf dem S.-D. in 1800—2000 m Höhe, leider schon 
abgeflogen. Die Exemplare der Steppe zeichnen sich durch 
bedeutende Größe (12 mm Vfl.-Länge) aus. 


. Lycaena baton Bergstr. var. clara Chr. Ak. von Ende Mai 


bis gegen Ende VI. in frischen Stücken. Die unbedeutende 
Rasse ist unterseits etwas heller gefärbt, die Ozellen sind 
im allgemeinen etwas kleiner. 


. Lycaena bavius Ev. Ak. und S.-D. bis ca. 1500 m, vom 


20. V. bis Mitte Juni immer nur vereinzelt. Bezüglich der 
Variabilität verweise ich auf die Ausführungen Pfeiffers 1. c. 


Lycaena astrarche Bergstr. Ak. und S.-D. in niedrigen 
Lagen im Mai und wieder im Juli (g. a. calida Bell.) nicht 
selten. 


Lycaena eumedon Esp. Von B. am S.-D. 12. VIl. in einem 
einzelnen Exemplar erbeutet. 


. Lycaena anteros Frr. Ak. und S.-D. im Mai und in etwas 


kleinerer 2. Gen. vom 21. VIL ab. Die Art geht ziemlich 
hoch. Die 9 sehr spärlich. In der Tönung des Blau 
ändert anteros etwas ab. Die meisten g’c5' zeigen ein aus- 
gesprochenes Grünblau, bei manchen Stücken kommt es dem 
Blau von amandu oder hylas nahe. Alle erbeuteten Stücke 
zeigen deutliche rote Randilecken (ab. pupillata Aign.). 


‚ Lycaena candalus H. S.. Am 30. V. von B. am S.-D. in 


einem einzelnen großen unterseits etwas aberrierenden 
(elongata-Charakter) 5 in copula mit einem kleinen, ober- 
seits fast eintönig braunen (ohne Randmonde) 9 erbeutet. 
Vom VI. bis 28. VIL trafen wir die Art in 2.Gen. sehr ein- 
zeln in Ak. am Wege zum S.-D. Die im allgemeinen durch 
das andere Blau und den weißen Wisch auf der Hil.-U’seite 
nicht zu verkennende Art wird mitunter ausnehmend klein; 
so liegt mir ein 5’ von nur 16 mm Expansion vor. Der in 
der Regel vorhandene Mittelpunkt der Vil.-O’seite fehlt man- 


: chen Exemplaren. 


"92. 


193. 


96. 


"97, 


98. 


N 


Lycaena icarus Rott. Ak. im Mai und wieder im Juli häufig, 
darunter vereinzelt prachtvolle blaue 2 @ (ab. amethestina 
Gillm.) Variiert sehr in der Größe; die folgende Art ist in 
dieser Hinsicht viel konstanter. 


. Lycaena thersites Gerh. Ak. im Juli mit der vorigen nicht. 


selten. Die Art ist u. a. durch das violettere Blau des 
ganz gut gekennzeichnet. Auch hier kommen vollständig 
blau übergossene x ® vor, wie ein solches meiner Serie 
beweist. Unsere Exemplare dürften wohl mit der aus Syrien 
beschriebenen var. Gravesi Chapm. identisch sein, was ich 
im Augenblick nicht nachprüfen kann. 


. Lycaena amandus Schn. var. orientalis Stgr. Ak. und S.-D. 


bis ca. 1500 m Ende V., Anf. VI. Die erbeuteten 5 be- 
sitzen am Schluß der Mittelzelle einen deutlichen schwarzen 
Strich, die U’seite ist heller, ausgesprochen grau. Bei den 
20 finde ich keine wesentlichen Unterschiede. 


Lycaena hylas Esp. Am 25. VIl. am S.-D. in 2000 m Höhe 
von B. in einem schlechten 5 2 erbeutet, das zufolge der 
breiten, weißen Fransen und der verschwindenden Augen 
der Hil.-U’seite der var. armena Stgr. angehören dürfte. 
In dieser Form neu für Kleinasien. 


Lycaena meleager Esp. var. ignorata Stgr. Ak. von Ende VI. 
bis Ende VII. häufig. Diese interessante Rasse zeichnet sich 
durch den stark gezackten Saum der Hil., besonders der 
QO © aus, wobei es bei letzteren fast zu einer Schwänzchen- 
bildung kommt. Ueberdies zeigen die 5’ ein leuchtenderes 
(slänzenderes) Blau, besitzen einen breiteren, viel schärfer 
ausgeprägten Saum der Vfl,, am Abschluß der Mittelzelle 
zumeist einen schwarzen + deutlichen Querstrich und we-- 
sentlich dunklere, bräunliche U’seite. Bei den 2 2 ist die 
Fläche aller Flügel in den meisten Fällen stark mit rein- 
weißen Schuppen durchsetzt»foftmals asymetrisch angehäuft),. 
es kommen aber auch ganz braune @ 9 vor. 


Lycaena bellarsus Rott. Ak. 20. V. und wieder im Juli 
nicht häufig. Am S.-D. noch in ca. 1800 m Flöhe erbeutet, 
darunter auch ab. adonis Hb., sowie ceronus Esp. und Ueber- 
gänge zu letzterer. (B.) 


Lycaena corydon Poda var. corydonius H.S. Ak. vom 
22. VII. an nicht selten, Q @ erst ganz vereinzelt. In höhe- 


=) 


100 


101. 


a 


ren Lagen (S.-D. 1800 m, leg. B.) wird die Rasse etwas klei- 
ner und bleicher. So auffallend die Jg’ dieser Form durch 
das merkwürdig milchige Blau mit rötlichem Schimmer sind, 
so wenig unterschiedlich sind die © © von anderen südlichen 
Rassen, wie Rezniceki etc. 

Lycaena admetus Esp. Ak. 23. VI. bis 28. VIL sehr zahl- 
zahlreich. Darunter vereinzelt auch ab. Riparti Frr. und 


Uebergänge hiezu. 


. Lycaena dolus Hb. var. menalcas Frr. Ak. 27. VL, 3. und 


5. VIL einige Sc. 
Lycaena Hopiieri H.S. Ak. und untere Hänge des S.-D. 


den ganzen Juli hindurch. Zweifellos die häufigste Lycaena 
um Ak. Die schöne, durch das eigenarlige grünliche Blau 
ausgezeichnete Art variiert nur ganz unbedeutend. Die Jo" 
zeigen in ihrer überwiegenden Mehrheit den Wurzelstrahl 
nur ganz verloschen (hadjina Rühl), während er bei den 
09 stets vorhanden ist. Ein aberratives 5’ meiner Serie 
auf den Hil. augenlos. | 


102. Lycaena damone Ev. var. damonides Stgr. An den unter- 


103. 


"104. 


=105. 


sten Hängen des S.-D. vom 12. bis Ende VII. einige frische 
dc, welche am besten zu dieser Form zu stellen sind. 
Sie halten eigentlich die Mitte zwischen beiden. B. hält 
auch ein 2, mit dunkelbrauner Ö’seite, das den weißen 
Strahl der Hil,-U’seite viel schärfer begrenzt und gleich- 
mäßig breit zeigt für hieher gehörig. Am Sultan-Dagh in 
2000 m Höhe erbeutete B. vom 23. bis 25. VIL in Anzahl, 
jedoch schon abgeflogen, und zusammen mit der folgenden 
die kleinere, heller blau gefärbte iphigenia H.S. Freund 
Bartha ist geneigt, in iphigenia eine eigene Art zu erblicken. 
In der Form damonides resp. damone neu für Klein- 
asien. 

Lycaena actis H.S. und var. athis Frr. Von B. mit voriger 
(iphigenia) zusammen in beiden Formen erbeutet. 
Lycaena sebrus B. Im Mai ziemlich zahlreich an den un- 
teren und mittleren Hängen des S.-D. Die Stücke sind von 
mitteleuropäischen kaum zu trennen. 

Lycaena semiargus Rott. var. antiochena Led. Bis Ende 
Mai an den mittleren Hängen des S.-D. nicht selten. Durch 
die auch o’seits mit roten Randmonden gezierten + blauen 
9% zweifellos der genannten Rasse zunächst. 


*106. 


107. 


108. 
109. 


110. 


E02! 


Lycaena cyllarus Rott. var. aeruginosa Stgr. Ak. bis Ende 
V. nur mehr in geringer Zahl, da die Hauptflugzeit wohl 
in die erste Maihälfte fallen dürfte. Auch mir liegt ein 
auf den Hfl. augenloses © vor. (Vgl. Pfeiffer 1. c.) 
Cyaniris argiolus L.. Ak. Ende VL, Anfang VII. einzeln. 
Ich finde gegenüber mitteleuropäischen Stücken keinerlei 
Unterschiede. 


HESPERIIDAE. 


Adopoea thaumas Hufn. Ak. im Juni mehrfach. 


Augiades sylvanusEsp. var. anatolicus Ploetz. S.-D. 26.Vll. 
in ca. 1600 m. (B.) 


Carcharodus tauricus Rev. (Bull. Soc. lep. Geneve, IL, 
p. 103, pl.5 fig.1—2.) Ak. von Mitte bis Ende VI. mehrfach. 
Diese von Reverdin als eigene Art angesprochene Carch. 
macht mir nur den Eindruck einer, allerdings auffälligen, 
sehr dunklen, fast braunen Rasse der lavatherae Esp. 


. Carcharodus alceae Esp. und g.a. australis Z. Ak. im Juni 


und wieder Ende Juli. Auch auf den Randbergen der Steppe 
mehrfach angetroffen. 


Carcharodus orientalis Rev. (Bull. Soc. lep. Geneve, Il, 
p- 230 u. f., pl. 21 fig. 14) Ak. und T. vom 20. V. bis gegen 
Ende VI Es fällt mir schwer auch in dieser eine eigene 
Art zuerblicken, und ich vermute gleichfalls nur eine altheae 
resp, baeticus-Rasse. Mir will es scheinen, als wenn bei 
Hesperiden in der Aufstellung neuer Arten zuviel des Guten 
getan würde, da so geringfügige Differenzen, wie sie viel- 
fach die unterschiedlichen Bilder der Genitalapparate 
und Armaturen aufweisen, doch kaum eine Berechtigung 
hiezu bilden und derartige kleine Abweichungen auch in- 
dividueller Natur sein können und wahrscheinlich auch sein 
werden. M.E. haben Genitaluntersuchungen nur dann einen 
arttrennenden Wert, wenn bei serienweiser Untersuchung 
konstante Merkmale ersichtlich sind, oder aber bei Einzel- 
präparaten eine auffällige Differenzierung Platz gegriffen 
hat. Ich sehe absolut nicht ein, warum der Genitalapparat 
nicht genau denselben individuellen Schwankungen unter- 
worfen sein sollte, wie der äußere Habitus einer Art. 
Uebrigens gehören die inneranatolischen Exemplare nach 
Pfeiffer I. c. einer eigenen Rasse (centralanatolica Pfeiff.) an. 


ee 


113. Hesperia proto Esp. Ak. vom 29, VI. bis Ende VII nicht 
selten. Die vorliegenden Exemplare unterscheiden sich von 
Stücken anderer Provenienz alle durch dichtere, gelblich- 
weiße Beschupßung der O'seite, wodurch ein wesentlich helle- 
rer Eindruck hervorgerufen wird, durch eine Reihe weißer Sub- 
marginalfleckchen auf allen Flügeln und durch die anders — 
rötlich lehm- oder sandfarben — getönte U’seite der Hl. 


Ich hielt die anatolischen proto zuerst für mohammed Obthr., 
zumal im Stgr.-Rebel-Katalog proto vom Pontus in einer transi- 
tierenden Form zu letzterer gemeldet wird. Da nach den Unter- 
suchungen Bartha’s der 5 Genitalapparat gegenüber proto jedoch 
keinerlei Unterschiede aufweist, mohammed von Warren in des- 
sen schöner Arbeit!) aber nach den Genital-Befunden als eigene 
Art aufgefaßt wird, dürfte es sich bei den vorliegenden (und 
Pontus-) Stücken um eine gut differenzierte Lokalrasse 
handeln, die lycaonius nov.ssp. (nach dem alten Lycaonien so 
benannt) heißen möge. Warren stellt I.c. die proto-Gruppe in 
die Gattung Sloperia Tutt. 


"114. Hesperiae sidae Esp. Ak., sowie untere und mittlere Hänge 
des S.-D. bis gegen Ende Juni nicht gerade selten. Die 
Exemplare sind sehr groß und auf der Hfl.-U’seite meist 
prächtig orangerot gebändert. 

*115. Hesperia (Tuttia Warr.) tesselum und var. nomas Ld. 
Nur auf dem mehrfach erwähnten großen Friedhof bei Ak. 
vom 3. bis 14. VL sowohl in der Nominatform, als auch (häu- 
figer) in der genannten Var. erbeutet. 

"116. Hesperia (Powellia Tutt) orbifer Hb. Ak. und untere Hänge 
des S.-D. Ende Mai bis Anfang Juni und in 2. Gen. wieder 
im Juli ziemlich häufig. 

*117. Hesperia serratulae Rbr. var. major Stgr. Ak. Ende Mai 
bis Mitte Juni zusammen mit den folgenden und durch 
die isolierten eirunden Wurzelflecke der Hil.-U’seite un- 
schwer zu erkennen. Im Uebrigen verweise ich auf die 
Ausführungen Pfeiffer's 1. c. 

"118. Hesperia persicaRev. var.prostanaePfeiff. Die erbeuteten 
Stücke stimmen einerseits recht gut mit den Bildern bei 
Reverdin, andererseits aber auch sehr gut mit Pfeiffer's: 
!) Monograph of the tribe Hesperiidi (European species) with revised 


classification of the subfamily Hesperiinae (palaearctic species) based on the 
genital Armature of the males. (Trans. Ent. Soc. Lond., Vol. 74, 1926.) 


119, 


5120. 


I2r 


122, 


123. 


"124, 


125. 


a ige 


Beschreibung seiner prostanae überein und können auch ohne 
Untersuchung des Genitalapparates mit ziemlicher Sicherheit 
als diese bezeichnet werden. Besonders die Angabe Pfeiffer's 
bezüglich der weißen Fleckenzeichnung der O'seite, nament- 
lich der Hil,, trifft für unsere Exemplare ausgezeichnet zu. 
Hesperia cinarae Rbr. Ak. vom 14. VI. bis Anfang VII. 
ziemlich häufig. Mit südrussischen Exemplaren vollkommen 
übereinstimmend. B. erbeutete 4 wesentlich kleinere, o'seits 
dunklere Exemplare, deren Kopulationsorgan aber die Zu- 
gehörigkeit zu cinarae unzweifelhaft ergab. 

Hesperia pontica Rev. (Bull. Soc. ent. Gen. III p. 66, pl. 3, 
fig.4 u.12). Ak. Vom 20.V.bis Anfang VL meist schon abgeflo- 
gen. Pfeiffer gibt für Ak. diese? Art an; auch unsere wenigen 
Stücke stimmen gut mit den Bildern bei Reverdin überein. 
Thanaos tages L. Ak. im Mai und wieder im Juli. Nach 
Pfeiffer bei Ak. die var. unicolor Frr. Ich vermag die mir 
vorliegenden Exemplare nicht damit zu identifizieren, da 
— bei allerdings dunklerer Färbung — deutliche Querbinden 
auftreten, namentlich aber die weißen Punkte vor dem Saume 
und im Saumdrittel (auch u’seits) sehr auffällig sind. Ich 
möchte die Stücke unserer Ausbeute eher als zur var. Po- 
poviana Nordm. gehörig auffassen, die nach Stgr.-Rbl. für 
Kleinasien bereits nachgewiesen erscheint. 


SPHINGIDAE. 


Deilephila (Celerio) euphorbiae L. T. Ende Mai in der 
großen helleren var. /athyrus WIk. einigemale am Lichte. 
Aus Ende V. gefundenen Raupen entwickelte sich im Juli 
eine 2, kleinere Gen. 

Chaerocampa (Rethera R. u. J.) Komarowi Christ., ssp. 
drilon Rbl. u. Z. Am ersten Leuchtabend kam als einer 
der ersten Schmetterlinge ein Exemplar dieser schönen, 
seltenen Art zum Lichte. In jüngster Zeit (1918) auch für 
Europa (Albanien) nachgewiesen. Sie wurde von der alban. 
Exped. des Naturhistor. Museums-Wien in 4 Exemplaren bei 
Kulalums aufgebracht. 

Deilephila (Celerio) livornica Esp. T. am 7.VI. in einem 
Exemplar bei Tage fliegend angetroffen. (B.) 
Macroglossa (Haemorrhagia) croatica Esp. Ak. 10.VI. ein 
Q@ an Blüten saugend bei Tage. 


126. 


127. 


NOTODONTIDAE. 


Cerura interrupta Chr. T. ein kleines, aber unverkenn- 
bares 5‘ am 17. VIL. am Lichte. (B.) 


- LYMANTRIIDAE. 


Orgya dubia Tausch var. turcicaLd. Ende V. und wieder 
im VII. war bei T. die Raupe geradezu zu Tausenden zu 


. finden. Leider ergaben dieselben fastnur % 2 und nur ganz 


"128. 
129. 


wenige Jo‘. Einige der letzteren am 16. VI. auch bei Tage 
fliegend angetroffen. 


Euproctis chrysorrhoea L. Im Juli einigemale am Lichte. 
Ocneria lapidicola H.S. T. vom VI bis Ende VII. mehrere 


Jg am Lichte. Die vorliegenden Stücke zeichnen sich so- 


_ wohl durch ihre Zartheit und hellere (graue) Färbung, als auch 


130. 


131. 


namentlich durch den vollständigen Mangel jeder 
rötlichen Tönung aus und dürften einer eigenen Rasse 
angehören. Mangels einer Kenntnis der zugehörigen Q 2 
unterlasse ich jedoch deren Abtrennung. 


Ocneria detrita Esp. Ein großes, sehr helles, aber un- 
zweifelhaft dieser Art angehörendes 5’ am 16. VI. am Lichte. 
(B.). Die Art wurde bereits aus dem Erdschias-Dagh nach- 
gewiesen, von Staudinger in einer transitierenden ?Form 
(zu therebynthii Frr.) auch vom Taurus angegeben. 


LASIOCAMPIDAE. 


Chondrostege pastrana Ld. Ende Mai entdeckte ich die 
schöne Raupe in Anzahl in der Steppe bei Tschiitlik. Die 
Verpuppung erfolgte ziemlich tief in der Erde, wo sich 
die R. einen den verwandten Arten ähnlichen, gelblich- 
braunen Cocon verfertigten. Anfang bis Mitte IX. erhielt 
ich daraus 4 5 und ebensoviele ©, erstere leider z.T. ver- 
krüppelt. 


Während nun das eine tadellose 5 der Abbildung und 


Beschreibung bei Lederer durchaus entspricht und namentlich 
weder o'- noch u’seits irgendwelche bindenartige Zeichnung auf- 
weist, ist das andere wesentlich dunkler (dunkel mausgrau) 


und zeigt auf beiden Seiten deutliche bindenartige Zeichnung, 
die besonders u’seits sehr stark zum Ausdruck kommt. 

Nun hat Püngeler insdiesen Mitteilungen (XV, 1925, p. 96) 
eine Chondrostege Osthelderi beschrieben, die aus bei Konia ge- 
sammelten Raupen erzogen wurde und deren Beschreibung auf 
mein Exemplar vorzüglich paßt. Herr Ministerialrat Osthelder- 
München war so liebenswürdig, mein ihm eingesandtes X mit 
der in seinem Besitz befindlichen Type zu vergleichen und be- 
stätist mir die vollständige Uebereinstimmung mit derselben. 

Ob es sich hier aber, wie Püngeler vermutete, wirklich um eine 
selbständige Art handelt oder vielmehr doch nur eine individuelle 
Abänderung vorliegt ist mir vorläufig noch zweifelhaft. Ich fand 
wohl zu gleicher Zeit mit den pastrana-Raupen eine kleinere Zahl 
einer ähnlich gebildeten, jedoch anders gefärbten Raupe (grau- 
schwarz mit gelblichen Segmenteinschnitten und ohne die schöne 
purpur- oder weinrote Fleckung), die aber stets viel kleiner waren 
und welche ich daher für ein früheres Stadium der pastrana- 
Raupen hielt. Leider hatte ich diese nicht isoliert, sondern zu- 
sammen mit den anderen gezogen, sodaߑich nicht mit Sicherheit. 
angeben kann, ob sie nach der Häutung das Aussehen der übrigen 
Raupen erhielten. Der Umstand jedoch, daß ich diese kleineren 
Raupen zusammen mit den anderen an ein und derselben Stelle 
fand, daß ferner die Falter von pastrana sowohl, als auch die 
von Osthelderi zu gleicher Zeit innerhalb weniger Tage schlüpften, 
läßt meine Vermutung, daß wir in Osthelderi doch nur eine — 
allerdings sehr auffällige — pastrana-Form zu erblicken haben, 
vielleicht doch als richtig erscheinen. Jedenfalls will ich es nicht 
versäumen, sowohl pastrana, als auch die? Osthelderi auf der bei- 
gegebenen Tafel vergleichsweise zur Darstellung zu bringen und 
die Anregung geben, daß Entomologen, welche vielleicht später 
noch Gelegenheit haben werden, im gegenständlichen Gebiete zu 
sammeln, dieser Frage ihr besonderes Augenmerk zuwenden. 

Als Fingerzeig sei vermerkt, daß die Raupen frei sitzend 
an allerlei niederen Pflanzen auf den Brachäckern in der Steppe,, 
in der Nähe des Landgutes Tschiftlik, zu finden waren. 


132. Malacosoma neustria L. Im Juni mehrmals am Lichte. 


‘133. Lasiocampa triiolii Esp. Die im September aus eingetra- 
genen Raupen erhaltenen Stücke gehören der helleren ab.. 
medicaginis Bkh. an und besitzen keinerlei Aehnlichkeit mit 
terreni H.S. 


ie 


Noctuidae. 


ACRONYCTINAE. 


134. Simyra dentinosa Frr. Die schöne, gelb und schwarz ge- 
bänderte Raupe am 29. V. bei T. in Anzahl an einer fetten 
Euphorbia, die z.T. ganz kahl gefressen war. Die daraus 
erhaltenen Puppen überliegen. 


7135, Arsilonche albovenosa Goeze. Am 17.-VI erbeutete ich 
bei T. am Lichte ein 5, das fast den Eindruck einer be- 
sonderen Art hervorruit, jedenfalls aber verdient, als nov. 
ssp. cretacea registriert zu werden. 

Kreidig weiß, mit feinen dunklen Atomen bestreut und 
:scharfen schwarzen Limbalpunkten. Die Längsstriemen heben 
sich vom hellen Grunde besonders scharf ab. Auch Hfl. und 
U’seite reiner weiß, ohne gelblichen Farbton. Es dürfte sich hier 
um eine Analogie von nervosa F. und deren südrussischen bezw. 
‚asiatischen var. argenfacea H.S. handeln. 

Die Art (albovenosa) ist für Kleinasien neu, wurde 
.aber für Südrußland und lli festgestellt. 


TRIFINAE. 


7136. Agrotis senna H.G. Von Oberst B. Mitte Juni bei T. in 
2 Exemplaren am Lichte erbeutet. Zweitellos ein faunistisch 
interessanter Fund, obwohl mir Herr Dr. Corti mitteilt, daß 
er diese westeuropäische Art auch aus Dalmatien, dem 
südl. Rußland, Transcaspien und Turkestan besitzt. Herr 
Dr. Corti teilt mir ferner mit, daß das ihm zur Begutach- 
tung eingesandte Stück „neben eine größere Serie senna 
aus dem Wallis gesteckt, besonders dunkel erscheint, sonst 
aber keine weiteren Unterschiede zeigt“. 

137. Agrotis obscura Brahm. Einige mit europäisch. Exemplaren 
übereinstimmende Stücke in T. im Juni. 

1138. Agrotis semna Püng. Von dieser erst 1906 beschriebenen 
wenig bekannten, schönen Art erbeutete B. am 8.Vl. ein 
prächtiges J’ inT. am Lichte. Für Kleinasien neu, bis- 
her nur aus Ashabad bekannt geworden. Von Dr. Corti 
wurde neuerlich (Iris, XVII, Taf.IX Fig. 4) die % Type ab- 
gebildet. 


nd 


139. Agrotis flammatra F. Von Anfang bis Mitte Juni in T. 
zahlreich am Lichte. Alle erbeuteten Stücke bilden Ueber- 
gänge zu der von mir aufgestellten blässeren, schwächer 
gezeichneten var. centralasiae oder erreichen diese ganz. 


140. Agrotis'!) (Epipsilia?) simulans Hufn. Ende Mai vereinzelt 
an der Lampe. Von europäischen Stücken kaum verschieden. 


141. Agrotis (Epipsilia) lucernea var. osmana Corti i.l. Ende Mai 
zusammen mit voriger in geringer Zahl. 

Herr Dr. A. Corti-Dübendorf, welcher die Revision aller, 
auch nur geringste Zweifel auslösende Agrotinen in bekannt 
liebenswürdiger Weise besorgte, schrieb mir darüber: „Diese 
lucernea-Form variiert ziemlich stark und erinnert sehr an nic- 
tymeraB., ist aber damit nicht identisch. Es handelt sich um 
Tiere von durchwegs gelberer Farbe und gelberen Querlinien 
als bei normalen /ucernea. Charakteristisch ist insbesonders die 
Hinterflügel-Unterseite, welche die starke, fast schwarze Ver- 
dunkelung des Außenrandes nicht zeigt, sondern lehmgelb ist 
wie bei nictymera ohne die schwarzen Außenbinden von /ucernea 
und nur mit einer Bogenlinie auf der Vorderflügel-Unterseite. 
Ein charakteristisches Merkmal von lucernea, das bei den Exem- 
plaren, die nicht am Rande schwarz verdüstert sind, fast immer 
vorkommt, nämlich der schwarze Wisch längs Ader C, (nach 
Berge-Rebel) vom Außenrande weg, ist bei diesem Exemplare 
deutlich vorhanden, bei den Stücken Pieiffers nicht immer. Fran- 
sen weiß wie bei /ucernea. Bei der nahen Verwandtschaft von 
lucernea mit nictymera kann nach meiner Ansicht eine definitive 
Entscheidung nur durch die Untersuchung des 5 Genitalappa- 
rates herbeigeführt werden.“ 

Asr. lucernea wurde bisher aus Kleinasien nicht’ nachge- 
wiesen, wohl aber nicihymera B. und ich vermute, daß es sich 
bei letzteren gleichfalls um osmana gehandelt haben dürfte. 


142. Agrotis (Lycophotia?) sollers Stgr. Vom 11. bis 21. VI. in T. 
sehr vereinzelt in frischen Exemplaren amLichte. Die schöne 
große Art variiert etwas in Größe und Färbung (in letzterer 
Hinsicht von weißlich- bis gelbgrau), doch dürften sämtliche 
erbeuteten Stücke der Nominatformangebören. Ein besonders 


!) Die Namen in der Klammer bei den Agrotinen bedeuten die Gattungs- 
zugehörigkeit nach Hampson, resp. nach den Befunden Dr,Corti’'s. Ein Frage- 
zeichen bei den Namen in Klammern will besagen, daß Dr. Corti die Ein- 
reihung in die betreffende Gattung für nicht gegeben oder fraglich hält. 


143. 


7144. 


145. 


146. 


147. 


148. 


149, 


ae 


großes 2 mißt 51 mm. Für Kleinasien nur von Rebel (Lit.- 
Verz.10) vom Erdschias-Gebiete als ? photophila Gn. nach- 
gewiesen. Sonst nur aus Persien und Zentralasien bekannt. 
Sollers und photophila dürften artlich kaum zü trennen 
sein. 

Agrotis (Lycophotia?) renigera H. var. erubescens Stgr. 
T. vom 21. V. bis Mitte Juni in großer Zahl. Vereinzelte 
gute Stücke noch Mitte VII. Die schöne Rasse variiert in 
Färbung von blaß- bis dunkler ziegelrot (graue Exemplare 
wurden nicht erbeutet); die dunkle Zeichnung der Vfl., meist 
gut ausgeprägt, ist im g’ mitunter nur sehr schwach sicht- 
bar (ab. intermedia Stgr.). 


Agrotis (Lycophotia sec. Corti) eremicola Stdf. Von B. am 
17. VIL. in einem einzelnen weiblichen Exemplar erbeutet. 
Neu für Kleinasien. 


Agrotis (Lycophotia sec. Corti) spec. Gleichfalls von Oberst 
v.B. in einem etwas defekten, stark abgeflogenen @ im Juli 
am Lichte erbeutet. Herr Dr. Corti schreibt mir darüber: 
„1 2, das ich nicht zu bestimmen wage. Es ist weder 
umbrifera, noch sgqualorum, auch nicht kirghisa Ev. Viel- 
leicht ist es eine Aberration von letzterer Art, leider ist es 
nicht gut erhalten.“ 


Agrotis (Lycophotia sec. Corti) squalorum Ev. Vom 7. bis 
Ende VIL mehrfach in T. Fast alle Stücke + beschädigt. 
Für Kleinasien nur in der Form squalidior Stgr. vom Taurus 
nachgewiesen, jedoch mit weiter Verbreitung in den Nach- 
bargebieten. 

Asrotis (Lycophotia sec. Corti) melanura Koll. Diese rei- 
zende kleine Art war vom 6. VII. bis zum Ende unserer 
Sammeltätigkeit fast allabendlich in mehrerenExemplaren an 
der Leinwand. Leider waren auch hievon die allermeisten 
Exemplare + beschädigt. 


Agrotis (Lycophotia?) iimbriola Esp. Den ganzen Juni 
hindurch recht häufig. Sämtliche erbeuteten Stücke gehören 
der Form /aeta (Stgr. i. 1.) Rbl. (Lit.-Verz. 9, I. p. 209) an. 


Agrotis forcipula Hb. Von Ende Mai bis in den Juli hinein 
nicht selten. Die erbeuteten Stücke zeichnen sich alle durch 
ein sehr dunkles, fast schwarzes Schiefergrau der Vfl. aus, 
und zeigen die Nierenmakel, namentlich in ihrer unteren 


ee 


Hälfte rein weiß. Schon Staudinger erwähnt (Lit.-Verz. 16) 
die Verschiedenheit der kleinasiatischen forcipula gegenüber 
europäischen Exemplaren und versandte sie in der Folge 
als var. amasina, ohne sie jedoch zu publizieren. Da es 
sich zweifellos um eine namensberechtigte Lokalrasse han- 
delt, möge ihr der Name amasina verbleiben. 

4150, Agrotis celsicola Bell. Eine Anzahl Exemplare einer licht 
schokoladebraunen, in der Zeichnung der vorigen äußerst 
nahestehenden Art mit ebensolchen, in der Mitte helleren 
Hfl., war ich ursprünglich geneigt für celsicola zu halten; 
die schlankere Flügelform der erbeuteten Stücke gegenüber 
einem im Wiener Staatsmuseum befindlichen Exemplar ließen “ 
jedoch wieder Zweifel und die Vermutung aufkommen, daß 
es sich vielleicht um die nahestehende improba Stgr. han- 
deln könnte. Um sicher zu gehen, sandte ich einige der 
erbeuteten Stücke an Herrn Dr. Corti zur Begutachtung, 
welcher so liebenswürdig war, mir darüber folgendes zu 
berichten: 

„Was Ihre braune Form anbetrifft, so haben Sie ja gleich 
von Anfang die Vermutung gehabt, daß es sich dabei um celsi- 
cola handeln könnte. Nun ich Ihr tadelloses Pärchen vor mir 
habe, kann ich mit Sicherheit sagen, daß es sich wirklich um 
celsicola handelt resp. um eine Lokalrasse hievon. I/mproba ist 
es absolut nicht.” 

Herr Dr. Corti sandte mir auch eine vergleichende Auf- 
stellung bezgl. Beschaffenheit der Hfl., Flügel und des Stirnvor- 
sprunges, der zufolge der Hauptunterschied in der Fühlerbil- 
dung dieser und der verwandten Arten (furbans, improba, tru- 
culenta, toxistigma, celsicola, disturbans und forcipula) liegt. Wäh- 
rend die Fühler bei improba nicht gezähnt und nicht gekerbt 
sind, weisen dieselben bei celsicola und forcipula eine ziemlich 
starke fast zahnartige Kerbung, bei forcipula fast schwache breite 
Zapfen auf. Die hier besprochene Form stimmt in dieser Be- 
ziehung mit celsicola überein. Die für mehrere Arten dieser Gruppe 
charakteristischen feinen Wimperbüscheln der Fühler sind nach 
Dr. Corti bei forcipula kürzer als bei celsicola. 

Herr Dr. Corti bemerkt schließlich — wovon ich mich in- 
zwischen selbst überzeugen konnte — daß die Abbildung bei 
Hampson (Taf. 67, Fig. 24), nicht die echte celsicola, sondern ein 
Exemplar aus Persien darstellt, das gut auf die vorliegenden 
kleinasiatischen Stücke paßt. 


Be 


Ueber Vorschlag des Herrn Dr. Corti, der in den anatoli- 


schen Exemplaren „wegen der feineren und dichteren Zeichnun- 
gen und der zierlichen Gestalt gewissermaßen eine celsicola en 
miniature und in sorgfältigerer Ausführung” erblickt, trenne ich 
dieselben als nov. ssp. gracilis von der Nominatform ab. 


Für Kleinasien neu, wohl aber aus Syrien, Persien und 


Turkestan nachgewiesen. 


151. 


152. 


1193. 


=) 


Agrotis'!) signifera F. var. improcera Stgr. Im Juni nicht 
selten, aber fast immer schlecht. 


Asrotis (Feltia sec. Corti) hailae Stgr. Am 26. VII. erbeu- 
tete ich zusammen mit ripae var. desertorum ein einzelnes 
2, das ich geneigt war, für diese Art oder deren var. 
Herzogi Rbl. anzusprechen. Auch Dr. Corti, dem ich das 
Stück zur Begutachtung einsandte, meint, daß es vorläufig 
solange sowohl von Herzogi als auch von haifae keine g'’0' 
bekannt sind, am besten hier eingereiht werden könne, 
zweifelt jedoch an der Artberechtigung beider und hält 
sie nur für Aberrationen der ripae-desertorum. Ich möchte 
Herrn Dr. Corti hier umso eher beipflichten, als erstens 
Agr. ripae, zu welcher desertorum ja nur als Lokalform 
gehört, wie männiglich bekannt, eine unendlich variierende 
Art ist, es außerdem sehr auffällig bleibt, daß sowohl von 
haifae, als auch von Herzogi nur 2? 2 bekannt wurden, und 
das gegenständliche Exemplar — wieder ein 9 — unter 
ripae-desertorum erbeutet wurde. Uebrigens spricht auch 
Rebel bei Beschreibung seiner Herzogi die Vermutung aus, 
daß es sich bei letzterer möglicher Weise nur um Aber- 
rationen der Haifae handle. Das vorliegende Stück stimmt 
bis auf geringfügige Kleinigkeiten mit einer der Typen von 
Herzogi gut überein. 


Agrotis(Feltia?) ilavinaH.S. u. ab. ochrina Stgr. Vom 6. VI. 
bis Mitte VII. in Anzahl erbeutet. Der Beginn der Flugzeit 
dürfte schon Ende Mai einsetzen, da wir am 6. Juni auch 
schon etwas abgeflogene Stücke antrafen. Die Art variiert 
ziemlich beträchtlich sowohl in Zeichnung als auch in Fär- 
bung. Die dunkleren Exemplare sind in der Regel auch 


Nach Dr. Corti gehören die Arten der forcipula- celsicola - signifera- 


Gruppe weder zu Euxoa noch zu Feltia; es dürfte für diese vielmehr die 
Aufstellung einer eigenen Gattung nötig sein, 


N 


viel kräftiger gezeichnet. Ochrina Stgr., die wohl als eigene 
Art beschrieben wurde, bei welchem Anlaß aber Staudinger 
selbst schon Bedenken äußerte, ob es sich nicht doch nur 
um eine Aberration der flavina handle, ist nach den Uhnter- 
suchungen Dr. Cortis zweifellos nur eine Form der flavina. 
Ich lasse Herrn Dr. Corti selbst sprechen. 
„Ihre verschiedenen Stücke haben mir sehr viel Arbeit ver- 
_ ursacht und mich bewogen, einmal die Arten flavina und ochrina 
näher anzusehen und z. T. zu anatomieren. Am äußeren Körper- 
bau, besonders Fühler, Tibien, Bekleidung, Haare und Schuppen, 
Stirnbildung etc., kann ich zwischen flavina und ochrina keine 
Unterschiede finden. Nachdem ich nun auch in den J’ Genital- 
apparaten keinen irgendwie besonderen Unterschied finden kann, 
komme ich zu der Ueberzeugung, daß ochrina und flavina eine 
und dieselbe Art sind und daß ochrina höchstens eine Variation 
oder Rasse von flavina ist. Damit findet die Annahme Staudingers, 
daß die ockergelben Stücke von flavina (ochrina Stgr.? an fla- 
vinae H.S. var. ? Iris 1897, pag. 274) nur eine Form von flavina 
sein könnte, ihre berechtigte Stütze. Ochrina unterscheidet sich 
von flavina „besonders nur durch ockergelbe (bräunliche) Fär- 
bung und die stärker gezeichneten Vorderflügel etc. (loc. cit.)* 
Ich möchte zu Herrn Dr. Corti's Ausführungen nur noch be- 
merken, daß es sich bei ochrina nicht einmal um eine Rasse han- 
deln kann, da sie ja zusammen mit flavina an ein und derselben 
Lokalität erbeutet wurde. In der Form ochrina neu für Kleinasien. 


7154. Agrotis (Feltia) ripae Hb. var. desertorumB. Das erste Ex. 
erbeutete B. am 18.VIL,, dann fanden wir die Art erst wie- 
der und zwar mehrfach von Mitte Juli ab. Es dürfte sich 
bei dem Fang vom 18. VI. um ein verfrühtes Exemplar ge- 
handelt haben. Wenn man von dem einen als haifae resp. 
Herzogi besprochenem (? aberrativem) Exemplare absieht, 
ist desertorum, wenigstens in den uns vorliegenden Stücken 
ziemlich konstant. Aus Kleinasien bisher nicht nachge- 
wiesen, wohl aber aus Südrußland, Syrien und Aegypten 
bekannt geworden. 


155. Agrotis (Euxoa sec. Hps.) homicida Stgr. Im Juni sehr 
vereinzelt am Lichte. Die unscheinbare, derzeit noch klein- 
asiatisch-endemische Art variiert nicht sehr beträchtlich; 
nur die Intensität des dunklen Saumes unterliegt gewissen 
Schwankungen. 


156. 


157, 


158. 


159. 


160. 


1161. 


162. 


1163. 


164. 


165. 


SE NTAmREE 


Agrotis (Euxoa sec. Hps.) tritici L. nov. var. obeliscata 
Corti i. 1. T. vom 12. VI. bis 20. VII. in Mehrzahl. Ohne 
Herrn Dr. Corti vorgreifen zu wollen, möchte ich nur be- 
merken, daß es sich hier um eine z. T. recht bunte Form 
handelt, die einerseits — wie schon der Name besagt — 
stark an obelisca, andererseits aber auch sehr an distingu- 
enda und subdistinguenda erinnert. Der andere Fühlerbau 
unterscheidet obeliscata jedoch sofort von den beiden letz- 
teren. Wie mir Herr Dr. Corti mitteilt, besitzt er diese 
hübsche fritici-Form in Anzahl aus Naryn (Turkestan) in 
seiner Sammlung. 


Agrotis (Feltia sec. Corti) ypsilon Rott. Einige normale 
Stücke Mitte Juni erbeutet. Kosmopolit. 


Agrotis (Feltia sec. Corti) segetum Schiff, T. Ende Juli 


wenige Exemplare. 


Agrotis (Lycophotia ?) saucia Hb. var. margaritosa Hw. 
T. Mitte Juni (B.) 


Asrotis (Euxoa) conspicua Hb. Von Anfang bis Mitte Juni 
ziemlich zahlreich, sowohl in Stücken der Nominatform als 
auch der ab. abdita Joan. 


Mamestra implexa Hb. Von dieser seltenen, für Klein- 
asien noch nicht, wohl aber für Armenien und Palästina 
nachgewiesenen Art, erbeuteten wir vom 20. bis Ende V. 
bei T. eine kleine Zahl z.T. leider schon abgeflogener Stücke. 


Mamestra trifolii Rott. T. vom 22. V. bis Mitte VL. in teil- 
weise sehr bunten Exemplaren, die vermutlich mit ab. Far- 
kasii Tr. identisch sind. 


Mamestra stigmosa Chr. Diese schöne Art wurde von mir 
in einem leider nur vereinzelt gebliebenem 5 am 20. VI. 
in T. am Licht erbeutet. Für Kleinasien neu, sonst nur 
aus Sarepta nachgewiesen; in Zentralasien jedoch weit ver- 
breitet. 


Mamestra dianthi Tausch. T.von Mitte VI. bis Ende VII. 
nicht selten. 


Mamestra mendaxStgr. Diese seltene Art erbeutete Oberst 
v. Bartha bei T. am 25. V. und 16. VL in je einem J‘. Ich 
hatte Gelegenheit unsere Stücke mit der Type in coll. Stgr. 
zu vergleichen. 


166. 


167. 


168. 


169. 


170. 


Rule 


172. 


173. 


Re 


Mamestra cappa Hb. T. im Juli einigemale am Lichte und 
auch bei Tage. 


Dianthoecia filigrama Esp. var. melanochroa Stgr. T. 22.V. 
ein 0’ und 27. V.ein 2 am Lichte erbeutet. Die Exemplare 
stimmen sowohl mit der Beschreibung wie auch mit den 
Typen in coll. Stgr. gut überein, sind nur etwas dunkler, 
was vielleicht auf den frischeren Zustand unserer Exemplare 
zurückzuführen ist. 


Dianthoecia armeriae Gn. T. am 17.V1. (B.) Das Exemplar 
ist etwas kleiner als dalmatinische Stücke, sonst aber gut 
damit übereinstimmend. 


Dianthoecia silenes Hb. Ende Mai nicht gerade selten 
am Lichte. Die erbeuteten Stücke sind gegenüber solchen 
anderer Provenienz (Hung.) von dunklerer Grundfärbung, vor 
allem aber viel bunter, indem im Raume um die beiden 
Makeln, sowie im Saumfelde und am Innenwinkel viel Weiß 
zu Tage tritt. Da bereits im Stgr.-Rbl.-Katalog silenes aus 
Mardin als var. gekennzeichnet wird, könnte diese klein- 
asiatische Form vielleicht als nov. ssp. variegata abgetrennt 
werden. 

Dianthoecia pumila Stgr. T. von Ende V. bis Mitte Juni 
in Mehrzahl erbeutet. Die Stücke stimmen mit zwei von 
Herrn Otto Bang-Haas erhaltenen, mit den Typen der 
pumila verglichenen Exemplaren vollkommen überein, 
machen aber sonst eigentlich den Eindruck besonders klei- 
ner, verwaschen gezeichneter carpophaga-ochracea. 


Pseudohadena chenopodiphaga Rbr. Anfangs VI. ziem- 
lich vereinzelt. Die erbeuteten Exemplare bilden zufolge 
des rötlichen Anfluges, der besonders in der Gegend um 
die Makeln stark zu Tage tritt, wohl Uebergänge zur var. 
erubescens Stgr. 

Hadena leucodon Ev. T. am 25. V. von mir in einem ein- 
zigen Exemplare am Lichte erbeutet. Die Art wurde für 
Kleinasien bisher nur aus Malatia nachgewiesen, besitzt 
aber in Zentralasien eine weite Verbreitung. 


Metopoceras beata Stgr. Wir erbeuteten diese hübsche, 
auffallende und seltene Art in beschränkter Zahl bis Ende 
Mai in frischen Stücken in T. am Lichte. Staudingers’s Be- 
schreibung ist ausgezeichnet; weniger gut gelungen da- 


ee 


gegen — im Gegensatz zu Stgr.'s Behauptung — die Ab- 
bildung, weshalb ich die Art auf der beigegebenen Tafel 


nochmals zur Darstellung bringe. 


174. Polia (Calophasia) acuta Frr. (pygmaea Stgr., producta Ld.). 
Von Oberst v. Bartha Ende Mai in drei übereinstimmenden 
Exemplaren in T. am Lichte gefangen. 


Diese, wie es scheint, recht variable Art hat eine förmliche 
Geschichte; sie wurde 3mal beschrieben und von jedem Autor 
in eine andere Gattung versetzt. Und dabei hatte jeder der drei 
Autoren bis zu einem gewissen Grade nicht so unrecht, wie die 
Typen, deren Einsichtnahme mir Herr O. Bang-Haas in liebens- 
würdigster und entgegenkommendster Weise gestattete, beweisen. 
Freyer beschreibt als erster die Art als acuta und stellt sie in 
die Gattung Acronycta indem er sie mit rumicis vergleicht. Hie- 
her gehört sie m. E. am allerwenigsten. Bei Freyer ist auch in- 
soferne eine Unstimmigkeit, als in der Beschreibung ausdrück- 
lich hervorgehoben wird, daß die Flügel keine Mittelmonde auf- 
weisen, die Abbildung sowohl, als auch die vorliegenden Stücke 
jedoch solche deutlich aufweisen. Die Abbildung bei Freyer ist 
übrigens auch nicht als besonders gelungen zu bezeichnen. Un- 
gleich besser und einem als acuta Frr. bezeichneten Stück in 
coll. Staudinger sehr nahekommend ist die Abvildung bei Herrich- 
Schäffer. Als zweiter beschreibt Lederer (Wr. ent. Mon. 1857 p.97) 
die Art als producta und stellt sie in die Gattung Calophasia. 
Tatsächlich weist die Type bei oberilächlicher Betrachtung eine 
zwar entferntere, aber unleugbare Aehnlichkeit mit lanıla Hufn. 
auf. Als dritter und letzter beschrieb Staudinger im Jaure 1870 
(Lit.-Verz. 15) die Art als pygmea und bildet sie auch sehr gut 
ab. Er stellt sie auf Anraten Lederer's in die Gattung Polia, 
vergleicht sie jedoch mit Dianthoecia tephroleuca, denn auch mit 
dieser ist eine gewisse Aehnlichkeit vorhanden, wie die Type 
und unsere Exemplare beweisen, die auch wir ursprünglich für 
eine uns unbekannte Dianthoecia hielten. Interessant ist hiebei, 
daß Lederer, dem Staudinger die pygmaea zur Begutachtung 
sandte, darin seine producta nicht erkannte, was allerdings wie- 
der infolge des viel dunkleren Aussehens der pygmaea leicht 
entschuldbar ist. So sehr diese drei Formen nun untereinander 
variieren und bei Einzelbetrachtung tatsächlich den Eindruck 
dreier verschiedener Arten hervorzurufen vermögen, sind sie 
doch durch alle Uebergänge miteinander verbunden und führen 


N 


vor allem einige hervorstechende gemeinsame Merkmale, 
d.i. die äußere und namentlich aber die innere Begrenzung des 
Mittelfeldes, die in ganz charakteristischer Weise die Form eines 
griechischen = resp. dessen Spiegelbildes annimmt, die auch bei 
hellen Exemplaren deutlich hervortretenden drei Makeln, sowie 
die in ihrer inneren Hälfte dunklen, in ihrer äußeren Hälfte aber 
fast weißen Fransen, die bei manchen Stücken an ihrer Wurzel 
noch eine weißliche Teilungslinie aufweisen. (In Stgr.'s Original- 
beschreibung lautet die Stelle: „die Fransen hier — an den Hfl. — 
an der Basis fein, an den Spitzen breit weißlich“, was auf ein’s 
herauskommt.) 

Producta Ld. umfaßt wohl die buntesten und am schärfsten 
gezeichneten der eingesehenen Stücke, deren Provenienz Beirut 
(Type) Mardin und Jerusalem ist. Man könnte diese vielleicht 
als südöstliche Rasse aufrecht erhalten. Acuta Frr. wurde aus 
Konstantinopel, pygmaea Stgr. aus Smyrna aufgestellt; in coll. 
Staudinger stecken ferner noch Exemplare aus Brussa und Amasia, 
wozu noch unsere anatolischen kämen. Letztere kommen einem 
in coll. Stgr. befindlichen als acuta bezeichneten Exemplar aus 
Amasia sowie der Abbildung bei H. S. in der Färbung am näch- 
sten, sind aber noch etwas heller grau als diese; die smyrnenser 
Stücke sind die dunkelsten. Acuta Frr. und pygmaea Stgr. lassen 
sich m.E. auch nicht als Rassen von einander trennen, da 
Stücke aus Amasia und Brussa fast ebenso dunkel werden und 
acuta nach dem Bilde bei Freyer gleichfalls ein sehr dunkles 
Exemplar darstellt. Da von producta Ld. kein Bild existiert, 
bringe ich sowohl deren Type, als auch vergleichsweise ein 
Jerusalemer Exemplar derselben, die Type der pygmaea Stgr., 
das als acuta bezeichnete Exemplar aus coll. Stgr., sowie end- 
lich eines unserer Stücke auf der beigegebenen Tafel zur Dar- 
stellung. 

Die endgültige Gattungszugehörigkeit der besprochenen Art 
wird sich wohl erst nach Kenntnis der ersten Stände derselben 
erweisen lassen. Hampson hat die Art in die Gattung Calophasia 
gestellt, in die sie m. E. aber gar nicht recht paßt. Viel eher 
möchte ich da der Auffassung Staudinger-Rebel's beipflichten 
und sie vorläufig bei Polia belassen. Aller Wahrscheinlichkeit 
nach wird ja bei neuerlicher Untersuchung auf die morphologi- 
schen Merkmale hin — bei reichlicherem Material der bisher 
immerhin recht seltenen Art — die Aufstellung einer eigenen 
Gattung notwendig sein. 


Ne 


175. Cloantha laciniosa Chr. T. Ende Juni vereinzelt am 
Lichte. 
Diese schöne, von Hampson und Warren in die Gattung 

Pseudohadena versetzte Art ist neu für Kleinasien und er- 

reicht hier eine bemerkenswerte Westgrenze. Sie wurde bisher 

nur aus Turkestan und der Mongolei festgestellt. Da die Ab- 
bildung bei Seitz die Art nicht erkennen läßt, auch die Bilder 
in Romanoft'’s Mem. s. Lep. und bei Hampson — welche Werke 
überdies wenig zugänglich sind — sehr zu wünschen übrig lassen, 
bringe ich die Art auf der beigegebenen Tafel nochmals zur 

Darstellung. Herr Dr. Martin Hering vom Zool. Museum -Berlin 

danke ich auch an dieser Stelle herzlichst für die frdl. Weise vor- 

genommene Vergleichung mit Stücken in coll. Püngeler. 

Herrn ‚Filipjev-Leningrad möchte ich für den Vergleich 
eines ihm eingesandten Foto’s mit der Christoph’schen Type 
gleichfalls meinen verbindlichsten Dank abstatten. Auch hier- 
nach steht die Artzugehörigkeit unserer Exemplare außer allem 
Zweifel. 


1176. Nonagria geminipuncta Hatchett. In einem sehr großen 
dunklen 2 von Oberst von Bartha am 14. VII. am Lichte 
erbeutet. Die Art ist neu für Kleinasien und dürfte 
hier eine sehr bemerkenswerte Südostgrenze ihrer Ver- 
breitung erreichen. 


1177. Senta maritima Tausch. Von Mitte Juni bis Mitte Juli ein- 

- zeln am Lichte. Die Stücke sind sämtlich wesentlich heller 

(reiner grau) und verdienen umso eher als nov. ssp. grisea 

abgetrennt zu werden, als die für Kleinasien neue Art 

bisher weder so weit östlich, noch soweit südlich angetrof- 

fen wurde und gleich der vorigen im Gebiete eine sehr auf- 
fällige Arealbegrenzung erfährt. 


178. Tapinostola musculosa Hb. T. von Mitte Juni bis gegen 
Ende Juli ziemlich häufig, :darunter auch ab. /aeta Alph. 


179. Luceria virens_L. var. immaculata Stgr. Mitte bis Ende 
Juni nicht selten am Lichte. Nur in der angegebenen Va- 
rietät. Die Stücke sind vielleicht etwas lebhafter grün und 
zeigen stärker grün angeflogene Hfl, was m. E. aber zur 
Aufstellung einer eigenen Rasse nicht ausreicht. 


180. Leucania obsoleta Hb. T. am 15.Vl. ein einzelnes J’ von 
mir am Lichte erbeutet. 


eg 


7181. Leucania zeae Dup. Ende Mai in nächster Nähe des Hau- 
ses nicht selten. Für Kleinasien neu, aber aus Griechen- 
land und Zentralasien nachgewiesen. 


182. Leucania vitellina Hb. T. Mitte un mehrfach in Stücken 
der Nominatform. 


184. Caradrina exigua Hb. Nur am 16, VII. in T. ein J (B.). 


"183. Caradrina pertinaxStgr. T. am 17.VIl. zwei 55’ amLichte. 
Diese der bermeja Ribbe (iberica Hmps.) sehr nahestehende 
Art ist kleiner als diese, vorwiegend lehmgelb gefärbt, die 
Hfl. reiner weiß. Stgr. welcher (Lit.-Verz. 16) die Art aus- 
gezeichnet beschreibt, vermutet in derselben das der nur 
nach zwei 2 2 beschriebenen morosa Ld.;') tatsächlich paßt 
das Bild bei Lederer (Verh. zool. botan. Ges. Wien 1853, 
Taf. 5, Fig. 3) bis auf die dunklen Hil. ganz gut zu unseren 
Stücken. 


185. Caradrina albina Ev. Ein tadelloses X der grauen Form 
congesta Ld. am 12. VL in T. von mir am Lichte erbeutet. 


186. Calophasia casta Bkh. T.am 28.V. ein ziemlich dunkles 
2 (B) 


187. Calophasia Barthae nov. sp. Oberst von Bartha war so 
glücklich am 28. V. zwei Exemplare einer neuen Art zu 
erbeuten, die ich nachstehend beschreibe. 

Der platyptera oder hamifera Stgr. Esp. zunächst, jedoch 
von etwas schlankerem Habitus und ohne den diesen und den 
verwandten Arten eigenen dunklen Schatten im Innenwinkel 
und am Innenrand. Vfl. ziemlich gleichmäßig hellgrau ohne weiß- 
liche Aufhellungen. Im Saumfeld unter der Spitze 2 kurze, 
unter der Mitte 2 längere schwarze Längsstrahlen, ein eben- 
solcher Wurzelstrahl. Ring- und Zapfenmakel durch feine schwarze 
Umrandung deutlich markiert, Nierenmakel nicht sichtbar. Hfl. 
gleichmäßiger grau, am Saum dunkler, mit schwachem Mittel- 
punkt. Die weißlichen Fransen auf den Vfl. dunkler gescheckt. 
Unterseite der Vfl. dunkel graubraun, die der Hfl. heller mit 
dunklem Saum und deutlichem Mittelmond. Alle Flügel mit 


feiner dunkler Saumlinie. Thorax, Beine und Hinterleib von 
der Farbe der Vfl., Fühler bräunlich, an der Wurzel o’seits fast 


rein weiß. 
!) Im Stgr.-Rebel-Katalog wird morosa Ld. allerdings wieder als eine 
von pertinax getrennte Art behandelt. 


ns 


Es freut mich, diese interessante neue Art, welche mit 
keiner der bisher bekannten zu verwechseln ist, meinem lieben 
Freunde, Oberst Viktor von Bartha, dedizieren zu können. 


188. Cleophana antirrhini Hb. Ende Mai einige Stücke in T. 
am Lichte. (B.) 


189. Cleophana olivina H.S. Vom 22.V. bis Mitte VL nicht 


selten. 


190. Cleophana oliva Stgr. Von dieser seltenen Art erbeuteten 
wir mit der vorigen gleichfalls eine kleine Zahl am Lichte. 
Staudinger vermutete in oliva eine Höhenform von olivina, 
was aber nach unseren Fängen in der Steppe zu schließen 
kaum zutreffend sein dürfte. Die Art wurde aus dem 
nördlichen Kleinasien beschrieben, durch Rebel (Lit. Verz. 8) 
aber auch für Morea nachgewiesen. 


191. Cleophana opposita Ld. Vom 21. bis Ende Mai sehr zahl- 
reich am Lichte. Die Variabilität der Art ist gering und 
äußert sich hauptsächlich in der + starken Aufhellung des 
Saumfeldes. Manche Exemplare haben auch die das Mittel- 
feld begrenzenden Querlinien schärfer ausgeprägt. Oppo- 
sita Ld. wurde auch schon auf europäischem Boden (Bul- 
garien, vid. Rebel, Lit-Verz. 9, I) erbeutet. 


192. Cucullia argentina F. Mitte Juni ein schlechtes J’, dann 
zahlreicher ab Mitte VII. in ganz frischen Stücken. Die 
vorliegenden Exemplare gehören der Nominatform an. 


193. Heliothis dipsacea L. Ak. 26. VII. (B.) 


194. Heliothis scutosa Schiff. Ak. zusammen mit voriger, ab- 
geflogen. 


195. Heliothis peltigera Schiff. Im 2. Junidrittel nicht selten 
am Lichte, als auch bei Tage. 


196. Heliothis nubigera H.S. Zur selben Zeit wie die vorige, 
jedoch viel zahlreicher. Die Raupen waren Ende Mai in 
allen Stadien geradezu in Masse auf den Saponaria-Büschen 
zu erbeuten. Die Art variiert ziemlich stark, ohne indes 

. besonders auffällige Abänderungen zu bilden. 


(Fortsetzung folgt.) 


Studien über die Subiamilie der Agrotinae (Lep.) 


Dr. A. Corti, Dübendori 


XXL 
Über die Aufzucht ab ovo einiger spanischer Agrotinae. 


1. Euxoa schwingenschussi m. 
(Corti, Schweiz, Ent. Anzeiger 1926.) 


Am 26. August 1926 erhielt ich von dem eeksollen 
Sammler K. Predota eine Anzahl Eier dieser Art aus Albarracin, 
Provinz Teruel, Spanien. 

Das Ei. Die Eier waren z.T. einzeln, z. T. in Klumpeh 
aneinandergeklebt und machten einen höchst unordentlichen, 
primitiven Eindruck, z. T. eingebuchtet und eingedrückt. Das 
Ei zeigt keinerlei Rippung, dagegen findet man unter starker 
Vergrößerung eine schöne marmorierte Zeichnung. Die Farbe 
der Eier ist gelbgrau bis grauschwarz, teils mit violettem Schim: 
mer. Die Eihülle sieht lederig, eingeschrumpft aus. 

Im Zimmer gehalten wurden die Eier gegen Mitte Okebe 
blaustichig. Die Räupchen waren im Ei entwickelt, schlüpften 
aber nicht. Hierauf brachte ich das Eigelege auf die Veranda ins 
Freie und überließ es seinem Schicksal bis am 22. Januar 1927. 
Ins warme Zimmer gebracht und mit Wasser bespritzt, ergaben 
die Eier vier Stunden später sämtliche Räupchen, die überhaupt 
zu erwarten waren. 

Die Raupe. Die jungen Räupchen zeigten zu meiner Ueber- 
raschung deutliche -Schreckstellung, was ich bisher bei Euxoa- 
Raupen noch nie beobachtet habe, sie rollen sich leicht zusammen 
und lassen sich leicht fallen. Das Spinnen von Fäden wurde nicht 
beobachtet, die Raupen sind eher lebhaft als träge. Die Grund- 
farbe ist weißgrau mit bräunlicher Marmorierung, Kopf und 
Nackenschild sind sehr groß, der Kopf ist stark herzförmig aus- 
geschnitten, der Nackenschild fast sichel- halbmondförmig, beide 
sehr dunkel, schwarzbraun bis schwarz. Die Warzen sind sehr 
klein, braunschwarz, auch unter dem Mikroskop nicht leicht sicht- 


en 


bar. Die Mittelfüße sind verkümmert, die Bauchseite dunkel ge- 
sprenkelt. Die Borsten kurz mit deutlichen Endknospen. 

31. Januar. Die Raupen gedeihen mit Löwenzahn gut. Sie 
rollen sich immer noch leicht zusammen, sind ziemlich lebhaft 
und nehmen immer noch Schreckstellung an, wenn auch nicht 
immer leicht, die Raupe krümmt sich dabei mit seitlich gewen- 
detem Kopf. Der Raupenkörper erscheint nunmehr im auffal- 
lenden Lichte bräunlichgelb, marmoriert, die Warzen sind immer 
noch kaum sichtbar, ebenso die Endknospen, die allerdings klei- 
ner sind, als z.B. bei cinerea Hb. Eine Dorsale ist noch nicht 
sichtbar, dagegen eine breite, bräunliche, doppelte Subdorsale 
und eine bräunliche, breite Seitenlinie. Kopf glänzend schwarz, 
herzförmig, Nackenschild heller, durchsichtig, braungrau, lederig, 
unregelmäßig roh halbmondförmig. 

5. Februar. Die am besten entwickelten Raupen haben 
eine Länge von ca. 2'/, mm. Gestört sind die Raupen recht 
lebhaft, sie finden sich sogar am oberen Deckel der beiden Uhr- 
gläser, in denen sie erzogen werden, was ich sonst bei anderen 
Euxoa-Raupen ebenfalls nie gesehen habe. Der Körper erscheint 
nun lederig, die Warzen sind gut sichtbar, wenn auch klein, sie 
sind schwarzbraun und höckerig, die Borsten hell, Ueber den 
ganzen Rücken zieht sich nun ein helles Feld, aus hellen Recht- 
ecken oder fast Quadraten bestehend, je zwischen zwei Seg- 
menten. Mitten durch geht eine helle, beidseitig rotbraun ein- 
gefaßte Dorsale. Die Rechtecke, resp. der ganze Rücken wird 
durch die weißlichen, marmorierten Subdorsalen begrenzt, die 
nach oben mit einem breiteren, braunen Schatten eingefaßt sind, 
ebenso nach der Bauchseite hin, worauf dann eine breitere, weiß 
und braun marmorierte Seitenlinie folgt. Kopf schwarzbraun, 
Nackenschild viel heller, von der Farbe des Körpers, grünlich- 
braun mit dunklen Flecken, lederig, undeutlich halbmondförmig, 
hinten eher eingebuchtet, dreimal hell durchgeteilt. Stigmen 
schwarz, Bauch grünlichweiß, Füße schwarz gesprenkelt, die 
mittleren Paare verkümmert. Der Kopf sehr stark durchgeteilt. 

2. April. Die Raupen zeigen kaum einen Unterschied zwi- 
schen gleichzeitig gezogenen temera-Hübneri Brs. Vom 18. April 
an wurden sie in ein Zuchtglas mit Torf und Erde getan, sie 
sind ca. 30 mm lang und ändern nunmehr ihr Aussehen nicht 
mehr bis zur erwachsenen Raupe. Diese zeigt sich als echte 
Erdraupe. Bei Berührung rollt sie sich ineinander zusammen, 
sie stellt sich aber bisweilen auch tot und kann in diesem kata- 


u. 0 


plectischen Zustand gerollt werden wie eine Walze. Die Raupen 
sind dick und prall, bewegen sich aber durchaus nicht träge. 
Die Grundfarbe ist ein helles Mausgrau. Der Kopf ist klein, 
bräunlich marmoriert. Der Nackenschild ist lederig, nunmehr 
eher trapezförmig, graubraun, einmal stark hell durchgeteilt. Eine 
helle, weißgraue Dorsale, dunkel olivgrau eingefaßt. Rückenfelder 
graugelb, wodurch der ganze Rücken gelblich erscheint. In je- 
dem Feld links und rechts eine kleine, schwarze, glänzende Warze 
als schwarzer Punkt. Das gelbliche Rückenfeld wird von einer 
olivgrauen Subdorsale begrenzt, anschließend ein breites, mar- 
moriertes, olivgraues Seitenfeld. Die eigentliche Seitenlinie prä- 
sentiert sich als ein unregelmäßiges, durchbrochenes, weißliches, 
schmales Band. Bauch hellgrau, Borsten sehr spärlich, weißlich, 
fein. Die ganze Raupe glänzend. 


Puppe. Am 1. Mai die erste Puppe beobachtet. Dieselbe 
ist glänzend rotbraun, ohne Gespinnst, etwas weich, mit zwei 
starken, parallel laufenden Kremasterspitzen und zwei kleineren 
‘auf der Rückenseite befindlichen, diese sind gebogen. 


Der erste Falter schlüpfte am 6. Juli, ein J. Der Falter 
trägt in der Ruhe die Flügel schwach zusammengelegt, der 
Thorax ist schwach erhöht, 


2. Euxoa temera-Hübneri Brs. 


Ich behalte diesen Namen gemäß der Aufstellung von Bour- 
sin Lep. 1926 p. 186ff. bei, obwohl ich mit der Aufteilung Bour- 
sin's der Formen villiersi Gn., ruris Hb., temera Hb. etc. nicht 
völlig einverstanden bin, aus Gründen, die ich in einer späteren 
Arbeit bekanntgeben werde. Am 13. Sept. 1927 erhielt ich von 
K, Predota eine Anzahl Eier aus Albarracin, Prov. Teruel, Spa- 
nien. Nach Angabe von Predota fand die Eiablage am 6. Sep- 
tember statt. Die Eier gehören einem primitiven Typ an, sind 
unregelmäßig kugelig, z. T. eingedrückt, sind lederig, von Farbe 
weißgelb bis lehmgelb und gelbbraun. Die Eier sind sehr un- 
regelmäßig abgelegt, in dichten, an und übereinander geklebten 
Klumpen. Eine Mikropyle ist kaum sichtbar, auch kein äußeres 
sonstiges Zeichen, die Eier sind glatt ohne Rippung, unter dem 
Mikroskop lederig perlmutterglänzend. 

26. September. Einige Eier sind grauviolett geworden, ein 
Zeichen, daß die Räupchen in der Schale entwickelt sind. Die 
Eier wurden dann auf die Veranda ins Freie gestellt. 


Am 15. Januar 1928 beobachtete ich eine Raupe. Das ganze 

Gelege wurde ins Zimmer genommen, mit Wasser bespritzt, 
einige Stunden später kamen fast alle Raupen heraus. Die junge 
Raupe ist weißgrau, bräunlich marmoriert. Kopf und Nacken- 
schild sehr groß, Kopf stark herzförmig eingeschnitten, Nacken- 
schild fast sichel-halbmondförmig, sehr groß, Kopf und Nacken- 
schild dunkel schwarzbraun, fast schwarz. Warzen sehr klein, 
braunschwarz, auch unter dem Mikroskop kaum sichtbar. Bauch- 
seite dunkel gesprenkelt, die Mittelfüße verkümmert. Bei einer 
anderen Zucht waren einige Räupchen mit hellerem Nacken- 
schild vorhanden, die Form derselben war undeutlich zwischen 
trapezförmig und halbmondförmig. Die Raupen sind ziemlich leb- 
haft, nicht träge, sie nehmen deutliche, manchmal ziemlich hohe 
Schreckstellung an, rollen sich aber leicht zusammen und lassen 
sich leicht fallen. Hie und da finden sich Raupen auch am 
oberen Deckel der Uhrgläser, in denen sie gezüchtet werden, 
ein für Euxoa außergewöhnliches Verhalten. Fäden konnten 
nicht beobachtet werden. Borsten ganz kurz mit deutlichen End- 
knospen. 
5. Februar. Raupen gedeihen mit Löwenzahn gut. Einige 
sind noch ganz klein, die größeren sind ca. 2'/, mm lang. Sie 
verhalten sich nicht ganz wie andere bisher beobachtete Euxoa- 
Raupen. Der Körper ist nunmehr graubraun, siark bräunlich 
marmoriert. Der Rücken hell, in der Mitte eine feine Dorsale, 
die durch die bräunliche Einrahmung doppelt erscheint, dann 
zwei weißliche Streifen, und schließlich die verschwommene, 
breitere, bräunlich-rötliche Seitenlinie.e Kopf schwarzbraun bis 
schwarz, Nackenschild etwas heller, undeutlich und unregel- 
mäßig halbmondförmig. In der Wärme, oder gestört sind die 
Raupen recht lebhaft. 

2. April. Typus kaum verändert, biologisches Verhalten teils 
wie eine typische Erdraupe, teils halb oberirdisch. Ich kann jetzt 
kaum mehr einen Unterschied finden zwischen dieser Raupe 
und derjenigen von schwingenschussi m. 

(rf. oben). Die gleichalterigen Raupen von schwingenschussi 
scheinen lebhafter zu sein, der Rücken der Raupe femera-Hübneri 
vielleicht etwas mehr rötlichgrau, weniger gelb als bei schwingen- 
schussi. Etwa vom 1. Mai an fressen die Raupen nicht mehr. 
Sie halten sich im Torf versteckt, kommen aber, namentlich 
nachts, öfters an die Oberfläche und kriechen dann lebhaft 
umher. 


A 


Am 20. Mai wurde die erste Puppe beobachtet. Einzelne 
Raupen verpuppen sich so, daß sie sich an der Torfoberfläche 
halb aus derselben mit dem Kopf nach oben hinausheben und 
in diesem Zustand in die Puppe übergehen, eine Beobachtung, 
die auch für schwingenschussi zutrifft. Beim Durchsuchen des 
Torfes habe ich Anfänge von lockeren Gespinnsten (Höhlen) ge- 
funden. Der Torf sagt den Tieren oifenbar nicht zu, ich glaube, 
daß oben genanntes biologisches Verhalten den tatsächlichen Ver- 
hältnissen nicht entspricht. Eine Raupe ergab die Puppe erst 
nachdem die Raupe mindestens 14 Tage auf der Torfoberfläche 
gelegen hatte. Die Puppe ist eher etwas weich, von Farbe rot- 
braun. Kremaster mit zwei starken Dornen, die bei einigen 
Exemplaren übereinander gebogen, bei anderen parallel ver- 
laufen. Außerdem mehrere seitliche Chitinborsten. 

Die ersten Falter erschienen am 4. August. 


3. Euxoa subdistinguenda m. 
(Corti, Schweiz. Ent. Anzeiger 1926.) 


Am 5. September 1927 erhielt ich von Herrn K. Predota 
eine Anzahl Eier aus Albarracin, Prov. Teruel, Spanien, die nach 
Mitteilung Predotas am 29. August abgelegt worden waren. 

Die Eier sind unregelmäßig, dicht in Klumpen aneinander- 
klebend, abgelegt. Sie sind einfarbig gelbweiß, an beiden Polen 
etwas abgeplattet und sehen zerdrückt und zerbeult aus. Die 
Mikropyle ist kaum sichtbar, dahingegen fehlt die Rippung nicht 
ganz, sie ist wenigstens schwach angedeutet, etwa wie bei has- 
tifera Donz. Die Eier wurden auf die Veranda ins Freie gebracht 
und dort bis 15. Januar 1298 belassen. Ins warme Zimmer ge- 
nommen und mitWasser besprengt ergaben sie schon nach weni- 
gen Minuten fast alle Raupen. 

Die junge Raupe ist fast rein weiß. Die Figur ist schlank, 
kaum nach vorn verdickt, der Körper ist ohne jede Zeichnung, 
nur die kleinen schwärzlichen Warzen treten sehr deutlich her- 
vor. Die Borsten sind kurz, an den Enden deutlich verdickt. 
Kopf glänzend dunkel schwarzbraun, kaum herzförmig durch- 
geteilt, der Nackenschild etwas heller, sehr schön regelmäßig 
ausgebildet, aber beinahe schön trapezförmig. Die ganze Raupe 
ist fast glasig durchsichtig. Rollt sich nicht leicht zusammen. 
Sie nimmt auch, wenn auch nicht gerade leicht, Schreckstellung 
ein und läßt sich leicht fallen. Fäden wurden nicht beobachtet. 


Zeige. 


28. Januar. Die Länge ca. 4mm. Warzen sind deutlicher, 
die Borsten haben noch immer Endknospen. Die Raupe gleicht 
gleichzeitig gezogenen decora Hb., die Dorsale ist breiter. Der 
Kopf ist wenig herzförmig, der Nackenschild etwas heller, Form 
zwischen trapezförmig und halbmondförmig. 

4. März. Länge ca. 8-9 mm. Raupen nunmehr sehr träge, 
rollen sich kaum zusammen, lassen sich leicht langgestreckt wal- 
zen. Borsten schwarz, kurz, etwas länger als bei hastifera, am 
Ende kaum mehr verdickt. Kopf klein, hell, gelbbraun, fast 
durchsichtig. Nackenschild groß, hell, durchgeteilt. Die Raupe 
zieht in der Ruhe den Kopf erheblich unter den Nackenschild 
zurück. Die Farbe der Raupe ist nunmehr ein weißliches rot- 
Gelb-Braun. Die helle, weißlich ausgefüllte Dorsale liegt in einem 
weißlichen bis gelbbraunen breiten Rückenlängsband. Dieses ist 
von den beiden Subdorsalen eingerahmt, die als unregelmäßiges, 
bräunliches Band auftreten. Die Subdorsale wird begrenzt von 
einem weißlichen, dann von einem bräunlichen, dann wieder 
von einem weißlichen Längsstreifenband, dieses ist gegen die 
weißlich glänzende Basalseitenlinie durch ein stärkeres, braun- 
rötliches Band abgegrenzt. Die Raupe sieht unter dem Mikro- 
skop recht bunt aus. Besonders deutlich, im Gegensatz z.B. 
zu hastifera Donz., sind die feinen schwarzen Warzen nament- 
lich im Rückenfelde. Der Typus der Raupe ist übrigens derselbe 
wie von temera-Hübneri Brs., hastifera Donz., wagneri m. etc. 

23. März. Viel heller als temera-Hübneri, am ähnlichsten 
wagnerim. Größe ca.2 cm. Die feine dunkel eingesäumte Dor- 
sale ist nicht so hell oder weiß wie bei femera. Das Rücken- 
feld ist viel heller, bei den meisten Exemplaren hellbraun, und 
die Subdorsale ist viel heller, die Warzen viel deutlicher. Der 
Nackenschild ist hellbraun, glasig, durchscheinend, bei einzelnen 
kaum, bei anderen undeutlich in der Mitte durchgeteilt. Kopf 
hell gelbbraun, glasig, bei einigen Raupen fast ohne Flecken, bei 
anderen kaum mit Bogenstreifen oder bräunlichen Flecken ver- 
‘sehen. Die Seitenlinie hell, verschwommen, weißlich, nicht scharf 
abgegrenzt. Aehnlich decoraHb., bei der aber die Warzen sehr 
klein, kaum deutlich sind, bei decora ist auch der Nackenschild 
ganz anders, kleiner, grau, mehr sichelförmig mit Einbuchtungen 
vorn, der Kopf kleiner, herzförmiger, scharf glänzend dunkel- 
braun. 

12. Mai. Die Raupe ist erwachsen. Sie rollt sich bei Be- 
rührung zusammen, Im Habitus ist sie ähnlich wie die Raupe 


Sen 


von hastifera, sie ist aber glänzender, gewissermaßen nackter, 
mit noch weniger Borsten, die kleinen grauschwarzen Warzen 
_ treten noch deutlicher hervor. Bei der Raupe von subdistinguenda, 
wie übrigens auch bei hastifera, kann man durch diese Rücken- 
linie sehr schön den Pulsschlag beobachten. Die Dorsale selbst 
ist allerdings bei der Raupe von subdistinguenda m. im Gegen- 
satz zu der Raupe von Aastifera Donz. schwer sichtbar. Sie 
stellt eine feine, helle Linie dar, welche dunkel eingefaßt er- 
scheint. Ich sage erscheint, weil diese beiden dunkeln Linien 
von unter der Haut sich hinziehenden feinen Gefäßen herrühren, 
die sich beim Pulsschlag oder der Atmung zusammenziehen. 
Beim Zusammenziehen sieht man das Schwarz nicht mehr, nur 
im abwechselnden Rythmus. Diesen Pulsschlag oder Atmungs- 
rythmus habe ich zu 16—17 pro Minute gezählt. 

Die Raupe ist sonst fast ohne Zeichnung, fast einförmig 
blaugrau, die Bauchseite etwas heller, Seitenlinien und Bänder 
treten kaum hervor. Kopf und Nackenschild etwa wie bei hasti- 
fera, schmutzig honig-gelbbraun, glänzend; der Kopf etwas ein- 
gezogen unter den lederigen, fast rechteckigen Nackenschild, 
der am Rande braunrot und innen mit braunen Flecken ver- 
sehen ist. Bei hastifera Donz. ist der Nackenschild weniger recht- 
eckig, hinten mehr gerundet. Der Nackenschild ist ferner in der 
Mitte durchgeteilt. Beim Laufen kommt der Kopf hervor, aber 
viel weniger als bei hastifera, der Kopf ist von derselben Farbe 
wie der Nackenschild, aber bei weitem nicht so herzförmig ein- 
geschnitten wie bei hastifera. 

Am 19. Mai die erste Puppe beobachtet. Dieselbe steckt 
in einer ziemlich starken Erdhülse, ist gelbbraun, gedrungen, 
mit zwei divergierenden feinen Kremasterspitzen, wie bei re- 
cussa Hb. 

Am 30. Juni 1928 erschien das erste © von der Form 
mediorhena, also der graueren Form. Der Falter verhält sich 
wie recussa Hb. In der Folge stellten sich weitere Falter dieser 
Form ein. Ein am 5. Juli geschlüpftes © stellte sich leicht tot. 

Zur Biologie von subdistinguenda führe ich noch folgende, 
mir von Herrn Predota freundlichst zur Verfügung gestellte Da- 
ten an. „Der Falter erscheint von Ende August bis Anfang 
Oktober. Schlupfzeit ab 10" abends. Copula ab 11t. Die frisch- 
geschlüpften Falter sitzen gerne an Calycotome und an Cen- 
taureen. Hier findet auch die Copula statt. An Blumen sau- 
gende Falter dieser Art fand ich niemals. In den ersten Abend- 


NR 


stunden kommen die Weibchen ans Licht, um ca. 12" dann die 
ersten Männchen und besuchen die Lampe bis 3% morgens. 

Die Eiablage findet erst einen Tag nach der Copula statt 
und erstreckt sich aut 5 Nächte. Die Eier werden in kleineren 
Klümpchen unter Steinchen gelegt und überwintern bis April. 
Futter niedere Pflanzen, wie Plantago, Löwenzahn etc. Die Raupe 
wächst sehr langsam und da sie bis Juli, wo die Hitze schon 
groß ist und die ersten Futterpflanzen an den sonnigen ebenen 
Stellen vertrocknen, lebt, versteckt sie sich unter dichtere Pflan- 
zen und Gesträuche, wo sie noch infolge Feuchtigkeitsansamm- 
lung genügend frische junge Pflanzen findet. Ende Juni gehen 
die ersten Raupen zur Verpuppung. Diese fertigen einen eirunden 
Cocon, etwa wie Agr. candelisegua, an und werden erst Anfangs 
August zur Puppe.“ 


4. Euxoa hastifiera Donz. 


Am 5. September 1927 erhielt ich von Herrn K. Predota 
eine Anzahl Eier aus Albarracin, Provinz Teruel, Spanien, die 
nach Angabe dieses Herrn am 29. August 1927 abgelegt worden 
waren. Die Eier sind zu zweien und dreien, teils in einer 
Papierrinne, teils in Reihen und übereinandergeklebt. Sie haben 
eine recht unregelmäßige Form und sind teils eingebeult. Immer- 
hin ist die Form regelmäßiger als z.B. bei tritici L., wagneri m., 
schwingenschussi m. etc. Die Farbe ist ein reines Beingelb, mit 
einem Stich ins Rötliche. Sie sind einfarbig, auf beiden Seiten 
abgeflacht, die Mikropyle ist kaum sichtbar, die Rippung ist 
sehr schwach angedeutet, ganz flach. 

Die Eier wurden ins Freie auf eine Veranda gebracht bis 
am 15. Januar 1928. Alsdann ins warme Zimmer genommen 
und mit Wasser bespritzt, ergaben die Eier nach einer Stunde 
fast alle Räupchen. 

Die junge Raupe kriecht lebhaft herum, rollt sich leicht 
zusammen, nimmt deutliche, ziemlich tiefe Schreckstellung an. 
Die Vorder- und Hinterfüße sind groß, gut ausgebildet, die mitt- 
leren verkümmert. Der Körper ist bräunlich-weiß, unter dem 
Mikroskop bemerkt man eine rötliche Marmorierung, der Körper 
ist nach vorn verdickt. Haare oder Borsten eher noch etwas 
kürzer als bei wagneri m, am Ende tragen sie Knospen. Die 
Warzen sind klein, kaum sichtbar. Der Kopf ist breit, glänzend 
dunkel schwarzbraun, viel weniger herzförmig eingeschnitten als 
bei wagner! m. Nackenschild derb, lederig, fast so dunkel wie 


NH 


der Kopf, unregelmäßig halbmondförmig, eher schon ins trapez- 
förmige übergehend. Fäden nicht beobachtet. Zucht mit Löwen- 
zahn wie alle hier beschriebenen Raupen. 

28. Januar. Die Raupen sind ziemlich träge ailllehl 
rollen sich zusammen, nehmen aber keine Schreckstellung mehr 
an. Die Haare oder Borsten tragen immer noch deutliche End- 
knospen. Der Körper ist nunmehr nach vorn verjüngt. Der 
Kopf ist klein, herzförmig. Der Nackenschild ist schmal, eher 
etwas heller wie der Kopf, halbmondförmig mit Einbuchtungen 
nach vorne. Die Grundfarbe der Raupe ist gelblich-weiß, der 
ganze Körper erscheint jedoch durch die starke Marmorierung 
und die deutlichen Längslinien rotbraun. Die Dorsale schmal, 
hell, unterbrochen, fein rotbräunlich eingesäumt. Die Subdorsale 
viel breiter und viel stärker rotbraun hervortretend. Warzen 
auch unter dem Mikroskop kaum sichtbar. Eine weißliche Seiten- 
linie vorhanden. Der Raum zwischen dieser und der Subdorsale 
ist rotbraun ausgefüllt. Sehr ähnlich wie gleichaltrige decora Hb. 

4. März. Länge ca. 8-9 mm. Träge, rollen sich nicht 
mehr recht zusammen, Kopf klein, stark herzförmig, dunkel- 
braun. Körper walzig, Borsten sehr kurz, gelblichweiß, am 
Ende immer noch etwas verdickt. Grundfarbe der Raupe hell- 
gelbbraun, die feine, doppelt erscheinende Dorsale steht in 
einem breiten, hellgelbbraunen Länssrückenband, das durch die 
beiden Subdorsalen begrenzt wird, Zwischen der Subdorsale 
und der hellen Bauchseitenlinie liegt ein dunkelbraunes, breites 
Band, ausgefüllt mit bräunlicher und schwärzlicher Marmorierung. 
Bauch braungrau. Nackenschild undeutlich, hell, dreimal durch- 
geteilt. Warzen im Rückenfeld kaum sichtbar, im Gegensatz zu 
gleichaltrigen und ebenso großen subdistinguenda m., wo die 
Warzen als feine, aber sehr deutliche und scharfe schwarze 
Punkte hervortreten. 

23. März. Länge ca. 1,8—2 cm. Am besten zu vergleichen 
mit temera- Hübneri, nur heller, Warzen nicht sehr deutlich, 
Kopf glasig hellbraun, Nackenschild nicht bei allen Exemplaren 
von genau gleicher Form und Farbe, bald dunkler, bald heller 
und bald mehr, bald weniger durchgeteilt. Rückenfeld nicht so 
rotbraun wie bei femera-Hübneri. Dorsale weniger weiß, Ein- 
randung weniger dunkel, Seitenlinie nicht so scharf abgegrenzt, 
hell, schmutzig gelb-weiß. 

12. Mai. Raupen erwachsen. Rollen sich bei Berührung 
wieder fest zusammen. Die Raupe scheint eine typische Erd- 


90 


raupe zu sein, wogegen aällerdings das Verhalten als ganz kleine 
Raupe (Schreckstellung, Lebhaftigkeit) spricht. Die Raupe ist 
olivgrau. Die Dorsale ist durchbrochen, hell, olivgrau eingefaßt. 
Breites, gelbgraues Rückenband. Dieses ist begrenzt durch die 
breite, blaugraue Seite, die etwas weißlich marmoriert ist, aber 
weder eigentliche Linien noch Bänder aufweist. Die Warzen 
klein, schwarzgrau, Borsten spärlich, kurz, weißlich, Bauch ein- 
förmig weißgrau. Kopf und Nackenschild glänzend, schmutzig 
honig-gelbbraun, der Kopf ist unter den Nackenschild gezogen. 
Dieser mit braunen Tupfen, groß, nicht so rechteckig wie bei 
subdistinguenda m., eher quadratisch, hinten gerundet, lederig, 
höckerig. (Gleichzeitig verglichen mit subdistinguenda und recussa, 
auch mit fatidica Hb., die aber ein ganz anderer Typus ist.) 
Wenn die Raupe läuft, dann sieht man, daß der Kopf erheb- 
lich rötlicher gefärbt ist, als der Nackenschild und daß er sehr 
stark herzförmig geteilt ist, der Zwischenraum zwischen Kopf 
und Nackenschild ist alsdann fast weiß. Der Nackenschild ist 
in der Mitte durchgeteilt. 


Puppen erstmalig am 30. Juni entdeckt, leider nur noch 
zwei Stück, die anderen Raupen sind bei der Verpuppung ein- 
gegangen. Auch in diesem Falle scheint der mit etwas Erde: 
vermischte Torf für die Raupen nicht bekömmlich gewesen zu 
sein, wenigstens nicht zur Verpuppung. Die Puppe ist gelb- 
braun, etwas weich und befindet sich in einem schwachen Erd- 
cocon. 

Am 4. Juli erschien ein verkrüppeltes @. Durch einen 
weiteren Zufall sind mir dann die beiden Puppenhüllen auch 
verloren gegangen, so daß ich leider über die Anzahl der 
Kremasterspitzen nichts aussagen kann. 


5. Euxoa wagneri m. 
(Corti, Schweiz. Ent. Anzeiger 1926.) 


Am 5, September 1927 habe ich von Herrn Predota eine 
Anzahl Eier von dieser Art aus Albarracin, Provinz Teruel, 
Spanien, erhalten und dieselben bis zur Verpuppung gebracht. 
Inzwischen ist aber die Zucht dieser Eule von Dr. Schultz, 
der gleichzeitig von Herrn Predota ebenfalls Eier erhielt, be- 
schrieben worden (l.E.Z. Guben 1928, pag. 49 ff.). Infolgedessen 
beschränke ich mich nur auf folgende Bemerkungen und Er- 
gänzungen. Die Gesamtentwicklung dauerte bei der Zucht von 


u.a = 


Dr. Schultz nur 3'/;—4 Monate. Die Entwicklungszeit ist außer- 
ordentlich kurz und kann ich sie mir nur durch „Treiben“ 
erklären. Dr. Schultz hat die Eier von Mitte Dezember ins 
warme Zimmer gebracht, ich dieselben erst Mitte Januar, also 
einen Monat später. Bei mir waren die ersten Puppen Mitte 
Juni zu finden, so daß also die Falter etwa im Juli bis Ende 
Juli zu erwarten gewesen wären. Wahrscheinlich hat also 
Dr. Schultz seine Tiere wärmer gehalten als ich die meinen. 
Zur Beschreibung des Herrn Dr. Schultz habe ich nicht viel 
beizufügen. Ergänzen möchte ich, daß die frischgeschlüpfte 
Raupe (auch diese Raupen kamen, nachdem die Eier am 15. Ja- 
nuar 1928 von der Veranda ins warme Zimmer gebracht und 
mit Wasser bespritzt worden waren, fast sämtliche innerhalb 
einer Stunde heraus) kurze Borsten mit ziemlich starken End- 
knospen besitzt. Ferner, daß die junge Raupe, wenn auch nicht 
leicht, so doch hie und da eine sogar ziemlich hohe Schreck- 
stellung einnimmt. Ich halte die Konstatierung dieser morpho- 
logischen und biologischen Merkmale für sehr wichtig. Das 
Vorhandensein der Endknospen ist nämlich ein untrügliches 
Merkmal für die Gattungen Euxoa und Feltia, die Einnahme 
einer typischen Schreckstellung dagegen spricht mehr oder 
weniger gegen den eigentlichen Typus der Erdraupen von 
Feltia und Euxoa. Ich komme weiter unten auf diese Verhält- 
nisse zurück. Da Dr. Schultz mit der Beschreibung der Raupe 
erst nach acht Tagen (23. XIL) beginnt, m. E. aber gerade die 
Beschreibung und das biologische Verhalten der Raupe sofort 
nach dem Auskriechen und bevor sie gefressen hat, für die 
Beurteilung der systematischen Stellung der betreffenden Art 
von eminenter Wichtigkeit ist, hole ich diese Beschreibung 
nach. 

Raupe bläulich-weiß, unter dem Mikroskop bräunlich mar- 
moriert. Vorderfüße und Hinterfüße gut ausgebildet, Mittelfüße 
verkümmert. Borsten kurz, am Ende stark verdickt. Warzen 
klein, kaum sichtbar, nicht leoparden-Typ. Kopf groß, glänzend 
schwarzbraun, hinten sehr stark eingebuchtet. Nackenschild 
ebenfalls groß, lederig, halbmondförmig, nach oben eher mit Ein- 
buchtungen. Farbe erheblich heller als der Kopf, etwa durch- 
sichtig olivbraun. Die Raupe rollt sich bei Berührung zusammen. 
Raupe eher lebhaft als träge. 

Die erwachsene Raupe ist derjenigen von subdistinguenda m. 
sehr ähnlich. 


= 9) Se 


Allgemeine Bemerkungen. 


Ich habe schon zu wiederholten Malen (z. B. Verhandlungen 
der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft 1921; Schweiz. En- 
tomolog. Anzeiger Nr. 4, 1924; Zeitschrift f. wiss. Insektenbio- 
logie 1927, pag. 293 ff.) darauf hingewiesen, daß sich die Raupen 
der Gattung Agrotis OÖ. im allgemeinen in zwei große Gruppen 
trennen lassen, in solche, die unterirdisch leben und solche, die 
oberirdisch leben. Die unterirdisch lebenden Raupen der Gat- 
tungen Euxoa und Feltia seien u. a. dadurch charakterisiert, daß 
die jungen Raupen keine Schreckstellung einnähmen. Seit dem 
Studium der oben beschriebenen Euxoa-Raupen, nachdem ich 
ferner obesa B. und matritensis Vasquez ebenfalls gezogen und 
konstatiert habe, daß alle diese Eulen spanischer Provenienz 
Raupen haben, die in den allerersten Stadien mehr oder weniger 
leicht ebenfalls eine Schreckstellung einnehmen, muß ich meinen 
früher aufgestellten Satz erheblich modifizieren. Ich habe mich 
durch die überraschende Feststellung, daß auch Raupen, die 
man unter die typischen Erdraupen einreihen können sollte, 
mehr oder weniger Schreckstellung einnehmen können, wie- 
der einmal davon überzeugt, wie wenig konstant auch biolo- 
gische Tatsachen bei sonst sehr nahe verwandten Arten sind. 
Die konstanten Merkmale einer Gattung werden immer weniger 
zahlreich, je länger man der Gattung und der Art ein genaueres 
Studium widmet. Das Auftreten der Schreckstellung bei An- 
gehörigen der Gattungen Euxoa und Feltia hat mich veranlaßt, 
meine Tagebücher genau zu revidieren und einige Zuchten neu 
zu studieren und da habe ich gefunden, daß hei einer Reihe 
von Raupen dieser Gattungen ebenfalls das Auftreten von mehr 
oder weniger deutlichen Schreckstellungen zu konstatieren ist. 
Nicht gesehen habe ich die Schreckstellung z. B. bei Euxoa 
recussa Hb., culminicola Stgr., eine Andeutung einer solchen bei 
distinguenda Led. var. astfällerim. und decora Hb., in der Gat- 
tung Feltia habe ich keine gesehen bei crassa Hb., exclamatio- 
nis L., segetum Schiff., ganz schwache oder sehr seltene bei ci- 
nerea Hb., corticea Schiff., fatidica Hb. und decora. Meine früher 
aufgestellte These, daß die Raupen der Gattungen Euxoa und 
Feltia keine Schreckstellung annehmen, muß also dahin modifi- 
ziert werden, daß die Raupen dieser Gattungen diese offenbare 
Schutzstellung (die sie als unterirdisch lebende Raupen offenbar 
auch nicht nötig haben) nicht ? oder wenigstens nur selten und 


EEE 


nicht in dem auffallenden Masse zeigen, wie die oberirdisch 
lebenden Raupen. Es zeigt sich bei allen diesen Beobachtungen 
wieder einmal von Neuem, daß nur das feststeht, was wirklich 
positiv beobachtet wird, und daß die Nichtbeachtung eines bio- 
logischen Verhaltens noch kein Beweis für die Nichtexistenz des- 
selben ist. Etwas ähnliches gilt davon, daß ich bis jetzt der 
Meinung war, daß das träge Verhalten der bisher beobachteten 
Raupen der Gattungen Euxoa und Feltia ebenfalls eine allgemeine 
Eigenschaft der unterirdisch lebenden Raupen sei. Das mehr oder 
weniger lebhafte Verhalten der oben beschriebenen Euxoa-Rau- 
pen aus Spanien ist mir ein Fingerzeig, daß auch diese Eigen- 
schaft nicht als etwas speziell Spezifisches gedeutet werden darf. 
Je mehr man in das Studium der genetischen Zusammenhänge 
bei den Agrotinen dringt, sei es morphologischer oder biologi- 
scher Natur, auf desto größere Schwierigkeiten stößt man. Die 
für spezifisch gehaltenen Merkmale fließen immer mehr in ein- 
ander, die Uebergänge werden immer zahlreicher, die Grenzen 
werden immer schwieriger zu ziehen und unwillkürlich drängt 
sich einem immer wieder der Gedanke an den alten Spruch auf: 
Natura non facit saltum! 


Be ae 


Procris anatolica nov. spec. 
Von A. Naufock, Linz a. D. 


Aus Kleinasien liegt mir in wenigen Stücken eine Procris 
und zwar 3 dc‘ und 299 aus der Sammlung von Bartha, 
Budapest; 1 5 aus der Sammlung F. Wagner, Wien; — gesam- 
-melt 1. bis 10. Juni 1928 in Akschehir, Anatolien, — sowie 1 Jg 
aus der Sammlung E. Pfeiffer, München, — bezettelt 725, Syrien, 


Dietze, ohne Datum — vor, deren Männchen die letzten drei 
Kammzähne an den Fühlern nicht vollkommen frei, sondern 
leicht verwachsen haben. Sie gehören mithin weder zur 


globulariae- Gruppe, noch zur statices- Gruppe, sondern sind 
der Gruppe der subtristis-graeca,. zu welcher ich auch chlo- 
ros Hb. zählen möchte, zuzuzählen. Ihre geringe Größe, so- 
wie die dunkle Färbung der schmalen Vorderflügel weisen sie 
ebenfalls dorthin, der Genitaluntersuchung nach gehören sie 
aber zu keiner der dort bekannten Arten. Pr. subtristis Stgr. 
und amaura Stgr., sowie Pr. dolosa Stgr. und subdolosa Stgr., 
die ich in natura leider richt kenne, haben nach den Uhnter- 
suchungen Dr. K. Jordan’'s an den 
Haftklappen ihrer Genitalapparate 
Zähne und Dorne und ebenso 
haben dies auch Pr. graeca Jord. 
und Pr. chloros Hb. Die vorlie- 
gende Art besitzt jedoch einen 
Genitalapparat mit ganz einfachen 
Haftklappen ohne jeglichen Zahn 
oder Dorn, deren Form aus neben- Fig. 1: Genitalapparat des 5 
stehender Skizze (Fig. 1) deutlich Ve Wo dem Euch 
ersichtlich ist. Das letzte Hinter- DE ar 
leibsegment des 5’ hat ventral eine 

sehr breite chitinisierte Bauchplatte, 
ähnlich in der Form wie dies Frocris 
graeca Jord. hat. Sie ist stark über 
die Genitalöffnung vorgezogen, an 
ihren oberen Ecken ziemlich abge- 
rundet und in der Mitte eingeschnit- Eis. 2- Hinterleibsende en 
ten (Fig. 2). Beim 9 ist aber der A=Genitalöfinung. B= Bauchplette, 


Be 


ventrale Segmentteil nicht wie bei graeca und chloros vor der 
Vagina zurückgezogen (d. h. halbkreisförmig ausgebuchtet) und 
diese unbedeckt lassend, sondern beinahe gerade abgegrenzt 
und sie gänzlich bedeckend. Ich muß hier anführen, daß die 
Genital- Präparate — zwar nicht aller — doch der meisten 
Procris-Männchen im Penis 1—3 Chitingebilde von stab-, dorn- 
oder hakenartiger Gestalt, in verschiedener Größe erkennen 
lassen, die in ihrer Anzahl, Form und Größe typisch für jede Art- 
Gruppe zu sein scheinen. Ihren Zweck erkenne ich aber der- 
malen noch nicht. Sie scheinen beweglich zu sein, und wie ich 
an zwei meiner Präparate von g'cs' der statices L. (die nur ein 
solches dornartiges Gebilde im Penis besitzt) sehen konnte, kann 
dieser Dorn mit einem längeren darmartigen Faden aus dem 
Penis ausgestoßen werden. Er dürfte zur Durchstechung einer 
Membrane beim Weibchen dienen. Unsere Art besitzt ebenfalls 
nur einen solchen Chitindorn, welcher mäßig lang, sehr spitz 
und schwach gebogen ist (s. Fig. 1). 

In der Gestalt und Flügelform kommen diese Stücke der 
graeca Jord. und der ziemlich gut bekannten Pr. chloros Hb. nahe, 
weshalb ich letztere auch in der folgenden Beschreibung zum 
Vergleiche heranziehe. Die Falter sind klein, ihre Vorderflügel- 
längen betragen bei den J’Z 10—11 mm, bei den « 9 9—10 mm. 
Die schmalen nur 3,9—4 mm breiten Vorderflügel sind an der 
Spitze ein wenig runder, — beim 9 in erhöhtem Maße — als 
dies bei chloros der Fall ist. Sie sind dicht beschuppt, bräunlich- 
olivgrün, matt glänzend und haben an der Wurzel ein wenig 
Goldglanz. 

Die Hinterflügel am Innenrand kürzer als bei chloros, die 
Vorderrandspitze etwas schmäler, der Saum zwischen Ader 
M/,—C/, stärker vortretend. Der Analwinkel nicht stärker als 
bei chloros vorgezogen. Sie sehen in der Form demnach nicht 
so dreieckig aus, wie bei chloros. Sie sind schwärzlich, in der 
Analfalte und am Saum dichter beschuppt, dort daher dunkler, 
gegen die Basis jedoch etwas durchscheinend. Bei dem 
aus Syrien, welches ein älteres Stück zu sein scheint, sind die 
Hinterflügel im ganzen blasser und durchscheinender, auch die 
Vorderflügel grüner, nicht so bräunlich. Der Genitalapparat aber 
ist der gleiche wie bei den Stücken aus Akschehir. Die Fransen 
aller Flügel schwärzlich, Kopf und Thorax goldig glänzend, die 
Zunge nicht gelblich wie bei den Arten der pruni-Gruppe, der 
Hinterleib schwärzlich, unterseits bronzeglänzend. Die Fühler 


er. 96 —— 


beim 5 enden etwas stumpfer als bei chloros, die letzten drei 
Endglieder der Kammzähne leicht verwachsen. Das 9 nicht viel 
kleiner als der 5, in Gestalt und Farbe mit denselben gleich, 
nur die Spitze des Vorderflügels etwas stärker abgerundet. Die 
Fühler des @ etwas stärker als bei chloros, an der Basis nicht 


schwächer scheinend, in der ganzen Länge deutlich sägezähnig, 


etwa wie beim @ von subsolana Stgr. Der Hinterleib bei den 
beiden @ 9 sehr stark und robust, viel stärker als bei chloros. 
Unterseits sind alle Flügel beim 5 und 2 bräunlich schwarz. 


Linz, im Feber 1929, 


Ueber die Arten und Formen der Gattung 
Nychiodes Led. 


NACHTRAG: 


Bemerkung zu Nychiodes obscuraria Vill. var. teriolensis: 
Wie ich nachträglich sehe, — die betreffende Arbeit war mir 


bei Abfassung der Abhandlung über Nychiodes in diesem Heft 


nicht zur Hand, sie war beim Binden — ist die Tiroler Rasse 
bereits von Dannehl in Ent. Z. Frankfurt, XLI, p. 353, teriolen- 
sis Dhl. benannt worden. Dr. Wehrli, 


m Selbstverlag der Münchner Entomologischen Gesellschaft. E.V. 
Schriftleiter: Dr. von Rosen, München, Neuhauserstr. 51. 


hi 
91 


. 


PFEEEREEFFERFFEFFFERFEFFFFLEERLEFFFEFFFEFFEFFFE 


= MITTEILUNGEN 


$] 
| 
der Minchner entomologischen Gesellschait, e.V. | 
; 


19. Jahrgang 1929. München, 15. August 1929. Nummer 5-9. 


EEEFEEFFEEFFELEITEEFEEEFETFEEEEFERTIE 
Ausgegeben: 15. VIII. 1929 


Neue Formen und geographische Rassen 
aus meinen Ausbeuten und Erwerbungen 
der letzten Jahre. 


Von Franz Dannehl. 
(Nomenclatur Staudinger-Rebel) 


1. Parnassius mnemosyne L, sulmonensis Dhl.') Die 
kleinste der mittelitalienischen Rassen, 45 bis 50 mm Spannweite 
gegen etwa 50 bis 56 mm der fruhstorferi Tti. aus den Monti 
Sabini und Simbruini. Aguilensis Tti. aus dem Gran-Sassogebiet, 
auch die Rassen des Velino’) und Sirente (velinensis Dhl.) sind 
durchschnittlich noch kräftiger. Bei sulmonensis, die auffallend 
dünn beschuppt ist, sind die Flecken relativ kleiner als bei den 
anderen Formen, der Zellfleck der Hil. fehlt fast immer oder 
erscheint höchstens als duftiger Wisch. Der Glasrand reicht 
meistens nur bis Ile. Auch bei den ® ist das Schwarz mei- 
stens verblaßt, oft nur wie dicht bestäubt erscheinend. Der 
Vorderrandsfleck im Hfl. tritt nur ganz ausnahmsweise unter 
dieser Rasse auf. — Monte Paradiso, Montagna Grande, Majella. 


2. Parnassius mnemosyneL. velinensisDhl. Von der 
Größe der stattlicheren aguilensis und ebenso erheblich kräftiger 
und schwärzer gezeichnet als fruhstorferi und sulmonensis. So 


sind die Vorderrandsflecken der Vfl. wie die Zellflecken der Hfl. 


!) Neubenennungen ohne die Angabe „Var.“ oder „Ab.“ beziehen sich 
auf Lokalrassen (geographische Formen). — Wir teilen die Ansichten des Verf. 
über Lokalrasse, „Var.“ und „Ab.“ nicht in allen Punkten und müssen ihm 
dafür die Verantwortung überlassen. Die Schriitl. 

?) Velino und Sirente sind isolierte Gebirgsgruppen in Zentralitalien. 
Montagna Grande, Monte Paradiso, Monte Genzana, Monte Rotella gehören 
mit der Majella und Molise zu den südlichen Abruzzen. Die Marsica ist das 
Gebiet südlich des ehemaligen Lago Fucino, 


— 98 — 


immer groß und satt. Der Glasrand reicht bis auf IV, bei den Jg, 
bis auf III. bei den $ herunter, während er bei aguilensis fast stets 
den Innenrand erreicht. Bei beiden nahe verwandten Rassen fehlt 
der Fleck am Vorderrand fast nie; er ist aber bei den Gran- 
Sassotieren meist scharf begrenzt, bei denen aus dem Velino- 
und Sirentegebiet meist breit verwischt, sehr oft bei den 9 
einen feinen Steg bis zum Zellfleck bildend. Die Rasse fliegt 
an verschiedenen Stellen der genannten Gebirgsstöcke in Höhen 
von 1400 bis 2100 m. | 


3. Anthocharis euphenoides St. italorumDhl. Eine 
besonders im weiblichen Geschlecht distincte Rasse. Die 5 im 
großen und ganzen den südfranzösischen ähnlich, indessen alle 
Zeichnungselemente präziser, nie verwischt. Besonders die 
Fransenfleckung ist kräftig, mehr quadratisch als dreieckig. Die 
Grundfärbung leuchtend, das Rot sehr satt. Die Binden unter- 
seits sind verhältnismäßig breit und mehr in der Richtung quer 
durch den Unterflügel betont als in der Richtung zur Wurzel; 
sie scheinen oberseits stark durch. Die @ mit mehr schräg 
nach unten und außen gestelltem großem Mittelfleck, der meist 
auf Ader II nach Innen, auf Ill, nach außen ausgezogen, so 
etwa die Form eines hebräischen j darstellt. Das ganze Feld 
zwischen den schwarzen Flecken und dem Außenrand intensiv 
rot bestäubt, bei extremen Stücken ganz rot. Die schwarze 
Bestäubung des Geäders nach dem Außenrand hin wieder kon- 
zentrierter, die Rippen selbst schön rot. Die Flecken an der 
Flügelwurzel bei beiden Geschlechtern ausgedehnt und von 
tieferem Schwarzgrau. 

Diese Gebirgsrassen sind mit den an den Randerhebungen 
der römisch. Campagna (Albano, Nemi, Palestrina, Monte Gennaro), 
hier übrigens nur ganz vereinzelt fliegenden nicht identisch. Die 
Abruzzenform italorum stellte ich fest in den Gebieten des Velino, 
Sirente, Monte Genzana, Monte Paradiso und der Majella. Von 
Mitte April bis Ende Juni erscheinen die schönen Tiere hier auf 
Höhen von 1500—2000 m, an vielen Stellen in sehr großer An- 
zahl. — Die Raupen ausschließlich an Alyssum. 


4, Erebia stygne O. paradisiDhl. Rasse der südlichen 
Abruzzen. Etwas größer als die Stammform. Tief schwarz- 
braun; das Rot dunkel und matt, oft wie schwärzlich gedeckt, 
die Binde selbst immer unten verkürzt, nie über das Auge Ill 
herunterreichend, sondern knapp unter ihm breit abgewölbt. 


wog 


Hier und da ist die Binde so weit reduziert, daß sie sich in 
kaum erkennbare schwarzrote Flecke auflöst. Ein kleines viertes 
Auge unterwärts ebenso selten wie ein Vorderrandsauge im 
_ Hinterflügel. Bei den 9 macht sich eine Neigung zu Vermeh- 
rung und Vergrößerung der Ozellen in breiten matthellroten 
Binden bemerkbar. Unterseits sind die S fast einfarbig schwarz; 
die Binde kaum schwarzrot angedeutet, sodaß die weißen Pu- 
pillen leuchtend heraustreten. Bei den 9 erscheint die Unter- 
seite mehr graubraun abgetönt, die Binde scharf geschnitten, 
das Außenfeld häufig grau mit nach außen zu sich verringernder 
weißlicher Bestäubung. 

Monte Paradiso 1600—1900 m, Monte Rotella, Montagna 
Grande 1800—2100 m (südl. Abruzzen). Ende Mai bis Mitte Juni. 


5. Epinephele Iycaon Rott. oronanna Dhl. (=Berg- 
zwerg). Eine winzige hochalpine Rasse der südlichen Abruzzen, 
am nächsten der analampra Tti. stehend, aber höchstens zwei 
Drittel von deren Größe messend. Exemplare von der Größe 
eines pamphilus fand ich in Anzahl. Die 5 schwärzer als 
analampra, die braunen Töne unterdrückt, die Begrenzung der 
Hil-Binde gut ausgeprägt. Das Auge — stets nur eins — sehr 
klein, oft auch nur angedeutet, Unterseits das Gelb der VIl. 
rein und kräftig, die Hfl. reichlich mit weißgrauer Besprenke- 
lung. Die mittlere Linie zerrissen, aber in kurzen kräftigen 
Stricheln deutlich erkennbar. Bei den Weibchen der Diskus 
stark aufgehellt, kaum mehr vom Außenfeld unterscheidbar bis 
auf die Umrandung, die stets mit scharfer Linie abgetrennt er- 
scheint. Das Außenfeld der Hil. weißlichgelb. Unterseits glatter 
als bei analampra, viel heller. Die dunkle Besprenkelung nur 
schwach. — Von den Höhen der Montagna Grande, 1900 bis 
2100 m, Anfang August bis Mitte September. Typen in meiner 
Sammlung. 


6. Celerio euphorbiae L. subiacensis Dhl. Eine große, 
zum Formenkreis der grenzenbergi St. gehörende Rasse, robust, 
meist stark gerötet,;, besonders die hintere Hälfte des Thorax. 
Die Binden von außen meistens glatt begrenzt, nur ausnahms- 
weise zackig oder eingekerbt, in lebhaftem nach Grün gestimm- 
tem Oliv. Den hellen Teilen fehlt fast jede Besprenkelung mit 
dunklen Partikeln, dagegen findet sich nicht selten eine auf- 
fallende Bekleidung mit feinen weißen Härchen. Rippen nicht 
sichtbar. 


— WW) = 


Merkwürdig oft trifft man bei hellen und rosagetönten 
Exemplaren eine besonders ins Auge fallende starke schwarze 
äußere Einfassungslinie der Querbinde: ab. atrolimbata Dhl. 

In den Sabiner- und Simbruiner Bergen sehr häufig, beson- 
ders bei Subiaco meist in großen Mengen. 100 (Tivoli) bis 1100 m. 


7. Celerio hippophaös Esp. var. obscurataDhl. Durch- 
weg beträchtlich dunkler als die Nominatiorm, fein schwärzlich 
überstäubt. Die weißgraue innere Begrenzung der dunkel oliven 
Binde verdeckt, manchmal ganz verschwindend; auch die Auf- 
hellung des Mittelfeldes, die sich bei typischen Tieren von der 
Bindeneinfassung nach Innen zu ergießt, fehlt vollkommen. 
Hinterflügel: Die schwarze Binde ist nach Innen verbreitert und 
weit ausfließend, sodass das Rot oft so weit eingeschränkt wird, 
daß nur noch eine ganz schmale Binde davon übrig bleibt, 
die aber auch noch leicht verdüstert erscheint. 

Ein großer Prozentsatz der südtiroler Falter gehört zu 
dieser Form. Helle und glatte Exemplare, wie die südfranzösi- 
schen hippopha&s, sind im genannten Gebiet eine große 
Seltenheit. Vielleicht wäre es richtig, überhaupt die südtiroler 
Rasse als teriolensis abzutrennen. 

obscurata Dhl. in Anzahl in meiner Sammlung. 


8. Coscinia cribrum (cribrariaL.) var.pseudobifasciata 
Dhl. Die schwarzen Punkte, hauptsächlich die der Querlinien 
zu langen Streifen längs und zwischen dem Geäder auslaufend. 
Besonders über der Zelle entsteht ein Längsbalken, der von 
der Wurzel bis kurz vor den Außenrand sich ausdehnt. Hil. 
beim 5 von der Wurzel aus weißgrau aufgehellt, sonst schwarz, 
beim 9 völlig schwarz. 

Die Typen stammen aus einer Serie aus Hilden i. Rheinland. 


9, Coscinia cribrum (cribraria L.) splendida Dhl. Lokal- 
rasse aus den südlichen Abruzzen. Völlig zeichnungslose, meist 
große Tiere. Blendend weiß, manchmal mit feinem bläulichen 
Schimmer, alle Punkte erloschen; nur ganz ausnahmsweise er- 
scheint ein einziges feines Pünktchen. Auch die schwarze 
Punktreihe auf den Rippenenden (vor dem Saume), die bei 
candida Cyr. und punctigera Frr. sehr ausdrucksvoll in die Er- 
scheinung tritt, fehlt vollkommen. : Auf den Hfln. fügen sich die 
auffallend breiten weißen Fransen ohne dunkle Trennungslinie 
oder Punktreihe an die mattgrauen Flächen an. Kopf und 
Thorax rein weiß. 


— 101 — 


180, 139: Majella, Monte Paradiso, Rotella, Sirente; 
1200—2100 m. 


10. Callimorpha dominula L. majellica Dhl. Eine 
sehr konstante Lokalrasse, zur Gruppe der persona Hb. gehörend, 
die sonst in Mittelitalien bekanntermaßen von besonderer Ab- 
_ änderungsfähigkeit ist. Bei den Tieren aus den Hochtälern der 
Majella und Montagna Grande besteht keine Neigung zu Ver- 
dunkelung und Ausdehnung der schwarzen Elemente. Viel- 
mehr beschränkt sich diese auf eine Zusammenfassung der 
Randflecken der Hinterflügel, die zu einem breiten, fast gleich- 
mäßig schwarzen Rand verschmelzen. Während bei den anderen 
Rassen, besonders denen des Gran-Sassogebiets, meist nach der 
Wurzel zu Wische, Strahlen oder Zacken auslaufen, wird hier 
diese schwarze Außenrandbinde nach innen scharf und glatt 
begrenzt, sodaß, besonders wenn ein Zusammenfließen mit dem 
Vorderrandsileck eintritt, der seinerseits bei majellica stets groß 
und oft bis zur Flügelwurzel verlängert erscheint, das gelbe 
Wurzelfeld nach außen in geradlinigem rechtem Winkel abge- 
schnitten wird. Eine schwarze Bezeichnung der Rippen von der 
Wurzel aus ist ebenfalls nicht vorhanden, wie sonst meistens 
bei den Formen des persona-Kreises. Selten erscheinen in dem 
breiten Außenrande ein oder zwei kleine gelbe Pünktchen. 


Die Vfl. sind normal; es tritt also auch hier im Gegen- 
satz zu den anderen angeführten Formen keine Reduktion 
der Flecken auf. Fs liegen mir von der interessanten Form 
majellica große Serien vor aus der Majella, Ceretta, Montagna 
Grande und vom Monte Paradiso. Das Tier tritt nur in feuchten 
Taleinschnitten auf. Typen aus dem Val Sagittario. 1000 bis 
2300 m. 


11. Euprepia rivularis Men. dannehli Tti. Die europäische 
Form dieser sonst nur in Vorderasien fliegenden Art war von 
mir 1907 entdeckt und von Turati kurz beschrieben. Damals 
lagen nur einige / vor und erst 1928 gelang es mir, größere 
Serien des interessanten Tieres einzutragen. Die Form charak-. 
terisiert sich in erster Linie folgendermaßen: Die 5 weißlich-gelb, 
nach dem Vorderrand zu stets bräunlich angelegt. Oft läuft ein 
breiter derartig getönter Streifen rings um Außen- und Vorder- 
rand. Hfl. zeichnungslos weiß, ganz selten zeigt sich am Vorder- 
rand ein würfelförmiger schwärzlicher Fleck und hie und da 
außerdem Pünktchen auf den Aderenden. Diese Ab. benenne ich 


— 102 — 


12. posteri-punctata Dhl. Sie ist außerordentlich selten, 
kaum zwei Prozent ausmachend. 4 9 i. coll. m. 4 

Die Behaarung des Thorax und Leibes ist im Gegensatz 
zu der beinweißen bei der Nominatform immer graubräunlich. 

Die Q@ sind erheblich kleiner, als die asiatischen rivularis 
und äußerst variabel. Vorherrschend schwärzlich braungrau mit 
schwarzer breiter Fleckenlinie längs des Rückens. Seltener sind 
hellgraugelbe Exemplare, etwa von der Farbe der Jg‘: 

13. perversa Dhl. Die Flügelstummel, von verschieden 
weiter Entwicklung bis zu c. 6 mm Länge, schwärzlich gefleckt 
und jeweils von der Farbe des Körpers. 5 9 i. coll. m. 

Als weitere Aberrationen führe ich noch an: 

14. ab. connexa Dhl. mit mehrfach zusammenfließenden 
Flecken, besonders denen am Wurzelfeld mit den Vorderrands- 
flecken, sodaß ein breites Dreieck entsteht. (15 9 i. coll. m.) 


15, ab. marginata Dhl,, entstehend durch das Zusammen- 
fließen der Flecken vor dem Außenrande zu einem schwarzen 
Submarginalstreifen. Sehr selten. 4 J' i. coll. m. 


16. Euprepia pudica Esp. ab. denudata Dhl. Die Flecken 
im Mittelfeld fehlen, die im Wurzelfeld sind als kleine Pünkt- 
chen angedeutet. Zeichnung des Außenfeldes normal. Unter 
den immer sehr großen und hellen Tieren aus der römischen 
Campagna und den Sabiner Bergen. 3 J i. coll, m. 


17. Cletis maculosa Gern. marsicana Dhl. (manner- 
heimii Dup. ?) Grundfärbung ganz hell, weißlichrosa, mit gelb- 
lichem Einschlag. Die tiefschwarzen Flecken reichlich, scharf- 
gerissen; vielfach breit ausgezogen. Die beiden am Innenrand 
und nach der Wurzel zu liegenden manchmal ineinander fließend, 
sodaß, wie bei der Type, ein langer Balken entsteht. Auch die 
Hfl. sind mit viel Gelb durchsetzt. Die Punktzeichnung außer- 
ordentlich variierend, es kommen Exemplare mit vermehrten, 
breiten, hie und da verdoppelten Flecken vor, ebenso solche, 
die nur noch winzige Pünktchen aufweisen und fast ungefleckt 
erscheinen. Das Geäder ist gelblich übergossen. Unterseite 
graurosa, die Flecken vor dem Vorderrand satt rosarot. Die 
Tiere dieser Gebirgsrasse sind ungleich heller, als die /atina Tti. 
aus den Sabiner und Simbruiner Bergen. 

Etwa 40 5 aus der Montagna Grande, 1000—1800 m, vom 
Monte Genzana 2000 m, unmittelbar nach der Schneeschmelze 


April-Mai. 


— ul, — 


18. Dasychira iascelina L. ab. nigrotecta Dhl. Vfl. ganz 
schwarz, Hfl. schwarzgrau, Zellfleck schwach angedeutet; Fran- 
sen wenig heller. 

Ein Exemplar (5) aus Lorch am Rhein i. coll. m. 


19. Lasiocampa trifolii Esp. samnitica Dhl. Eine der 
cocles Hb. nahestehende, sehr kleine Gebirgsform, wegen der 
Führung der Binden der Hil, die nicht außerhalb der Vfl. 
mündet, nicht mit ihr zu vereinigen. Meist ist die graue, sehr 
grobe Beschuppung so stark, daß sie die Bindenzeichnung der 
Hfl. deckt; die Grundtönung mehr hellgrau abgestimmt, sehr 
einförmig; das Außenfeld der Vfl. etwas aufgehellt, und die 
Binde nicht stark hervortretend. Die 5 sind selten größer als 
39 mm, ich fing zahlreich Exemplare, die nur 34 bis 36 mm 
Spannweite aufweisen. Die @ ganz eintönig graugelb, die hellere 
Binde breit, ganz unklar. Montagna Grande, Majella, 1600 bis 
2200 m. 


20. Drepana binaria Hin. var.obtectaDhl. Die dunkelste 
der verdüsterten Formen, ein tiefes Braun vor den blauen Tönen 
vorherrschend. Die Punkte auf den Vfl. kaum mehr erkennbar, 
ebenso wenig die hellen Binden. Monti Albani, Sabini, Sirente, 
unter den Sommer- und Herbstgenerationen. 

21. Drepana binaria Hin. ab. cultrarioides Dhl. An 
die aestiva Spul. der cultraria F. erinnernd. Vil. stark veilgrau 
verdüstert, in den Hfl. dagegen nur die breite Mittelbinde, wäh- 
rend Wurzel- und Außenfeld braungelb bleiben. Auch im Vfl- 
ist das Mittelband erkennbar, allerdings nur schwach betont. 
Die Einfassungs- und hellen Querlinien sind dagegen deutlich 
ausgeprägt. In der Campagna Romana und den tieferen Lagen 
der Monti Sabini und Simbruini in allen (drei bis vier) Gene- 
rationen. Typen, wie die der vorigen, i. coll. m. 

22. Stauropus fagiL. ab. illustris Dhl, Vfl. stark auf- 
gehellt mit reichlicher gelber Ueberstäubung. Mittelfeld wenig 
düsterer angedeutet. Alle Zeichnungselemente klar, besonders 
kräftig die antimarginale schwarze Punktreihe, Hil. im oberen 
Teil des Wurzelfeldes weißgelb aufgeblickt, ebenso wirkt die 
helle vor der Mitte des Vorderrands einspringende Zackenbinde. 
Auch die Grundfärbung erscheint mehr nach Gelb als nach 
Grau abgetönt. Besonders auffällig wirkt eine Linie weißgelber 
Bögen vor dem Saume. Unterseite milchig-weißgelb. 

Die Type stammt aus Borsdorf bei Leipzig; i. coll. m. 


— 104 — 


23. Exaereta ulmi Schff. var. modica Dhl. Einfarbig 
mattgrau. Die Querlinie, die sonst aus auf den Adern stehen- 
den Punkten gebildet ist, fehlt vollkommen; das Geäder ist 
auch nur wenig markiert. Im Süden, schon in Südtirol häufig 
unter der Art. 795,29 i. coll. m. 

24. Drymonia chaonia Hb. ab. illunulata Dhl. Helle, 
sonst zu albisignata zu ziehende Tiere mit fehlendem Zell- 
fleck. Sehr selten unter extremen Exemplaren der Form, wie ich 
sie aus Sachsen und Oberbayern besitze. Type aus Beuerberg 
im Loisachtal. 

25. Notodonta ziczac L. lapponicaDhl. Kleine ver- 
dunkelte Tiere. Der sonst hellgraue Teil der Mittelbinde vor 
dem Vorderrande dunkelveilgrau, das Außenfeld fast ganz zeich- 
nungslos in der düsteren graubraunen Grundfärbung. Hil. grau 
überwölkt. Aus Lulea und Tirra in Lappland. Type i. coll. m. 

26. Acronycta aceris L. calceata Dhl. Grundfärbung 
weiß mit geringem gelbgrauen Anflug. Blaugraue Töne sind 
nicht vorhanden. Die Uebergießung mit dunklen Atomen recht 
schwach, viel feiner, die Zeichnung gegenüber der der Nominat- 
form zarter, aber scharf hervortretend. Hfl. weiß, ganz wenig 
bestäubt. Die ganze Gestaltung ist zierlicher, weniger robust, 
als die der mitteleuropäischen Tiere, der Flügelschnitt schmaler. 
Rasse der südlichen Abruzzen. Marsica, Montagna Grande, 
Majella, in großer Anzahl bei Pescasseroli und Palena am Licht. 
Ende Mai bis Ende Juli; 1000 bis 1600 m. | 

27. Acronycta euphorbiae F. ab. virgata Dhl. Stücke 
mit verdunkeltem und von der Grundfärbung sich deutlich 
abhebendem Außenfeld, entsprechend der fridens-virga Tutt. 
3 0,2 2 Scanno; in beiden Generationen, besonders unter 
euphrasiae Bkh. 


28. Agrotis candelarum Hb. molisana Dhl. Groß, breit- 
flügelig. Grundfärbung milchweiß, im Wurzelfeld kräftig hell- 
blaugrau abgetönt, das Mittelfeld leicht gelblich übergossen. 
Der Mittelschatten fehlt völlig. Sehr scharf aber fein ist die 
innere, schwächer und zart die äußere Querlinie gezeichnet, 
wie auch die dahinterstehende Reihe feiner Pünktchen klar 
hervortritt. Hie und da findet sich schattenhaft eine graue 
Submarginale. Vorderrandsflecken kräftig, Makeln hell heraus- 
tretend. Hil. hellmilchgrau, wenig nach dem Außenrande hin 
grau angestäubt. Flügelfransen vorn leicht gescheckt und fein 


— 105 — 


quergeteilt, bei den Hfl. klar weiß. Ich fing das Tier in meh- 
reren Exemplaren am Monte Agatone und bei Pescasseroli, 
vereinzelt bei Campo di Giove u. Pescocostanzo in der Majella, 


Mitte Juni bis Ende Juli. 39,39% i. coll. m. 


29. Agrotis margaritacea Vill. ab. dequadrata Dhl, 
Exemplare unter den an und für sich hellen Tieren der süd- 
lichen Abruzzen, denen der quadratische Fleck zwischen den 
Makeln fehlt, während die sonstigen Zeichnungselemente deut- 
lich, teilweise sogar besonders kräftig ausgebildet sind. 


30. Agrotis margaritacea Vill. ab.pura Dhl. Hier fehlen 
der rechteckige Fleck zwischen den Makeln, ferner auch die 
Flecken am Vorderrand, die Querbinden und Punktreihen. 
Die Falter präsentieren sich also ganz zeichnungslos. 

Beide Formen der Art aus der Majella, der Montagna 
Grande, vom Gran-Sasso u. aus dem Sirentegebiet. Typen i. coll. m. 


31. Agrotis culminicola Stgr. ab. robiginosa Dhl. Unter 
großen Serien vom Stilfser Joch wie vom Groß-Glockner erhielt 
ich — nicht ganz selten — Exemplare mit hochrotgelber bis 
bronzeroter Grundfarbe. ‚Die grauen Töne sind dagegen ver- 
schwunden, die schwärzliche Ueberstäubung ist schwach, dagegen 
sind die Querlinien scharf und kräftig entwickelt. Der Rand der 
rötlichgelben Hfl. ist beim 5’ schmaler, beim 9 breit schwarz- 
grau gedeckt, nach innen zu ausfließend; die Fransen rotgelb. 
Zuchten ergeben anscheinend diese schöne Form in größerem 
Prozentsatz; ein extremes Weibchen fing ich am Stilfser Joch 
am Licht. 4Ad, 19 i. coll. m. 


32. Agrotis cos Hb. ab. erubescens Dhl. Hellrot ge- 
-tönte Stücke unter den mittelitalienischen Tieren als seltene 
Aberration. Sie kommen sowohl in der Ebene wie im Gebirge 
vor, wo sie bis zu Höhen von 1400 m von mir angetroffen wur- 
den. Es handelt sich um eine Rasse, die der millieri Stgr. ein- 
zureihen ist, schwach gezeichnete Individuen. Meist sind es 
große Tiere, mindestens normaler Spannweite; sie sind also — 
abgesehen von der Heimat — nicht mit der als „klein“ charak- 
terisierten cycladum Stgr. zusammenzustellen. 

Ebenso selten, wie diese rötliche Form finden sich voll- 
kommen zeichnungslose Tiere, bezw. solche, bei denen nur noch 
ein ganz feiner Rest der Einfassung der Makeln übrig bleibt 
Ich benenne diese Aberration 

32a. purificata Dhl. Etwa 10 Paare in meinen Ausbeuten 


— (N — 


33. Agrotis puta Hb. ab. nuda Dhl. Entsprechend der 
Vorigen vollständig zeichnungslos mit gelblich-weißgrauer Grund- 
färbung. Eine andere bemerkenswerte Form ist als 

33a. subrubra Dhl. zu bezeichnen. Hier ist die Grund- 
färbung rötlichbraun, die Zeichnung der der renitens Hb. ähn- 
lich. Querlinien fehlen; Hfl. rein weiß. Im weiblichen Geschlecht 
nähert sich die Form der lignosa Gd.') ; die rötliche Tönung herrscht 
aber vor. subrubra findet sich in Mittelitalien überall; nuda 
scheint mehr in höheren Lagen vorzukommen; ich fand sie noch 
auf 2000 m Höhe in der Montagna Grande. 


34. Agrotis occulta L. var. roseovirgata Dhl. Unter 
Serien von schlesischen Exemplaren erhielt ich Tiere, deren 
gewässerte Binde innerhalb der äußeren Begrenzung des Mittel- 
feldes lebhaft rosarot gefärbt erscheint. Diese Färbung verbreitet 
sich hie und da zu Flecken außer- und unterhalb der Nieren- 
makel. Auch die hellen Partien vor dem Außenrand sind leicht 
rosa übergossen. Beuthen, Gleiwitz, Striegau. Typen i. coll. m. 


35. Mamestra calberlai Stgr. var. decrepita Dhl. 
(decrepitus — altersschwach). Alle Zeichnungselemente stark 
verringert und abgeschwächt, sodaß nur Andeutungen davon 
übrig bleiben. Die Grundfärbung blassser und mehr nach Grau 
abgestimmt, als bei der Nominatform. Das Mittelfeld nur um ein 
Geringeres düsterer. Hfl. von der Wurzel aus aufgehellt, meist 
mit starkem hellem Goldglanz. Diese Form ist überall unter 
italienischen Tieren zu finden und geht bis auf 1200 m ins Gebirge.?) 


36. Dianthoecia silenes Hb. calcescens Dhl. Grund- 
färbung nicht hellbraun sondern weißgrau; die Ringmakel er- 
scheint bis auf ihren braunen Kern weiß, ebenso der große, 
sonst bräunliche Fleck vor dem Innenwinkel. Diese Form der 
mittelitalienischen Kalkgebirge fing ich am Sirente auf 1500 m, 
in der Montagna Grande, bei Pescasseroli und in der Terratta 
bei Gioia auf 1000 bis 1200 m. 205,191. coll. m. 


37. Bryophila raptricula Hb. grisea Dhl. Die häufigste, 
zwischen der Nominatform und der carbonis Frr. stehende Form 
der Art. Eintönig grau, nicht schwarz oder schwarzgrau wie 
carbonis, ohne die für raptricula-raptricula charakteristische Zeich- 


1) lignosa Gd. ist die gewöhnliche Form des 2 von putaHb. Die Schriftl. 

2) In der „Iris* 1929 I. beschreibt Sohn-Rethel ein extrem aberratives 
Stück dieser Form als eburnea; hier handelt es sich um ein „elfenbein- 
weißes’ Exemplar. 


— 1 — 


nung: die schwarzen und weißen Begrenzungslinien des Mittel- 
feldes, das als solches gar nicht in Erscheinung tritt, und die 
Umrandungen der Makeln. Kenntlich bleibt meist nur der Längs- 
strich zwischen der unteren Biegung der äußeren Querlinie und 
dem Außenrand. 

In den südlichen Alpentälern ist grisea die vorherrschende, 
hie und da einzige Form der Art und vielfach sehr häufig. Ter- 
lan, Sigmundskron, Blumau, Ala, Borgo. Typen i. coll. m. 


38. Bryophila raptricula Hb. ab. illusteris Dhl. An 
eretina Calberla erinnernd und zu dieser geographischen Form 
zu stellen. Grundfärbung violettgrau. Am Vorderrand zunächst 
von der Wurzel aus ein weißgrauer Wisch bis auf das erste 
Drittel des Flügels reichend; am Innenrand über einer schwarz- 
braunen Längsberandung ein langer und breiter schwärzlicher 
Keil von der Wurzel ausgehend, der sich, von der genannten 
Berandungslinie durch eine feine weiße Linie getrennt, schmaler 
bis an den Außenrand verlängert. Er wird durch ein kleines 
weißes Fleckchen unterbrochen, das als Relikt der weißen 
äußeren Einfassungslinie des hinteren Teils des Mittelfeldes 
übrigbleibt. Ueber diesem Punkte setzt ein breiter schwarz- 
brauner Streifen an, der bis in den Vorderwinkel verläuft, Das 
Außenfeld, hiermit abgegrenzt, ist dunkler, etwa dunkelstahl- 
grau mit einem leichten Glanze, und wird durch dicke Keile 
geteilt, die auf den Rippenenden stehen und auch über die 
Fransen sich hinziehen, sodaß diese kräftig schwarz und hell- 
blaugrau gewürfelt erscheinen. Im einfarbig violettgrauen mitt- 
leren Keil des Flügels zeigt sich lediglich fein schwärzlich ge- 
zeichnet die Mediane. Hinterflügel hellbraungelb, um den Rand 
mit feinem dunkleren, bis zur Flügelmitte abklingenden Bande. 
Fransen hellgelbgrau, durch die scharf schwarzgrau gekenn- 
zeichneten Rippen durchschnitten. 

Type vom Monte Gennaro bei Rom, i. coll. m. 


39. Bryophila receptricula Hb. ab. virescens Dhl. 
Exemplare mit reichlicher moosgrüner Uebergießung, der algae 
F, sehr ähnlich und wohl vielfach mit ihr verwechselt. Nicht 
selten unter der Art in Mittelitalien. Campagna Romana, Tivoli, 
Monti Simbruini, Velino, Sangrotal. 


40. Bryophila perlaF. abruzzensis Dhl. Grüngrau, ohne 
gelbliche oder rötliche Töne, Mittelfeld wenig oder garnicht dunk- 
ler. Zeichnung außerordentlich fein, dünnlinig, meist aber klar 


— 108 — 


und nur sehr selten verwischt. Fransen lebhaft gescheckt. Sehr 
charakteristisch ist die Gestaltung der Hfl. Weißgrau, um den 
Rand ein gleichmäßig breites, höchstens ein Drittel des Flügels 
einnehmendes Band in mattem Grau, das nach außen so über 
die Adern ausläuft, daß sich gewissermaßen ein submarginaler 
weißlicher Perlenring bildet. Diese graue Umrandung erstreckt 
sich also nicht über das Mittelfeld. Dagegen treten die Zell- 
flecken deutlich hervor. Unter ihnen steht meist noch als obere 
Begrenzung des Randstreifens ein schwärzliches Pünktchen, das 
manchmal nach dem Innenwinkel zu leicht angezogen ist. 
Rasse der Zentralapenninen höherer. Lagen; Gran-Sasso, 
Majella, Montagna Grande, 1200 bis 2500 m. Typen i. coll. m. 


41. Thalpophila matura Hfn. variegata Dhl. Sehr bunt; 
auf grauer bis graugelber Grundtönung schwarzbraune Elemente, 
oft mit einem Stich Purpur. Zeichnungen sehr kraftvoll, beson- 
ders die Makeln lebhaft aufgeblickt und die Begrenzung der 
äußeren Querlinie, hauptsächlich im unteren Bogen, leuchtend 
weiß. Zwischen den stark betonten Rippen im Außenfeld feine 
weißliche Striche. Oft ist das Mittelfeld etwas verdüstert und 
der schwärzliche Balken längs Ader V hervorgehoben. Das Gelb 
der Hfl. leuchtend, frisch hellgelb, ab und zu auch mehr weißlich- 
gelb. Die dunkle Umrandung scharf begrenzt. 

In den Gebirgen Mittelitaliens als alleinige Rasse überall 
häufig. 


42, Thalpophila matura Hfn. sanguinea Dhl. In den 
tieferen Lagen, besonders in der Campagna romana wird matura 
variegata durch eine sehr dunkle, intensiv violettrot übergossene 
Form abgelöst, die hie und da auch mit der erstgenannten zu- 
sammen fliegt. Bei dieser besonders großen Form heben sich 
natürlicher Weise die dunklen Zeichnungsingredienzien nicht 
mehr sichtlich ab, während die hellen Stellen nicht mehr weiß- 
lich, sondern rosarot erscheinen, besonders die völlig derart aus- 
gefüllten Makeln. Unter der Zelle, auch quer durch die Nieren- 
makel verlaufen noch rosarote Wische. Das Gelb der Hil. ist 
viel satter als bei variegata, mit nicht so starkem Glanze; die 
Binde um den Außenrand ändert in Breite und Dichtigkeit der 
Bestäubung viel ab. Typen beider Formen i. coll. m. 


43. Hadena ochroleuca Esp. (var.? ab.?) griseoleuca Dhl. 


Alle gelbbraunen Töne sind hier matt bräunlichgrau, die weiß- 
lichen ebenfalls nach Grau abgetönt, der Gesamteindruck ist 


— 109 — 


daher ein blasserer, weicherer, als bei der Nominatform. Die 
schwarzbraunen Linien und Bögen in der Umgrenzung des Mit- 
telfeldes fehlen. Der verdüsterte Teil im Außenrand der Hil. 
zart grau mit gelblichem Anflug. 

Die Type stammt aus der Montagna Grande von 1300 m 
Höhe. Juli. 


44. Hadena lithoxyleaF. apenninigena Dhl. In der 
Grundfärbung sind weißlich-blaugraue Töne vorherrschend; das 
Gelbgrau stark zurückgedrängt. Die dunkleren Partieen, be- 
sonders die Flecken am Außenrand in sattem Schwarzbraun 
stark hervortretend. Auch im Hfl. gehen die bräunlichen Töne 
zugunsten eines mehr graugestimmten verloren. 

Große Serien von Roccaraso, Pescocostanzo, Pescasseroli. 


45. Hadena lithoxylea F. var. horrida Dhl. Im Gegen- 
satz zu der vorigen erscheinen bei Exemplaren aus den höch- 
sten Lagen des Gran-Sasso (2500 m) die sonst gelbbraunen Ele- 
mente satt rostgelb, die ganze Flügelfläche mit schwarzbraunen 
Atomen dicht überrieselt. Der Fleck vor dem Vorderrande tief 
braun bis über die Mediana herunter verbreitert. Hfl. braun 
gedeckt, Zellileck wie eine Mittelbinde gut entwickelt. 

Type i. coll. m, 


46. Episema glaucina Esp. abruzzorum Dhl. Milchweiß, 
bei einzelnen Stücken Mittel- und Außenfeld schön rosarot iiber- 
gossen. Durchwegs eine ganz feine Überrieselung mit dunkleren 
Atomen. Von der Zeichnung bleiben nur die scharf gerissenen 
dunklen Querlinien übrig, daneben manchmal noch feine, kaum 
sichtbare Linien in Form winziger Winkelzeichen als Reste der 
Flecken zwischen den Makeln. Hie und da fehlt schließlich 
auch noch die innere Querlinie. Hfl. weiß mit bräunlicher Aus- 
füllung rings um den Rand, manchmal auch weiter leicht über- 
schattet. Die Fransen nach vorn hellgraurosa, hinten glänzend 
weiß. 

Ich fand diese eigenartige Form nur in der Montagna Grande, 
wo sie zusammen mit tersa Schiff., tersina Stgr. und unicolor Dup. 
erscheint: 45,69 i. coll. m. 


47. Epunda lichenea Hb. apennina Dhl. In Mittelitalien 
fand ich ausschließlich eine Form, die sowohl der viridicincta Frr. 
wie der aetna Tti. nahestehend, sich dadurch charakterisiert, daß 
zumeist so viel Schwarz vorherrscht, daß sie erheblich satter 
erscheint, als es die Beschreibung der aetna besagt, während 


— 110 — 


andrerseits ebenso reichlich orangerote wie dunkelgrüne Töne 
vorhanden bleiben. Die Hfl. sind bei den 5 weiß, nur der Rand 
wird durch eine unterbrochene aber scharf geschnittene Linie 
umzogen; auch die Fransen sind scharf geteilt. Zellpunkt und 
eine schön geschwungene mittlere Querlinie sind deutlich kennt- 
lich; letztere wird aus kräftig markierten Pünktchen gebildet, die 
auf den schwarz gekennzeichneten Rippen stehen. Bei den ? 
ist der Hinterflügel schwarzbraun überwölkt; die übrigen Merk- 
male sind die gleichen. 

Monte Sirente (Ovindoli), Majella, Montagna Grande, Monte 
Paradiso auf 900—1200 m. Meist nicht selten. 


48, Ammoconia caecimacula F, marsicaria Dhl, Ver- 
hältnismäßig klein, schlank, schmalflügelig, wie die nachfolgende 
Form durch die besonders starke Aufhellung gekennzeichnet. 
Während bei den Rassen der südlichen Alpen die 5 hell, die 
© aber auffallend dunkel erscheinen, sind hier auch bei dem 
weiblichen Geschlecht die dunklen Elemente verdrängt. Die J 
sind etwa milchweiß mit leicht gelbgrauem Anflug, fast stets 
ganz glatt, selten mit geringer Fleckenbildung außerhalb der 
Nierenmakel. Der Fleck vor der Zelle dagegen scharf aber klein, 
ebenso die äußeren Einfassungslinien der Nierenmakeln. Die 
äußere Querlinie tritt ebenfalis gezackt oder punktiert, aber 
präzise gezeichnet, hervor, manchmal erscheint auch die gewäs- 
serte Linie besonders klar. Hil. weißlich, mit scharfen Rand- 
linien eingefaßt, die zusammenhängend oder aus Strichen gebil- 
det sind. Davor ein oft kaum mehr bemerkbares, selten bis zu 
2 mm breites dunkleres Band. Die @ im Ganzen etwas düsterer, 
Hfl. bräunlich übergossen. 

Durchschnittsgröße 35 bis 42 mm gegen 41 bis 47 mm mittel- 
europäischer Tiere und 48 bis 50 mm der rhaeticaria Dhl. 


Überall in den Abruzzen bis in ziemlich hohe Lagen; in 
der Montagna Grande noch auf 1700 m. 
Ganz ähnlich ist die mittelitalienische Form gekennzeichnet: 


49. Ammoconia senex Hb. medioitalica Dhl, Sie ist in- 
dessen verhältnismäßig größer, sonst aber sehr hell, weißlichgrau 
mit beträchtlichem gelbem Einschlag. Zeichnung schwach, dünn, 
manchmal leicht verwischt. Makeln gelblich angeflogen, der Fleck 
außen neben der Nierenmakel gelb. Die dunkle graue Über- 
gießung fehlt vollkommen. Hfl. blendend weiß, die bräunliche 
Betonung des Geäders fehlt. Die 2 entsprechend mit mehr 


— 111 — 


verdüsterten Hil. Es ist das gegensätzliche Extrem zu medio- 
rhenana Fuchs. 

Campagna Romana, Monti Albani, Sabini, Simbruini, Sirente 
in den tieferen Lagen, bis etwa 800 m. Außerordentlich gemein. 


50. Ammoconia senex Hb. monticola Dhl. Eine voll- 
kommen andere Rasse der höheren Gebirge der südl. Abruzzen. 
Klein, etwa 33 bis 37 mm gegen 42 bis 47 mm der medioitalica Dhl. 
und 44 bis 48mm der mitteleuropäischen Rassen, auffallend breit- 
flügelig. Die Grundfärbung stark nach Hellblaugrau abgestimmt, 
dicht dunkel beschuppt, stark schwarzgrau gezeichnet im Gegen- 
satz zu der mehr hellgelben Färbung der Zeichnungselemente 
der medioitalica. Hil. beim 5 weiß, bei den % schwarzgrau. 

Majella, Monte Paradiso 1200 bis 1700 m. Typen beider 
Formen i. coll. m. 


51. Polia polymita aithalodes Dhl. («iödvöng = rußig.) 
Statt der olivgrauen Grundfärbung schwarzoliv. Die dunklen 
Zeichnungsingredienzien tiefschwarz. Die Tiere wirken sehr 
dunkel, im Ganzen einfarbig mit schön klarer weißer Zeichnung. 
Hfl. weißgrau, heller als bei der Nominatform. Es scheint sich 
um die Form der höheren Gebirge zu handeln, da in tieferen 
Lagen, bei 900 bis 1000 m die aithalodes unter typischen polymita 
flieg. Auf 1500 m fing ich nur die dunkle Form. 

Montagna Grande. Typen von Pescasseroli i, coll. m. 


52. Polia xanthomista Hb. nivea Dhl. Wahrscheinlich 
gute Art. Kleiner, schmalflügeliger, von reinweißer Grundfärbung 
der Vfl.; jedes Gelb fehlt, was bei der hellsten beschriebenen 
Xanthomistaform, der nivescens Stgr., gerade in besonders star- 
kem Maße vorhanden zu sein pflegt. Es bleiben also nur dunkel- 
blaugraue und schwärzliche Zeichnungselemente übrig. Nur ganz 
ausnahmsweise findet sich bei einem aberrativen Stück einmal 
eine geringe Einstreuung rötlichgelber Schuppen. Stets fehlt die 
für xanthomista charakteristische scharfe schwarze Zackenlinie 
quer durch das dunklere Mittelfeld. Dieses selbst erscheint bei 
nivea lockerer, duftiger ausgedrückt, die Ziselierung der Linien 
ist äußerst fein. Die Hfl. glänzend silberweiß, das’Geäder darin 
wenig markiert, eine leichte Bestäubung um den Außenrand nur 
hie und da wahrnehmbar. Randlinie fein, manchmal erscheint 
der Zellfleck angedeutet. Bei den 2 sind die schwarzgrauen 
Schuppen dichter gebreitet, die Makeln fast immer klar, wenig 
dunkel bestäubt. 


— 112 — 


Die Größe schwankt zwischen 32 und 37 mm, während 
mitteldeutsche Exemplare gewöhnlich 38 bis 40 mm messen. 
Nivea wirkt indessen infolge des zierlicheren Gesamtbildes ganz 
erheblich kleiner. 
Große Serien aus Scanno (Montagna Grande) von 900 bis 
1200 m. 


53. Polia suda H.-G. limpida Dhl. Es liegen hier ähn- 
liche Erscheinungen vor, wie bei nivea. Bei limpida fehlt jeder 
bräunliche oder gelbliche Ton vollständig; es ist ein bläulich 
timbriertes Mattgrau, das die milchweiße Grundfärbung zeichnet. 
Besprenkelung mit dunkleren Schuppen ganz gering. Hil. klar 
weiß, bei den Weibchen leicht schwarzgrau überstäubt. 

Die Rasse ist sehr klein; sie fliegt in den südlichen Abruz- 
zen auf 1000 bis 1800 m, viel seltener als die Vorige. Typen aus 
der Montagna Grande. 


54. Polia chi L. marsicana Dhl.,, ebenfalls eine ganz auf- 
gehellte, weiße Lokalrasse, bei der die Zeichnung in zartem 
Hellgrau gehalten ist. Nur der x-förmige Strich unter der Zelle 
fällt schwarzgrau heraus, wie meist zwei kleine strichförmige 
Strichelchen in der äußeren Querlinie auf Ader IIlı und Ill». 
Die Fransen des Vfl. weiß, durch ganz feine hellgraue Ringe 
gescheckt, die der Hil. rein silberweiß, Bei den 9 tritt in den 
dunkleren Hfl. ein gewässertes weißliches Band, vom Innen- 
winkel gewellt zur Mitte des Vorderrands verlaufend, auf. 

Rasse der südlichen Abruzzen (Marsica). Die Typen aus 
der Montagne Grande und von Gioia Vecchio, 1000 bis 1400 m. 
Große Serie i. coll. m. 


55. Leucania hispanica Bell. ab. obsoleta Dhl. Der 
schwarze Punkt am Zellende fehlt. Außerordentlich selten unter 
der Art; ich habe die Form unter vielen hundert Exemplaren 
nur dreimal gesehen, einmal auch unter tiburtina Tti. Type 
aus Tivoli. 


56. Leucania putrescens Hb. ab. expallescens Dhl. 
Von weißgrauer statt hellgelbbrauner Grundfarbe. Zeichnung 
sehr zart, die dunklen Wische über der Zelle und am Außen- 
rand sind nicht vorhanden. Hfl. weiß, die Randpunkte nur noch 
"kaum erkennbar angedeutet. Ganz vereinzelt unter der Art in 
Mittelitalien, in der Ebene, wie im Gebirge beobachtet. Cam- 
pagna Romana, Sirente (Celano 800 m), Scanno 1100 m. 


— 113 — 


57. Leucania vitellina Hb. var. saturatior Dhl. Satt 
rostrot, mehr oder weniger kräftig gezeichnet; Hfl. dunkler, iri- 
sierend, das Geäder stark betont. Meist große Individuen, im 
Süden überall unter der Art. Typen von Tivoli und aus der 
Campagna Romana i. coll. m. 


58. Leucania vitellina Hb. ab. (var.?) grisesescens Dhl. 
Scheint mehr eine Gebirgsform zu sein. Hier werden die gelben 
Töne durch graue oder gelbgraue ersetzt. Es ist eine sehr sel- 
tene Form, die ich unter großen Serien von Südtirol (Terlan, 
Sigmundskron, Mendel 1300 m), den Sabiner- und Samnitischen 
Gebirgen erbeutete. 25,3% i. coll. m. 


59, Leucania vitellinaHb. decolorataDhl. Eine in den 
hohen Lagen der Abruzzen fliegende, etwa einem Extrem der 
pallidaWarr. vergleichbare Rasse. Durchweg sehr klein, kein 
Exemplar meiner großen Serie mißt über 32 mm, während die 
meridionalen vitellina durchschnittlich 39 —42 mm Spannweite auf- 
weisen. Die Type ist nur 27 mm breit. Während bei pallida Warr. 
die Querlinien deutlich vorhanden sind, meist wohl zart aber 
scharf gerissen, auch über dem Zellpunkt die dunklen Wolken 
der Nierenmakel erscheinen, ist die kleine decolorata vollständig 
zeichnungslos; der bei jener leuchtend strohgelbe Ton ist in 
einen fast weißlichen, wenigstens gelblichweißen verwandelt, 
die Hfl. sind rein weiß mit starkem Glanz und feiner Iris. Die 
Form erscheint in beiden Generationen, besonders häufig flog 
sie im Herbst. 

Majella, Montagna Grande, Monte Paradiso, oberes Sangro- 
tal. 1000 bis 1800 m. 


60. Caradrina exigua Hb. ab. albimacula Dhl. Die bis- 
her recht stiefmütterlich behandelte Caradrine zeitigt im Süden 
vielerlei Formen, unter denen ich als regelmäßig auftretende 
die folgenden feststelle. albimacula: Makeln nicht gelb oder gelb- 
rot, sondern weißlich; besonders die Ringmakel erscheint auf- 
fallend als weißer Kreis. Es sind meist relativ schwach ge- 
zeichnete Exemplare. 

61. Caradrina exigua Hb. ab. variegata Dhl. Dunkler, 
sehr bunt, meist große Individuen. Querlinien scharf ausgeprägt, 
schwärzlich, deutlich von einer hellen Linie begleitet. 


62. Caradrina exiguaHb. ab. decolorata Dhl. Das gegen- 
sätzliche Extrem. Fast zeichnungslos hellgrau, die Makeln als 


— 114 — 


noch hellere Flecken hervorscheinend, ohne daß ihre Einfassung 
deutlich markiert wäre. Selten findet sich ein dunkleres Pünkt- 


chen zwischen den Makeln. Viel spärlicher unter der Art als 


variegata. 

Alle Formen in Mittelitalien von der Ebene bis in sehr 
hohe Lagen. Ich fing sie auf 1900 m am Köder in Anzahl. 
Typen aus Pescocostanzo, Gioia Vecchio u. der Montagna Grande 
i. coll. m. 


63. Caradrina gilva Dz. molisana Dhl. Silbergrau ohne 
eine Spur von bräunlicher Beschuppung, hellbräunlichen Tönen 
oder solchem Schimmer. Querlinien und die innere Ausfüllung 
der Makeln in tieferem Grau, die gewässerte Binde klarer und 
meist gut erkenntlich; auch der Mittelschatten tritt mehr oder 
weniger deutlich hervor. Die Verdunkelung des Außenfeldes 
der weißgrauen Hinterflügel nicht gleichmäßig, oft bis zur Mitte 
des Flügels auslaufend, manchmal auf einen schmalen grauen 
Rand beschränkt. 

Das Tier ist in den südlichen Abruzzen selten und tritt 
dort ausschließlich in der Form molisana auf. Diese entspricht, 
wie bei so vielen Abruzzentieren die charakteristische Neigung 
zu weißgrauer Aufhellung ins Auge fällt, der Agrotis decora 
albidecora Sohn-Rethel, der sie außerordentlich ähnlich sieht 
und mit der sie vermutlich auch bisher verwechselt wurde. Ich 
erbeutete 9 J und 21 9. Typen i. coll, m. 


64. Taeniocampa stabilis View. ab. varıegata Dhl, 
Exemplare mit stark ausgebildetem Mittelschatten, der als schma- 
les Band längs der inneren Einfassung der Nierenmakel zum 
Innenrand verläuft, 

Im Süden selten unter der Art, Typen i. coll, m, 


65. Mesogona acetosellae F. var. grisea Dhl. Unter den 
südalpinen äußerst variablen acetosellae finden sich als sehr sel- 
tene Varietät Tiere, deren Grundfarbe stark nach Grau gestimmt 
ist unter Verschwinden der rötlichgelben oder bräunlichen Über- 
streuung; die Besprenkelung ist vielmehr schwarzgrau, Flügel- 
fransen vorn grau, im Hfl., der einen ebensolchen Schimmer 
aufweist, mattrosarot. 


66. Mesogona acetosellae F. var. pallida Dhl. Rasse 
der mittelitalienischen Gebirge; als große Seltenheit tritt die 
Form als Var. unter den südalpinen Tieren auf; ich fand sie 


— 115 — 


bei Terlan und Lana in Südtirol. — Sehr bleich, weißlich-grau- 
rosa, Hfl. hellrosa. Zeichnung verschieden kräftig, manchmal 
nur angedeutet, sodaß die Tiere dann wie gewässert aussehen. 

Monti Simbruini, Montagna Grande, 1000—1700 m. Typen 
i. coll. m. 


67. Xanthia aurago F. var. purpurago Dhl. Die Art flog 
1928 in der Montagna Grande bei und über Scanno in ganz 
unglaublichen Mengen und derart variabel, daß sämtliche be- 
kannte Formen etwa in gleichem Verhältnis erschienen. Außer- 
dem traten sehr eigenartige Formen auf, die bisher noch nicht 
beobachtet worden sind und vermutlich auf die südlichen Abruz- 
‘zen beschränkt bleiben. 

purpurago hat tieforange bis tiefgoldgelbe Grundfärbung 
mit reichlichem dunkelroten Einschlag. Die Zeichnungselemente 
sind dunkelblaugrau gehalten und variieren in der Gestaltung 
entsprechend den vielen bekannten Formen außerordentlich. 
Bei Tieren mit sehr gering ausgeprägter Zeichnung, die schließ- 
lich auch ganz fehlen kann, erscheint das Gesamtbild dann 
einfarbig mattpurpur getönt. Diese Extreme sind selten. Der 
Thorax hat bei allen Varianten der Form einen dunkelrosaroten 


Anflug. 


68. Xanthia aurago F. ab. pedinea Dhl. Ein Extrem der 
Unicolorvarianten, weißgelb und vollkommen zeichnungslos. Da- 
gegen kann als Relikt der Zeichnungselemente eine hauchfeine 
rötliche oder bläulich-rötliche Übergießung auftreten. 

Die Form ist sehr selten und ich sah unter tausenden 
von aurago im obengenannten Gebiet nur 8 typische Exemplare. 
T, coll. m. 


69. Scotochrosta pulla Hb. scannensis Dhl. Es wieder- 
holt sich die für die Abruzzentiere charakteristische Erscheinung: 
die Grundfärbung ist auf hell- bis weißgrau umgestellt und alle 
schwarzbräunlichen Mischtöne fehlen. Nur die Nierenmakeln 
tragen einen gelbbräunlichen Anflug. Die dunklere Strichzeich- 
nung ist erheblich abgeschwächt, auch mehr in reinem Grau, 
als bei der Nominatform. Hil. klar weiß, fast transparent, Adern 
schwach gekennzeichnet. Fransen beim 5 vollkommen weiß, 
beim © mit zarter Teilungslinie. Thorax hellmausgrau, der Leib 
auf den vorderen Segmenten weiß, auf den hinteren grau be- 
haart. 

Etwa 25 5‘ ® von Scanno (Montagna Grande) im September. 


— 116 — 


70. Plusia ni Hb. florida Dhl. Grundfärbung milchweiß,. 
Die bei ni-ni schwarzbraunen Elemente hellsilbergrau; ab und 
zu mischt sich ein ganz zarter weißlich-violetter Ton dazwischen. 


Die äußere Zackenlinie sehr fein, nur noch teilweise in Form 


kurzer Strichelchen vorhanden; Fransen weiß und hellgrau ge- 
scheckt. Hil. weißgrau, am Saum breit grau überstäubt. Bei 
Übergängen zu florida wird die Zeichnung etwas lebhafter; es 
stehen indessen dann immer vorwiegend bläulich-graue Tinten 
im Vordergrund. 

Sehr selten und wahrscheinlich auf hohe Lagen der Kalk- 
gebirge der mittleren u. südlichen Apenninen beschränkt. Typen 
vom Monte Paradiso (1800 m), Montagna Grande (1100—1900 m),. 
Gran-Sasso (2100 m). 

In zwei Generationen Ende Mai bis Juni und August bis 
September. 


—. ul) 


Die Tagialter der Insel Celebes. 
Teil 8: Satyriden. 


Von L, Martin f.*) 


Wie auf Celebes die Papilioniden und Nymphaliden an Artenreichtum 
gegen die Fauna des Kontinents und der westlich gelegenen Inselkontinente 
zurückstehen, so müssen wir auch bei den Satyriden einen durch nicht trü- 
gende Zahlen zu belegenden Rückgang feststellen. Es geht kaum an, die 
Flora der Insel dafür zu belasten, denn der Urwald auf Celebes zeigt nicht 
das enorm dichte Unterholz der anderen Gebiete, das ungenießbare Lalang- 
_ gras spielt dort nicht die gewohnte Alleinherrscherrolle, und zahlreiche Arten 
von Palmen und Gramineen kommen überall auf der Insel vor, welche in 
ihren Erhebungen sogar grasreiche, immer grüne Matten aufweisen kann. Es 
ist möglich, daß diese Grasplätze durch Vernichtung des Waldes erst später 
entstanden sind, als die Fauna der Insel bereits konsolidiert war, und eine 
rezente Zuwanderung aus anderen Gebieten über sogenannte Landbrücken 
hat niemals bestanden, wie wir das schon oft feststellen mußten. Man muß 
deshalb annehmen, daß Celebes dem großen Naturgesetze der nach Osten zu 
abnehmenden Artenzahl und des in gleicher Richtung zunehmenden Melanis- 
mus gehorchen mußte. Wie wir aus der nachfolgenden Zusammenstellung 
erkennen können, leitet sich dieser Prozeß schon auf Java ein und wird 
östlich von Celebes noch viel deutlicher. Von den Gattungen des Westens 
fehlen neun auf Celebes gänzlich, sind zum mindest dort bis heute nicht 
aufgefunden worden: Erites, Ragadia, Coelites, Neorina, Amnosia, Thauman- 
tis, Zeuxidia, Xanthotaenia und Enispe; andere stehen auf der Insel an der 
Peripherie des Vorkommens, also an ihrer äußersten Ostgrenze, was fast 
immer eine gewisse Seltenheit der Individuen zu bedingen scheint. Neue 
endemische oder aus anderen Gebieten eingedrungene Genera sind nur sehr 
wenige aufzuzähblen; nur die endemische Gattung Bletogona und die der 
Philippinenfauna zugehörigen Genera Acrophthalma und Zethera, alle drei 
aber nur je eine Art enthaltend. Weder Ptychandra von den Philippinen 
noch die so artenreiche Papuagattung Taenaris werden auf der Insel gefunden. 
Besonders dieses letztere Defizit muß als auffallend bezeichnet werden, 
nachdem wir schon auf Westjava einer nicht zu verkennenden Taenaris be- 
gegnen, welcher höchst wahrscheinlich durch die Vorkommenslücke auf Celebes 
und den kleinen Sundainseln auch derRang eines Subgenus gebührt. Im Katalog 
der Satyriden des Britischen Museums v. Jahre 1868 finden sich nur 15 Arten 


*) Der am 10. Dezember 1924 verstorbene verdienstvolle Forscher auf dem Gebiete der 
indo-australischen Tagfalter hatte kurz vor seinem Tode das Manuskript über die Satyriden der 
Insel Celebes beendet. Es war der Schriftleitung erst jetzt möglich, die Arbeit aufzunehmen. 
Änderungen am Manuskript sind keine vorgenommen. Von den „Tagfaltern der Insel Celebes" 
des gleichen Verfassers erschienen: Teil 1-2 (Danaiden) in Iris 28 (1914) und 29 (1915). 
Teil 3 (Papilioniden) Iris 29 (1915). Teil 4-5 (Pieriden) Iris 33 (1919) und 34 (1920). 
Teil 6-7 (Nymphaliden) Tijdschrift v. Ent. 63 (1920) und 67 (1924). 


— 1 — 


aus Celebes angeführt, die von uns zu besprechende Artenzahl ist aus der 
folgenden Liste ersichtlich, welche auch die Zahlen der westlichen und öst- 
lichen Gebiete berücksichtigt, soweit das aus der Literatur festzustellen war. 
Das Genus Taenaris habe ich für Sumatra und Borneo ausgeschlossen, da 
die diesbezüglichen Berichte zu unsicher sind und sich vielleicht nur auf 
verschlagene Irrgäste beziehen. 


Wir kennen von Sumatra 17 Genera mit 61 Spezies, 
die gleiche Zahl ungefähr von Borneo 17 hr „65 r 
von Java nur mehr 15 e BLSEgrEr ur 


Coelites, Xanthotaenia und Enispe fehlen bereits und nur Taenaris kommt 
neu hinzu. 


Von Celebes 11 Genera mit 42 Arten 


„ Palawan 12 5 „ 21 Arten (ungenüg.erforscht) 
‚, Amboina 6 % Pa 1 EYE 
„ Ceram 5 r Era; 
„ denKeylInseln 4 7 HOHEN; 
aus d.ehemal.Deutsch Neu-Guinea 10 „39 „  , wo diezahlreichen 


Mycalesis- und Taenarisarten dieses Plus bedingen. Von Ostjava führt Pagen- 
stecher nur 9 Genera mit 14 Arten auf, aber die ihm zugegangenen Samm- 
lungen waren sicher nicht erschöpfend, aus dem Seitz ließe sich eine ganz 
andere Zahl für dieses Gebiet gewinnen. Von dem im Westen überall arten- 
reichen Genus Lethe besitzt Celebes nur noch eine Art, dagegen ist bei 
Mycalesis und Melanitis eine Zunahme der Arten zu konstatieren, bei ersterer 
Gattung durch die zahlreichen, nur der Celebesfauna eigentümlich einfarbig 
gelben Arten, auch für Melanitis finden sich 2 Arten mit gelben ©, und das 
Bletogona® besitzt ebenfalls die gleiche Färbung. 


 Kükenthal brachte 18 Arten nach Europa, aber Pagenstecher hat so- 
wohl die Mycalesis als auch die Ypthimas teilweise unrichtig bestimmt und 
das Material der Sammlung ist, weil teilweise draußen angekauft, bezüglich der 
Fundorte nur mit Reserve zu benützen, so führt Pagenstecher eine Taenaris 
aus Celebes an, was natürlich unmöglich ist; Hopffer zählt 14, Piepers auch 14, 
Holland 21 und Rothschild 20 Arten auf, sodaß wir mit der Zahl 42 den 
Rekord davontragen können. 


Von alten Autoren begegnen uns am öftesten die Namen Hewitson und 
Felder, ersterer verdankt seine Neuheiten alle der Sammeltätigkeit von Wal- 
lace, letzterer jagte in den alten Sammlungen Hollands nach neuen Arten. 
Staudinger konnte aus den Sendungen Dr. Platens einige gute Arten be- 
schreiben und an den Subspezies und Lokalformen hat natürlich Fruhstorfer 
den Löwenanteil. Die verhältnismäßige Armut der Insel an Satyriden gegen- 
über einem gewissen Reichtum an Nymphaliden ergibt abermals eine Analogie 
mit dem reichen westafrikanischen Faunengebiet. 


Die kleinen Ypthimas, wahre Stiefkinder der europäischen Exoten- 
sammler, wegen ihrer unscheinbaren Farben und geringen Größe jedenfalls 
absolut unverkaufbare Objekte, stellen in ihrer Gesamtheit ein sehr wohl- 
umschriebenes Genus dar, das sich durch zwei Charaktere, die eigentümlich 
mit fein braunen Strichelchen gezeichnete grauweiße Unterseite und den 
konstanten, für die einzelnen Arten typischen Schmuck der Hfl.-Unterseite 
mit meist silberig gekernten Augenflecken, auszeichnet. Sie reichen mit 


= U 


zahlreichen Arten in das palsarktische Gebiet herein, aber ihre Haupt- 
quartiere sind das nördliche Indien und China, während die Insel Cypern 
als der westlichste Punkt ihres Vorkommens gelten muß. Leider bietet ihre 
Bestimmung große Schwierigkeiten, da es schwer fällt, aus den meist dürf- 
tigen Beschreibungen der alten Autoren auszumachen, welche Art ihnen vor- 
gelegen hat, so daß die Nomenklatur wohl noch mancher Berichtigung und 
einer gründlichen Nachprüfung bedarf, eine schwere Arbeit, da gerade von 
diesem vernachlässigten Genus großes, entscheidendes Material zur Zeit nicht 
vorhanden sein dürfte. Auf den großen Sundainseln geht die Zahl der Arten 
etwas zurück und dürften dort 5—7 Spezies die Norm sein. Sumatra hat 
5 eventuell 6, Java 7 und Borneo, das am schlechtesten durchforscht ist 
4—5 Arten, doch hat auch Sikkim nicht mehr als 6 Arten. Die uns hier 
allein interessierende Insel Celebes steht nicht nach und hat mindestens 
6 gute Arten aufzuweisen, von denen zwei als streng endemisch zu bewerten 
sind, während die anderen wohl später als Subspezies zu im ganzen Archipel 
vorkommenden Arten gezogen werden müssen. Östlich von Celebes findet 
sich auf allen Inseln, soweit unsere heutige Kenntnis reicht, nur mehr eine 
oder höchstens 2 Arten. Die Literatur ist entsprechend der Unscheinbarkeit 
des Falters eine ziemlich arme, und sind mir nur zwei größere Arbeiten be- 
kannt: eine Revision des Genus durch den sehr gewissenhaften englischen 
Entomologen Elwes aus dem Jahre 1892 und die Bearbeitung der Gattung 
durch Fruhstorfer im Seitz. Eine kleinere Arbeit R. van Eeckes, Leiden. 
(ZoologMededeelingen van hetRyks Museum te Leiden, Deel I Aflev.3en4, 1915) 
bezieht sich nur auf die Arten Javas, die auf Grund von Untersuchung der 
männlichen Genitalien entscheidend und endgültig festgestellt werden. Die 
Revision Elwes leidet offensichtlich unter starkem Materialmangel, von 
Sumatra und Celebes kannte er nur 2, von Borneo gar keine Art, so ist 
seine Einteilung in 10 Gruppen von nur geringem Werte, der eine Anzahl 
von Arten überhaupt nicht einzureihen war. Auch Fruhstorfer hat keine 
Gruppeneinteilung versucht, führt die Arten einfach in bunter Reihenfolge an, 
ungefähr so wie die Hesperiden Südamerikas im Seitz so anregend behandelt 
sind, und scheidet nur die durch ihre Größe auffallende Methoragruppe aus, 
die auf Celebes reich vertreten ist. Wo aber das Ende dieser Gruppe liegt, 
läßt sich in der Arbeit nicht erkennen, die außerdem schwer unter ärger- 
lichen Unrichtigkeiten und Druckfehlern leidet. Ich muß mich deshalb bei 
Besprechung der Celebesarten auf eine Aufzählung der von mir festgestellten 
Arten beschränken, wobei ich aus Rücksicht auf Bequemlichkeit die Reihen- 
folge im Seitz beibehalte. 


170. Ypthima pusilla Fruhstorfer, bisher nur im äußersten 
Süden der Insel beobachtet, ist von ihrem Autor im Seitz, wo sie 
als species nova erscheint, ungeheuer oberflächlich beschrieben. 
Sie ist wohl, wie Fruhstorfer sagt, eine sehr kleine Spezies, 
mein einziges Exemplar, ein 5 am 4, VIII. 06 bei Maros gefangen, 
spannt nur 27 mm (der kleinste baldus aus Sumatra immer noch 
31 mm), beide Flügel sind oberseits fahlbraun mit leichtem Seiden- 


— 2) — 


glanz und hellen, nahezu weißen Cilien, auf dem Vfl. steht ein 
sehr großer, ovaler, zweifach weißgekernter, gelbgeringter, schief 
zur Körperachse gestellter Apikalozellus, auf dem Hil. schlägt 
der obere der beiden Analozellen deutlich weiß gekernt und 
dunkel geringt durch, in der Mitte zwischen Apikalozellus und 
Rand eine etwas undeutliche Submarginallinie auf beiden Flügeln. 
Die Unterseite ist hellgrau mit ungemein feiner brauner Striche- 
lung ungefähr im Tone der Oberseitenfärbung, das Apikalauge 
des Vfl. besitzt außer dem gelben Ringe noch einen lichtgrauen, 
dunkel eingefaßten Vorhof, unter welchem und entlang dem Innen- 
rande der Flügel matt graubraun gefärbt ist und jede Strichelung 
vermissen läßt. Der noch hellere Hil. führt 8 Ozellen, alle weiß 
gekernt mit dunkelschwarzer Pupille und gelber Iris, der apikale 
ist der größte; in der Analregion stehen zwei Ozellen, ein größe- 
rer oberer und ein kleinerer unterer, aber kein Doppelauge, wie 
Fruhst. im Seitz sagt, denn sie sind deutlich durch die Grundfarbe 
getrennt. Auf beiden Flügeln eine feine Anteciliarlinie, Thorax 
und Abdomen oben gleichmäßig braun im Tone der Flügel, un- 
- ten weißlich. Die von Fruhstorfer angegebene Flugzeit Januar — 
März ist einfach die seiner Anwesenheit in Makassar, mein 
Stück stammt vom August, und das Tierchen wird wohl das ganze 
Jahr hindurch zu fangen sein. So hätte Fruhstorfer für eine 
species nova schon sprechen müssen. Ich war sehr unglücklich 
mit dieser Art, hatte sie, wie ich glaubte, überhaupt nicht ge- 
fangen und begann bereits an den Angaben Fruhstorfers zu 
zweifeln. Offenbar war für meine an und für sich schlechtere 
und vernachlässigtere Makassarsammlung das Tier zu gering. 
Bei einer verzweifelten Suche nach der Art durch mein ganzes 
Celebesmaterial fand ich erst heuer das oben erwähnte Stück 
in einer Tüte zusammen mit einer Lycaenide eingepackt. Ein 
speziell mit dem Fange von Bläulingen beauftragter Makassare 
hat es für einen solchen gehalten und ich habe es bei Durch- 
sicht der Lycaeniden wohl für die gemeine folgende Art gehalten 
und übersehen. Nun freue ich mich der späten Entdeckung nach 
18 Jahren und kann die Art meiner Sammlung einverleiben. 
Holland u. Rothschild scheinen von Doherty die Art erhalten zu 
haben und vermelden sie beide unter dem Namen asterope Klug, 
sie fliegt auf trockenen Wiesen bis zu einer Höhe von 2500 Fuß; 
da beide auch philomela Joh. (= nynias) erwähnen, so kann 
über obige Annahme, die auch Fruhstorfer teilt, kein Zweifel 
walten. 


ll 


171. Ypthima nynias Fruhstorfer, die zweite im Seitz zur 
Beschreibung gelangte nova species ist wohl etwas genauer, aber 
immer noch sehr ungenügend beschrieben. Wer Stücke der Art 
ohne Fundort besitzt, wird sie niemals aus dem wenigen Mit- 
geteilten bestimmen können. Im ganzen makromalayischen Ge- 
biete finden wir 2 kleine Ypthimaarten anwesend, eine kleinere 
zu baldus und eine größere zu philomela gehörige; auf Celebes 
scheint pusilla die erste und die nun zu besprechende nynias 
die zweite zu vertreten, und dürfte letztere wohl als Subspezies 
zu philomela zu ziehen sein, unter welchem Namen Holland und 
Rothschild .die Art vermelden, als auf Wiesen und in niedrigem 
Walde vorkommend. Die von Piepers eingelieferten Stücke hat 
Snellen als hübneriKirby bestimmt, sehr häufig bei Balangnipo, 
Bonthain Lamatti und auf Saleyer, sagt der Sammler. Hopffer 
hat das Tier nicht erhalten, wohl aber meldet Pagenstecher aus 
der Ausbeute Kükenthals philomera von Celebes. Da er aber 
auch hübneriKirby von der Minahassa u. aus Donggala anführt, 
ist es unsicher, was er unter philomela verstanden hat. nynias 
ist auf der ganzen Insel ungemein häufig und fliegt überall das 
ganze Jahr hindurch. Mir liegen große Serien aus allen Monaten 
von Süd-, Nord- und Ostcelebes und Belegstücke von Buton, 
Muna und Saleyer vor. Von einer Differenzierung von Süd nach 
Nord oder nach Osten ist nichts zu bemerken und auch Saison- 
unterschiede sind nicht sicher festzustellen, obwohl der Süden 
von Celebes eine sehr intensive lange währende Trockenzeit 
besitzt. Kleinäugige Stücke finden sich auch im Höhepunkt der 
ebenso heftigen Regenzeit. Einige beschreibende, die Art fest- 
legende Worte dürften bei der Unzulänglichkeit der Original- 
diagnose wohl am Platze sein. Die Grundfarbe der Oberseite 
ist ein dunkles Braun, dem aber der Seidenglanz von pusilla 
fehlt, der Vfl. zeigt um das Gebiet der Verästelung der Median- 
ader einen deutlichen dicken Androkonienpelz, den Fruhstorfer 
irrtümlich eine breite dunkelbraune Binde nennt. Der Apikal- 
ozellus des Vfl. ist doppelt weiß gekernt, gelb umrandet und 
von oblonger Form, oft mit einer Einschnürung der oberen 
kleineren Hälfte; unterseits ist er breiter gelb geringt und zeigen 
die Kerne oft eine bläuliche Färbung. Auf den Hfl. schlägt in 
einer etwas helleren Submarginalzone das mittlere Ozellenpaar, 
weiß gekernt und gelb geringt, sehr deutlich durch. Die Unter- 
seite beider Flügel ist gelbgrau und sehr zierlich braun gestrichelt. 
Diese Strichelungen verdichten sich ebenfalls auf beiden Flügeln 


— 122 — 


zu zwei etwas undeutlichen diskalen Längsbinden. Der Hfl. zeigt 
3 Ozellenpaare, ein apikales, ein mittleres und ein kleines anales. 
Die Ozellen des oberen und unteren Paares stehen einander 
sehr nahe, während die beiden mittleren, welche nach oben 
durchschlagen, weiter auseinander gerückt sind. Alle Ozellen 
sind weiß gekernt, oft mit deutlichem Silberglanze und gelb ge- 
ringt. Ein Hervorragen eines bestimmten Ozellus an Größe ist 
nicht konstant, oft ist der untere des mittleren Paares der größte, 
Auf beiden Flügeln eine sehr feine dunkle Anteciliarlinie, vor 
welcher sich die Strichelungen zu einer undeutlichen Submar- 
ginalbinde verdichten. Cilien hell weißlich mit dunkelbrauner 
Spitze, Thorax u. Abdomen oben braun, unten weißlich. Die 9 
sind größer und heller und zeigen auf den Vfl. um den Apikal- 
ozellus eine hellere, fein weißlich gestrichelte Randzone, die sich 
etwas verjüngend zum Hinterrand herabzieht. Auch die Unter- 
seite beider Flügel ist bei dem ® bedeutend heller. Daß aber 
die Ozellen der Hflunterseite nicht absolut konstant sind, zeigt 
ein Weibchen, am 5. Il. 03 bei Lewara nahe Talos gefangen, das 
zwischen oberem und mittlerem Paar einen deutlichen wohlent- 
wickelten siebenten Ozellus besitzt und bei dem auf der Ober- 
seite des Hfl. außer dem mittleren Paar ein apikaler, ein analer 
und der accessorische siebente Ozellus durchschlagen, ein ganz 
abnormes Stück. Zwei Paare von der Insel Buton weichen nicht 
von Celebesstücken ab, Auch ein Exemplar von Muna ist typisch, 
obwohl Jurriaanse Stücke von dieser Insel zu aretas Fruhst. von 
Saleyer zieht. Ein Pärchen aus Saleyer (XII. 06) bestätigt völlig 
die von Fruhstorfer im Seitz angegebenen Unterschiede und er- 
scheint mir deshalb die Subspezies aretas als berechtigt. Das 
ist wohl Alles, was über nynias Fruhst. zu sagen wäre. 


172. Ypthima gavalisi Martin, eine interessante Art, die 
ich im Jahre 1912 auf den das Palutal westlich und östlich be- 
gleitenden Bergen in einer Höhe von 3—4000 Fuß entdeckte und 
in der Iris 1913 pag. 121 genau beschrieb. Die ziemlich steilen 
Höhen sind waldlos und nur mit Gras bewachsen und nahezu 
der einzige Schmetterling, der dort fliegt, ist unsere Ypthima. 
Sie gehört nach Anordnung der Ozellen der Hil, unterseits un- 
bedingt in den Kreis von jarba de Nic. aus Sumatra und eupei- 
thes Fruhst. von Java; da sie sich aber sowohl durch den Flügel- 
schnitt, der weniger langgestreckt ist als bei den genannten Arten, 
durch die auffallend reinweiße Färbung der Hilunterseite und 


23 — 


den stets einfachen Analozellus weitgehend unterscheidet, darf 
sie wohl als eigene gute Spezies gelten. Der Hfl. führt 4 Ozellen, 
einen apikalen und drei nahe bei einander stehende anale zwi- 
schen den Ästen der Mediana, welche letztere auch auf der 
Oberseite erscheinen, genau wie bei jarba und eupeithes, bei 
denen aber der analste Ozellus deutlich ein doppelter ist, was 
keines meiner gavalisi-Stücke zeigt. Die Art ist weder aus dem 
Süden der Insel noch aus Menado bis heute bekannt geworden, 
Fruhstorfer hätte sie sicher in entsprechender Höhe am Pik von 
Bonthain gefangen, wenn sie dort vorkäme, so scheint es mir 
wahrscheinlich, daß das Tier nur das regenarme Gebiet der Palu- 
"bai bewohnt und schon im Berglande Kolawi und in der Land- 
schaft Bada seine südliche Grenze hat. Von letzterer Lokalität 
besitze ich aber außer einem Stück mit weißer Unterseite auch 
eines, den Ozellen nach deutlich zur Spezies gehöriges, mit rauch- 
brauner Unterseite. Es ist also nicht unmöglich, daß weiter nach 
Süden die Art im gewöhnlichen Ypthimagewande erscheint 
und bisher wegen großer Ähnlichkeit mit der folgenden pandocus 
übersehen wurde. Die Art stellt wieder einen gewissen Anklang 
zur afrikanischen Fauna dar, wo auf Madagaskar drei Ypthima- 
arten mit weißer Hflunterseite vorkommen, immer die gleiche 
rätselhafte Erscheinung! In der indischen Fauna hat nur die 
kleine, in eine ganz andere Gruppe gehörige Y. ceylonica, 
die auch im Süden der vorderindischen Halbinsel vorkommt, 
einen weißen Hfl. In der Iris 1914 findet sich eine photogra- 
phische Darstellung des Falters, für den sich aber trotz seiner 
im Genus so aparten Färbung bis heute kein Sammler interes- 
siert hat; ich erhielt wohl zahlreiche Anfragen nach blumei und 
androcles und ähnliche Tiere aber keine für die schmucke 
gavalisi, deren eigentümlicher Name vom höchsten Gipfel der 
von Palu westlichen Bergkette stammt. Nach meinen Daten fliegt 
das Tier das ganze Jahr hindurch. Der Falter dürfte heute nur 
in meiner und der Fruhstorferschen Sammlung vertreten sein. 


173. Ypthima pandocus Moore — celebensis Rothschild, 
die auf Celebes heimische und im Norden und Süden häufige 
pandocusform, von Rothschild genau in der lris 1892 pag. 433 
beschrieben, wo auch beide Geschlechter eine tadellose Abbil- 
dung gefunden haben. Ich kann nicht begreifen, was Fruhstor- 
fer veranlaßt hat, im Seitz diese und die folgende Art zu ver- 
wechseln, es muß ein besonderer Unstern, eine stark wirkende 


— 1 — 


Ablenkung von der Materie über ihm gewaltet haben, oder er 
muß mehr auf sein Gedächtnis vertraut haben, das ihn in die- 
sem Falle treulos verließ. Hätte er Rothschilds Bemerkungen 
in der Iris über Y.loryma Hew. und celebensis gelesen, dann 
wäre der Irrtum sicher unterblieben, auch ein Blick auf die Ab- 
bildungen hätte das Unheil verhüten können. Schon Elwes hat 
beide Arten richtig auseinander gehalten, erwähnt pandocus von 
Celebes und macht nur den Fehler, celebensis Rothsch. als Sy- 
nonym zu loryma zu stellen, Fruhstorfer hatte das offenbar in 
der Erinnerung und schreibt im Seitz: Elwes habe loryma als 
Synonym von celebensis geführt, also das gerade Gegenteil des 
wirklichen Verhaltens. Rothschilds Diagnose geht auf Südstücke,- 
sie ist etwas altmodisch, er spricht von zehn Ozellen der Unter- 
seite, indem er die Augenflecke beider Seiten addiert, auf dem 
Unterseitenbild des? wird Niemand zehn Ozellen zusammenzählen 
können, es sind und bleiben nur acht. Auf der Oberseite 
schlagen immer nur drei Ozellen durch und das abgebildete 
typische 5 hatte zufällig den Analozellus deutlich doppelt, das 
seltenere Verhalten; meist ist dieser Augenfleck nur einfach, aber 
immer mit Silberkernen. pandocus bewohnt ein großes Gebiet vom 
Norden der malayischenHalbinsel bis Celebes und den Philippinen, 
wo er an der Ostgrenze zu stehen scheint, wenigstens ist mir 
von einem östlicheren Vorkommen nichts bekannt geworden. 
pandocus Moore von Java ist die erstbeschriebene Form, mit ihr 
also müssen wir celebensis vergleichen. Bei ziemlich gleicher 
Größe ist celebensis ober- und unterseits bedeutend dunkler, 
die Ozellen der Oberseite, besonders der apikale des Vfl. sind 
minder deutlich, da das Schwarz der Augen bei der sehr 
dunklen Grundfarbe nicht so auffällt. Die gelben Ringe sind 
bräunlich und undeutlich, bei pandocus aber deutlich leuchtend 
gelb. Besonders aber die Useite beider Flügel ist sehr ver- 
schieden, bei pandocus weißlich mit gelbem Schimmer, bei cele- 
bensis düster schwarzgrau mit besonders deutlichem submargi- 
nalem Bande des Hfl. und ohne jeden gelben Ton. Mir lag 
von pandocus zum Vergleiche eine selbstgefangene Serie von 
den Abhängen des Berges Salak bei Buitenzorg und Stücke aus 
Sukabumi am Fuße des Vulkans Gedeh vor. Auf Celebes ist 
eine Differenzierung von Süd nach Nord nur sehr undeutlich 
ausgesprochen, die Südstücke sind etwas größer und langflüge- 
liger, unterseits dunkler und schwerer gestrichelt, während bei 
Nordstücken auf der Unterseite ein weißlicher Ton vorherrscht 


— 125 — 


— zu einer eigenen Benennung nicht ausreichend. Die etwas 
kleinere Form aus Ost-Celebes hat Fruhstorfer auf Grund klei- 
nerer Augenflecke anana genannt; eine kleine von mir an der 
Kendaribai im Osten der Insel gefangene Serie bestätigt Fruh- 
storfers Befund und hat die Benennung damit eine allerdings 
nur schwache Berechtigung. Die aus dem äußersten Norden der 
Insel beschriebene bedeutend größere Form macrianus Fruhst. 
habe ich nicht erhalten. Menado zeigt auch in verschiedenen 
anderen Arten (Elymnias cumaea, Neptis celebensis und Eronia 
fritaea) durch außergewöhnliche Größe ausgezeichnete Formen, 
_ und eine solche mag auch hier vorliegen. celebensis fliegt das 
ganze Jahr hindurch, bevorzugt aber im Gegensatz zur Borneo- 
rasse, die im Tieflande von Sintang die gemeinste Ypthima war, 
nur höhere Lagen bis 4000 Fuß und darüber. Das @ ist größer, 
heller und rundflügeliger, und um die Apikalozellen der Vil.- 
oberseite steht ein großer heller Hof, der sich verschmälernd 
bis zur Submediana herab reicht. 

Ich möchte an dieser Stelle einige Irrtümer in der Dar- 
stellung der Art im Seitz berichten und aus meinem großen 
Material einige neue Formen erwähnen. Fruhstorfer stellt die 
Sumatrarasse zu corticaria Butl. von der malayischen Halbinsel, 
beschrieben 1876 nach 5 und 2 Stücken von Malakka aus 
der Kollektion Pinwill, aber beide sind deutlich verschieden; 
die Sumatrastücke in der ganzen Kollektivart sind bei weitem 
die hellsten, oberseits fahl gelbbraun, sie entbehren das dunkel- 
braune Basalfeld der Vfl. oberseits von corticaria und sind 
bedeutend spitzflügeliger als diese, die mehr abgerundete Vfl. 
mit stark konvexem Außenrande besitzt. Die Unterseite der 
Hfl. ist bei Sumatranern weit heller und besitzt viel kleinere, 
oft dem Verschwinden nahe Ozellen, auch ist die dunkle, sub- 
marginale Binde der Hfloberseite viel weniger deutlich, ver- 
läuft paralleler zum Außenrande und zeigt nicht die apikale 
und anale Eckung von corticaria. Meine Stücke letzterer Art 
stammen aus dem Lande Selangore; aus Sumatra, wo die 
Art in den Battakbergen im Hinterlande Delis nur in Höhe 
von 3000 Fuß häufig vorkommt, stand mir eine große Serie 
beider Geschlechter zum ausgeführten Vergleich zur Verfügung. 
Ich nenne die ersichtlich eines Namens würdige Sumatraform 
barissanus, nach den Barissanus, der zentralen Bergkette, die 
ganz Sumatra von Norden nach Süden durchzieht. Im März 1907 
fing ich am Fuße der zentralen Erhebung der Insel Singapore, 


— 126 


des Bukit Fima (Zinnberg), eine kleine Serie von pandocus, die 
nicht völlig mit den Selangorestücken übereinstimmt. Die Insel- 
bewohner sind kleiner, oberseits gleichmäßiger braun, besitzen 
nur ganz undeutliche Aufhellung um den Apikalozellus der Vil.- 
oberseite bei viel unbestimmterer, undeutlicher Zeichnung der 
Unterseite beider Flügel. Singapore besitzt eine eigene Form 
von Eulepis hebe, von Fruhstorfer plautus genannt, und hat 
nach Obigem auch eine speziale pandocusform, die ich hier- 
mit emporialis benennen möchte. Auch mein großes Material 
von Borneo weist Unterschiede auf, die hier konstatiert wer- 
den sollen. Meine in Sintang in West-Borneo im Tieflande des 
Kapuasstromes gesammelten Stücke stimmen in Größe und star- 
ker Schwarzfärbung der Oberseite mit Fruhstorfers Bild und Wort 
im Seitz überein und dürfen deshalb als serforius bezeichnet 
werden, weitaus die größte Form in der ganzen Art. Wie schon 
gesagt, war seriorius um Sintang einer der gemeinsten Schmetter- 
linge, sehr im Gegensatz zu seinen Artgenossen anderer Loka- 
lität, die fast alle mehr oder minder alpine Falter sind. Ein Stück 
ganz in Meeresnähe bei Pontianak gefangen, ist aber bedeutend 
kleiner und spannt nur 40 mm, während sertorius 47—48 mm 
ausmißt, Stücke aus Südostborneo sind heller und besitzen auf 
der Unterseite des Hfl. einen gelblichen Ton. Am meisten aber 
fällt durch seine Kleinheit, es spannt nur 33 mm, ein J’ auf, 
das ich in Balikpapan im äußersten Osten der Insel am 12. Ill. 13 
fing. Sollte weiteres Material von dieser Örtlichkeit gleiche 
Kleinheit aufweisen, so möchte ich diese Zwergform minimus 
taufen. Fruhstorfer nennt im Seitz die sehr schwache Form der 
Natuna-Inseln moenus, gibt aber bei seriorius abermals die 
Natuna-Inseln als Vaterland an; es ist ausgeschlossen, daß auf 
der kleinen Inselgruppe zwei Formen von pandocus vorkommen 
sollten, und bedarf hier der Seitz einer Korrektur. Von der Insel 
Bali erhielt ich eine große Serie einer sehr kleinen, von typischen 
pandocus weit verschiedene Form aus den Monaten August und 
September, die eine Benennung vollauf verdient. Sie spannt 
nur 36 mm gegen 46 von pandocus, ist oberseits viel dunkler, 
sodaß der Apikalozellus des Vfl., der im männlichen Geschlechte 
keine gelbe Umrandung mehr zeigt, nur mehr sehr undeutlich 
ist, deutlicher und gelb geringt ist der auf den Hil, durchschla- 
gende obere Analozellus. Die Unterseite ist viel undeutlicher 
und unbestimmter gefärbt und die Ozellen des Hil. sind sehr 
klein, des öfteren nur mehr schwer erkennbare kleine Punkte, 


— all — 


Ich nenne diese auffallende Form balianus, die ein extremes 
Produkt der Trockenzeit darstellen dürfte. Da Rothschild pan- 
docus aus der Bali-Ausbeute des Dr. Stresemann aus den Mo- 
naten Januar bis April meldet, so dürften seine der Javaform 
gleichen Exemplare die Regenzeitform darstellen. Soweit mir 
bekannt, stimmt meine Annahme mit den klimatischen Verhält- 
nissen auf der Insel Bali überein. Außer pandocus erwähnt 
Rothschild von Bali nur noch philomela, ich habe aber noch eine 
dritte kleine in den Balduskreis gehörige, ungebänderte Art mit 
6 in drei Paaren angeordneten Ozellen des Hfl. erhalten. 


174, Ypthima loryma Hewitson, eine streng endemische 
Art der Insel, mit einer Unterseitenzeichnung, wie sie im Genus 
nicht wieder vorkommt, welche Jeden, der das Charakteristische 
dieser Zeichnung erfaßt hat, das Tier sofort erkennen läßt. Sie 
sei gleich hier am Eingang meiner Bemerkungen über die Art 
kurz geschildert, um alle Zweifel zu beheben. Auf der Grund- 
farbe, ein Grauweiß, stehen die für Ypthima typischen dunkel- 
braunen Strichelungen zu kurzen unregelmäßigen Bändern zu- 
sammengeflossen, die an Meereswellen erinnern und im Ganzen 
gesehen auf beiden Flügeln in drei allerdings sehr unregel- 
mäßigen Längszügen angeordnet sind, deren einzelne Teile bald 
dreieckig, bald halbmond-, bald spindelförmig sind, oft auch gar 
keine bestimmte Form zeigen. Die vier Glieder des mittleren 
Längszuges des Hfl. sind abwechselnd einmal nach innen, ein- 
mal nach außen konvex, wie abgedreht. Die beiden äußeren 
Bänder des Vfl. schließen den unterseits immer deutlichen 
Apikalozellus ein, konvergieren nach unten und erreichen fast 
den Innenrad, sicher immer die Submediana. Hewitsons Original- 
diagnose!) ist sehr undeutlich und mag deshalb viel zur Ver- 
wechslung der Namen beigetragen haben. Seine Typen stammen 
aus Makassar und dürften von Wallace gesammelt sein. Er hatte 
offenbar Stücke von celebensis und loryma vor sich, wie auch 
die beiden unkolorierten sonst sehr deutlichen Unterseiten- 
abbildungen auf beide Arten gehen, Fig. 17 ist eine loryma, 
während Fig. 16 eine celebensis sein dürfte. Er gibt der Vil- 
oberseite einen dunklen blinden Ozellus, aber nur sehr wenige 
Stücke von loryma zeigen eine schwache Andeutung eines sol- 
chen, die große Mehrzahl hat einen völlig ungefleckten Vil., 
alle Ozellen der Unterseite besitzen nach seiner Beschreibung 


1) Transact. Ent. Soc. London 1864, pag. 289. 


— 128 — 


Silberkerne; bei loryma ist aber nur der kleine Doppelozellus 
im Analwinkel schwach weiß, aber nicht silbern gekernt. Beide 
Kriterien passen besser auf celebensis. Das © soll sich nur in 
der Flügelform und Größe vom J' unterscheiden, was weder 
auf celebensis noch loryma paßt. Eine tadellose, völlig zutref- 
fende Beschreibung gibt Elwes auf pag. 23 seiner Monographie, 
er weiß nichts von einem Ozellus auf der Vfloberseite und von 
Silberkernen auf der Hflunterseite. Von unseren Autoren kön- 
nen nur jene als maßgebend erachtet werden, welche beide Arten 
melden, wie Holland und Rothschild das tun. Piepers meldet 
nur loryma als häufig in höheren Lagen (wohl = pandocus), da 
loryma die Ypthima des Tales ist. Da Snellen hinzufügt, die Exem- 
plare variierten in Größe von 35—45 mm, liegt auch hier die 
Vermutung sehr nahe, daß er celebensis mit loryma zusammen- 
geworfen hat, da letztere Art in ihren größten @ nur 41 bis 
42 mm erreicht, die J alle bis 33 mm und darunter bleiben, wäh- 
rend 45mm nur auf celebensis paßt. Hopffer erwähnt lorymaHew. 
ohne alle Begleitworte, will aber auch fasciata von Celebes er- 
halten haben, die bisher nur auf Borneo und Sumatra gefunden 
wurde und höchstens noch auf der malayischen Halbinsel zu er- 
warten wäre. Die bei beiden Arten völlig gleiche Anordnung 
der Hflaugenflecke hat sicher viel zu den Irrtümern beigetragen 
und es besitzt eben nicht jeder das Auge, um sofort die große 
Eigenart der Unterseite von loryma zu erkennen und festzu- 
halten. Es läßt sich keine Differenzierung von Süd nach Nord 
feststellen, Südstücke sind vielleicht in der Grundfarbe etwas 
heller. Auch bei /oryma ist wie bei celebensis der obere Anal- 
ozellus meist der größte des Hfl. und schlägt in beiden 
Geschlechtern immer auf die Oberseite durch. Von meinen 
46 gespannten Stücken von den verschiedensten Fundorten 
im Süden und Norden und von Mamudja der Nordwestküste 
der Insel zeigen 63°, den genannten Ozellus als größten, 
bei 18°, ist der Apikalozellus größer und bei 19°/, sind beide 
Ozellen gleich groß. Die Kernung der Ozellen ist eine sehr 
undeutliche, meist ist, wie schon oben gesagt, nur der kleine 
analste Doppelozellus weiß, nicht silbergekernt, während allen 
anderen Ozellen die Kerne völlig fehlen. Einem 5 aus Makas- 
sar fehlt der obere größte Analozellus beiderseits völlig, eine 
auffallende Anomalie, wie die erwähnten 7 Ozellen bei zwei 
Stücken von nynias. Das größere Weibchen zeigt gerundetere 
Flügel, der Apikalozellus des Vfl. ist immer deutlich vorhanden 


— 2) — 


und steht wie die der Hil. in einer aufgehellten, gestrichelten, 
beiderseits von dunklen Bändern eingefaßten Zone. Der anale 
Doppelozellus schlägt oberseits bei beiden Geschlechtern nur in 
der Hälfte der Stücke durch und ist immer höchst undeutlich. 
Im Norden und Süden das ganze Jahr hindurch zu finden, nach 
meinen Resultaten aber im Süden viel häufiger. 


175. Ypthima ancus Fruhstorfer, offenbar eine alpine Art 
oder Form, die ihr Autor am Pik von Bonthain in beträchtlicher 
Höhe entdeckte und im Seitz als nova species beschrieben 
hat. Diese Beschreibung ist wiederum sehr dürftig und un- 
genügend, aber die Abbildung der Unterseite ist gut und läßt 
deutlich erkennen, daß etwas anderes als celebensis und loryma 
vorliegt. Mir leider in natura unbekannt, da ich am Fundorte 
nicht sammeln ließ. In den Bergen um Palu, wo meine Sammler 
die nötige Höhe erreichten, flog keine solche Form. Hiermit 
wären 6 wohl verschiedene Ypthimaarten von Celebes fest- 
gestellt. 


176. Acrophthalmia leuce Felder, eine anscheinend nur 
auf den Norden der Insel beschränkte und ziemlich seltene Art, 
welche aber vielleicht wegen ihrer Kleinheit und bescheidenen 
Färbung von den Sammlern übersehen wurde. Von Fruhstorfer 
bei Tolitoli im niederen Gebüsch am Waldrande gefunden, in 
meiner Sammlung nur in 2 5’ Exemplaren vertreten (X. 1912 u. 
18.1. 1913), welche aus dem Berglande Pekawa stammen, vom 
Süden der Insel völlig unbekannt, von keinem unserer Autoren 
erwähnt und niemals in Kollektionen aus Menado zu finden. 
Die Kollektivart (arternis Feld.) bewohnt ein genau umschriebenes 
Gebiet, das die Philippinen, den Norden von Celebes und die 
Nordmolukken umschließt und zeigt durch seine Verbreitung 
vielleicht die Grenze eines früher zusammenhängenden Landes- 
teiles an, da bei einem so schwachen Flieger an eine Einwan- 
derung über Meeresarme hinweg sicher nicht zu denken ist. 
Im Seitz ist die Unterseite abgebildet, welche einen reichen 
Ozellenschmuck besitzt. Die latein. Originaldiagnose Felders 
sagt nicht viel, führt nur die Unterschiede von der philippinischen 
artemis auf, und als Fundort wird die völlig ungenügende An- 
gabe Celebes (durch Lorquin gesammelt) angegeben. Auffallend 
ist, daß der große Analozellus der Hflunterseite, der auch un- 
deutlich auf der Oberseite durchschlägt, deutlich 3 weiße Kerne 
besitzt, ein sonst nirgends zu findendes Verhalten. Auch 


— 1) — 


chione Feld. von Halmaheira besitzt diese 3 Kerne, einen 
großen mittleren und zwei ganz winzige, nur mit der Lupe zu 
erkennende ober- und unterhalb des großen. Über diesem Ozellus 
stehen noch drei weitere an Größe abnehmende blinde Ozellen, 
Der schwarze Sexualstrich an der Basis des Vfl, in der Zelle 
sehr deutlich, ob es sich dabei um einen Sack handelt, kann 
ich nicht sagen, mir erscheint der kurze Strich ober- und unter- 
seits vertieft. 


Das völlige Fehlen des Genus Erites, das noch auf Java 
in zwei Arten vertreten ist, macht mir auch das Vorkommen 
von Coelites auf Celebes sehr unwahrscheinlich, da beide Genera 
sich völlig in ihrem Fundgebiete decken, nur hat Coelites Java 
nicht mehr erreicht. Darüber ist später noch zu sprechen. 
Auch Ragadia ist bis heute auf unserer Insel nicht gefunden 
worden, obwohl die Gattung Java und die Philippinen bewohnt, 


177. Lethe europa Fabricius — arcuata Butler, die etwas 
aber nur unbedeutend abweichende Celebesform dieser so weit 
verbreiteten von Kontinentalindien und China bis Ambonia 
und Buru vorkommenden Art, der Type des großen Genus 
Lethe, von der schon Cramer vor fast zwei Jahrhunderten 
die China- und Molukkenform ganz kenntlich abbildete.e Das 
alpine Sikkim beheimatet 34 Lethearten, auf Sumatra kommen 
nur 6 vor, während Java und Borneo noch je 7 Spezies be- 
sitzen, Celebes aber kann nur diese eine Art aufweisen, wie- 
derum ein schwerwiegender Faktor für die Artenarmut unserer 
Insel. Das Genus Lethe steht hier und auf den angrenzenden 
Molukken an seiner äußersten Ostgrenze und die das Tiefland 
bewohnende europa ist es, welche neben der weitesten Verbrei- 
tung auch am weitesten nach Osten geht. Die Celebesform ging 
bisher meist unter dem Namen arete Cr., der sich aber bestimmt 
auf die Molukkenform bezieht, und ist es das Verdienst Butlers 
sie als arcuata separiert zu haben. Catal. Diurnal Lepidopt. 
Satyridae B. M. 1868 pag. 114. Eine unkolorierte Abbildung der 
Unterseite ist beigegeben. Die lateinische Originaldiagnose ist 
sehr dürftig und erwähnt nur die stark gebogene Costa und den 
konkaven Außenrand des Vfl. sowie gelbliche Cilien des Hil., 
unterseits soll der Vfl. größere Ozellen besitzen; faktisch sind 
die Ozellen mehr zusammengeflossen und entbehren der Um- 
grenzung. Die Ozellen der Hfl. sollen in die Länge gezogen sein. 
Zweimal wiederholt sich „aliter velut in Europa.“ Das dürfte 


— (a — 


am meisten der Wahrheit entsprechen! Da arcuata auf Celebes 
keinesfalls seltener ist als europa im makromalayischen Gebiete, 
so haben auch alle Autoren die Art erhalten und erwähnt. 
Hopffer hat mehrere Exemplare beider Geschlechter erhalten 
und nennt sie arefe, wozu er arcuata als Synonym stellt. 
Holland bezeichnet sie als die Lokalrasse von europa aus Ce- 
lebes, die sich durch Größe und stark gebogenen Kostalrand 
der Vflfransen auszeichnet. Piepers hat die Art in Makassar 
und Maros an gewissen Plätzen häufig gefunden, die von Snellen 
als Debis arete Cr. bestimmt wurde. Rothschild erhielt 17 Exem- 
plare beider Geschlechter und bezeichnet sie ebenfalls als arete. 
Beide östliche Formen unterscheiden sich von europa durch das 
Fehlen der gelblichen Medianbinde der Vflunterseite, von der 
nur noch ein kleines Dreieck am Kostalrande stehen geblieben 
ist und durch die mehr rundliche, statt ovale Form des apikalen 
Ozellus der Hilunterseite. Auch ist die Flügelkontur etwas mehr 
ausgeglichen, der Zacken über dem obersten Medianaste weniger 
prominent und spitz. arete dürfte um ein kleines größer sein 
als arcuata, ist bedeutend dunkler und besitzt bei seitlicher Be- 
leuchtung einen schwachen Violettschimmer. Die Art hat sich 
auf Celebes von Süden nach Norden deutlich differenziert, be- 
sonders im weiblichen Geschlechte, welches in der ganzen Kol- 
lektivart durch eine weiße Schrägbinde über den Vfl. ausgezeich- 
net ist. In der Annahme, daß Butler als arcuata die besonders 
unterseits dunklere Nordform beschrieb, nennt Fruhstorfer die 
Südform nagaraja, wohl ein absoluter Phantasiename. Im männ- 
lichen Geschlechte kann ich außer der dunkleren Unterseite der 
Nordstücke keine greifbaren Unterschiede finden. Die deutlichere 
_ gelbweiße Fleckung der Südstücke bestätigt mein großes Material 
nicht, ebenso wenig bestehen Größenunterschiede. Aber das 
weibliche Geschlecht ist deutlich verschieden, die Unterseite 
beider Flügel ist bedeutend heller, gelblicher und die weiße 
Schrägbinde der Vfl. zeigt über der untersten Radiale eine pro- 
ximale Einschnürung, in deren Mitte die braunbeschuppte Ader 
steht und das Band in zwei Hälften teilt. Auch die Subkostale 
ist braun hervorgehoben, was bei Nordstücken nur ausnahms- 
weise der Fall ist. Mir liegen gespannt aus dem Süden (Ma- 
kassar u. Hinterland) 12 5 und 10 2 und aus Palu u. Hinterland 
8 co und 6 Q@ vor. Da mit Ausnahme des Novembers alle Monate 
vertreten sind, fliegt der Falter wohl das ganze Jahr hindurch 
und bildet keine Saisonformen. Stücke aus dem Berglande Kolawi, 


— 1827 — 


südlich von Palu sind schon etwas heller und nähern sich der 
Südform, während die sehr große Rasse des äußersten Nordens 
(Menado, Amurang) sich mehr arete nähert. 


178. Coelites vicinus Felder, von ihrem Autor als gute 
Art beschrieben, mir leider in Natur unbekannt. Das Unicum 
muß sich im Tring-Museum befinden. Es fällt sehr schwer, sich 
ein richtiges Bild des leider nicht abgebildeten Falters aus der 
lateinisch. Diagnose Felders zu machen, er soll epiminthia Westw. 
nahe stehen und vielleicht eine Lokalform dieser Art darstellen. 
Felder kannte aber epiminthia nicht in natura, aber seine Be- 
schreibung paßt ziemlich genau auf die in Sumatra und Borneo 
heimische Art, besonders auf ein weniger reines Exemplar. Als 
Fundort wird „Celebes” und als Sammler Lorquin genannt. Da 
bis heute kein anderer Sammler, der auf Celebes tätig war, 
darunter Namen wie Wallace, Doherty und Fruhstorfer, weder 
im Süden noch im Norden auch nur eine Spur der Art aufge- 
funden haben, das Genus Coelites schon auf Java fehlt, welche 
Insel jedenfalls mehr Beziehungen zu Celebes besitzt als Borneo, 
wo Coelites mit 2 Arten vertreten ist, so muß ich dieser Art 
und ihrem Fundorte sehr skeptisch gegenüberstehen und möchte 
annehmen, daß ein Fundortsirrtum vorliegt. Jedenfalls ist hinter 
diese Spezies ein großes Fragezeichen zu setzen. 


Das nun zu besprechende Genus Mycalesis, welches von 
Fruhstorfer (Verhandl. der k. k. zoolog. botan. Gesellschaft Wien 
1908 pag. 126) sehr verdienstvoll monographiert wurde, ist auf 
Celebes reich vertreten und nicht wie Lethe an der Artenarmut 
der Insel mitschuldig, die ungefähr 14, vielleicht auch mehr Arten 
aufweisen kann. Sikkim besitzt 12 Spezies, Sumatra und Borneo 
je 13, Java und die Philippinen je 10, und sind es die für Ce- 
lebes eigentümlichen gelben Arten, vielleicht ein Übergang zu 
den farbenreichen Formen Neu-Guineas, welche den numerischen 
Überschuß verursachen. Die Mehrzahl der ubiquitären schwärz- 
lichen, westlichen Arten ist auf Celebes noch vorhanden, wo sie 
meist an der Ostgrenze ihrer Verbreitung stehen, wir finden 
perseus, minea, horsfieldi u. janardana in celebischen Subspezies, 
die blaue, auf Borneo so gemeine orseis will Doherty im Süd- 
Celebes gesehen haben, aber Exemplare sind in Europa nicht 
vorhanden. Die westliche einzige gelbe Art Anapita marginata 
ist durch itys Feld. vertreten, braune Arten wie fuscus und 
orontes fehlen, aber 6—8 der in Celebes endemischen gelben 


— N) — 


durch ausnahmsweis große Ozellen ausgezeichnete Arten lie- 
gen vor. Auch diese großen Ozellen dürfen in gewisser Be- 
ziehung als Übergang zur Papuafauna angesehen werden, bei 
welcher wir ihnen wieder begegnen. Bei der Gleichartigkeit 
der sekundären Sexualauszeichnungen bei einer ganzen Reihe 
von Formen fällt es sehr schwer, die vielleicht richtige Grenze 
zwischen Spezies und Subspezies zu ziehen, von verschiedenen 
Formen ist bis heute nur ganz ungenügendes Material in Europa 
vorhanden. Jedenfalls ist es mir weder an der Hand der Fruh- 
storfer'schen Monographie von 1908 noch mit Hilfe seiner zwei- 
ten, etwas modifizierten Bearbeitung des Genus im Seitz gelungen, 
mein Material an gelben Celebesformen einwandfrei zu bestim- 
men. Die Angaben Fr. sind zu unsicher und öiters auch wider- 
sprechend und die zur Unterscheidung nötigen Kardinalunter- 
schiede nicht genügend hervorgehoben. Auch ein Zurückgehen 
auf die spärlichen Originaldiagnosen der älteren Autoren hilft 
nur wenig, da sie die Sexualauszeichnungen nicht berücksich- 
tigen, und der sicher geschulte und gut sehende engl. Entomologe 
Westwood sogar eine sehr distinkte Art als eine Cupha (Messaras) 
beschreibt. Von einer richtigen Geschlechtsdiagnose ist ebenfalls 
kaum die Rede, obwohl ich gerade bei diesen gelben Celebes- 
arten einen sehr deutlichen Geschlechtsunterschied, abgesehen 
vom Abdomen und sekundären 5 Auszeichnungen in dem Um- 
stande gefunden habe, daß bei den @ die äußere Submarginal- 
linie der Hflunterseite immer der Zickzackführung der inneren 
völlig parallel folgt, während bei den 5 diese Linie mehr gerade 
verläuft und den Verzerrungen der inneren kaum folgt. Einzig 
steht Celebes durch das Faktum dar, daß es vom Subgenus 
Orsotriaena zwei gute Arten besitzt, im übrigen indomalayischen 
Gebiete kommt ausnahmslos nur eine Spezies vor. Leider sind 
die Berichte unserer Autoren von geringerem Werte als sonst, 
entweder haben sie selbst den unscheinbaren Tieren zu wenig 
Aufmerksamkeit gewidmet, oder das geschah schon in erhöhtem 
Maße durch ihre Sammler. Zwei führen nur 5 und die beiden 
anderen nur 6 Arten auf, welche Zahlen natürlich ein falsches 
Bild von den tatsächlichen Verhältnissen auf der Insel geben. 
medus, jopas und janardana werden von allen genannt, von 
den gelben Arten haben sie alle vier nur 3 erwähnt. Die größ- 
ten Verdienste um unsere Kenntnis der Celebes-Mycalesis hat 
sich zweifellos Fruhstorfer erworben, der sozusagen das Gebiet 
erst erschlossen hat, leider aber hat er bei den gelben Arten 


— 134 — 


nicht völlige Klarheit geschaffen. Ich halte wieder die Reihen- 
folge des Seitz’schen Werkes ein und berichte dabei, was ich 
gefangen habe. Ein späterer Bearbeiter, welcher die männlichen 
Genitalien in Berücksichtigung zieht, wird hoffentlich volles Licht 
bringen. 


179. Mycalesis itys Felder, von ihrem Autor genau latei- 
nisch beschrieben und mit der kleineren ifa Feld. von den Phi- 
lippinen verglichen, der sie aber viel ferner steht als der makro- 
malayischen anapita Moore, zu der man sie wohl ohne Gewalt als 
Subspezies stellen dürfte. Nicht abgebildet, von Lorquin auf 
Celebes entdeckt; es dürfte deshalb wohl die Nordform gemeint 
sein. Felder beschreibt ein /', ich besitze nur 3 © (Kalawara, 
Pekawa XII, Kalawara I), und ist die Art anscheinend ziemlich 
selten. Fruhstorfer fing ein @ der Südform auf 1000 m Höhe 
am Pik von Bonthain und zieht hierzu /g', die er in Tolitoli er- 
 beutet hat. Nach der Ähnlichkeit mit einer Mycalesis der Süd- 
molukken, remulia Cr., nennt er die Südform remulina, von der 
ich nur die bedeutend blassere und kleinere Abbildung im Seitz 
kenne. Seine g’Z aus Tolitoli, das doch in Nord-Celebes liegt, 
dürfte er aber ruhig zu ilys stellen, da meine ein gutes Stück 
weiter südlich gefangenen drei ® deutlich zu ifys gehören. 
Piepers hat die Art in einem Q ebenfalls bei Bonthain auf 
3000 Fuß Höhe gefangen, was mit den 1000 m Fruhstorfers 
übereinstimmt, am Bergpasse von Amparang erheutete er zwei Jg), 
also im Leidener Museum wäre das remulina J zu finden. 
Meine @ spannen 48 mm bei 25—26 mm Vfllänge, sie machen 
absolut den Eindruck von sehr großen anapita, mit welcher Art 
sie alle Zeichnungselemente gemeinsam besitzen. Nach meiner 
Berechnung dürften kaum mehr als 10—12 Exemplare der Art 
in europ. Sammlungen stecken, es müßte denn neues größeres 
Material während der Kriegsjahre gesammelt worden sein, was 
ich sehr bezweifle, 


180. Mycalesis janardana Moore — opaculus Fruhstorfer. 
Warum der Autor zur weiblichen, auf Java heimischen Stamm- 
form eine Subspezies mit männlicher Endung schuf, erscheint 
mir unbegreiflich und ist wohl nur auf das allezeit gespannte 
Verhältnis zurückzuführen, in welchem Fruhstorfer zum klassi- 
schen Idiom Ciceros stand. Der Falter ist in Süd-Celebes sehr 
häufig, wo er das ganze Jahr hindurch fliegt, wird aber nach 
Norden zu immer seltener; einer großen Serie (2, 3, 5, 7, 8, 11,12) 


— 13 — 


aus der Umgegend Makassars stehen nur fünf Exemplare aus 
meinem Palujahre (Kalawara, Pekawa 6, 7,8,9 und Sibowi 2) 
gegenüber. Eine deutliche Differenzierung von Süden nach Norden 
besteht nicht, höchstens könnte man sagen, daß die Nordstücke 
das postmediane weißliche Band der Unterseite beider Flügel 
etwas breiter und heller zeigen als Südexemplare. Die Art ist 
ausgezeichnet durch reinweiße, sehr zierende Cilien beider Flügel 
und trägt auf der Unterseite der Vfl. 6 Ozellen, von denen der 5. 
der größte ist, und auf der des Hfl. 7, von denen 4 und 5 die 
größten sind. Die feine, an Ypihima erinnernde weißgraue Stri- 
chelung der basalen Hälfte der Unterseite macht die Art sofort 
erkennbar, deren Sg einen dunklen Duitileck in der Mitte der 
Vfloberseite und auf den Hil. zwei gelbliche Haarpinsel tragen. 
Hopffer und Piepers vermelden sie unter dem Namen mega- 
mede Hew., welcher sich auf die Molukkenform der Art bezieht, 
während Holland und Rothschild sie als janardana Moore be- 
zeichnen. Der Falter ist auf Sumatra und Borneo sehr häufig, 
auf Java und Bali zeigt er deutliche Trockenzeitform, bei der 
die Ozellen der Unterseite beider Flügel zu undeutlichen Punkten 
werden; keine derartige Form konnte ich auf Celebes beobachten. 


181. Mycalesis perseus Fabricius — lalassis Hewitson, 
von ihrem Autor sehr lapidar und dürftig beschrieben und mit 
Orsotriaena jopas verglichen, mit der sie selbstverständlich absolut 
nichts zu tun hat, Die Type stammt aus Gilolo auf Halmaheira. 
Fruhstorfer zieht im Seitz zu dieser Subspezies der Nordmolukken 
auch die Formen von Celebes, den Süd-Molukken und Neu- 
Guinea und sagt nur, die Subspezies bedeute eine melanotische 
Progression, die Hand in Hand mit einer deutlichen Verkleinerung 
der Gestalt gehe. Was die Verkleinerung angeht, so hat er wohl 
kaum Recht, da Stücke vom Kontinent und aus Sumatra viel 
kleiner sind als solche von Celebes, überhaupt hat er unter dem 
Namen lalassis zu viele Formen zusammengeworfen, wie wir 
später sehen werden. Meine Nord-Celebes 55 stimmen übrigens 
mit Hewitsons Beschreibung und Bild gut überein, nur sind dort 
die Ringe um die Ozellen der Unterseite lebhafter gelb als bei 
Celebesstücken, diese hochgelben Ringe gehören den Molukken- 
formen an. Das Hauptkriterium der Kollektivart perseus, an 
dem sie immer und überall in beiden Geschlechtern und auch 
in den Trockenzeitformen deutlich zu erkennen ist, kommt je- 
doch auf dem Bilde gut zum Ausdruck. Es sind das die drei 


— 136 — 


unteren Ozellen der Hiflunterseite, welche von der Kette der 
oberen deutlich nach einwärts gerückt sind und eine andere 
Längsachse besitzen. Bingham hat in der Fauna of British India, 
Butterflies I. auf pag. 57 dieser Eigenart von perseus eine eigene 
Abbildung gewidmet. Das im Seitz auf Tafel 92a als ein perseusQ 
abgebildete Tier ist deshalb mit Sicherheit keine Perseusform, 
da ihm dieses grundlegende, immer vorhandene Merkmal mangelt. 
Aus dem Süden und Norden der Insel liegt mir die Art, die 
überall häufig ist, in großen Serien gespannt vor, 20 J' und 8 9 
von Makassar und den meisten meiner Fangplätze im Hinter- 
lande (aus den Monaten 1, 3, 4,5, 7,11 u.12), 21 5 und 14 9 
von Palu und Hinterland (Kalawara, Towaeli, Sidondo, Sibowi, 
Lewara und Talisse) aus allen Monaten des Jahres. Man darf 
also wohl mit Sicherheit annehmen, daß perseus auf Celebes 
überall und das ganze Jahr hindurch vorkommt, ohne deutliche 
Saisonformen zu bilden und daß er, da ich ihn aus höheren 
Lagen (Pekawa, Kolawi) nicht erhalten habe, ein Bewohner der 
Ebene ist. Doch besteht eine bestimmte Differenzierung von 
Süden nach Norden. Die Nordform ist größer (S' 45—46, Q 48 mm) 
und ober- und unterseits etwas dunkler, die Ozellen sind deut- 
licher markiert und der Postmedianstreifen der Unterseite an- 
sehnlicher. Die kleinere Südform (5 42—43, © 45mm), deren 
Unterseite besonders in Serien einen gelblichen Schimmer zeigt, 
hat auf der Vflunterseite oft nur 4 statt 5 Ozellen, deren grau- 
glänzende Umrahmung oft zwischen Ozellus 2 und 3 gebrochen 
ist, während die meist vollzähligen 5 Ozellen der Nordstücke 
alle in einem gemeinsamen Rahmen stehen, Beim 9 bestehen 
die gleichen Unterschiede, nur befinden sich anscheinend die 
Nordweibchen bezüglich der Vflozellen in einer regressiven Evo- 
lution, da sie meist nur 4 Ozellen und die gemeinsame Um- 
rahmung öfters gebrochen zeigen, natürlich mit individueller Aus- 
nahme nur für die Majorität der Exemplare giltig. Ein J aus 
Ost-Celebes (Kendari 15. IV. 06) kommt mehr mit Südstücken 
überein, zeigt aber auf beiden Flügeln die Ozellen etwas un- 
deutlich und dürfte deshalb einer dort existierenden Trockenzeit- 
form angehören. Perseus trägt in allen seinen Formen auf den 
Vfl. 5 Ozellen, von denen die 4. die größte ist, sie schlägt meist 
auf der Oberseite durch und zeigt dieser Fleck sehr konstant 
einen weißen Kern, auf dem Hfl. immer 7 Ozellen, von denen 
1,4, 5 u. 6 groß sind. Ich besitze perseus außer von Celebes 
noch von Kontinental-Indien, besonders aus dem Süden des 


— 137 — 


Kaiserreichs, eine sehr kleine Form (5 37, 243 mm), die allgemein 
unter dem Namen blasius F. geht, aus Nordost-Sumatra ebenfalls 
sehr klein (5 41, 2 44 m), dort gehört der Falter nur der Ebene 
an und ist ziemlich selten, jedenfalls viel spärlicher als die nahe- 
stehenden mineus u. horsfieldi. Von Java besitze ich nichts, doch 
kommt die Art dort nach dem Zeugnis Fruhstorfer und Piepers 
häufig vor. Pagenstecher zählt ihn in seiner Ost-Java-Liste auf. Ein 
weiterer Beweis für das Vorkommen auf Java ist die große Serie 
des Falters, die ich aus Bali besitze, welche Insel absolut von 
den gleichen Arten wie Java bewohnt ist. An den Balistücken, 
die alle mehr oder minder Zeichen einer Trockenzeitform tragen, 
fällt die Größe auf (5 45, © 52 mm); meist sind Balifalter noch 
kleiner als die an und für sich schon immer etwas kleineren 
Javaner. Die Serie ist im August und September gefangen, 
also in der Trockenzeit, sie enthält Exemplare mit gut ent- 
wickelten Ozellen und alle Übergänge zum Verschwinden dieser 
Zeichnung, außerdem ist der Außenteil der Unterseite beider 
Flügel grau aufgehellt und trägt violetten Schimmer, ähnlich den 
von Fruhstorfer beschriebenen Exemplaren aus Ost-Java, welche 
er im Seitz prasias genannt hat. In West-Borneo (Sintang) habe 
ich trotz intensiven Sammelns keine perseus erhalten, auch nicht 
aus Südost-Borneo (Bandjermasin) und Ost-Borneo (Balikpapan). 
Shelford macht ein Fragezeichen hinter die Art und sagt, er sei 
ihr in Sarawak nicht begegnet. Fruhstorfer schweigt sich be- 
züglich Borneos im Seitz völlig aus, besaß also ebenfalls kein 
perseusmaterial von dieser großen Insel. Das Nichtvorhanden- 
sein von perseus auf Borneo ist jedenfalls ein sehr auffallendes 
Faktum. Doch soll auch Doherty auf Palawan ein Stück ge- 
fangen haben. Auch Staudinger bringt in seiner immer des 
Nachlesens werten Palawanarbeit blasiusF. aus der Ausbeute des 
Dr. Platen und sagt ausdrücklich, die Ozellen der Vfl.Useite stün- 
den in einer gemeinsamen Umrahmung, während diese bei mineus 
der gleichen Insel gebrochen sei. Von Amboina u. Ceram besitze 
ich mehrere Exemplare, welche ich als echte lalassis ansprechen 
möchte (Ceram 5’ 40, © 45 mm, Amboina @ 49 mm) wegen der 
sehr lebhaft geringten Ozellen. Pagenstecher nennt von Amboina 
perseus und blasius, es kommen dort also sicher Saisonformen 
vor, Ribbe hat den Falter aber auf Ceram nicht gefangen. 
Pagenstecher u. de Niceville erwähnen auch das Vorkommen auf 
Sumbawa und Sumba, von wo ich aber kein Exemplar erhielt. 
Hagen zählt in seiner Neuguinealiste auch mineus auf, vielleicht 


— 189 = 


handelt es sich da um die vorliegende Art, da mineus nicht so 
weit nach Osten geht. Schließlich liegt mir noch eine kleine 
Serie von den Key-Inseln vor, wo nach Kühn das Tier auf Groß- 
und Klein-Key nicht häufig ist, auch diese Rasse muß zu lalassis 
gezogen werden und hat mit den Formen der kleinen Sunda- 
inseln nichts zu tun, wie Fruhstorfer meint, 


182. Mycalesis horsiieldi Moore — tessimus Fruhstorfer. 
Diese auf Sumatra, Borneo und Java überall häufig vorkommende, 
durch den großen goldgelben glänzenden, weit über den Duft- 
pinsel herausragenden, rechteckig abgestutzten Androkonienfleck 
der Hiloberseite leicht zu erkennende Art, die ich auf Sumatra 
aus dem Ei gezogen habe, ist auch auf Celebes weder im Norden 
noch im Süden selten und fliegt das ganze Jahr hindurch. Im 
Süden kommt es zur Ausbildung einer Trockenzeitform mit deutlich 
obsolet werdenden Ozellen der Hilunterseite und verschwommen 
gezeichneter Unterseite beider Flügel. Solche Stücke liegen mir 
vom September (im Höhepunkt der Trockenzeit in Maros) vor. Im 
Norden konnte ich keine Saisonunterschiede feststellen trotz einer 
großen Serie aus allen Monaten. Die von Fruhstorfer tessimus 
genannte Subspezies unserer Insel unterscheidet sich durch die 
heilgraue Unterseite beider Flügel, die scharf umrissenen Ozel- 
len (von denen 5 auf den Vfl., der 4. der größte, und 7 auf den 
Hil., der 1.,4. und 5. die größten, stehen) und die graue statt 
weißliche Mittellinie der Unterseite. Der sehr deutlich aus- 
gedrückte, immer leuchtend weiß gekernte und besonders hei 
Celebesstücken deutlich gelbgeringte Medianozellus, der 4. der 
Vfloberseite, ist allen horsfieldi-Rassen eigen. Die Ozellen 
der Hflunterseite stehen in einer leicht nach außen konvexenLinie 
und zeigen nicht die Einwärtsstellung des 5. großen Augenfleckes 
von perseus. Serien von J' aus Nord-Celebes und West-Borneo 
nebeneinandergestellt zeigen die Färbungsunterschiede sehr deut- 
lich und ergeben ein sehr verschiedenes Bild. Die 2 sind größer 
und heller, der ebenfalls sehr prominente Medianozellus der Vil- 
oberseite steht in einer quadratisch aufgehellten Zone, deren 
innere Grenze vom durchschlagenden Mittelstrich der Unterseite 
gebildet wird. Der Außenrand der Hfl. ist leicht grau aufgehellt 
und läßt die beiden dunklen Marginallinien besonders deutlich 
und reinlich hervortreten, was übrigens auch bei den Jg, 
wenn auch minder stark, zu sehen ist. Keiner der Autoren 
(außer Fruhstorfer) bringt die Art, die bei der früheren Nicht- 


— 139 — 


beachtung der sekundären Geschlechtsauszeichnungen der J'c5' 
wohl immer als mineus L. bestimmt wurde, nur Piepers ver- 
meldet zwei Exemplare von mineus, womit entweder diese Art 
oder die vorhergehende, mir unbekannte gemeint sein kann. 
Es liegen mir gespannt 19 J' u.17 2 aus Süd-, 20 5 und 7 9 
aus Nord- und 2 JS aus Ost-Celebes vor. Ich konnte keine 
deutliche Differenzen auf der Insel selbst feststellen. 


183. Mycalesis newayana Fruhstorfer, im Seitz näher be- 
schrieben und von ihrem Autor für den Celebes-Vertreter der 
sonst überall vorkommenden Art mineus_L. erklärt. Ich besitze 
das Tier nicht und kann auch in meinem großen Tütenmaterial 
bei genauester Prüfung nichts finden, was ich dafür halten könnte. 
Der komische Zustand, daß ich als Entdecker des Falters zu 
gelten habe, den ich weder kenne noch besitze, kann nur so 
aufgeklärt werden, daß der Autor, als er mich im Jahre 1907, 
kurz nach meiner Rückkehr aus Celebes besuchte, bei Durch- 
sicht meines in Makassar gesammelten Materials den oder die 
ihm auffallenden Falter an sich nahm und zum Zwecke größe- 
rer Vollständigkeit des Seitz'schen Werkes sofort beschrieb, da 
es wohl längere Zeit gedauert hätte, bis ich zu einer Beschrei- 
bung gekommen wäre. So brachte mir die betreffende Lieferung 
des Seitz die angenehme Überraschung der neuen Art, über die 
ich aber, ohne die in Nizza befindliche Sammlung Fruhstorfers 
gesehen zu haben, nichts Weiteres sagen kann. 


184. Mycalesis orseis Hewitson — subspecies? Doherty 
soll auf Celebes, als er für den Amerikaner Holland sammelte, 
diese Art, die auf Sumatra und Borneo sehr gewöhnlich ist, 
aber auf Java fehlt, gefunden haben. Die betreffenden Stücke 
müßten in der Sammlung Hollands zu finden sein, der in seiner 
Celebesliste Mycalesis nautilus Butler, das ist der Name für die 
Form der malayischen Halbinsel von orseis, anführt. Mir leider 
in natura unbekannt, da ich die Art weder im Süden noch 
im Norden der Insel feststellen konnte. Kommt auf Celebes 
wirklich eine orseisrasse vor, so ist sie ein weiterer, starker 
Beweis für den absolut indischen Charakter der Fauna unse- 
rer Insel. 

Es erübrigen nun nur noch die Celebes eigentümlichen 
ziemlich zahlreichen gelben Arten, bei welchen es oft schwer 
zu sagen ist, ob eine Spezies oder Subspezies vorliegt. Sie 


ar 


gehören in das Moore’sche Subgenus Lohora und haben sowohl 
Fruhstorfer als auch de Niceville so imponiert, daß Beide Genus- 
namen dafür schufen. Fruhstorfer hat in der Stettiner entomol. 
Zeitung 1898 pag. 263 das Subgenus Celebina und de Niceville 
für die gleichen Formen den gener. Namen Phycona aulgestellt. 
Die Beschreibungen von Hewitson und Felder sind wiederum 
von wenig Wert, da sie die sekundären Geschlechtsmerkmale 
der Jg nicht genügend berücksichtigen, die Hopifer in seiner 
Diagnose der pandaea nicht übersehen hat; das Material in Europa 
ist in den meisten Fällen ein völlig ungenügendes und von keiner 
Art ist die Ausdehnung des Verbreitungsgebietes auf der Insel 
bekannt. 

Ich gebe deshalb im Folgenden nur das Resultat meiner 
Sammeltätigkeit, soweit ich es mit der bestehenden Nomenklatur 
in Einklang bringen kann und unter Berücksichtigung meiner 
persönlichen Eindrücke. 


Fruhstorfer zieht dinon und dexamenus, beide von Hewitson 
beschrieben, und seine transiens z.B. zu einer Spezies zusam- 
men, das kann vielleicht für dinon und dexamenus angehen, er- 
scheint mir aber untunlich für die im gleichen Fluggebiete und 
zu gleicher Zeit mit dexamenus vorkommende fransiens. Ent- 
scheidung kann nur ein Sammler bringen, der Celebes in Sta- 
tionen von Süden nach Norden bearbeitet und feststellt, wo 
dinon verschwindet und wo dexamenus erscheint und welche 
Formen im Grenzgebiete fliegen — eine fürwahr interessante 
aber schwierige Aufgabe. 


185. Mycalesis dinon Hewitson, die einzige gelbe Art, die 
ich im Süden erbeutete und die dort das ganze Jahr hindurch 
an allen meinen Fangplätzen im Hinterlande Makassars sehr 
häufig war. Mir liegen gespannt 17 Z' und 14 9 vor und mein 
Tütenmaterial war ein sehr umfangreiches. Holland, Piepers 
und Rothschild melden die Art, letzterer erhielt 36 Exemplare, 
Piepers nennt sie sehr häufig bei Bonthain und im niedrigen 
Gebirge und bestimmte sie Snellen als dexamenus Hew., ein be- 
greiflicher Irrtum, da Hewitson das dinonQ unter dem Namen 
dexamenus abbildete. Hollands Stücke sind 50 Meilen nördlich 
von Makassar gefangen, so weit geht die Art also sicher nach 
Norden, mehr wissen wir aber nicht, in Mamudja sah ich keine 
gelbe Mycalesis, da ich nur an der Küste sammelte und die 
gelben Arten alle höhere Lagen bewohnen. Hewitsons Beschrei- 


— 14 — 


bung ist wie immer ziemlich dürftig, seine Typen stammen aus 
Makassar, wo sie wohl Wallace gefangen hat, er bildete die 
Unterseite eines 5 ab, was aus dem Verlaufe der beiden Sub- 
marginallinien der Hilunterseite deutlich hervorgeht, der breite 
proximale gelbe halbmondförmige Hof der unteren Ozelle des 
Vfl. kommt deutlich zum Ausdruck. Auf der IIL Mycalesistafel 
hat er ein © gut dargestellt, das er damals für eine Varietät von 
dexamenus hielt. Das Hauptkriterium des Falters ist das vor 
dem schwarzen Apex stehende hellgelbe, von der Kosta gegen 
den Tornus hinziehende breite Band. Das 5 zeigt auf der 
Hfloberseite an der Basis der Zelle einen schmalen dunklen 
braunen Haarpinsel, auf der Unterseite des Vfl. ober- und 
unterhalb des aufgeblasenen Basalteiles der Submediane eine 
glatte Reibefläche mit einer höchst undeutlich napfartigen Ver- 
tiefung. Andere Geheimnisse kann mein Glas den Flügeln nicht 
entlocken. 


186. Mycalesis dexamenus Hewitson. Was ich aus der 
Häufigkeit des Vorkommens für diese Art halten muß, stimmt 
oberseits nicht ganz mit der Beschreibung Hewitsons überein, 
während die Unterseite beider Geschlechter — Hewitson hat sie 
beide auf der II. Mycalesistafel sehr deutlich abgebildet — sich 
mit den Bildern des Autors deckt. Die Oberseite meiner zahl- 
reichen Stücke, 20 5, 4 ©, aus höheren Lagen (Pekawa, Kolawi 
und Pasangkaya) aus fast allen Monaten des Jahres ist sehr 
dunkel von einem rötlich überhauchten Schwarzbraun, aber 
Fruhstorfer sagt im Seitz ausdrücklich, daß seine Stücke aus 
Tolitoli bereits einen wesentlich dunkleren Eindruck machen 
und daß solche von der Insel Lombok noch düsterer oberseits 
tief braunrot gefärbt erscheinen. Ich halte es deshalb wahr- 
scheinlich, daß meine noch weit südlicher als Tolitoli und alle 
in höheren Lagen erbeuteten Stücke eine alpine melanotische 
Varietät darstellen, deren Unterseite aber mit der aus Tondana, 
- Minahassa stammenden Type völlig übereinstimmt. Die dunkelsten 
Stücke stammen von der gebirgigen Westküste aus Pasangkaya. 
Das trägt auf der Hiloberseite an der Basis der Zelle einen 
fast schwarzen Haarpinsel, der nach vorne und aufwärts gestellt 
erscheint, Die Hilunterseite zeigt gleiches Verhalten wie bei dinon. 
Es ist also wohl anzunehmen, daß wie bei mehreren anderen 
Arten die bei Menado und in der Minahassa, also im äußersten 
Norden der Insel fliegende typische dexamenus sich wesentlich 


— ıı) — 


von den viel dunkleren Formen des Südens unterscheidet. Auch 
hier wäre die Grenze der beiden Färbungsvarietäten festzustellen 
und eventuelle Übergangsformen. 


187. Mycalesis ophthalmicus Westwood (Trans. Entom. 
Soc. of London 1888 pag. 473), von ihrem Autor für eine Cupha 
(Messaras) gehalten, trotz der nur auf eine Satyride zu deutenden 
großen Ozellen der Flügelunterseite. Entdeckt auf der Insel 
Talisse an der Nordspitze von Celebes durch Dr. Sydney Hickson 
im September 1885, der sich auf dieser kleinen Adjacentinsel 
zum Studium der Korallen aufhielt. Die lateinische Diagnose ist 
deutlich, erwähnt aber nichts vom Geschlechte der Type und 
den sekundären Geschlechtsauszeichnungen des J. Ein solches 
lag aber entsprechend der sehr guten Abbildung als Type vor, 
welche deutlich die äußere Submarginallinie der Hflunterseite 
gerade, ohne Eingehen auf das Zickzack der inneren verlaufen 
läßt. Flügelspannung 2'/, Zoll. Es handelt sich bei dieser Art 
um ein viel helleres, ebenfalls in allen Monaten des Jahres 
fliegendes, nur höhere Lagen bewohnendes Tier, von dem 
mir gespannt noch 10 / und 9 2 vorliegen, sämtlich aus der 
Pekawa und aus dem mehr südlich gelegenen Berglande Kolawi. 
Die Exemplare von letzterer Örtlichkeit sind ober- und unter- 
seits deutlich heller gefärbt als die hochalpinen Pekawastücke. 
Die Grundfarbe ist ein helles Gelbbraun und der vor dem 
breit schwarzen Apex stehende mediane Ozellus fällt mehr 
ins Auge, wie er das bei den beiden schon besprochenen Arten 
tut, besonders bei den nahezu hellgelben @ aus Kolawi steht 
er frei im gelben Gebiete. Das 5 trägt auf der Hiloberseite 
an der Basis der Zelle einen braunen nach oben und aufwärts 
gerichteten Haarpinsel, Vflunterseite wie bei der schon be- 
sprochenen Art. 


188. Mycalesis transiens Fruhstorfer, jedenfalls eine eigene 
gute Art und nicht als Subspecies zu dexamenus zu stellen, mit 
der er das gleiche Gebiet bewohnt und zu gleicher Zeit fliegt, - 
aber die Ebene vorzuziehen scheint: Kalawara, Sidondo (hier 
sehr häufig im August), Sibowi (Februar). Fruhstorfers Exem- 
plare sind von Doherty im August und September bei Donggala 
und Paraya gesammelt, mehr @ wie 5, was auch bei meinem 
Material (5 /, 13 2) zum Ausdruck kommt. Die Originalbe- 
schreibung ist nur ein Vergleich mit dinon und dexamenus, denen 
iransiens dem letzteren auf der Oberseite, dem ersteren auf der 


— 1143 — 


Unterseite gleicht. Eine exakte Diagnose fehlt, daher finden wir 
in der sicher höchst wertvollen Fruhstorfer'schen Monographie 
über das Genus Mycalesis (Verhandl. der k.k. zoolog. botan. Ge- 
sellschaft Wien 1908) eine gute, unkolorierte Abbildung der Unter- 
seite und im Seitz auf Taf. 91e eine ebenfalls deutliche gefärbte 
der Oberseite, fransiens ist von dexamenus und dinon weit ver- 
schieden durch rundlichere, breitere Flügelkontur, sehr deutliche 
Ozellen der Oberseite, beim Weibchen immer zwei auf den Vfl., 
was bei keiner anderen gelben Celebesmycalesis vorkommt, 
deutlicheres Durchschlagen der Ozellen nach oben auf den HIl., 
einem eigentümlich sehr auffallenden rotvioletten Hauch oder 
Schimmer über beiden Flügeln und leicht aufgehellter Randzone 
beider Flügel, die auch auf der Oberseite die Submarginallinie 
deutlich hervortreten läßt. Mit einem Worte eine eigene gute 
Art, wenn auch die Flügelunterseite sehr mit dinon überein- 
stimmt, aber auch hier gibt Fruhstorfer Unterscheidungsmerkmale 
an. Man könnte an eine Zeitform denken, da fransiens von 
Doherty und mir übereinstimmender Weise hauptsächlich im 
August gefangen wurde, aber dexamenus fliegt zu gleicher Zeit 
ebenfalls. Vielleicht gehört transiens nur der Ebene an, und ist 
dexamenus eine alpine Form. Nur größeres Material und ge- 
nauere Beobachtung an Ort und Stelle werden volle Klarheit 
schaffen können. Mein gespanntes Material, 5 S und 13 9, 
stammt aus den Monaten 2, 8,9,10,11 u.12. Aus dem Gebirge 
der Pekawa liegen mir 4 sehr dunkle 5 u. 2 von 9,10, 11 u. 12 
vor, die ich zu transiens ziehen muß, die aber wegen ihrer 
stark melanotischen Grundfarbe eine Benennung verdienen und 
obscurata heißen sollen. Sie stellen einen gewissen Über- 
gang zu Type dexamenus dar, sind aber unterseits noch be- 
deutend heller. Auch in dieser Art unterscheiden sich die 
Geschlechter deutlich durch das Verhalten der beiden Sub- 
marginallinien der Hilunterseite.. Der gelbe innere Hof der 
unteren Vflozelle auf der Unterseite weniger breit (4:2 mm) 
als bei dinon, bei dexamenus wird er noch schmäler und nimmt 
einen violetten Ton an. 


189a. Mycalesis haasei Röber, gehört nach ihrem ganzen 
Typus noch zur Dinongruppe, ist aber schon ziemlich verschie- 
den, vor allem durch die völlig andere Form der schwarzen 
Begrenzung der Vfloberseite;; diese geht, im äußeren Viertel der 
Costa beginnend, allmählich schmäler werdend zum Analwinkel, 


— 144 — 


ist nach innen nahezu gerade abgeschnitten und läßt die Costa 
viel weiter frei als das bei allen anderen gelben Arten der Fall 
ist, steht also zur Körperachse parallel. Auf der Vflunterseite 
befindet sich nur der apikale Ozellus, der anale fehlt, ist aber 
bei einigen © durch eine sehr kleine Ozelle angedeutet, . wie das 
Röber angibt und wie es auch das uns vorliegende 2 zeigt. 
Die Männchenauszeichnung auf der Hfloberseite besteht wie bei 
dinon in einem dunkelbraunen Haarpinsel. Röbers Original- 
diagnose (Iris No. 4, 1887, pag. 193) ist deutlich und ausführlich, 
die unkolorierte Abbildung aber leider so dunkel, daß sie zur 
Erkennung der Art nichts beiträgt. Von H. Kühn auf Bangkai 
der nördöstlichen Halbinsel von Celebes entdeckt. Es liegt mir 
ein Pärchen aus Kühn’s Originalausbeute vor, das ich vor Jahren 
von Herrn Ribbe erhielt. 


189b. Mycalesis unipupillata Fruhst., von ihrem Autor 
nach einem vom Dresdener Museum, aus Tonkean (Ost-Celebes) 
stammenden © beschrieben (Stett. entom. Zeitung 1898, p. 265), 
wird in der sehr ungenügenden Originalbeschreibung als Sub- 
spezies zu dinon gezogen, hat auf der Vflunterseite auch nur 
den apikalen Ozellus und ist’ bedeutend heller als haasei. In 
seiner Monographie zieht Fruhstorfer das Tier als Subspezies 
zu haasei und sagt, die Oberseite zeige große Ähnlichkeit mit 
ophthalmicus. Im Seitz läßt er es an dieser Stelle und gibt eine 
in der Färbung offenbar mißlungene Abbildung der Unterseite. 
Ich kann über das mir in natura unbekannte Tier nichts aus- 
sagen. 


190. Mycaelesis deianira Hewitson, die sich hauptsächlich 
durch den Verlauf der inneren Submarginallinie der Vflunterseite 
unterscheidet, wie das auf des Autors Unterseitenbild deutlich 
zu sehen ist. Diese Art habe ich nicht gefangen. Auch Fruh- 
storfer scheint nach den Besprechungen im Seitz kein Material 
besessen zu haben und gibt als bisher einzig bekannten Fund- 
ort die Minahassa an. In der Monographie hat er die Art mit 
der Hopffer'schen pandaea zusammengeworfen, die aber zu der 
folgenden Gruppe gehört und die von Hopffer sehr ausführlich 
und abtuend beschrieben ist. Er vermeldet hier S und 9 aus 
Tondano (der Sammler wird nicht genannt) in seinem Besitze, 
Eigentlich muß die Art, wenn sie besteht und die Hewitson’- 
sche Type nicht eine individuelle Aberration darstellt, dora 
Hewitson heißen, da er sie 3 Seiten später so umtaufte, weil 


— a) —= 


auf dem europäischen Kontinente gegen den Namen deianira 
wegen Verwechslung mit Epinephele dejanira Beschwerde erhoben 
wurde. 


Man befindet sich mit diesen gelben Arten auf glattem schwie- 
rigen Terrain, auf dem das letzte Wort noch nicht gesprochen 
ist und ich bin weit davon entfernt zu glauben, mit meinen 
bisherigen Ausführungen Klarheit geschaffen zu haben. Der 
spätere Besitzer meiner Sammlung wird aus der Art der Ein- 
ordnung meine Ansicht deutlich erkennen können. Möge es ein 
auf der Insel selbst tätiger Entomologe sein! 


Die nun folgenden Arten führen alle auf der Oberseite des 
Vfl. unter der Submediane einen aus einer häutigen Tasche 
hervorragenden Haarpinsel. Es sind das die Arten, die Fruh- 
storfer unter dem Subgenus Celebina vereinigen wollte. Sie 
zerfallen wieder in zwei Abteilungen, solche mit zwei und solche 
mit nur einer der apikalen Ozellen der Vflunterseite, 


191. Mycalesis pandaea Hopffer, von ihrem Autor, wie 
schon oben gesagt, sehr genau und ausführlich und unverkenn- 
bar von der Minahassa nach nur einem 5 Stücke beschrieben. 
Diese Beschreibung paßt ganz auf die Jo Stücke, die mir aus. 
dem Palujahre vorliegen. Auch die Vfllänge von 29 mm stimmt 
völlig mit meinen Exemplaren, von denen eines aus Rion an der 
Westküste jenseits der das Palutal begleitenden Bergkette vom 
VII 12 stammen. Fruhstorfer hat in seiner Monographie pan- 
daea mit deianira Hew. zusammengeworfen und deshalb offenbar 
die Hopfter'sche Beschreibung nicht genau gelesen, in der es 
ausdrücklich heißt „in der Mitte des Innenrandes befindet sich 
unterhalb der Submediane eine kleine, häutige Tasche, welche 
einen Büschel von schwarzen Haaren einschließt“. Von deianira 
ist aber nichts bekannt von einem Haarpinsel auf der Oberseite 
der Vfl. pandaea trägt auf der Hiloberseite an bekannter Stelle 
ein stark braunschwarzes Haarbüschel, doppelt so stark wie bei 
dinon und Verwandten, es entspringt an der Basis der Zelle 
und legt sich über einen kleinen schwarzen Androkoniennapf. 
Aus Tolitoli hat Fruhstorfer eine Subspezies deianirina beschrie- 
ben, es wäre möglich, daß meine 3 Stücke näher dieser Form 
stünden, von der ihr Autor sagt, der Vil. sei dunkler, was bei 
meinen Stücken sehr ins Auge fällt. Warum aber Fruhstorfer 
ausdrücklich erwähnt, Hfl. mit 4 anstatt 3 Ozellen, ist mir nicht 
klar, ein vierter acessorischer Ozellus zwischen oberstem kostalen 


— 146 — 


und mittlerem medianen findet sich oft, und ist sein Auftreten 
eine rein individuelle Erscheinung. 

Nun besitze ich aber mit den gleichen männlichen sekun- 
dären Geschlechtsauszeichnungen noch zwei weitere Formen, 
die bei keiner der bisher beschriebenen Arten unterzubringen 
sind. Ich muß sie deshalb hier aufzählen und benennen. Beide 
haben auf der Vflunterseite 2 Ozellen. 


192. Mycalesis decipiens spec.nov., etwas kleiner und 
spitzflügeliger als dexamenus, der sie in der Oberseitenfärbung 
fast ganz gleicht, womit ich meine sehr dunklen Stücke der 
letzteren Art im Auge habe, aber unterhalb der Submediane die 
häutige Tasche mit einer länglichen Bürste oder Kamm von sehr 
dunkelbraunen Haaren. Der große Medianozellus der Vflunter- 
seite oberseits kaum angedeutet durch eine dunkle und nur 
mühsam zu erkennende, aus dem schwarzen Flügelrand hervor- 
tretende Makel; Grundfarbe aber frischer, leuchtender, nicht so 
matt und bewölkt wie bei dexamenus. Die Unterseite beider 
Flügel sehr dunkel schwarzbraun, viel dunkler als bei den 
dunkelsten dexamenus, auf den Vil. zwei, auf den Hil. vier 
Augenflecke, der untere des Vfl. sehr groß, 2. und 4. des Hfl. 
sehr klein, 2 fehlt bei dexamenus auch bei den © immer. Die 
Ozellen sind leuchtend weiß gekernt, haben eine tiefschwarze 
Pupille, auf welche ein dunkelbraungelber, dann ein etwas 
schwarzbrauner, zuletzt ein schön grauvioletter Ring folgt, die- 
ser ist von außen von der auffallend gerade verlaufenden, nur 
schwach gewellten inneren Submarginallinie und nach innen von 
einem dunkelbraunen, in 4 Halbmonde zu teilenden Bande ein- 
geschlossen, welches zwischen den großen Ozellen mit einer 
nasenförmigen, leicht nach abwärts gerichteten Spitze gegen die 
Randzeichnung vordringt, den kleinen, unbedeutenden zweiten 
Ozellus aber nicht erreicht. Basale Flügelhälfte dunkel rotbraun, 
gegen den Analrand des Hil. etwas heller. Die schon erwähnte 
innere der beiden schwarzbraunen Submarginallinien dringt auf 
dem obersten Medianaste mit einer Spitze zwischen den beiden 
Ozellen ein. Terminallinie und Cilien schwarz (letztere bei dexa- 
menus deutlich gelb). Auf der Hfloberseite derselben kleine 
Haarbüschel wie bei allen schon besprochenen Arten. Flügel- 
spannung 49—50 mm. Nach 2 J aus der Pekawa vom 30. No- 
vember 1912. Abdomen dunkelbraun, unterseits heller; Fühler 
schwarzbraun ohne die gelbe Spitze von dexamenus. 


— 147 — 


193. Mycalesis imitatrix spec. nov., leider nur nach einem 
&ä von Rion (NW.-C.) an der Westküste im August 1912. Wie 
der eben beschriebene decipiens sehr ähnlich mit dexamenus ist, 
so gleicht diese Art ungemein dem ophthalmicus Westwood, aber 
unverkennbar trägt sie auf der Vfloberseite unterhalb der Sub- 
mediane die Tasche mit einem braunen Haarkamm, und der 
Flügelschnitt ist spitz wie bei decipiens. Vfl, hell gelbbraun mit 
breitschwarzem Apex und Außenrand, Kostalrand nur in der 
äußeren Hälfte schwarz. Das untere Auge des Vil. oberseits 
sehr deutlich als runder schwarzer Fleck in gelbbrauner Grund- 
farbe, nur schwach mit dem schwarzen Außenrand verbunden. 
Hfl. dunkler, breit schwarz gesäumt, welcher Saum ohne scharfe 
Grenze allmählich in die dunkelbraune Grundfarbe übergeht, 
Analrand durch Behaarung leicht grüngrau erscheinend. Der Hil. 
von ophthalmicus durchaus viel heller. Unterseite beiderFlügel viel 
dunkler als bei ophthalmicus. Auf den Vfl. zwei, auf den Hil. drei 
Augenflecke, der untere des Vil. der größte, der 3. anale des 
Hfl. sehr klein. Ausstattung der Ozellen ungefähr wie bei 
decipiens, der gelbe und violette Ring beide etwas heller, die 
halbmondförmige Einfassung der Ringe nach innen schmäler, 
gerader und dunkler. Die innere Submarginallinie sehr gerade, 
auf den Hfl, sehr dick, Zentrum der Basis der Vfl. leuchtend 
rotbraun aufgehellt. Auf der Hfloberseite der bekannte Haar- 
 pinsel in ziemlich kleiner Ausführung. Abdomen oberseits schwarz- 
braun, unterseits heller, Fühler gleichfärbig schwärzlich, während 
ophthalmicus deutlich eine gelbe Spitze zeigt. Flügelspannung 
52 mm. 

Es ist sehr auffallend, daß wir in den beiden soeben be- 
schriebenen Arten sehr seltene Nachahmer zu den beiden 
gemeinen Arten dexamenus und ophthalmicus erkennen müssen, 
welche aber durch Flügelschnitt und eine andere Männchen- 
auszeichnung sicher gut verschieden sind. Man darf in dieser 
Erscheinung ein zoologisches Rätsel erblicken, dessen Lösung 
erst gelingen kann, wenn das Wesen des Mimikry eine rest- 
lose wissenschaftliche Erklärung gefunden hat, 

Es folgt nun noch eine Art aus dem Süden der Insel, 
welche auf der Vflunterseite auch nur einen Ozellus, den api- 
kalen, besitzt und auf der Vfloberseite unterhalb der Submediana 
die Haarbürste führt. Sie mag als sehr seltene Art zu dinon 
von Süd-Celebes im gleichen Verhältnisse stehen wie meine 
decipiens und imitatrix zu dexamenus und ophthalmicus. 


— 148 — 


194. Mycalesis erna Fruhstorfer, in der Stettin. entomol, 
Zeit. 1898, pag. 284 beschrieben und von ihrem Autor in nur 
einem g' Stücke am Pik von Bonthain in einer Höhe von 5000 Fuß 
im Februar 1896 auf einem Baumblatte sitzend gefangen, mir 
leider in natura nicht bekannt und nur durch eine Reise nach 
Nizza, wo sich Fruhst. Sammlung befindet, zu kontrollieren. Vil.- 
länge 29 mm, das wäre das gleiche Ausmaß wie bei pandaea. 
Die Unterseite hat Fruhstorfer in seiner Monographie unkoloriert, 
aber sehr deutlich zur bildlichen Darstellung gebracht. 


Im Jahre 1895 habe ich in der Iris bei Gelegenheit einer 
Aufzählung der Sumatra-Satyriden vorgeschlagen, das Subgenus 
Orsotriaena Wallengrens mit vollem Genuswerte gebrauchen zu 
wollen. Es freut mich, mit meinem Vorschlage Erfolg gehabt zu 
haben, denn sowohl im Seitz’schen Werke als auch in Bing- 
ham (The fauna of British Indien Butterflies Vol. I 1905, pag. 69) 
wird Orsotriaena als eigenes Genus geführt. Es war mir da- 
mals nur die eine Spezies medus F. bekannt, und monotypische 
Genera sind immer eine etwas zweifelhafte Sache, entweder 
enthalten sie Formen, welche wir nur bei unserer Unkenntnis 
der Genitalien und der Larvenstände zu einer Art vereinigen 
oder aber sie gehören in ein nahestehendes Genus, von dem 
wir sie bisher ebenfalls aus Unkenntnis der obengenannten Ver- 
hältnisse ferngehalten haben. Ich kannte damals nur die eine 
Art medus und hatte keine Ahnung, daß auf Celebes eine zweite 
sehr distinkte Orso/riaena mit medus zusammentliegt. Diese 
Kenntnis wurde mir erst, als ich bei Makassar jopas mit eige- 
nen Händen dem Netze entnahm. Beschreibung und Bild dieser 
Art durch Hewitson war mir völlig entgangen. Hätte ich im 
Jahre 1895 schon die Existenz von jopas gekannt, so wäre ich 
noch energischer für das Genus Orsotriaena eingetreten. 


195. Orsotriaena medus Fabricius — licium Fruhstorfer. 
Auf der ganzen Insel im Norden und Süden gemein, wie über- 
all in dem enorm weiten Fluggebiet der Art, die aber an süd- 
liche Breiten gebunden ist und nirgends nach Norden sich ver- 
breitet hate. Warum Fruhstorfer für den Subspeziesnamen 
eine Neutrumendung gebraucht hat, ist mir nicht ersichtlich, es 
müßten denn die gleichen Gründe, wie bei opaculus (No. 180) 
die Schuld tragen. Es liegen mir große Serien aus Süd-, Nord- 
und Ost-Celebes vor. Die Unterseite der Süd- und Oststücke 
(Kendari, das sehr südlich liegt) zeigt einen leichten rötlichen 


— 149 — 


Schimmer und ist deshalb etwas heller als die unterseits gleich- 
mäßig braunen Exemplare des Nordens. Es ist aber dieser 
subtile Unterschied nur bei Betrachtung von Serien deutlich 
wahrzunehmen. Die Celebesrasse ist klein, die weiße Mittel- 
linie der Unterseite fadendünn, schlägt beim 5 oberseits nie- 
mals durch, die Ozellen sind sehr konstant, zeigen niemals kleine 
Nebenaugen, wie das bei vielen Mycalesis oft der Fall ist, und 
die analen beider Flügel sind die größten, der apikale des Hil. 
der kleinste. Das 9 ist heller und größer, die Mittellinie schlägt 
schwächlich durch, und es fehlen die Sexualauszeichnungen, die 
das 5 auf beiden Flügeln oberseits trägt. Fliegt das ganze Jahr 
hindurch, meidet aber höhere Lagen. Den Namen licium hat 
Fruhstorfer auf die fadendünne Mittellinie basiert, und zieht er die 
Rassen aller Inseln von Celebes bis inclusive Neu-Guinea unter 
dieser Benennung zusammen. Alle Autoren erwähnen die Art, 
Piepers unter dem Namen hesione Cr. Rothschild hat nur drei 
Exemplare erhalten, offenbar wollte Doherty nur die Anwesen- 
heit des Falters auf Celebes bestätigen. 


196. Orsotriaena jopas Hewitson, wie medus im Norden 
und Süden der Insel häufig, ist aber außer in der Ebene auch 
in höheren Lagen heimisch, noch auf 4—5000 Fuß in den 
Bergen um Palu gefangen. Die Originalbeschreibung ist außer- 
gewöhnlich dürftig, kein Wort von den Sexualauszeichnungen 
auf beiden Flügeln, als Heimat nur die unbrauchbare Angabe 
„Ostindien“. Flügelspannung 2°/,, Zoll, dieses Maß und die gute 
- dunkel gehaltene Abbildung der Unterseite ließen wohl Fruh- 
storfer sicher mit Berechtigung annehmen, daß Hewitsons Type 
aus dem Norden der Insel stammt. Hewitson erkennt die nahe 
Verwandtschaft mit medus und läßt sich zu der wenig Scharf- 
blick verratenden Äußerung verleiten, es handle sich wahrschein- 
lich nur um eine Varietät dieser Art, ein schwerer Lapsus für 
den Autor so vieler neuer Arten, Die Nordfiorm ist bedeutend 
größer und dunkler auf beiden Seiten, andere Unterschiede be- 
stehen nicht; die kleinere und hellere Südform hat Fruhstorfer 
im Seitz mit dem Namen mendice belegt. Er sagt „von Sep- 
tember bis Dezember auftretend”, was mit der Zeit seines Ma- 
kassaraufenthaltes zusammenfällt, aber den Leser zu falschen 
Schlußfolgerungen verleiten könnte. Das Tier fliegt im Süden 
und Norden der Insel das ganze Jahr hindurch. Wie bei medus 
sind bei jopas die Ozellen der Unterseite von größter Beständig- 


— 4150 


keit und kommen keine überzähligen Nebenaugen im Gegensatze 
zu den echten Mycalesis vor. Der Vfl. trägt 4 Ozellen, von denen 
der vierte, hinterste der größte ist, der Hil. 5, von denen der 
2. und 5. durch Größe hervorragen. Der dritte Ozellus des VÄl, 
ist stets nach einwärts verschoben, was aber auf der Abbildung 
Hewitsons nicht zum Ausdrucke gelangt ist. Das © ist wie bei 
medus größer und heller, lichtgrau gefärbt. Saisonformen be- 
stehen nicht. Alle Autoren erwähnen den Falter. Es sei hier noch- 
mals betont, daß im indo-mal, Gebiete nur die Insel Celebes zwei 
gute nebeneinanderfliegende Arten aus dem Genus Orsotriaena 
aufweisen kann. jopas J 49mm, % 55 m; mendice 3' 45 mm, 
Q 48 mm. 


Das nun folgende Genus Melanitis, das auf mich stets einen 
ausgesucht primitiven, archaischen Eindruck macht, ist auf Celebes 
reicher vertreten als auf dem Festlande Asien und den west- 
lichen Inselkontinenten, die sämtlich nur 3 Arten beherbergen, 
während wir nun vier aufzählen können. Neben den zwei im 
ganzen indo-malayischen Gebiete ubiquitären Arten treten zwei 
neue völlig endemische Formen auf, welche nach den bisherigen 
Sammelresultaten als selten in ihrem Fluggebiete bezeichnet 
werden müssen und die vielleicht einen gewissen Übergang zu 
den färbigen Formen des Papuagebietes darstellen. Während 
sich die beiden ersteren unter den artbildenden Einflüssen der 
Insel nur wenig differenziert haben, stehen die beiden letzteren 
in Färbung und Zeichnung und durch die große Verschiedenheit 
des Geschlechtes ziemlich isoliert als ein nur dem celebischen 
Faunengebiete eigenes Element. Die Papuarten zeigen keine 
so stark verschiedenen Weibchen, nur im folgenden Genus 
Bletogona finden wir ähnliche Verhältnisse. 


197. Melanitis ismene Cr. — determinata Butler — 
celebicola Martin. Auf unserer Insel, wie überall im indo-mal. 
Gebiete, eine überaus häufige und ungeheuer variable Art. 
Fruhstorfer nennt im Seitz die Celebesform obsolescens Felder, 
erstens ein Schreibfehler, da Felder nur von einer obsoleta spricht, 
zweitens aber eine völlig irrige Identifizierung, da Felder's Diag- 
nose in keiner Weise auf eine ismene-Subspezies zugepaßt wer- 
den kann, sie basiert auf einem einzigen Exemplare, das aus 
einer alten holländischen Sammlung (van der Capellen) stammt, 
und den Fundort Celebes hat Felder selbst mit einem deutlichen 
Fragezeichen versehen. Solche solitäre Stücke in holländischen 


— 151 — 


Sammlungen dürften mit großer Sicherheit zu 80—90°/, aus Java 
stammen und so ist es auch wohl hier der Fall, nur gehört das 
fragliche Exemplar gar nicht zu ismene, sondern ist deutlich ein 
Exemplar der javanischen zitenius-Form, die Moore (1857) amba- 
sara taufte, zu welchem Namen also wohl die Felder’sche ob- 
soleta (1866) als Synonym zu stellen ist. Um ganz sicher zu 
gehen, wandte ich mich an Dr. Jordan in Tring um eine Besich- 
tigung der Felder'schen Type; er hatte die große Liebenswürdig- 
keit mir ein photographisches Bild des betr. Stückes zu senden, 
das nach Zeichnung, Größe (Flügelspannung 79 mm) und Flügel- 
schnitt nur auf eine zitenius-Form bezogen werden kann. Die 
Celebes - ismene - determinata — beide Formen fliegen gleichzeitig 
das ganze Jahr hindurch auf der ganzen Insel (65 °/, determinata, 
35°/, ismene) — muß deshalb, wenn ihr Subspeziesrechte zuge- 
standen werden, einen neuen Namen empfangen, als den ich 
celebicola einführen möchte. Es liegen mir 62 gespannte Exem- 
plare vor, 28 aus Nord- und 34 aus Süd-Celebes, von denen 42 
als determinata und 20 als ismene angesprochen werden müssen. 
celebicola ist eine im männlichen Geschlechte sehr dunkle, für 
Celebes auffallend kleine Form von schwarzbrauner Grundfarbe, 
fast ohne jedes Gelb, an der Innenseite der beiden ozellenarti- 
gen, weißgekernten, schwarzumzogenen Flecken im Apikalgebiete 
der Vfloberseite. Der Flügelschnitt ist nur sehr wenig accentuiert, 
Apex des Vfl. abgerundet und Außenrand nahezu abgeschnitten, 
ohne jede Konkavität. Auch das hellere, ewas größere Weib- 
chen, welches in der großen Mehrzahl (3:1) im Determinata- 
gewande erscheint, besitzt ziemlich ausgeglichenen Flügelschnitt, 
und fällt die sichelförmige Hervorragung des Vflapex nur wenig 
auf. Die gelbe Einfassung der Vflozellen fehlt auch bei fast der 
Hälfte der Stücke und ist nur durch fahlere matte Grundfarbe an- 
gedeutet. Eine deutliche Differenzierung zwischen Süd- und Nord 
besteht nicht, nur sind die Südstücke im Allgemeinen etwas 
größer, die braune Grundfarbe der Nordweibchen hat einen grauen, 
die der Südweibchen einen gelblichen Schimmer. Die Unterseite 
aller Exemplare ist auffallend hellgrau mit dichter vertikaler 
Strichelung. Im Norden und Süden der Insel fliegen beide For- 
men in allen Monaten des Jahres zusammen und Übergänge mit 
schwach entwickelten Ozellen der Unterseite, welche ausgebleicht, 
„blind“ erscheinen und denen die schwarze Füllung völlig fehlt, 
kommen überall vor, immer aber erscheint determinata in der 
Überzahl. In Serien besehen ist celebicola von kontinentalen 


— 152 — 


und Sumatra- und Borneostücken sehr verschieden, aber die 
Java-Baliform zeigt in Färbung und Flügelschnitt schon einen 
deutlichen Übergang. In Palu habe im Juli 1912 ein @ von 
celebicola aus der Raupe gezogen, die Puppenruhe dauerte nur 
8 Tage, nähere Beschreibung und eine plumpe Zeichnung der 
Puppe findet sich in den Mitteilungen der Münchener Entom. Ge- 
sellschaft 1914 pag. 83. Mit Ausnahme von Rothschild, dem Do- 
herty die gemeine Art wohl nicht zusenden wollte, erwähnen 
alle Autoren den Falter. Hopffer hat zahlreiche Exemplare in 
mannigfaltigen Varietäten empfangen, Holland ebenso (a number 
of specimens), die er dunkler als alle Stücke aus anderen Ört- 
lichkeiten findet und deren Männchen durch sehr geraden Außen- 
rand der Vfl, auffallen. Schon Holland macht darauf aufmerksam, 
daß Felders obsoleta nicht auf diese Art gehen könne. Piepers 
nennt „Cyllo leda“ überall sehr gemein in der Umgebung Ma- 
kassars, er hat viele Stücke eingesandt, welche alle als klein, 
dunkelgefärbt und mit nur wenig Rot um die schwarzen Ozellen 
der Vfloberseite beschrieben werden. 


198. Melanitis phedima Cramer — linga Fruhstorfer und 
forma niyaga Fruhst., letztere aus dem äußersten Norden der 
Insel, aus der Minahassa, beschrieben. Diese besser unter dem 
Moore’schen Namen suyudana bekannte Art bewohnt mit ismene 
das ganze indo-malayische Gebiet, ist aber immer und überall 
etwas seltener als ismene und steht auf Celebes, wo sie schon 
sehr selten wird, unbedingt an der äußersten Ostgrenze ihres 
Vorkommens. Fruhstorfer hat völlig Recht, wenn er für die Kol- 
lektivart den Cramer’schen Namen in die ihm zugehörigen Rechte 
wieder einsetzt, denn Cramer’s Abbildungen auf Tafel 292 des 
4, Bandes sind, wenn auch etwas grob und schematisch, doch 
unverkennbar. Den Cramer’'schen Text interpretiert er im Seitz 
falsch, denn nirgends spricht der alte holländische Autor von 
einem gelblichen Anfluge der Vfloberseite, wie man das im Seitz 
lesen kann. Nach meinem Javamaterial (9 S’ und 5 ©) hat die 
Mehrzahl der Stücke im Apex des Vfl. einen kleinen weißen 
Fleck, auf welchen Cramer seine zweite Art arcensia (auf gleicher 
Tafel) begründet. Fruhstorfer vergißt auch mitzuteilen, daß schon 
Staudinger in seinem Exotenwerk auf Tafel 79 die Celebes- 
phedima als suyudana Moore (Lokalform von bela) gut und deut- 
lich abgebildet hat. Er nennt linga die habituell kleine Form 
der Ebene, welche ich weder im Süden noch im Norden der 


— 9 


Insel erhalten habe. Es liegen mir nur aus eigener Ausbeute 
zwei J', eines aus der Pekawa 3. Ill. 13 und eines aus Kolawi 
X. 12 vor, welche ich ihrem Ausmaße nach (75—76 mm Flügel- 
spannung) zur Form niyaga stellen muß, für welche er wie oben 
schon gesagt, die Minahassa als Fundort vermeldet. Beide Stücke 
stammen also aus alpinem Gebiete, zeigen den weißen Apikal- 
fleck der Vfloberseite sehr deutlich, haben die Randzone beider 
Flügel oberseits graulich aufgehellt und besitzen unterseits aul 
beiden Flügeln blinde, wenig auffallende Augenflecke. Wie bei 
vielen Elymniasarten und bei der folgenden M. velutina befindet 
sich auf der Unterseite der Vfl. vom äußeren Drittel der Kosta 
mit der Spitze bis zu den Medianästen herabziehend ein auf- 
gehelltes fein gestricheltes Dreieck. Keiner der vier so oft 
zitierten Autoren erwähnt die Art, und größeres Material wäre 
dringend erwünscht, 


199. Melanitis velutina Felder, nur 2 Exemplare aus Süd- 
Celebes bis Makassar vom 21.1V. 06. Name sehr gut gewählt, 
denn die Grundfarbe beider Flügel in Wahrheit samtartig. 
Große, 5—6 weiße Flecken im Apex des Vfl., der 4. ev.5. der 
größte, 2 im Analgebiete des Hil. sind alle unterseits weniger 
deutlich, wo am äußeren Drittel des Kostalrandes ein lilagraues 
helles Dreieck steht, dessen untere Spitze den mittleren Median- 
ast erreicht, sehr ähnlich dem Dreiecke, das an gleicher Stelle 
viele Elymniasarten tragen. Vor der Kosta ein basales und zwei 
mediane ebenfalls lilagraue Längsbänder über beide Flügel, 
welche aber nur die Mitte des Hfl. erreichen. Flügelspannung 
75—80 mm. Im Norden bei Palu nicht gefangen. Gehört sicher 
in die Phedimagruppe nach Flügelschnitt und Unterseitenzeich- 
nung. Von Ostcelebes (Tombugu) hat Röber (Iris 1887) eine nur 
wenig verschiedene Lokalform als Melanitis ribbei beschrieben 
und beide Geschlechter unkoloriert gut abgebildet. Felder hat 
die nicht zu verkennende Art nicht abgebildet, aber im Seitz 
finden sich auf Tafel 96 vorzügliche Bilder beider Geschlechter. 
Seine lateinische Diagnose stimmt gut, er kannte nur das J,, 
das von Lorquin offenbar im Norden der Insel erbeutet wurde, 
wo auch Fruhstorfer in den Strandwaldungen von Tolitoli das 9 
im XI. und XII. fing. Dieses ist auffallend heteromorph. Ober- 
und unterseits fahl gelbbraun mit schwarzem Apex, auf dem die 
gleichen weißen Punkte wie beim / stehen. Die Flügelform 
beider Geschlechter ist sehr verschieden, das © hat einen vor- 


—. a — 


gezogenen spitzen Apex des Vfl. mit stark eingeschnittenem 
Außenrande, der beim J’ fast völlig gerade verläuft, beide aber 
zeigen in hohem Grade den Celebesschwung der Kosta des VIl. 
Käme ich nochmals nach Celebes, würde ich dieser interessanten 
Spezies meine besondere Aufmerksamkeit widmen, von der nur 
sehr dürftiges Material, nur sehr wenige Exemplare in Europa 
vorhanden sind. 


Von den Autoren erwähnen Holland und Rothschild die 
sicher sehr seltene Art, ersterer erhielt 2 5 in einer Höhe von 
2000 Fuß gefangen, sonst nirgends gesehen, letzterer 35 u.19, 
welche er very rare nennt. Diese Stücke und meine beiden 5 
aus dem Süden, die vermutlich wenigen 9, die Fruhstorfer bei 
Tolitoli in Nordcelebes fing und die Stücke, die H. Kühn aus 
Tombugu im Osten der Insel und aus Bangkai heimbrachte, 
dürfte das gesamte bisher zugänglich gewordene Material dar- 
stellen. Nur die in Berlin befindliche Originalsammlung Stau- 
dingers enthält noch von Dr. Platen in der Minahassa gesammelte 
Stücke, darunter auch das ©, von dem Staudinger in seinem 
Exotenwerk sagt, es sei kastanienbraun mit breitem schwarzen 
Apikalteile, in dem 4 weiße Flecke stehen. Vom & hebt er 
den spitz ausgezogenen Apex des Vfl. und die darunter in ge- 
bogener Linie stehenden 3—5 weißen Flecken hervor, die bei 
keiner anderen Art vorkommen. 


200. Melanitis pyrrha Röber (1887) — hylecoetes Holland 
(1890). Von dieser nicht minder seltenen Art als die soeben 
besprochene liegen mir nur 4 5 aus Menado, Kalawara und 
Palolo vor, also sämtliche aus dem Norden, aus den Monaten 
April und September, aber keine J’d', welche vermutlich 
durch ihre Ähnlichkeit im Fluge mit der gewöhnlichen leda dem 
Eifer meiner Sammler entgingen. Fruhstorfer erbeutete den 
Falter im Nov. und Dez. ebenfalls im Norden bei Tolitoli. Holland 
erhielt die Typen (1 5,3 ©) aus dem nördlichen Teile der süd- 
westlichen Halbinsel, ungefähr 50 Meilen nördlich von Makassar, 
und Rothschild zeigt ein 5 und 2 @ ebenfalls aus dem Süden 
an, während H. Kühn die kaum abweichende Stammform pyrrha 
auf der der Ostküste vorgelagerten Insel Bangkai gefangen hat. 
Somit wäre anzunehmen, daß die Art die ganze Insel bewohnt. 
Röber's Beschreibung von pyrrha ex Bangkai ist in der Iris 1887 
undeutlich und ungenau, leidet ersichtlich unter stilistischen 
Schwierigkeiten, die unkolorierten Abbildungen geben keine 


— 155 — 


exakten Bilder der Art, was noch minder die in verkleinertem 
Maßstabe ausgeführten, ebenfalls farblosen Bilder Hollands tun, 
doch stimmen die beiden männlichen Bilder gut überein. Ein 
gutes koloriertes Bild des 2 der Subspezies von Batjan fin- 
det sich im Seitz. Hollands Beschreibung ist genauer und gibt 
die genaue Zahl und Lage der Querbänder der Unterseite rich- 
tig an, welche Röber völlig unrichtig vermeldet hat, obwohl die 
Abbildung keine Zweifel erlaubt. Auch in dieser Art ist das 
gelbe @ mit sichelartigem Apex des Vfl. sehr. vom dunklen 
geradilügeligen Männchen verschieden, eine spezielle Eigenart 
dieser beiden Celebesspezies. Das vorhandene höchst dürftige 
Material erlaubt mir kein Urteil, ob auf der Insel eine geogra- 
phische Differenzierung stattgefunden hat, ich glaube es kaum, 
da die Melanitis unter den Satyriden wohl die kühnsten und 
weitest ausgreifenden Flieger sind, so daß keine Isolierung 
stattfinden kann. Meine © spannen von 72—78 mm, Röber gibt 
59—61 mm beim J u. 65—74 mm beim @ an und Holland 70 mm 
resp. 75 mm. | 

Es scheint mir zweifelhaft, ob der Name Hollands zu halten 
sein wird, bei der $roßen Ähnlichkeit der Rassen vom Inselkon- 
tinente und Bangkai. Röbers Benennung hat die Priorität um 
3 Jahre. 


201. Bletogona mycalesis Felder. Genus und Art von 
Felder 1866 benannt, der die Flügelform als Grundlage für die 
Trennung der Art vom Genus Melanitis für ausreichend fand. 
Nach einem aus der alten holländischen Sammlung van der Ca- 
pellen stammenden @ unter Unkenntnis des J als dieses be- 
schrieben und ober- und unterseits abgebildet, welche Bilder 
deutlich der Südform entsprechen. Der Speziesnamen wurde 
wegen der Ähnlichkeit mit der gelben Celebesmycalesis gewählt, 
aber Felder sagt ausdrücklich, daß die Zeichnung ober- u. unter- 
seits unverkennbar die Verwandtschaft mit Melanitis verrät und 
nennt das Tier „merkwürdig". Die Entdeckung des J ist Piepers 
zu verdanken, der es im niederen Gebirge bei Bonthain fing. 
Snellen beschrieb es als Bletogona erebia. Die Beschreibung ist 
gut und genau und die Zusammengehörigkeit mit Felder's myca- 
lesis wird vermutet. 59 mm Flügelspannung. Die Abbildung läßt 
ein ziemlich abgeflogenes, ausgefärbtes Stück erkennen. Holland 
klärt den Irrtum auf und stellt die artliche Zusammengehörigkeit 
von mycalesis und erebia zweifellos fest auf Dohertys Ver- 


— 156 — 


sicherung, daß das gelbe © sicher zu dem eingesandten dunklen 
o' gehöre. Er nennt das Tier „a remarkable butterfly* und hält 
das © für eine mimetische Form, die mit den @ von Melanitis 
velutina und pyrrha, Clerome chitone, Mycalesis dinon und Cupha 
maeonides das gleiche Modell besitzt, welches er in einer Danais 
vermutet. Celebes besitzt aber meines Wissens leider keine Danais, 
die hier in Betracht kommen könnte, und müßte sich deshalb 
das mimetische Verhältnis unter den genannten Arten abspielen, 
von denen aber auch keine meines Wissens einen besonderen 
Schutzcharakter besitzt. Rothschild nennt den Falter Bletogona 
cathyrus ohne Autor und erhielt 18 Exemplare beider Geschlech- 
ter. Hopffer hat die Art nicht erhalten, die aber anscheinend 
auf der ganzen Insel vorkommt, da ich sie sowohl in Makassar 
als auch in Palu erbeutet habe, und zwar in fast allen Monaten 
des Jahres, sodaß sicher angenommen werden darf, daß auch 
von diesem relativ seltenen Falter Generation auf Generation 
ohne Pause folgt. Es wäre aber immerhin möglich, daß sie im 
äußersten Norden der Insel (Menado, Minahassa) fehlt. Es liegen 
mir 5 J und 2 2 aus Makassar und Umgebung und 6 Ju. 4 9 
aus Palu, Kalawara und Kolawi vor. Bei den Männchen läßt sich 
absolut keine Differenzierung erkennen, aber das Südweibchen 
trägt die hellgelbe Aufhellung der Vfl, wie Myc. dinon und schwä- 
cher auch Clerome chitone und ist auf den ersten Blick von den 
dunkleren einfarbig braunen mit Myc. dexamenus gleich gefärb- 
ten Nordweibchen zu unterscheiden. Letzteres darf deshalb un- 
bedenklich einen Namen erhalten und schlage ich unicolor vor. 
Fruhstorfer kannte nur die Südform, hat sie im Hinterlande von 
Makassar bei Maros im Januar beobachtet und gesammelt und 
bildet die Unterseite des 5 und Oberseite des @ ab. Es mag 
auffallend erscheinen, daß nur im östlichen Himalaya und auf 
dem so weit entfernten Celebes je eine mit Melanitis nahe ver- 
wandte Gattung vorkommt, dort Cyllogenes, hier Bletogona. Ich 
erblicke in dieser Analogie abermals einen starken Beweis für 
die einstige Zugehörigkeit der Insel zum Kontinente Da nur 
der Süden mit seinem vom Norden der Insel weit verschie- 
denen Klima bei Mycalesis dinon und chitone die hellen Formen 
besitzt, so dürften wohl für diese Erscheinung nicht Mimikry, 
sondern klimatische Einflüsse die Grundlage bilden; handelt 
es sich aber doch um Mimikry, dann muß sich diese zwischen 
unserem Falter und dinon abspielen. A remarkable butterily, 
indeed! 


te 


202. Elymnias leucocyma Godart — hewitsoni Wallace. 
Im Süden der Insel auf der westl. Halbinsel eine sehr gewöhn- 
liche, deshalb nicht minder anziehende Erscheinung, in der Stadt 
Makassar selbst häufig. Es liegen mir noch gespannt 23 / und 
13 2 aus allen Monaten vor, fliegt überall das ganze Jahr hin- 
durch in immer folgenden Generationen und zeigt hellere Trocken- 
zeitformen, welche Fruhstorfer im Seitz mit dem Namen sump- 
tuosa bezeichnet. XI. 06. Nördlicher als Tanette bisher nicht 
bekannt, in Parepare begegnete ich der Art nicht mehr. Über 
eine ex ovo Zucht auf den in Töpfen befindlichen Zierpalmen 
(Arenga) meines Hauses in Makassar ist in meiner Kritik und 
im Seitz berichtet. Als atys führt Fruhstorfer auch eine Sub- 
spezies von der Ostküste (Tombugu) auf, die aber auch bei 
Bonthain vorkommen soll, deren Unterschiede mir jedoch sehr 
geringfügig und zweifelhaft erscheinen. Ich habe diese Form 
weder in Kendari selbst gefangen noch von Paloppo und Sela- 
banka erhalten und besitze deshalb kein eigenes Urteil. Aber 
auf der Insel Saleyer fliegt eine ausgezeichnete, schon ziemlich 
weit differenzierte Subspezies meliophila Fruhst. Das Tier ist 
in den direkt am Meere gelegenen Palmenhainen das ganze Jahr 
- hindurch sehr häufig und liegt mir eine große Serie von 16 J’ und 
9 @ vor. Der Name ist leider schlecht gewählt, da Fruhstorfer 
schon eine andere Elymniassubspezies melitophila genannt hat 
und eine Vorliebe der Elymnias für Honig noch niemals beobach- 
tet wurde. Das meliophilaweibchen ist ein außergewöhn- 
lich fein gefärbter Falter, den Fruhstorfer in seiner Monographie 
leider unkoloriert abgebildet hat. leucocyma ist ober- und be- 
sonders unterseits ein gleich schönes Tier. Die Unterseite des 5° 
trägt auf der dunkel schokoladebraunen Grundfarbe reiche ziem- 
lich reinweiße Strichelung, auffallend weiße Submarginalflecke, 
3—4 auf den Vil., 5 auf dem Hfl., von denen der unterste fünfte 
oft doppelt ist; über und einwärts von diesen 5 Flecken steht 
noch ein großer ovaler, weißer Subkostalfleck, der zuerst auf- 
fällt, bei dem hellbraun gefärbten @ aber zur Submarginalserie 
als 6. Fleck zu gehören scheint. Strichelung und Flecke sind beim 
Q@ größer. Hewitson hat Godarts leucocyma nochmals beschrieben 
und abgebildet, die Abbildung mit den viel zu blau aus- 
gefallenen Augenflecken ist ziemlich schlecht, doch kann auch 
nach dem Texte der Beschreibung nur ängenommen werden, 
daß es sich um die später von Wallace hewitsoni genannte Art 
handelt. Dieser auch allein kommt einige Wahrscheinlichkeit zu, 


— 1810 — 


in schon so früher Zeit in Europa vorgelegen zu haben, da sie in 
der Stadt Makassar selbst häufig fliegt, und dort vielleicht schon An- 
fang des 19. Jahrhunderts etwas gesammelt wurde. Er vermeldet 
als Heimat nur einfach Celebes und gibt 3'/, Zoll Flügelspannung an. 
Godarts Notiz (Encycl. pag. 326) ist Wallace offenbar entgangen. 
Das 9 ist von Holland treffend beschrieben und schlecht abge- 
bildet; er hat auch den Irrtum Wallaces korrigiert, der unsere 
Art mit dem Weibchen von hicetas paaren wollte. Daß ihm das 
wirkliche © seiner Art entging, kommt mir bei der Häufigkeit des 
Falters wunderbar vor, aber er sammelte außer Lepidopteren auch 
Säugetiere, Vögel und Insekten aller anderen Ordnungen, so konnte 
er sich nicht genügend konzentrieren. hewitsoni Wallace muß also 
wohl als Synonym zu leucocyma God. gestellt werden. 


203. Elymnias mimalon Hewitson. Die zweite absolut 
sichere Art, die aber nur im äußersten Norden der Insel, Me- 
nado und Umgegend, in der Minahassa und n.westlich bis zur 
Landschaft Tumpaan vorzukommen scheint. Schon in Palu war 
keine Spur von mimalon mehr zu finden. Doch vermeldet Fruh- 
storfer geographische Subspezies sowohl von Tawaya (Central- 
Celebes VIII u. IX. Doherty) ino und aus Tolitoli XI, und XI. _ 
leucostigmata, welche mir beide unbekannt geblieben sind. Auch 
hat er eine weibliche Form nach nur einem Stücke aus der 
Minahassa unter dem Namen thyone beschrieben, welche ich 
nach der Abbildung im Seitz für ein @ einer mehr südlichen 
cumaeaform halten muß, da mir aus Palu ganz ähnliche Stücke 
vorliegen. Eine weitere weibliche Form aus Ost-Celebes (Tom- 
bugu) nennt er nysa. Er verlegte die Heimat dieser Form in 
seiner Monographie nach Süd-Celebes, wogegen ich in meiner 
Kritik aufkam, im Seitz nun korrigiert er den Irrtum und spricht 
von Ost-Celebes. Wahrscheinlich schon zuviel der Namen und 
auf völlig unsichere Formen bezogen. Typischer mimalon kommt, 
wie gesagt, nur im äußersten Norden vor, und über die Grenzen 
der einzelnen Formen und eventuelle Übergänge sind wir noch 
völlig im Unklaren. Nur spätere Sammelresultate von vielen Posten 
auf der Insel werden die Wahrheit ergeben. 

Hewitson's Originaldiagnose ist nicht zu ausführlich und 
das begleitende Bild sehr mittelmäßig, er gibt als Heimat Me- 
nado, Celebes und als Ausmaß 3°/,, Zoll. Seitzbilder zu klein 
und schlecht. Es liegen mir von der Art 12 5 und 6 9, alle 
aus Amurang und Tumpaan aus den Monaten Dezember, Januar 


— 159 — 


und Februar vor, denn nur in dieser Zeit wurde dort für mich 
gesammelt, ich bin aber überzeugt, daß mimalon wie leucocyma 
das ganze Jahr hindurch anzutreffen ist. Das 5 mit den ein- 
farbigen tiefblau erglänzenden Flügeln, welche eine schmale blaß 
silberblaue Randbinde ziert, ist ohne Zweifel im Genus Elymnias 
eine der schönsten Erscheinungen. Der tiefe, samtartige Blauglanz, 
der einen nicht zu verkennenden höchst reizvollen Stich ins Rot- 
violette zeigt, imponierte selbst dem besten Kenner der Falter- 
reize der ganzen bekannten Erde, Dr. O. Staudinger, ganz beson- 
ders. Die 5 spannen von 75—80 mm, die schmucklosen braunen, 
nur leicht blauschimmernden 9, welche eine in Flecke auigelöste 
hellblaue Submarginalbinde der Vil. tragen, 83—90 mm. Eines 
meiner Weibchen (Tumpaan I. 07) entspricht völlig der von Fruh- 
storfer nysa genannten Form. Es handelt sich also um keine geo- 
graphische Subspezies, sondern um eine im ganzen Fluggebiete 
vorkommende individuelle Aberration. Über die ersten Stände 
der interessanten Art ist leider nichts bekannt, die jedoch einem 
ernsten Sammler in Menado kaum entgehen könnten. Hopffer, der 
allein die Art erwähnt, erhielt beide Geschlechter in ziemlicher 
Anzahl, ein Beweis, daß der Falter um Menado nicht selten ist. 


204, Elymnias hicetas Wallace, ist für den Süden der Insel 
eine ebenso sichere Art wie leucocyma, neben welcher sie aber 
bedeutend seltener vorkommt; auf dem Friedhofe von Makassar 
konnte man gleichzeitig beide Arten erbeuten. Die Art hat aber 
auf der Insel eine weit ausgedehntere Verbreitung, geht an der 
Westküste bis hinauf in das Gebiet der Palubai, an der Ost- 
küste der südwestl. Halbinsel bis Paloppo, und ist an der Ost- 
küste nördlich bis Tombugu festgestellt. Sie hat sich dabei 
wenigstens im weiblichen Geschlechte deutlich differenziert. 
Die 5 aus allen diesen Gebieten sind völlig gleich und können 
nicht unterschieden werden, wenn ihnen die Etiketten genom- 
men sind. Mein Material, auf welches sich die folgenden Aus- 
führungen stützen, beträgt 14 5 und 10 @ aus dem Süden 
(Makassar und Umgebung, hauptsächlich bei Goa aus den Mo- 
naten 7, 8 u. 11), 10 5 und 5 © aus dem Osten (von Paloppo 
Juli u. August, Kendari April, und Tombugu) und schließlich 
5 u.2 © aus dem Norden aus dem Gebiete der Palubai (Palu 
April, Kalawara 1, 5, 8 und 11, Sidondo 9 und Pekawa 12). 
Trotzdem von fünf .Monaten des Jahres Belegstücke fehlen, so 
glaube ich doch, daß hicetas ebenfalls in stets folgender Gene- 


— 1002 


ration, das ganze Jahr hindurch fliegt, der Ausfall von Exem- 
plaren aus 2, 3, 6, 9 und 10 kommt wohl nur auf Rechnung 
der relativen Seltenheit der Art zu stehen. Typischer hicetas, 
wie gut und deutlich von Wallace beschrieben, besitzt in der 
Grundfarbe violettbraune ©, deren weißes Medianband der Hfl. 
nach vorne abgekürzt ist, oft schon an der untersten Radiale 
endet und niemals den Kostalrand erreicht. Die Submarginal- 
flecke des Hfl. sind beiderseits deutlich entwickelt. Von mittle- 
rer Größe, 76—84 mm. Nördlich bei Tanette und Parepare nach- 
gewiesen. Das ® der im Osten fliegenden Form, von Fruh- 
storfer hicetina genannt, hat eine gelblichbraune Grundfarbe 
ohne jeden Violettschimmer, das weiße Band ist auf beiden 
Flügeln breiter, aber weniger scharf begrenzt und geht auf den 
Hfl. fast bis zum Kostalrand. Die Submarginalflecke des Hfl. 
sind ober- und unterseits nur schwach angedeutet, meist sind 
nur die beiden untersten zu erkennen, das weiße Gebiet der 
Unterseite erscheint auf beiden Flügeln kompakt und fast band- 
förmig; sehr groß, 83—94 mm. Das bedeutend kleinere Nord- 
weibchen, 75—80 mm, hat die gleiche Größe wie das typische 
Weibchen des Südens, aber vom weißen Bande des Vfl. stehen 
nur noch vier lilabestäubte Flecke (gegen 7—8 bei Süd- und 6 bei 
Ostweibchen) und auf den Hfl. geht das Band nur bis zu den 
Radialen. Die Submarginalflecke sind wenig deutlich entwickelt, 
ähnlich wie bei der Ostform. Ich nenne diese meist melanische 
Form der Art rarior, weil sie in ihrem Fundgebiete noch be- 
deutend seltener ist als typische hicetas aus Makassar. In der 
Gegend Palu-Donggala steht die Art auch zweifellos an ihrer 
äußersten Nordgrenze, denn ich habe von nördlich gelegenen 
Orten kein Exemplar mehr erhalten, wie auch Fruhstorfer bei 
Tolitoli keine hicetasform entdecken konnte. Es treten nun 
Formen auf, welche im männlichen Geschlechte sehr mit hicetas 
übereinstimmen, deren @ aber völlig sich an die folgende Art 
cumaea anlehnen und deshalb dort besprochen werden sollen. 
Fruhstorfer erwähnt im Seitz noch eine alpine Form, am Pik von 
Bonthain im Februar und März gefangen, als bonthainensis, 
von der J' und 9 auf Tafel 89 schön bildlich dargestellt sind, 
weiter nach einem von H. Kühn im Januar in Nord-Buton ge- 
fangenen 5 die Subspezies butona, beide sind mir in natura 
leider unbekannt. Da Doherty auf der nordwestlichen Halbinsel 
von Celebes sammelte, haben Holland und Rothschild die Art 
erhalten. Ersterer hat J und ® ähnlich schlecht; verkleinert 


— ll = 


und unkoloriert abgebildet wie leucocyma und führt zur Richtig- 
stellung der @ eine briefliche Mitteilung Dohertys: „there can 
be no doubt, that the withe banded females are females of the 
dark hicefas, a point worth noting“ an. Letzterer erhielt gegen 
47 leucocyma nur 7 hicetas, was meine Beobachtung bezüglich 
der Seltenheit der Art treffend bestätigt. Die auf beiden Flügeln 
weiß gebänderten © machen hicetas als eine sehr distinkte, auf 
der Insel außergewöhnlich weit verbreitete Art immer sicher 
erkennbar, aber auch die Jg besitzen gewisse Charaktere, 
welche sie einigermaßen vom gleichen Geschlechte der anderen 
Arten, besonders aber der nun folgenden unterscheiden lassen. 
Die Einfassung beider Flügel ist hellblau mit individuell mehr 
oder weniger Beimischung von Bronzegrün, auf den Hil. bilden 
die immer vorhandenen weißen Submarginalpunkte, meist 4 an 
Zahl, mit der weißbereiften Randbinde, den weißgescheckten 
Cilien und den schwarzen Strichen über der Internervalfalte 
ein besonders reizvolles Muster. Auf der Unterseite sind die 
grauweißen Strichelungen in ihrer- Mehrzahl peripher gelegen, 
so daß ein dunkleres Mediangebiet entsteht, das am reinsten um 
den leuchtenden Subkostalfleck der Hfl. zum Ausdruck gelangt. 
Die Submarginalflecke sind unterseits länglich oval und klein und 
fallen bei der überall umgebenden Strichelung nur wenig auf. 
Bei der folgenden cumaea ist die Einfassung reinblau mit einer 
matt getönten, etwas violett angehauchten äußersten Spitze des 
Vflapex und ohne Submarginalpunkte auf den Hil.; unterseits 
sind die Strichelungen mehr bräunlichgrau statt weißgrau und 
der Vfl. zeigt ein sehr ausgesprochenes helles Subkostaldreieck. 


205. Elymnias cumaea Felder, bewohnt in typischer, der 
Felder'schen cumaea-Abbildung entsprechenden Form das glei- 
che Gebiet wie mimalon, den äußersten Norden der Insel, 
Menado und die Minahassa. Differenziert sich aber im 5° sehr 
rasch nach Westen und Süden, so daß nur noch die @ die-Zu- 
gehörigkeit zur Art erkennen lassen. Sie sind mimalon-artig, 
kleiner und heller als diese und in keiner Weise mit den ge- 
bänderten oder geaugten 2 von hicetas und leucocyma zu ver- 
wechseln, Felder’s Type soll aus Halmaheira stammen, was natür- 
lich ein Irrtum ist, da dort nur opaca Fruhst. der Nordmolukken- 
elymnias cybele Felder vorkommt, und Lorquin wird als 
Sammler genannt. Der Fall lehrt wieder, wie vorsichtig man mit 
Felder's Fundortangaben sein muß, wenn es sich nicht um Süd- 


— 12 — 


amerikaner handelt, die er direkt vom Entdecker empfing. 
Felder’s Abbildung, für lange Jahre das einzige Konterlei einer 
Celebeselymnias ist gut und zeigt deutlich den schon erwähn- 
ten mattvioletten äußersten Apex der Vfloberseite. Keiner der 
Autoren kennt die Art, was Snellen aus der Ausbeute von 
Piepers cumaea nannte, ist, wie oben schon gesagt, sicher leu- 
cocyma. Typische cumaea ist ein sehr großes Tier, 5'o' spannen 
70—80, © 75—85 mm. Es liegen mir 7 J u.6 9 von Menado 
selbst und aus der Landschaft Tumpaan vom Dezember u, Januar 
vor, in welchen Monaten dort für mich gesammelt wurde. Schon 
von Tolitoli im Westen (11, 12) und Tawaya weiter im Innern 
(8,9) beschreibt Fruhstorfer eine toliana benannte Subspezies, 
welche kleiner von Gestalt, sich schon wesentlich von typischen 
cumaea unterscheidet. Ich kenne die Form leider nicht in natura, 
aber schon im Gebiete der Palubai flog sie nicht mehr und war 
dort durch eine schon wieder anders gestaltete Rasse ersetzt, 
die ich in großen Mengen erhielt und hiermit resplendens 
benennen möchte, da sie im männlichen Geschlechte, das 
deutlich Submarginalflecke auf der Hiloberseite trägt, vielleicht 
einen Übergang zu hicetas darstellt. Vielleicht handelt es sich sogar 
um eine gute Art. Bedeutend kleiner als cumaea (5 65—75 mm, 
© 75—77 mm). Die 5 zeigen nur eine schwach blaugraue, wenig 
glänzende Randbinde beider Flügel, die ziemlich indistinkt und 
schlecht abgegrenzt erscheint, aber am Apex der Viloberseite 
matter gefärbt ist, der Diskus beider Flügel besitzt bei gewisser 
schiefer Beleuchtung einen tiefblauen Schillerglanz, von oben ge- 
sehen ist die Grundfarbe einfach blauschwarz ohne jeden Glanz. 
Auch die Randbinde zeigt bei Beleuchtungswechsel metallischen 
Blauglanz. Auf den Hfl. stehen meist 5 kleine bläulichweiße 
Submarginalflecken, von denen jedoch manchmal die vorderen 
fehlen können, sie sind auf der Unterseite immer anwesend, 
aber sehr klein und verschwinden förmlich unter der dichten 
weißgrauen Strichelung. Der Subkostalileck der Hilunterseite 
ist immer vorhanden und sehr groß, womit ausgesprochen ist, 
daß er als Zeichnungselement nicht zur Reihe der Submarginal- 
flecke gehört. Die Cilien sind weiß gescheckt wie bei hicetas, 
je ein weißer Fleck zwischen Aderapex und Internervalialte, 
die ersteren münden mit einer stumpfen zahnartigen Hervor- 
ragung, die letzteren in einer konkaven Ausbuchtung des Flügel- 
randes. Die Unterseite beider Flügel ist satt haarbraun und die 
grauweiße Strichelung dicht über die ganze Fläche verteilt, (aber 


— 163 — 


ohne Bildung eines Subkostaldreiecks wie bei cumaea), mit 
Ausnahme des Gebietes um den großen blauweißen Subkostal- 
fleck und oberhalb des Hinterrandes der Vfl., innerer Kostalrand 
leicht gestrichelt, Diese Falter stehen deutlich zwischen den von 
Süden vordringenden hicetas und den im Norden fliegenden cumaea, 
sind aber sicher mit keiner dieser Formen identisch, während 
das zu gleicher Zeit und zehr zahlreich erbeutete © sich direkt 
an das gleiche Geschlecht von cumaea anlehnt. Grundfarbe violett- 
braun mit einer blaßblauen Randbinde auf beiden Flügeln, sehr 
deutlich mit 2—3 weißlich aufgehellten Flecken unter dem Apex 
des Vfl. und am Tornus. Auf den Hfl. weißlich marmoriert um 
die verbreiterten aber undeutlich begrenzten 5 Submarginal- 
flecken, wohl Durchschlagen der Strichelung von unten. Bei 
seitlicher Beleuchtung schillert die Randbinde und auch das 
Flügelinnere schwach violettblau. Unterseite viel heller braun 
als beim 5, der Subkostalfleck sehr groß, auch die Submarginal- 
flecke oft sehr deutlich. Nicht unwichtig ist auch der Umstand, 
daß das hicetasQ kürzere breitere Flügelform besitzt und normal 
gespannt ein || darstellt, während cumaea und resplendens mehr 
ein _} bilden. Offenbar hierher gehörige 5’, aus Kolawi IX u. X, 
haben die Randbinde mehr grünlich, der tiefe Blauschiller nur 
sehr gering entwickelt und auf der Unterseite ist der Sub- 
kostalileck um die Hälfte kleiner und die Grundfarbe zeigt 
ein mehr rötliches Braun. Ein zu gleicher Zeit und am gleichen 
Orte gefangenes ? unterscheidet sich auch von den Sidondo- 
weibchen deutlich, es hat dunklere Grundfarbe, die Randbinde 
besonders auf dem Hfl. ist heller blau und glänzt stärker 
metallisch, unterseits dunkler braun und der Subkostalfleck eben- 
falls nur von halber Größe; unter die 15 @ von Sidondo gesteckt, 
auf den ersten Blick zu unterscheiden und herauszunehmen. 


206. Zethera (Amechania) incerta Hewitson, von Wallace 
1856 bei Tondano in der Minahassa im J’ Geschlechte entdeckt, 
während Doherty im August 1891 bei Donggala das erste © fing. 
Ein großer, nicht zu häufiger, mehr bizarrer als schöner, aber 
immerhin sehr auffallender Falter, der offenbar auf seinen Autor 
einen tiefen Eindruck machte, da er nicht wußte, bei welcher 
Familie und in welchem Genus er ihn unterbringen sollte. Er 
widmete ihm in seinem Bilderwerke eine eigene Tafel und be- 
nutzte die Eigenart des Tieres, das die Harmonie jedes Genus, 
in welches er es zu stellen versuchte, zerstört, zu einem kräf- 


— 164 — 


tigen Seitenhieb auf die Anhänger der Darwin’schen Entwick- 
lungstheorie. Auch der alte Kenner Westwood, den er zu Hilfe 
rief, wußte keinen Rat und machte nur auf Ähnlichkeit mit dem 
Genus Hypolimnas aufmerksam. So stellte er ihn schließlich zu den 
Euryteliden und schuf das Genus Amechania, das Fruhstorfer 
im Seitz als ein Subgenus von Zethera beibehalten hat. Beiden 
war damals offenbar die von Felder beschriebene Zethera hestio- 
ides von den benachbarten Philippinen unbekannt, mit welcher 
das Tier auf den ersten Blick große Analogie zeigt. Kirby fand 
das richtig heraus und er stellte wenige Jahre später incerta in 
einem Kataloge an den richtigen Platz zu Zethera. Wallace hat 
offenbar nur das eine von Hewitson beschriebene und abgebil- 
dete Exemplar gefangen, welches er in seiner Sammlung behielt 
und Hewitson nur zur Beschreibung lieh. Auch A.B. Meyer fing 
am gleichen Platze nur ein Stück, das Hopffer vermeldet und 
das er schön und selten nennt. Die übrigen Autoren können 
das Tier nicht bringen, da es dem Süden von Celebes völlig fehlt. 
Wo aber die Südgrenze des Vorkommens liegt, läßt sich heute 
noch nicht bestimmt sagen, jedenfalls viel weiter südlich als 
Fruhstorfer im Seitz annimmt, der Donggala als südlichsten Punkt 
angibt. Ich habe aber Exemplare aus der Pekawa (südlich von 
Dongsgala), von Kalawara und aus der noch viel weiter südlich 
gelegenen Landschaft Kolawi sowie aus Bada erhalten und zweifle 
nicht, das auch im Reiche Lewus der Falter noch zu finden sein 
wird. Sicher aber fehlt er auf den beiden südlichen Halbinseln 
von Celebes und dürfte vielleicht der nördlichste Punkt des Boni- 
golfes die wirkliche Südgrenze darstellen, Hewitsons Beschreibung 
ist wie fast immer ungenau und ungenügend, während seine Ab- 
bildung eine außergewöhnlich gute und fein ausgearbeitete ist 
und sich deutlich auf die Form des Falters im äußersten Norden 
der Insel bezieht. In höheren Lagen und weiter nach Süden 
kommen dunklere Exemplare mit mehr Schwarz in der Umran- 
dung beider Flügel und besonders einer kompletten Ozellenkette 
im Marginalgebiete des Hfls. vor, denen sich Fruhstorfers Bild 
im Seitz nähert, das den Fortschritt der Technik zeigt, aber im 
Ausmaße etwas zu klein geraten ist. Auch Fruhstorfer nennt 
das Tier eine „herrliche Spezies“. 

Mir liegen 10 J und 1 2 vor aus den Monaten 1, 2, 7, 10 
und 12, so daß anzunehmen ist, daß der Falter das ganze Jahr 
hindurch fliegt. Das von Fruhstorfer beschriebene 2 mißt 110 mm 
Flügelspannung, die 5 zwischen 85 und 100 mm. (Schluß folgt.) 


—i6a 


Apionlarven in „springenden Kapseln“. 


Von M. Dingler (Gießen) und B. Henneberg (Gießen). 
(Mit 3 Originalzeichnungen im Text.) 


Im Sommer 1927 machten Herr und Frau Prof. Schaum 
in Gießen eine Beobachtung, über welche sie in einer kurzen 
Notiz in den „Naturwissenschaften” (1927) berichteten: Von 
einem Feldblumenstrauß, der in der Nähe von Gießen gepflückt 
war und unter anderem Genista und Lotus enthielt, waren 
kleine, kapselartige Gebilde (2,5 mm lang, 1,5 mm breit und 
maximal 1 mm dick) abgefallen, welche am Rande Reste gelber 
- Blütenblätter erkennen ließen. Diese Kapseln führten Sprünge 
bis ca. 1 cm Weite und Höhe aus; sie enthielten kleine Larven 
und wurden daher von den Beobachtern als „springende Gallen“ 
angesprochen. 

Wir hatten nun im Sommer 1928 Gelegenheit, jene sprin- 
genden Kapseln zu beobachten, und sind daher imstande, die 
Schaumschen Mitteilungen in einigen Punkten zu ergänzen und 
insbesondere Angaben über die systematische Zugehörigkeit des 
die Erscheinung verursachenden Insektes zu machen. 

Vor allem ließ sich nachweisen, daß jene teilweise noch 
mit den verwelkenden Kelch- und Kronblättern versehenen, teil- 
weise schon davon freien Kapseln nicht von Lotus, sondern von 
Genista tinctoria stammten.!) Offenbar wird die Entwicklung 
der Hülse durch das Vorhandensein der Larve gestört; die „Kapsel“ 
fällt also ab, während andere Blüten noch im vollen Flor stehen. 
Das Springen wurde nur an den kleineren Stücken von bis zu 
3,5 mm Länge und einem konstanteren Breiten- und Dickenmaß 
(wie von Schaum angegeben) beobachtet. Von einer Larve be- 
wohnt können auch die größeren der abgefallenen Hülsen sein, 
wie es gelegentlich ein Austilugloch des fertig entwickelten In- 
sektes beweist, aber die Schnellkraft der Larve scheint nicht 
auszureichen, sie vom Boden zu heben wie die kleineren Stücke, 


!) In einer ergänzenden Notiz macht Schaum (1928) neuerdings eine 
kurze Mitteilung, die sich inbezug auf die Gattungszugehörigkeit sowohl der 
Pflanze als auch des Insektes mit unseren Feststellungen deckt. 


— (I — 


Nach unseren Feststellungen enthielten diese Pflanzenteile 
eine kleine, bräunlich-weiße, stark gekrümmte Käferlarve. Ver- 
einzelt fand sich in einem Stück statt der Larve auch schon die 
Puppe, welche die bereits aus der Larve erschlossene Zugehörig- 
keit zur Familie der Curculioniden bestätigte. Larven und Puppe 
wurden fixiert in Formol, konserviert in 70°/,igem Alkohol; die 
Larve ist in sehr starker Vergrößerung in Abbildung 1 dargestellt. 
Die infolge der erwähnten Behandlung eingetretene Schrumpfung 
(oder Quellung), die geradezu einen den Larvenkörper weitläufig 
umgebenden Chitinkokon vortäuscht, läßt auch die bei allen Cur- 
culionidenlarven weitgehend rückgebildeten Beine auffallend deut- 
lich hervortreten. Die Larve ist nach der Bauchseite stark ein- 
gekrümmt und hat auf dem Rücken, 
etwas vor der Mitte, eine bucklig 
vorgetriebene Stelle. Wie Abb. 1 
zeigt, bleibt diese Stelle auch nach 
der Fixierung vorgetrieben, scheint 
sogar fest mit der nicht schrumpfen- 
den Cuticula verbunden zu sein und 
reißt daher beim Zurückweichen auf. 
Wahrscheinlich liegt hier die Ansatz- 
stelle für die Muskulatur, welche das 
Auf- und Zuklappen der vorderen 
und hinteren Körperhälfte und da- 

An mit das Emporschnellen der Larve 

Aus derpflanzlichenHüllegenom- samt der sie umgebenden Pilanzen- 

Rare ne ee kapsel besorgt. Zur anatomischen 

Untersuchung dieser Einrichtung 

reichte das vorläufig gesammelte Material nicht aus; sie soll, 

wenn künftige Ausbeuten es ermöglichen, nachgeholt werden. 

Die Puppe läßt eine ähnliche Einrichtung nicht erkennen, die 
Sprungfähigkeit ist also auf das Larvenstadium beschränkt. 

Man gelangt am einfachsten in Besitz von Untersuchungs- 
material, wenn man im Juli einen Färbeginsterstrauß in ein Glas 
mit Wasser stellt und dieses auf einen Bogen weißen Papiers. 
Nach einem oder mehreren Tagen fallen welke Blüten und mit 
ihnen die etwa vorhandenen Springkapseln ab. Ob der Färbe- 
ginster überall in der Umgebung Gießens solche trägt oder ob ihr 
Vorhandensein an bestimmte Örtlichkeiten gebunden ist, haben 
wir noch nicht näher untersucht. Betrachtet man das unter dem 
Strauß liegende Material, so bemerkt man, besonders wenn man 


— 167 — 


das untergelegte Papier leicht erschüttert, daß sich hie und da 
ein kapselartiges Gebilde spontan bewegt. Meist besteht die 
Bewegung in einem gelinden Vibrieren oder Wackeln, seltener 
in kleinen Sprüngen. Der Anblick eines pflanzlichen Gebildes, 
das sich scheinbar aus eigenem Vermögen bewegt, hat etwas 
Überraschendes und erinnert sofort an die exotischen „hüpfen- 
den Bohnen.“ Bringt man die Springkapseln unter ein Glas oder 
in eine Schachtel, so liegen sie nach einigen Stunden alle am 
Rande des Behältnisses. Sie haben sich also solange fortbewegt, 
bis sie ein Hindernis fanden. Vielleicht liegt darin ein Hinweis 
auf die biologische Bedeutung der Erscheinung. Der Bewohner 
fällt mit seiner Kapsel auf den Erdboden und bewegt sich 
nun solange fort, bis er an einen Ort gelangt, von wo er 
mittels Wackelns und Springens nicht weiter kommen kann, 
z. B. in eine Boden- 
vertiefung, zwischen 
Steine,Erdbrocken, zwi- 
schen Pflanzengewirr u. 
s.w. Damit ist die Larve 
in ein Versteck gelangt, 
wo sie wenigstens vor 
einem Teil ihrer Feinde 
einigermaßen geschützt 
ist. Hier verpuppt sie 
sich in ihrer Kapsel. 
Wie lange die Puppen- 
ruhe dauert, vermögen 
wir nicht genau zu sa- 
gen. Sicher nur wenige 


Abb. 2. 


Von Apion striatum verlassene Kapseln. Tage, denn die springen- 
In diesen Gebilden (und mit ihnen) führen de den Kapseln, die wir 
Larven ihre Sprünge aus. fanden, entließen nach 


Vergrößerung etwa 8fach. Original. 


etwa 8 Tagen denKäfer. 

Der fertige Käfer bohrt sich durch ein annähernd kreis- 
rundes, zuweilen (je nach Struktur des Materials) auch unregel- 
mäßiges, etwas zackig gerandetes Ausflugsloch nach außen. 
Einige der „springenden Kapseln“, vom Käfer bereits verlassen, 
sind in Abb. 2 in etwa 8facher Vergrößerung zeichnerisch wieder- 
gegeben. 

Die aus den Kapseln gezogenen Käfer gehören der Rüssel- 
käfergattung Apion an. Zur Bestimmung der Spezies wandten 


= I = 


wir uns an Herrn H. Wagner in Berlin. Nach seiner Ansicht 
handelt es sich in den ihm übersandten, frisch geschlüpften 
Stücken um den nächsten Verwandten des Apion immune Kirby, 
nämlich Apion striatum Kirby (syn. atratulum Germ., pisi Germ.). 
Wagner macht allerdings folgende Einschränkung: „A. immune 
sieht dem sitriatum außerordentlich ähnlich und ist im © Ge- 
schlecht sehr schwer für den Ungeübten zu unterscheiden, im 
og Geschlecht hingegen an den an der apikalen Innenseite in 
einen hakenförmigen Zahn ausgezogenen Vorder- und Mittel- 
tarsen leicht kenntlich” und „Ich möchte Sie jedenfalls bitten, 
wenn Sie ganz ausgereifte Exemplare der fraglichen Art besitzen, 
nochmals genau auf die Vordertarsen der 5 zu achten; bei der 
vollkommenen Unreife der übersandten Stücke .... ist es nicht 
ausgeschlossen, daß es vielleicht doch A. immune 
ist und die vorgelegenen Exemplare zufällig lau- 
ter @ waren” (Wagner i.1l). Nach der Uhnter- 
suchung des gesamten von uns bisher gezüchte- 
teten Materials, das in keinem Falle jenes für 
Apion immune 5 charakteristische Merkmal auf- 
weist, sind die Tiere mit größter Wahrscheinlich- 
keit als Apion striatum anzusprechen. 

Aus der Morphologie des Käfers sei die Struk- 
tur der Flügeldecken, die der Spezies den Namen 
sirialum eintrug, kurz besprochen. Die stark ver- 
tieften, aus ovalen Grübchen zusammengesetzten 
Grubenrinnen ziehen, wie in Abb. 3 halbschema- 
tisch dargestellt, in 5 Schleifen über die Flügel- 
decke hin. Die äußerste der Schleifen beginnt 
mit ihrem nahtseitigen Schenkel dicht unter dem 

Abb. 3. Schildcheneinschnitt, der saumseitige Schenkel 
a e verliert sich alsbald nach der Knickung in die 
striatum, Saumlinie. Die übrigen vier Schleifen dagegen 
ne sind vollständig, d.h. zweischenklig, reichen aber, 
wie ebenfalls aus der Abbildung ersichtlich, mit 
ihrem saumseitigen Schenkel verschieden weit gegen den Basal- 
rand der Elytre vor; besonders auffallend ist an der innersten 
Schleife der deutlich abgekürzte saumseitige Schenkel. Die zwi- 
schen den Grubenrinnen stehen bleibenden glatten Grate bilden 
natürlich ebenfalls konzentrische Schleifen, nur der von der 
innersten Rinne umschlossene Teil ist ein unpaarer Grat. Die 
Grate (also die von den Grubenrinnen unterbrochene eigentliche 


— 169 — 


Flügeldeckenfläche) sind ziemlich dicht grau behaart. Die An- 
ordnung von Rinnen und Graten steht hier im Gegensatz zu 
derjenigen bei den Cartodere-Arten (Fam. Lathridiidae), wie sie 
kürzlich von dem einen von uns (Dingler 1928) beschrieben 
wurde. Dort nämlich ist der unpaare Mittelteil eine Grubenreihe; 
es müssen also gewisse entwicklungsmechanische Unterschiede 
in der Entstehung der Grubenreihen hier, der Grubenrinnen 
dort vorhanden sein. 

Wenig ist über die Biologie der Apioninen bekannt. Nach 
Wagner lebt A. siriatum normalerweise an Sarothamnus 
scoparius; Reitter (1916), der die beiden Arten A. striatum 
und A. immune in eine Untergattung Pirapion zusammenfaßt, 
erwähnt als Nährpflanzen Sarothamnus scoparius, Ulex 
europaeus und Genista sagittalis. Auf Grund unserer Be- 
obachtung kommt also Genista tinctoria als weitere Futter- 
pflanze hinzu. 

Buddeberg (1885) macht einige biologische Angaben über 
Apion sedi Germ. und A. immune Kirby. Seine Beschreibung der 
Puppe dieser Art, die er in einer kurzen Höhlung im Stengel 
von Sarothamnus scoparius fand, deckt sich weitgehend 
mit unserer Beobachtung an der Puppe von A. striatum. Über 
eine etwa vorhandene Sprungvorrichtung waren bei Buddeberg 
keine Angaben zu erwarten, da der Autor ja nicht die Larve, 
sondern die Puppe, und diese auch nicht in einem abgefallenen 
Pflanzenteil, sondern in der Pflanze selbst vor sich hatte. Auch 
bei Ross (1927) finden sich gallbildende Apioninen (nicht we- 
niger als 23 benannte und noch einige unbenannte Arten!) er- 
wähnt, doch fehlen darunter die Arten striatum und immune 
sowie ein Hinweis auf die Sprungfähigkeit von Apion-Larven. 
Für Sarothamnus scoparius, Genista und Lotus ist keine 
Art aufgeführt. 

Dagegen wurde von Heller (1922) an einer von ihm in 
Brasilien, Prov. Minas, neu entdeckten Art, Apion zikani Heller, 
ein Verhalten beobachtet, das weitgehende Uebereinstimmung 
mit der hier beschriebenen Erscheinung aufweist. Er schreibt 
darüber: „Die Larven dieser Art leben im Kelch der Blüten- 
knospen von Dalbergia foliolosa Benth. (Leguminose), der 
im Volksmund „Embira da sapo“, Krötenbast, heißt und den sie, 
ähnlich wie Carpocapsa saltitans den von Croton colliguajas 
durch den Freßakt in „rollende und springende” Bewegung ver- 
setzen. 


— (7) == 


Eine hübsche Beobachtung Sahlbergs an einem Cionus 
(zitiert nach Heymons) möchten wir hier noch anführen, da 
sie vielleicht eine ähnliche biologische Bedeutung hat wie die 
von uns für unser Objekt angenommene. „Im Frühjahr fand er 
bei einem Aufenthalt in der Nähe von Ragusa unter abgefalle- 
nem Laub kleine rundliche, halb durchsichtige Kokons, die die 
Fähigkeit hatten, nach Art der „hüpfenden Bohnen” kleine Luft- 
sprünge zu machen, und auf dem Tisch, auf den das Laub zur 
Untersuchung der in ihm lebenden kleinen Tierarten ausgebrei- 
tet worden war, munter umhertanzten. Es waren, wie sich 
zeigte, Kokons von Cionus gibbifrons Kiesw. (Stereonychus), die 
aber noch keine Puppen, sondern Larven enthielten. In jedem 
dieser Kokons, die sich durch eine außerordentlich elastische 
Beschaffenheit ihrer Wand auszeichneten, lag eine stark einge- 
krümmte Larve. Streckte sich die Larve aus, so wurde der 
Kokon gedehnt, und wenn das Tier dann gleich darauf wieder 
seine eingekrümmte Lage annahm, so zog sich auch der Kokon 
gummiartig so rasch zusammen, daß er dabei gegen die Unter- 
lage drückte und in die Höhe sprang.“ 

Zum Schluß ein Wort über die Frage: Sind die „springen- 
den Kapseln“, d.h. die mit Apionlarven besetzten, abgefallenen 
Blüten- oder Fruchtteile von Genista tinctoria als Gallen an- 
zusprechen? Ross bezeichnet als Galle im weitesten Sinne 
des Wortes eine „durch einen fremden, parasitisch oder symbio- 
tisch lebenden Organismus am Pflanzenkörper hervorgebrachte 
aktive Bildungsabweichung“. Nicht daß der fremde Organismus 
den Pflanzenteil selbst bewohnt, ist also das Ausschlaggebende, 
sondern eben jene, durch ihn bedingte Veränderung. Man ist 
geneigt, in unserm Material, wenn wir die nicht von dem Insekt 
besetzten Hülsen mit den besetzten vergleichen, an diesen eine 
leichte Dickenanschwellung anzunehmen, die etwa dem Merkmal 
entspricht, welches Ross für den Befall von Crataegus durch 
den Apfelblütenstecher Anthonomus pomorumL. angibt: „Frucht- 
knoten schwach angeschwollen.“ Doch war eine derartige Ver- 
änderung bisher nicht exakt festzustellen, weshalb die Bezeich- 
nung „Gallen” oder „springende Gallen“ besser vermieden bleibt. 


— ui — 


Literatur: 


Buddeberg, Beiträge zur Biologie einheimischer Käferarten, Jahrbücher 
des Nassauischen Vereins f, Naturkunde Jg. 38. Wiesbaden 1885, 


Dingler M. Cartodere filiformis Gyll. und C. filum Aub&e (Ord. Coleoptera 
Fam. Lathridiidae) als Schädlinge in Hefepräparaten. Zeitschrift für 
angew. Entomologie Jg. 14. Berlin 1928. 


Heller K.M, Springende Blütenkelche, verursacht durch ein neues Apion. 
Entomol. Mitteilungen Jg. 12, Heft 2. Berlin-Dahlem 1922, 


HeymonsR.u.H, Die Vielfüßler, Insekten und Spinnenkerfe in „Brehms 
Tierleben“. Zweiter Neudruck der 4. Auflage. Leipzig 1920. 


Reitter E, Fauna Germanica. Die Käfer des Deutschen Reiches, V, Band, 
Stuttgart 1916, 


RossH. und HedickeH., Die Pflanzengallen (Cecidien) Mittel- und Nord- 
europas. 2. Aufl. Jena 1927. 


Schaum K. u. E., Einheimische springende Gallen. Die Naturwissenschaften 
Jg. 15, Heft 42. Berlin 1927. 


— — — Einheimische springende Gallen. Die Naturwissenschaften Jg. 16, 
Heft 40. Berlin 1928. 


WagnerH, Curculionidae: Apioninae. In: Junk-Schenkling, Coleopterorum 
Catalogus. Berlin 1910. 


Ueber die Arten und Formen der Gattung 
Nychiodes Led. 


Von Dr. Eugen Wehrli, Basel. 


NACHTRAG: 


; Nach freundlicher Mitteilung Herrn Prouts dürfte der Ver- 
breitungsbezirk der Nychiodes antiquaria Stgr. weiter südlich 
bis Nordindien, Kaschmir, reichen, indem sehr wahrscheinlich die 
zuerst als Phthonandria (Nov. Zool. IX. 1902, p. 367), später als 
Gnophos (Journ. Bombay Nat. Hist. Soc. XVII, p. 33, 1907) be- 
schriebene Art confusa Warren ein Synonym zu anliguaria bildet. 
Sie wurde beschrieben nach einem nicht besonders gut erhal- 
tenen © aus Chitral=Tschitral, im Westen Kaschmirs, gegen den 


— 12 — 


Hindukusch, an der afghanischen Grenze, . Nach den mir vor- 
liegenden Beschreibungen — leider fehlt eine Abbildung — 
dürften in der Tat die beiden Arten identisch sein. 

. Herr Prout vermutet, es möchte auch seine Nychiodes langue- 
scens Prt. (Mem. of the Dep. of Agriculture in India, IX.1926, p.256) 
eine nahe Verwandte oder dunklere kleinere Rasse der anlı- 
quaria Stgr. sein. Es lag ihm ein Paar vor, stammend aus Sri- 
nagar, in Kaschmir, südöstlich vom Flugort der confusa Warren. 
Erst neues, frisches, anatomisch untersuchbares Material wird 
die Zugehörigkeit dieser nordindischen Formen sicherstellen kön- 
nen. Beide fehlen in den Novitates Makrolepid. Das einzige 
bekannte 5 von languescens befindet sich im Brit. Mus., das © 
in coll. Agric. Res. Pusa, Indien. 


Buchbesprechung. 


Handbuch für den praktischen Entomologen. Herausgegeben unter Mit- 
wirkung bedeutender Entomologen vom Internationalen Entomologischen 
Verein Frankfurt aM. — IL Band: Allgemeiner Teil, Fang und Zucht; 
bearbeitet von A. U. E. Aue. Preis für Mitglieder 3 Mark, im Buch- 
handel 4,50 Mk. 

Das Buch wendet sich an alle, die dem Fang und der Zucht von 
Schmetterlingen Interesse entgegenbringen, auch an alle Anfänger in der ge- 
wiß nicht zu tadelnden Absicht, den z, Zt. leider fast gänzlich fehlenden 
Nachwuchs an Jüngern unserer Entomologie zu fördern, Gerade in praktisch- 
biologischen Fragen brachte unsere Literatur bisher fast immer wieder die- 
selben Angaben, die oft auf viele Jahrzehnte alte Quellen zurückgingen und 
vielfach falsch waren. Erst die Fachliteratur der letzten Zeit hat sich ein- 
gehender mit diesen Fragen beschäftigt und namentlich auch verschiedene 
Fachzeitschriften, darunter in erster Reihe die „Frankfurter“, haben vieles 
Neue an Beobachtungen gebracht, viele alte Irrtümer aufgeklärt und be- 
richtigt. Es ist ein besonderes Verdienst des vorliegenden Buches, gerade 
auch in der kritischen Sichtung und Verwertung dieser Literatur wertvolle 
Arbeit geleistet zu haben. So bringt es auch für den vorgeschrittenen 
Sammler, der sich viel mit Fragen des praktischen Sammelns beschäftigt, 
sehr viel Interessantes und kann nur wärmstens empfohlen werden. L,O. 


Im Selbstverlag der Münchner Entomologischen Gesellschaft. E.V. 
Schriftleiter: Dr. von Rosen, München, Neuhauserstr. 51. 


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MITTEILUNGEN 


= 
. 
der Münchner Entomologischen Gesellschaft, e.V. | 
|; 


19. Jahrgang 1929. München, 1. Dezember 1929. Nummer 10—12. 


PEEEFEEEEFEEITEEEFTEEFFFEEEEEFTERETFE 
Ausgegeben: 1. XI]. 1929, 


Jubiläumsheft 
zum 25jährigen Bestehen der M.E.G. 


Zum Geleit. 


Wenn die vorliegende Nummer in einem besonderen Fest- 
gewand erscheint, so möge mir als derzeitigem Vorsitzenden 
der Gesellschaft dafür auch eine kurze Begründung gestattet sein. 

Schon Ende der siebziger und anfangs der achtziger Jahre 
des vorigen Jahrhunderts hatte in München einige Jahre ein 
entomologischer Verein bestanden, der in den Jahren 1877—1881 
mit gedruckten „Mitteilungen“ an die Oeffentlichkeit trat. Zu 
seinen Mitgliedern zählten namhafte Entomologen, so August 
Hartmann, der Verfasser der „Kleinschmetterlinge der Umgegend 
Münchens und eines Teiles der Bayerischen Alpen” (1870) und 
unser Gründungs- und Ehrenmitglied Max Korb. Dann war 
aber über zwei Jahrzehnte eine Lücke im Zusammenschlusse der 
Münchener Entomologen entstanden, die bei der Größe der Stadt 
und der Zahl der auch damals hier für den Gegenstand Interes- 
sierten schwer verständlich ist. 

Die Münchener Entomologische Gesellschaft 
wurde sodann am 19. Dezember 1904 gegründet, sie vollendet 
also am gleichen Tage des heurigen Jahres das fünfundzwanzig- 
ste Jahr ihres Bestehens. Das Verdienst, die Gründung in Fluß 
gebracht zu haben, gebührt unserem Mitgliede Heinrich Sattler. 
Außer ihm gehören von den 16 Gründungsmitgliedern noch heute die 
Herren Ferdinand Pichler, Fritz Skell, Theodor Mitte und Dr. Max 


Dingler in Giessen sowie — als derzeit einziges Ehrenmitglied 


— 114 — 


— Max Korb unserer Gesellschaft an. Die Geschicke der Gesell- 
schaft leitete zunächst als I. Vorsitzender bis zu seinem am 
18. Mai 1908 erfolgten Tode Hüttendirektor Robert Erhardt. Er 
hat sich um den Ausbau unseres Vereinslebens unvergängliche 
Verdienste erworben, seine Anregungen sind auch heute noch 
in vieler Hinsicht grundlegend für die Tätigkeit unserer Gesell- 
schaft. 

Das getreueste Spiegelbild der inneren und äußeren Ent- 
wicklung eines Vereins bietet seine Mitgliederbewegung. Unsere 
Gesellschaft trat, wie schon bemerkt, im Jahre 1904 mit 16 Mün- 
chener Mitgliedern ins Leben. Der am Ende des ersten Jahr- 
ganges unserer „Mitteilungen“ veröffentlichte Nachweis nach dem 
Stande vom 31. Dezember 1910 führt 44 Münchener, 3 korrespon- 
dierende und 21 auswärtige Mitglieder auf. Am 15. Oktober 1919, 
ein Jahr nach Abschluß des Weltkrieges, betrug der Stand 46 
Münchener und 52 auswärtige Mitglieder. Heute sind es 61 
Münchener und 154 auswärtige Mitglieder. Aus der Steigerung 
der Zahl vor allem unserer außerhalb Münchens wohnenden 
Mitglieder darf der Schluß gezogen werden, daß unsere „Mit- 
teilungen", die ja das Einzige sind, was wir diesen bieten kön- 
nen, durch ihren Inhalt ihre Daseinsberechtigung erwiesen haben. 

So dürfen wir wohl, wenn wir heute an der Neige des 
fünfundzwanzigsten Lebensjahres unserer Gesellschaft zurück- 
blicken, mit dem bisher Erreichten zufrieden sein. Mögen auch 
die kommenden Jahre unserer Gesellschaft eine weitere Ent- 
wicklung nach aufwärts bringen. 


München, im Dezember 1919. Ludwig Osthelder, 
Ministerialrat, 


19m: 


198. 


199, 


200. 


Weiterer Beitrag 
zur Lepidopteren-Fauna Inner-Anatoliens. 


Von Fritz Wagner-Wien. 


(Fortsetzung und Schluß.) 


Heliothis incarnata Frr. Auch diese schöne Art war in 
T. am Lichte Ende Mai und Anf. Juni fast gemein. Die 
Variabilität ist ganz unbedeutend, 


Aedophron rhodites Ev. Dieses prächtige Tierchen er- 
beuteten wir vom 6. bis 17. VI. nicht sehr zahlreich am 
Lichte in wundervollen Exemplaren. Rhodites scheint sehr 
wärmeliebend zu sein, da sie nur an ruhigen, warmen 
Abenden in einiger Zahl erschien. Manche 22 haben die 
Vfl. bis auf einen weißlichen Wisch in der Zelle und im 
Innenwinkel durchaus rot gefärbt. 


Aedrophon phlebophora Ld. Vom 22. V. an gleichfalls 
fast allabendlich am Lichte. Die Hauptflugzeit fällt in den 
Juni, vereinzelte frische Exemplare erschienen jedoch noch. 
bis gegen Mitte Juli. Die (Wr. ent. Mon. 1858, Taf. 2, Fig. 9) 
abgebildete Type (mit rötlichen Rippen und solchem 
Anflug) stellt eigentlich — biologisch gesprochen — eine 
ziemlich seltene Aberration der Art dar; die meisten 
Exemplare haben die Rippenenden braun und das Saum- 
drittel von Vfl. und Hfl. nicht rot angeflogen. Selten kom- 
men auch ganz kanariengelbe Stücke vor, wie ein in Ak. 
am 11. VI, bei Tage erbeutetes frisch geschlüpftes Exem- 
plar beweist. 


Metalopha gloriosa Stgr. Von dieser bisher nur vom 
Taurus, aus Mardin und Palästina bekanntgewordenen sel- 
tenen und außerordentlich schönen Art gelang es uns in 
der Zeit vom 21. V. bis 6. VI. sechs tadellos frische Exem- 


201. 


202. 


203. 
204, 


203. 


206. 


207. 


208. 


209. 


— 176 — 


plare zu erbeuten. Nach Warren ist die Gattung Meta- 
lopha Stgr. identisch mit Megalodes Gn,, was mir sehr 
wenig plausibel erscheint und der Ueberprüfung bedarf. 


Chariclea delphini L. Die meisten der vom 21. V. bis 
9. VIL erbeuteten Exemplare gehören der blässeren var. 
darollesi Obthr. an, manche Stücke sind jedoch von der 
Nominatform nicht zu trennen. 


Chariclea victorina Sodoff. Im Juni in einigen frischen 
Exemplaren, die sämtlich der helleren nur schwach rot 
gefärbten Form Prazanoffskyi Gn. angehören. 


Acontia luctuosa Esp. T. 6. Vil. (B.) 
Thalpochares Velox Hb. T. von B. Mitte VII in einem 


einzelnen Stücke erbeutet,!) 


Thalpochares lacernaria Hb. T. von Ende V bis Mitte VI 
und wieder Mitte VII in der helleren $. a. cretula Frr. 


Thalpochares albida Dup. var. gratissima Stgr. Die schöne 
große Art war von Ende Juni bis Mitte VII nicht gerade 
selten aus einer blaublühenden, sehr großblütigen Eryngium- 
ähnlichen Distelart (Echinops?) aufzuscheuchen, welche ver- 
mutlich die Futterpflanze der Art darstellt. 


Thalpochares respersa Hb. T. am 16. VI. von B. in einem 
einzigen Exemplare der helleren $. a. grata Tr. erbeutet. 


Thalpochares suppuncta Stgr. Mitte Juni sehr vereinzelt 
am Lichte in T. 


Thalpochares chlorotica Ld. Die schöne, blaß lauchgrüne 
Art wurde von mir am 22.V. in einem tadellosen 5 und 
später noch in wenigen schon etwas abgeflogenen Stücken 
in T. am Lichte erbeutet. Für Kleinasien nur aus Mardin 
angegeben, erreicht die Art vorläufig hier die westlichste 
Grenze ihrer Verbreitung. Weiter östlich über Syrien, 
Kurdistan bis Persien verbreitet. 


1) 191 bis. Cucullia blattariae Esp. Aus einer Anzahl bei Ak. auf einer 
Scrophularia sp. gefundenen Raupen, die ich sofort als blattariae ansprach, 
schlüpfte im Frühjahre Herrn Oberst von B. ein 5, daß zweifellos dieser Art 
angehört, die übrigens aus Kleinasien vielfach bekannt gemacht wurde. (Vgl. 


Stgr.-Rbl. Katalog.) 


210. 


all 


212. 


213. 


214, 


213: 


216. 


2m: 


218. 


219. 


220. 


— U = 


Thalpochares polygrammaDup. Ziemlich den ganzen Juni 
hindurch. Viele der erbeuteten Stücke mit stark rötlich- 
violettem Anflug (ab. pudorina Stgr.). 


Thalpochares ostrina Hb. Mitte Juni einzeln in der Som- 
merform carthami H. Sch. 


Thalpochares parva Hb. T. im ersten Julidrittel einzeln 
am Lichte. 


Thalpochares paula Hb. Von B. am S.-D. in 1900 m in 
einem einzelnen frischen Exemplar erbeutet. 


Thalpochares pallidula H. Sch. In T. Mitte VIL ver- 


einzelt am Lichte. 


Thalerastria diaphora Stgr. Vom 8. VI. bis Mitte Juli in T. 
nicht gerade selten an der Leinwand. Die reizende kleine 
Art variiert in der Färbung der Vfl. von weißlichgelb bis 
tief orange (friangularis Warr.). Bei einem Exemplar (leg. 
B.) ist der dreieckige schwarze Costalfleck der Vfl. als 
durchgehende Mittelbinde ausgebildet (nov. ab, medio- 
fasciata m.). 


Prothymnia leda H.Sch. Am 22.V. von mir in einem et- 
was beschädigten Exemplare in T. am Lichte erbeutet. 


Hemerosia renalis Hb. Mitte Juli mehrfach an der Lein- 
wand. 


Metoponia vespertalis Hb. Im Juni ziemlich häufig am 
Lichte. Die Art variiert wie überall, so auch hier ziemlich 
stark. 


Abrostola triplasia L. var. clarissa Stgr. Ein einzelnes, 
von mir am 18. VII. in T. am Lichte erbeutetes Exemplar 
macht den Eindruck einer aberrativen asclepiadis Schiff. 
Da die Beschreibung der var. clarissa Stgr. aber sonst recht 
gut auf mein Stück paßt, stelle ich es vorläufig hierher und 
bringe dasselbe auf der beigegebenen Tafel zur Darstellung. 
Es bleibt allerdings fraglich, ob wir in clarissa Stgr. nicht 
doch eher eine asclepiadis-Form zu erblicken haben, wel- 
cher Ansicht ich umso eher zuneige, als Vincetoxicum in 
der Nähe mehrfach anzutreffen war. 


Plusia modesta Hb. var. viridis Stgr. Vom 21. V. bis gegen 
Mitte VI. mitunter recht zahlreich am Lichte. Diese merk- 


221. 


22. 
"223. 


224, 


"225, 


226. 


2271. 


228. 


— 178 — 


würdige, blaß graugrün gefärbte, angebliche modesta var. 
macht mir ganz den Eindruck einer eigenen, guten Art. Das 
Tierchen ist im Vergleich zu modesia kleiner, viel zarter 
und schlanker, schmal- und spitzflügeliger. Die Linie im 
Saumfelde zwischen der doppelten Querlinie und den 
Fransen — und das erscheint mir das Wesentlichste — 
macht unter der Mitte wurzelwärts einen deut- 
lichen spitzen Haken, während sie bei modesta nur 
ganz schwach geschwungen verläuft. Außerdem mündet 
diese doppelte Querlinie bei viridis ziemlich genau in 
den Analwinkel oder eher noch in den Innenrand, 
während sie bei modesta fast noch den Außenrand 
erreicht. Untersuchung des Genitalapparates noch aus- 
ständig. 


Plusia Emichi Rshfr. VonB. in einem einzelnen gut er- 
haltenen Exemplare am 16. VI. in T. am Lichte erbeutet. 


Plusia gammaL. Im Juni ziemlich selten am Lichte. 


Plusia circumilexa L. Im Mai und wieder im August ver- 
einzelt an der Leinwand und bei Tage. 


Plusia niHb. Mitte Juni nicht häufig. 


Megalodes eximia Frr. Vom 22.V. bis Mitte VI. vereinzelt 
sowohl bei Tage an Malven sitzend, wie auch am Lichte. 
Die Raupe fand ich im Juli einige Male in Malvenknospen, 
diese ganz ausfüllend. 


Pericyma squalensLd. Im Juli in T. nicht selten am Lichte. 
Nach Rebel-Püngeler (Lit.-Verz. 11) gute Art. 


Leucanitis sp. An einem der ersten Junitage erbeutete 
ich in Ak. eine zweifellose Leucanitis-Art, die mir aber 
leider wieder aus dem Netze entwischte, ehe ich deren 
Art-Zugehörigkeit hätte feststellen können. 


N 


Catocala nymphaea Esp. Ein frisch geschlüpftes 2 am 
11. VI. auf den Randbergen der Steppe bei Tage an einem 
Felsen sitzend. Dieser Fund erweckt insoferne besonderes 
Interesse, als dort weit und breit keine Eichen, ja — außer 
der eingangs erwähnten kleinen kriechenden Rhamnus-Art 
— überhaupt kein Baum oder Strauch zu sehen war, die 
Raupe also nur an der kleinen Rhamnus sp. gelebt haben 
konnte, Ich sichtete die Art an derselben Stelle noch 


229. 


230 


231 


232 


233 


"234 


235 


— ler — 


einige Male, ohne ihrer habhaft werden zu können. Das 
erbeutete Exemplar ist etwas dunkler als dalmatinische 
Stücke, die Makeln treten weniger deutlich hervor. 


Catocala conversa Esp. Diese und die beiden folgenden 
Arten waren vom letzten Juni-Drittel ab am Fuße des S.-D. 
bei Tage sehr zahlreich aus Eichengebüsch zu scheuchen, 
es wurde ihnen aber unsererseits zu wenig Aufmerksam- 
keit geschenkt. Besonders häufig traf ich sie am 24. VI. 
an, an welchem Tage fast aus jedem Eichengebüsch schon 
beim bloßen Vorbeistreifen eine oder die andere Art hervor- 
schoß, um sich in einem benachbarten Busch wieder zu 
verstecken. 


. Catocala eutychea Tr. Noch am 24. VII. ziemlich zahl- 
reich, zum größten Teil aber bereits verflogen. 


.‚ Catocala disjuncta H. G. mit den ab. separata Frr. und 
luctuosa Stgr. Wie vorstehend genannte Arten. 


‚ Apopestes cataphanes Hb. Aus einer an einer Wicken- 
art gefundenen Raupe erzog ich Anfang Juli ein leider krüp- 
pelhaftes Stück, das — soweit noch zu beurteilen war — 
der var. ligaminosa Ev. angehört haben dürfte. 


. Toxocampa lusoriaL. Am S.-D. in etwa 1500 m von B. 
in zwei Exemplaren erbeutet. 


. Hypena munitalis Mn. Diese schöne Hypenide kam vom 
21. V. bis Mitte Juni und in 2. Generation wieder ab 11. VII 
mehrfach an die Leinwand. 


GEOMETRIDAE.. 


. Aplasta ononaria Fuessl. Ak. Anfang Juli ech, auch 
ab. faecataria Hb. 


"236. Odezia atrata L. Am Sultan-Dagh in ca. 1600 m Ende Juni 


237 


238 


239 


aus Eichengebüsch gescheucht. 


. Orthostictis calcularia Ld. An den untersten Hängen des 
S.-D. ab Ende V. nicht selten. 


‚ Comibaena (Euchlo&) pustulata Hufn. Von B. auf dem S.- 
D. in ca. 1500 m am 24. VI. 


‚ Chlorissa (Nemoria) pulmentaria Gn. T. Mitte VII. am Lichte, 


— ll — 


240. Microlexia (Eucrostes) herbaria Hb. mit ab. advolata Ev. 


241. 


242. 


"243. 


244, 


"243. 


"246. 


247. 


248. 


T. im letzten Maidrittel an der Leinwand. 


Euchloris smaragdaria F. In der Steppe den ganzen Juni 
hindurch nicht selten am Lichte. Die erbeuteten Stücke 
sind vielleicht eine Idee lebhafter grün als mitteleuropäische, 
sonst kann ich aber keine nennenswerten Unterschiede ent- 
decken. Dagegen fing B. auf dem S.-D. in etwa 1700 m 
Höhe am 26. VL ein ungemein großes Exemplar, auf das 
auch sonst die Diagnose und Beschreibung der bisher nur 
aus Spanien bekannt gewordenen giganteaMill. vollkommen 
paßt. 


Rhodostrophia badiaria Frr. Im letzten Maidrittel in der 
Steppe nicht selten, aber größtenteils schon + abgellogen. 


Rodostrophia calabraria Z. var. /abidaria T. Nur in dieser 
Form, sowohl in der Steppe, als auch an den untersten 
Hängen des S.-D. nicht selten. In der Steppe war die Art 
Ende Mai nur noch in schlechten Stücken anzutreffen, wäh- 
rend sie um Ak. den ganzen Juni hindurch immer noch in 
frischen Exemplaren erbeutet wurde. 


Rodostrophia auctata Stgr. Von B. in einigen frischen, 
von mir in einem schlechten Exemplar Anf. Juni in T. am 
Lichte erbeutet. 


Acidalia Beckeraria Ld. Ziemlich häufig in zwei Gene- 
rationen in der Steppe. Im Mai und wieder ab Ende Juni 
in langer Flugzeit. Die Art variiert wenig und keinesfalls 
auffällig, auch zwischen Exemplaren der 1. u. 2. Generation 
kaum irgend ein nennenswerter Unterschied. 


Acidalia marginepunctata Göze. T. von Mitte Juni bis 
gegen Ende Juli nicht selten in annähernd normalen 
Exemplaren. 


Acidalia submutata Tr. T. im Juli wiederholt am Lichte. 
Am besten als Nominatform anzusprechen. 


Acidalia decorata Schiff. (violata Thnbg.). Im Mai nicht 
selten am Lichte. Die erbeuteten Exemplare der 1. Gene- 
ration gehören einer großen Form an, die wohl mit aeguata 
Stgr. (vom Pontus beschrieben) zu identifizieren sein dürfte, 
von der ich aber magna Prout (von Konia, Sizilien, Spanien 
u. a. südlichen Lokalitäten) nicht zu trennen weiß. Bei 


249. 


250. 


— 181 — 


schon länger geflogenen Stücken verschwinden die sonst 
schön blaugrau gefärbten Stellen der Vfl. +, d.h. werden 
mehr bräunlich und ich glaube, daß der ganze Unterschied 
zwischen aeguata Stgr. und magna Prout darin besteht, daß 
erstere nach schon geflogenen, letztere aber nach frischen 
Stücken aufgestellt wurde. 

Am 16. VII. erbeutete B. drei wesentlich kleinere Exem- 
plare der 2. Generation. 


Glossotropha (Acidalia) ditiinaria Prout. Ende Mai und 
wieder ab 6. VII. nicht selten am Lichte. Vertritt nach Prout 
in Kleinasien (auch Syrien?) unsere confinaria H.S., der sie 
äußerst ähnlich wird, von welcher sie durch das Fehlen des 
Hintertibialsporns beim 5 aber leicht zu trennen ist. Die 
Variabilität ist gering und äußert sich höchstens in + heller 
oder dunkler Färbung. 

Ptychopoda (Acidalia) rufaria Hb. In Ak. von Ende V. bis 


Mitte VL. nicht selten. B. erbeutete am S.-D. in Höhe von 
2000 m ein Exemplar noch am 25. VII. 


251. Ptychopoda (Acidalia) consanguinaria Ld. An den unter- 


252. 


+253, 


254. 


239. 


256. 


sten Hängen des S.-D. im letzten Junidrittel mehrfach. 


T. noch am 16. VII. (B.). 


Ptychopoda (Acidalia) ossiculata Ld.. Ak. und T. vom 
12. VI. bis 16. VIL ziemlich zahlreich. Auch S.-D. in circa 
2000 m Höhe am 25. VIL (B.). Durch die fast reinweiße 
Stirne und die sehr gestreckte Flügelform von den ver- 
wandten Arten leicht zu trennen. 


Cinglis humifusaria Ev. Mitte VII. vereinzelt am Lichte. 
Viel kleiner und heller als andalusische Exemplare, Grund- 
färbung mehr graubraun, die weißen Zeichnungselemente 
sehr verbreitert. Vielleicht eigene Rasse, es könnte aber 
auch nur eine durch die Generation bedingte Verschieden- 
heit sein. Neu für Kleinasien. 


Cosymbia (Ephyra) pupillaria Hb. In T. von B. am 7. VIl. 
in der rötlichen Form badiaria Stgr. erbeutet. 


Rhodometra (Sterrha) sacraria L. mit ab. atrifasciaria Stef. 
ab Mitte Juni mehrfach in Ak. 


Rhodometra (Sterrha) antophilaria Hb. In T. ab Mitte Juli 


nicht selten; während die Q © zumeist (in prachtvoll rot 


231. 
258. 


259. 


260. 
261. 


202. 


263. 


— 182 — 


übergossenen Stücken) der ab. subrosearia Stgr. angehören, 
sind die Jg in ihrer Mehrheit zur Nominatform zu stellen, 


Lythria purpuraria L. 


Lythria purpurataL. Beide Arten wurden von B. auf dem 


S.-D. in ca. 1700— 2000 m erbeutet, Erstere in einem 9 
am 28. V., letztere in einem J'® am 25. VI. 


Ortholitha chenopodiata L. (limitata Sc.). S.-D. in etwa 
1500 m am 25. VII. 


Lithostege iarinata Hufn. 


Lithostege ilavicornata Z. Beide Arten kamen in T. vom 
Mai bis Mitte Juni an die Leinwand; flavicornata war aber 
zweifellos die häufigere Erscheinung. 


Lithostege griseata Schiff. Auch diese Art fingen wir 
im Mai am Lichte, darunter auch ab. obscurata Stgr. und 


ab. duplicaria Hb. 


Anaitis columbata Metzuer“ SD. in caa1500 1 as 
von B. erbeutet. 


"264. Anaitis plagiata L. Von Ende Mai bis Mitte Juni sowohl 


265. 


266. 


267. 


268. 


269. 


210: 


in der Steppe als auch auf dem S.-D, bis etwa 1500 m. 


Anaitis obsitaria Ld. Im letzten Maidrittel bis gegen Mitte 
Juni ziemlich häufig auf den Randbergen der Steppe, bei 
Tage an Felsen ruhend, besonders zahlreich jedoch an der 
Leinwand. Variiert etwas in der Färbung (blaugrau bis gelb- 
grau mit mehliger Bestäubung) und Intensität der Querbinden. 


Anaitis numidaria Ld. Nur auf dem S.-D. in ca. 1900 m 
am 25. VIL. von B. bei Tage erbeutet. 


Cidaria (Larentia) obstipata F. (fluviata Hb.). In T. mehrere 
Male am Lichte. 

Cidaria (Larentia) ludificata Stgr. Ende Mai einige schon 
etwas geflogene Stücke der var. decipiata Stgr. 

Cidaria (Larentia) putridariaH.S. In T. im Juni mehrfach 
an der Leinwand. 

Cidaria (Larentia) corollaria H.S. (unicata Gn.). Im letzten 
Maidrittel und wieder in 2. Generation ab Mitte Juni ziem- 


lich häufig am Lichte. Die Art variiert recht beträcht- 
lich in der Breite und Intensität der Mittelbinde, wie auch 


ne 


212. 


273. 


4274. 


275. 


+276. 


— El — 


durch die Vermehrung der dunklen Zeichnungselemente der 
Vfl. überhaupt. Bei manchen Exemplaren ist die Mittel- 
binde sowie das Wurzelfeld ganz dunkel ausgefüllt und 
reicht bis an den Innenrand (centralisata Stgr.), bei anderen 
wieder wird die Mittelbinde soweit durch die Grundfärbung 
verdrängt, daß sie in der unteren Hälfte + aufgelöst er- 
scheint (corollaria H.S.), sodaß bei extremen Stücken dieser 
Variationsrichtung eigentlich nur noch ein dunkler Costal- 
fleck übrig bleibt, was auch Staudinger veranlaßt haben 
dürfte, in corollaria (nach dem Bilde!!) eine Form der 
fluctuata zu erblicken, obwohl die 5 Fühler weit weniger 
kammzähnig sind als bei dieser. (Vgl. Zerny „Eos“ II 
[1927] p. 412.) 


Cataclysme (Larentia) riguataHb. Von B. in T. am 14. VIL 
in einem sehr dunklen Exemplare am Lichte erbeutet. 


Eupithecia (Tephroclystia) spissilineata Metzner. T. Ende 
Mai mehrfach an der Leinwand. 


Eupithecia (Tephroclystia) alliaria Stgr.. T. Mitte Juli. 
Die erbeuteten Stücke — obgleich etwas heller, was auf 
den nicht mehr ganz einwandfreien Erhaltungszustand zu- 
rückzuführen sein dürfte — lassen sich im Uebrigen von 
solchen österreichischer und ungarischer Herkunft nicht 
trennen, 


Eupithecia (Tephroclystia) scalptata) Chr. In T. vom 12. 
bis 20. VI. in wenigen Exemplaren an der Leinwand. Diese 
unverkennbare, wunderschöne Art ist neu für Klein- 
asien. 


Eupithecia (Tephrocylistia) breviculata Donz. T. am 14.V1. 
von B. in einem einzelnen Stücke erbeutet. 


Eupithecia calligraphata nov. sp. T. 13. VIL. ein 2 am 
Lichte. Obwohl es als ein gewagtes Unternehmen erschei- 
nen mag, in der Gattung Eupithecia nach einem einzelnen 
Exemplare eine neue Art aufzustellen, möge der Umstand 
die Berechtigung hiefür erbringen, daß weder ein mehr- 
stündiges Studium an Hand großen Vergleichsmaterials im 
Wiener Museum und unter Zuhilfenahme aller erdenklichen 
einschlägigen Literatur eine Identifizierung mit einer schon 
bekannten Art ermöglichte, wie auch die Tatsache, daß 
Herr Prout, dem ich das Stück zur Begutachtung sandte, 


1271. 


» 


— 184 — 


darin eine neue Art erblickte. Ich lasse nun deren Be- 
schreibung folgen. Der graphata Tr. zunächst und mit die- 
ser in der Zeichnungsanlage übereinstimmend, jedoch viel 
schlanker und spitzflügeliger. Nach Prout mit doppelter 
Areola. Färbung ziemlich rein grau, eintöniger als gra- 
phata, die weitaus bräunlicher gefärbt und wesentlich bun- 
ter ist. Alle Flügel mit deutlichen Mittelpunkten. Zeich- 
nungen verwaschener; deutlich erkennbar bleiben nur die 
beiden das Mittelfeld begrenzenden Querlinien, sowie die 
weißlichen Wellenlinien im dunkler grauen Saumfeld. Unter- 
seite weißlichgrau, sehr schwach gezeichnet, nur die Mittel- 
punkte treten hier deutlich zu Tage. Mit inconspicuata Bhtsch,, 
an die vielleicht gedacht werden könnte, hat die neue Art 
keinerlei Beziehungen; eher wäre an die von Amasia be- 
schriebene albofasciata Stgr.') zu denken. Die auf der 
beigegebenen Tafel gebrachte Abbildung läßt die neue Art 


gut erkennen. 


Eupithecia (Tephroclystia) dubiosata nov. spec. T. von 
Mitte bis Ende Juni in größerer Zahl am Lichte. Für diese 
Art gilt gleichfalls das bei calligraphata Gesagte; auch hier 
war nach stundenlangem Vergleich und Befragen der ein- 
schlägigen Literatur kein positives Resultat bezgl. Unter- 
bringung der Art bei einer schon bekannten zu erzielen, 
sodaß mir nichts übrig bleibt als auch diese als „neu” 
zu beschreiben. Die Stellung im System erfolgt m.E. am 
besten bei cauchyata Dup., mit der sie habituell die größte 
Aehnlichkeit aufweist. Während aber cauchyata einen aus- 
gesprochen gelblichen (bräunlichen) Eindruck hervorruft, 
ist die neue Art rein grau (etwa wie euphrasiata) ohne 
Spuren gelblicher oder bräunlicher Farbtöne. 
Nur ältere oder stark geflogene Exemplare weisen eine 
leichte Gesamtbräunung auf, wie dies bei grauen Eupithe- 
cien im Alter die Regel zu sein pflegt. Zeichnungsanlage 
und Querbindenverlauf wie bei cauchyata, es mangelt der 
neuen Art aber im Saumfelde die bei cauchyata stets vor- 
handene weißliche Wellenlinie; nur bei einem 7 ist dieselbe 
angedeutet. Die Mittelpunkte namentlich auf den Vfl. nicht 


Nach erfolgter Niederschrift konnte ich Einsicht in die Type der Eup. 


albofasciafa Stgr. nehmen und dabei feststellen, daß dieselbe keinerlei Aehn- 
lichkeit mit der hier beschriebenen neuen Art aufweist. 


"278, 


219. 


280. 


281. 


282. 


283. 


284. 


"285. 


286. 


287. 


— 185 — 


so kräftig als dies bei cauchyata in der Regel der Fali ist. 
Auch unterseits weist dubiosata — bis auf die ausgespro- 
chen graue Färbung — eine fast vollständige Uebereinstim- 
mung mit cauchyata auf. Es ist daher gar nicht ausge- 
schlossen, daß wir in dubiosata vielleicht nur eine auffällige 
Lokalrasse der ersteren zu erblicken haben. Ich führe auch 
diese „neue Art” — so gut es bei Eupithecien möglich ist — 
auf der beigegebenen Tafel im Bilde vor. 


Eilicrinia cordiaria Hb. Ein frisches © am 25. VII bei 
Ak. unter einem Weidenbaume (W.). Bereits von Pfeiffer 
in der g. v. Roesslerstammaria Stgr. für Ak. nachgewiesen. 


Rhoptria (Gnophos) asperaria Hb. Am 2. VII auf dem S.-D. 
in ca. 1600 m Höhe 1 5 der Nominatform. (W.). Für Klein- 


asien bisher nur aus Bythinien (Brussa) nachgewiesen. 


Gnophos stevenaria BB Von Bartha in T. am 18. VI. 
am Lichte erbeutet. 


Gnophos sartata Tr. Ende Mai in T. einige sehr große, 
aber sichere Exemplare an der Leinwand. 


Gnophos mutilata Stgr. Ein schönes, frisches 5’ von mir 
in T. am Lichte gefangen. 


Gnophos variegata Dup. T. Von Mitte Juni bis gegen 
Mitte Juli mehrfach in frischen Exemplaren der Form cym- 
balariata Mill. an der Leinwand. 


Naraga (Fidonia) fasciolaria Rott. Am 17.VI. ein sehr 
dunkles, schwach gezeichnetes 5 von mir am Lichte er- 
beutet. 


Chiasma (Phasiane) clathrata L. Mitte Juni mehrfach. 
Die erbeuteten Stücke nähern sich der sizlianischen Form 
aurata Trti. 


Tephrina (Eubolia) Hopiferaria Stgr. Ein 5 von Bartha 
in T. Anfang VIL. am Lichte. 


Dyscia (Scodonia) conspersaria F. Im Juni ein ® an der 
Leinwand, das mit Exemplaren der var. cuniculina Hb., wie 
ich sie aus Sizilien besitze, vollkommen übereinstimmt. (W.). 


—#1867 — 


NOLIDAE -SYNTOMIDAE. 


288. Nola spec. In Ak. erbeutete ich Anfang Juni eine, an 
einem Baumstamm sitzende, ziemlich große, graue Nolidae, 
die sich jedoch im Glase so abrieb, daß ich über deren Art- 
zugehörigkeit nichts Bestimmtes aussagen will. Es kann 
sich jedoch nur um strigula Schiff. oder (eher) um gigan- 
tula Stgr. gehandelt haben, beide aus Kleinasien bereits 
nachgewiesen. (W.) 


289. Dysauxes punctata F. Bei Ak. an den untersten Hängen 
des S.-D. im Juli mehrfach in der Form hyalina Frr. 


ARCTIUIDAE-ZYGAENIDAE. 


"290, Arctia hebeL. In der Steppe im Mai nicht selten am 
Lichte, Alle erbeuteten Stücke zeigen stark verbreiterte 
weiße Querbinden der Vfl., ein extremes J’ aus Coll. Bartha 
besitzt fast ganz rahmweise Vfl. Sehr wahrscheinlich ge- 
hören die Exemplare zur kürzlich (Horae Macrolepidoptero- 
logicae I, p. 75, Taf. 9 Fig. 14, 15) aus Kleinasien (Aintab, 
Malatia, Amasia, Tokat) aufgestellten ssp. nivea B.-H.; 
Pfeiffer gibt für Ak. die var. sartha Stgr. an. 


"291. Zygaena purpuralis Brünnich. Von mir in Ak. auf dem 
eingangs erwähnten muhamedanischen Friedhof in einem 
einzigen frischen 5’ erbeutet, das der ssp. villosa Bgff, an- 
gehören dürfte, da von Pfeiffer vom gleichenFundorte diese 
Form (det. Bgff.) angegeben wird. Oberst v. Bartha fing auf 
dem S.-D. in 1800—2000 m Höhe eine sehr kleine Form in 
geringer Zahl, die neuestens von Reiß') als nov. ssp. Barthai 
publiziert wurde. 


!) Freund Bartha hat leider (sehr gegen meine Absicht) seinen Teil 
unserer Zygaenen-Ausbeute an Herrn Hugo Reiß in Stuttgart zur Begutachtung 
gesandt. Das Resultat dieser „Begutachtung” übertraf meine Befürchtungen 
bei weitem! Brachte es doch Herr Reiß zustande, aus diesem für Zygaenen- 
studien ganz und gar unzulänglichen Materiale (8 Arten — wenn man von 
punctum und Ledereri absieht — in insgesamt kaum 2 Dutzend Exemplaren) 
6 neue „Rassen“ zu konstruieren, wobei allerdings einige glatte Synonyma 
geschaffen wurden. Bei der Gattung Zygaena, deren einzelne Arten — wie in 
keiner anderen Gattung — so ganz außerordentlich zu individueller Varia- 
tion neigen, ist dies ein Vorgang, der nicht genug verurteilt werden kann, 
Wenn Burseff u. a. auf Grund sehr reichlichen Materials (bei Burgeff 
bis zu mehreren hundert Exemplaren einer Rasse) und an Hand klarer 
Unterschiede — dann auch bei geringem Material — neue Rassen auf- 


— 187 — 


292. Zygaena punctum DO. Sowohl auf den Randbergen der 
Steppe, als auch in Ak. auf dem mehrfach erwähnten Fried- 
hofe im Juni in Anzahl erbeutet. Die Stücke unterscheiden 
sich in nichts von Exemplaren der var. dystrepta F.d.W, 
(= malatina Dz.) anderer Provenienz (Dalmatien, Griechen- 
land) meiner Sammlung, trotzdem kann Herr Reiß nicht 
umhin, eine neue ssp. anatoliensis hiefür aufzustellen. Für 
diese anatoliensis giit ganz besonders das in meiner 
Fußnote Gesagte. 


Um dies besser zu illustrieren zitiere ich die betreffenden 
Stellen der Originalbeschreibung Reiß, gleichzeitig meine eigene 
Ansicht äußernd. Die in Anführungszeichen stehenden Stellen 
sind der Originalbeschreibung Reiß’' entnommen. „Ist von var. 
dystrepta aus Südrußland schon durch geringere Größe zu unter- 
scheiden.“ Nun ist aber dystrepta nicht nur auf Südrußland 
beschränkt, sondern kommt auf der ganzen Balkanhalbinsel, in 
Armenien und (nach Burgeff, Lep. Catal., Zygaenidae I) auch in 
Kleinasien vor. Ich besitze Exemplare sicherer dystrepta aus 
Dalmatien und Griechenland, die zweifellos kleiner sind als 
solche aus Kleinasien (24—25 gegen 26 mm Expansion); dieses 
Merkmal ist also schon hinfällig, wenn auch natürlich kleinere 
Stücke vorkommen, aber hier ebenso wie überall. „Das 
Rot füllt die ganze Fläche des Vfl. aus, während bei meinen 


stellen, so ist dies verdienstlich und dagegen nichts einzuwenden, Wenn aber 
Herr Reiß an Hand von 2—3 Stücken und auf Grund von „Unterschieden“ 
die keine sind (vgl. punctum und laeta!) neue „Rassen“ schafft, so ist dies 
unbedingt verwerflich und führt letzten Endes zu einem Chaos, aus dem es 
überhaupt keinen Ausweg mehr gibt. 


Da Herr Reiß mit der Publikation seiner kleinasiatischen „Rassen” 
bereits begonnen hat (Int. Ent. Ztschr. Guben, 23. Jahrg., 1929, p. 148 u. ff.) 
muß ich bei Besprechung der einzelnen Arten notwendiger Weise und leider 
hiezu Stellung nehmen, umsomehr, als ich auf Grund meines eigenen Mate- 
rials unserer Reise wohl zu beurteilen vermag, inwieweit Herr Reiß hiebei 
übers Ziel schoß. Welcher Wert den von Herrn Reiß aufgestellten angeb- 
lichen „neuen Rassen” beizumessen ist, erhellt zur Genüge aus meinen bei 
den einzelnen Arten gemachten Ausführungen. 


Es darf wahrlich nicht Wunder nehmen, wenn durch ein solches Vor- 
gehen die Lepidopterologie derart in Mißkredit gekommen ist, daß ein sehr 
bekannter Kollege der „anderen Fakultät” vor gar nicht allzulanger Zeit 
den Ausspruch machen konnte: „Je weiter sich die Entomologie von der 
Lepidopterologie entfernt, desto wissenschaftlicher wird sie, womit 
klipp und klar zum Ausdruck gebracht ist, daß die Lepidopterologie, selbst 
in Entomologenkreisen, nur als „Spielerei" betrachtet wird, 


— 1 — 


dystrepta auf den Vfl. immer noch kleine Inseln, die nicht so 
stark rot beschuppt sind, verbleiben.“ In meiner Serie aus 
Akschehir befinden sich gleichfalls Stücke, die „nicht so stark 
rot beschuppt” sind, jasogar weit weniger stark als z.B. ein Exem- 
plar aus Griechenland und welche daher mit gutem Gewissen 
als transitierende Form zur punctum aufgefaßt werden können; 
hiemit wäre also auch Punkt 2 erledigt. Weiter heißt es in der 
Originalbeschreibung Reiß': „Das Rot hat einen leichten Stich in's 
Mennigrote, kann aber nicht als rein mennigrot (malatina Dz., 
Malatia) bezeichnet werden.“ Nun hat aber Dz. bei Aufstellung 
seiner malatina — die nebenbei bemerkt nach meiner Auffassung 
nur sozusagen das Extrem der dystrepta darstellt — mit keinem 
Worte einer mennigroten Färbung Erwähnung getan, sondern 
bezeichnet sie (malatina) als „hellrot”, was m. E. allerdings reich- 
lich falsch ausgedrückt ist; ich wenigstens stelle mir unter „hell- 
rot" etwas ganz anderes vor! Also auch dieses 3. Merkmal 
kanıl einer kritischen Prüfung keineswegs Stand halten und so- 
mit fällt die ganze „neue Rasse” in ein klägliches Nichts zu- 
sammen. Bestenfalls sind die Akschehir-Stücke mit malatina Dz. 
zu bezeichnen, wenn man diese (auch auf schwachen Füßen 
stehende) Rasse anerkennen will. Nun findet es Herr Reiß aber 
sogar angezeigt, außerdem noch eine ab. dystreptoides aufzustel- 
len für Stücke, deren Vorderflügel „nicht ganz gleichmäßig rot 
beschuppt“ sind. Da er selbst aber dystrepta mit den Worten 
„daß auf den Vorderflügeln immer noch kleine Inseln, die 
nicht so stark rot beschuppt sind, verbleiben" charakte- 
risiert, möge mir ein Mensch sagen, wo da überhaupt noch ein 
Unterschied zwischen dystrepta, malatina, anatoliensis und dy- 
streptoides bestehen soll? 

Ich mußte hier notgedrungen etwas länger verweilen, um 
die leichtfertige, haarspalterische Art und Weise, in welcher 
heute „Rassen“, „Subspezies* und „Aberrationen” nur so aus 
dem Aermel geschüttelt werden, wenigstens an einem einzigen 
Beispiel ad absurdum zu führen. 


*293, Zygaena achilleae Esp. In Ak. und an den mittleren 
Hängen des S.-D. bis gegen 1600 m vom 6. bis Ende Juni 
sehr einzeln. Sämtliche Exemplare gehören der ssp. ana- 
tolica Burgeff (Comment. Nr. 176) an, die durch „geringere 
Größe, große rosenrote, zur Konfluenz neigende Flecken der 
Vfl., rosenrote Hfl. und dichte gelbe Beschuppung der Vfl. — 
auch eines Teiles der Jo" — charakterisiert erscheint. 


— 2189 — 


294. Zygaena trifolii Esp. An den mittleren Hängen des S.-D. 
in ca. 16-1700 m Höhe Ende Juni 1 5 und 399 er- 
beutet, für welche Reiß den Namen natolica einführt. Die 
von B. erbeuteten 3 Ex. haben wohl viel Aehnlichkeit mit 
trifolii und könnten möglicher Weise dieser Art angehören, 
das 4. von mir erbeutete Stück, ein ©, hat aber wieder 
weit mehr Aehnlichkeit mit lonicerae. Da trifolii und loni- 
cerae mitunter wirklich schwer zu trennen sind, mag Herr 
Reiß mit seiner Auffassung Recht haben, keinesfalls aber 
berechtigt m. E. ein Material von 1 JS und 2 99 bei 
Zygaenen zur Aufstellung einer neuen Rasse! 


295. Zygaena Ledereri (Stgr. i. 1.) Rbl. (Catalog, Ed. III, Nr. 4353). 
Ak. vom 21. VI bis Mitte VIL in Mehrzahl in beiden Ge- 
schlechtern erbeutet. Reiß hält diese für eine filipendulae 
var. — womit er ja wahrscheinlich Recht behält — führt 
jedoch abermals einen neuen Rassen-Namen (anadolitia) 
ein. Ich konnte mich aber durch Typenvergleich im Wiener 
Museum überzeugen, daß es sich unzweifelhaft um die 
Rebel'sche Ledereri handelt. Meine Sammlungsexemplare 
stimmen mit Originalstücken haargenau überein, anadolitia 
Reiß fällt daher als Synonym.!) 


296. Zygaena laphria Frr. Ein von B. erbeutetes einzelnes, 
schon etwas defektes © hält Reiß für diese Art. Tatsäch- 
lich stimmt das Exemplar mit einem im Wiener Museum 
befindlichen 5 aus Armenien gut überein. Mir erscheint 
die Art als solche jedoch mehr als fraglich (überdies auch 
schon von Stgr.-Rbl. durch ein ? angezweifelt) ; sie erweckt 
eher den Eindruck einer etwas verbildeten filipendulae- 
Form. Auch Stgr. hielt (Lit.-Verz. 16) laphria Frr. nur 
für eine filipendulae ab. Die nichtssagende Beschreibung 
Freyers kann ebensogut auf alle anderen Arten der /oni- 
cerae-filipendulae-Gruppe bezogen werden. 


297. Zygaena dorycnii OD. Ak. 25.—28, VI. an den uiireren und 
mittleren Hängen des S.-D. Herr Reiß erblickt auch hierin 
eine neue Rasse und war so liebenswürdig, mir diese als 
wagneriana zu dedizieren. Ich quittiere natürlich dankend 
diese mir zugedachte Ehrung, kann mich aber derselben 
leider nicht erfreuen, da mir auch eine Berechtigung dieser 


1!) Burgeff führt (Comment. Nr. 244, Katalog p. 51) für den präokku- 
pierten Namen Ledereri den Namen cilicica ein. 


— ll) 


„Rasse“ nicht gegeben scheint. Abgesehen davon, daß auch 
hier das Material, welches Herrn Reiß vorgelegen, 2 509, 
1 Q, davon das eine J' ganz defekt) bei weitem nicht 
ausreichen kann, daraufhin eine eigene Rasse zu gründen 
— die von R. angegebenen Unterschiede sind zweifellos 
nur individueller Natur —, konnte ich mich durch Ver- 
gleich im Wiener Museum davon überzeugen, daß beispiels- 
weise ein g’ aus Eriwan und 1 Q@ aus Brussa dem von 
mir mitgenommenen Pärchen aus Akschehir vollständig 
gleicht. Das einzige, von Herrn Reiß unberücksicht gelassene 
Merkmal, welches mir für Wagneriana am bedeutsamsten 
scheint und allen erbeuteten Akschehir-Stücken zukommt, 
allerdings aber individuell auch bei Stücken anderer 
Provenienzen (vgl. oben) zu finden ist, ist der wesent- 
lich schwächere „optische Glanz“ der Vil. 


298. Zygaena laeta Hb. ssp. orientis Bgft. Ak. Ende Juni in 
wenigen Exemplaren. Bartha erbeutete nur 2 Exemplare, 
die allein Herrn Reiß vorlagen, trotzdem wurde von ihm eine 
var. akschehirensis aufgestell, deren Eigentümlichkeiten sich 
aber mit jenen der orientis Bgff. vollkommen decken. Ak- 
schehirensis stellt somit wieder ein glattes Synonym dar. 


Burgeff charakterisiert seine orientis folgendermaßen: „ssp. 
orientis soll die östl. Rassen umfassen. Die unterscheiden sich 
von laeta-laeta vor allem durch ein bis an die Basis gerö- 
tetes Abdomen und das häufigere Auftreten der inversen 
Zeichnung (ab. pseudomannerheimi) Hinterflügel am Apex 
mit Spuren der schwarzen Umrandung“ Bei Reiß 
dagegen heißt es: „Entspricht nicht der mannerheimi vom Pon- 
tus. Aehnelt mehr der typischen laeta. Am Apex der Hil. 
leichte schwarze Umrandung beim 9, beim 5 beinahe 
so stark wie bei laeta-laeta. Das Rot am Hinterleib erscheint 
gegenüber laeta-laeta vermehrt. Der ganze Unterschied zwischen 
orientis Bsff. und akschehirensis Reiß besteht also darin, daß orientis 
„Spuren schwarzer Umrandung der Hfl.*, akschehirensis aber nur 
„leichte schwarze Umrandung“, orientis ein „bis an die Basis 
gerötetes Abdomen“, akschehirensis aber „das Rot am Hinter- 
leib vermehrt“ zeigt; also eine „Rasse“, deren Unterschiede 
eigentlich nur in anders gewählten Worten bestehen! 

Die mir vorliegenden ganz frischen Exemplare stimmen mit 
Burgeff’s Diagnose sehr gut überein, mein J besitzt im Gegen- 


— ale) — 


satz zu Reiß' Angaben die Umrandung der Hil. tatsächlich nur 
in „Spuren“, weit schwächer als typische /aeta, das Abdomen 
ist bis nahe an die Basis rot. 


Trotz dieses eigentlich recht kläglichen „Zusammenbruchs“ 
der meisten von Herrn Reiß aufgestellten neuen „Rassen“ bin 
ich dem genannten Herrn doch zu außerordentlichem Dank 
verpflichet, denn er war die indirekte — oder richtiger direkte — 
Ursache, daß ich gelegentlich der zur Widerlegung der Reiß- 
schen Neuaufstellungen notwendig gewordenen Durchstöberung 
der einschlägigen Literatur gerade bezüglich laefa eine höchst 
interessante, nomenklatorisch wichtige Entdeckung 
machen konnte und zwar in Betreff Mannerheimi Chard. Es 
hatte sich nämlich dabei herausgestellt, daß sowohl Manner- 
heimi Chard., als auch Mannerheimi H. S. 104 (VI. p. 45) gar 
keine laeta-Formen sind! 


Was die beiden (nach den Bildern und nach den Beschrei- 
bungen verschiedenen) Mannerheimi eigentlich sind, wird sich 
ohne — gegenwärtig wohl kaum mehr möglichen, oder zumindest 
doch sehr schwierigen — Typenvergleich nicht mehr nachweisen 
lassen. Zweifellos ist es jedoch, daß sowohl Mannerheimi Chard., 
als auch Mannerheimi H. S. aberrative confluente Formen 
irgend einer anderen Zygaena sp. darstellen und zwar 
am allerwahrscheinlichsten der Zyg. cynarae, wofür bei beiden 
Abbildungen der rote Hinterleibsgürtel sowie die von Chardiny 
für laeta unmögliche, für cynarae resp. deren var. ceniaureae 
dagegen sehr wohl mögliche Lokalitätsangabe „Siberie or.“ 
sprechen würden. Da ja letztere aus Ross. m. or. bekannt ist 
und man im Jahre 1836 vermutlich auf eine genaue Fundorts- 
bezeichnung wenig oder keinen Wert legte, stellte Siberie statt 
Russie kein so großes „Verbrechen“ dar. Trotzdem scheint es 
fast unerklärlich, daß sich eine solch auffällige Fehldiagnose — 
trotz aller Spezialisten — fast 100 Jahre lang unaufgeklärt und 
unangetastet halten konnte. Nur Staudinger hat in seinem 
Catalog Ed. II bei Mannerheimi durch die Worte in Klammern: 
(num sp. distincta?) schüchterne Zweifel an der Zusammen- 
gehörigkeit der beiden (laeta und Mannerheimi) zum Ausdruck 
gebracht, in der 3. Ed. des „Katalog. der pal. Lepidopteren“ ist 
jedoch von einem Zweifel keine Rede mehr. Meine Ansicht 
aber, daß weder Mannerheimi Chard., noch Mannerheimi H. S. 


zur laeta gehören können, mögen folgende Beweise erhärten. 


— 192 — 


Erstens mangelt beiden Abbildungen der für laeta so 
charakteristisch rote Halskragen. Weiters zeigen beide 
Bilder nur einen schmalen, nur ein Segment einnehmenden 
roten Gürtel, während laefa bekanntermaßen auch in der Nominat- 
form mindestens 3, meist aber 4 Hinterleibsringe rot zeigt. In 
der Beschreibung, die ich auszugsweise wiedergebe, sagt Char- 
diny ausdrücklich: „La tete et la corselet sont d’un noir tres 
bleu,” erwähnt also mit keinem Worte eines roten Halskragens, 
welcher von ihm doch unmöglich hätte übersehen werden können, 
und weiter: „l’abdomen est &galement noir, äson extr&mite 
se trouve un anneau rouge, ouvert dans la partie infe- 
rieure“” (das gesperrt gedruckte rührt von mir her). Da laeta 
den roten Hinterleibsgürtel erstens nie nur über ein Segment 
zeigt, derselbe außerdem unten stets geschlossen ist, kann 
auch dieses Merkmal niemals auf laefa bezogen werden. Als 
weitere Argumente für die Richtigkeit meiner Auffassung will 
ich noch anführen, daß Chardiny seine Mannerheimi in die Nähe 
der minos (purpuralis) und punctum gestellt wissen wollte, damit 
dokumentierend, daß er an eine Zusammengehörigkeit mit laeta 
auch selbst nicht im Entferntesten dachte. Der betreffende Passus 
in der Originalbeschreibung lautet: „Cette espece tres distincte a 
un peu le port de Minos, mais elle est plus petite d’un quart, 
et les ailes sont plus arrondies; elle me parait d’avoir &tre con- 
venablement placee a cöte de punctum.” 

Das in der unvergleichlich schönen und reichhaltigen Bib- 
liothek des Wiener Naturhistorischen Museums befindliche Exem- 
plar der seltenen Silbermann’schen „Revue Entomologique”, wel- 
ches die Originalbeschreibung und Abbildung der Mannerheimi 
Chardiny enthält, zeigt übrigens neben dem Bilde eine hand- 
schriftliche Bemerkung Rogenhofers, des früheren Vorstandes 
der lepidopt. Abteilung: „eher cynarae", woraus ersichtlich, daß 
auch ihm Zweifel gekommen waren. Herrich-Schäffer bestreitet 
die Zugehörigkeit der Mannerheimi zu minos wegen der zu 
dünnen Fühler, schreibt aber nichts bezüglich der Zugehörigkeit 
zu laeta. Mir will es scheinen, daß der so lange bestandene 
Irrtum in erster Linie dem Bilde Herrich-Sehäffers zuzuschreiben 
ist, welches zwar gleichfalls (mangels des roten Halskragens und 
zufolge des gleichfalls nur .ein Hinterleibssegment umfassenden 
roten Ringes) niemals eine /aefa vorstellen kann, dafür aber eine 
ausgesprochen inverse Zygaenen-Zeichnung, wie sie eben bei 
laeta die Regel ist, aufweist. Es stellt ein stark konfluentes, 


— 18 — 


aberratives Exemplar einer Species (vermutlich cynarae) dar, 
bei dem in der sonst vollkommen roten Vfl-Fläche nur noch 
2 schwarze Inselchen übrig bleiben. 

Für mich kann nach all dem Gesagten nicht der geringste 
Zweifel mehr bestehen, daß Mannerheimi Chardiny und Manner- 
heimi H.S. keinesfalls zu laeta, sondern zu irgend einer ande- 
ren Spezies (wie mehrfach erwähnt vermutlich zu cynarae) 
gehören und nur aberrative, konfluente Exemplare eben dieser 
fraglichen, zur Zeit noch nicht mit Sicherheit erkannten Art sind. 

Klärung solcher Fragen, deren es in der Gattung Zygaena 
sicherlich noch eine ganze Reihe gibt, wären ein ungleich dank- 
bareres Feld für den Spezialisten als es die Aufstellung hunderter 
auf tönernen Füßen stehenden sog. „Rassen“ jemals sein kann! 

Mannerheimi Chardini ist nach den vorstehenden Ausfüh- 
rungen bei laeta zu streichen und vorläufig vielleicht am besten 
als Synonym (oder als Aberrationsbezeichnung) zu cynarae zu 
stellen. Für die laeta-Form vom Pontus, Ural etc., die ja bisher 
immer fälschlich als Mannerheimi bezeichnet wurde und die sich 
durch die eingangs erwähnten Merkmale — namentlich durch 
den fast ganz geröteten Hinterleib — doch ziemlich wesentlich 
von laefa Nominatform unterscheidet, könnte der Name orientis 
Bgif. verwendet, d. h. also auch auf diese ausgedehnt werden. 


299. Ino (Procris) amasina H.S.'!) Ak. 21.—30. VI. und S.-D. 
in cca. 1700 m am 26. VI. 
300. Ino chloros Hb. Von B. Ende Juni 1 frisches J bei Ak. 


erbeutet. 


1301.Ino anatolica Nauf. nov. sp. (Mitt. Münch. Ent. Ges. XIX., 
1929, p. 94). Diese der chloros nahestehende, durch die 
viel dunklere, bräunlich-olivgrüne, Färbung der Vil. sofort 
kenntliche, neue Art wurde von uns im 1. Junidrittel in der 

. Umgebung von Ak. in kleiner Zahl beiderlei Geschlechts 
erbeutet. Ich verweise im übrigen auf die ausführlichen 
Mitteilungen Naufock’s in dieser Zeitschrift. 

302. Ino cognata Rbr. var. subsolana Stgr. S.-D. cca. 1700 m 

von B. 1 5 erbeutet. 


303. Ino suspecta Stgr. Sowohl um Ak., als auch auf dem 
S.-D. in 1700—2000 m Höhe von Ende Juni bis Mitte Juli 
1) Wie schon eingangs erwähnt, war Herr A. Naufock-Linz so gütig, 


die Revision unserer Procris({Ino)-Ausbeute in der ihm eigenen gewissen- 
haften Weise zu besorgen, wofür ihm auch hier nochmals wärmstens gedankt sei. 


— 10 — 


in mehreren Paaren. Zu diesen beiden letzteren, im Stgr.- 
Rebel-Katalog noch als getrennte Arten behandelten Procris 
teilt mir Herr Naufock liebenswürdiger Weise folgendes, 
mit der Erlaubnis. davon Gebrauch machen zu dürfen, mit: 
„Cognata Rbr., suspecta und subsolana bilden eine Art. 
Cognata H.S. ist strittig, ob sie nicht doch mit cognata 
Rbr. zusammenfällt, dann müßte es heißen cognata H.S. 
var. suspecta Stgr. usw. Ich schreibe vorläufig cognata 
Rambur, weil nach dessen Beschreibung das Tier zu er- 
kennen ist, was bei H.S. nicht der Fall ist. Ist jedoch 
cognata H. S. nicht identisch, ist es am besten, den Namen 
fallen zu lassen und für cognata H.S. im Seitz (alo cog- 
nata Jord.), die eine andere Art ist und mit cognata Rbr. 
nichts zu tun hat, den von M. Rjabov-Leningrad i. |. ein- 
geführten Namen intermedia zu geben. Dies wird sich ja 
klären. Im übrigen habe ich der var. suspecta gleichende 
Stücke aus Italien, die ich für cognata Rbr. ansehe, nur in 
der Färbung sind sie ein wenig mehr blaugrün.“ Und 
weiter über subsolana Stgr.: „Ebenso auffallend wie chloros, 
da nur 1 Stück. Es ist ein artlicher Unterschied gegen- 
über Mödlinger-Stücken (der subsolana) nicht zu finden 
und würde man annehmen, daß es nur ein kleines Stück 
der suspecta-Serie ist, so ergibt sich die Zusammengehörig- 
keit cognata Rbr.-suspecta-Stgr.-subsolana von selbst. Alle 
drei Genital-Apparate sind gleich!“ 

Jordan stellt im „Seitz“ subsolana und suspecta als öst- 


liche Rassen der globulariae auf und führt cognata H.S. als eigene 


Art. 


Cognata Rbr. wird von ihm überhaupt nicht erwähnt. 


1304.Ino graeca Jord. Ak. im ersten Junidrittel von B.2 50 


29 erbeutet. Diese von Jordan — zufolge der anders 
gestalteten Bauchplatte und Haftklappe des J — nach 
Stücken aus dem Taygetos aufgestellte Art ist neu für 
Kleinasien. Die von Rebel (Lit.-Verz. 8) für Morea ange- 
gegebene amaura Stgr. dürfte — da vom gleichen Fund- 
orte und gleichen Datums — mit der damals noch nicht 
publizierten graeca identisch sein. 


305. Ino obscura Zell. Ak. Anfang Juni 3 Zd, 1 2 und 


S.-D. 26. VI. 1 ©. Hiezu bemerkt Naufock: „Aus Ihren 
beiden 5’ konnte ich nicht klug werden. Pfeiffer sandte 
mir über mein Ersuchen seine ebendort gefangenen Stücke, 


— (5 — 


auch die beiden breitflügeligen 55, die er für eine statices- 
Form ansieht. Auch sandte er das von je einem J' her- 
gestellte Genitalpräparat. Beide Genitalapparate sind aber 
schwer von jenen einer unserer statices-Formen zu unter- 
scheiden. Ebenso auch untereinander. Ob es nicht doch 
nur eine statices-Form ist? Mir sind die Hil. Ihrer Stücke 
(auch jener Pfeiffer's) viel zu durchsichtig (genau so wie 
dies eben sfatices hat), als dies bei obscura der Fall sein 
könnte, von der Staudinger sagt: „Hinterflügel wie bei 
anceps”" und bei anceps wieder „Hinterflügel dunkler als 
bei geryon“. Geryon hat aber bereits viel weniger durch- 
sichtige Hfl. als statices. Ihre beiden Stücke stimmen in 
der Größe nicht ganz mit jenen Pfeiffers, sondern sind 
etwas kleiner, passen aber sonst ziemlich gut.“ Ueber das 
ihm eingesandte (fühlerlose) @ sagt Naufock: „Dieses 9 
ohne Fühler gehört zu den beiden Jo. Es ist mit den 
QQ Pfeiffers gleich, die er dort fing. An den 2 Q9 kann 
man schon gar keinen Unterschied gegen statices finden.“ 
Das von B. gefangene 5% bezeichnet Naufock dann ohne 
weitere Bemerkung als obscura Z. 


Ich möchte meinerseits hiezu nur noch bemerken, daß 
mir die beiden in Rede stehenden 3 9 doch einen wesent- 
lich dunkleren Eindruck zu machen scheinen als geryon 
Hb. verschiedener Herkunft und daß es sich wohl doch 
um obscura Z. handelt, die ja vielleicht wieder nur eine 
südöstliche Rasse der geryon ist und von welcher weder 
Jordan noch Naufock etwas über die Form der Haftklappe 
des J aussagen. Sfatices und deren Formen erscheinen 
mir im äußeren Habitus viel robuster und breitflügeliger, 
mit weit mehr abgerundeter Vfl.-Spitze. Rebel gibt übrigens 
(Lit.-Verz. 10) das sehr dunkle Abdomen als charakte- 
ristisch für obscura an, was für meine Stücke gleichfalls 
zutreffen würde. 


PSYCHIDAE- SESIIDAE - COSSIDAE. 


7306. Amicta spec. Bartha fand Anfang Juli einen bereits ge- 
schlüpften @ Sack, der im Aussehen und in der Art der 
Bekleidung die größte Aehnlichkeit mit Ecksteini Ld. auf- 
weist und vermutlich dieser Art angehört. Ecksteini wäre 
neu für Kleinasien. 


307. 


308. 


309, 


310. 


311. 


>12, 


— 196 — 


Rebelia spec. Ein von mir Ende Mai aufgefundener mit 
Sand und Glimmerstückchen bekleideter „rübenförmiger” 
Sack, läßt die Zugehörigkeit zu dieser Gattung so ziemlich 
außer allem Zweifel erscheinen. 


Sesia masariformis O. Ein einzelnes, ziemlich frisches / 
am 1. VI. am Friedhof von Ak. von mir erbeutet. 


Sesia doleriformis H.S. Auf dem kleinen Friedhof ober- 
halb Akschehirs wurde ein frisches @ am 23. VIL von B,, 
einige Tage später ein weiteres, schon etwas abgeflogenes, 
o' von mir gefangen. 


Sesia Haberhaueri Stgr. Am 29. V. ein einzelnes © von 
mir erbeutet. Leider blieben trotz tagelanger angestreng- 
tester Sesiensuche, diese 3 Arten die einzigen Vertreter 
des sonst an Sesien so reichen Kleinasiens. 


Paranthrene myrmosaeformis H.S. Ak. auf dem bekann- 
ten großen Friedhofe vom 3. VI. bis gegen Ende des Mo- 
nats in ziemlicher Zahl. Immer nur in der Nähe von He- 
lianthemum, in welchem ich die Futterpflanze vermute. 


Cossulinus argentatus Stgr. Von dieser schönen, wenig 
gekannten Cossidae, die — wie schon Seitz ganz richtig 
erwähnt — den Eindruck einer albinotischen Hypopta er- 
weckt, erbeuteten wir vom 9. bis Ende VII. eine kleine 
Zahl 5 und 2 in T. an der Leinwand. 


7313.Holcocerus volgensis Chr. Ab Mitte Juli einige Paare in 


314. 


315. 


T. am Lichte. Die vorliegenden Stücke sind etwas heller 
und kräftiger gezeichnet als südrussische Exemplare meiner 
Sammlung, wurden aber auch von Herrn Dr. Hering-Berlin 
an Hand der an Holcocerus-Arten so reichen Sammlung Pün- 
geler als diese Art bestimmt. Bisher nur aus Südrußland 
nachgewiesen und neu für Kleinasien. 


Dyspessa pallida Stgr. Im letzten Maidrittel sehr zahlreich 
in T. am Lichte. Vertritt hier offensichtlich unsere ulula, 
der sie auch sonst sehr nahesteht. 


Dyspessa emilia Stgr. Auch diese Art kam — jedoch erst 


ab 3. VIIL. — nicht selten in T. an die Leinwand. Leider 
wurden von beiden nur Jo erbeutet. 


7316. Phragmataecia castaneae Hb. In T. im letzten Maidrittel 


und erst wieder ab Mitte VII, mehrfach am Lichte, Selbst- 


317, 


38. 


Sul) 


320. 
321. 
822. 
\ 


"323. 
"324. 


225 


— 197 — 


verständlich kann hier an keine 2. Generation gedacht 
werden, sondern es handelt sich hier nur um eine lang 
ausgedehnte Flugzeit. Alle Stücke gehören der grauen 
var. cinerea Teich an. Bis Japan verbreitet, für Klein- 
asien bisher jedoch noch nicht nachgewiesen. 


Phragmataecia territa Stgr. Ab Mitte Juli sehr einzeln 
an der Leinwand. 


PYRALIDAE') 
Von Dr. H. Zerny. 


Crambus paludellus Hb. Ein meist graues @ mit deutlicher 
Punktzeichnung, Mitte Juli. Neu für Kleinasien. Bis- 
her nur aus Europa (mit Ausnahme des Nordens und Süd- 
westens), dem Amurgebiet und Japan bekannt. 


Crambus luteellus Schiff. Mitte Juni und Mitte Juli in 
beiden Geschlechtern. Die Jo’ blaß beinfarbig, die 2 2 
lebhaft strohgelb. 


Crambus perlellus Scop. 5 Mitte Juli. 
Crambus saxonellus Zck. 9% Ende Juni. 
Platytes carectella Z. 5 Mitte Juli. Neu für Klein- 


asien, doch aus Syrien bekannt. 
Eromene ramburiella Dup. 9 Mitte Juli. 


Chilo brevipalpellus Zerny (Ann. naturhist. Hofmus. Wien 
XXVIIN p. 303, A.25, £.6. [1914]. 1 5 Mitte Juli. War bis- 


her nur aus Palästina und Aegypten bekannt. 


Schoenobius eigantellus Schiff. © Mitte Juni. Neu für 


‘Kleinasien, doch aus Armenien und Palästina bekannt. 


"326. 


22° 
) 


Acentropus niveus Oliv. Mitte Juli mehrfach in beiden 
Geschlechtern am Licht. Das 2 gehört der vollgeflügelten 
Form HansoniSteph. an. War bisher nur aus Europa 
bekannt. 


Anerastia ablutella Z. 2 SS. 1 2. Ende Mai, Mitte Juni. 
Caradja hat (Iris XXIV (1910) p. 105—147 und XXX (p. 144) zahlreiche 


Angaben über Pyraliden von Akschehir, der Ausbeute M.Korb’s entstammend, 
veröffentlicht, doch wird die Mehrzahl der hier aufgezählten Arten dort nicht 
erwähnt. Diese wurden in vorliegender Aufzählungen mit einem Sternchen (*) 
bezeichnet. 


"328. 


329, 
330; 
331, 
92% 
333. 


"334. 


333. 
7336 


— 18 — 


Saluria chehirella nov. spec. J.. 

Vorderflügel in der Vorderrandshälfte schmutzigweiß, in der 
Innenrandshälfte schmutzig beingelb. Die Adern grau an- 
gelegt; die grauen Adernsäume verbreitern sich im Saum- 
felde keilförmig bis zum Saume. Die oberen Zellwinkel ein 
kurzer grauer Längsstrich. Unterhalb der Zelle zieht aus 
der Wurzel ein grauer Längsstreif, der die schmutzigweiße 
Färbung des Vorderrandsteiles von den beinfarbenen des 
Innenrandsteiles scheidet und sich als graue Säumung der 
Adern C, und C, bis zum Saume fortsetzt. Fransen weiß- 
lich mit 3 grauen Teilungslinien und grauen Spitzen. Unter- 
seite mit Ausnahme des Innenrandsteiles beraucht. Hinter- 
flügel glänzend durchscheinend gelhlichweiß, unterseits mit 
bräunlichem Vorderrand. Kopf mit Ausnahme des weiß- 
lichen Scheitels schmutzig beinfarben, ebenso die Schulter- 
decken, der Körper sonst weißlich. Fühler sägezähnig und 
büschelig bewimpert, die Gürtel an der Basis verdickt und 
etwas ausgebogen, doch ohne Schuppenkamm. Labialpalpen 
gerade vorgestreckt mit geneigtem Endglied, von doppelter 
Länge des Augendurchmessers, außen grau, innen weißlich. 
Maxillarpalpen bei dem vorliegenden Exemplar (dem auch 
der linke Labialpalpus fehlt) nicht zu sehen. Ein 5 Mitte 
Juli. Vorderflügellänge 9,5 mm. 


Von den 4 bisher bekannten paläarktischen Saluria-Arten 
(siehe Hamps. Proc. Zool. Soc. Lond. 1918 p. 93—104), die 
sämtlich lang einreihig gekämmte Fühler besitzen, sofort 
durch die nur sägezähnigen Fühler zu unterscheiden. 
Ematheudes punctella Tr. 2 55 Mitte Juli. 

Ephestia interfusella Rag. 5 Mitte Juli. 
Ancylosis cephella Rag. ‘Mehrfach Ende Mai, Anfang Juli. 


Ancylosis sareptella H.S. 2 5 Ende Juni, Mitte Juli. 


Lydia liturosella Ersch. 5% Ende Mai. 
Ancylodes staminella Chr. Mehrfach Anfang Juni bis Ende 


Juli. Nur für Kleinasien, doch aus Syrien bekannt. 
Heterographis hellenica Stgr. Mehrfach Mitte Juli. 


Heterographis delicatella Möschl. Mehrfach Ende Mai, 
Mitte Juli. 


— 199 — 


337. Heterographis molochinella nov. spec. 9 

Vorderflügel schmutzig ockergelb mit verwaschenen Zeich- 
nungen. Im Wurzelfeld ein undeutlich begrenzter Fleck 
von der Form eines Dreiecks, dessen Spitze gegen die Wur- 
zel meist, aus chwärzlichen und eingemischten karminroten 
Schuppen bestehend. Das Mittelfeld besonders in der Längs- 
mitte schwärzlich, mit eingemischten karminroten Schuppen. 
Am Zellschluß zwei schräg übereinander liegende, undeut- 
liche karminrote Punkte. Die erste Querlinie nur dadurch 
angedeutet, daß zwischen dem schwärzlich beschuppten 
Wurzel- und Mittelfeld ein breiter, fast lotrechter Quer- 
streif frei von dunkler Beschuppung ist. An deren äußerer 
Begrenzung liegt in der Falte ein schwärzlicher Punkt. Die 
äußere Querlinie nur durch die äußere karminrote Begren- 
zung des Mittelfeldes angedeutet, welche in der Diskoidal- 
und Analfalte nach innen einspringt und gegen den Innen- 
rand zu sich verliert. Die beiden Querlinien konvergieren 
nur wenig gegen den Innenrand. Flügelspitze und Saum 
karminrot, Fransen rosenrot mit einer lichten Teilungslinie. 
Unterseite mit Ausnahme aller Ränder beraucht. Hinter- 
flügel glänzend hellgrau, Fransen meist mit grauer Teilungs- 
linie nahe der Basis. Körper und alle Anhänge schmutzig 
ockergelb. Vorderflügellänge 100 mm. Ein 9 Ende Mai. 

Gehört in die Verwandtschaft von H. hellenica Stgr., 
rhodochrella H.S. und delicatella Möschl, von welchen 
Arten sich molochinella jedoch sofort durch das Fehlen 
der Vorderrandsstrieme der Vorderflügel unterscheidet. 
Ciliciella Car. unterscheidet sich durch ganz zeichnungslose 


Vorderflügel. 


337. Heterographis pyrethrellaH.S. Mehrfach Ende Mai bis 
Miste Juli. 


1'338. Heterographis subcandidatella Rag. 5' Anfang Juli. Neu 
| für Kleinasien. Bisher aus Turkestan, Nordpersien, 
Nordmesopotamien und Algerien bekannt. 


7"339.Heterographis trifasciella Rag. Mehrfach Mitte Juni, Mitte 
Juli. Bisher nur aus dem Thianschangebiet 
bekannt. 


340. Heterographis ephedrella H.S. 2 5 Anfang u. Mitte Juli. 
341. Heterographis obliteilla Z.. 2 Mitte Juli. 


— 2005 


*342. Epischidia albunculella Stgr. 2 Exemplare Mitte Juni, Ar- 
fang Juli. 


343. Metallosticha argyrogrammos Z. 9 Mitte Juli. 
"344, Megasis mimeticella Stgr. 5 Ende Mai. 
*345. Epischnia Iydella Ld. 52 Ende Mai, Mitte Juni. 


"346. Epischnia boisduvaliella Gn. var. tabulellaRag. 5 Anfang 
Juni. 


7347. Epischnia leucomixtella Rag. © Mitte Juni. Bisher nur 
aus Armenien bekannt. 


*348. Salebria brephiella Stgr. 5 Ende Mai. 
*349, Salebria noctivaga Stgr. Mehrfach Anfang und Mitte Juli. 


*350. Salebria placidella nov. spec. J? 
Vorderflügel hell lederbraun mit einem rein weißen Längs- 
streif, der aus der Wurzel sehr schmal beginnend und hier 
teilweise von schwarzen Schuppen verdeckt, den hinteren 
Teil der Zelle ausfüllend, sich bis zum Zellschluß verbrei- 
ternd und dann wieder verschmälernd, bis zur äußeren 
Querlinie zieht. In ihm liegen dort, wo ihn die erste Quer- 
linie trifft und am Zellschluß je ein kurzer schwarzer Längs- 
strich. Kosialfeld stark mit weißlichen Schuppen unterwirkt, 
die sich beim © zu einer deutlichen weißen Kostalstrieme 
verdichten. Im Basalfeld ein den Innenrand anspitzender 
großer weißer, teilweise von schwarzen Schuppen verdeck- 
ter Fleck, der den Längsstreif nicht erreicht. Erste Quer- 
linie nur zwischen Längsstreif und Innenrand deutlich, 
wenig schräg, rein weiß, an der Analader etwas basal- 
wärts einspringend. Aeußere Querlinie dem Saume nahe- 
zu parallel, rein weiß, in der Diskoidalfalte sich etwas ver- 
breiternd und basalwärts einspringend, im übrigen schwach 
gezähnt und überall wurzelwärts schwärzlich angelegt. Die 
Analader weiß angelegt, die Adern zwischen Zellschlauch 
und unterer Querlinie weiß und schwärzlich angelegt. In 
der Flügelspitze ein schwärzlicher Fleck. Saum weiß mit 
einer Reihe schwärzlicher Punkte. Fransen glänzend grau, 
im Basaldrittel dunkler, mit zwei helleren Teilungslinien. 
Unterseite beraucht, mit gelbbraunem Kostalrand und deut- 
lich hellerer äußerer Querlinie. Hinterflügel durchscheinend 
gelblich weiß, saumwärts allmählich verdunkelt. Fransen 


— 201 — 


weißlich, im Basaldrittel grau. Körper und alle Anhänge 
hell gelbbraun, Basalglied der Palpen und Vorderkante des 
Mittelgliedes weißlich, Fühler dunkler geringelt. Fühler 
des 5 schwach gekerbt und deutlich pubeszent (die Pubes- 
zenz von der Länge des Durchmessers der Genitalglieder), 
mit starkem Schuppenbusch an der Basis. Labialpalpen 
des 5 senkrecht nach oben gerichtet, dem Gesichte an- 
gepreßt, den Kopf um den halben Augendurchmesser über- 
ragend. Bei den vorliegenden 9 fehlt (wohl nur abnormer 
Weise) ein Medianast der Hinterflügel. Vorderflügellänge 
9,5—10 mm. 20 19 Mitte Juli. 

Eine sehr distinkte Art, die am besten bei der (mir in 
natura unbekannten) nobilella Rag. einzureihen ist, von der 
sie sich jedoch u. a. durch die rein weiße erste Querlinie 
sofort unterscheidet. 


351, Salebria albistrigata Stgr. Mitte Juni. 

"352. Nephopteryx alpiginella Dup. 5 Mitte Juni. 

353. Pterothryx contectella Z. 52 Ende Mai, Mitte Juli. 
"354. Rhodophaea legatella Hb. 2 Anfang Juli. 

355. Myelois multiforella Rag. © Mitte Juni. 


356. Pyralis perversalis H.S. Zwei auffallend große, stark röt- 
lich gefärbte 95 Mitte Juli. War bisher nur aus Sieben- 
bürgen, Südrußland und Armenien bekannt. 

Caradja erwähnt (Iris XXX p. 18) P. transcaspica Rbl. 
von Akschehir, doch gehören die vorliegenden Stücke 
sicher nicht zu dieser Art. 

*357. Dattinia (Constantia) colchicalisH. S. 5 ohne Datum. 

"358. Cledeobia moldavica Esp. 52 Ende Mai, Anfang Juni. 

7 359. Nymphula stratiotataL. 5? Mitte Juni. Neu für Klein- 
asien. 

1360. Cataclysta lemnata L. Mitte Juni2 Sc von der Färbung 
der 22. Neu für Kleinasien. 

“361. Evergestis desertalis Hb. 5’ Ende Mai. 

"362. Loxostege Wagneri nov. spec. 0’ 

Vorderflügel holzbraun, mit beinfarbenen und schwarzen 
Zeichnungen. Beinfarben sind: die distale Hälfte der Zelle 
mit Ausnahme einer Ringmakel, ein Längsstreifen unterhalb 
der Zelle von der Wurzel bis gegen die äußere Querlinie, 


= 2012 — 


ferner je ein länglicher Fleck zwischen Ader M, und M, 
und zwischen Ader M, und C,, beide im Raume zwischen 
Feld und äußerer Querlinie. Die letztere ist schwach 
s-förmig geschwungen und besteht aus beinfarbenen Längs- 
fleckchen und den Aderzwischenräumen; schließlich eine 
beinfarbene Linie vor dem Saume, der selbst holzbraun ist. 
Am Vorderrand sind der holzbraunen Grundfarbe einige 
weißliche Schuppen eingemengt, in der Mitte des Innen- 
randes ist jene von solchen größtenteils verdeckt. Schwarz 
ist die obenerwähnte länglich ringförmige, in eine kurze 
saumwärts gerichtete Spitze ausgezogene, von der Grund- 
farbe ausgefüllte Makel bei °/, deren Länge; ferner ein 
Längsstrich in der Analtalte, der den beinfarbenen Längs- 
streifen unten begrenzt, eine halbmondförmige Makel am 
Zellschluß, Längsstriche zu beiden Seiten der Adern im 
Raume zwischen Zelle und äußerer Querlinie, mit der Spitze 
wurzelwärts gerichtetete Pfeilstriche vor dem Saume, die 
bis zur äußeren Querlinie reichen. Die Fransen holzbraun, 
mit beinfarbener Wurzel und breiter solcher Teilungslinie. 
Unterseite größtenteils beinfarben, der Vorderrand und alle 
Adern braun, die beiden Makeln groß, braun, die äußere 
Querlinie beiderseits von Reihen dunkler Fleckchen ein- 
gefaßt. Saum und Fransen nie oberseits. Hinterflügel 
graubraun, etwas glänzend, mit dunklerem Mittelmond, 
äußere Querlinie deutlich, schmutzig beinfarben, stark ge- 
zackt, distal vom Zellschluß in einem spitzen Zahn ein- 
springend; vor dem Saume eine unscharfe beinfarbene Linie. 
Fransen beinfarben, nahe der Basis mit dicker brauner 
Linie. Unterseite beinfarben mit dickem braunem Mittel- 
mond und dunkler, doppelter, stark gezackter, nie ober- 
seits verlaufender äußerer Querlinie. Kopf und Thorax 
braun, beinfarben gemischt, Fühler und Palpen braun, letz- 
tere unten weiß. Abdomen graubraun mit weißlichen Hin- 
terrandssäumen, Beine hellbraun. Fühler einfach, kurz be- 
wimpert. Aeußere Sporen der Hintertibien etwa von °/, 
der inneren. Vorderflügel 16mm. Ein 5 Ende Mai. . 
Bei scalaralis Chr. einzureihen, von der sich Wagneri 
jedoch auffallend durch viel bedeutendere Größe, bei viel 
kürzerer Makel in der Zelle und die, bei scalaralis fehlen- 
den, schwarzen Pfeilstriche im Saumfeld der Vorderflügel, 
viel stärker gezackte Querlinie der Hfl. u. a. unterscheidet. 


7363. 
. "364. 
"365. 


"366. 
"367. 


"368. 
369. 
"370. 


311, 


312, 
373. 
374. 
373. 


376, 


Sl, 
378. 
319% 
380. 
381. 
382, 


13 


Pyrausta praepetalis Ld. 5 Mitte Juli. 
Pyrausta subsequalis H.S. & Ende Mai. 


Pyrausta limbopunctalis H.S. var. frustalis H.S. 5 Mitte 
Juni. 


Pyrausta castalis Tr. 52 Anfang Juni. 


Tegostoma ramalis Hb. Mehrfach Mitte Juni, große, dunkle 
Stücke. 


Tegostoma baphialis Ld. Mehrfach Mitte Juni. 
Tegostoma lepidalisH.S. 2 5 Ende Juni, Anfang Juli. 


Noctuelia floralis Hb. var. grisealis Car. Iris XXX p. 43 
(1917) 5 Mitte Juni. Von Konia beschrieben. 


Noctuelia superba Frr. 5 Mitte Juni. 


Pterophoridae bis Tineidae. 
Von Hofr. Prof. Dr. H. Rebel. 


PTEROPHORIDAE. 
Alueita confusus H.S. 25. Mai. 
„ parthica Led. 25. Juni, ein kleines helles J. 
Agdistis paralia Z. 25. Mai. 
r staticis Mill. 15. Juli. 


ORNEODIDAE. 
Orneodes major Rbl. 15. Juli J. 


TORTRICIDAE. 
Cnephasia guenana orientana Alph. 25. Mai bis 15. Juni. 
Lozopera flagellana Dup. 15. Juni. 9 
Conchylis posterana Z. 15. Juni. 
2 defessana Mn. 15. Juli. 5 
5 albipalpana Z. 15. Juli. / 
a roseofasciana Mn. 15. Juli. 


— 204 — 


TINEIDAE (s. 1.). 


7383. Epiparasia incertella H.S. 18. Juli. S. Neu fürKlein- 


384. 
385. 
386. 


387. 


asien. 
Teleia maculata Stgr. 15. Juli. 9 
Stomopteryx detersella Z. 10.—20. Juli. J. 2. 


Rhinosia denisella S.V. 25. Mai ein g', auf dessen Vfl. 
die beiden weißen Basalstriemen fehlen. 


Rhinosia unifasciella Rbl. nov.sp. d. 2. Ein frisches Pär- 
chen, zwischen dem 20.u. 21. Mai erbeutet, steht der Rh. cervi- 
nella Ev. zunächst. Die Größe ist etwas geringer (Vfllänge 
So 7, 2 8 mm, gegen 8,5 bei cervinella), die Palpen schei- 
nen etwas kürzer zu sein. Der Vil. etwas schmäler geformt, 
mit dunklerer gelbbrauner Grundfarbe, zeigen nur die schräge, 
hier nicht rein weiße, sondern gelblich weiße Querbinde bei 
!/, der Vorderrandslänge, welche unterhalb der Falte ober 
dem Innenrand endet. Von der Außenbinde und den weißen 
Streifen an der Basis der Saumfransen der cervinella fin- 
det sich keine Spur. An Stelle des letzteren zeigt sich 
hier nur ein wenig auffallender ockergelber Streifen. Fran- 
sen der Vfl,, Hil. und Unterseite wie bei cervinella. Die 


‘ Typen im Naturhist. Museum. — Bei der großen Varia- 


388. 


389, 


390. 
Seil 
392. 
393. 
394, 
395% 


bilität der Rhinosia-Arten erscheint es nicht ganz aus- 
geschlossen, daß unifasciella sich nur als eine Form der 
cervinella herausstellen könnte. 


Metanarsia modesta Stgr. 15. Juli. 2. Grundfarbe der Vil. 
reiner weiß, die weißen Fühler dünner, wie dies bei Caradja 
(Iris 34 p. 117) von gleichem Fundorte erwähnt. 


Symmoca monochromella Rbl. 21. Juli, ein sehr scharf ge- 
kennzeichnetes Jg. 


S. designatella H.S. 25. Mai J. 
S. cedestiella Z. Zwei große g'. 
Pleurota subpyropella Stgr. 20.—31. Mai J.. 
& aristella L. 20. Juni 9, 5. Juli großes J.. 
Apiletria purulentella Hb. 1.—10. Juli 2. 


Scythris aristidella Rbl. 15. August @. Der Vorderrand 
der Vfl. ist von der Basis ab bis zum Saumdreieck in 


% 
Tal 
EN, 
x 
a 


ir 


Erklärung zu Tafel II (Ersatztafel). 


Melitaea athalia nov. ssp. anatolica Type 

2 Lycaena Löwii. gigas Stgr. aberr. 

3und6 Satyrus arethusa nov. ssp. sultana Type 

5 Hesperia proto nov. ssp. Iycaonius Type 

7 Thalerastria diaphora nov. ab. mediofasciata Type 

8 | ” n (Nominatform) 

9 Chondrostege pastrana Ld. 

13 u. 14 N Osthelderi Pglr. 

10 Eupithecia dubiosata nov. sp. Type 

11 H calligraphata nov. sp. Type 

12 Metopoceras beata Stgr. 

15 Calophasia Barthae nov. ssp. Type 

16 Dianthoecia silenes nov. ssp. variegata Type 

17 Cloantha (Pseudohadena) laciniosa Chr. 

18 Agrotis celsicola nov. ssp. gracilis Type 

19 Calophasia producta Ld. (Polia acuta Fır.) ex coll. Stgr. 
20 Polia acuta Frr. (Amasia) EN 

21 r „  (Tschiftlik bei Akschehir) 

22 Calophasia prodacta Ld. (Polia acuta) Type ex coll. (Ld.) Stgr. 
23 Polia pygmaea Stgr. (acuia) Type a lc 
24 Dianthoecia filigrama var. melanochroa Stgr. 

25 Arsilonche albovenosa nov. ssp. cretacea Type 

26 Abrostola ? triplasia var. clarissa Stgr. 


Die Tafel ist leider nicht nach Wunsch ausgefallen. Relativ gut sind 
die Rhopaloceren, sowie die Fig. 9, 16—18 u. 25; besonders schlecht dagegen 
sind die Fig. 10, 11, 15, 20 und 22. Die Fig. 15 und 24 sind überdies ver- 
zeichnet. Fritz Wagner. 


Tafel II (Ersatztafel). 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


— 205 — 


einer feinen Linie dottergelb. Die Grundfarbe der Vfl. 
olivengrau. Die Abbildung der Art (Iris 15, Taf. 4, Fig.9, /) 
ist wenig gelungen, vor Allem ist darin Kopf und Thorax 


nicht gelb. 


1396. Stagmathophora Dohrnii Z. 10—20. Juli. Neu für Klein- 
asien. 


397. St. serratilla Tr. 20.—31. Mai, sehr klein. 
398. Coleophora coronillae Z. 25. Mai J. 
399. A simillima Stgr. 5. Juli 2. 


400. Euplocera multigutella Rag. 20.—31. Mai ein S. Gut mit 
der Beschreibung stimmend, nur reichen die Fühler nur 
bis ®/, der Vorderrandslänge der Vfl., statt bis zur Flügel- 
spitze. 

401. Hapsifera luridella Z. Juni, Juli, 3 d. 

402. Tinea latiusculella Hb. 1.—10. Juli. 

403. „  simplicella H.S. 1.—10. Juli. 


Die Belegstücke der in vorstehender Liste aufgeführten 
Microlepidopteren (Pyralidae bis Tineidae s.1.) einschließlich der 
Typen der neuen Arten hat Herr Fritz Wagner in dankens- 
werter Weise dem Naturhistorischen Museum in Wien überlassen. 


Nachschriit. 


Durch die schon während des Druckes der vorliegenden 
Arbeit erfolgte Bearbeitung meiner Micro-Ausbeute und infolge 
Hinzukommens einer weiteren neuen Art (Ino) werden einige 
in der Einleitung bekanntgegebene Daten hinfällig und sollen hier 
richtig gestellt werden. 

Die Microlepidopteren wurden nicht nur, wie in: der Ein- 
leitung mitgeteilt war, von Herrn Kustos Dr. H. Zerny, welcher 
nur die Pyraliden übernahm, sondern auch von Herrn Hofrat 
Prof. Dr. H.Rebel (Pterophoridae-Tineidae) bearbeitet. 

Die Gesamtzahl der erbeuteten Arten beträgt 403, wo- 
von 317 auf Macro- und 86 auf Microlepidopteren entfallen, 
hievon 4 resp. 5 Arten überhaupt neu. Neu eingeführte Rassen- 
namen für schon früher aus Kleinasien nachgewiesene Arten sind 
dabei unberücksichtigt gelassen. 


— 206 — 


Von den auf S. 12 genannten, für Kleinasien neuen Arten 
ist Thalp. chlorotica (bereits aus Malatia bekannt geworden) zu 
streichen, dagegen sind die folgenden nachzutragen: 
Eupithecia scalptata, Ino anatolica n.sp., Ino graeca, Saluria che- 
hirella n.sp., Heterographis molochinella n. sp., Salebria placidella 
n.sp., Loxostege Wagneri n. sp. und Rhinosia unifasciella n. sp.') 


Neubeschriebene Arten und Var.: 


Melitaea athalia ssp. anatolica 
Melanargia larissa-taurica ab. lactaea 
Satyrus arethusa ssp. sultana 
Hesperia proto ssp. |ycaonius 
Arsilonche albovenosa ssp. cretacea 
Agrotis forcipula ssp. amasina 
Agrotis celsicola ssp. gracilis 
Dianthoecia silenes ssp. variegata 
Senta maritima ssp. grisea 
Calophasia Barthae 

Thalerastria diaphora ab. mediofasciata 
Eupithecia calligraphata 

Eupithecia dubiosata 

Saluria chehirelle Zerny 
Heterographis molochinella Zerny 
Salebria placidella Zerny 

Loxostege Wagneri Zerny 

Rhinosia unifasciella Rbl. 


Druckfehler-Berichtigungen. 


Seite 28 Zeile 3 von unten (TheclaLedereri) lies: DieStellungimSystem usw. 
a 16, liess BrühlllersstattuRlusele 


ı) Es war mir auch in diesem Jahre (1929) vergönnt, an der gleichen 
Oertlichkeit zu sammeln. Infolge ungünstig gewählter Jahreszeit (August bis 
September) und ausnehmend großer Dürre (seit Ende Ill. nur einmal im Mai 
8 mm Regen!) war jedoch die Ausbeute relativ äußerst gering. Immerhin 
gelang es mir, einige recht interessante Arten zu erbeuten und Beobachtungen 
zu machen, So konnte ich aus dem biologischen Verhalten der beiden Arten 
feststellen, daß es sich — entgegen meiner früheren Vermutung — bei Chon- 
drostege pasirana Ld. und Osthelderi Pglr. unzweifelhaft um 2 verschiedene 
„gute Arten“ handelt. Ich werde in einem weiteren Beitrag über meine 
diesjährige Ausbeute ausführlicher berichten. 


Wien, im Oktober 1929, Fritz Wagner. 


Monographie 
der paläarktischen Arten des Subgenus Dystroma Hbn. 


(truncata-citrata-Gruppe) der Gattung Cidaria. 
(Geometrid. Lepid.). 


Von Dr. F. Heydemann, Kiel. 


Mit 11 Tafeln und 13 Textfguren. 


Wohl kaum in einer anderen Geometriden-Gruppe haben 
bis in die neueste Zeit größere Unklarheiten, Verwechslungen 
und direkt falsche Ansichten Platz gegriffen wie in der, die meist 
mit den Namen der beiden bekanntesten mitteleuropäischen Arten 
truncata-citrata-Gruppe genannt wird. Dies trifft nicht 
allein auf diese beiden haupsächlichsten Vertreter zu, sondern 
in noch höherem Maße auf die nordischen und vor allem asia- 
tischen Arten, die bisher mit wenigen Ausnahmen stets als frag- 
liche Formen jener beiden angesehen wurden. So entschloß ich 
mich zu einer gründlichen morphologischen Untersuchung unter 
gleichzeitigem eingehenden Studium der gesamten einschlägigen 
Literatur. Die Sammlung des außerordentlich zerstreuten Ma- 
terials nahm mehr .als 1 Jahr in Anspruch und waren dabei oft 
recht erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. 

Da selbstverständlich das eigene Material bei weitem nicht 
ausreichte, war ich auf weitgehende Unterstützung einheimischer 
und englischer Museen und Entomologen angewiesen. So ist es 
mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle den folgenden Museen und 
Herren meinen herzlichsten Dank für die bereitwillige Unter- 
stützung mit Sammlungsmaterial und Literatur auszusprechen: 
Dem Berliner Zoolog. Museum, das mir leihweise neben anderem 
auch des verstorbenen Püngeler wertvolles Material zur Ver- 
fügung stellte, dem Zoolog. Museum Hamburg, von dem ich die 
Sammlungstiere Fixsens, Graesers, Schumachers erhielt, der 
Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, die mir Falter 
der Sammlung Bastelbergers sandte, dem Staatl. Museum für 
Tierkunde zu Dresden für die Falter der Stötzner'schen China- 
Expedition, und vor allem dem Tring-Museum und Britischen 
Museum zu London, die mir durch Herrn Prouts überaus tat- 


— 208 — 


kräftige Hilfsbereitschaft Abbildungen von Typen und einige 
noch unbekannte Arten zur Beschreibung und zahlreiches Falter- 
material asiatischer und nordindischer Arten zur Untersuchung 
überließen. Ein sehr lebhafter Gedankenaustausch mit Herrn 
Prout vermochte recht viele wertvolle Aufschlüsse zu geben und 
in überraschender Weise einige synonyme Namensgebungen auf- 
zuklären. Ohne diese wertvolle Mithilfe wäre die Stellung meh- 
rerer ostasiatischer Arten völlig zweifelhaft geblieben, sodaß ich 
Herrn Prout ganz besonders zu Dank verpflichtet bin. Ebenso 
sage ich für die zeitweise Ueberlassung ihres Sammlungsmate- 
rials den Herren: Hofrat Kautz, Wien, Ministerialrat Osthelder, 
München, Fritz Reisser, Wien, sowie Herrn Prof. Dr. Eggers, Kiel, 
für die freundliche Übersetzung des russischen Textes der Blöcker-. 
schen Abhandlung, der „Iris“-Bibliothek, dem Leiter des Ento- 
mologischen Instituts in Berlin-Dahlem, Herrn Dr. W. Horn, Herrn 
Landgerichtsdirektor Warnecke, Kiel, für die Uebermittlung er- 
forderlicher Literatur und Herrn Vöge, Kiel, für die Herstellung 
eines Teils der gut gelungenen Photographien, meinen herzlich- 
sten Dank. 

So liegt dieser Arbeit ein Faltermaterial von ungefähr 
800 JdJ und 2 2 zu Grunde, das trotzdem bei einzelnen der 
seltenen Arten nicht zu einem vollen Ueberblick über die Varia- 
tionsbreite und zur Anfertigung mehrerer Genitalpräparate beider 
Geschlechter ausreichte.e. Zur Klärung der recht schwierigen 
Nomenklatur wurden fast sämtliche Beschreibungen und dies- 
bezügliche Literaturnotizen im Originaltext herangezogen. Von 
einer ganzen Reihe bisher noch nirgends abgebildeter Arten 
konnten in Typen oder Paratypen erstmalig photographische Ab- 
bildungen gegeben werden, da nur durch solche die Bestimmung 
der sich äußerlich zum Teil sehr ähnlichen Arten dieser Gruppe 
einigermaßen erleichtert wird. 

Für die oft wiederkehrenden gleichartigen Modifi- 
kationen der Arten habe ich mittels der bei truncata Hin. 
und citrataL. bekannten, ältesten Bezeichnungen durch- 
gehend dasSystem der nomina collectiva angewandt. Vom 
wissenschaftlichen Standpunkt aus erscheint mir dies 
die einzige Möglichkeit, um den Ballast für die Syste- 
matik unnötiger neuer Namen zu vermeiden und als die 
einzige begründete, völlig zweckentsprechende Methode. 

Von älteren Arbeiten über diese ist die von Prout in den 
Transactions of the City of London Entomol. and Nat. Hist. Society 


— 209 — 


1908, S.33—60 die wertvollste. Ihr bin ich in nomenklatorischer 
Beziehung im ganzen gefolgt, zumal dort alle diesbezügliche Li- 
teraturnotizen bis zum Jahre 1908 enthalten und kritisch gewür- 
digt sind. Fast gleichzeitig wurden von dem englischen Entomo- 
logen Pierce und Magister Petersen, Reval, Genitalunter- 
suchungen der beiden mitteleuropäischen Arten vorgenommen 
und sichere, konstante morphologische Unterschiede gefunden, 
die aber, abgesehen von Zöllners mißglücktem Versuch, in der 
deutschen entomologischen Literatur bis heute keinen Nachklang 
gefunden haben. Ersterer stellte auch zuerst die Artberechtigung 
der concinnata Steph. fest. Ebenfalls 1908 erschien in der Revue 
Russe d’Entomologie Bd. VIII, S.44—49 Blöcker's leider viel 
zu wenig gewürdigter Aufsatz über die nordischen Dystroma 
(als Larentia aufgefaßt) mit den ersten Abbildungen der infus- 
cata Tengstr. und latefasciata Stdgr., die er, allerdings nur nach 
äußeren Unterschieden und biologischen Beobachtungen als eigene 
Arten fruncata Hin. und citrata L. (= immanata Haw.) gegenüber- 
stellt. Meine Untersuchungen haben Blöckers, bisher nur von 
Prout im Seitz verarbeiteten (sonst meist mit Zweifeln zitierten) 
Feststellungen in glänzender Weise bestätigt. Ferner die wert- 
volle Arbeit E. A. Cockayne's in „The Entomologist's Record“ 
XXVIL, 1915 über Dystr. concinnata Steph., auf die bei dieser 
Art näher eingegangen ist. In der deutschen Literatur sind 
eigentlich nur vier bemerkenswerte Sonder-Abhandlungen hier- 
zu enthalten. Zunächst Zöllners Versuch „die Artberechtigung 
und -unterscheidung von Larentia truncata Hfn. u. immanata Hw." 
an Hand von einigen Genital- und besonders Geäderunterschieden 
im Hinterflügel zu beweisen. (Deutsche Ent. Zeitschr. 1919, S. 369 
bis 386.) Ich komme hierauf an den betreffenden Stellen meiner 
Arbeit noch zurück. Hier nur soviel, daß diese überaus fleißige 
Arbeit leider ohne positives Ergebnis geblieben ist und so ihren 
Zweck nicht erreicht hat, sondern vielmehr das Gegenteil, weil 
nicht ex ovo gezüchtetes Material untersucht wurde. Zöllner ist 
an der deshalb übersehenen Variabilität des Hfl.-Geäders aller, 
insbes. der schwarzbindigen cifrafa-Formen gescheitert und hat 
mit seiner Bestimmungsmethode nur heillose Verwirrung ange- 
richtet. Die wesentlichen Genitalunterschiede beider Arten hat 
er deswegen wohl auch nicht finden können, Seine Ausführungen 
sind leider oft übernommen worden, ohne daß die betreffenden 
Autoren hieran eine Kritik übten. So von Schawerda (Verh. 
Zool. Bot. Ges. Wien 1920). Nur wenige Entomologen haben sie 


— 210 — 


nachgeprüft und ihre Unhaltbarkeit erkannt. Z.B. Lange in 
der „Iris XXXV, 1921, S. 145—150, der an gezüchteten Tieren 
einwandfrei feststellte, daß jene Geädermerkmale nicht immer 
zutreffen; er stellt dem die bedeutenden biologischen Unter- 
schiede gegenüber, die z. B. auch schon Berge-Rebel 1910 
und Spuler als das Wesentlichste vermerkten. Die Zusammen- 
stellung von verschiedenen Angaben deutscher Autoren über die 
beiden gen. Arten, die Hoffmann in seinem „Lepidopterolog. 
Sammelergebnis von Salzburg 1916“ in der „Zeitschrift für wis- 
senschaftl. Insektenbiologie” 1918 (Bd. XIV) S. 159—162 gibt, mag 
endlich noch als typisches Beispiel dafür angeführt sein, wie 
unklar, wie wenig gründlich und oit wie kritiklos und nur nach 
ganz äußerlichen Beobachtungen urteilend, von vielen Entomo- 
logen, mit gewissen Ausnahmen, nach dieser Richtung hin 
„gearbeitet“ worden ist. Den wenigsten haben eigene Zucht- 
versuche, biologische oder sonstige Untersuchungen vorgelegen. 
Das schließt nicht aus, daß in jener Zusammenstellung auch 
durchaus richtige, wertvolle Beobachtungen der angeführten 
Faunisten enthalten sind. So z.B. von Gabriel Höfner (1904), 
der sehr gute äußerliche Unterscheidungsmerkmale der beiden 
mitteleuropäischen Arten angibt, dem aber hinsichtlich der dop- 
pelten Generation bei citrataL., von 6—10, sicher ein Irrtum 
unterlaufen ist. Oder die Flugzeitangabe „Juni” ist ein Zucht- 
ergebnis. Ferner von Fritz Hoffmann, der in den „Schmet- 
terlingen Steiermarks", 1916, die biologischen Zuchtergebnisse 
von Klos verwertet. Jedenfalls habe ich feststellen müssen, daß 
die englischen Entomologen in der gründlichen wissenschaftlichen 
Durcharbeitung besonders dieses Genus gut 20 Jahre voraus sind 
und daß ihre wertvollen Ergebnisse bisher in der deutschen 
Literatur kaum verwertet worden sind. 


Dystroma Hübner, 


um 1825 in seinem Verzeichnis S. 333 für russata Schiff. 
(= truncataHfn.) zusammen mit anderen Arten aufgestellt, ist 
der älteste, prioritätsberechtigte Name für diese 
artenreiche, schwierige Untergattung des Genus Cidaria Tr. 

Warren 1893, Hampson u. Bastelberger trennen die fruncata- 
Gruppe unter dem jüngeren Namen Polyphasia Stephens (1831) ab. 
Sie ist gekennzeichnet durch die stark doppelt gewinkelten 
Discozellularen der Hinterflügel und von den vorhergehenden 


— 211 — 


Gruppen durch meist stattlichere Größe, breiteres Mittelfeld, die 
beim / nicht doppelt gekämmten Fühler und ziemlich dünne, 
nicht an Coniferen gebundene Raupen. 

Der Genitalapparat des Subgenus (siehe zur Einführung 
die Figuren der Taf.V) ist außerordentlich einheitlich gebaut, 
sodaß äußerlich, etwa mit der Lupe, wesentliche, artbestimmende 
Unterscheidungsmerkmale nur ausnahmsweise (z.B. bei corussa- 
ria Oberth.) zu finden sind. Ich habe daher die inneren Teile 
desselben an Hand von über 80 mikroskopischen Präparaten 
von Jg und 2 2, soweit erreichbar, meinen Untersuchungen 
zu Grunde gelegt. Dabei mußten vielfach die einzigen Exemplare 
meiner Sammlung teilweise geopfert werden. Von den ostasia- 
tischen Arten konnte ich nur, durch die Hilfsbereitschaft des 
Dresdener und der beiden englischen Museen mit ihrem reich- 
haltigen Material unter liebenswürdiger Vermittlung Herrn Prouts 
Falter für diese Untersuchungen erhalten, wofür ich ganz be- 
sonders dankbar bin. 

Beim 5 finden wir sehr einfach gebaute, lappige, stark 
beborstete Valven. Nur corussaria Oberth. besitzt hier einen 
kleinen Chitin-Haken. Der sie an der Basis verbindende Anellus 
besitzt zwei, meist kolbige, mit Borstenbüscheln versehene 
Kissen, (Anellus-Lappen n. Pierce). Die Basalplatte (Saccus 
n. B. Baker) ist breit. Das Tegumen zeigt einen gestreckteren, 
oft eckigen Unterteil, und darüber, etwa wie ein Schildkröten- 
panzer, einen gewölbten, gekörnelten, stark behaarten Oberteil. 
Der Uncusdorn ist lang, in einem Gelenk beweglich und bietet, 
wie auch das Scaphium, geringe Artdifferenzierungen. 

Das wesentlichste Bestimmungsmerkmal ist das 
Penisrohr (Taf. V, P1 u. P16) und das Dornenfeld (D1 u. D16) 
seines Schwellkörpers (Vesica nach Pierce), der im ruhenden Zu- 
stand gänzlich in ersteres eingestülpt ist. So konnte es irrtüm- 
licherweise Zöllner u. anderen erscheinen, als ob jene Dornen innen 
das Penisrohr zur Versteifung auskleideten. Daß dies nicht der 
Fall ist, zeigen die einem Glückszufall zu verdankenden, seltenen 
Präparate (Taf. IX, Abb.9) von latefasciataStdgr. S und der Copula 
von dentifera Moore 5 Q (Taf. IX, Abb.17). Hiernach wird also 
der gesamte Schwellkörper, dessen faltige Haut vielfach feinste, 
spitze, glashelle Stacheln aufweist, mit dem Dornenfeld zur Copula 
ausgestülpt, wobei letzteres weit in den Hals der © Bursa ein- 
dringt, hier gespreizt wird, und so jene oft über den Tod hinaus 
feste Vereinigung beider Geschlechter ermöglicht. Ein Ergebnis, 


— ala — 


welches die schon 1909 veröffentlichten Beobachtungen Pierce’s 
bestätigt. Einen weiteren Beweis für diese Funktion der Vesica 
und des Dornenfelds im Penis fand ich bei meinem einzigen 
Präparat der Bursa eines corussariaQ (Taf.IX, 21a), in deren 
innerem Teil noch ein abgebrochenes Stück jener fast riesigen 
Chitindornen eines J’ dieser Art steckte. Würden diese Dornen, 
wie es Zöllner annimmt, im Inneren des Penisrohres verbleiben, 
einen festverbundenen Teil desselben bilden, könnte ein solcher 
Fall garnicht eintreten. Das Abbrechen eines Dornes ist eben 
nur bei der durch die völlige Ausstülpung der Vesica erfolgen- 
den starken Exponierung des Dornenfelds und ihrer Aufgabe zur 
Erzielung einer festen Vereinigung während der Copula möglich. 

Beim 9 ist das Ostium bursae weich, nicht verstärkt und 
zur Artdifferenzierung daher nicht brauchbar. Nur das corussa- 
ria @ macht auch hier eine Ausnahme. Ob alle Arten aus der 
Untergruppe mit schräg ziehendem Antemedianband ähnliches 
zeigen, konnte bei ihrer Seltenheit leider nicht untersucht werden. 
Wesentliche Unterscheidungsmerkmale bieten hier nur die 
chitin-verstärklen Teile: ein längliches bis ovales, bedorntes, 
flach aufliegendes Signum (Lamina dentata), der oft bedornte 
untere Faltensaum eines Teiles der oberen Bursahälfte und 
die von mir als noch unbeschrieben gefundene Bursula nom. nov. 
Auch Pierce in seinen „Genitalia of the British Geometridae” 1914 
erwähnt diesen Anhang nicht, noch findet er sich auf seinen Zeich- 
nungen der drei Dystroma angedeutet. Bursula nenne ich jene 
seitliche Ausstülpung am oberen Teil der Bursa unterhalb des 
Halses, die bei fruncata Hfn. (s. Tafel V 6a, Bl. 1) klein, als fast 
kugelballonähnliche, querfaltige Blase, bei citrata L. als große, 
mehr flache Ausbeulung, seitlich der oberen chitinösen Wand- 
verstärkung und der Signum-Falte, sichtbar wird und auf man- 
chen Präparaten als die seitliche Fortsetzung der ersteren und 
ihres unteren, hier dornenlosen Faltensaumes erscheint (s. Abb. 
Ta, Bb. 16). Für die nahverwandten Spezies der engeren fruncata- 
und engeren citrata-Gruppe ist die Form dieser Bursula charak- 
teristisch, Die als Zwischenglieder zu beiden geltenden Arten 
zeigen dann aber, wie auch beim Jg’, alle möglichen Kombina- 
tionen, sodaß jene von mir ursprünglich geplante Unterteilung 
nicht aufrecht zu erhalten ist. Die Bursula ist ebenfalls als 
wichtiges Bestimmungsmerkmal zu verwerten. Die in den 
Tafeln V-IX beigegebenen Genitalzeichnungen bilden demnach den 
wichtigsten Teil meiner Untersuchungen. Ich habe für sie absichtlich 


— 213 — 


die Form der Federzeichnung, reproduziert als Strichätzung, ge- 
wählt, da diese weit besser als die sonst so getreue Photographie 
die wichtigen Einzelheiten, auf die es besonders ankommt, klar 
herauszuheben gestattet. Die Zeichnungen sind von mir alle 
nach den in Klammern genannten Präparaten mit Hilfe des Abbe'- 
schen Zeichenapparates hergestellt, und zwar alle in gleichem 
Maßstab, sodaß sie ein sehr getreues Bild der Größenverhält- 
nisse bieten und eine einwandfreie Bestimmung aller Arten hier- 
nach ermöglichen. Diese sind aber teilweise so nahe verwandt, 
— ihre artliche Trennung ist vielleicht erst vor verhältnismäßig 
geringeren Zeiträumen erfolgt, — daß hier die sonst übliche 
Heranziehung nur des 5 Genitalapparates nicht zum Ziele ge- 
führt hätte. Da bei den Lepidopteren als eine der wenigen 
Gruppen des Tierreichs die @ 2 das geschlechtsbestimmende, 
sogenannte X Chromosom besitzen, also, wie sonst überall die 
ö£d Individuen, eine um 1 erhöhte Chromosomenzahl aufweisen, 
so war zu erwarten, daß vielleicht die ersten und klarsten Art- 
differenzierungs-Merkmale bei ihnen auftreten und zu finden sein 
würden. Die Präpärate gerade der ® Bursa haben das durch- 
aus bestätigt. 

Die © Bursa-Merkmale sind für die Unterscheidung 
der Dystroma-Arten am wichtigsten! 

Von einigen Arten konnte eine größere Zahl von Genital- 
präparaten hergestellt werden, so vor allem auch von den verschie- 
denen Subspezies der citrataL., von fruncata-transbaicalensis m., 
latefasciata Stdgr., und dentifera-alexandrowskana Mats., zwecks 
Prüfung der Variationsbreite jener Merkmale innerhalb der Art. 
EineVariabilität des 5 Q Geschlechtsapparates ist danach in gerin- 
gem Maße wohl vorhanden, aber doch so, daß die Grundanlagen 
jedes einzelnen Organteils erhalten bleiben, wie etwa die Form, 
Breite und Grundfläche des Signum und der Bedornung beim 9, 
des Dornenfelds der Vesica beim J'; lediglich die Anzahl und Größe 
der Dornen fand ich in geringem Umfang abändernd, aber stets 
bleibt die Artzugehörigkeit gut erkennbar. (S. I, Präp. 42, citrata 
N.-Amerika, und II, Präp. 46, tibetana, während islandicaria den 
Amerikanern am nächsten steht.) 

So sind denn auch in erster Linie der Bau der Genital- 
apparate von J und @ und erst in zweiter Linie dieäußeren 
Merkmale der Flügelzeichnungsanlage bestimmend für die 
im folgenden eingehaltene Reihenfolge aller und Einordnung der 
gefundenen neuen Arten geworden. 


a 


1. D. truncata Hufnagel 


1767, Berlin. Magazin IV, S. 602. (= variata Borgström 1784, 
Thunberg, Diss. Ent. Ins. suec. p. 11; =russata Tr. et div. auct., 
(?) Schiff., = saturata Steph.) Die folgende Originalbeschreibung ist 
nach P. Schulze der Deutsch. Ent. Ztschr. 1919, S.386 entnommen: 
„36) Phal. truncata, der Flüchtling. Der Grund an der Einlenkung 
der Flügel rotbraun, in der Mitte grauweiß bestäubt, am Ende 
rostfarbig und grau, weißbestäubt. An den Stämmen der Eich- 
bäume. Junius u. Juli. Von der ersten Größe. Sehr selten.“ 
Als Anmerkung hierzu heißt es S. 625: „Die Farben dieser Pha- 
laene wechseln in Absicht des hellern und dunklern dergestalt 
miteinander ab und sind so geschickt ineinander vertrieben, daß 
man es nicht leicht mit Worten beschreiben kann; ob sie gleich 
‚sonst nicht mit sehr hellen Farben pranget, so nimmt sie sich 
doch schön aus. Es kostet aber Mühe sie zu fangen, weil sie 
äußerst wild ist und es über dem schwer hält, sie am Stamme 
des Baumes zu erbeuten.“ Prout meint (loc. cit. S. 43), daß diese 
Beschreibung keine sichere Entscheidung darüber, welche der 
beiden deutschen Arten gemeint sei, zulasse und daß man auf 
alt überlieferte Interpretation angewiesen sei. M.E. ist die Flugzeit- 
Angabe: Juni—Juli klar und bestimmt genug, denn zu dieser Zeit 
fliegt in Norddeutschland citrata L. nicht, während andererseits 
hier fruncata nur ausnahmsweise und in besonders warmen Lagen 
und Jahren schon Ende Mai auftritt. Es kann also nur diese 
gemeint sein. Außerdem ist cifrata L. erst in neuerer Zeit selten 
im Berliner Gebiet gefunden. Bemerkt sei noch, daß ein zweifel- 
los aus Herrich-Schaeffers Sammlung stammendes 9° der coll. 
Bastelberger, bezeichnet mit „russata Schiff”, eine echte, kleine 
truncata Hin. ist. 

truncata Hin. ist auch weniger variabel, als jene, bildet je- 
doch eine Reihe gleichartiger Formen, die mit denen von citrataL. 
oft verwechselt werden. Deshalb habe ich sie in einer größeren 
Reihe zum Vergleich mit dieser abgebildet (Abb. 1—12, Unter- 
seite 1a— 12a, 25—27, 45 u.46, 45a, 46a). Als wichtigste, äußere 
Merkmale zur Bestimmung der Art seien folgende angeführt: 
VflL-Oberseite: Das meist gegen das Basalfeld weniger deut- 
liche, mehr bogig verlaufende, nicht scharfgewinkelte, braune 
Antemedianband; der weniger scharfe, äußere Vorsprung des 
Mittelfeldes, der nicht so weit vorspringend, auch die weißliche 
Wellenlinie nicht unterbricht; der große, meist kommaförmige 


a. 


Diskalpunkt. Hfl.,-Oberseite: Die zunächst 2mal eingekerbte, 
dann bogig, nicht scharf gewinkelt, zum Innenrand ziehende Post- 
medianlinie; eine meist deutliche, weiße Subterminalfleckenreihe. 
VfL-Unterseite (Abb. 1a—12a, 45a, 46a): mit rechtwinklig, 
nicht spitzwinklig gebrochenem, äußerem Saum des Mittelfelds; 
H£l.-Unterseite: der mehr bogige Verlauf der Postmedianlinie, 
die kaum dunkel angelegte, weiße Subterminalileckenreihe, die 
bei den dunklen Formen, bes. bei den extremen nigerrimata Fuchs, 
das letzte helle Zeichnungselement ist, das verschwindet (siehe 
Abb, 9a, 10a), also ein erblich recht fest verankertes, philogene- 
tisch altes Merkmal sein muß. Zöllner kommt (loc. cit) deshalb 
zur Verwerfung auch dieses Zeichnungselementes als Charak- 
teristikum für fruncala, weil die ihm vorliegenden, schwarzbin- 
digen Formen nach seinen Abbildungen auf Taf. V und VI mit 
einer Ausnahme (Taf. V Fig.6) sämtlich zu citrata L. gehören! 

Zöllner's Feststellung betreffs eines konstanten Unterschie- 
des im Hfl.-Geäder gegenüber citrataL. trifft für fruncata Hin. 
tatsächlich auf etwa 80°, aller von mir durchgesehenen Falter 
zu. Bei diesen mündet die den Mittelzellenschluß bildende Ver- 
bindungsader im ersten Drittel der Strecke von der Abzweigung 
der Ader Sc bis zur Gabelung R/M, gerechnet (Text-Abb. a!). 
Bei den übrigen ca. 20°, jedoch finden sich alle Uebergänge 
biz zur '/, Teilung, wie Zöllner sie als sicheres Merkmal der 
citrata L. angibt (Text-Abb. b!). Bei iruncata Hin. ist also jene 
Angabe für die Mebrzahl der Falter zutreffend, aber nicht kon- 
stant; und da, wie ich bei cifrataL. nachzulesen bitte und wie 
es Text-Abb. a!“ zeigt, dasselbe Merkmal auch recht häufig bei 
schwarzbindigen citrata vorkommt, so ist, wie Lange (s. „Iris“) 
und ich an ex ovo gezüchtetem Material unabhängig von ein- 
ander feststellen konnten, das Hfl.-Geäder in seiner Variabilität 
bei beiden und auch den asiatischen Dystroma-Arten zur siche- 
ren Artbestimmung unbrauchbar! (Siehe Text-Abb. S. 216.) 

Größe: Die zentraleuropäischen Stücke haben 16,0 bis 
18,0 mm Vfl.-Länge und 28,0—32,5 mm Spannweite. Abb. 27 
zeigt einen Zwerg von nur 21,5 mm Spannweite (hat außerdem 
im Hfl.-Geäder '/, Teilung = citrata L. nach Zöllner). 

Die Variabilität der Art ist wie bei cifrataL. im feuchten 
Nordwesten Europas und dann in Gebirgsgegenden am größten. 
England hat wohl die meisten und merkwürdigsten Varianten 
hervorgebracht. Hier in der atlantischen Klimazone ist auch 
die schöne mit ockergelbem bis braunem Mittelfeld auftretende 


— 216 — 


Mutation rufescens Ström., nach dem mir vorliegenden Material 
und Faunen-Angaben am häufigsten. Nach Süden und Osten, 
also im trockneren Kontinental-Klima, wird sie, wie auch die 
dunklen Formen, recht selten. So ist in Ostpreußen die weiß- 
bindige Form am ausgeprägtesten, die schwarzen Formen dagegen 
fehlen hier, nach allem, was ich bisher sah, vollständig! Zu- 
sammen mit der Parallelerscheinung bei citrataL. ein Beweis 


a 
te 
EN 
MN } 


| 


| 
N 


N Be 


Zu truncata Hfn. (1) und citrata L. (16): Pa—=Palpen; a, b, c—= Verlauf des 
Hfl.-Geäders; Rp. =letztes Segment der Raupe; Kr. = Puppen-Kremaster. 
Etwa 25mal vergrößert. Orig -Zeichnung des Verf. 


mehr dafür, daß der äußere, klimatische Faktor Feuchtigkeit 
‚das Keimplasma zur Bildung erblicher, meist in: melanotischer 
Richtung entwickelter Formen zu reizen und dahingehend zu be- 
einflussen vermag. (Vergl. auch das hierzu bei cifrataL. Gesagte.) 

Die Nominatform mit grau bestäubtem Mittelfeld zeigt Abb. 
19,20;269, 27% in Il. u. IIl. Generation. Farbige Abbildungen 
finden sich u. a. bei Wood., Ind. Ent., Fig. 579, Seitz IV, Taf. 8k, 
Culot III, Taf. 23 Fig. 473, 475. In Schleswig-Holstein und im 
benachbarten Nordwestdeutschland ist sie die häufigste Form. 
Weiter südlich scheint sie mehr auf Gebirgslagen beschränkt. 


— 217 — 


f. (et partim subsp.) centumnotata Schulze 1775, Naturfor- 

scher VI, S.92, Taf. 4 Fig. 4 (= albata Culot 1917) ist die in Zentral- 
und Osteuropa häufigste Form mit fast weißem, nur an den Seiten 
meist noch von schwärzlichen, feinen Linien durchzogenem Mittel- 
feld. [Abb. 3 (9 Ostpreußen), 4 (5 Kiel), 25 (2), letzteres mit sehr 
tiefem Zahn unter der Costa am Außensaum und '/,, links fast 
2/, Teilung () an der Mündung der Verbindungsader im Hil. 
d.h. =citrata L. nach Zöllner.] Die hellsten Stücke, gleichzeitig 
mit auffällig deutlich gezeichnetem, hellgelbbraunem Antemedian- 
band, sah ich von den baltischen Provinzen. [Woods Fig. 578, 
Hübners Fig. 305 (als russata), Seitz IV Taf. 8k, Berge-Rebel 
Taf. 42 Fig. 12, Culot Taf. 23 Fig. 474, Fig. 479 (albata).. Auch 
letzteres von Culot (Bd. III, 1917, S. 160) überflüssigerweise albata 
benannte Tier dürfte aus Ostpreußen stammen. Ich halte je- 
doch eine weitere Aufspaltung der weißbindigen Form, wie auch 
anderer, bei solch einer stark variablen Art für entbehrlich, und 
stelle deshalb diese, für ein extrem aufgehelltes Individuum ein- 
‚geführte Sonderbezeichnung als Synonym zu centumnotata Schulze. 
— Schon Fabricius zählt in seinem Entomol. Syst. III, 1794 diese 
Form auf, deshalb ist ihre gänzliche Fortlassung im Staudinger- 
Rebel-Katalog 1901 recht bedauerlich. 
f, nigroalbata Culot 1917, Noct. et Geom. de l’Europe, III, 
S. 160, kenne ich nur nach der vom Autor auf Taf. 24 Fig. 482 
handkoloriert abgebildeten Type, einem 9 aus England. Die 
Vorderflügel sind braunschwarz, die Säume des Mittelfeldes 
dunkler, dessen Mitte aber reinweiß mit schwarzem Diskalpunkt 
‚ohne sonstige Zeichnung. Hinterflügel einfarbig schwärzlich- 
grau. Eine Parallelform zur f. paradoxa Lange von C. caesiata 
Schiff. 

i.tysijordensis Strand, 1901, Nyt Mag. f. Naturvidensk,, S. 62. 
(Abb. 5 u. 5a). „Steht der v. Schneideri Sbg. (= infuscata Tgstr.) 
‚am nächsten, aber die Zwischenfelder sind rostrot, und die Mittel- 
'binde, welche in ihrem äußeren und vordersten Teil tief schwarz 
ist, hat am Vorderrand einen lichtgrauen ovalen Fleck und einen 
ähnlichen, aber kleineren am Innenrande. Sonst wie Schneideri. 
’Unicum von Tysfjorden.* Prout stellt diese Form als synonym 
zu citrata f. simpliciataWlkr. Das ist sie aber m. E. nicht, son- 
dern die Parallelform der fruncata Hin. Da eine solche Form 
‚mit schwarzem, weißgrau geflecktem Mittelfeld in simpliciata Wlkr. 
'bei citrata L. besteht, mag auch tysfjordensis Strand bestehen 
bleiben. Sonst würde ich sie als Uebergang zur folgenden bei 


— 218 — 


dieser einreihen. Strand nennt sie als der infuscata (= schneideri) 
sehr nahe, die wiederum der fruncata Hin. viel ähnlicher ist als 
der citrataL. Auch das Fangdatum (ca. 10. bis 18. 7.) kann noch 
in jenen Breiten für fruncata Hin. sprechen. Aber alle anderen 
von Strand noch von Bergen, Lavik, Laerdal, Aal angeführten 
Stücke sind von Mitte August bis Ende September gefangen, 
woraus sich ergibt, daß alle citrata Fr. gewesen sind! (auch 
seine Forma principalis!) Strand hat also 1901 drei Arten völlig 
durcheinander geworfen, indem er alle als Formen der truncata 
Hfn. anführt. Sein Unicum der tysfjordensis ist aber sicher das 
einzige dort von ihm gefangene Stück dieser im Norden selte- 
neren Art gewesen. Ich zog mehrere ex ovo. 

f. periuscata Haworth 1809, Lepid. Brit. Il, p.325 (=? rus- 
sata Schiff., aber = russata Hbn. Fig. 445, = fumata Lange trans.). 
Weitere Abbildungen: Wood Fig. 580, Sepp (IV) Taf. VIil Fig. 11, 
Guen. Atlas Taf. XVII Fig. 2, Culot (II) Taf. 23 Fig. 480. Meines 
Erachtens ist perfuscata Haw.. die älteste, sichere Bezeichnung 
der rein schwarzbindigen /runcata, wie ich sie unter Nr. 6 u.6a 
abbilde. Prout kommt (loco cit.) zu dem Ergebnis, daß russata 
Schiff. (W.V.) die Priorität gebühre. Schiffermüllers Beschreibung: 
„Zimmetbrauner, schwarzstreifiger Spanner, G. ussata", sagt aber 
hier garnichts. Bei dem Wiener Verzeichnis sind wir ganz auf 
die Interpretationen der Zeitgenossen und späteren Autoren an- 
gewiesen, da Schiffermüllers Sammlung 1848 durch einen Brand 
verloren ging. Wohl bezeichnen die russata-Bilder Hübner’s, die 
Beschreibungen Treitschke’s, Freyer's u. a. alle meist die heutige 
truncata Hufn., aber dennoch scheinen hier schon damals die 
Verwechslungen mit citrata L. ihren Anfang genommen zu haben. 
Wie mir auf meine Anfrage Herr.Prof. Dr. Rebel und Dr. Scha- 
werda, Wien, freundlichst mitteilten, kommt die schwarzbindige 
truncata Hufn. in der Wiener Umgebung aller Wahrscheinlichkeit 
nach nicht vor. Wohl enthalten die Wiener Sammlungen aus 
den benachbarten Voralpen schwarzbindige Formen, die aber 
nach Angabe der Genannten alle zu citrata L. gehören! Des- 
halb wird Schiffermüllers russata doppelt zweifelhaft. Ihn für 
die schwarze cifrata einzusetzen, halte ich für ebenso unsicher 
und bedenklich, sodaß russata Schiff. meines Erachtens keine 
Berücksichtigung finden kann, hier wie dort nicht. Deshalb 
gebührt der nächstältesten, sicheren Bezeichnung perfuscat« 
Haworth 1809 die Priorität. Das Schwarz derselben ist 
stumpfer, mehr grau, als bei der entsprechenden citrata-Form. 


— 219 — 


Die braunen Bänder stets dunkler, stumpf schwärzlichbraun; 
auch die Hfl. oben und unten grau verdunkelt, doch bleiben im 
Gegensatz zu Zöllners irrtümlichen Angaben die weißen Sub- 
terminalflecken meist recht deutlich erhalten. Häufig zeigen sie 
unterseits wie das unter 6 und 6a abgebildete © ein breites, 
medianes dunkles Band. Uebergangsstücke haben den mittleren 
Teil des Mittelfelds mehr oder minder dunkelgrau aufgehellt, 
so f. fumata Lange, „Iris“ 1921, S.147, die aber, weil homonym 
mit D. /umata Bastelberger, fallen muß und am besten unter 
perfuscata Haw. eingereiht wird. Diese ist typisch weit seltener 
als die schwarzbindige citrata-Form, mit der sie meist verwech- 
selt wird. So bei Zöllner, dem nur ein einziges Stück (Taf. V 
Fig. 6 loc. cit) aus Hannover vorlag, und bei Klöcker, Fauna 
Dänemarks, Taf.VI, Fig.94. Am häufigsten ist sie mit der folgen- 
den Extremform im nordwestl. Atlantischen Küstengebiet. An 
der Nordwestgrenze des Artvorkommens, auf den Hebriden und 
Nord-Schottland, bildet sie fast eine Rasse, ist häufig in England, 
Belgien (Ypern), Holland, Schleswig-Holstein, seltener in der Rhein- 
provinz, Skandinavien und längs der Ostküste bis etwa zur 
Oder-Mündung und bis Berlin. Oestlich dieser Linie fehlt sie 
anscheinend ganz! Dann wird perfuscata Haw. wieder von den 
deutschen Mittelgebirgen (Erzgebirge) als selten, häufiger aus 
den Schweizer und Tiroler Alpen erwähnt. Bei Aachen fing sie 
Püngeler und zog sie dann ex ovo erst seit 1917. Die Form ist 
also klimabedingt, da ihr Vorkommen in Relation mit feuchterem, 
kühlerem Klima steht. In Gegenden mit trockenerem, kontinen- 
talem Klima überwiegt dagegen die weiße Form. 

f. nigerrimata Fuchs 1900, Jahrb. Nass. Ver., Bd. 53, S. 57. 
(Abb. 9 u. 9a). „Die Vfl. oben einfarbig rußigschwarz mit ganz 
verschwommener Zeichnung; im Wurzel- und Saumfeld undeut- 
lich rostbraun gemischt. Von Elberfeld und ein Uebergang von 
Oberursel. 

Die rußige Färbung überzieht den ganzen Vfl. gleichmäßig, 
alle Zeichnung fast verschlungen, auch die bei anderen fruncata 
saumwärts weiße Einfassung des Mittelfelds, von der nur noch 
lichte Atome übrig sind, namentlich unterhalb des Vorderrands. 
Die rostbraune Färbung des Wurzelfelds rußig getrübt, die des 
Saumfelds deutlicher. Die Hfl. schwärzlich aschgrau, ebenso die 
Unterseite, auf welcher die Begrenzung des Mittelfelds saum- 
wärts als lichter, verwaschener Streif auf allen Flügeln angedeutet 
ist. Kopf, Brustschild, Schulterdecken, Hinterleib berußt.“ 


— 220 — 


Stücke, welche dieser Beschreibung ganz entsprechen, oder 
noch darüber hinausgehen, wie das schöne © von Kiel Abb. 9, 
sind sehr selten. Ich sah außer den von mir ex ovo von hie- 
sigen @ Q gezogenen Faltern in den großen Sammlungen kein 
einziges Stück mit so vollständig einfarbig grauschwarzer Unter- 
seite. Püngelers Tiere, welche von ihm in Aachen ab 1925 ge- 
zogen, sind in den Vorderflügeln gleich meinen extrem, aber die 
Hinterflügel und besonders deren Unterseite sind wie bei Fuchs’ 
Type nur bis zur Postmedianen verdunkelt, das Saumfeld bleibt 
hell. Ein derartiges 5 lag mir von Essen vor. Bei den Kieler 
Stücken ist die weiße Submarginalfleckenreihe das letzte, was 
noch auf der einfarbigen Unterseite sichtbar bleibt (Abb. 9a), 
sie übertreffen also noch Fuchs’ Type. Herr Prout schrieb 
mir, daß er solch extreme Stücke selbst noch nicht gesehen, 
sondern nur gehört habe, daß einige neuerdings in Yorkshire 
gefangen seien. Ich betrachte die hiesigen, stets westlich 
der Stadt gefundenen Tiere nicht als Industriemelanismus. 
Sonst werden noch Uebergänge von Vorbrodt aus der Schweiz 
gemeldet. 

f, nigrobrunneata m. f. nova (Abb. 10 und 10a) ist eine 
eigenartige Extremform, die ich aus einer Paarung nigerrimatag" 
<X.nigerrimata @ ex ovo erzog. Ich würde sie einer Sonder- 
benennung nicht für wert halten, wenn sie nicht, abweichend 
von nigerrimata Fuchs, ein sonst nur noch bei corussaria Obth. 
beobachtetes Merkmal aufwiesen. Ich erhielt 42, 1. Mittel- 
feld und Saumfeld tief rußschwarz, Basis zusammen mit Ante- 
medianband bilden eine rostbraune Fläche; Postmedianband 
sehr kräftig, breit, rostbraun, nicht geschwärzt wie bei niger- 
rimataF. Die weiße Wellenlinie, weiße Flecke seitlich des 
Mittelfelds am Innenrand sind erhalten geblieben. Hinterflügel 
oben einfarbig schwarzgrau, mit undeutlichen Resten der hellen 
Subterminalfleckenreihe. Unterseite derVorderflügel fast einfarbig 
grauschwarz, aber das Postmedianband zeichnet sich durch 
deutlich graubraunen, wenn auch verschwommenen Ton ab. Das- 
selbe wiederholt sich auf der Hfl.-Unterseite.. Bis zur Post- 
medianbinde ist diese einfarbig schwarzgrau. Dann folgt bei 
3 Stücken eine bandartige, verschwommen, schmutzig-bräunliche 
Tönung bis zur weißen Subterminalfleckenreihe. Bei 2 Stücken 
ist dieser Raum noch schmutzig gelbgrau geblieben. Diese bräun- 
liche Tönung des postmedianen Teils der Flügelunterseite zeigt 
somit Anklänge an brunneata Packard von Labrador. 1 9 ist 


— 221 — 


völlig hyalin durch veränderte Schuppenbildung, aber gleicher, 
doch sehr verschwommener Zeichnung, also etwa wie bei künst- 
lich durch Frostexperiment erhaltenen Arctiiden-Formen. 

f. rufescens Ström. 1783, Nye Samlg. Dansk. Skr. II, 
S. 85. (= commanotata Haw. 1809, — latefasciata Stdgr. par- 
tim 1892, ==ab. mediorufaria Fuchs 1899, —= ochreata Schille 
1900.) Aeltere Abbildungen bei Wood Fig. 557, Newman (Brit. 
Moths.) S. 118 var. 2, Mill. Iconogr. III. Taf. 111 Fig. 8, Barett 
(Lep. Brit. VIIL) Taf. 356 Fig. 1h, Sepp (Nederl. Ins. IV) Taf. VII 
Fig. 10, und ferner bei Klöcker (Danmarks Fauna IV) Taf. VI 
Fig. 95, farbig bei Culot Taf. 23 Fig. 476 und 477. Mit Recht 
. hat Prout im Seitz diesen ältesten Namen für die Mutation 
mit ockergelbem bis -bräunlichem Mittelfeld eingesetzt. „Leicht 
rötlich, mit roten, welligen Binden“, wie die Originalbeschrei- 
bung sagt, ist der Ton nicht. Auch Fuchs nennt seine gleiche 
Form mit „rostgelbem” Mittelfeld ‚„mediorufaria”. Wie schon 
obige Aufzählung der Autoren und ihres Heimatlandes deut- 
lich zeigt, ist f. rufescens am häufigsten und schon lange be- 
kannt im feuchten Küstenklimagebiet Nordwesteuropas, in Däne- 
mark, England, Holland, Rheinland, Schleswig-Holstein. Sel- 
tener tritt sie im übrigen norddeutschen Flachland, dann in den 
Mittelgebirgen längs des Rheins, im Erzgebirge und wieder in den 
Alpen auf, anderweitig sehr vereinzelt. Sie ist zweifellos eine 
echte, schon sehr alte Mutation, die wir bei der Transbaikal- 
Rasse, ebenso wie bei einigen der nächsten, verwandten Arten 
wiederfinden. Wie Lange (Iris 1921) zog auch ich ex ovo die 
Form in Anzahl. Einmal ergaben die 8 letzten abgelegten Eier 
eines rufescens @ auch 8 Stücke nur dieser Form. Sonst erhielt 
ich sie stets in einem gewissen Prozentsatz zugleich mit typ. 
fruncata, perfuscata und nigerrimata-Tieren. Von drei anderen 
rufescens Q Gelegen waren ?°/, rufescens, '/s truncata, ebenso von 
von einem perfuscata @, das nur noch 11 Eier legte. Die Erb- 
eigenschaften der Elterntiere finden sich bei rufescens-Stücken 
sehr deutlich ausgeprägt. Das unter Nr. 11 abgebildete große 9 
ist, wie auch bei Culots Fig. 476, an Costa und am Innenrand 
im Mittelfeld weißlich aufgehellt. Solche Tiere erhielt ich stets 
aus Zuchten zugleich mit typischen und weißbindigen fruncata, 
sodaß hier auf heterozygot-helle fruncata-Erbanlage zu schließen 
ist. Seltener sind rein ockergelb gefärbte Stücke (Culot Fig. 477), 
die ich bisher nur in JS’ Exemplaren sah und die wohl als homo- 
zygote rufescens anzusprechen sind. Andere Erbeigenschaften zeigt 


— 22 — 


f. mixta Prout 1908, Trans. City of London Ent. Hist. S. 44, 
die ich unter Nr. 12 und 12a abbilde, eine „halbmelanistische“ 
Form, wie ihr Autor sagt. Die Tiere sind auf allen Flügeln 
verdunkelt, das Mittelfeld ockerbräunlich bis schmutzig grau- 
braun, an der Costa mehr oder minder tiefschwarz, Antemedian- 
band schwarzbraun. Hinterflügel und Unterseite (12a) ebenfalls 
verdunkelt. Ich erhielt solche Tiere aus Eiern eines ebenso 
gefärbten @ und ein zweitesmal von einem perfuscata 2 zugleich 
mit heterozygot helleren Tieren. Wir können also wohl mit Recht 
annehmen, daß ihre Erbeigenschaften aus Paarungen rufescens 
X perfuscata oder rufescens X nigerrimata stammen. Unter dieser 
Bezeichnung stecken auch zwei kleine Serien in dem Verdunke- 
lungsgrad verschiedener Falter in coll. Püngeler, in 2. Gen. 1926 
bei Aachen erzogen. f. mixta Prout ist bisher nur aus dem 
atlantischen Klimagebiet, das östlich bis zur Travemündung bei 
Lübeck reicht, bekannt geworden. Latefasciata Stdgr. bildet im 
Sajan-Gebirge eine analoge Form. 

f. depunctaRomaniszyn 1925, Polsk.Pism.4, S.198. Aus Klein- 
polen beschrieben. Den Originaltext habe ich nicht einsehen können. 
Jedenfalls fehlt bei dieser Form der sonst charakteristisch große, 
kommaähnliche Diskalstrich der Vfl. Sie ist selten, doch habe ich 
mit Ausnahme der nigerrimata von jeder der vorher aufgeführten 
Farbvarietäten je ein Stück ohne Zellfleck in meinem Material 
gefunden. f. depuncta ist also eine Individual-Modifikation von 
geringer Bedeutung. 

subsp. transbaicalensis m. subsp. nov. (Abb. 45, 46, 45a, 
46a). Drei von Herrn Bang-Haas erhaltene © 2 vom Baikalsee 
und Transbaikal, und 1 mir vorliegendes 5 der coll. Staudinger 
von Urga (Mongolei), also südlich hiervon, repräsentieren die 
wahrscheinlich östlichste Rasse. Die Tiere fallen sofort durch 
einen bleigrauen Ton in der Vorderflügelfärbung auf, der alle 
dunklen Zeichnungen puderartig bedeckt. Auch das klar ge- 
zeichnete, weißgrau eingefaßte Antemedianband ist nicht braun, 
sondern durch die Bestäubung grau bis graubraun. Mittelfeld weiß 
bis weißgrau. Hfl. im Basalteil heller, im Saumfeld dichter grau 
bestaubt fast ohne Andeutung der weißen Subterminalfleckenreihe, 
sodaß im Gesamteindruck eine gewisse Aehnlichkeit mit infuscata 
Tgst. entsteht, die aber kleiner und bläulicher ist. Unterseite 
(45a/46a), besonders der Hil., hell, wie bei ostpreußischen cen- 
tumnotata Sch., gelblich getönt. Zugehörigkeit zu fruncata Hin. 
durch Genitalpräparat festgestellt. Dornenbesetztes Band am 


22 — 


Faltensaum der 2 Bursa ziemlich schmal. Das große Signum wie 
bei fruncata, desgl. die Bursula. 

f. rufescens nom. coll. ist die auch hier auftretende Mutation 
mit hellgelbockerigem oder ockergelbem Mittelfeld. Mein Q Abb.46, 
ist an der Costa weißlich, also wohl heterozygot mit Erbanteil 
der Nominatform. Das schöne 5 aus Urga der Staudinger-coll. 
ist im Mittelfeld rein ockergelb, ohne jede Linie (homozygot), was 
wohl Staudinger bewog, es in seine latefasciala einzureihen, mit 
der das Tier aber nichts zu tun hat. Typen: 3 © © Baikalsee, 
im Juli gef. in coll. m, 5’ Urga coll. Staudinger. 

subsp. sinensis m. subsp. nov. (Abb. 499). Erst nach Ab- 
schluß des Manuskriptes fand sich unter den Exemplaren der 
Stötzner'schen Ausbeute diese Form, die ich zunächst geneigt 
war, zu imilaria m. zu stellen. Doch deuten die wenigen Prä- 
parate, die ich von J’ und © machen konnte, auf truncata Hfn., 
ebenso wie der Gesamteindruck. Rund 2000 km südlicher, durch 
die gewaltigen Einöden der Wüste Gobi von der vorhergehenden 
Rasse getrennt, fliegend, ist sinensis im Gegensatz zu jener von 
düsterem Aussehen, ähnlich dunklen, typischen Zruncata Hfn. 
Aber die Farben der Vfl. sind viel weniger kontrastreich, alles 
Schwarz nur dunkelgrau, die braunen Bänder stumpf graubraun. 
Von der am gleichen Fundort fliegenden imitaria m. vor allem 
durch die dunkleren Hil. unterschieden, die hellgrau, zum Saum 
breit bandartig dunkler bestäubt und fast zeichnungslos sind. 
Nur der graue Diskalpunkt deutlich. Zeichnungsanlage der Vfl. 
wie bei der Nominatform, während bei imitaria durch das etwas 
schräger auswärts ziehende Antemedianband das Mittelfeld am 
Innenrand merklich verschmälert erscheint. 

Unterseite ebenfalls dunkler, grau bestäubt. Vorsprung 
des Mittelfelds ein wenig spitzer als bei fruncata, etwa wie 
imitaria Fig. 50a, ebenso die Postmedianlinie der Hfl. ein wenig 
mehr, doch abgerundet gewinkelt. Weiße Submarginalflecken 
angedeutet. 

Beim 5 fand ich die Dornen des Schwellkörpers ein wenig 
länger als bei europäischen fruncata, doch die Form des Dornen- 
felds wie bei dieser. Mehrere SQ von Wassekou, Sumpanting, 
Szetschwan in SW-China, leg. Stötzner in coll, Zool. Museum 
Dresden, das mir 1 5/9 freundlichst überließ. 

Genitalapparat. 5 (Taf.V Fig. 2). Tegumen: Unterteil 
einem gestreckten Pyramidenstumpf im Längsschnitt ähnlich, zur 
Basis an den Ecken abgerundet mit kurzgestieltem Scaphium, 


— 224 — 


was schon Zöllner feststellte. Oberteil länglich, ziemlich gewölbt, 
bis nahe an das Gelenk des Uncusdorns reichend. Dieser lang 
und schlank, fast gleich breit, mit wie gefalzt aussehendem Rand, 
zur Spitze leicht verjüngt und hier in einen nicht auffallend 
abgesetzten Haken endigend. Valven am Ansatz schmal, dann 
geschwungen zentral stark verbreitert und stumpf abgerundet. 
Penis (Abb. 1 u. 2a) schlank, 1,38 mm lang, 0,29 mm dick, leicht 
gebogen, zur Spitze ein wenig verjüngt. Schwellkörper mit 0,77 mm 
langem aber nur 0,08 mm breiten, d.h. sehr schmalem, doppel- 
reihigem Dornenfeld, von etwa '/,—'/, Penisrohr-Länge, mit zahl- 
reichen, recht kurzen, spitzen Dornen von 0,125 mm Länge und 
0,01mmDicke. QBursa (Taf.V, 6a) Hals und obere, faltige Hälfte 
stärker chitinisiert, daher dunkler braun erscheinend. Auf einer 
Seite unterer Faltensaum mit einem ziemlich schmalen, 0,250 mm 
breiten Band längerer und kürzerer Dornen. Bursula (Bb,) 
seitlich oval oder fast halbkugelig, ausgestülpt, mit querliegenden 
Falten. Signum (Si) mäßig, 0,8—1,04 mm, lang und 0,27 bis 
0,32 mm schmal, stark querfaltig, nur am Saum mit einer etwa 
3fachen Reihe, einem S-Infanteriegeschoß ähnelnden Dornen, die 
die die Mitte ganz dornenfrei lassen. 

Biologie: Ei länglich oval, flachgedrückt, weißlichgelbgrün, 
fest an Triebe und Blätter geheftet. Schlüpfen nach 10—14 Tagen. 
Räupchen weißlichgelb, nach erster Häutung hellgrün, erwachsen 
ca. 30 mm lang, zum Kopf leicht verjüngt, mit undeutlichen: 
helleren Subdorsallinien, und sehr häufig mit breit violetter Seiten- 
linie. Analspitzen spitz und lang, violettrötlich; Afterklappe (Text- 
abb. Rp. 1) nur mäßig breit u. spitzer gerundet als bei citrataL. 
Die Zucht bietet keine unüberwindlichen Schwierigkeiten, beson- 
ders nicht der 2. Generation. Etwas schwieriger ist die Ueber- 
winterung der jungen Raupen, die am leichtesten an eingetopiten 
Erdbeerpflanzen gelingt. Als Futterpflanzen werden genannt: 
Rosaceen, Rubus, Erdbeeren, Weißdorn, Lonicera, Weiden, Bir- 
ken, im Gebirge auch Vaccinium und im Harz Calluna (Hoff- 
mann, Stett. Ent. Z.49, S.173). Mir ging einmal bei der Ueber- 
winterung eine Raupe auf einen danebenstehenden Calluna- 
Busch über, fraß diesen bis zum Schluß und gab einen normalen 
Falter. Diese Futterpflanze kann also kein Unterscheidungsmerk- 
mal gegenüber der folgenden Art concinnata Steph. bilden! Im 
Gebirge und mittleren Skandinavien nur eine Generation. Lange 
gibt „Iris” 1921 an, daß die Räupchen mit 3 mm Länge über- 
wintern. In Schleswig-Holstein dagegen mit seinen milden, langen 


— 225 — 


Herbsten konnte ich bis Ende Oktober zwei Häutungen und 
Ueberwinterung bei 10—12 mm Länge beobachten. Bei Zimmer- 
zucht erhielt ich in einem Jahre drei Faltergenerationen, die 
Räupchen einer vierten schickten sich zur Ueberwinterung an. 
Puppe (Textabb. Kr. 1) zuerst hellgrün, mit sich bald leicht bräun- 
lich färbenden Flügelscheiden (bei cifrataL. weißlich!). Die ganze 
Alterspitze tief braun, stark chitinisiert. Kremaster stark runzlig, 
länglich zugespitzt, gegen das vorletzte grüne Segment mit schwarz- 
braunem, stark bogig gezähnten und gekerbtem Chitinrand ab- 
gesetzt, also von cifrataL. gut unterscheidbar. 

Flugzeit: Bei einer Generation von Juni bis Anfang Au- 
gust, bei zwei Generationen von Ende Mai (in warmen Jahren), 
Juni bis Mitte Juli und wieder Ende August bis September. 
South erwähnt eine dritte Freiland-Generation im Dezember von 
warmen Lagen Englands. 

Verbreitung: Von Nordschottland und Hebriden als Nord- 
westgrenze durch Nord- und Zentraleuropa, im Süden bis zu 
den Hoch-Pyrenäen (Cedre), den Seealpen und Oberitalien; 
von Skandinavien, Finnland durch Rußland nach Osten an- 
scheinend nicht über den 110. östl. Länge hinausgehend und 
bisher sicher erst bis zum Transbaikal-Gebirge, Urga in der 
Mongolei sowie SW-China festgestellt. Die im Staudinger-Rebel- 
Katalog genannten Lokalitäten: Ussuri, Amur und Japan sind 
sehr zweifelhaft und beruhen wohl sicher auf Verwechslungen 
mit der von mir neu aufgestellten japonica m., cinereata Moore, 
imitaria m. und höchstwahrscheinlich auch hellen citrata-Formen. 
Jedenfalls haben weder Herr Prout noch ich wirkliche truncata Hin. 
aus jenen Gebieten in dem uns vorliegenden Faltermaterial der 
großen Museen feststellen können. Auch die Angabe Nord- 
Amerika ist zweifellos irrtümlich. Die hier in Frage kommenden, 
von mir durchgesehenen nordamerikanischen Falter erwiesen 
sich als zu citrata L. gehörig. 


2. D. concinnata Stephens 


1831, Il, Haust. II, S. 223 (= boreata Curt. 1836, = var. consoli- 
data Gregs. 1885, —perfuscata Stdgr. nec Haw.). Ich hätte nach 
meinen wenigen Präparaten und dem morphologischen Befund 
hieraus diese zweifellos philogenetisch jüngste Dystroma-Spezies 
nur als gut ausgeprägte Lokalrasse der vorigen angesehen, oder 
auch subspecies im Sinne Harrison’s bezw. „little Species“ nach 


— 226 — 


Jordan, wenn ich nicht durch Herrn Prouts liebenswürdige Ver- 
mittlung die vorzügliche Sonderarbeit E. A. Cockayne’s in „The 
Entomologist's Record“ 1915 S. 178-181 und eine Reihe weiterer. 
neuerer Feststellungen erhalten hätte. Nach allem stehe ich nicht 
an, der Ansicht der englischen Entomologen zu folgen, die mit Prout 
und Pierce cöncinnata Steph. schon seit 1908 als eigene Art an- 
sahen. Da aber die konstanten Abweichungen derselben von 
truncata Hfn., der sie sehr nahe steht, nicht sehr weitgehend sind, 
so glaube ich, daß sie sich erst in jüngster Zeit von jener ab- 
getrennt hat. Mir lag eine kleine Serie aus der Püngeler- 
Sammlung und 4 Stück meiner eigenen vor, die mir zum Teil 
Herr Prout zur Untersuchung überließ. (Abb. 7@, 8 J‘, 7a, 8a, 
289, 28a). Andere Abb. geben Wood Fig. 576, South in Farben- 
photographie 2. Taf.66, Fig.5, 6 u. Seitz IV Fig.8k, Cockayne Taf.VII, 
1-4. concinnata Steph. ähnelt einem im verdunkelten Mittelfeld 
weißfleckigen Übergang zu fruncata f. perfuscataHaw. (Abb.5), ist 
aber noch bunter scheckig und fällt besonders durch den braunen 
Ton aller dunklen Zeichnungen auf, wie er ähnlich auch citfrala 
var. pythonnissata Mill. eigentümlich ist. Auch die Verdunkelung 
der Hinterflügel ist bräunlichgrau, nicht schwärzlich grau wie bei 
truncata. Diskalfleck groß wie bei dieser. Vorsprung des Mittel- 
felds stärker ausgebildet, fast so stark wie bei cifrataL., vorher 
nach der Costa zu mit stärkerer Einkerbung, und einem Zähn- 
chen wie bei fruncata. Das braune bis dunkelbraune Ante- 
medianband ist weißlich eingefaßt und so deutlicher gezeichnet 
als bei dieser, und fast wie bei cifrata L., doch nicht ganz so 
scharf, gewinkelt. Verlauf der stark gekerbten Postmediane der 
Hfl. ober- und unterseits wie bei fruncata, dahinter ebenfalls mit 
einer oft sehr ausgeprägten weißen Subterminal-Fleckenreihe 
(s. Abb. 28). Unterseite bräunlichgrau verdunkelt. (Abb. 7a, 8a, 
28a). Die meist kräftig und dick gezeichnete Postmedianlinie 
der Hfl. wie bei tr. f. perfuscata Haw. oft breit bandartig dunkel 
bis zu einer verschwommenen Medianlinie. Sonst Zeichnungs- 
anlage wie bei der ersten Art. 

f. centumnotata nom. coll. mit weißlicher Mitte (wie 9 
Abb. 28) und f. perfuscata nom. coll. mit schwärzlich-braunem 
Mittelfeld kommen vor. 

Größe: 14,5—16,0 mm Vfl.-Länge, 29—31 mm Spannweite, 
also ziemlich gleichmäßig. 

Genitalapparat: J (Taf. VII, 25). Die Angaben von Pierce 
in „Genitalia of the Brit. Moths“ fand ich, wie auch Cockayne (loc. 


— Hl 


cit.), nicht bestätigt. Der Penis, 1,52 mm lang (Taf. VI,23) ist von 
truncataHfn. kaum verschieden, vielleicht zur Spitze mehr verjüngt 
(0,27 mm). Die Valven groß u. geschwungen verbreitert, aber sol- 
che fand ich auch bei hiesigen fruncata 5‘. Cockayne's Abbildungen 
seiner Präparate bestätigen beim 5 ganz meine Feststellungen. 
Der Hauptunterschied gegenüber fruncata 5 liegt beim Tegumen 
(auch bei Pierce), das viel gestreckter und schmäler, fast 
rechteckig ist. Die Borstenkissen des Anellus sind lang und 
schmal. Scaphium kurz. Uncusdorn lang wie bei fruncata. 
Anklänge an citrata L., wie Pierce behauptet, fand ich nicht. 
Dornenfeld des Schwellkörpers 0,72 mm lang u. 0,096 mm breit. 
Dornenlänge 0,175 mm bei 0,01 mm Dicke. @Bursa (Taf.IX, 25) 
mit wenig verstärktem Faltensaum, dessen mit feinen, kurzen 
Dornen besetztes Band von doppelter Breite (0,4 mm) ist 
gegenüber 0,246 mm bei truncata 9. Bursula oval, querlaltig 
wie bei dieser. Signum 0,88 mm lang, 0,32 mm breit, nach unten 
verbreitert mit 3fachem Randbesatz spitzer, länglicher Dornen, 
der die Mitte breit frei läßt, wie bei fruncata Hfn., also nicht, 
wie Pierce angibt, diesbezüglich in der Mitte zwischen fruncala 
und cifrata stehend. Wie gesagt, würde ich nach meinen drei 
Präparaten allein hierin keine artbestimmenden Merkmale ge- 
sehen haben, sondern hätte diese Unterschiede als Modifikation 
an der Grenze der Variationsbreite dieser Teilorgane hinge- 
nommen. Wie aber aus Cockayne’s mit mir übereinstimmenden 
Feststellungen hervorgeht, sind jene Merkmale konstant, während 
ich sonst bei fruncata 5 und 2 derartige Abweichungen nicht 
fand, auch nicht bei der Transbaikalrasse. 

Biologie: concinnata Steph. fliegt auf Arran nach Prouts 
Wiedergabe der Smith’schen Beobachtungen von 1906 nur auf 
Heideflächen der Anhöhen, truncata dagegen an Weißdorn in 
niedrigen Lagen. concinnata hat nur eine Generation im Juli- 
August, truncata Hfn. flog dagegen gleichenorts in zwei Gene- 
rationen als f. perfuscata Haw. trans. ad. nigerrimata Fuchs im Juni 
und ergab bei der Zucht die 2. Generation im August— Septbr. 
Ueberwinterungsstadium, wie bei fruncata Hfn., die junge Raupe, 
nach neueren Erfahrungen von Sheldon, deren Mitteilung ich 
Herrn Prout verdanke. 

Da das Vorkommen zweier konstant verschiedener, auch 
verschieden (ein- bezw. zwei)brütiger Rassen einer Art an der 
gleichen begrenzten Lokalität nicht gut möglich ist, ohne daß 
zahlreiche, aber nicht beobachtete Mischformen entstehen, so 


— 228 — 


glaube ich, ebenso wie die englischen Autoren, concinnata Steph. 
die Artberechtigung nicht absprechen zu sollen. 

Verbreitung: Bisher nur von der Insel Arran an der West- 
küste Schottlands und neuerdings (s. Cockayne) noch von der 
Achill-Insel vor West-Irland bekannt. 


3. D. japonica m., spec. nov. 


(Abb. 529, 52a, 785, 78a), (= (?) truncata Matsumura nec Hfn.). 
Die mir zunächst nur in 2 japanischen, großen Q Q der coll. Pünge- 
ler vorliegende neue Art hielt ich anfänglich für eine Rasse der 
folgenden cinereata Moore. Herr Prout machte mich freundlicher 
Weise auf gewisse Unterschiede beider aufmerksam und sandte 
mir aus den englischen Museen Material zu Genitaluntersuchungen. 
Dabei entpuppten sich dann die Japan-Falter als von cinereata 
Moore von Sikkim und Formosa durchaus konstant verschieden. 
Beim Abschluß meiner Arbeit erhielt ich noch die Falter der 
Stötzner'schen China-Expedition zur Durchsicht und fand hier- 
unter noch 2 als cinereata bestimmte J'dg.. 

Vorderflügel oberseits dieser sehr ähnlich. Basalfeld 
sehr breit, schmutzigbraun. Antemedianband schokoladenbraun, 
bläulich weißgrau eingefaßt, breit und wie bei citrata L. scharf 
rechtwinklig gewinkelt, unterhalb der Mediana eingeschnürt. 
Mittelfeld wie bei /runcata Hufn., in der Mitte weiß, mit schwarz- 
grauen, seitlichen Linien bandartig hellgrau eingefaßt und außen 
unter der Costa schwärzlich beschattet. Aeußere Begrenzung 
am weißgrauen, dann dunkelbraunen Costalwisch mit 2 deutlichen 
schwarzen Zähnchen. Das innere schwarzgraue- Saumband des 
Mittelfelds endet am Innenrand in einen schwarzen, fast vier- 
eckigen Fleck, der bei cinereata Moore fehlt. Der schwarzgraue 
Diskalpunkt deutlicher als bei dieser, etwa wie bei cifrata L. 
Postmedianband weißlich, nach außen nur am Costalwisch und 
am Innenrand braun, wo es einen, auch für cinereata charak- 
teristischen, braunen, länglichen Fleck bildet. Apex nicht so 
dunkel wie bei dieser, blaugrau, mit schwarzen Keilflecken und 
noch erkennbarer, weißlicher Wellenlinie. Saumfeld schmal, von 
der Mitte des Außenrands an hellgrau. Fransen weißlich u. grau 
. gescheckt, mit doppelten, sehwarzen Saumpunkten. 

Hinterflügel oben etwas dunkler, gelblichgrau und 
weniger glänzend, als bei cinereata, mit schwärzlichem Zellileck 
und weniger deutlicher, stumpf rechtwinkliger Postmedianlinie, 
Fransen gelbgrau. 


—..22) — 


Unterseite (52a, 78a) gelblichgrau. Vorderflügel: hinter 
dem grauschwarzen Mittelfeld mit deutlichem Zellfleck ein 
großer, weißer Costalfleck. Hinterflügel: gleichmäßig grau be- 
pudert, der graue Diskalpunkt und die nur schwach gekerbte, 
stumpf gewinkelte Postmedianlinie sehr undeutlich. 

Körper weißgrau; Kopf und Thorax braun. 

Größe: 5 16,5—18,0 mm Vfl.-Länge u. 30-34 mm Spann- 
weite, dagegen 9 18,0—20,0 mm Vfl.-Länge und 32,5—39 mm 
Spannweite, teilweise also recht viel größer als die verwandt. Arten. 

Genitalapparat: 5 (Taf. VII, 76) im ganzen recht groß, 
Tegumen noch mehr, als bei concinnala Steph. nach hinten 
verjüngt, dem Längsschnitt eines schlanken Pyramidenstumpfes 
gleichend. Scaphium mäßig lang. Uncusdorn sehr lang und 
dünn, ziemlich gebogen, in einem verhältnismäßig ebenso langen 
Haken endigend. Valven am Ansatz ziemlich schmal, dann 
gleichmäßiger als bei fruncata’ geschwungen, verbreitert und ab- 
gerundet. Penis (Taf. VI, 76) schlank, 1,5—1,7 mm lang, 0,32 mm 
dick, wie bei dieser, jedoch das schmale Dornenfeld sehr lang, 
mit 0,76—0,88 mm gut von halber Penisrohrlänge, mit der ent- 
sprechend größeren Zahl kurzer, spitzer Dornen von 0,075 mm 
Länge und 0,015 mm Dicke. Schwellkörper auch seitlich längs 
der Peniswand mit feinen Dornen. 9 Bursa (Taf. IX, 84) groß, 
der untere, wenig gefaltete Rand des chitinverstärkten Oberteils 
mit einem sehr breiten Dornensaum, regelmäßig verteilter, meist 
kurzer, kegelförmiger Dornen. Bursula kräftig chitinisiert, braun, 
kugelförmig und sehr auffällig. Auch die lange, obere Signum- 
falte stärker chitinisiert. Signum groß, 0,72 mm lang, 0,32 mm 
breit, nach unten am breitesten, in ganzer Fläche von dichten 
Reihen spitz schindelförmiger Dornen bedeckt. 

Biologie unbekannt. 

Verbreitung: japonica m. scheint der nordöstlichste Zweig 
jener Arten zu sein, die sich mit fruncata Hfn. und den beiden 
folgenden aus einem Stamm entwickelt haben. Ich nehme auch 
mit Prout als ziemlich sicher an, daß alle von Matsumura aus 
Japan und Sachalin als fruncata Hin. aufgeführten Tiere hierher 
gehören. Japan häufig und im Gebirge des südwestl. Chinas (Sze- 
tschwan, Kwanhsien) auf der Stötzner'schen Expedition gefangen. 
Von Dr. Sterneck in „Iris“ XVII, 1928, S.154 als zur folgenden Art 
gehörig angeführt. 

Typen: 2 © Japan, coll. Püngeler Mus, Berl, 5 coll. m. 
(ex coll. Mus. Tring.}, 2 5 coll. Mus. Dresden. 


— 2 — 


4, D. cinereata Moore 


1867, Proceed. Zool. Soc. Lond. S. 622. (= citrata div. aut. nec L.) 
„So und 2 weißlich gelbgrau: Vorderflügel mit dunkel rost- 
brauner Basis und Apikalwisch; der letztere schwärzlich und 
durchzogen von einer weißlichen, aus Halbmonden gebildeten 
Linie; ein postmedianes, schwarzgesprenkeltes, schlecht be- 
grenztes Querband, das von einer weißen Halbmondlinie ge- 
säumt wird. Mittelfeld fein schwarz gesprenkelt; ein kleiner 
schwarzer Diskalpunkt; ein kurzer rostbrauner Strich steigt an 
einem schwarzen Strich vom Innenrand nahe dem Analwinkel 
auf; beide Flügel mit braunen Saumpunkten. Fransen bleich 
gelb. Palpen, Kopf und Thorax rostbraun. Abdomen gelbgrau. 
Unterseite bleicher; Basis und Apex der Vfl. schwärzlichgrau, 
mit schrägem, bleichem Subapikalband; Hfl. mit Diskalfleck und 
einer undeutlichen, äußeren Linie. Spannweite: 1', Zoll. 
Bengalen. In coll. A. E. Russel, J. Moore.“ 

Bei mir vorliegenden Stücken: 29—35 mm bei 16,5— 19 mm 
Vfl-Länge. Abb. 76%, 7729 zeigen ein Pärchen ex coll. Bastel- 
berger von Formosa. Die Abb. im Seitz IV, Taf. 7k ist unkennt- 
lich. Prout hebt noch einen gewissen Glanz der Flügel, besonders 
der hinteren hervor und den sehr charakteristischen braunen 
Fleck im Analwinkel. Gegenüber japonica m. ist alles Braun 
bei cinereata weit lebhafter rostfarben, dagegen dunkler grau- 
braun bei japonica. Kopf und Thorax finde ich blaugrau über- 
stäubt. Auch die feine, puderähnliche Bestäubung des Mittel- 
felds, welches fast keine Spur von dunklen Linien zeigt, ist bei 
cinereata viel mehr bläulich getönt, besonders an der Costa. 
Diskalpunkt sehr fein. Die weißgrauen Hil. fast zeichnungslos. 
Unterseite (Abb. 76a): Der dunkelgraue Apex ist nicht von 
einer helleren Wellenlinie durchzogen wie bei japonicam. Die 
wie bei fruncata angelegte (bei japonica stumpf gewinkelte) Post- 
mediane der Hfl. ist aber meist deutlicher, wie auch der Zell- 
fleck. Saumfeld zeichnungslos. Eine rufescens-Form ist von 
cinereata Moore nicht bekannt, da sich Warrens Beschreibung 
als ein Irrtum erwies. 

Genitalapparat: 5 (Taf. VII, 86). Aehnlich der japonica. 
Tegumen kleiner, zarter gebaut, ebenfalls eckig und zum Uncus 
verjüngt. Uncusdorn im Verhältnis lang, aber stärker gebaut, 
- als beijener, am Ende kahnförmig, mit scharfem, vogelschnabel- 
ähnlichen Haken. Scaphium kurz gestielt. Valven ein wenig 


— 231 — 


schmäler. Penis (Taf.Vl. 86) zur Spitze nicht verjüngt wie bei 
japonica, 1,6mm lang, 0,32 mm dick. Das 0,8 mm lange Dornen- 
feld ebensolang, aber mit nur etwa der Hälfte, dafür aber 4mal 
so langer und starker Dornen besetzt, also mikroskopisch leicht 
unterscheidbar. Diese sind bis zu 0,325 mm lang bei 0,025 mm 
größtem Durchmesser. QBursa (Taf. IX, 91a) viel kleiner und 
zierlicher als bei japonica®. Bursula halb so groß, kugelig-oval. 
Faltensaum stärker gefaltet, und hier in ziemlicher Breite mit 
längeren, dicht stehenden Dornen besetzt. Dazwischen sind fei- 
nere, spitze Dornen verteilt, sodaß die Bedornung bei geringerer 
Gesamtgröße kräftiger ist als bei japonica. Das 0,58 mm lange 
und 0,21 mm breite Signum seitlich mit 3—4facher Reihe kurzer, 
spitzer, oft nur unvollkommen ausgebildeter Dornen besetzt, die 
etwa wie bei concinnata die Mittelfläche frei lassen. Also auch 
im © beträchtliche Unterschiede. 

Verbreitung: Sikkim (Darjeeling), Bhutan, Ober-Burma, 
ferner auf Formosa sicher festgestellt. cinereata Moore ist also. 
eine mehr dem indo-australischen Faunengebiet angehörige, süd- 
lichere Art, die in das paläarktische Grenzgebiet kaum eindringt. 
Die beiden ZZ der Stötzner-Expedition aus Szetschwan, SW- 
China (Iris 42, S.154), gehören zu japonica m. 


5. D. ilavifusa Warren, 


det. Heydemann, 1896 Nov. Zool. Ill. S. 387, ist die rufescens-Form 
einer von mir neu festgestellten Art, zu der auch Warrens Type 
(nach Herrn Prouts Mitteilung) gehört. Warren hat irrtümlicher 
Weise seine flavifusa als aberr. zu cinereata Moore beschrieben. 
Deshalb muß wohl dieser Name für die gelbbindige Form und 
diese selbst als Nominatform Geltung behalten, jedoch eine ge- 
nauere Beschreibung noch erfolgen. Auch unter den cinereata- 
Faltern der Bastelberger-Sammlung fand ich eine flavifusa, die 
mir schon als von jenen verschieden auffiel. Ein diesbezüglicher 
Meinungsaustausch mit Herrn Prout und dessen Ueberprüfung 
der Type Warrens klärte den Zweifel. flavifusa ist eine kleine 
Spezies, sehr hell und scharf gezeichnet. (Abb. 75.) Basalfeld 
dunkel graubraun, an dem Antemedianband schwärzlich gesäumt, 
und in letzteres mit 2 Zähnen auf der Mediana und im Raum 
zwischen dieser und der Subanal-Rippe eindringend. Ante- 
medianband selbst hell ockerbraun, weiß gesäumt, nach außen 
stumpf gewinkelt und auffallend gradlinig begrenzt. Mittelfeld 


— 232 — 


beiderseits fein schwarz gesäumt, außen an der Costa mit brei- 
tem, kurzen, schwarzen Schrägband bis zum Vorsprung. In der 
Mitte bei der Nominatform ockergelb getönt, häufiger rein weiß, 
mit kräftigem schwarzen Diskalfleck. Der Vorsprung des Mittel- 
felds zieht fast gradlinig oder leicht konkav und wenig einge- 
kerbt bis zur Flügelmitte kurz unterhalb Rippe Ms und biegt 
dort in stumpfem Winkel zum Innenrand. Dahinter ein ziemlich 
großer weißer Costalwisch wie bei citrata L., der außen vor der 
Wellenlinie fleckig rostbraun getönt ist. Das Postmedianband 
verloschen, am Innenrand ebenfalls einen sehr auffallenden 
dunkel rostbraunen Fleck bildend wie die zwei vorhergehenden 
Arten. Apex schwarz schräg geteilt, an der Costa weißgrau, 
darunter schwärzlich beschattet. Hier allein deutliche Reste 
einer hellen Wellenlinie. Fransen weißgrau und schwärzlich ge- 
scheckt. Kopf, Thorax graubraun, Abdomen gelbgrau. Hinter- 
flügel zeichnungslos glänzend grauweiß. Unterseite: schmutzig 
weiß, Mittelfeld ganz aufgehellt mit deutlichem Zellfleck. Außen 
mit breitem, schwarzgrauem Band wie oberseits, das nach dem 
Innenrand zu verlöscht, und weißem Costalwisch. Apex schwarz- 
grau, deutlich von der hellen Wellenlinie geteilt. Im Analwinkel 
ist der charakteristische Fleck der Oberseite dunkelgrau sicht- 
bar. Hinterflügel weißgrau, zeichnungslos. 

f. centumnotata nom. coll. möge die häufigere, in der Mitte 
rein weiße Form bezeichnen (Abb. 7592). 

Größe: 27,5—30 mm Spannweite bei 14,5—16 mm Vil.- 
Länge. 

Genitalapparat: 5 (Taf.VIl, 72). Aehnlich truncata Hin. 
Tegumen, besonders im schildförmigen Oberteil, breiter und 
kürzer, und weniger stark verjüngt, wie bei den vorhergehenden 
Arten. Uncusdorn wie bei cinereata Moore, besonders betr. 
der Form der Endspitze. DBorstenkissen des Anellus länglich, 
schmal. Valven wie bei fruncata, sodaß auf eine besondere 
Abbildung verzichtet wurde. Penisrohr 1,38 mm lang von 
0,24 mm Durchmesser, zur Spitze leicht verjüngt. Das 0,48 mm 
lange Dornenfeld, abweichend von allen übrigen Dystroma, 
nur einreihig, aus 10—12 0,175mm langen und 0,02 mm dicken 
stumpfen Dornen bestehend (Taf. VI, 72). © Bursa (Taf.IX, 83) 
im Oberteil und Hals nur schwach chitinisiert, mit langer, ver- 
stärkter Signum-Falte, Bursula sehr klein, kugelig-oval. Der 
untere Faltensaum des Oberteils mit einem sehr schmalen Rand, 
weniger aber recht langer, kräftiger Dornen. Signum 0,9 mm 


— 233 — 


lang, in der Mitte auf 0,23 mm verbreitert, stark querfaltig, in 
ganzer Fläche mit spitzovalen bis lanzettlich geformten, schuppen- 
artigen Dornen. 

Verbreitung: flavifusa scheint wie die vorige nur auf das 
nordostindische Grenzgebiet, Sikkim, Bhutan, Ober-Burma, be- 
schränkt zu sein. Bei den bisherigen Verwechslungen mit an- 
deren Arten ist ihr Bekanntwerden aus dem angrenzenden palä- 
arktischen Gebiet, besonders Tibet, sehr wahrscheinlich. Alle 
von mir geprüften Tiere waren im Juni gefangen. 


6. D. proavia m. spec. nov. 


{Abb. 739). Unter den mir kurz vor Abschluß meiner Arbeit 
übersandten Faltern der Stötznerschen Ausbeute fand ich in 
5 Stücken eine neue Art, die in auffallender Weise sowohl im 
morphologischen Bau des Genitalapparates als auch in der An- 
lage der Flügelzeichnung fast alle Merkmale in besonderer Kom- 
bination aufweist, wie sie für die beiden bekannten mitteleuro- 
päischen Dystroma fruncata Hfn. u. citrata L. festgestellt wurden. 
Alle stammen aus den Gebirgen Südwestchinas (Szetschwan, 
Wassekou), also aus dem an Tibet und Nordwest-Indien mit 
seinen gewaltigen Gebirgszügen angrenzenden Gebiet, das in 
seiner Gesamtheit die meisten Arten der Untergattung beher- 
bergt. Ich glaube daher nicht ganz mit Unrecht annehmen zu 
dürfen, daß diese Art jener ursprünglichen Stammform, aus der 
einst fruncata und citrata wie noch viele der zwischen diesen 
stehenden, heute als selbständige Arten anzusprechenden Dy- 
stroma, einstmals entstanden sind, noch am nächsten steht. Sie 
vereinigt in sich bei 5’ und ® noch die meisten der verschiede- 
nen Artenmerkmale, sodaß ich für sie den Namen „proavia" 
— „Urahnfrau” gewählt habe. Aeußerlich zeigt proavia in den Ober- 
flügeln die meiste Aehnlichkeit mit cinereata Moore, fruncata Hin. 
und mit der sehr weit entfernt stehenden Korbi m., während die 
Hinterflügelzeichnung fast ganz mit citrata L. übereinstimmt. 
Vorderflügel: Basis schmutzig lederbraun, nach außen 
schwärzlich gesäumt. Antemedianband rostbraun, nur am Innen- 
rand seitlich mit je einem weißen Fleck, sonst verhältnismäßig 
schmal, stumpf gewinkelt und zum Mittelfeld leicht gezähnt. 
Mittelfeld breit, wie bei latefasciata Stdgr. und Korbi m., dicht 
und fein grau bestäubt, mit feinem Diskalpunkt, beiderseits von 
einer schwärzlichen Parallellinie zur Begrenzung durchzogen und 


aa 


hier an der Costa bis zum großen Vorsprung dunkelgrau be- 
schattet. Die äußere Begrenzung des Mittelfelds verläuft von 
der Costa fast gradlinig oder leicht eingebogen, mit einer Ein- 
kerbung und einem darauffolgenden Zähnchen bis unterhalb 
Rippe M, sehr nahe zum Außensaum, sonst wie bei truncata Hin., 
ebenfalls außen weiß gesäumt. Postmedianband ockerbraun, 
am Vorsprung ebensowie die Wellenlinie unterbrochen, am Innen- 
rand wieder in einen dunkler braunen, länglichen Fleck endigend, 
wie er für die vorhergehenden Arten charakteristisch ist. Costal- 
wisch groß, ocker- bis rostbraun. Wellenlinie in gerade, weiß- 
liche Striche aufgelöst, undeutlich, nicht gewellt. Apex schwärz- 
lich geteilt, an der Costa hell braungrau, darunter Saumfeld 
blaugrau mit 4 kräftigen, schwarzen Keililecken. Saumlinie aus 
dicken schwarzen, fast zusammenhängenden Punkten bestehend. 
Fransen grauockergelb, nach außen weißlichgelb und grau ge- 
scheckt. 

Hinterflügel: Gleichmäßig gelblichgrau, ziemlich dunkel wir- 
kend, Zellileck kaum angedeutet, mit einer etwas helleren, nach 
innen dunkler grau gesäumten Postmedianlinie, die rechtwinklig 
gebrochen ähnlich wie bei cifrata L., aber sonst völlig gradlinig 
verläuft. Fransen gelblich, grau gescheckt; Saumlinie fest zu- 
sammenhängend. 

Unterseite: Gelblichgrau, Mittelfeld nur mäßig verdunkelt, 
mit deutlichem Zellfleck. Costalwisch gelblichweiß. Apex heller 
grau mit gestrichelter Wellenlinie. Unterflügel mehr weißlich, 
zart grau bestäubt, mit zart grauem Zellfleck und ebensolcher, 
rechtwinklig gebrochener, ganz leicht gezähnter Postmedianlinie. 
Saumfeld zeichnungslos. 

f. centumnotata nom. coll. ist die Form mit breit weißer 
Mitte, in einem schönen © vorliegend. 

j. rufescens nom. coll. sieht sehr ähnlich der betreifenden 
truncata-Form, hell ockergelb und weißlich im Mittelfeld. 1 
von ÖOmisien, Szetschwan. 

Größe: 16—17,5 mm V#l.-Länge u. 30-32 mm Spannweite. 

Genitalapparat: 5’ (Taf. VII, 108). Tegumen lang ge- 
streckt, fast rechteckig, also nach hinten wenig verjüngt. Eben- 
so das Oberteil. Scaphium sehr lang gestielt, bis '/, der Länge 
des Uncusdorns reichend; dieser verhältnismäßig kurz und 
schmal, am Ende etwas löffelartig verbreitert und mit einem ab- 
gesetzten, kräftigen Endhaken. Valven schmäler als bei den vor- 
hergehenden Arten, fast vom Ansatz an gleich breit, nur in der 


—. 235. — 


Mitte am ventralen Rande leicht geschwungen verbreitert; die 
Borsten auf ihnen, wie auch dem Anellus, sind besonders stark 
und kräftig. Penis (Taf. VI,108) schlank, mit 1,63 mm recht lang, 
und 0,32 mm dick wie bei japonicam. Dornenfeld schmal, mit 
0,96 mm meist noch länger als bei dieser, von ”/, bis ?/, Penis- 
rohr-Länge, mit einer großen Zahl spitzer, denen von fruncata 
ähnlichen Dornen. Diese sind auf einer Seite 0,19 mm lang 
und 0,02 mm dick, auf der anderen kleiner, 0,15 mm lang und 
0,015 mm im Durchmesser. 9 Bursa (Taf. IX, 102) zeigt, der 
imitaria m. recht ähnlich, eine Kombination verschiedener, für 
fruncata Hin, citrata L. und andere Arten geltenden Merk- 
male. Im ganzen groß, ist die seitliche Bursula fast wie 
bei citrata L. geformt, also groß und bis zum unteren Falten- 
saum der oberen Bursahälfte reichend, jenen gewissermaßen 
seitlich fortsetzend. Der Faltensaum selbst ist nur mit einem 
sehr schmalen Band weniger, sehr feiner und kurzer Dornen 
besetzt, leitet damit also schon zu den hier unbedornten Arten 
über. Nahe dem Bursahals zeigt die Signumfalte ein stark 
chitiniertes, dadurch sehr auffallendes braunes, beiderseits nach 
innen gerolltes, längliches Teilstück, wie es sich in dieser Be- 
tonung nur bei dentifera (allerdings noch mit Schuppendornen 
besetzt) wiederfindet. Signum (0,8 mm lang, mäßig entwickelt, 
mit nur 0,16 mm Breite sehr schmal, in ganzer Fläche (wie 
etwa bei imitaria m.) mit ziemlich großen, spitzen Dornen besetzt. 

Verbreitung: Bisher mir nur von Südwest-China (Sze- 
tschwan) aus der Stötzner'schen Ausbeute bekannt geworden. 


7. D. iumata Bastelberger 


1911, Entomolog. Rundschau XXVII, S. 23. Die Originalbeschrei- 
bung lautet: „35 mm. Vorderflügel fast in ganzer Ausdeh- 
nung rauchbraungrau gefärbt; Mittelfeld noch einen Ton dunkler; 
bei ”/, Andeutungen einer weißen Zackenlinie von Costa zum 
Hinterrand; Distal daran steht ein sich von der Costa bis R, 
erstreckender, etwas heller brauner, weißlich eingefaßter Fleck; 
ein schwarzer, strichförmiger Mittelfleck. Hinterflügel ein- 
farbig rötlichgrau mit kleinem schwärzlichen Mittelpunkt. 

Unterseite grau. Vil. von der Costa bis zur Flügel- 
mitte schwarzbraun angeflogen. Der hellbraune Fleck der Ober- 
seite hier weißlich. Hfl. zeigen außer dem kleinen Mittelpunkt 
noch eine schwarze prämarginale Bogenlinie. 


— 250 — 


Körper, Kopf und Beine braungrau. 

Verwandt mit P, subapicaria Moore.” Von Arizan, Formosa. 

Ich vermochte mir zunächst nach dieser Beschreibung absolut 
kein rechtes Bild von dieser Art zu machen, was auch ohne Ab- 
bildung bei den sich untereinander so nahe stehenden Dystroma 
erklärlich ist. Ich sage dies zum Beweis dessen, wie nötig es 
ist, Neubeschreibungen kenntliche Bilder der Tiere beizugeben, 
weil sonst Doppelbenennungen fast unvermeidlich sind. Da die 
Type nicht verliehen werden durfte, sandte mir Herr Prof.Dr. Seitz 
freundlicherweise eine Photographie derselben, die unter Nr. 56 
erstmalig abgebildet ist. Erst als diese in meinen Händen war, 
wurde mir klar, daß ich sogar selbst 2 echte fumata von Formosa 
besaß, die ich aber nach der Beschreibung nicht als solche er- 
kannt hatte. Das besser erhaltene Stück, ein J, zeigt Abb. 51. 
Bastelbergers Type scheint ein @ zu sein. Die von ihm ange- 
führte Ähnlichkeit mit subapicaria Moore ist nur auf den Ge- 
samteindruck der dunklen Vfl. gegründet; der Zeichnungsanlage 
nach ist jene jedoch zur citrata-Gruppe, fumata B. dagegen zur 
engeren truncata-Gruppe zu ziehen. Die vorgenommene Genital- 
untersuchung bestätigte dies. Sonst hat sie also mit subapicaria 
Moore nichts zu tun. 

Basal- und Mittelfeld ist m. E., besonders am Vorderrand, 
mehr schwarzgrau gefärbt. Hier finden sich sogar einige blau- 
graue Schuppen. Die antemediane Binde ist dunkelbraun, braun- 
grau bestäubt, am Innenrand beiderseits mit zwei auffallenden, 
weißen Flecken. B’s. Type ist hier offensichtlich stark ent- 
schuppt. Hintere Begrenzung des Mittelfeldes wie bei truncata 
Hfn., mit zwei Zacken nahe der Costa. Wellenlinie sehr un- 
deutlich durch blaugraue Fleckchen angegeben. Die Fransen 
gelbgrau, rauchgrau gescheckt. Die Unterseite (Abb. 51a) läßt 
die Ähnlichkeit mit der Zeichnungsanlage bei truncataHfn. deut- 
lich hervortreten, nur ist sie bei fumata B. viel zeichnungsloser 
und eintöniger dunkelgrau. Der schwarzgraue Apikalfleck ohne 
deutliche Wellenlinie. Den Hfl. fehlt die weiße submarginale 
Fleckenreihe. 

Größe: Meine beiden Jo messen 29 mm, bei 16,5 mm 
Vfl.-Länge. Bastelbergers © ist breiter und flacher gespannt 
und hat etwa 18 mm Vil.-Länge. 

Genitalapparat: J Taf. VII, 47). Im Gesamteindruck 
schlank. Tegumen lang und schmal, ebenso das Scaphium. 
Uncus-Dorn lang, gebogen und ziemlich dünn, vor der Spitze 


— 231, — 


etwas breiter bleibend wie bei fruncata Hfn. Die Borstenkissen 
des Anellus schlank, etwas zugespitzt. Sehr charakteristisch und 
mit keiner anderen Art zu verwechseln sind die Valven. Auch 
sie sind schmal, gestreckt, sich wenig verbreiternd, aber kräf- 
tiger chitinisiert, besonders an den Rändern. An der Basis des 
dorsalen Randes ein kräftiger, chitinöser Muskelstrang. Penis 
(Taf. VI, 47) 1,44mm lang, 0,32mm Durchmesser, also gedrungener, 
leicht gebogen, an der Spitze mit besonders deutlichen, zahl- 
reichen, kleinen Stacheln. Das Dornenfeld 0,64 mm lang, schmal, 
wie etwa bei fruncata Hfn.; die sehr kurzen, stumpfen, Dornen 
von 0,125 mm Länge und 0,017 mm Dicke sind jedoch sehr 
eigenartig in zwei aufeinander folgenden, sich teilweise über- 
schneidenden Reihen angeordnet, wie ich dies bei keiner anderen 
Art bisher wiederfand. 

Ich konnte nur das eine Z° untersuchen. 

Die Verbreitung scheint auf Formosa beschränkt zu sein. 


Nach Mitteilung des Herrn Prout stecken mehrere, mit Abb. 51 
übereinstimmende Falter, die er bereits als fumata B. bestimmt 
hatte, in den Museen von London und Tring, alle von Formosa. 


8. D. infuscata Tengström 


1869. Cat. Lepid. Faun. Femicae. (Syn. D. !runcata var. Schnei- 
deri Sandbg. Ent. Tidskr. 1885) Diese viel verkannte, gute Art 
hat Tengström in einer Fußnote S. 320 seiner Fauna Finnlands 
als var. der fruncata Hin. kurz aber prägnant wie folgt be- 
schrieben: „Var. infuscata alis anticis apice rotundato, area 
limbali cinereo-coerulescente, subinnota, alis posticis infuscatis.“ 
Blöcker war der erste, der in einer vorzüglichen Arbeit 
auf die Synonymie mit Schneideri Sandbg. hinwies, für ihre 
Artberechtigung eintrat und sie erstmalig abbildete. (Revue 
Russe d’Ent. VII, 1908 S. 44 und Taf. I, 1u.2). Das Folgende 
entnehme ich im Wesentlichen dieser Arbeit, da ich es treffen- 
der nicht auszudrücken vermag. 

Sandberg beschreibt seine ‚var. Schneideri S. 199/200 der 
Ent. Tidskr. 1885 wie folgt: „.... fand sich vor in Menge teils 
auf Auen, teils in Wäldern und auf Mooren. Sämtliche Exem- 
plare gehörten derselben gleichmäßig blaugrau gefärbten Form 
an, wie das von Schneider 1882 bei Mennikajok gefangene, 
dessen Vfl. ohne Spur von Rostfarbe sind, mit Ausnahme von 
einer schwächlichen Andeutung hinter der Flügelmitte, und deren 


— 2 — 


Hfl. dunkel bestäubt sind, beinahe von derselben Farbe, wie 
die vorderen. (Bei den mir vorliegenden Stücken ist es ein 
zartes, breit bandartiges, weil nach dem Saum zu an Intensität 
zunehmendes. oliv- oder violettgrau.) Da ich annehme, daß eine 
so konstant auftretende Form jener so variablen Art (gemeint 
ist fruncata) einen eigenen Namen verdient, habe ich sie hier 
angeführt mit dem Varietätsnamen „schneideri” nach seinem 
Finder, meinem Freund. Ein Individuum derselben Sorte fing 
ich im vorigen Herbst auf einem Moor oben bei Hedalen, ca. 
600 m über dem Meere, doch habe ich sie in tieferliegenden 
Regionen hier in Valders niemals angetroffen, wo sie (gemeint 
ist jetzt anscheinend cifrata L.) sich in zwei Haupttrachten zeigt, 
einer mit schwarzbraunem und einer mit weißgrauem Mittelfeld 
auf den Vorderflügeln.*“ (Mit fruncata f. nigerrimata Fuchs hat 
sie also nichts zu tun.) 

Danach ist Blöcker recht zu geben darin, daß Tengström 
dieselbe Art vor sich hatte wie Sandberg. Blöcker fard in der 
allgemeinen Universitäts-Sammlung in Helsingfors ein Stück von 
infuscata vom 15.VIL, das er möglicherweise für die Type Teng- 
ströms hält. Bei diesem Stück ist die Fläche vor dem Mittel- 
feld grau wie die ganze Basis der Vfl. Diese sind durch weiße 
Schuppen über den schwarzen Zeichnungen wie mit Mehl be- 
streut (m. E. sehr treffend beschrieben), also etwa in albinisti- 
scher Richtung für fruncata liegend. Hfl. dagegen mehr oder 
weniger verdunkelt. — Typische infuscata T. finden sich nach 
B. im alten Petersburger Gouv. gelegentlich, wenn auch selten, 
aber ausschließlich auf Torfmooren, die mit Vacc. uliginosum 
bewachsen und schwach mit jungen Kiefern und Birken bewaldet 
sind oder in nächster Umgegend solcher. So ein am 3.7.91 
im Park Stoll gefangenes ® der Faun. Petersburger Museums- 
Sammlung. 29, 6. 94 ein % auf dem benachbarten Torimoor, 
17.6. eine Raupe auf Vaccinium gekätschert gleichzeitig mit 
Raupen von melanaria. . Andere stammen aus dem Gdowsk- 
schen Kreise (östl. des Peipus-Sees). 

B. betrachtet infuscata T. als eine weit verbreitete Art der 
nördlichen Sumpftundren. Tschekanowsky fand sie in beträcht- 
licher Zahl 1860—70 im Gouv. Irkutsk, mehr als 70 Stück sind 
in der coll. der Akad. d. Wiss. Leningrad. Einige aus dem Tal 
Schibet, die Mehrzahl wohl aus Kultuk am Baikalsee oder der 
oberen Tunguska. — B. fand sie von fruncata Hin. nicht, wie 
Sandberg vom nördlichen Norwegen angibt, nach Höhenlagen 


— 29 — 


getrennt, sondern neben der sehr gewöhnlichen citrata-immanata 
und auch fruncata Hin., von der sie sich biologisch unterscheide 
und sich nicht mit ihr vermischt. Er sagt zum Schluß: „Nach 
obigem und der Nichtübereinstimmung in der Farbenveränderung 
der Flügel verglichen mit iruncata Hfn. ist zu schließen, daß 
infuscata T. eine vollkommen selbständige, allerdings fruncata 
sehr nahestehende Art ist, aber schon gut differenziert. Die 
südliche Verbreitungsgrenze ist ungeklärt.” — 

Soweit Blöckers sehr klare, zutreffende und, weil russisch 
geschrieben, nur wenig bekannten Ausführungen vom Jahre 1908. 
Seitdem haben in den nächsten 20 Jahren bis heute viele Autoren 
ihn zitiert, aber nur Wenige sind ihm gefolgt. Meist ist die jüngere 
Bezeichnung schneideri Sandberg und ihre Einbeziehung in die 
Formen der truncata Hin. beibehalten; Culot gibt im Bd. IN seiner 
Geometriden auf Taf. 23 Nr. 478 eine prächtige, farbige Abb. 
eines @ von Lappland. Noch öfter aber hat man dies eigen- 
artige Tier mit f. perfuscata Haw., f. nigerrimata Fuchs oder 
hellen citrata L. nordischer Herkunft verwechselt. Das ist in 
fast allen größeren Sammlungen der Fall, die ich sehen konnte, 
selbst in der Püngelers. Das einzige, unter Nr. 39 abgebildete 
& derselben vom Zentral-Ural (Sejmonowsk) steckte, als Veil- 
chen im Verborgenen blühend, unter den typischen /runcata Hfn.- 
Stücken. Außer diesen lagen mir vor drei Stücke von Lachta, 
"am Finn. Meerbusen aus der coll. Fixsen des Zool. Mus. Hamburg 
(Abb. 379 u.38 5) vom 6, u. 9. VI. 83, das letzte aus einer Raupe 
von Vaccinium gez. 20. 6. 83; ein echtes fruncata @ stammt 
vom gleichen Fundort. Ferner ein Stück von Lappland aus der 
coll. Staudinger in der Farbe von Culots Bild. Endlich eine Serie 
meiner Sammlung, die ich aus dem südöstlichen Transbaikal, 
Borochojewa, Malchan montes, durch Herrn Bang-Haas erhielt. 
Diese gehören aber der nachstehenden Form an und komme 
ich auf sie später nochmals zurück. 

Meine unter Nr. 37—40 beigefügten Abbildungen von infus- 
cata T. geben die oben genannten charakteristischen Kennzeichen 
gut wieder. Ergänzend sei noch angeführt, daß die Art klein 
bis mittelgroß bleibt in beiden Geschlechtern, kurz- und breit- 
flügelig, von gedrungenem Bau ist, bei 13,0—15,0 mm Vfl.-Länge, 
und 25,0—29,0 mm Spannweite. Oberseits ist das Mittelfeld 
meist weißlich, mit oft gelblichem Ton, von den Seiten her 
mehr oder minder blaugrau bis hellgrau bestäubt. Diese 
Farbenzusammenwirkung bewirkt, manchmal einen olivfarbenen 


— 240 — 


Ton, wie auf Culot’s Bild, der Warren und Prout zu ihrer Be- 
nennung veranlaßt hat, Ein weißer, wenn auch schmaler Costal- 
wisch tritt sehr deutlich hervor. Nur das im übrigen breit gelblich- 
weiße, postmediane Band zeigt in der Außenhälite ocker-bräun- 
liche Tönung, in Form einiger brauner Bogen, die sich in die 
Zacken der Wellenlinie einschmiegen. Diese ist weiß, oft weni- 
ger (37, 38) oder mehr (39) deutlich, mit einigen schwarzen Pfeil- 
flecken. Der ganze Außensaum ist blau bestäubt. Mittelfleck 
punkt- oder strichförmig. Auf den Hinterflügeln ist ein kleiner 
Zellfleck und meist auch eine stumpfwinklig gebogene post- 
mediane Linie, saumwärts heller angelegt, sichtbar, sodaß die 
Verdunkelung der Hfl.-Oberseite wie ein breites Saumband wirkt. 
Die Unterseite (Abb. 38a, 39a) ist grau, ebenfalls mit Mehl be- 
pudert. Sehr deutlich ist auf allen Flügeln ein kräftiges, dunkles 
Submarginalband, dahinter hellere, aber keine weißen Flecke, wie 
truncata, zeigend. Mittelfeld der vorderen aufgehellt, außen an 
der Costa von 2 kurzen, parallelen, schwarzen Schrägstrichen be- 
grenzt. Die postmediane Linie der Hil. ist auf den Rippen leicht 
zackig, in ihrem Verlauf stumpfwinklig gebogen, bei hellen Tieren 
sehr undeutlich, sonst ganz wie bei fruncata Hin. gestaltet. Das 
Saumfeld aller Flügel erscheint auch hier bläulich angeflogen. 

Wichtig erscheint mir, und ich unterstreiche damit Blöcker’s 
diesbezügliche Angabe, daß infuscata T. sehr einheitlich hinsicht- 
lich der Flügelfärbung ist, da schwarze perfuscata- oder ocker- 
gelbe rufescens-Formen bisher nicht bekannt geworden sind, also 
wohl fehlen, 

Ueber die Biologie fand ich nichts außer Blöcker’s Mit- 
teilungen in der Literatur; wahrscheinlich ist die an Vaccinium 
uliginosum lebende Raupe äußerlich von der fruncata Hfn. 
wenig verschieden, sodaß sie nicht aufgefallen ist. Sicher ist 
die Art einbrütig, nach den Jahren wohl etwas verschieden 
im Juni—Juli fliegend, also wie die 1. Gen. der fruncata Hfn. 

In seiner Verbreitung scheint infuscata T. auf die Hoch- 
moore bezw. Tundren des mittl. und nördl. Norwegens, Schwe- 
dens, Lapplands, Finnlands, Nord-Rußlands durch Sibirien bis 
Sachalin beschränkt zu sein, immerhin noch ein gewaltiges Ge- 
bie. Wenn nun Blöcker die von ihm untersuchten Tiere aus 
der Provinz Irkutsk auch noch hierhin rechnet, so möchte ich 
doch die Serie meiner Sammlung aus dem südöstl. Transbaikal 
zu der folgenden Subspezies ziehen, die m. E. zu infuscata T. 
gehört und als deren östliche Vertreterin aufzufassen ist. 


— 241 — 


subsp. nyiwonis Matsumara 1925, Journ. ofthe Coll. of Agric. 
Hokkaido, XV. Ist von Matsumara in seinem Verzeichnis der 
Schmetterlinge von Sachalin als neue Art beschrieben nach 
1 fd Stück, das er auf Taf. XI Fig. 17 abbildet. Die Original- 
beschreibung lautet in deutscher Uebersetzung: „Eng verwandt 
mit fruncata Hfn., aber wie folgt verschieden: 5 Vorderflügel 
dunkel-grau, ohne Spur von ockerbraun, ausgenommen einen 
Fleck an der submarginalen Zackenlinie nahe der Außenseite des 
postmedianen Bands; das subbasale und antemediale Band ist 
bleich grau, das erstere innen und das letztere außen dunkel 
eingefaßt; das antemediale Band an der Mittelrippe kaum ge- 
zackt; ein trübes, welliges, dunkles Medianband an der Außen- 
seite des Zellilecks; Postmedianband wellig, dunkel, außen mit 
Bleichgrau eingefaßt, der Raum über der Mittelrippe an der 
Innenseite verdunkelt und außenseits breit bleichgrau, in dem 
submarginalen Raum mit einer Reihe dunkler Flecke, von denen 
die in den Zwischenräumen 6 und 7 besonders deutlich sind. 
Die Hinterflügel dunkelgrau, mit einem verwischten, bleichen, 
Submarginalband. 

Unterseite dunkelgrau, die der Hfl. etwas bleicher ; das 
Postmedianband der Vfl. stumpf gezackt bei Rippe 4, während 
hier fruncata spitz gezackt ist.; Zellfleck undeutlich. Die innere 
Areola der Vil. deutlich länger als die äußere, während sie bei 
fruncata viel kürzer und enger ist. 

Exp. & 30 mm. Nord-Sachalin (Nyiwo) 1 5 14.8. 

Sie ist leicht von fruncata unterscheidbar durch den Mangel 
an ockerfarbener Zeichnung und den verdunkelten Hinterflügeln ; 
und von immanata Haw. durch ein etwas schräges, postmedianes 
Band über der Mittelrippe, das aber nicht ausgebogen ist.* — 

Die Abbildung der Type, eines fühler- und fransenlosen 5 
(Taf. XI Fig. 17) stimmt in Zeichnung, Form des Mittelbandes, 
Schnitt der Flügel, Größe und Farbe der Hfl. genau mit dem 
größeren Teil meiner infuscata-Stücke vom Transbaikal überein, 
wie ja auch obige Beschreibung alle Hauptcharaktere dieser Art 
zeigt. Meine Tiere spannen 23,5—28 mm. Ich vermag daher nyi- 
wonis Mats. nur als die östliche Subspezies der infuscata Tengstr. 
aufzufassen, die ich unter Nr. 40 abbilde. Sonst in allem mit 
der Nominatform übereinstimmend, tritt bei dieser Rasse der 
hell blaugraue oder olivfarbene Ton sehr zurück, die Bestäubung 
ist mehr dunkelgrau. Auch die Hfl. sind mehr schwarzgrau 
gesprenkelt, ohne den gleichmäßigen violetten Schimmer. Unter- 


— 242 — 


seits fehlt diesen die dicke, dunkle submarginale Linie oder ist 
sehr undeutlich. Die Tiere machen einen dunkleren Gesamt- 
eindruck! Die fleckige Brauntönung in der Außenhälite des 
postmedianen Bands ist mehr oder minder stark reduziert. Bei 
zwei Stücken fehlt sie ganz; diese sind also lediglich hellgrau, 
schwarzgrau und weiß gezeichnet mit blauen Schuppen im Saum- 
feld. Diese geringfügige Abweichung von der Originalbeschreibung, 
die auch nur von einem braunen Fleck spricht, rechtiertigt keine 
besondere Benennung. 1 Stück in meiner Sammlung unter jener 
Serie; 1 Stück, stark geflogen, in coll, Püngeler des Zool. Mus. 
Berlin aus Kultuk am Baikalsee. — Meine 8 Stücke sind Mitte 
Juli bis Mitte August gefangen. 

Genitalapparat (laf. VII, 16) $. Tegumen etwas kürzer 
und schmäler wie bei fruncata, hinterer Rand beiderseits eckig. 
Der Uncus-Dorn ist kürzer, aber recht breit, besonders an 
seiner Änsatzstelle. Das Scaphium ziemlich groß. Valven 
kurz und von ihrer Ansatzstelle an gleich breit, also hier nicht 
schmäler, wie bei den verwandten Arten. In der Mitte stärker 
chitinisiert und leicht gewölbt. Penis (Taf. VI, 16) mit 1,7 mm 
ein wenig länger und schlanker wie bei /runcata u. concinnata, 
zur Spitze nicht verjüngt, aber das größere Dornenfeld des 
Schwellkörpers mit doppelt so langen (0,22 mm), kräftigen Dornen. 
O© (Taf.IX, 16). Ostium bursae weich. Obere Hälfte der Bursa 
nur wenig gefaltet, ohne Stacheln. Die Bursula wird durch 
eine fast halbkugelige, nach unten etwas faltig erweiterte Aus- 
stülpung gebildet, deren Form gewisse Anklänge an die bei 
citrata Q@ aufweist. Signum auffallend klein (0,34 mm lang), 
kaum halb so groß wie bei fruncata, am kleinsten von allen 
Arten, wenig querfaltig, die Mitte von Dornen frei, mit 2 Reihen 
großer, lappiger Dornen am Rande. 


9, D. lateiasciata Stdgr. 


1892 (Iris V. S. 382) beschrieben als truncata Hfn. var. Stau- 
dinger sagt hierzu: „Gegen 30 Stücke vom Kentei ändern, wie 
überall, stark untereinander ab. Einige wenige kommen zentral- 
europäischen mit etwas lichterem, grauem Mittelfeld der Vorderfl. 
(das noch einige verloschene Querlinien zeigt und nach außen 
bräunlich begrenzt ist) fast gleich.“ Aus dem dann folgenden 
geht hervor, daß cifrata L. und f/. immanata Haw. ebenfalls 
darunter gewesen sind. Dann heißt es weiter: „Die größere 


— 243 — 


Hälfte der Kentei-Stücke bildet eine ziemlich auffallende Form, 
die ich /atefasciata nenne; sollte sie die konstante Hauptform 
im Kentei sein, so muß sie als var., sonst als ab. /atefasciata 
bezeichnet werden. Sie unterscheidet sich besonders dadurch, 
daß das Mittelfeld der Vfl. sehr breit licht, weißlich grau (zu- 
weilen licht gelbbraun angeflogen) ohne Querlinien in demselben 
ist. Als Aberration kommt diese l/atefasciata auch einzeln in 
Europa vor, so habe ich von England und Dänemark je 19, bei 
denen die Mittelbinde breit zeichnungslos gelbbraun ist. Auch 
einzelne Stücke vom Amur, Lappland und Altai sind zu dieser 
ab, latefasciata zu rechnen.“ 

Da er sie nicht abbildete, haben die letzten Worte, be- 
sonders der vorletzte Satz, eine große Verwirrung angerichtet. 
Tatsächlich stecken denn auch, wie mir Herr Bang-Haas freund- 
lichst mitteilte, unter des Autors latefasciata einige Tiere, die 
nicht dorthin gehören. Unter den mir zur erstmaligen Abbildung 
übersandten Typen befindet sich auch ein schönes 5 von Urga, 
daß jener von mir unter Nr. 46 abgebildeten rufescens-Form 
der iruncata Hfn. subsp. {ransbaicalensis m. entspricht. Dagegen 
steckten die unter Nr. 42 u. 44 abgebildeten 5’ Originale der 
Staudinger-Sammlung unter latefasciata Stdgr. an erster Stelle, 
und haben also als die Typen dieser Art zu gelten. 

Blöcker hatte also nicht unrecht, wenn er in seiner Arbeit 
Staudinger die Schuld an der großen Verwirrung in der truncata- 
Gruppe zuschiebt, da er alles durcheinander gebracht und vor 
allem auch nicht truncata perfuscataHaw. von f, immanata Haw. 
unterschieden habe. Blöcker ist der erste, der, nachdem er sich 
an einer vom Autor an Kawrigin gesandten /atefasciata Klarheit 
verschafft hatte, diese erst verkannte Art in der Revue Russe 1908 
Taf, 1, Fig. 6-8 sehr gut, doch etwas vergrößert abbildet. Mit 
seinen Worten sei denn auch in verkürzter Form die sehr wenig 
klare Originalbeschreibung Staudingers ergänzt. 

Mittelfeld ähnlich wie bei fruncata Hin. gestaltet mit 
großem, stumpfen Vorsprung saumwärts, bei der Type Nr. 42 
weißlich. Andeutungen von Linien nur an der Costa, und hier 
vom Diskalfleck zum Apex hin breit schwarz bestäubt. Das sub- 
basale Band sehr undeutlich, oft sehr schmal, verloschen hell- 
grau, schwarz eingefaßt, und sich darum wenig vom breit schwärz- 
lichen Wurzelfeld abhebend. Jedoch, aus diesem Querband ent- 
standen, befindet sich am Innenrand der Vordertflügel 
ein großer, weißer, manchmal innen schwach dunkel 


— Aue — 


bestäubter Fleck. Dieser weiße Fleck ist für die Art 
besonders charakteristisch und selbst bei Stücken mit ver- 
dunkeltem Mittelfeld deutlich heller als die übrige Flügelfläche, 
sodaß der am Baumstamm sitzende Falter schon von weitem 
als zu dieser Art gehörig erkannt wird. (S. Abb. 41—44, ins- 
bes. 43). — (Leider ist hier im Seitz IV. S. 220 ein völlig ent- 
stellender Irrtum unverbessert unterlaufen, da dort von einem 
„schwarzen“ Fleck die Rede ist. Dieser grobe Fehler wäre zu 
verbessern! Ebenso ist die Abb. Taf. 13c völlig falsch und stellt 
sicher eine ganz andere Art, nur nicht /atefasciata Stdgr. dar!) — 
Das Mittelfeld ist hinter dem Zellfleck von der Costa bis zum 
großen vorspringenden Zahn breit schwärzlich, saumwärts von 
einer scharfen, schwarzen Linie begrenzt und diese außen an 
der Costa und in denEinkerbungen weiß angelegt. Dann folgt ein 
meist breit rostbraunes, manchmal grau verdunkeltes oder auch 
weißlich aufgehelltes Postmedianband. Saumfeld grau, bläulich 
bestäubt, mit nicht immer deutlicher, zackiger, weißer Wellen- 
linie, die saumwärts eine Reihe schwarzer Pfeililecke trägt. 

Hinterflügel oben staubgrau, saumwärts etwas dunkler; 
die hellen, submarginalen truncata-Flecke nur selten ange- 
deudet von einer hellen, innen schmal dunklen, rechtwinklig 
gebrochenen, postmedianen Linie wie bei citrafaL. Fransen grau 
und weißlich gescheckt. 

Unterseite (Abb. 41aQ, 43a Z), gelblichweiß, staubgrau 
bestäubt, die dunkleren Zeichnungen, wie Mittelfeld, Apikalraum 
. nur dunkler grau, nicht schwärzlich. Im Apikalfeld der Vfl, sehr 
deutlich die weiße, zackige Submarginale. Die Hfl. mit einer 
dunkelgrauen, auf den Rippen leicht gezackten Postmedianlinie, 
im Verlauf mehr citrata L. ähnlich. Dahinter ein nur fleckartig 
deutliches, dunkelgraues, außen weißliches Submarginalband. 
Zellfleck mittelgroß, Saumlinie zusammenhängend dunkelgrau. 
Palpen: Mittelglied recht lang, im ganzen sehr ähnlich cifrataL. 

Größe: 5 15—17 mm Vil.-Länge, 26—30 mm Spannweite; 
Q größer, bis 18 mm Vfl.-Länge und 35 mm Spannweite. 

Der weitere Formenkreis von latefasciata Stgr. ist der gleiche 
wie bei fruncata Hin. 

f, rulescens nom. coll. Gemäß meinen Vorbemerkungen 
bezeichne ich so die im Mittelfeld gelblich bis ockerbräunlich 
gefärbte Form, die schon in der Artbeschreibung vom Autor 
erwähnt, und durch das ebenfalls als Type aus der Staudinger- 
Sammlung vorliegende, unter Nr.44 abgebildete 5 repräsentiert 


— 245 — 


wird. Gut 50°/, aller von mir gesehenen Falter und meiner 
eigenen aus ca. 60 Stück bestehenden Serie gehören ihr an. 
Der gelbliche Ton erscheint weißlich im costalen Teil, bei Tieren 
mit einem heterozygoten latefasciata-Erbanteil, gesättigt hell- 
ockergelb bei Nachkommen von rufescens-Eltern, und bei 

f. mixta nom. coll. grau-bräunlich, da mit perfuscata-Erb- 
anteil; jedenfalls möchte ich diese Zusammenhänge nach meinen 
bei den fruncata-Zuchten gemachten Feststellungen als sicher 
annehmen. Von f. mixta habe ich unter meiner Serie von den 
Tunkinsk-Weißbergen (Sajan-Gbg.) sehr schöne Stücke. 

f. periuscata nom. coll, Abb. 43 5, 419, letzteres vom 
Kentey aus der Coll. Mus. Hamburg, hat mehr oder minder 
stark grau oder braungrau bestäubtes Mittelfeld, auch die Hil. 
sind dunkler. Die beiden weißen Innenrandsflecke der Vfl. hier 
sehr klar hervortretend. 

f. nigerrimata nom. coll. 2 SS meiner Serie vom Sajan- 
Gebirge aus 2000 m Höhe sind so stark schwarzgrau bestäubt, 
daß die Zeichnungen sehr undeutlich und verschwommen wer- 
den, bis auf die braune Postmedianbinde und die weißgrauen 
Innenrandsflecke,. Hil. und Unterseite ebenfalls dunkler grau, 
doch geht im Ganzen die Verschwärzung lange nicht so weit, 
wie bei meinen extremen, schwarzgrauen fruncata-nigerrimata- 
Stücken, Die Feststellung einer solchen melanistischen Parallel- 
form auf den Höhen des Sajan-Gebirges ist recht interessant 
im Hinblick auf meine Kontroverse mit Prof. Dr. Hasebrock 
betr. seiner Industrie-Hypothese.. Der von mir festgestellte 
Gebirgs- Melanismus findet durch obige Formen eine Stütze, 
zumal ich vom gleichen Ort auch L. caesiata f. nigricans Prout 
erhielt, ganz ähnlich den Stücken vom Sächs. Erzgebirge. 

Genitalapparat (J Taf. VII,6): Auffallend groß und stark 
entwickelt, mit langem, gleichmäßig zugespitztem Uncusdorn; 
Tegumen lang, an den Seiten fast gerade, Scaphium ent- 
sprechend groß; Valven lang, mäßig breit, nach der Ansatz- 
stelle zu etwas schmäler, mit langen Borsten. Penis (Taf. V1,5), 
etwas größer und vor allem stärker wie bei fruncata Hfn., 
1,6 mm lang, 0,38 mm im Durchmesser. Das Dornenfeld mit 
0,88 mm Länge u. 0,16 mm Dicke, die Dornen mit 0,15 mm Länge 
und 0,015 mm Durchmesser, etwa in der Mitte zwischen dieser 
und cifrataL. Taf.IX, Abb. 1a zeigt den Schwellkörper mit dem 
Dornenfeld weit ausgestülpt. Ein solches Präparat erhielt ich 
nur bei dieser Art zweimal, auch ist die zarte Haut des Schwell- 


— 246 — 


körpers recht grob mit kurzen Stacheln versehen. © (Taf. IX, 26) 
Bursa sehr ähnlich der des citrataL. ©, obere Hälfte stark 
chitinisiert und faltig, ohne Spur von Stacheln. Bursula halb- 
kugelförmig, seitlich breitfaltig erweitert, eine Kombination der : 
kugelballonförmigen Form bei fruncata& und der einfach breit 
seitlich erweiterten Form bei citrataL.Q. Signum mit 1,14mm 
recht lang und schmal, 0,24 mm, wenig querfaltig, mit starkem, 
3reihigen Dornenkranz, der die Mitte schmal freiläßt. Auch 
hierin zwischen den beiden mitteleuropäischen Arten ein Binde- 
glied darstellend. 

Biologie noch unbekannt, jedenfalls fand ich nichts über 
die Stände dieser Art in der Literatur. Blöcker fing sie bei 
Petersburg in alten Tannenwäldern Mitte Juli bis Anf. August, 
also etwa zwischen der Erscheinungszeit von fruncata u. citrataL. 
Auch meine Stücke sind im Juli-August gefangen. Demnach 
ist latefasciata Stdgr. wohl einbrütig. 

Verbreitung: Kentei-Gebirge, Gouv. Irkutsk (Arschan), 
Transbaikal, Sajan-Gebirge, Amur bis Nikolajewsk. In Europa 
nur bei St. Petersburg von Blöcker in 20 Exemplaren gefangen 
und neuerdings mir von Herrn Nordström als von ihm in Schwe- 
den gefunden in lit. gemeldet, so von Schonen bis Medelpad 
erwähnt in Ent. Tidskrift 1929, S.95. Hier wohl selten und lokal, 
in der sibirischen Heimat häufiger. 


10. D. imitaria m. spec. nov. 


Diese in 3 Stücken unter Nr. 47, 48, 50 abgebildete neue Art 
ist bisher wohl meist mit citrataL. verwechselt worden. Sie fand 
sich in verschiedenen Sammlungen, die mir vorlagen und auch 
Herr L.B. Prout schrieb mir, daß er sie mehrmals in englischen 
Sammlungen gesehen habe. In ihrer Zeichnungsanlage steht aber 
imitaria entschieden fruncata Hin. näher, und weist auch mit 
dieser und l/atefasciata Stdgr. die gleiche Variationsbildung auf. 

Die Nominatform (Fig. 489) ist einer sehr klar gezeichne- 
ten Zruncata Hin. aus Ostpreußen sehr ähnlich. Das Basalfeld 
der Vorderflügel ist braungrau, nach außen grau, schwärzlich 
begrenzt. Subbasalband hellbraun bis graubraun, fein weiß 
gesäumt, äußerst klar gezeichnet, wie bei cifrata L. in scharfem 
Winkel gebrochen, darüber und darunter leicht gezähnt. Am 
Innenrand schwärzlich grau ausgefüllt, beiderseits hier mit einem 
weißen Fleck. Die äußere Begrenzung zum Mittelband wie bei 


— 


citrata L. mehrfach gezähnt. Mittelfeld in der Anlage ganz 
‘wie bei fruncata Hin., weißlich-grau, beiderseits stärker grau, 
von 2 schwarzgrauen, gewellten Linien durchzogen. In der fast 
weißen Mitte ein oft undeutlicher, strichförmiger Diskalfleck, 
und saumwärts deutlich weiß gesäumt. Hier am hell- oft weißlich- 
graubraunen Costalfleck meist zwei Zähnchen wie bei fruncata. 
Auch eine tiefe, scharfe Einkerbung findet sich hier gelegent- 
lich (Fig. 509). Postmedianband deutlich und breit hellbraun, 
an Costa und Innenrand saumwärts an der Wellenlinie grau- 
braun verdunkelt. Diese deutlich, weißlich, wie bei citrata L. 
vor dem Vorsprung des Mittelfelds unterbrochen und nur weiße 
Winkel zeigend, darunter, besonders aber im Apikalteil, saumwärts 
mit schwarzen Keilflecken. Apex schwarz geteilt, oben an der 
Costa weißlich grau; das Saumfeld hellgrau, mit doppelten Saum- 
punkten oder auch geschlossener Saumlinie. Fransen gelblichgrau, 
dunkelgrau gescheckt, mit grauer Teilungslinie. Hinterflügel 
glänzend weiß, ein besonderes Kennzeichen der Art; saumwärts 
wenig grau bestäubt, Zellfleck schwach, grau; das Postmedian- 
band mehr von der Unterseite durchscheinend, nur matt grau 
auf den Adern angedeutet, wie bei cifrata L. in rechtem 
Winkel gebrochen. Saumpunkte, Fransen wie die Vorderflügel. 
Unterseite: (47a, 50a) Vorderflügel bis zur Postmediane grau, 
davor, besonders an der Costa, breit weißlich, Saumfeld hell- 
grau, am Vorsprung heller, von der ziemlich deutlichen, weißli- 
chen Wellenlinie durchzogen. Hinterflügel weißlich, leicht grau ge- 
sprenkelt, mit schwarzgrauem Diskalpunkt und zwei parallel 
verlaufenden, postmedianen Linien, die innere bedeutend schwä- 
cher, die äußere durch schwarze Aderstriche wie gezähnt, und 
wie oben cifrata-ähnlich gewinkelt. Submarginalschatten nur 
angedeutet. Typen (Fig.48Q u.Z‘) in coll. Mus. Hamburg ex coll. 
Tancre vom Kuku-nor. Eine größere Serie scheint Gräser ge- 
sammelt zu haben, ebendort, aus Nachlaß Sauber, ferner 2 Jg’ 
von Sunpanting, Szetschwan, leg. Stötzner in coll. Mus. Dresden. 

Spannweite: Bei 5 und @ ziemlich gleich, 5 25—28 mm 
bei 15,5—17,5 mm Vfl.-Länge, < 28—30,0 mm bei 17—18,0 mm 
Vfl.-Länge. 

f. perfuscata nom. coll. (Fig. 47%). Mittelfeld dicht grau 
bestäubt, auch Saum- und Basalfeld dunkler grau. Die weißen, 
glänzenden Hil. nur saumwärts dunkler. 

fi, rufescens nom. coll. (Fig.50%) in coll. Püngeler Zool. Mus. 
Berlin fand ich ein prächtiges @ dieser Form unter der gleich- 


— 248 — 


namigen truncata Hfn.-Mutation. Die Farbe des Mittelfeldes ist 
aber hier ein mattes, graues Hellockerbraun, vom Vorsprung ab 
das braune Postmedianband mit einschließend, Ein gleich schönes 
Q von Sunpanting (Szetschwan) West-China in der Stötzner’schen 
Ausbeute. 

f. mixta nom. coll., eine Mischform der beiden vorigen, ist 
im Mittelfeld an der Costa breit grauschwarz bestäubt, oft das 
Ockerbraun fast ganz von Grau verdrängt. Mehrfach vorliegend. 


Alle diese Formen scheinen ebenso häufig wie die helle 
Nominatform. 


Fühler und Palpen wie bei citrata L.; das Endglied der 
Palpen ein wenig länger. Kopf, Thorax, Abdomen gelblich grau. 

Genitalapparat: 9 (Taf. VII,23) äußerlich recht ähnlich 
der fruncata Hfn. Unterteil des Tegumens schmaler, fast recht- 
eckig. Scaphium kürzer, zierlicher. Oberteil stark gewölbt, 
breiter, etwa wie bei cifrata L. Uncus-Dorn besonders kräf- 
tig, breit, am Ende plötzlich verjüngt und einen ziemlich dünnen 
Haken bildend. Valven ganz wie bei truncata L. Ebenso der 
Penis (Taf. VI, 23) in Gestalt und Länge (1,6 mm lang, 0,27 mm 
Durchmesser), aber das Dornenfeld bei 0,64 mm Länge gut 
zweimal breiter (0,16 mm), auf spitzovaler Grundfläche. Dornen 
gut zweimal so lang und dick, z. T. ziemlich stumpf (0,21 mm 
lang und 0,02 mm dick). 9 (Taf. IX, 41.) Im Gegensatz zum 5 
sich sehr citrataL. nähernd. Obere Hälfte der Bursa stark chiti- 
nisiert und wie bei jener mit großer, seitlich faltig erweiterter 
Bursula. Der untere Faltenrand der Bursa mit wenigen, kleinen 
Zähnchen in ganzer Breite besetzt. Signum auffallend stark 
chitinisiert, sich daher sehr deutlich abhebend, vollständig, auch 
in der Mitte, mit kegelförmigen Dornen besetzt, in der Form 
lang (0,8 mm) und schmal bei 0,19 mm Breite. imitaria zeigt 
also im Gesamteindruck eine auffällige Kombination der Merk- 
male unserer beiden bekanntesten europäischen Arten, ist aber 
äußerlich sofort an der besonders im Basalfeld sehr klaren, im 
übrigen mehr fruncata Hin. ähnlichen Zeichnungsanlage und an 
den auffallenden, glänzend weißen Hinterflügeln leicht 
zu erkennen. 

Biologie unbekannt. 


Die Verbreitung scheint auf das Kuku-nor -Gebiet, 
Tibet, und Szetschwan, dem benachbarten SW-China, beschränkt 
zu sein. 


20 


11. D. pseudimmanata m. spec. nov. 


(Abb. 57 2, 58 J.) Ein einzelnes / 2, das ich getrennt von- 
einander durch Staudinger und Bang-Haas mit cifrata L. erhielt, 
erwies sich, nachdem ich ihre Leiber zur Anfertigung eines 
Präparates geopfert, als völlig eigene Art. 5 und 7 sind auf- 
fällig gleichmäßig gezeichnet, im Totaleindruck schwarzgrau, mit 
zwei scharfen, gelbbraunen Bändern. Basalfeld der Vorder- 
flügel braungrau, in der Außenhälfte schwarzgrau, schwärzlich 
gesäumt und hier scharf spitzwinklig gebrochen, darüber und 
darunter leicht gezähnt. Subbasalband breit, scharf, gelb- 
braun, zur Costa hellgrau bestäubt, am Innenrand in einen 
breiten, gelbbraunen Fleck auslaufend, der seitlich schwach 
weißlich grau gesäumt ist. Nach außen weist das Subbasalband 
vier scharfe Zähne auf. Mittelfeld breit schwarzgrau, heller- 
grau gesprenkelt, mit deutlichem, schwarzen Diskalfleck. Nach 
außen hin wie bei immanata Haw. vorspringend, schwärzlich 
begrenzt und dahinter weiß gesäumt. Jedoch zeigen sich am 
breit weißlich-gelbgrauen Costalfleck 2—3 Zähnchen (wie bei 
truncata Hfn.). Die tiefe, spitze Einkerbung vor dem Ansatz 
des großen Vorsprungs, die sich bei beiden Stücken gleichmäßig 
auf allen 4 Flügeln unter- und oberseits zeigt, möchte ich trotz- 
dem für aberrativ halten. Sie kommt ja analog sowohl bei 
truncata Hfn. (s. Abb. 25 2), wie auch bei cifrata L., bei infus- 
cata Tgstr. (s. Culot Taf. 23 Fig. 478), imitaria m., volutata Prout 
und incolorata m. vor. Das Postmedianband dahinter ist hell- 
braun, im Costalfleck weißlich gelb, zur Wellenlinie hin und am 
Innenrand grau bestäubt. Wellenlinie undeutlich, nur durch ein- 
zelne, weißliche Haken angegeben, unter dem schwarz geteilten 
Apex mit drei schwarzen Keilflecken im Saumfeld. Apex an der 
Costa und das Saumfeld hellgrau. Saumlinie schwarz, an den 
Adern zu Doppelpunkten erweitert. Fransen hellgrau, leicht 
dunkler gescheckt, mit dunklerer, feiner Teilungslinie. 
Hinterflügel ganz grau bestäubt, Mittelfleck und Post- 
mediane von der Unterseite dunkler grau durchscheinend. 
Unterseite (Abb. 57a2). Vfl. bis einschließlich des Mittel- 
feldes schwarzgrau; über den schwarzen Diskalstrich zieht eine 
leicht gewellte, schwarze Linie von der Costa bis zur Mitte. 
Postmediane stark schwarz gezeichnet, die Vorsprünge des 
Mittelfeldes scharf hervorhebend. Dahinter saumwärts gelblich 
weiß, beim 5 gelblich ockergrau, an der Costa deutlich hell 


— 230 — 


ockerbraun getönt, fast wie oberseits. Im schwarzgrauen Apex 
die zackige Wellenlinie angedeutet. Hil. mit dickschwarzem 
Diskalpunkt, bis zur schwarzgrauen, gezackten Postmediane 
stärker grau bestäubt. Diese verläuft, wenn auch nicht ganz 
so scharf rechtwinklig gebrochen, ähnlich wie bei citrata L., und 
zeigt zwischen M, und M, dieselbe tiefe Einkerbung wie die 
Oberseiten aller vier Flügel. Ferner eine schwarzgraue, unbe- 
stimmte Submarginal-Fleckenreihe, saumwärts weiß angelegt. 
Kopf, Thorax, Abdomen schwärzlich grau. 


Größe: 2 18 mm Vil.-Länge und 31 mm Spannweite, 
J 16,5 mm Vfl.-Länge und 28,5 mm Spannweite. Typen: 1 o'’Q 
vom Sajan-Geb. (Mondy) aus 2600 m Höhe, Flugzeit Juni, in 
coll. m. 


Genitalapparat: og. Im großen und ganzen citrata L. 
ähnlich, doch Tegumen breiter. Uncus-Dorn kräftig, gebogen, 
an seinem Ansatz besonders breit, am Ende kahnförmig wie bei 
citrata L. und in eine scharfe, gebogene Spitze auslaufend. 
Scaphium breit. Der Abstand der beiden schmaleren, mit 
weniger starken Borsten versehenen Borstenkissen des Anellus 
zueinander erscheint nicht unbeträchtlich geringer als bei citrata L. 
Die Form der ventral etwas geschwungen verbreiterten Valven 
gleicht mehr fruncata Hin. Penis (Taf. VI 48) in Länge und Form 
ebenfalls letzterer Art ähnlich, schlank, 1,63 mm lang, nach der 
Spitze jedoch breiter; Dornenfeld kürzer, aber doppelt so 
breit, 0,64 mm lang bei 0,17 mm Breite. Die Dornen selbst 
von fast doppelter Länge und Breite, 0,18 mm lang, 0,019 mm 
Durchmesser. © (Taf.IX, 48). Die Gestalt der sehr wenig chitini- 
sierten Bursa, das Vorhandensein einer fast kugelförmigen 
Bursula, spricht im Gegensatz zu voriger für die Verwandt- 
schaft mit -fruncata Hin. Die obere Hälfte ist nur wenig gefaltet, 
an ihrem unteren Rand mit einem ziemlich breiten, der con- 
cinnata Stephens gleichenden Dornenfeld, dessen Dornen jedoch 
weitläufig und einzeln stehen, kurz und fast durchsichtig sind. 
Das Signum auffallend lang und schmal (1,15 mm lang, 0,19 mm 
breit), querfaltig, und nur am Rande mit einer dreifachen Reihe 
kurzer, ziemlich stumpfer Dornen. In der unteren Bursahälite 
fand ich ein Bündel langer dünner, gelblicher Stäbchen, die ich 


nicht zu deuten vermag. 


Biologie unbekannt: Die Art ist bisher nur vom Sajan- 
Gebirge bekannt. Typen: 1 5Q in coll. m. 


al 


12. D. incolorata m. (Warren in lit.) spec. nov. 


Das unter Nr. 82 abgebildete 5 dieser neuen Art erhielt ich 
durch die hilfsbereite Vermittlung Herrn Prouts vom Tring- 
Museum zur Untersuchung überwiesen, in dessen berühmter 
Sammlung des Lord Rothschild mehrere Stücke unter der 
von Warren gegebenen, provisorischen Bezeichnung vorhan- 
den sind. Da sich das Stück als von den übrigen untersuchten 
Arten als verschieden erwies, sei es hiermit auch unter dem 
sehr treffenden Namen beschrieben. Incolorata m. steht der 
folgenden volutata Prout außerordentlich nahe. Da ich aber den 
Genitalapparat der beiden einzigen, mir zur Verfügung gestellten 
Stücke letzterer nicht näher untersuchen kann, so ist es mög- 
lich, daß sie sich später vielleicht als südwestliche Rasse der 
volutata Pr. entpuppt. Ich glaube dies aber deshalb nicht, weil 
incolorata neben einem äußerlich schon ziemlich beträchtlich 
größeren Genitalapparat des 5 auch noch andere, sehr wesent- 
liche Unterschiede gegenüber jener aufweist. 

Vorderflügel breiter, am Apex gerundeter, in Farbe und 
Zeichnungsanlage aber fast wie volutata Prout. Grundfarbe sehr 
hell gelblich, dicht bräunlich-schwarzgrau gesprenkelt, wodurch 
eine olivgraue, eintönige Färbung entsteht, aber kontrastreicher 
als jene Art durch die schwärzere Schattierung der dunklen 
Zeichnungen, insbesondere durch mehrere schwarze Costalflecke 
und drei auffallende, schwarze Keilflecke in dem Postmedian- 
band dicht über dem größten Vorsprung des Mittelfelds, wie 
sie sich vor der Wellenlinie bei keiner anderen Dystroma in 
dieser Schärfe wiederfinden. Auch bei volufata sind es nur 
dunklere Schatten, während die bei fast allen hierher gehörenden 
dunklen Pfeililecke hinter der Wellenlinie im Saumfeld bei 
volutata Prout stärker, bei incolorata m. wohl scharf gezeichnet 
vorhanden sind, aber nicht so auffallend in Erscheinung treten. 
Subbasalband wenig heller olivgrau, weißlich eingefaßt, an der 
Costa außen beiderseits mit einem grauschwarzen Fleck. Jede 
braune Tönung fehlt völlig. Medianfeld olivgrau, beiderseits 
bandartig grau verdunkelt, saumwärts weißlich gesäumt, mit drei 
$grauschwarzen Flecken an der Costa. In der Mitte breit weiß- 
lich, zart grau bestäubt; hier ohne den gelben Unterton der 
volutata, wodurch die Mitte auffallend heller erscheint. Diskal- 
fleck punktförmig schwarz, nicht strichförmig wie bei volutata. 
Die äußeren Vorsprünge des Medianbands sind breiter, abge- 


— 22, — 


rundeter, lappig, voneinander durch viel tiefere, weißliche Ein- 
kerbungen getrennt als bei volufata. Der allgemeine Verlauf 
der ersten Hälfte dieser Begrenzung von der Costa bis zum 
weitesten Vorsprung würde in gerader Verlängerung den Innen- 
rand des Vfl. unterhalb des Analwinkels treffen, während 
die gleiche gedachte Verlängerungslinie bei volufata Prout den 
Flügelsaum oberhalb des Analwinkels erreichen würde. Da- 
durch wirkt das Mittelfeld bei dieser scharf rechtwinklig ge- 
brochen, während es bei incolorata m. stumpfwinklig gerundet 
erscheint. Die bei der Type besonders tiefe (aberrative?) weiß- 
lich ausgefüllte Einkerbung an der Ader Ma» ist wurzelwärts 
durch einen schwarzgrauen Längsstrich fortgesetzt, der hier den 
Zellflleck erreicht. Bei volutata Prout findet sich dieselbe, bei 
allen anderen Dystroma nicht beobachtete, charakteristische Längs- 
zeichnung, rur erreicht dieser Strich lange nicht den Zellileck. 
Im Saumfeld etwas blaugraue Bestäubung, die Wellenlinie durch 
eine unterbrochene, weißliche Mondfleckenreihe gebildet. 

Hinterflügel schmutzig gelblichgrau (bei volufata fast 
weiß), mit grauem Zellfleck und grauer, stumpfwinklig gebrochener 
Postmedianlinie. Im Saumfeld eine undeutliche Reihe weißlicher 
Submarginalflecke. Fransen gelblichgrau und dunkelgrau ge- 
scheckt, dunkel geteilt, mit schwarzen doppelten Saumpunkten 
an den Aderenden. Unterseite (Abb. 82a) schmutzig gelbgrau, 
während hier bei volutata Pr. der gelbe Unterton gänzlich fehlt 
und diese unterseits weißlich grau erscheint. 

Die Vorderflügel fast ganz dunkelgrau, nur die helle,- 
äußere Begrenzung des Mittelfelds, der gelblichweiße Costal- 
wisch und einige Punkte der Wellenlinie im Apex deutlich. 
Ueber dem blassen Diskalpunkt steht ein dicker, schwarzgrauer 
Costalpunkt. Hifl. heller, gleichmäßig grau gesprenkelt, mit 
großem, grauem Zellileck und zwei fast parallelen, stumpfwinklig 
gebrochenen, durch dunkle Aderstriche etwas gezackten Linien, 
deren hintere im Zwischenraum M,— Ms» einwärts gewinkelt ist. 
Helle Submarginalflecken, vorn sehr undeutlich grau beschattet, 
kaum wahrnehmbar. Saumfeld wenig dunkler bestäubt. Saum- 
punkte wie oben. 

Kopf, Thorax und Abdomen grau. Spannweite: 33,5 mm 
bei 17 mm Vil.-Länge. 

Genitalapparat: 9’ (Taf.VIIl, 80) im Gesamteindruck kurz 
und gedrungen. Tegumen im Vergleich zur Gesamtgröße breit, 
besonders am Ansatz des ziemlich kurzen, breiten Uncusdorns. 


— 9208 — 


Der im Umriß fast halbkreisförmige Oberteil des Tegumens stark 
gewölbt. Das Scaphium auffallend lang, bis '/, der Uncuslänge 
hervorragend. Anellus breit und kräftig entwickelt, die beiden 
Borstenkissen besonders breit, fast halbkugelig. Valven am 
Ansatz schmal, bald geschwungen breiter werdend, zum Ende 
hin aber wieder sich verjüngend. Alle Borsten recht fein. 
Penis (Taf. VI, 80) kurz und schlank, 1,23 mm lang, 0,24 mm 
breit mit kleinem, 0,56 mm langem, wie bei fruncata gestellten 
Dornenfeld, dessen an Zahl viel geringere Dornen jedoch etwa 
halbmal dicker und länger sowie auch stumpfer sind (0,15 mm 
lang und 0,02 mm breit). Die abgebildete Type, 1 5 von Tonglo 
(Sikkim) 10000 Fuß, im Tring-Museum. Dort noch 19 vom glei- 
chen Fundort, ein weiteres 5 Q von Jongri (Sikkim) 4000 m, 
und 4 5 d einfach „Sikkim“ bezettelt. Im Brit. Museum 1 5 von 
Tibet (leg. Wollaston). 


13. D. volutata Prout. 


1914, Seitz, Palaearkt. IV. S. 221. Die von Püngeler schon 1909 
in der Iris Bd. XXI, Taf. IV, Fig. 18 als fruncata var. abgebildete 
Type hat mir nicht vorgelegen, sondern das zweite Stück aus 
Püngelers Sammlung, Zool. Mus. Berlin. (Abb. 63 5), ebenfalls 
vom Kuku-nor, Tibet, von R. Tancr& erworben. Das andere 
unter 64 abgebildete 5 fand ich unbestimmt in der 'coll. des 
Zool. Museums Hamburgs, coll. Graeser aus dem Nachlaß Saubers, 
vom gleichen Fundort. Verglichen mit der Originalbeschreibung 
von Seitz und den vorhergehenden Arten, sind die Vorderflügel 
nicht mit „ziemlich gerundet” oder „rundflügelig*, wie Prout und 
Püngeler es angeben, sondern eher als ziemlich schmal- und 
spitzflügeli$g zu bezeichnen. Das zeigt ein Vergleich mit den 
übrigen abgebildeten Arten sofort. Allerdings ist die Type nach 
dem Bild in der „Iris“ im Analwinkel rundlicher, als diese beiden 
Stücke. Grundfarbe, noch mehr als bei incoloratam., eintönig oliv- 
grau. Das hellere Subbasalband bildet zum Mittelfeld hin vier 
auffallend scharfe Zacken, dagegen an der basalen Begrenzung 
drei flache Bogen, deren Einschnitte saumwärts gerichtet sind, 
ähnlich wie bei incolorata. Das Mittelfeld ist weniger auffällig, 
der Zellfleck strichförmig. Die beiden von dunklen Linien ge- 
säumten, dunkler grauen Bänder, die das Mittelfeld einfassen, 
sind an der Costa nicht so durch schwarze Costalilecke bezeichnet. 
Die äußere Einkerbung des Mittelfelds im Zwischenraum M,—M, 


— 254 — 


weist dieselbe charakteristische Verlängerung durch einen schwarz- 
grauen Längsstrich auf wie bei incolorata, doch reicht dieser nur 
eben über die Kreuzung mit der Begrenzungslinie des grauen 
Außenbands hinaus und nicht bis zum Diskalpunkt. Da hiervon in 
der Originalbeschreibung nichts gesagt wird, sei hier auf diese 
beiden Arten eigentümliche Kennzeichnung hingewiesen. Hinter- 
flügel weiß, zum Saum leicht grau. Zellfleck mattgrau oder 
obsolet, wie die cifrata-ähnlich gewinkelte Postmediane von der 
Unterseite durchscheinend. 

Unterseite (Abb. 63a, 64a) weißlich, ohne den gelben 
Olivton, viel heller, als bei voriger. Im übrigen verweise ich 
auf die Beschreibung Prouts im Seitz. 

Spannweite: 27,0—29,0 mm, bei 15,0—16,5 mm Vil.- 
Länge. 

Den Genitalapparat habe ich leider nicht untersuchen 
können. 

Die Verbreitung scheint auf das Kuku-nor-Gebiet, Tibet, 
‚beschränkt. 


14, D. calamistrata Moore. 
1867, Proceed. Zool. Soc. London p. 663, Abb. XXXIIL, Fig. 6. 


(Synonym —= calamistrata ab. albimedia Warren Nov. Zool, Iil, 
1896 p. 387 und D. scalata Bastelb. Soc. Ent. Bd. 25 (1911) pag. 90). 
Die mir von Herrn Prout freundlichst beschaffte Originalbeschrei- 
bung lautet in deutscher Übersetzung: „Männchen und Weibchen 
dunkel rostbraun, licht weiß gesprenkelt: Vorderflügel mit 
einem breiten Medianband mit wellenförmigen, schwarzen Be- 
grenzungen; die äußere weiß gesäumt; das Band selbst ist an 
den Seiten schwarz, weiß in der Mitte, Die Farben sind durch 
‚eine geschlängelte, schwarze Querlinie mit weißem Außensaum 
getrennt; auf dem weißen Untergrund befindet sich ein kurzer, 
schwarzer Diskalstrich und darunter einige kreisförmige Zeich- 
nungen; nahe der Flügelbasis ein schmales, schwarzes Band, 
und unter dem Apex mehrere schwarze Flecke, überquert von 
einer weißen Wellenlinie; die äußere Saumlinie ist schwarz. 
Hinterflügel bleich grauweiß, mit lichtem, grauem Außenrand 
und dunkler Saumlinie. Fransen abwechselnd braun und grau- 
weiß, Unterseite grauweiß: Der Außensaum der Vil, ein 
‚schräger, breiter Subapicalstrich und der nahe Diskalpunkt 
‚schwärzlich-grau; Hfl. mit lichtgrauem Diskalpunkt, solcher 


— 255 — 


äußeren, welligen Linie und durchgehender Saumlinie. Spann- 
weite 1°/,, Zoll. Bengalen. In coll. W.S. Atkinson, J. Moore." 

Die Beschreibung, die Bastelberger in der Soc. Ent. 1911 
von seiner scalata gibt, läßt die Synonymie mit calamistrata 
Moore nicht ohne weiteres erkennen, weil er in durchaus irr- 
tümlicher Weise voransetzt: „Verwandt mit corussaria Oberth.“ 
Er schreibt weiter: „aber Wurzelfeld heller braun, kleiner und 
nicht so scharf abgegrenzt. Das Mittelfeld reiner weiß und an 
der Costa schmaler, der (braune) Apikalfleck heller, größer, den 
ganzen Apex einnehmend. Unterseite reiner weiß, bei °/, der 
Costa ein breiter, bis in die Flügelmitte ziehender, schwarzer 
Fleck. Hfl. rein weiß.“ 

Die mir vom Senckenbergischen Museum freundlichst zur 
Ansicht übersandten Paratypen der scalata Bastelberger, die 
ich hier erstmalig unter Fig. 73ac', 742 abbilde, lassen aber 
keinen Zweifel zu, daß seine Formosa-Spezies mit calamistrata 
Moore völlig identisch ist. Herr Prout hat freundlicherweise die 
ihm hiervon übersandten Photos mit indischen und auch For- 
mosa-Exemplaren seiner und englischer Sammlungen verglichen 
und bestätigte mir die Identität beider ausdrücklich. 

Die beiden Abbildungen, auch der Unterseite (Fig. 73a, 
74a) sind gut gelungen. Zu ergänzen hätte ich noch, daß die 
drei Farben der rostbraunen Subbasale und des breiten Costal- 
wisches, das Schneeweiß und Schwarz der Mittelbinde, sehr 
kontrastreich, fast kreidig aufgetragen wirken. Das vom Costal- 
wisch ausgehende, braune Postmedianband endet am Innenrand 
in einen langgestreckten, tiefschwarzen Fleck. Die Hinterflügel 
sind glänzend und schneeweiß, zum Saum leicht grau bestäubt. 
Die auf ihrer Unterseite ähnlich wie bei fruncuta Hin. aber ohne 
größere Einkerbungen, stumpfwinklig gebrochen, verlaufende 
Postmedianlinie ist durch schwarze Aderstriche zackig betont. 
Ein Submarginalschatten ist nur sehr unvollkommen angedeutet. 
Bastelbergers Type ist nach Herrn Prof, Dr. Seitz’ brieflicher 
Mitteilung in der Mittelbinde noch etwas heller. Dennoch ist 
die Annahme einer besonderen Formosa-Rasse nicht gegeben. 
Der Irrtum Bastelbergers und seine Verkennung der aus Ben- 
galen beschriebenen calamistrata Moore ist dadurch erklärbar, 
daß das mir gleichzeitig übersandte, angebliche Stück dieser 
Art in seiner Sammlung (Ahb. 80) eben keine calamistrata 
Moore, sondern die unter Nr. 80, 81 dargestellte, neue fene- 
bricata m. ist (siehe diese). Auch Warren hat seine f. albimedia 


— 256 — 


in irrtümlicher Verkennung der Nominatform aufgestellt. (L.B- 
Prout in lit.) Mit corussaria Obth, aber hat sie nicht das geringste 
Zu tun. 

Spannweite: JQ 31—32 mm bei 16—17 mm Vfl.-Länge. 

Den Genitalapparat durfte ich leider bei den beiden 
geliehenen Stücken Bastelbergers nicht untersuchen. Die Bio- 
logie ist ebenso unbekannt. Verbreitung: Bengalen, For- 
mosa (Arizan, 10000 Fuß hoch gef.); von Sikkim, Darjeeling, bis 
10000 Fuß (April—Juni und September gef.) im Tring-Museum; 
N.W.-Indien: Dharmsala. 


15. D. subapicaria Moore. 
1867. Proceed. Zool. Soc. London, S. 663. „Sg und Q rostbraun; 


Vorderflügel mit einem schmalen, schwärzlichen subbasalen 
Querband und breitem Mittelband, dessen innerer Rand gerade 
ist, während der äußere unregelmäßig zum Außensaum hin aus- 
holt; ein kurzer, weißlicher, schräger Subapikalstreifen und ein 
weißlich-rostbrauner Wisch im Apex; eine submarginale Reihe 
kurzer, schwarzer Längsstriche; schwarze Saumlinie; Mittelband 
mit einigen undeutlichen, schwarzen Zeichnungen und Zellfleck. 
Hinterflügel bleich grau, mit brauner Saumlinie und Zellfleck. 
Unterseite: Vfl. schwärzlich-grau, mit einem gebogenen, weiß- 
lichen, schrägen Subapikalstreifen. Hil. bleicher mit schwärz- 
lichem Zellfleck und äußerer, welliger, unbestimmter Linie. Beine 
weißlich gefleckt. Spannweite 1°/, Zoll. Darjeeling. In coll. 
Rossell; W. Atkinson.“ (Abb. 79 @.) Soweit die Originalbe- 
schreibung, deren Text mir Herr Prout liebenswürdigerweise 
übermittelte, Es sei noch hinzugefügt, daß die Art mit ihren 
dunklen, tiefen, warmen Farben sich noch mehr der citrata L. 
nähert, insbesondere in der Gestaltung des Mittelfeldes und des 
auffallenden hellgelbbraunen Subapikal- oder Costalwisches. 
Das Mittelfeld ist grauschwarz, wie bei citrata f. strigulata Fabr., 
doch auf rostbraunem Untergrund und leicht blaugrau gespren- 
kelt. Das breite, braune Antemedianband mehr flach gebogen; 
die weißliche Wellenlinie unterbrochen, wenig hervortretend. 
Unter dem geteilten Apex ist das Saumfeld schwarzgrau mit 
bläulichen Schuppen. Fransen der Vfl. graubraun, undeutlich 
schwärzlich gescheckt, der Hil. graugelblich, grau gescheckt mit 
schwarzer, durchgehender Saumlinie. Die Postmedianlinie der 
Hfl. ist ähnlich wie bei citrata L., aber etwas stumpf gewinkelt. 


— 257 — 


Spannweite: 5’ 28 mm bei 15 mm Vfl.-Länge; © 33 mm 
bei 17,5 mm Vfl.-Länge. 

Genitalapparat: 5 (Taf. VII, 15). Sehr nahe cifrata L 
Im ganzen etwas gedrungener gebaut. Uncus-Dorn ebenso kahn- 
förmig mit angesetzter Spitze. Scaphium jedoch lang und 
schmal, über den Gelenk-Ansatz des Uncus hinausragend. Val- 
ven kurz und breit vom Ansatz an, sich nur wenig verbreiternd. 
Penis mit 1,38 mm Länge und 0,37 mm Durchmesser ähnlich 
citrata L.; das Dornenfeld aber sehr reduziert bei 0,48 mm Länge 
und 0,24 mm Breite, aus nur etwa 12 starken Dornen mit 0,32 mm 
Länge u. 0,032 mm Dicke etwa vom Ausmaß jener von citrata Jg‘, 
bestehend. 9 (Taf. IX, 71). Bursa recht abweichend gebaut. 
Die in der Mitte der oberen Hälfte ansetzende, sehr feinhäutige 
Bursula wird in ihrem unteren Teil durch die hier besonders 
stark chitinisierte, dicke Wand der Bursa-Fortsetzung gestützt, 
deren Verdickung bis zum Faltenrand reicht. Dieser ist rings- 
herum in einem breiten Band äußerst stark bedornt. Die Dornen 
sind fast doppelt so lang wie bei fruncata Hfn., und sind auch 
in Form feiner, glasheller Stacheln noch in der unteren Bursa- 
hälfte zahlreich wahrnehmbar. Das Signum ist die Fortsetzung 
einer bis zum Bursahals hinaufreichenden quergerunzelten Längs- 
falte, die oben mit der Bursula in Verbindung steht, und bei 
0,72 mm Länge und 0,16 mm Breite selbst lang, schmal und 
querfaltig, dicht mit kurzen aber spitzen Dornen besetzt ist, die 
nur im oberen Teil ein schmales Band in der Mitte freilassen. 
Auch hier also beim ® die größte Differenzierung. 

Verbreitung: Gebirge Nordost-Indiens, Sikkim, Darjee- 
ling, Bhutan, Nord-Ost-Burma, 6000 Fuß. (Hpimaw Fort) im Juni 
gefangen. 


16. D. citrata L. 


1761, Fauna suecica Ed. Il. S. 332 Nr. 1265 (= syn. citrata f. in- 
solida Prout. 1908. Trans. City of London Ent. Hist. Soc. S. 48) 
„Ph. Geometra Citrata seticornis, alis griseis macula sub- 
terminali albo-fulva strigaque alba, apicis lineola fusca. 
Habitat in foliis Citri, quae noctu edebat Larva geometra viridi- 
pallescens. Rolander. Desc.: Magnitudo Ph. Piniariae. Alae 
superiores supra griseae; juxta marginis crassioris 
postica macula magna albida, postice subferruginea, 
quam excipit striga alba tenuissima undulata; in apice 
alae litura linearis nigra, ut duabus praecedentibus (cheno- 


— 25) = 


podiata u. comitata). Subtus cinereae, postice pallidius.“ *) 
Werneburg war der erste, der in der Stettin. Ent. Zeitschr. 1858 
S.50 auf citrataL. als dem ältesten, prioritätsberechtigten Namen 
aufmerksam machte. Er ist aber der irrtümlichen Ansicht ge- 
wesen, daß Linne damit die Geom. russala Treitschke’s = trun- 
cata Hin. beschreibe, wenn ihn auch Treitschke's Beschreibung 
dieser dies verwerflich erscheinen ließ. Er bemerkte also 
wohl einen Unterschied zwischen cifrala L. und russata Tr. 
— fruncata Hfn., welch letztere damals als die einzig bekannte 
Collectiv-Spezies galt. Dann sagt er weiter, daß man die von 
Linne in gelungener Weise angeführte große, weiße, hinten 
rotgelbe Makel des Vorderrandes, die von einer feinen, ge- 
wellten, weißen Linie umschlossen, bei jeder fruncata fände. 
Auch stimme das, was Linne über die bleichgrüne Raupe sage, 
vollkommen mit Treitschke's Angaben Bd. 6, S.189, nach Freyer. 
Werneburg’s Feststellung hat wenig Beachtung gefunden. Es 
ist aber zweifellos, daß Linn&'s obige Beschreibung seiner cifrata 
eine graubindige Form jener von fruncata verschiedenen Art 
darstellt, die in der deutschen Literatur bisher unter dem Namen 
immanata Haw. ging. Die von ihm besonders hervorgehobenen 
Merkmale, der große, weiße, hinten rostfarbene Vorderrands- 
fleck, der schwarze apikale Schrägstrich, die Größenangabe und 
die einfarbig hellgrüne Raupe sind für die Kennzeichnung der 
Art sehr treffend. Die ausnahmsweise (nach Rolander) ange- 
führte Futterpflanze (Citrone) seines zweifellos schwedischen 
Spanners erschien wohl auch Linn& so bemerkenswert, daß er 
sogar den Falter danach benannte. M. E. ist dieser Angabe 
kein entscheidender Wert beizumessen, da die Alten allgemein 
von der Biologie fast nichts wußten. Außerdem halte ich es 
für möglich, daß die sehr polyphage Raupe auch Citrus-Laub 
annimmt, wenn sie zufällig darauf gerät. — Die große, weiße 
Costalmakel ist allerdings bei helleren Formen selten, auch in 
Schweden, häufiger anscheinend in höheren Breiten, in England 
und im Osten. Die dunkler grauen und schwarzbindigen Stücke 
führen sie überwiegend und sehr prägnant. Da eine Type in 
Linne’s Sammlung nicht mehr vorhanden, bleibt leider unent- 
schieden, welchen Grad von „grau“ jener Falter gehabt hat. 
Hinzu kommt, daß citrata-immanata in Schweden, wie über- 
haupt im Norden, die weitaus häufigere Art ist. Prout hat im 


*) Die wesentlichsten Angaben der Originalbeschreibung sind von mir 
durch Sperrdruck hervorgehoben. D., Verf. 


— 259 — 


Seitz'schen Werk Bd. IV. den ältesten Namen cifrata L. also mit 
vollem Recht an die ihm gebührende Stelle gesetzt und wir 
deutschen Autoren sollten uns nun auch daran gewöhnen, in Ver- 
öffentlichungen, Handbüchern, Katalogen die richtige, älteste Be- 
zeichnung anzuwenden, wie es die englischen Entomologen seit 
über 20 Jahren tun. (S. Prout in Trans. of City of London Entom, 
Soc. 1908, S. 46.) 


Bis in die Neuzeit reichen die zahllosen, irrtümlichen Ver- 
wechslungen der Art mit der zweifellos ähnlichen fruncata Hfn. 
(? russata Schiff.), aber ebenso sicher scheint mir, daß die Auto- 
rität Dr. O. Staudinger's und die von ihm angerichtete Verwir- 
rung hierzu viel beigetragen hat. Die Angaben der meisten 
älteren Faunenverzeichnisse sind deshalb kaum auswertbar und 
sehr zweifelhaft. Die Variabilität der Art ist außerordentlich, 
sodaß ich geglaubt habe, sie mit ihren zahlreichen Formen in 
einer größeren Reihe von Abbildungen wiedergeben zu sollen 
(Abb. 13—24, 13a— 24a, 29—36, 55, 59-61, 71, 60a, 59a, 
32a, 61a, 71a). Mit bedingt ist dies auch durch ihre weite 
Verbreitung über drei Erdteile, ein Verbreitungsgebiet, wie es 
sonst keine der übrigen Arten der Untergattung Dystroma auf- 
zuweisen hat. 


citrata L., die Nominatform ist wohl die fruncata Hfn. ähn- 
lichste Form, mit hellgrauem Mittelfeld, Abb. 13—15 und 29. 
Culot Fig. 489. Ueber die Unterschiede beider siehe das bei 
truncata Hin. Gesagte, die Arbeit Lange’s, Zöllner's, den Seitz, 
Berge-Rebel. Ich selbst sehe als die konstantesten äußeren 
Merkmale, wie dies auch der Vergleich der Serie beider Arten 
deutlich zeigt, für cifrata L. folgende an: 


Oberseite (Vorderflügel): Die stets deutliche, scharf ge- 
zackte und gewinkelte Antemedianbinde; die zunächst einwärts- 
gebogene oder -gewinkelte, dann spitz und weitvorspringende 
äußere Begrenzung des Mittelfeldes; die vor dem großen Vor- 
sprung desselben stets vorhandene Unterbrechung der Wellenlinie. 


Unterseite (Vorderflügel) : Der spitzwinklige, äußere Vor- 
sprung des Mittelfelds. Hinterflügel: Die scharf spitz- bis recht- 
winklig gebrochene Postmedianlinie, die jedoch sehr wohl an 
Rippe R und M, eine zackige Einkerbung aufweisen kann; ein 
dunkelgraues, fleckig erweitertes, saumwärts weißlich angelegtes 
Submarginalband, dessen dunkle Flecken viel deutlicher ent- 
wickelt sind, als bei fruncata Hin. 


— 260 — 


Alle übrigen Zeichnungen können aberrativ sehr fruncata- 
ähnlich auftreten, selbst die weiße Submarginalfleckenreihe der 
Hinterflügel ober- und unterseits. (S. Abb. 24, 24a.) 

An morphologischen Unterschieden gegenüber fruncata Hin. 
fand ich außer dem sehr abweichenden Genitalapparat noch 
längere Palpen bei citrata L. Bei dieser ist nicht unbeträchtlich 
länger und meist zugleich schmäler das zweite {mittelste) 
Palpen-Glied (s. Text-Abb. S.216). Auch bei vielen 5’ (nicht 
O O)noch das kleine dritte Endglied. Eine Tatsache, die bisher 
wohl deshalb übersehen wurde, weil dieser Größerunterschied an 
Sämmlungsstücken wegen der starken Behaarung, auch bei Lupen- 
betrachtüuug nur gering erscheint, und erst bei etwa 30facher Ver- 
größerung, mittels Xylol oder Kanadabalsam durchsichtig gemacht, 
deutlich hervortritt. 

Die von Zöllner in seiner eingangs genannten Arbeit fest- 
gestellten Geäderunterschiede der beiden mitteleuropäischen 
Arten beruhen leider auf recht bedauerlichen Irrtümern des- 
selben. Er ist durch die Geädervariation sowohl der hellen als 
der schwarzen Formen völlig irre geführt worden, weil er eben 
kein ex ovo gezogenes Faltermaterial untersuchte. Welche 
Verwirrung seine Artbestimmung nach dem Hinterflügelgeäder- 
Verlauf anrichtet, beweist einmal seine Bemerkung auf S. 370, 
wo er von isländischen fruncata-Formen spricht, während diese 
Art auf Island ganz fehlt. Alle Stücke von dort, die ich bisher 
in den verschiedenen großen Sammlungen sehen konnte, er- 
wiesen sich als sicher zu citrata L. gehörig. Zöllner's System 
versagt deshalb ganz, weil etwa 50°/, aller citrata - immanata- 
Falter, auch der asiatischen Rassen, hierin stark abweichen. 
Ich fand bei meinen einwandfrei ex ovo gezogenen Stücken: 

etwa 50°/, Falter, bei denen die Verbindungsader am Mittel- 

zellenschluß, wie bei Zöllner angegeben, in Ader 
R/M, in der Mitte (also '/, der Strecke zwischen 
der Abzweigung der Ader Sc und der Gabelung 
R/M, mündet (Text-Abb. b'° S. 216); 

etwa bei 25°/, Falter (jedenfalls der hiesigen Kieler) liegt diese 
Mündung auf'/, der Strecke von der Abzweigung 
der Ader Sc an gemessen, nebst Uebergängen, also 
genau wie Z. es für fruncata Hin. als arteigen 
angibt (Abb. a'®); die Falter Abb. 29 (citrata®) 
und Abb. 30 (f. strigulata 5) besitzen eben diese 
jener Art zugesprochene Adermündung bei !/.; 


— 20 


u.etwa bei 25”/, Falter findet diese Mündung (mit Uebergängen) 
auf ”/, dieser Strecke statt, also umgekehrt näher 
an Gabelung R/M, (Abb. c16). Ja, ich besitze 
sogar zwei Falter, die auf einem Hinterflügel !/,, 
auf dem andern '/, Verhältnis zeigen! 

Von 111 Faltern der coll. Dr. Müller-Linz von Spital in 
Ober-Oesterreich zeigen genau 48°/, die '/, Teilung, 52°/, die 
\/, Teilung, 2°/, eine °/., Teilung und 1 Stück sogar '/, Teilung!! 
Aehnlich Stücke vom Sajan-Gebirge. 

Genau dieselbe Variationsbreite im Aderverlauf konnte ich 
noch bei meiner Serie von latefasciata Stdgr. feststellen, sodaß 
dieses angebliche Artmerkmal (nach Zöllner) jedenfalls für eine 
sichere Bestimmung ausfallen muß. Daher sehen wir denn auch 
auf Zöllners farbiger Tafel V unter Fig. 1, 3, 4, 5 sichere cifrata- 
und f.'strigulata-Flügel abgebildet, die nach Z. fruncata Hfn. und 
f. perfuscata Haw. sein sollen! Ein anderer Beweis für die ver- 
wirrende Unsicherheit des Zöllner'schen Bestimmungsverfahrens! 

Größe: Die mitteleuropäischen cifrata haben 28,5—35 mm 
Spannweite bei 15—20 mm Vfl.-Länge. 5 und sind gleich groß. 

Zwergexemplare mit kaum 25 mm Spannweite kommen vor. 

Die Variabilität ist sehr groß. Sie nimmt in Nordwest- 
Europa bei zunehmender Feuchtigkeit und zugleich kühlerem 
Klima zu (Nord-England) und erreicht auf Island ihren Höhe- 
punkt. Hier finden sich auch die einzigen, ausgeprägten Lokal- 
rassen der Art in Europa. Bezüglich der Klarstellung der viel 
verwechselten englischen Formen folge ich Prouts vorzüglicher 
schon genannter Arbeit. 

Der hellgrauen Nominatform gehören hier in Schleswig- 
Holstein nur 6—10°/, aller Tiere an. Die große Mehrzahl ist 
den beiden dunkleren, grau- und schwarzbindigen Formen zu- 
zurechnen (Küstenmelanismus!) Nach Süden und Nordosten zu 
wird das Verhältnis annähernd umgekehrt. Z. B. überwiegen 
in Südbayern die hellen Formen mit etwa 65—70°/,, wie ich 
nach der Sammlung Osthelder-München feststellen konnte. Dar- 
unter wieder hauptsächlich die weißbindige f.punctumnotata Haw., 
während die hellgraubestäubte Nominatform und alle Uebergänge 
mehr in höheren Gebirgslagen häufiger zu sein scheinen. Um 
Stockholm gehören nach Herrn Nordströms freundlicher Mittei- 
lung an: 40°/, der f. strigulata, 27°/, f.simpliciata, 10°/, f. griseo- 
notata, citrata selbst und f. marmorata zus. 16°/, (je 8), f. punc- 
tumnotata 3°/, und f. nigricans 2”/,. 


— 22 — 


f. marmorata Fabr. 1794. Ent. Syst. III, 2, S. 192, Nr. 229. 
(= marmorata Haw. 1809, = omicronata Don. 1810 partim. und 
— f. tricolorata Culot 1917, Fig. 490) ist die bunte Form, mit 
weißem, schwärzlich geschecktem Mittelfeld und braunen, schön 
weiß eingefaßten Bändern (Abb. 155, 219, Wood Fig. 575, 
Culot Fig. 490); auch Apex und Saumfeld mit lebhafter Zeichnung 
u. nicht auffallend hell hervortretendem Costalfleck. Prout loc. cit. 
verwirft diesen Namen, weil er ebensogut auf fruncata Hfn. be- 
zogen werden könne und dies deshalb wahrscheinlicher sei, 
weil nach Curö (Bull. Soc. Ent. Ital. XI, S. 60) nur diese aber 
nicht cifrataL. in Italien vorkomme, woher Fabricius’ marmorata- 
Type stammt. Der Beschreibung selbst nach gebe ich Prout 
Recht, bin aber im übrigen ganz anderer Meinung. Kurz vor- 
her (Nr. 228) gibt Fabricius die Beschreibung der weißbindigen 
(bei ihm graubindigen) centumnotata Schulze (Form von truncata- 
Hfn.) unter Angabe der Abb. im Naturforscher und als Synonym 
russata W.V. Da Fabricius diese Abbildung also genau kannte, 
halte ich es für ausgeschlossen, daß er sofort nachher noch 
einen gleichartigen Falter beschreibt, sondern glaube, ebenso 
wie s. Zt. Haworth, mit Sicherheit, daß seine marmorata zu 
citrataL. gehört. Inzwischen ist diese auch aus Italien bekannt 
geworden, sodaß Prout’'s zweiter Einwand ebenfalls hinfällig wird. 

f. punctum-notata Haw. 1802, Prodr. Lep. Brit. S. 26 
(= syn. omicronata, Don. 1810 partim, = passeraria Frr. 1846) 
Abb. 169, 175, 189. Diese in der Mitte des Mittelfelds rein 
weiße Form halte ich eines besonderen Namens durchaus für 
würdig. Der bei citrata L. meist kleine Zellileck wird hier auf 
dem hellen, klaren Untergrund besonders deutlich in seiner Aus- 
dehnung. Daher Haworth’s Bezeichnung. Das unter Nr. 18 ab- 
gebildete Südtiroler Q@ dürfte der Beschreibung, die Freyer seiner 
passeraria gab (Neue Beitr. VI, S. 10), einem gezogenen Stück 
von der „Schlückenalpe“, bis auf die Größe entsprechen. Scheint 
in England und einigen Alpengegenden häufig zu sein. Auch 
die Unterseite (Abb. 16a—18a) ist vielfach ebenfalls aufgehellt. 
[South, Taf. 66, Fig. 1 (nicht truncata Hfn.!) Fig. 9 u. 10, Seitz IV, 
Taf. 8k, u. and.] 

f. griseonotata Lange 1921, „Iris* XXXV, S.150, Taf. 1, 24, 
vom Sächs. Erzgebirge nach 1 @ beschrieben, ist im nördlichen 
Schleswig-Holstein und bei Kiel mit fast 50°, aller Stücke die 
häufigste citrata-Form. (Abb. 199, 20%). Bei dieser ist nach 
Lange „Wurzel- und Mittelfeld schwach schwarzgrau beschuppt, 


— 263 — 


gleichsam ein Mittelding zwischen dem Typus und der f. imma- 
nata Haw.“ Frische, gezogene Tiere sind schiefergrau, durch 
ziemlich gleichmäßig verteilte weiße Schuppen im Mittelfeld wie 
mit Mehl bepudert, ohne alle Linien. Auch Zöllner bildet sie 
Taf. V, Fig.21 von Ostpreußen ab, während Klöcker (Danmarks 
Fauna, Sommerfugle III, 1915, Taf. VI, Fig. 94 5) sie mit fruncata 
f. perfuscataHaw. (? russataSchiff.) verwechselt. Der weiße Costal- 
fleck tritt hier schon lebhafter hervor als bei der Nominatfiorm. 
Das unter Fig. 19 abgeb. © zeigt hier deutliche, kleine Zähne 
des Mittelfelds, die viele Autoren sonst nur fruncata Hin. zu- 
schreiben, und auch auf der Vil.-Unterseite (19a) gut sichtbar 
bleiben. 

i. simpliciata Walker 1862, List. Lep. Ins. XXV, S. 1422, 
ist als Mittelform zwischen f, punctumnotata Haw. und der fol- 
genden zu werten. Das schwarze Mittelfeld weist noch weiße 
oder graue Flecke auf, aber die Hinterflügel und die Unterseite 
bleiben hell. Sie scheint in England häufiger zu sein; sonst 
sah ich nur einzelne Stücke aus Gebirgsgegenden Mitteldeutsch- 
lands und der Alpen, sowie aus Ostpreußen. Diese Form wird 
oft mit f, pythonnissata Mill. zusammengeworfen oder verwechselt, 
so auch von Lange, „Iris* 1921, S. 150, Fig.27,28. Ich sah bis- 
her kein einziges kontinentales, eurasisches Tier, das jener nord- 
schottischen Form auch nur nahe käme. Andererseits ist eine 
deutlichere, weiße Postmediane kein Grund zu weiterer Be- 
nennung. 

f. strigulata Fabr. 1794. Entomol. Systematica III, 2, S.192.') 
—= f. immanataHaw. 1809, — amoenata Steph. 1831, =? russata 
Schiff.). „230. P. seticornis alis fuscis: strigis abbreviatis undatis 
maculaque costali albis. — Habitat in Selandia Mus. Dom. Lund. 
Statura omnino P.centumnotatae. Alae anticae fuscae 
strigis imprimis ad marginem tenuiorem posticisque albis. 
Macula magna versus apicem costae albida. 
Posticae cinereae. Subtus cinereae puncto medio strigisque 
posticis fuscis.“ 

Wie schon bei truncata Hfn. ausgeführt, ist wahrscheinlich 
russata Schiff. der älteste Name für die rein schwarzbindige 
citrata-Form, da in den großen Wiener Sammlungen nach Mit- 
teilung von Prof. Dr. Rebel und Dr. Schawerda nur solche vor- 

1) Die weiterhin von Fabricius unter Nr. 231 beschriebene lineolala F. 


ist sicher ein furbata Hbn.Q (nicht furbaria Steph.), wie Werneburg schon 
mit Recht vermutet. 


— 264 — 


handen sind und schwarzbindige fruncala Hin. in der Wiener 
Fauna fehlen. Aber die Interpretation der Zeitgenossen stellt 
sie zu letzterer. Die Beschreibung ist ganz unzureichend — 
(„Zimmetbrauner, schwarzstreifiger Spanner, G. russata.*“ — 
und die Type mit der Sammlung verbrannt. Der Name ist also 
ganz unsicher, und muß deshalb als unbrauchbar ausscheiden. 
Wenn ich nun deshalb die früher einmal umstrittene halb- 
vergessene Bezeichnung des Fabricius hier anstelle jener zweifel- 
haften russata Schiff. und der altbekannten, geläufigen imma- 
nata Haw. einsetze, so tue ich das nach eingehendem Studium 
aus vollster Überzeugung, zumal auch ich derartige Beseitigungen 
jedermann geläufiger Namen in der schon so verwickelten lepi- 
dopterologischen Nomenklatur bedaure. Aber der älteren Be- 
zeichnung gebührt einmal die Priorität. Die Berechtigung hier- 
zu, d. h. die Identität der strigulata Fabr. mit immanata Haw., 
möchte ich wie folgt begründen: Fabricius führt loco cit. in 
dieser Gruppe drei Arten auf: 228. centumnotata mit grauer, 
schwarz gezeichneter Mitte (= fruncata Hin.), 229. marmorata 
mit weiß-schwarz bunter Mitte und 230. strigulata mit schwärz- 
lichem Mittelfeld und großer, weißer Costalmakel. Letztere wird 
von Haworth (unsicher), ferner von Guen&e und Aurivillius zu 
russata Schiff. gezogen, desgl. von Prout (loc. cit. S. 41). Werne- 
burg bemerkt zu ihr in seinen „Beiträgen zur Schmetterlings- 
kunde“ 1864, Fußnote 236 S. 542: „Herrich Schäffer vermutet 
hier eine Varietät von G. russata und ich trete ihm hierin bei. 
russata variiert sehr, namentlich verschwindet oft die rostgelbe 
Färbung fast ganz und dann erscheint die Vorrandsmakel ein- 
fach weißlich, wie Fabricius sie beschreibt.“ Nun war früher rus- 
sata Schiff. die einzige anerkannte Art, in der man die beiden 
heute getrennten, mitteleuropäischen Spezies mit ihren Formen 
vereinigte, richtiger durcheinanderwarf, wie das auch Werne- 
burg's Bemerkung zeigt. 
strigulata Fabr. kann aber nach den vonmirin dem 
Originaltext gesperrt hervorgehobenen Stellen niemals 
eine dunkle fruncata f. perfuscata Haw. sein, da es eine 
truncata-Form mit der vom Autor besonders und nur 
bei seiner 3. Spezies hervorgehobenen, großen weißen 
Costalmakel am Apex der Vorderflügel nicht gibt. Ich 
habe in dem ganzen großen mir vorliegenden und von mir ge- 
züchteten Faltermaterial von fruncata Hin. niemals einen so 
stark hervortretenden Costalwisch gesehen, noch gefunden. 


— 269 — 


Deshalb halte ich strigulata Fabr. für dieälteste, sichere 
prioritätsberechtigte Bezeichnung der citrata-Varietät 
mit schwarzem Mittelfeld. Auffällig ist vielleicht, daß Fa- 
bricius die braunen Binden nicht erwähnt oder vergessen hat, 
aber er hatte wohl ein älteres Sammlungsstück (e Mus. Dom.Lund.) 
vor sich, oder eins der nicht allzu seltenen Tiere, bei der die 
braunen Bänder mehr schokoladen- oder schwärzlichbraun wer- 
den und so sich wenig abheben. Uebrigens weist Haworth's 
Beschreibung seiner immanalta (== var. a) denselben Mangel auf; 
auch er sagt nichts von braunen Binden, dagegen erwähnt er 
ebenfalls den weißen Costalileck, wie überhaupt seine Beschrei- 
bung der immanata der von Fabricius gegebenen fast genau 
gleicht. Endlich möchte ich noch anführen, daß es außerordent- 
lich unwahrscheinlich ist, daß Fabricius diese in Dänemark wie 
in Schleswig-Holstein und den östlichen baltischen Ländern häu- 
fife Dystroma-Form nicht gekannt oder erhalten haben sollte. 
Ich bilde hierzu unter Fig. 23, 23a u. 30 zwei ex ovo gezogene 
oc‘ ab. Das Schwarz des Mittelfeldes ist oft tiefer und glän- 
zender als bei der entspr. fruncata-Form, worauf schon Prout 
aufmerksam macht, aber letztere hat nie so scharf gezeichnete 
‘Basis und Antemedianbinde wie die cifrata-Form. Diese ist wie 
die helle im Hinterflügelgeäder variabel, und hat so die Ursache 
zu Zöllner's erwähnten Verwechslungen und Irrtümern gebildet. 
Sonst sind die Hinterflügel kaum dunkler als bei der hellen 
Nominatform und zeigen die scharf gewinkelte Postmedianlinie 
sehr deutlich. Das 5 Abb. 30 hat '/, Teilung, also = fruncata 
nach Zöllner! 

i. incompleta Culot 1917, Noct. et Geom. d’Europe, S. 164, 
Taf. 24, Fig. 493. Ohne Angabe eines Heimatlandes seiner Type 
beschreibt Culot diese Form: „Das Gelb(-braun) der Vorderflügel 
fehlt vollkommen." Die farbige Abbildung zeigt das Tier nur 
einfach schwärzlich-braungrau und weißlich gezeichnet. Die 
scharfe Antemedianbinde ist hell rauchgrau (statt braun), weiß 
eingefaßt und ebenso das postmediane Band. Das in Fig. 31 
abgeb. © aus Kurland (coll. Püngeler) bildet einen guten Ueber- 
gang hierzu, ebenso Zöllner's farbige Fig. 24 auf Taf.V. Kommt 
auch in Japan vor n. coll. Bastelberger. 

fi. krassnojarscensis Fuchs 1899, Jahrbuch. Nass. Ver. Nat. 
Bd. 52, S. 156, beschrieben nach einem einzelnen 9, zeigt ein 
weiteres Zurückgehen der dunklen Töne und Zeichnungen. 
„Flügel in die Länge gezogen, die vorderen wie bei englischen 


— 266 — 


Männchen, sodaß der Saum schräger verläuft und der Apex 
spitzer wird. Färbung ein eintöniges, mattes Weißgrau mit gelb- 
lichem Anflug, fast ohne die sonst übliche Berußung des Wurzel- 
und Saumfeldes, die sich nur noch als feiner Staub bemerkbar 
macht, und mit nur wenig, ganz matter bräunlicher Mischung 
des Saumfeldes unterhalb des Vorderrands. Die Querstreifen in- 
folgedessen, insbesondere die zackige Linie des äußeren Streifens 
(welcher das Mittelfeld gegen den Saum begrenzt), deutlich auf 
den Flügeln hervortretend. Meine Abb. 33 eines @ aus England 
(coll. Hoy, Mus. Hamburg) stimmt mit dieser Originalbeschreibung 
genau überein, zugleich ein Beispiel dafür, wie unsinnig es in 
nomenklatorischer Hinsicht ist, eine vereinzelte Modifikation 
nach dem Fundort zu benennen, zumal wenn sie in ganz an- 
deren Gegenden ebenfalls gefunden werden kann. So in der Zeich- 
nung und Aufhellung völlig gleich in Island. (Staudingers var. b 
Stettiner E. Z. XVII, 252.) 

f. acutata Guen., 1858, Spec. Gen. X, 466. Ob diese im 
Vorderflügel mehr gestreckte, und so spitzere Form mit eben- 
falls stark vorgetriebenem Vorsprung des Mittelfelds wirklich 
um B&sancgon eine Lokalrasse bildet, wie ihr Autor angibt, ist 
bis heute nicht nachgeprüft worden. Ich halte es für recht un- 
wahrscheinlich. Vielleicht ist sie dort nur etwas häufiger als 
anderswo. Auch das 5’ Abb. 17 aus England ist auffallend spitz- 
flügelig, ebenso 1 2 vom Rigi (Schweiz) und 1 5 aus Litauen 
in m. Sammlung, die dann auch den verlängerten Vorsprung des 
Mittelfelds zeigen. 

subsp. pythonnissata Mill. 1872, Icon. III, S. 120, Abb. 
Taf. 111, Fig. 9. (=f. scotica Stdgr. nom. nud. commerc. partim, 
— f, simpliciata auct.necWalk.). Diese wohl schönste citrata-Form 
ist auf 2 9 © gegründet, die Milliere von Doubleday aus „Eng- 
land” erhielt. Dort kommen aber solche Stücke nicht vor. 
South hat — ich folge hier ganz Prout's Angaben — sie zuerst 
als die Shetland-Form identifiziert (Proc. South Lond. Soc. 1888/89 
S. 148) und Prout selbst hat in Doubledays Sammlung eine schöne 
Serie von den Orkney- u. Shetlands-Inseln gefunden. Sie wird 
von den englischen Entomologen als Insel-Rasse bezeichnet. Die 
Bezettelung „Schottland“ an vielen Sammlungsexemplaren dürf- 
ten nicht richtig sein. Die besonderen Merkmale der Rasse sind 
(vergl. die Abb. 229, 22a, 32 5, 32a): der weniger schwärzliche, 
sondern mehr eigenartig purpurbraune Ton aller dunklen Zeich- 
nungen bes. im Mittel- und Basalfeld; mehr oder minder stark 


—. all 


weiß gefleckte Mitte des dunklen Mittelfelds; meist scharfe, weiße 
Einfassung der braunen Bänder; dunkle, braungraue Hinterflügel 
mit scharf gezeichneter, dunkler, außen oft weiß angelegter Post- 
medianlinie und ziemlich deutlicher, weißer Submarginalflecken- 
Reihe; dunkel-graubraune Unterseite, auf den Hinterflügeln mit 
selten scharfen, dunklen, außen weiß angelegten Postmedian- und 
Antemarginalbinden. Diese Farbtönung und Zeichnung läßt sie mit 
keiner kontinentalen Modifikation verwechseln. Alle somit irr- 
tümlichen Angaben dieser Form in den Faunenverzeichnissen 
sind zu streichen. Gute farbige Abb. geben noch South, Taf. 66, 
Fig. 12, und Culot, Taf. 24, Fig. 486 u. 487. 

subsp. islandicaria m. subsp. nov. Abb.35%. Die Serien 
und Einzelstücke, die ich von den so überaus variablen Island- 
Faltern der Art sehen konnte, rechtfertigen ihre Abtrennung als 
Subspezies. Nicht nur, daß diese in ihren Erbanlagen und 
Population sich ganz verschieden von sonstigen eurasischen 
Stücken zeigt, sondern alle ihre Formen weisen auch überein- 
stimmende Eigentümlichkeiten auf, die sie zur besonderen Rasse 
stempeln. Alle Tiere sind kleiner als der sonstige Durchschnitt 
europäischer Stücke. Sie besitzen nur: 5’ 24,0— 27,5 mm Spann- 
weite bei 13,5—14,5 mm VÄl.-Länge, % 28,0—31,0 mm Spannweite 
bei 15,5—16,5 mm Vil.-Länge, bleiben also zum großen Teil noch 
unter den bei cifrala L. angegebenen unteren Durchschnittsmaßen. 
Die Form der Vorderflügel ist durchschnittlich breiter und kürzer. 
Dunkle Färbung des Mittelfelds überwiegt bei allen Modifikationen. 
Hfl. ober- u. unterseits eintöniger, meist einfarbig glänzend grau, 
die Postmediane sehr häufig kaum erkennbar. Auch die VIl. 
einfarbiger, grau. Der allgemeine Eindruck größerer Serien ist: 
Geringe Größe, gedrungenere Flügelform, verwaschene, eintönige 
Färbung und Zeichnung (oft bis zur Einfarbigkeit). Stände nicht 
Staudingers Diagnose und andere Bedenken im Wege, wäre 
unicolorata eine ganz passende Bezeichnung. Als Typus von 
islandicaria m. mag die anscheinend seltene, im Mittelfeld grau- 
bindige Form gelten. Das abgebildete, schwarzbindige @ be- 
zeichne ich mit f. strigulata nom. coll. — Ueber die auffallende 
Variationsbildung dieser Rasse, die sich sonst an keinem Ort 
ihres großen Verbreitungsgebiets wiederfindet, siehe das im fol- 
genden bei f. unicolorata Stdgr. Gesagte. — 

i. thingvallata Stdgr. 1871, Staud.- Cat. Ed. IL S. 183. 
(= f. cjornensis F. A. Walker [|Prout] 1890.) Staudinger erwähnt 
diese schöne Form erstmalig in seiner „Reise nach Island 1856“ 


— 29 — 


Stettiner Ent. Ztg. XVII, S. 252 als russata Schiff. var. c Alis 
anticis albidis, basi fasciaque media aterrimis (in der Ausgabe 
1901, Staudg.-Rebel heißt es: atra vel fusca). Schöne, farbige 
Abbildungen gaben Millire Icon. Taf.9 Fig. 12 und Culot Taf. 24 
Fig. 494 (ex coll. Oberth). Meine Abb. 36 zeigt ein als Cotype 
bezeichnetes 5 aus coll. Püngeler (Zool. Mus. Berlin), welches, 
ebenso wie es Prout von Walker als nom. nudum aufgestellten 
f. cjornensis von Reykjavik angibt, im Saumfeld noch einige 
Zeichnung, braune Beschattung des Postmedianbands und Keil- 
flecke, aufweist. Ich halte dies für so unbedeutend, daß es 
nicht lohnt, wie es Prout getan hat, diesen leeren Namen wieder 
auszugraben, sondern vermag ihn nur als Synonym anzusehen; 
sonst kämen wir zur Individualbenennung. Die Hil. sind weiß- 
lich mit deutlicher, gewinkelter Postmedianlinie, aber auch hell- 
aschgrau, unterseits bis zur Postmediane grau, von da ab saum- 
wärts gelblichweiß nach 1 @ coll. Hoy, Zool. Mus. Hamburg. Ist 
auch von England, Kamschatka und Japan gemeldet (s. Prout 
loe. cit.). 

f. unicolorata Stdgr. 1871, Stdgr. Cat. Ed. Il, S. 183, be- 
schrieben als: „alis anticis fere unicoloribus, albidis, griseis, 
fuscis vel nigris.” Diese nomenklatorisch einzigartige Zusammen- 
fassung durchaus verschieden gefärbter Formen ist wohl nur aus 
jener überwältigend großen Variabilität der Islandialter heraus 
zu verstehen, (aber deshalb kaum gerechtfertigt,) der sich Stau- 
dinger angesichts der über 500 Stück großen eigenen Ausbeute, 
neben über 1000 anderen Stücken gleichzeitig anwesender Sammler 
gegenüber sah. Er meint, daß Wood hieraus mindestens 40 For- 
men hätte machen müssen im Vergleich zu den von diesem ver- 
zeichneten und abgebildeten 8 Formen. Das obige Verfahren 
Staudingers ist mit Recht später von verschiedenen Autoren 
angegriffen worden, so von Prout (loc. cit. S. 49), Culot, Scha- 
werda (Verh. Zool. Bot. Ges. Wien 1920) und Anderen, und hat 
zu verschiedenen Versuchen einer Aufteilung jener Formen 
geführt. Herr Bang-Haas schrieb mir, daß in der Staudinger- 
sammlung an erster Stelle unter unicolorata Stdgr. mit Original- 
Etiketten die in Island häufigste rotbraune bis ockerfarbene 
Form stecke und daß daher diese auch als Namenstype gelten 
müsse. Dem würde man unbedingt zustimmen müssen, auch 
Prout äußert dies, wenn nicht leider diese ockerbraune Form 
in des Autors eigener Diagnose ganz fehlte. Die Diagnose aber 
müßte doch zum mindesten auf die zu Typen erklärten Tieren 


— N 


passen und das wäre bei der von Herrn Bang-Haas angeregten 
Lösung nicht der Fall. Ich halte deshalb diese nicht für gang- 
bar, sondern schlage vor, die in Staudingers Diagnose zuerst 
genannten weißen, weißgrauen und gelblich weißgrauen Stücke 
mit unicolorata Stdgr. zu bezeichnen, d. h. seine var. a: Alis 
aniticis albido-cinereis und vielleicht noch Tiere einschließlich 
etwaiger Uebergänge bis zur var. g: Al. ant. albidis, ochraceo- 
mixtis. Als Abbildung hierzu kann Millieres schöne Fig. 10 Taf. 9 
der Iconographie gelten, die ein weiß-gelbgraues Stück mit ganz 
zart angedeuteten ockerfarbenen Linien darstellt. Solche hellen 
Tiere stecken auch nur in wenigen Stücken in Staudingers 
Sammlung. Rein weiße hat auch er nicht besessen. Dies ist 
ebenfalls Prouts Vorschlag vom Jahre 1908. Ebenso der Scha- 


werda'’s. 


i. ferruginea Prout 1908, Trans. City of London Ent. Hist. 
Soc. S. 50 (= unifulvata Culot 1917.) „Vorderflügel einförmig 
mit Rostfarbe oder rötlich-ocker übergossen.” Var. h und /, zum 
Teil auch noch var. e und g Staudingers. In einer Island- 
Serie des Hamburger Zool. Museums befinden sich hierhin 
gehörige Stücke von schmutzig hellbraungelber Farbe bis kräftig 
dunkel rostbraun mit allen Uebergängen. Das unter Nr. 34 ab- 
gebildete Q ist fast einfarbig schmutzig ockergelb, Mittelfeld um 
einen Ton dunkler, mit weißlicher Wellenlinie und. schwärz- 
lichem Apikalstrich. Hfl. eintönig glänzend hellgrau. Farbige 
Abbildungen gaben Milliere, Ann. Lyon. 1859 Taf.V, Fig. 10 und 
Culot, Geom. 1917 Taf. 24, Fig. 491 (transitus) und Fig. 492 (alle 
von Island). Der älteste Name für diese eigenartige Form ist 
eigentlich P. subsp. rufibrunnea Warren 1900, Nov. Zool. VII. 
S. 181, beschrieben nach 2 %_Q im Tring Museum, bezettelt 
Parana, Entre Rios, Argentinien. Prout hält, da in Südamerika 
überhaupt keine Dystroma vorkommt, und die Typen gewissen 
Islandstücken sehr gleichen, eine Verwechslung und irrtümliche 
Etikettierung für höchst wahrscheinlich und eine alte, geogra- 
phische Isolation für unglaubwürdig. Wegen dieser Unsicherheit 
betr. Herkunft der Typen glaube auch ich, Warrens ältere Be- 
nennung hier nicht anwenden zu sollen. Ebensolche grau-ocker 
bis rostbraun getönten Stücke sind von den Shetlands-Inseln 
und den Hebriden (Lewis) bekannt, sonst aber kommt im ganzen 
großen Verbreitungsgebiet der Art diese Farbenvarietät nicht 
wieder vor. 


— 270 — 


f. nigricans Prout 1908 ibid. (= f. fusca Prout 1908 und 
— f.nigerrima Schaw. 1920) „Vorderflügel nahezu einfarbig 
schwärzlich.“ Staudinger var. e, k und /. Ich halte es zur 
Vereinfachung der Nomenklatur doch für richtiger, die dunkel- 
bis schwarzbraunen Tönungen hier mit einzubeziehen und alle 
dunklen mehr oder minder einfarbigen Stücke aller Rassen 
unter f. nigricans Prout zu vereinigen. Unter Nr. 24 bilde ich 
die mir von Herrn Hofrat Kautz, Wien, freundlichst hierzu ge- 
liehene 5 Type der f. nigerrima Schawerda (Verh. Zool. Bot. 
Ges. Wien 1920) ab. Der Autor hält das Stück (aus Calalco 
in Ober-Italien) für der f. nigerrimataFuchs von fruncata Hfn. 
entsprechend. Es kann aber nur als ein Transitus zu deren 
Schwärzung aufgefaßt werden, bei der das Braun der beiden 
Bänder stark geschwärzt und der helle Costalwisch verschwun- 
den ist. Die Hil. zeigen oben und unten (Abb. 24a) noch sehr 
scharfe Zeichnung, fast wie bei phythonnissata Mill., besonders 
auffallend aber eine weiße Submarginalfleckenreihe. Die zweite 
Type von Attersee ist hier viel undeutlicher. Ich besitze vier 
gezogene gleiche hiesige und weitere Stücke aus England und 
Estland. 

Eine Anzahl nordamerikanischer und Labrador - Stücke 
(Abb. 61, 2) stehen in Größe und Flügelform der islandicaria, 
in Färbung der folgenden Subspecies nahe. Ich sah nur hell- 
graubindige citrata von dort. Da ich aber die amerikanische 
Literatur nicht kenne, enthalte ich mich einer näheren Behandlung. 

subsp. septentrionata m. subsp. nov. (Abb. 60, 60a J,, 
59 und 59a JS.) Die sibirischen Stücke, vereinzelt sogar schon 
solche von St. Petersburg, bis zur Amurmündung, zeigen charak- 
teristische Abweichungen von unseren europäischen Tieren, die 
sie mich als besondere Rasse abtrennen lassen. Mir liegt eine 
größere Serie von über 60 Stück vom Sajan-Gebirge und Baikal- 
see in meiner eigenen Sammlung vor, sowie weitere, in der 
der Mus. Hamburg und Berlin vom Amur und Nikolajewsk. So- 
fort auffallend ist die stumpfe, graue Tönung aller Flügel, die 
nicht bräunlich ist, wie bei den Isländern. Dieses „Taubengrau“ 
färbt besonders die beiden, meist breiteren braunen Bänder 
stumpf graubraun bis aschgrau wie bei dem 5 Abb. 60. Basal-, 
Mittel- und Saumfeld sind hell taubengrau bestäubt, ebenso die 
Hfl. Bei der f. strigulata nom. coll. ist das Mittelfeld grau- 
schwarz, ohne je den tief glänzend schwarzen Ton hiesiger 


strigulata Fabr. zu erreichen. (Abb. 59.) Die fd sind ziem- 


— 21 — 


lich klein: 14—16 mm Vfl.-Länge und 23—28 mm Spannweite, 
Die 22 sind größer: 17—18 mm Vfl.-Länge und 28—30 mm 
Spannweite, sodaß hier hinsichtlich der Größe Neigung zum 
Geschlechtsdimorphismus besteht. Solcher fällt bei europäischen 
Tieren nicht auf, ist jedoch auch bei der folgenden südost- 
asiatischen Spezies besonders ausgeprägt. 5 Q Typen vom 
Sajan-Gebirge Tunkinsk 2000 m und Baikalsee in coll. m. 

subsp. tibetana m. subsp. nov. (Abb. 71, 71a.) Die mir 
aus Tibet hauptsächlich vom Kuku-nor vorliegenden Jg’ (2 
fehlen leider) gehören sämtlich einer Form mit einer ganz ab- 
weichenden Gesamt-Färbung an, sehr ähnlich der nördlichen 
Subspezies der folgenden, dentifera, mit der ich sie zunächst 
verwechselte. Sie erwiesen sich aber morphologisch zu citrata L. 
gehörig. Auf Vfl. und Hil. ist die normale, durch schwärzliche 
und weißliche Linien gebildete cifrata-Zeichnung von einem 
gleichmäßigen, rauchigen, graubraunen Ton übergossen, der alle 
Farbenunterschiede verwischt. Die einzelnen Felder und breiten 
Bänder treten allein durch ihre Begrenzungslinien hervor. Nur 
bei einem Stück hebt sich der weißliche Costalfleck deutlicher 
heraus. Die Hil. sind wenig heller, graubraun, ebenso ist die 
ganze Unterseite (Abb. 71a) gleichmäßig hell graubraun über- 
gossen, doch bleibt die feine, dunkle, scharf rechtwinklig 
gebrochene Postmediane gut erkennbar, Typen in Sammlung 
Graeser Mus. Hamburg und Sammlung Püngeler, Zool. Mus. 
Berlin. 

Die japanischen cifrata (Abb. 55 2) sind ziemlich groß (das 
abgebildete @ der f. griseonotata Lange hat 36 mm Spannweite), 
aber sonst von mitteleuropäischen Stücken so wenig verschieden, 
daß eine Trennung nicht gerechtfertigt erscheint. Die Variations- 
breite ist die gleiche, wie bei jenen. 

Genitalapparat: 5 (Taf. V, Fig. 3 bis.) Im ganzen breiter 
gebaut als bei truncata Hfn., besonders auffällig beim Anellus. 
Oberteil des Tegumens breit, Unterteil sich nach hinten ver- 
jüngend. Scaphium nicht länger als bei jener Art. Uncus- 
dorn lang, am Ende kahnförmig, mit abgesetzter, hakenförmiger 
Spitze. Valven vom Ansatz an breiter und so gleichmäßiger 
‚und weniger ausgebuchtet wie bei fruncata. Penis länger und 
doppelt so stark (1,36—1,68 mm lang und 0,4—0,45 mm Durch- 
messer), mit einem sehr breiten, spitzoval angeordneten Dornen- 
feld von 0,88—0,96 mm Länge bei 0,26—0,32 mm Breite am 
Schwellkörper, dessen einzelne Dornen 3—4mal so groß sind, 


% 
— 272 — 


nämlich 0,4 mm lang bei 0,032 mm Dicke. Wegen dieser 
ganz besonders auffallenden Größenunterschiede halte 
ich im Gegensatz zu Zöllner eine Bastardierung mit. 
einem fruncata @ schon mechanisch für völlig ausge- 
schlossen! Haut des Schwellkörpers mit zahllosen, kräftigen 
spitzen Zähnchen besetzt. (Abb. 3 und 42.) Bei den beiden 
asiatischen Rassen (Präp. 46) erscheinen die Dornen des Dor- 
nenfeldes etwas feiner und zahlreicher, bei den Isländern und 
Nordamerikanern an Zahl etwas geringer, aber im einzelnen 
ein wenig stärker. 

Q@ (Taf.V, 7a.) Bursa von fruncata Hin. @ völlig ver- 
schieden. Der etwa !/, der Oberfläche der oberen Bursahälfte 
einnehmende, stärker chitinisierte Teil ist am unteren Falten- 
rand so gut wie dornenlos. Ganz ausnahmsweise finden sich 
einzelne wenige Dornen, wie sie bei fruncata den Rand in brei- 
tem Band besäumen. Die Bursula (Bb 16) ist doppelt so 
groß wie bei fruncata, breit und flach den unteren Faltenrand 
überragend, nicht kugelförmig, und bis zur entgegengesetzten 
Seite reichend. Hier befindet sich als Fortsetzung einer an- 
schließenden Längsfalte das lange (0,96 -—1,0 mm lang) aber mit 
0,2—0,24mm schmälere Signum, das weniger querfaltig und bis 
auf einen schmalen Mittelstreifen ganz mit einer Afachen Dornen- 
reihe bedeckt ist. Diese weitgehenden, konstanten Unterschiede 
im Genitalapparat von 5’ u.Q ermöglichen es, wenn herausgelöst, 
schon mit einer einfachen Lupe die beiden mitteleuropäischen 
Arten leicht und mit großer Sicherheit zu trennen. Von „frag- 
licher Art“, wie noch im Berge-Rebel zu lesen ist, kann bei 
beiden nicht gesprochen werden. 

Biologie. Ei: Länglichoval, etwas schlanker wie das frun- 
cata-Ei. Wird fast ohne Klebstoff, oft lose gleich auf den Boden 
fallend, abgelegt und so vom Regen schnell abgespült. Anpas- 
sung an eine am feuchten Erdboden besonders gesicherte Ueber- 
winterung der Eier, die zu trocken gehalten, leicht absterben. 
Man muß sie in Blechschachteln mit feuchtem Moos oder in 
Gläschen mit stets feuchtem Wattestopfen aufbewahren. Daher 
fehlt die Art in ausgesprochenen Trockengebieten und bevor- 
zugt feuchtere Waldgebirge. Mit den sich schon nach 14 Tagen 
im Ei entwickelnden Räupchen färben sich die Eier ockergelb. 
Die im April, Mai schlüpfende junge Raupe ist hell ockergelb, 
nach erster Häutung hellgrün. Erwachsen ca. 30 mm lang hell gelb- 
grün, fast ganz zylindrischh zum Kopf nicht verjüngt, dorsal 


WE — 


beiderseits bleich gelbgrün gesäumt. Afterklappe (Textabb. Rp.16) 
breit, stumpf gerundet, Analspitzen stumpfer, hellviolett. Nur 
1 Tier in all meinen Zuchten hatte einen deutlichen, violettroten 
Seitenstreifen, wie die fruncata-Raupe. Auch Prout erwähnt dies 
als Ausnahme von England. Dagegen berichtet Staudinger, daß 
seine 500 Isländer Raupen fast immer lila gefärbte Endglieder 
der Bauchfüße und seltener einen verloschenen lila Seitenstreifen 
gezeigt hätten. Da aber alle Islandfalter zu citrata L. gehören, 
truncata Hfn. dort fehlt, ist diese gelegentliche, im Norden häu- 
figere Violettfärbung auch kein unbedingt sicheres Unterschei- 
dungsmerkmal beider. Die Zucht ist verhältnismäßig leicht mit 
Himbeeren und Erdbeeren, auch Weißdorn. Im Gebirge lebt 
die Raupe auch an Epilobium und Vaccinium, ferner auch an 
Weide, Birke und anderen Pflanzen, etwa bis Ende Juni. Puppe: 
hell meergrün, mit weißlichem Anflug, leicht, aber deutlich be- 
haart mit sehr ungleichen, weißen bis schwarzgrauen, unregel- 
mäßig verteilten Haaren. Flügelscheiden färben sich bald weiß- 
lich, im Gegensatz zu truncata Hin., wo sie leicht bräunlich 
werden. Auch Kremaster ganz verschieden von dieser (Text- 
abb. Kr.16.) Spitze selbst breit und stumpf gerundet, braun, der 
obere Teil nur leicht bräunlich grün, viel glatter gerandet. 
Es bietet also auch die Puppe gute Unterscheidungsmerkmale. 
Flugzeit: Juli bis September, in nur einer Generation, ent- 
gegen anderslautenden Vermutungen. Selbst bei Treibzucht im 
Juni erhaltene Eier überwintern. 

Verbreitung: cifrata L. ist mit ihren 4 Subspezies, zu 
denen vielleicht noch die nordamerikanische kommt, die verbrei- 
tetste Art des Subgenus. Ihre Verbreitung reicht von Island, 
Nord- und Zentral-Europa, im Süden bis Nordspanien (Durango) 
und Oberitalien, über Rußland einschließlich Transkaukasien, 
Sibirien bis Sachalin, Japan, China, Tibet und Nordwestindien 
(Burma). Außerdem in Labrador, Nordamerika, Kanada und 
Behringsinseln (laut Staudinger) gef. 


17, D. dentifera Warren 
1896, Nov. Zool. IIL., S. 387. (Abb. 65 2 Type). „Vorderflügel: 


bleich schmutzig gelb, Basalraum grau mit schwärzlichen Linien; 
Außensaum des Mittelbandes sammtartig schwarz, an der Costa 
weiß gesäumt und in seiner unteren Hälfte stark gezähnt; die 
submarginale Linie bildet eine sammetschwarze, keilförmig ge- 


— 274 — 


staltete Zeichnung auf der unteren Mittelrippe am Analwinkel, 
Hinterflügel: gelblichgrau, Stirn und Thorax gelblichgrau, 
Abdomen grau. Spannweite 42 mm, 1 © Darjeeling. Eine sehr 
große Form und sehr verschieden von jeder anderen.“ Herr 
Prout sandte mir leihweise aus dem Tring Museum ein @ vom 
gleichen Fundort, das der Type völlig gleicht. Es mißt aber 
nur 35 mm. Auffällig ist bei diesem die gelbbraune Tönung 
des sehr weit vorspringenden, äußeren Teils des Mittelfelds 
zusammen mit dem Postmedianband. Auf der Hil.-Unterseite 
ist die postmediane Linie scharf, fast spitzwinklig gebrochen 
und zeigen sich Andeutungen weißer, innen dunkel angelegter 
Submarginalflecke. Der Name kennzeichnet die auf allen Flügeln 
extreme cifrata-Zeichnung vorzüglich, weswegen die Art auch 
bisher meist als Subspezies dieser angesehen worden ist. 


17a. dentifera alexandrowskana Mats. 
1925, Journ. of the Colleg. Agricult. Hokkaido XV, S. 163. 


„Q Vorderflügel olivenbraun, mit schwärzlichbraunen und 
weißen Zeichnungen; antemedianes und medianes Band wellig, 
jedes auf dem Innenrand mit einem weißen Fleck; post- 
medianes Band stark wellig, am Innenrand mit weißen Fleck; 
innen drei längliche Makel einschließend bezw. in den Zwi- 
schenräumen 1, 2 und 3, und außen über der Zelle mit einem 
länglichen, bleich grauen Wisch; Submarginalband wellig, am 
Apex grauweiß, außen mit einigen schwärzlichen Flecken, 
die in den Zwischenräumen 5 und 6 besonders deutlich. 
Saumlinie dunkel, ziemlich breit; Fransen bleicher, in der 
Mitte mit dunkler Teilungslinie. Hinterflügel: dunkelgrau, 
ohne Spur eines Bandes. — Unterseite: gleichfarbig mit den 
Hinterflügeln; die vorderen mit einem breiten, bleicheren Band 
in der Submarginalgegend, das bei Rippe 4 eingebogen ist; 
Hil. mit einem welligen, schwarzbraunen Postmedianband und 
solchem Diskalfleck, erstere gewinkelt auf Rippe 3. Die innere 
Areola der Vorderflügel viel kleiner als die äußere. Spann- 
weite: ®@ 36 mm. Fundort: Nord-Sachalin (Alexandrowsk). 
1 9 gef. am 28. August. Form und Aeußeres erinnert etwas 
an cilrataL." Das 5' war bisher nicht beschrieben. 

Abb. 69 5 u. 709 zeigen zwei Stücke, ersteres J’ von 
Moupin, coll. Püngeler, letzteres @ von Kuku-nor, coll. Graeser 
Zool. Mus. Hamburg, die mit obiger Beschreibung der von Mat- 


— 275 — 


sumura als spec. nov. aufgestellten alexandrowskana durchaus 
übereinstimmen, nur ist die rauchig, graubraune Tönung der 
Gesamtflügelflächen etwas weniger olivbraun. Das 9 hat das 
Mittelfeld etwas grau aufgehellt mit großem, schwarzen, strich- 
förmigen Zellfleck. Sonst stimmt die Zeichnung, vor allem auch 
der Unterseite der Hfl. einerseits ganz mit dentifera Warren 
überein. Andererseits aber auch mit zwei kleineren Stücken, 
ec ö von Jachiaolin, Central-China, die mir Herr Prout liebens- 
würdigerweise zur Untersuchung sandte, und einer Dutzend- 
Serie 5” Q aus der Stötzner'schen Ausbeute von Szetschwan 
(Wassekou, Tatsienlu, Kwanhsien). Alle haben ein etwas aus- 
gedehnteres Basalfeld und schmälere, schärfer gezackte und ge- 
winkelte, graubraune Antemedianbinde, als die darunter abge- 
bildete citrata tibetana m. Nun hafteten durch einen überaus 
seltenen Glückszufall an dem einzigen dentifera Q, das mir vor- 
lag, die 5 Genitalien in copula, doch wohl gewaltsam vom Ab- 
domen getrennt, noch daran. Mit gütiger Erlaubnis von Dr. Jor- 
dan vom Brit. Museum gelang es mir, durch eine etwas schwie- 
rige Operation die Bursa des @ mit den 5’ Genitalien heraus- 
lösen und davon ein gut gelungenes Präparat anzufertigen. Dies 
gestattete die einwandfreie Feststellung, daß diese rauchgrau- 
braunen, ein wenig grau-oliv getönten chinesischen Stücke mit 
dentifera Warr. übereinstimmten und mit dieser eine von citrataL. 
durchaus verschiedene Art bilden. Somit ist alexandrowskana 
Mats. die nördliche Vertreterin der dentifera von Ost-Tibet durch 
China bis Sachalin. 

f. strigulata nom. coll. Während die beiden abgebildeten 
Stücke und wohl auch die Type Matsumuras eine braungrau- 
oliv getönte Mittelbinde zeigen, die sich von den beiden etwas 
lebhafter braunen Bändern wenig abhebt, hat ein Teil der west- 
und zentralchinesischen Stücke ein mehr schwarzbraun bestäub- 
tes Mittelfeld und Apex. \ 

f, marmorata nom. coll. sollen diejenigen Stücke bezeich- 
nen, bei denen der mittlere Teil des Mittelfelds weiß aufgehellt 
ist. Solche befinden sich unter dem Material der Stötzner'schen 
Ausbeute von Szetschwan in geringer Zahl und ähneln sehr 
cifrataL. Sie sind aber sofort als zu dentifera gehörig zu er- 
kennen durch den kräftigen Diskalstrich u. die eintönig bräunlich- 
rauchgrauen Hinterflügel. Die Genital-Untersuchung bestätigte 
die Zugehörigkeit. 

Größe: 5 16,5-18 mm Vfl-Länge u. 29-33 mm Spannweite. 


— 276 — 


 Genitalapparat: o (Taf. VII, 74) äußerlich deutlich 
verschieden von citrataL. Tegumen sehr schmal, Oberteil 
dagegen sehr breit, kurz, abgerundet; nur Uncusdorn am Ende 
nicht ausgesprochen kahnförmig, sondern lang und dünn wie 
bei fruncata Hfn. aber mit abgesetzter Spitze. Valven kurz 
und, fast gleichmäßig recht breit, mit schwachen Borsten. 
Penis (Taf. VI, 74) noch etwas länger, (1,64 mm lang u. 0,4Amm 
breit,) doch schlanker als bei citrataL. Dornenfeld spitz-oval 
angeordnet, (1,0 mm lang, 0,25 mm breit,) sehr charakteristisch 
auf einer Seite mit einer Reihe äußerst langer (0,56 mm) und 
starker (0,05 mm) Dornen, auf der anderen und zur Spitze hin 
mit zahlreicheren nur 0,27 mm langen, aber sehr feinen (0,025 mm) 
und spitzen Dornen. 

Q (Taf. IX, 81a). Dieses einzige mir bisher gelungene 
Copula-Präparat zeigt deutlich die Funktion des Genitalapparats 
beider Geschlechter. Der Hals der Bursa ist durch den, samt 
dem Dornenfeld ausgestülpten Schwellkörper des Penis erweitert. 
Die Dornen legen sich in die Falten des oberen, stärker chiti- 
nisierten Bursateiles. Hier, noch am Hals der Bursa befindet 
sich auf der einen Seite eine fast tütenförmige, halboffene, stark 
chitinisierte Falte, mit kleinen, schuppenförmigen Zähnchen be- 
setzt, die anscheinend dem Dornenfeld einen Halt gibt, und ihre 
Fortsetzung in dem Signum findet. Ich fand eine solche be- 
dornte Falte sonst bei keiner anderen Dystroma. Unterer Fal- 
tenrand dornenlos; das ziemlich lange (0,8—1,36 mm) Signum 
bis auf ein schmales Feld in der Mitte beiderseits dicht mit 
einer 6fachen Reihe Dornen besetzt, 0,25 mm breit und ganz 
ähnlich citrata L. 

Verbreitung: Typus (nicht mehr paläarktisch,) Nordwest- 
Indien, Sikkim, Ober-Burma. In der Subspezies von Tibet, 
China bis Sachalin. Anscheinend 2—3 Generationen, denn das 
& in coll. Püngeler ist im Juni, Matsumuras @ Ende August 
gefangen und Prout meldet Stücke von Ober-Burma (Lankhoung) 
vom 7. März. (Journ. of Bombay Nat. Hist. Soc. 1926.) 


18. D. tenebricosa m. spec. nov. 


{Abb. 80 u. 81). Das erste 5 dieser Art steckte als calamistrata 
Moore bestimmt unter den mir vom Senckenbergischen Museum 
aus der coll. Bastelberger für diese Arbeit zur Ansicht ge- 
sandten Faltern. Das 5 Nr. 81 erhielt ich zur Untersuchung 


— 277 — 


durch die freundliche Vermittlung Herrn L. B. Prout's vom Tring- 
Museum, London und hierdurch wurde der Irrtum Bastelberger's 
aufgeklärt. Beide Tiere gehören einer neuen Art an, die mit 
der vorigen kaum etwas zu tun hat und wegen ihrer auffällig 
düsteren Farbe tenebricosa m. heißen mag. 

Vorderflügel breit, mit braunschwarzem Basalfeld. Diesem 
folgt ein ebensolches antemedianes Band, das in der Mitte teil- 
weise rostbraun ausgefüllt und beiderseits weißlich eingefaßt ist. 
Diese weiße Einfassung ist an Costa und Hinterrand zu je zwei 
leuchtend weißen Punkten erweitert. Mittelfeld grauweiß, in 
Zeichnungsanlage und Verlauf wie bei /runcata Hfn., beiderseits 
von zwei breiten, schwarzgrauen Bändern eingefaßt, die innen 
durch je eine graue, gewellte Linie begrenzt werden. Vor der 
Costa sind beide breit schwarz verdunkelt. Außen ist das Mittel- 
feld weißlich gesäumt, besonders breit u. auffallend an der Costa 
bis etwa M,; auf diesem Verlauf zeigen sich 1—2 durch das 
Weiß sehr scharf hervorgehobenen Zähne, wie man sie als 
charakteristisch für i{runcata Hin. bezeichnet. Im Uebrigen sind 
die Vorsprünge stumpf und breit. Dahinter folgt ein deutliches, 
rostbraunes Postmedianband, saumwärts, besonders an der Costa, 
schwarzbraun verdunkelt, sodaß ein heller Costalwisch, wie etwa 
bei den folgenden Arten nicht vorhanden ist. Wellenlinie durch 
hellblaugraue Mondfleckchen angedeutet und nur im Analwinkel 
bläulich-weiß und zusammenhängend. Saumfeld schwarz oder 
schwarzgrau, dann mit einer Reihe tiefschwarzer Keilflecke, 

Hinterflügel einfarbig, düster graubraun, wie die vorde- 
ren mit schwarzbrauner, fleckig erweiterter Saumlinie. Fransen 
braungrau, dunkler gescheckt. 

Unterseite (Abb. 80a, 81a) leicht glänzend düster grau- 
braun wie die Hil.-Oberseite. Auf den Vorderflügeln nur ein 
breiter, weißlicher Costalileck, der sich als schmales, schmutzig 
weißes Postmedianband als äußere Begrenzung des dunklen 
Mittelfeldes fortsetzt. Hinterflügel hellgrau gesprenkelt, ohne 
Zellfleck, mit einem wenig deutlichen, dunkel braungrauen Post- 
medianband, das wie bei cifrata L. rechtwinklig gebrochen und 
außen schmutzigweiß gesaumt ist. Außerdem eine deutliche Reihe 
weißlicher Submarginalflecke. 

Kopf, Thorax dunkel braungrau, Abdomen wenig heller. 
Palpen ebenso, länger als bei den anderen Arten, 5 Fühler 
graubraun, gröber behaart und dadurch dicker als bei frun- 
cata Hin. 


— 278 — 


Spannweite: 34--38 mm bei 17—18,5 mm Vil.-Länge, eine 
ziemlich große Art. 

Genitalapparat: J (Taf. VII, 79): Sehr nahe .citrata L. 
Tegumen breit aber gestreckt, fast rechteckig, größer, der noch. 
breitere Oberteil ganz flach gewölbt. Scaphium auffallend kurz, 
nur bis °/, der Länge des Tegumens reichend. Uncusdorn lang, 
verhältnismäßig schmal, doch breit im Ansatz und Gelenk, ge- 
bogen und plötzlich in eine lange, dünne Spitze endigend. 
Anellus schmal, mit recht kleinen, etwas gestreckten, schmalen 
Borstenkissen mit langen, aber nicht sehr kräftigen Borsten. 
Valven lang und schmal, vom schmalen Ansatz an leicht ge- 
schwungen wenig breiter werdend und zum Ende verjüngt, die 
Innenfläche ziemlich gleichmäßig mit langen, dünnen Borsten 
besetzt. Penis (Taf. VI, 79) der citrata ähnlich, kräftig, mit 
1,76 mm länger und bei 0,42 mm Durchmesser schlanker; alle 
dünnhäutigen Teile des Schwellkörpers dicht fein gestachelt. 
Deutliche Dornen auch an dessen Basis unterhalb des Dornen- 
felds. Dieses selbst groß, 0,98 mm lang, 0,32 mm breit, '/, der 
Länge und !/, der Breite des Penisrohres einnehmend, mit zahl- 
reichen, 0,34 mm langen, spitzen und an der Basis auch kürzeren 
mit 0,032 mm im ganzen etwas dünneren Dornen, als citrataL. 
® konnte ich nicht untersuchen. 

Typen: 19 Darjeeling (Sikkim) in coll. Bastelberger, 
Senckenberg-Museum Frankfurt a.Main; 1 5 Tonglo, Sikkim, 
10000 Fuß, H. J. Elwes legit. 1886, Tring-Museum London, 
zus. mit 4 5, 1Q9 im Juli gelangen, dieses hat weitere Stücke 
von der Grenze u. Neapel (4000 m) und Bhutan; das Brit. Museum 
2,12 von Yatung, Tibet; 1 5 in coll. Joicey. 


19. D. fulvipennis Hampson 


1902, Journ. Bombay. Soc. XIV, S. 517. „J. Kopf, Thorax und 
Abdomen dunkelbraun, grau gemischt, Vorderflügel grau, dunkel- 
braun gesprenkelt und übergossen; ein antemedianes, rötliches 
Band ist auf der Submedianfalte eingeengt und von welligen 
grauen und dunklen Linien eingefaßt; das Mittelfeld mit schwärz- 
lichem Diskalpunkt und mit zwei welligen, schwärzlichen Linien, 
deren innere in der Zelle und Submedianfalte auswärts gewin- 
kelt ist, während die äußere schräg von der Costa bis Rippe 4 
zieht, hier spitz gewinkelt ist und’ dann zurückbiegt; eine dunkle 
postmediane Linie, mit schwärzlicher Uebergießung davor zwi- 


= 213 — 


schen Costa Rippe 4, schräg von der Costa bis Rippe 4 ziehend,, 
aber einwärts gewinkelt bei Rippe 6, schräg unter Rippe 4 und 
stark gezähnt auf Rippe 2, alsdann gerade und leicht gezähnt 
und mit einem grauen dann rötlichen Band darunter; eine mehr 
oder weniger unbestimmt gezähnte, graue Subterminallinie. — 
Hinterflügel hell rostrot, Basalhälfte dunkelbraun getönt; 
Unterseite mit Zellfleck und an Rippe 4 auswärts gewinkelter 
Mittellinie sowie einer feinen, dunklen Saumlinie. 

Q, Vorderflügel mit grauweißem Mittelfeld, ausgenommen 
die Postmediane vor der Costa. 

Habitat: Kashmir, Goorais Valley (Leech, Thompson). 

Größe: 40 mm. Type (Abb. 72 5) im Brit. Museum.” — 
September gef. 

f. flavidula Bastelbg. 1907, Berliner Entom. Zeitschr. 52, 
S,56 ist die weißbindige punctumnotata-Form dieser der citrataL. 
und dentifera Moore in der Zeichnungsanlage sehr ähnlichen, aber 
durch ihre rostroten Hinterflügel sehr auffallenden Art. Bastel- 
berger beschreibt ein 2 von Kashmir, 10400 Fuß hoch am 4.7.04 
gefangen, vom 34 mm Spannweite. Prout hat schon 1908 (loc. 
cit. S.42) auf die Synonymie mit fulvipennis, allerdings mit ?, 
hingewiesen. Die Beschreibung der gar nicht zu verwechselnden 
Art gibt dem recht; ich bin aber mit Prout gleicher Meinung, 
darin, daß der Name flavidula für die weißbindige Form erhal- 
ten bleiben kann. Es dürfte ein Zufall sein, daß dieses Bastel- 
berger'sche 2 und die 3 9 2 im Brit. Museum alle diese Fär- 
bung zeigen und erscheint deren Bindung an ein Geschlecht 
bei dieser fast bei allen Dystroma vorkommenden Variante nicht 
glaubhaft. — 

Die Abb. 72 der 5 Type Hampsons verdanke ich der Ver- 
mittlung Herrn Prouts und dem Britischen Museum. 

Der Genitalapparat wurde nicht untersucht. 


20. D. Korbi m. spec. nov. 


(Abb, 539, 549°, 53a, 54a). Diese bisher zweifellos verkannte, 
von Korb und Osthelder für latefasciata Stdgr., von Püngeler 
und Prout für citrata L. angesehene neue Art liegt mir aus 
mehreren Sammlungen vor und steckt auch, It. Mitteilung des 
Herrn Prout, in denen der Englischen Museen. Die helle, zarte 
Zeichnungsanlage ist ganz wie bei citrata L., etwas variabel, 
aber das breite.Mittelfeld fast ohne jede Linie oder Zeichnung, 


— 22802 


hellgrau bestäubt, oder weiß; an den beiden Seiten manchmal 
dunkler grau eingefaßt (hier dann beiderseits innen mit einer. 
feinen, grauen Begrenzungslinie wie bei dem 3’ Abb, 54), außen 
von der Costa bis an die Spitze des Vorsprungs schwärzlich- 
grau angelegt, weiß gesäumt und flach einwärts gebogen, glatt, 
ohne Zähnchen. Zuweilen ist das Mittelfeld an der Costa ver- 
schmälert und dann der Costalfleck besonders ausgedehnt. Zell- 
fleck sehr klein, punktförmig. Basalfeld gelbgrau, nach außen 
grau. Antemediane hell schmutzig-gelbbraun, ebenso das durch 
den Vorsprung leicht unterbrochene, postmediane Band. Costal- 
fleck hell gelbbraun, auffallend groß, meist über die hier ver- 
löschende weißliche Wellenlinie hinweg in den Apex reichend. 
Darunter ein schwärzlicher Apikalstrich. Saumfeld bläulichgrau 
mit einigen schwarzen Keililecken und weißlichen Bogen der 
Wellenlinie. Saumlinie schwarz, an den Adern zu Doppelpunkten 
verstärkt. Fransen hell schmutziggelb, schwach grau gescheckt. 
Hinterflügel gelblich grau, eintönig, die rechtwinklig gebrochene 
Postmediane nur selten deutlich. Unterseite (Abb. 53a, 54a) 
ziemlich hell, weißlich gelbgrau, Mittelfeld außen und Apex 
schwärzlichgrau, letzterer von der weißlichen Wellenlinie durch- 
zogen. Hinterflügel gelblich-weiß, grau bepudert, mit feinem, 
dunklen Zellpunkt und wie bei cifrata L. verlaufender Post- 
mediane. Submarginale oft undeutlich, weißlich, innen dunkler 
grau angelegt. 

f. punctumnotata nom. coll. Mittelfeld breit weißlich, nur 
an der Costa und an den Seiten fein grau bestäubt. (Abb. 54 J'). 

Größe: Jg 14,0—15 mm Vfl.-Länge und 26,5—27,5 mm 
Spannweite; © ein wenig größer, 16,0—17 mm Vil.-Länge und 
28,5—30 mm Spannweite. 

Genitalapparat: 5 (Taf.VIl, 22). Gedrungen, mit kurzen, 
aber verhältnismäßig breiten, am Ende stark abgerundeten Valven. 
Tegumen nach hinten stark verjüngt, Oberteil breit, Scaphium 
schlank und kurz. Uncusdorn kräftig, ziemlich kurz und ge- 
bogen, am Ende mit langer, hakenförmiger Spitze, Borsten- 
kissen des Anellus ziemlich breit, mit zahlreichen aber feinen 
Borsten. Penisrohr auffällig stark, gleichmäßig dick, 1,76 mm 
lang bei 0,53 mm Durchmesser (s. Taf. VI,22). Dornenield des 
Schwellkörpers nimmt mit 1,2 mm Länge und 0,4 mm Breite 
gut °/, der Länge u. Breite ein und ist das kräftigst entwickelte 
des Genus, mit einer sehr großen Zahl mittlerer, doch kräftiger, 
recht spitzer Dornen, die im Durchschnitt 0,35 mm lang und 


— 281 — 


0,032 mm dick sind. © (Taf.IX, 53). Bursa von allen übri- 
gen Arten völlig abweichend gebaut. Ein stärker chitinisierter, 
lang tütenförmiger, glatter, wenig längsgefalteter Teil nimmt auf 
einer Seite bis ziemlich weit nach unten etwa '/, des Bursa- 
umfanges ein. Aus ihr ist an den Bursahals anschließend seit- 
lich die sehr feinhäutige, große Bursula gebildet, während auf 
der anderen das cifrata L. sehr ähnlich gebaute, ziemlich ge- 
streckte Signum von 0,64 mm Länge und 0,16 mm Breite liegt, 
das bis auf die schmale Mittellängsfalte mit scharfen, spitzen 
Dornen besetzt ist. 

Verbreitung:- Amur, Wladiwostock (coll. Graeser), Japan 
(Jesso) coll. Püngeler leg. Leech, Ussuri-Gebiet (Kasakewitsch) 
leg. Korb 1907. Wurde bisher, auch von Püngeler, mit citralaL. 
und latefasciata Stdgr. verwechselt. 

Typen: JQ2 In coll. Mus. Hamburg, Mus. Berlin (Pün- 
geler, 1 5), coll. Osthelder, München, 5 9, und coll. m. — Die 
Art möge nach dem so verdienten deutschen Entomologen, der 
sie am Ussuri selbst sammelte, benannt werden. 


21. D. ochreogriseata m. spec. nov. 


(Abb. 62 5.) Das abgebildete einzige 5’ aus der Stötzner’schen 
Ausbeute stellte sich nach der Genitaluntersuchung als eine 
weitere Art der Gruppe mit schrägem Antemedianband heraus. 
Wegen gewisser Aehnlichkeit der Zeichnung und Farbe mit 
Korbi m. stelle ich sie hierher. Klein, alle Flügel haben einen 
seidigeen Glanz und zart weißlich ockerfarbenen Grundton. 
Vorderflügel: Basis grau. Die schräg verlaufende, etwa bei ’/- 
des Innenrands (von der Wurzel gerechnet) mündende Antemediane 
ist hellockerfarben, grau bestäubt, am Innenrand beiderseits weiß- 
lich gelb gefleckt. Mittelfeld dicht grau bepudert, vorn breit, 
ohne Linien, nach außen von der Costa bis zum Vorsprung 
breit schwarzgrau. Diskalpunkt sehr klein. Am Innenrand 
endigt das stark verschmälerte Mittelfeld in einen grauen, kaum 
1,5 mm breiten Fleck. Aeußerer Vorsprung sehr schräg, etwa 
nach dem Ende des oberen Drittels vom Außensaum verlaufend, 
weit vorspringend bis zur kaum durch weißliche Flecken an- 
gedeuteten Wellenlinien. Spitze des Vorsprungs breit und stumpf; 
dann schwingt die Begrenzung weit zurück bis fast zur Mitte 
des Innenrands. Hier zum Analwinkel ein deutlicher, außen 
durch die gezackte Wellenlinie begrenzter, ockerfarbener Fleck, 


— 282 — 


wie ihn ebenso cinereafa, japonica und proavia aulweisen. 
Das hellockergelbe Postmedianband in der Mitte unterbrochen. 
Costalwisch groß, hellockerbraun bis in den Apex ziehend wie 
Korbi m.; dieser schwarz geteilt, darunter das sehr schmale 
Saumfeld schwärzlich grau. Saumlinie schwarz punktiert. Fran- 
sen ockergelb, licht grau gescheckt. Hinterflügel: seidig grau- 
gelb, zur Wurzel hin heller, zeichnungslos. Saumlinie u. Fransen 
wie die oberen, doch etwas heller. Unterseite: weißgrau, 
mit hell ockerfarbenem Unterton. Die vorderen mit schrägem, 
grauen Halbband am Vorsprung des Mittelfelds und graubraunem 
Apex. Die hinteren mit graubräunlichem Zellfleck, und eben- 
solcher, undeutlicher, wie bei citrata gewinkelter Postmedianlinie, 
Stirn, Thorax, Leib schmutzig gelbgrau. Fühler ebenso, schwarz 
beschuppt. Palpen lang, gelbgrau, '/;mal länger als der Augen- 
durchmesser. 

Größe: Nur 26 mm Spannweite bei 14 mm Vil.-Länge. 

Genitalapparat: Das einzige Präparat gelang nicht gut, 
sodaß auf eine Gesamt-Abb. verzichtet wurde. Im Verhältnis 
mäßig groß. Valven sehr ähnlich wie planifasciata Prout, aber 
größer. Tegumen dagegen wie bei Korbi gebaut. Uncusdorn, 
in der Basis breit und kräftig, recht lang aber schmal, am Ende 
mit kurzem, spitzen Haken. Penisrohr (Taf. VI, 107) größer 
und kräftiger als bei planifasciata, 1,52 mm lang und 0,32 mm 
Durchmesser, gleich breit bis zur Spitze. Dornenfeld kräftig 
entwickelt, 0,72 mm lang u. 0,17 mm breit, mit starken, 0,23 mm 
langen und 0,02 mm dicken Dornen. 

Verbreitung: Bisher nur 1 5 aus Szetschwan, SW- a 
bekannt. leg. Stötzner. Zool. Mus. Dresden. 


22. D. planifasciata Prout 


1914, Seitz, Palaearkt. IV, S. 220, Abb. Taf. 13d. Ist die zweite 
der kleinen Untergruppe, bei der durch schrägen, nicht gewin- 
kelten Verlauf des antemedianen Bands das Mittelfeld nach dem 
Innenrand der Vfl. zu stark eingeschnürt wird, und hier seine 
geringste Breite erreicht. Basalfeld schmutzig gelbbraun, außen 
mit schmal grauem Band. Die schräge Antemediane bei dem 
mir von Herrn Prout freundlichst zur Untersuchung übersandten, 
recht kleinen 5, (Abb. 84) sehr klar, hell gelbbraun, weißlich 
eingefaßt. Mittelfeld ähnlich wie bei citrata gestaltet, breiter, 
glänzender, weiß, zuweilen mit leicht zartbraunem Ton (f. rufes- 


— 283 — 


cens nom. coll.), schmal dunkelgrau, außen vor der Costa jedoch 
breiter schwärzlichgrau eingefaßt. Außensaum des Mittelfelds 
wie bei Korbi m. bis zum Vorsprung glatt, kaum gezackt, Diskal- 
punkt wie bei citrata, schwarz. Costalwisch und postmedianes 
Band hell gelbbraun, außen vor dem Apex und dem Analwinke 
dunkelbraun angelegt. Außenfeld sehr schwach gezeichnet. 
Hinterflügel grau bis weißlichgrau, glänzend, kaum gezeichnet. 
Fransen schwach, kaum dunkel gefleckt. Unterseite: eben- 
falls slänzender, mit gelblichem Ton, Postmediane der Vfl. 
mehr nach außen gelegen als bei vielen cifrata, nicht vor der 
2. Radialis gekerbt. Die Postmediane der Hfl. undeutlich, grau, 
rechtwinklig gebrochen. Im ganzen ist, bis auf die schräge 
Antemediane der Vil. eine gewisse, größere Aehnlichkeit mit 
flavifusa Warren augenscheinlich. 


Genitalapparat: 9 (Taf. VII, 77.) Da die Art sehr selten 
und erst in wenigen Stücken bekannt ist, bin ich Herrn Prout 
besonders dankbar, wenigsten das 5 untersuchen zu können, 
Sehr charakteristisch, klein und gedrungen gebaut. Valven 
verhältnismäßig groß, am Ansatz schmal, leicht geschwungen 
breiter werdend und am Ende sich verjüngend abgerundet. 
Tegumen sehr klein, nach hinten stark verschmälert; Oberteil 
schmal und lang, fast das ganze Unterteil bedeckend, das im 
Längsschnitt des Präparats einen schmalen, gradlinig begrenzten 
Pyramidenstumpf bildet. Uncusdorn kurz, aber auffällig breit 
und kräftig, erst an der Spitze plötzlich verjüngt mit abgesetz- 
tem Haken. Valven und die Borstenkissen des Anellus innen 
in ziemlich großer Ausdehnung mit recht feinen Borsten besetzt. 
Penisrohr (Taf. VI, 77) klein, mit 1,17 mm Länge und 0,26 mm 
Breite zierlich, doch gleichmäßig dick. Dornenfeld mit 0,08 mm 
schmal, mit 0,64 mm die halbe Länge des Penis einnehmend, 
anscheinend in zwei Reihen mit mäßig langen, doch verhältnis- 
mäßig dicken und stumpfen Dornen besetzt, die 0,17—0,2 mm 
lang und 0,02 bis 0,025 mm Durchmesser aufweisen. 

Verbreitung: Nur von Kaschmir bekannt. Prouts Typen 
stammen von Koksar (Juli bis Sept... Das mir vorliegende Zwerg 
Jg vom Tal Goorais, 7000 Fuß, vom Juni, also doch wohl zwei 
Generationen. — Prout hielt 1908 (loc. cit. S.57) diese Art noch 
für latefasciata Stdgr. selır nahestehend, was aber nicht zutrifft. 


— 2 — 


23. D. singularia m. spec. nov. 


Abb. 67 5 In coli. Püngeler (Zool. Mus. Berlin) steckte unter volu- 
fata Prout das abgebildete /', das zweifellos einer neuen, recht sel- 
tenen Art angehört. Nach Herrn Prouts Mitteilung ihm aus den 
englischen Museen nicht bekannt. Sehr auffallend durch die 
charakteristische klare Zeichnung, und fast eintönige, grau-oliv- 
farbene Vorderflügel. Basalfeld derselben recht breit, schmutzig- 
gelbgrau, mit grau-olivfarbenen Linien. Außen durch die ganz 
schräg zur Mitte des Innenrands ziehende Antemediane begrenzt 
und an dieser zwei scharfe, saumwärts gerichtete Winkel bildend. 
Die Antemediane selbst hellgelblich-olivgrau, weißlich und fein 
dunkler einsefaßt, ziemlich breit, mit einem schwarzen Keilfleck 
am Innenrand. Das Mittelfeld, in der Farbe dunkler olivgrau, 
an der Costa um den feinen Diskalpunkt herum aufgehellt, 
beiderseits mit dunkleren Linien, ist breit und nimmt am Vorder- 
rand noch gut !/, desselben ein, wird dann aber durch die 
schräge Antemediane am Innenrand trichterlörmig zu einem 
ca. 1,5 mm breiten dunklen Fleck eingeschnürt. Sein Außen- 
saum ist an der Costa wenig eingebogen, hier mit kleinem, 
weißlichen Costalwisch, der Vorsprung ist breit abgerundet. Von 
da ab bis zum Innenrand mit gleichmäßigen Einkerbungen und 
rundlichen Vorsprüngen. Postmediane am Mittelfeld fein weiß- 
lich, dann grauoliv mit bräunlichem Ton, davor die sehr gleich- 
mäßige, feine, weiße Wellenlinie. Saumfeld schmal, dunkler grau, 
mit ebensolchem Schrägstrich im Apex und schwachen, schwärz- 
lichen Keilflecken. Hinterflügel glänzend schmutzig weiß, am 
Saum leicht grau bestäubt mit graubrauner Saumlinie und durch- 
scheinender Postmedianlinie. Fransen schwach grau gefleckt. 
Unterseite (75a): grau, jedenfalls sehr charakteristisch ge- 
zeichnet. Auf allen vier Flügeln bildet die ungezackte, dunkel- 
graue Postmedianlinie einen stumpfwinkligen, abgerundeten Vor- 
sprung, der auf den Hfl. fast bogenförmig verläuft. Nach außen 
ist sie grauweiß angelegt. Saumfeld grau, im Apex der Vfl. 
einige Zacken der weißlichen Wellenlinie. Die vier Diskalpunkte 
klein, grau. 


Größe: Vfl.-Länge 14 mm, Spannweite 24,5 mm. 


Type. 1 9 Tibet, Kuku-nor, von Tancre erhalten in coll. 
Püngeler Zool. Mus. Berlin. Das einzige, bisher bekannte Stück. 


Genitalapparat wurde nicht untersucht. 


= 285 — 


24. D. corussaria Oberthür 


1880, Etud. Ent.V, S.55, Taf. 9 Fig. 7. (Abb. 66 5,) Eine ziem- 
lich gelungene Abbildung dieser leicht kenntlichen Art ist im 
Seitz IV. Taf. 8k gegeben. Basalfeld graugelb bis braun. Die 
schräge Antemediane ockergelb, wurzelwärts mit 2 leichten Ein- 
kerbungen. Gegen das Mittelfeld bildet sie in der Mitte, an 
dem gemeinsamen Ast der Rippen C, u. C, einen Winkel, der 
häufig zu einem langen, tief in das Mittelfeld eindringenden 
Zahn ausgebildet ist. Mittelfeld breit, am Vorderrand gut °/s 
desselben einnehmend, dann durch die schräge Antemediane 
stark eingeschnürt und am Innenrand in einen 2—3 mm breiten, 
fast rechteckigen, schwärzlichen Fleck endigend, der beiderseits 
weißlich eingefaßt ist. Farbe des Mittelfelds weiß (= f. punctum- 
nofata nom. coll.), hellgrau bestäubt oder auch dunkler grau, 
beiderseits von einem feinen, an der Costa verbreiterten dunkel- 
grauen Band eingefaßt, nach außen zum Costalwisch auf Rippe 
M, mit einem kräftigen Zahn. Diskalpunkt fein, schwärzlich. 
Sehr charakteristisch ist ein meist sehr deutlicher, weißlich- 
grauer Wisch, der längs der Falte unterhalb des großen Vor- 
sprungs vom Mittelfeld bis zum Außensaum zieht, das ocker- 
braune Postmedianband, die Wellenlinie und das bläulichgraue 
Saumfeld unterbrechend. Dieser Wisch fehlt bei den dunkler 
grau bestäubten Stücken, ist am auffälligsten bei der weißbin- 
digen Form und findet sich auch mitunter bei den europäischen 
Dystroma leicht, aber nie so augenfällig, angedeutet. Costal- 
wisch schön ockergelb bis ockerbraun. Unterseite (66a) weiß- 
lich grau, von der Postmediane ab gelblich getönt. Die äußere 
Begrenzung des Mittelfelds der Vil. bildet ein doppeltes, an der 
Costa verstärktes, dunkelgraues Band. Das im Apex besonders 
dunkle, graue Saumfeld wird hier ebenfalls von dem weißen 
Querwisch zwischen M, und C, durchbrochen. Hil. weißlich 
gelbgrau, grau bepudert, mit einer wenig eingekerbten aber wie 
bei citrata L. geformten Postmedianlinie. Alle Diskalpunkte deut- 
lich, schwarzgrau. Saumlinie gestrichelt. Fransen deutlich grau 
gescheckt. 

Größe: 16—17 mm Vfl.-Länge, 30—32,5 mm Spannweite. 


Genitalapparat: In beiden Geschlechtern sehr ab- 
weichend und verschieden von allen übrigen Dystroma-Spezies 
gebaut und somit das Tier als philogenetisch schon recht alte, 
selbständige Art kennzeichnend. 5 (Taf. VII. 21). Insgesamt 


— 286 — 


sehr groß und breit, was schon durch die breite Anlage der 
Basis und des Anellus bedingt wird. Tegumen breit, Ober- 
teil fast flachkugelig, stark gekörnelt, Unterteil nach hinten ver- 
jüngt. Uncusdorn sehr kräftig, breit, dann verjüngt, am Ende 
fast löffelförmig mit angesetzter Spitze. Valven ganz ab- 
weichend breit und kurz, Dorsal mit bauchig vorspringendem, 
chitinverstärktem Saum, der in der Mitte oben mit einem kräf- 
tigen Zahn endigt. Dadurch die einzige Dystroma, die äußer- 
lich, nur mit der Lupe, morphologisch bestimmt werden kann. 
Penisrohr (Taf. VI, 21) mit 1,74 mm Länge und 0,4 mm 
Durchmesser sehr lang, kräftig, zur Spitze breiter werdend, hier 
stark fein gezähnt. Das 0,64 mm lange und 0,21 mm breite 
Dornenfeld des Schwellkörpers mit nur 7, an Größe ungleichen, 
zum Teil aber sehr langen und kräftigen Dornen, wie sie sonst 
kaum von dentifera Moore erreicht werden. Größter Dorn mißt 
0,59 mm bei 0,056 mm Durchmesser. © (Taf. IX, 21a) als einzige 
aller Dystroma mit festem, durch kräftige Chitinränder und 
-Falten verstärktem Ostium bursae (Taf. IX. 21a bis). Bursa 
groß, im oberen Teil verstärkt mit einem sehr abweichenden, 
aus spiralig angeordneten, spitzen Chitinschuppen bestehendem 
Signum; das Ganze bildet einen, nach außen durch Verringe- 
rung der Schuppen allmählich verschwindenden, 1,76 mm im 
Durchmesser betragenden, rundlichen Fleck. Als wohl sehr selte- 
nen Fall fand ich im inneren Teil der Bursa ein abgebrochenes, 
wohl mit dem Sperma hineingespültes Stück eines Dorns des 
oJ Schwellkörpers, wie eingezeichnet. Die Möglichkeit des Ab- 
brechens dieser Dornen besteht eben nur bei dem schon im 
Vorwort erläuterten Ausstülpen des gesamten Schwellkörpers 
mit seinem Dornenfeld während und zur eigentlichen Copula. 

Verbreitung: Südost-Sibirien, Ussuri-, Amurgebiet, Wla- 
diwostock, Süd-Sachalin (Matsumura), Japan, China (Che-tou, 
10000 Fuß) in coll. Püngeler, Juli— August gefangen. 


25. D. albiangulata Warren 


1893, Proceed. Zool. Soc. p. 373.') nt O Vorderflüsel tief dun- 
kelbraun oder schwärzlich, unterbrochen mit tief lohfarbig; letztere 


1) Die an gleicher Stelle von Warren auch als Polyphasia beschriebene 
albiseriata Warr. ist keine Dystroma Hbn., sondern steht nach Zeichnung 
wie Genitalapparat, den ich an einem mir durch Herrn Prout zur Verfügung 
gestellten 5’ untersuchen konnte, der caesiata Schiff., d. h. der Untersstlung 
Enthephria Hbn. nahe. 


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Erklärung zu Tafel V. 


Genitalapparate von 5 und 9 


zu truncata Hfn. (1), dazu Präparate 1, 2, 2a u. 6a, 
und zu citrata_L. (16), dazu Präparate 3, 7a und 42, 


Beim J: An= Anellus; 

Vv — Valven; 

to —= Tegumen-Oberteil; 

tu = Tegumen-Ünterteil; 

Sc—= Scaphium; 
U= Uncusdorn; 
P==Penisrohr; 

D = Dornenfeld; 

Schw = Schwellkörper (Vesica u. Pierce); 


beim 9%: Bh= Bursahals; 
Bb = Bursula; 
Fs = Faltensaum; 
Si= Signum (Lamina dentata). 


Etwa 30mal vergrößert. 
Gezeichnet mit Abbe’schem Apparat nach eig. Präparaten v. Verf. 


Tafel V. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


Tafel VI. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


Tafel VII 


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Erklärung | 


zu Taiel X. 


D. truncata Hin. und citrata L. 
(wo nicht angegeben in coll, Heydemann),. 


Figur 

1 truncata Hin. typ. Form, 9, Kiel. 

2 n n hs % EL 

3 5 f. centumnotata Schulze ©, Ostpreußen. 

4 u 5 N &. Erzgebirge. 

5 f. tysfjordensis Strand d. Kiel. 

6 f. perfuscata Haw. SER: 

7 concinnata Steph. Q, Arran 

8 2 So 

9 truncata Hin. f. nigerrimata Fuchs 9, Kiel 

10 H „ Enigrobrunneata Heyd. J, „ 

11 u „ E mut. rufescens Ström. 9, 

12 2 es imixtaProut ee 

13 citrata L. typ. Form Den 

14 Een, in en SL 

15 „ E marmorata Fabr. &, Wien. 

16 „ E punctumnolata Haw. 9, S.-England. 

17 ; Hi &', Nottingham. 

18 h # oJ, Nord-Tirol, coll. Osthelder. 
19 f. griseonotata Lange 2, Kiel. 

20 # n H oJ‘, Bayr. Alpen, coll. Osthelder. 
21 $. marmorata Fabr. ©, Reading, N.-England. 
22 subsp. pythonnissata Mill. Q, Shetlands-Inseln. 

23 „ $ strigulata Fabr. d', Kiel. 

24 „ #. nigricans Prout 


(= nigerrima Schaw. 


g' Type) Calalco, coll, Kautz. 


Tafel X. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


21539213 


Erklärung zu Taiel XI. 


Fig. 1a bis 12a Unterseiten derselben truncata Hin. Stücke. 


„ 13a bis 24a Unterseiten N) citrata L. Stücke. 


Tafel XL 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


a Pe a ar | y% 
u) ERTEILEN 
’ 


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DICH 5 N VLAA ER % E H Fi 
a N BET FL TEN ie 


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a ee SEP HE Sa 4 { 


Erklärung zu Tafel XIL 


Figur 

25 truncata Hin. aberr. Q, Kiel. coll, Heyd. 

26 A hr III. Gen. dd. Kiel. coll. Heyd. 

27 vE II. Gen. Zwerg 9", Kiel. coll, Heyd. 

28 concinnata Steph. Q,Arran, coll.Püngeler, 
Mus. Berlin. 

29 citrata_L. typ. Form, aberr. Hinterfl.-Geäder Q,Petropolis, Museum 
Hamburg. 

30 I f, strigulata Fabr., Geäder aberr. o', Kiel. coll. Heyd. 

31 H f. simpliciata WIkr. Q, Kurland,Mus.Berlin, 

32 n subsp. pythonnissata Mill. &', Shetland, Mus,Ham- 
burg. 

33 a f, incompleta Culot Q, England, Mus. Ham- 
burg. 

34 subsp. islandicaria f. ferruginea Prout Q, Shetland, Mus.Ham- 
burg. 

35 h subsp. islandicariam. f.strigulata nom.coll.g', Island. Mus. Ham- 
burg. 

36 2 # e f. thingvallata Stdgr. S'. Cotype, coll. Pün- 
geler. 

37 iniuscata Tengstr. Q, Lachta, Finnl., coll, 
Mus. Hamburg. 

38 e e &. Lachta, Finnl,, coll, 
Mus. Hamburg. 

39 N g, Ural, coll, Püngeler, 
Mus. Hamburg. 

40 subsp. nyiwonis Mats. &', Transbaikal. coll. 
Heydemann. 

41 latefasciata Stdgr. f. perfuscata nom. coll. Q,Kentei, coll. Mus. 
Hamburg. 

42 h an d', Type, coll. Staudin- 
ger. 

43 h f. mixta nom. coll. So, Transbaikal. coll. 
Heydemann. 

44 en f. rufescens nom. coll. og, Type, coll, Staudin- 
ger. 

45 truncata Hin. subsp. fransbaicalensis m. Q, Transbaikal. coll, 
Heydemann. 

46 Re kr N, is f. rufescens 9, Transbaikal, coll, 
Heydemann. 

47 imitaria m. f. perfuscata nom. coll. 9 ‚Type Kuku-nor, coll. 


48 


„ Spec. nov. 


Mus. Hamburg. 


0 ,Type Kuku-nor, coll. 


Mus. Hamburg. 


Tafel XII. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


t re 
ir FR 


ir Fr Dr 


BT Br 
DR 


EM 


Krane 


#7 73 
y Sy Ee 


Erklärung zu Tafel XI. 


Figur 
49 truncata Hin. subsp. sinensis m. 


50 imitaria m. f. rufescens nom. coll, 
51 fumata Bastelberger 

52 japonica m. spec. nov. 

53 Korbi m. spec. nov. 

54 ö6 r " 

55 citrataL. f. griseonotata Lg. 

56 jiumata Bastelberger 

57 pseudimmanata m. spec. nov. 
38 = 2 06 


59 citrata L. subsp. septentrionata m. 


f. strigulata nom. coll. 


60 n subsp. septentrionata m. 
61 % subsp. 

62 ochreogriseata m. spec. nov. 

63 volutata Prout 

64 ” " 

65 dentifera Warren 


66 corussaria Obth. 


67 singularia m. spec. nov. 


DO, Szetschwan, Type coll. 
Mus. Dresden. 


9, Type coll. Püng. Mus. 


Berlin. 


J', Formosa, coll. Heyd. 


O, Japan, Typecoll.Püng. 
Mus, Berlin. 


O, Ussuri, Type coll. Mus, 
Hamburg. 


og, Japan, Type coll.Püng, 
Mus. Berlin. 


Q, Japan, Type coll.Püng. 
Mus. Berlin. 


Q,Formosa, Arizan, Type 
coll.Senckenb.-Mus. 


© ‚Transbaikal, coll.‚Heyd. 


ei Sajan-Gebg. „ „ 


3 Sajan-Gebs. 2 no 
g. Sajan-Gebg. „ u 


O,Labrador, coll. Mus. 


Hamburg. 
d , Szetschwan, Stötzner- 
Exp.. coll. Dresden. 


d'. Tibet (Paratype) coll, 


Mus. Berlin. 

d, Kuku-nor, coll. Mus. 
Hamburg. 

O, Darjeeling, Type, coll. 
Brit. Mas. 


9, Amur centr., coll.Pün- 
geler, Mus. Berlin. 

5, Tibet, coll, Püngeler, 
Mus. Berlin. 


68 brunneata Packard (= suspectata Möschler, Cotype (‘) coll, Staudinger. 


69 dentiiera subsp. alexandrowskana Mats, 
70 [zZ] „ [A [2 
71 citrata L., subsp. fibefana m. subsp. nov. 


72 fulvipennis Hampson 


d. Moupin, coll, Püngeler 


Mus. Berlin. 
©,Kuku-nor, coll. Mus. 
Hamburg. 
Kuku-nor, coll, Mus. 
Hamburg. 


5,Kashmir, Type, coll. 
Brit. Mus. London. 


Tafel XIIL 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929, 


aa Ha en 
an ER 


se 


TEE 


he 


Erklärung zu Taiel XIV. 


(Unterseiten.) 
Figur 
38a infuscata Tengstr. SS Be 
urg. 

39a e 7 d', Ural centr., coll, Püng. 
Mus. Berlin. 

45a truncata Hfn. subsp. transbaicalensis m. ® Baikalmont.coll.Heyd. 

46a ib e h f, rufescens Q ‚Baikalmont.coll.Heyd. 

41a latefasciata Stdgr. Q ‚Kentey, coll. Mus.Ham- 
burg. 

43a n f, mixta nom. coll. &', Sajan mont.coll,Heyd. 

47a imitaria m. f, perfuscata nom. coll, ©,Kuku-nor, Mus. Ham- 
burg. 

50a 1 f. rufescens nom. coll, 9,Kuku-nor, coll. Püng. 
Mus. Berlin. 

51a fumata Bastelberger d. Formosa, coll. Heyd. 

52a japonica m. spec. nov. Q,Japan, coll. Püngeler, 
Mus. Berlin. 

53a Korbi m. spec. nov. 9 ‚Wladiwostok,coll.Mus. 
Hamburg. 

DA On; ee Jg‘, Japan, coll. Püngeler, 
Mus. Berlin. 

57a pseudimmanata m. spec. nov. ! Q,Sajan mont. coll,Heyd. 

60a citrata L. subsp. septentrionata m. d'. Baikalmont.coll Heyd. 

59a # ” f. strigulata o',Sajan mont.coll.Heyd. 

32a “ subsp. pythonnissata Mill. d', Shetland, coll. Mus, 
Hamburg. 

28a concinnata Steph. Q,Arran, coll, Püngeler, 
Mus. Berlin. 

61a citrata L. subsp. Q,Labrador, coll, Mus. 
Hamburg. 

66a corussaria Obth. Q,Amur, coll. Heyd. 

67a singularia m, spec. nov. d', Tibet, coll, Püngeler, 
Mus. Berlin. 

63a volutata Prout d'. Tibet, Paratype, Püng. 
Mus. Berlin. 

64a „ Y &', Kuku-nor, coll. Mus. 
Hamburg. 

71a citrata L. subsp. fibetana m. &, Kuku-nor, coll. Mus. 
Hamburg. 


69a dentifera Warr. subsp. alexandrowskana Mats. 5’, Moupin, coll. Museum 
Berlin. 


Tafel XIV. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


Eu 


ER 
Re, 
x 


Figur 


73 


74 


84 


75 


16 


77 


18 


78) 


80 


81 


82 


83 


13a 


74a 


15a 


16a 


18a 


19a 


68a 


80a 


8la 


82a 


Erklärung zu Taiel XV. 


proavia m. spec. nov. 


Q,Szetschwan, coll. Mus. 
Dresden. 


calamistrata Moore (= scalata Bastelb.,Paratype) @, coll. Senckenbg. Mus, 


planifasciata Prout 


flavifusa Warren-Heyd. f. centumnotatanom. coll. 


cinereata Moore 


japonica m. spec, nov. 
subapicaria Moore 


tenebricosa m. spec. nov. 


incolorata m. spec. nov. 


albiangulata Warren 


calamistrata Moore 

Lu} „ 
planifasciata Prout 
cinereata Moore 
japonica m. spec. nov. 


subapicaria Moore 


Oo. Kashmir, coll, Heyd. 
o', coll. Mus. Tring. 


d,Formosa, coll.Bastelb,, 
Senckenbg. Mus. 


Q,Formosa, coll.Bastelb., 
Senckenbg. Mus, 


&', Japan, coll. Heyd. 
9, Darjeeling, coll. Heyd. 


&, Darjeeling, coll. Senc- 
kenberg. Mus. 


o', Tonglo, coll.Mus.Tring. 
9, Sikkim,coll.Mus.Tring. 


&', Tonglo, Sikkim, coll, 
Brit. Mus. London. 


d', Formosa, coll.Bastelb,, 
Senckenberg. Mus. 


Q,Formosa, coll.Bastelb,, 
Senckenberg. Mus. 


&, Kashmir, coll, Heyd, 
Q,Formosa, coll.Bastelb,, 

Senckenberg. Mus. 
d&', Japan. coll. Heyd. 


D, Darjeeling, coll, Heyd. 


brunneata Packard (=suspectata Möschler, Paratype) 5", coll. Staudinger. 


tenebricosa m. spec. nov. 


sr [X 


incolorata m. spec. nov. 


&., Darjeeling, coll. Senc- 


kenberg. Mus, 
&',Tonglo, coll.Mus.Tring. 


d', Sikkim,coll.Mus,Tring. 


Tat. XV. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


—, sl — 


Tönung bildet ein mehr oder weniger ausgeprägtes Band beider- 
seits des Mittelfelds; Basalraum dunkel, an seiner unteren Hälfte 
fein aber verdunkelt weißlich gesäumt; Mittelfeld von einer sehr 
auffallend gezeichneten, zweimal spitz gewinkelten, dicken weißen 
Linie eingefaßt, die in ihrer oberen Hälfte unregelmäßig, ein- 
wärts gezahnt ist und am Innenrand in einen nach auswärts 
offenen Bogen endigt. Von der Costa zieht sich in der Mitte 
des Mittelfelds eine dicke weiße Linie parallel zu dem oberen 
Arm, erreicht aber nicht ganz den unteren Arm der erwähnten 
weißen Linie, die das Feld besäumt; Saumfeld schwärzlich, 
durchzogen von einer stumpf gezähnelten, feinen, lilagrauen 
Sukmarginallinie. Fransen rostfarben und schwärzlich gescheckt. 
Hinterflügel dunkelgrau, mit lohfarbigen Fransen, die dunkler 
unterbrochen sind. Unterseite dunkelgrau, die weißen Zeich- 
nungen sind angedeutet. 

Flügelspannung: 40 mm. Habitat Sikkim. Dies ist eine 
sehr auffallende Form und wie es scheint, was die weißen Zeich- 
nungen angeht, gibt es bei den von mir gesehenen Exemplaren 
keine Variabilität. Ob sie als eigene Art aufzufassen ist oder 
nur als eine der vielen Varietäten des indischen Zweiges der 
P, russata, muß ich späterer Erfahrung zur Entscheidung über- 
lassen.“ H.J. Elwes fing 2 Stücke an der Grenze nach Nepal 
11000 und 13000 Fuß hoch im Juli—August. Ein weiteres im 
Brit. Museum erwähnt Prout von Yatung, Tibet. Das mir zur 
Abbildung (83 5) freundlichst zur Verfügung gestellte 5 dieser 
sehr seltenen, höchst eigenartigen Spezies stammt von Tonglo 
(Sikkim) 10000 Fuß. Soweit ich mit der Lupe unter Xylol- 
benutzung den weitgeöffneten Genitalapparat untersuchen kann, 
gehört albiangulata hierher. In der düsteren Färbung steht sie 
der fenebricosa m. nahe, zeigt aber in der Anlage der tiefrost- 
braunen Antemedianbinde auch gewisse Anklänge an corussaria. 
Die Postmedianlinie der Unterseite der Hil. ist wie bei cifrafra L. 
rechtwinklig gebrochen. Die weißen Zeichnungen, die die Ab- 
bildung gut wiedergibt, stellen die Art jedoch ganz abseits, 
sodaß ich sie an den Schluß der Untergattung setze. albian- 
gulata Warren ist mit keiner anderen Spezies zu verwechseln. 
Bisher sind nur wenige Stücke bekannt. Die Typen wie auch 
das abgebildete Stück befinden sich im Brit. Museum, London. 


— 288 — 


Obgleich der Nordamerikanischen Fauna angehörig, sei hier 
noch anhangsweise die folgende Art kurz besprochen und ab- 
gebildet, da sie auch im Seitz aufgeführt und irrtümlich von 
Belgien erwähnt wird. 


D. brunneata Packard 


1866. Proceed. Boston Ent. Soc. p. 47/48. (= syn. suspectata 
Möschler, 1874, Stett. Ent. Zeitschr. p. 160.) Die Originalbeschrei- 
bung lautet in deutscher Uebersetzung: „Diese gute Art ist mit 
ihren langen, schlanken, spitzen Flügeln, ungewöhnlich schrägem 
Außensaum und mit ihrer besonderen Zeichnung mit C. russata 
verwandt, obgleich sehr viel kleiner. Sie kann leicht durch die 
zwei breiten braunen Bänder erkannt werden, die an den Rän- 
dern unregelmäßig sind. 


Sg Fühler fadenförmig, lang, schlank, Basalpunkt weiß. 
Palpen kurz und schmal. Stirn grau mit dunklen Schuppen. 
Ebenso der Thorax; Leib bleicher grau. Flügel ganz einförmig 
dunkel aschfarbig; eine unregelmäßig, subbasale braune Binde, 
weiß an der Costa, und unten weißlich gesäumt; ein breites, 
mittleres, dunkelgraues Band, dreimal so breit an der Costa als 
am Innenrand, mit unregelmäßiger Zähnung an jeder Seite; an 
der inneren ein großer Zahn nahe dem Innenrand des Flügels; 
am äußeren Saum befindet sich ein großer Zahn an der ersten 
Mittelrippe.. Außen ein breites, braunes Band, ähnlich dem 
inneren, in der Mitte durch den großen Zahn des Mittelbands 
verengt, gesäumt von einer bleicheren Linie von spitzen Flecken 
und schwärzlich an der Costa; ein kleiner, verloschener, bleicher . 
Apikalstrich; schwarze Flecken am Saum wie gewöhnlich; Fran- 
sen dunkel; kein Diskalpunkt; auf den bleichen Hinterflügeln 
ein Diskalpunkt mit zwei nach außen gekrümmten Submarginal- 
linien. Unten bleicher, etwas gelblich im Außendrittel der Vil. 
gleich der ganzen Fläche der hinteren, die ein dunkles, sub- 
medianes Band mit einem sehr deutlichen Fleck auf der Costa 
zeigen. Fransen bleich, unterbrochen dunkel. Beine dunkel, 
weiß gebändert. Körperlänge 0,35, die der Vorderflügel 0,45 
Zoll. Sie ist zu erkennen an ihren inneren und äußeren breiten, 
braunen Bändern, außen weiß gesäumt, das Innere weiß, das 
Aeußere schwarz an der Costa. Caribou Island, Mündung des 
Eskimoflusses, 3. August.“ 


— 289 — 


Herr Bang-Haas stellte mir hierzu leihweise das unter 
Nr. 68 und 68a erstmalig abgebildete 5, eine Paratype der 
suspectata Möschler aus dessen Sammlung, jetzt in coll. Stau- 
dinger, zur Verfügung. Dieses wie auch die langatmige Be- 
schreibung, die Möschler von seiner suspectata gibt, stimmen 
so mit obiger Packards überein, daß Prout im Seitz mit vol- 
lem Recht brunneata Pack. = suspectata Möschler setzt. Die 
Flügelform scheint, wie ja auch bei cifrata L. etwas zu variieren, 
denn so auffällig spitzflügelig ist das abgebildete Stück gerade 
nicht. Dieses mißt 22 mm Spannweite bei 12,5 mm Vorderflügel- 
Länge, ziemlich genau den Angaben Packards über sein 5 
entsprechend. Dagegen scheinen die P Q größer zu sein, weil 
Möschler seine 2 @ © mit 34—35 mm Spannweite und 8 mm 
Vfl,-Breite angibt mit dem Fundort: südl. Labrador, 55° 35° 
nördl. Breite. Herr Bang-Haas schreibt, daß alle Stücke so 
klein seien, wie das abgebildete. brunneata Pack. gehört auch 
in die Gruppe mit schräg bis fast zur Mitte des Innenrands 
ziehendem Antemedianband, wodurch das Mittelfeld dort die 
charakteristische Einengung erfährt. Die Bänder sind matt rost- 
braun, Basal-, Mittel- und Außenfeld schiefergrau. Hfl. weiß- 
lich grau, Zellileck und Postmediane grau, letztere stumpf ge- 
brochen; hinter dieser noch ein breites, aber verloschenes, bräun- 
lich-graues Submarginalband und sehr deutlich grau gescheckte 
Fransen. Unterseite (68a) besonders charakteristisch, vor allem 
die äußere Begrenzung des Mittelfelds. Auf allen 4 Flügeln 
sind die Submarginalbinden auffällig gelbbräunlich, grau be- 
stäubt, ebenso das Abdomen. 

Alle diese Eigentümlichkeiten unterscheiden die Art von 
jeder anderen Dystroma deutlich. Sie ist aus dem Paläarkti- 
schen Gebiet nicht bekannt und die Angabe Haverkampf’s eines 
5 von Bodeghem, Belgien (Ann. Soc. Ent. Belg.I p. 158) zweifel- 
los irrig, sodaß sie für unser Gebiet (auch aus dem Staudinger- 
Katalog) zu streichen ist. 


Ba 


Zusammeniassung. 


Prout führt in seiner zitierten Literatur-Uebersicht aus 
Nordamerika noch folgende Dystroma-Arten an: fraversata Kelli- 
cott, mulleolata Hulst, atfrifasciata Hulst. Ferner sind in dieser 
Arbeit nicht besprochen worden die rein indischen: D. cuneifera 


— 290 — 


Warren von den Gebirgen Javas, crepona Swinhoe von Sumatra, 
und eine weitere Art von Nord-Luzon (nach brieflicher Mit- 
teilung Prout'’s). 

Sonst aber reicht, wie die folgende tabellarische Verbrei- 
tungs-Uebersicht zeigt, die Untergattung nicht weit von Nord- 
Indien südwärts und fehlt ganz in Australien, Afrika und Mittel- 
wie Süd-Amerika. 

Immerhin bleibt die Untergattung Dystroma Hbn. mit etwa 
32 bisher bekannten Arten eine der verbreitetsten, artenreichsten 
und schwierigsten des Genus Cidaria Tr. Ihre Heimat mit der 
größten Artenzahl (16) liegt in den gewaltigen innerasiatischen 
Gebirgszügen an der südlichen Grenze des paläarktischen Faunen- 
gebiets gegen Nord-Indien. 

Erst bei Beginn der Drucklegung dieser Arbeit erschien 
die Einleitung des Supplements zu Teil I, Fauna palaearctica 
des Seitz-Werkes, worin auf S.4u.5 eine genauere Festlegung der 
Südgrenze des paläarktischen gegenüber dem indo-australischen 
Faunengebiet gegeben wird. Danach verläuft diese sich in dem 
Charakter der Tierwelt recht scharf auswirkende Grenze von 
der Hang-tschou-Bucht südlich Schang-Hai über Nanking weiter 
dem 30. Breitengrad folgend durch Ta-tsien-lu und Siao-lu als 
Grenzdistrikte über die eisbedeckten Kämme des Himalaya hin- 
weg bis zum Pendschab, wo sie weit nach Norden ausbiegt, 
sodaß in Kaschmir der ganze Südhang des Himalaya und die 
anstoßenden, heißen Ebenen und Täler ganz indische Fauna 
aufweisen. Hier sind nur die hohen Kämme des Plateaus von 
paläarktischem Charakter. Es bleiben also südlich dieser Grenze: 
die Insel Formosa, die Lutschu-Inseln, ganz Süd-China, Burma 
mit den Naga- und Khasia-Bergen, Assam, die Südabhänge des 
Himalaya in Bhutan, Sikkim, Nepal und Kaschmir bis zu mitt- 
leren Höhen. Danach würden etwa 10 Arten aus meiner vor- 
stehenden Bearbeitung als nicht paläarktisch ausscheiden und 
zur indo-australischen Fauna gezählt werden müssen. Tatsäch- 
lich sind dies auch solche, die in ihrem Gesamteindruck, in 
ihren lebhaften, satten, kontrastreichen Farben einen besonderen 
Formenkreis bilden, wie wir ihn unter den rein paläarktischen 
Arten nicht vorfinden. Bei einigen halte ich die Zugehörigkeit 
noch für strittig und überlasse ihre endgültige Zuteilung der Ent- 
scheidung Berufener., Immerhin dürfte sich folgende neue Grup- 
pierung ergeben: 


Ki Paläarktisch; no.  Indo-Australisch: 
1. truncata Hfn. 4. cinereata Moore 

2. concinnata Steph. 5, flavifusa Warren 

3. japonica Heydemann 7. fumata Bastelb, 

6. proavia Heydem. 14. calamistrata Moore 
8. infuscata Tengstr. 15. subapicaria Moore 
9, latefasciata Stdgr. 17. dentifera Warren 

10. imitaria Heydem. 18. tenebricosa Heydem, 
11. pseudimmanata Heydem. 19. fulvipennis Hamps. 
12, incolorata Heydem. 22. planifasciata Prout 
13. volutata Prout 25. albiangulata Warren 
16. citrata L. 26. cuneifera Warren 
17a,dentifera alexandrowskana Mats. 27. crepona Swinhoe 

20. Korbi Heydem. 28. ? species v. Luzon 


21. ochreogriseata Heydem. 
23. singularia Heydem. 
24. corussaria Oberth. 


Von den somit 16 paläartischen Arten sind nur 6 wirk- 
lich sibirisch; 4 davon sind auch in Europa heimisch, wo noch 
eine atlantische Art, die wohl entwicklungsgeschichtlich jüngste 
des Subgenus, als 5. europäische hinzutritt. Im Bau ihres Ge- 
schlechtsapparates bei 5 und 9 zeigen sich alle äußerst gleich- 
förmig und ähnlich, wie etwa die nach äußeren und biologischen 
Merkmalen schon lange sicher getrennten Arten des Genus Se- 
miothisa Hbn. Erst nach genauem Studium der Variationsbreite 
jener Organe innerhalb der Art bei den asiatischen, nordwest- 
europäischen u. einer nordamerikanischen Rasse von fruncata Hin. 
und cifrataL., konnte eine artliche Differenzierung erfolgen. Aber 
auch diese führte erst zum Erfolg unter Zuhilfenahme bisher nicht 
allgemein üblicher, verfeinerter Methoden, so mikrometischer Mes- 
sungen einzelner Organe und ihrer Teile bei $ und ©. 

Trotz obiger Gruppierung ist die nachfolgende Verbreitungs- 
übersicht der von mir in dieser Arbeit behandelten Arten ungeän- 
dert geblieben, um ihre auf der Grundlage morphologischer Unter- 
suchung gefundene systemat. Stellung klar hervortreten zu lassen. 

Eine Vorstudie hierzu, nur die beiden mitteleurop. Spezies 
truncata Hfn.u.citrataL. umfassend, wurde inzwischen im Jahrg. 23 
der Int. Ent. Zeitschr. Guben, 1929, S. 249—266 veröffentlicht. 

Nachtragsweise habe ich noch HerrnHofratDr.L. Müller, Linz, 
für die leihweise zur Durchsicht überlassenen 200 Falter seiner 
Sammlung der letztgenannten beiden Arten zu danken, die mir Ver- 
anlassung gaben, die Variabilität des Hfl.-Geäders auch Ob.-Österr. 
Materials zu untersuchen, und die die Zahl der für diese Mono- 
graphie überhaupt durchgesehenen Falter auf rund 1000 erhöhten. 


Verbreitungs-Uebersicht der behandelten Arten: 


Sibirien 
Südöstl. Sibirien 
(Amur) 

Sachalin 
Fauna 
Nord-Amerika 


Dystroma 


Central-Europa 
Finnland 
Nördl. u. Mittl, 
N.O.-Indisches 
Grenzgebiet 

Indo-Austral, 


Nord-Schottland 


Skandinavien 
Japan 
Formosa 
China 

Tibet 
Kaschmir 


A) Paläarktisches Faunengebiet 
(einschl. N.-Indisches Grenzgebiet.) 


truncata Hfn. x > IX 717 X 
concinnata Steph. 10% 
japonica Heydem. ix x 
cinereata Moore > 


. flavifusa Warren 


.D 
IX X 


. proavia Heydem. X 
fumata Bastelb. x 
infuscata Tengstr. DL LS | 
. latefasciata Stdgr. EI DSDR 
. imitaria Heydem. GER 


veonoausunn 


Fe 
>) 


. pseudimmanata Heydem. x 


D 
x 


. incolorata Heydem. | x 


N 
& 


. volutata Prout x 


- 
> 


. calamistrata Moore x 


r 
(8) ] 


. subapicaria Moore 
. citrata L. UBS DEN ER 
17. dentifera Warren 
172 subsp. alexandrowskana Mats. x ES 
18. tenebricosa Heydem. x 


N 
er 


RE RR 


x 


19. fulvipennis Hamps. x 
20. Korbi Heydem. x x 
21. ochreogriseata Heydem. x 
22. planifasciata Prout. x 
23. singularia Heydem. z 
24. corussaria Oberth. xIxX1x 
25. albiangulata Warren x x 


B) Indo-Austr. Faunengebiet 


26. cuneifera Warren x 


27. crepona Swinhoe 

28. ? Species (N.-Luzon) 
C) Nord-Amerik. Faunengebiet 
29. brunneata Packard 

30. traversata Kell. 

31. mulleolata Hulst. 

32. atrifasciata Hulst. 


RR 


KR SLRR 


ee m. 


Zur Biologie der Erebien 
nebst Bemerkungen über die Entwicklung der E. eriphyle‘) 


von 
Prof. v. Stubenrauch-München. 


Mit zwei Textbildern und einer Tafel (XV]) 


Die Entwicklungsstadien einzelner Erebienarten sind uns heute 
noch völlig unbekannt. Aber auch verschiedene Lebenserschei- 
nungen und Funktionen der Falter sind noch nicht genügend 
studiert, wie die in der Literatur niedergelegten zum Teil sich 
widersprechenden Angaben erkennen lassen. Untersuchungen und 
Beobachtungen, welche von mir vor mehreren Jahren begonnen 
wurden und in der Folgezeit fortgeführt werden sollen, war die 
Aufgabe zu Grunde gelegt, die noch bestehenden Lücken unserer 
Kenntnisse auf dem erwähnten Gebiete nach Möglichkeit auszu- 
füllen. Eine solche Aufgabe erfordert begreiflicherweise einen 
großen Zeitraum und so ist es kaum denkbar, schon in nächster 
Zeit eine lückenlose, nach biologischen Gesichtspunkten orien- 
tierte Darstellung des Gegenstandes zu geben. Der natürliche, dem 
Berufsentomologen zugänglichere Weg, die einzelnen Entwick- 
lungsstadien im Freiland aufzusuchen, stellt große Anforderungen 
an den Opfermut des Sammlers, der zumeist den ergiebigen Fal- 
terfang einer mühevollen biologischen Forschungsarbeit vorzieht. 
Auch kann dieser Weg allein nicht die Lösung aller in Betracht 
kommende Fragen herbeiführen. Die Entwicklung des Eies, die 
Verhältnisse der Ueberwinterung, vor allem jene der Häutungen, 
würden auf die genannte Weise nicht genügend erforscht. Dieses 
Ziel zu erreichen ist Aufgabe der Experimentalarbeit, der Züch- 
tung. Was letztere betrifft, so soll hierüber von mir in späterer 
Zeit berichtet werden. Hier mag zunächst nur allgemein bemerkt 
werden, daß die Aufzucht der meisten Arten nach meinen Er- 
fahrungen weit schwieriger ist, als Aue jüngst (I) anzunehmen 
geneigt schien. Aus der Reihe meiner bisherigen Beobachtungen 
gebe ich zunächst eine Schilderung aus dem Leben der Falter, 


*) Nach einem am 27. II, 1928 sowie am 11. II. 1929 in der Münch. 
Entom. Gesellschaft gehaltenen Vortrage. 


— a 


um im Anschlusse an die Besprechung der Eiablage über eine 
bisher noch nicht geübte Methode zu berichten, mit Hilfe deren 
wir in der Lage sind, die Aufzucht gewisser in Gefangenschaft 
nicht schlüpfender Arten zu ermöglichen. 


Die Erebien:) leben bekanntlich zumeist in der alpinen 
und subalpinen Region mit Ausnahme der E. medusa, der ex- 
quisiten Vertreterin des Flachlandes und der E. aethiops’), ligea 
und oeme, welche sowohl in der subalpinen Region, wie in den 
Talebenen des Alpenvorlandes auftreten. Wie an Größe und 
Zeichnung, so unterscheiden sich die einzelnen Arten auch durch 
die Lebensgewohnheiten. Während glacialis, gorge und pronoe 
zu den Schnellfliegern gehören, ist der Flug anderer Arten wie 
eriphyle ein träger. Der Unterschied ist im Wesentlichen in der 
Individualität der Arten begründet, da beispielsweise gorge und 
eriphyle vielfach auf gemeinsamen Flugplätzen vorkommen. Ich 
erwähne diese Erscheinung, da ich beobachten konnte, daß 
andere Tagfalter, z. B. die als Schnellfliegerin bekannte Col. 
phicomone auf weitem Gelände ungleich rascher fliegt, als auf 
begrenztem, eingeschlossenem. Durchschnittlich fliegen die Männ- 
chen rascher als die Weibchen, welche häufig den Flug unter- 
brechen, um sich in ihre Grasverstecke zurückzuziehen. Die Weib- 
chen mancher Arten (z. B. pronoe) müssen öfters aus ihren 
Verstecken aufgescheucht werden, wenn man sie im Fluge er- 
beuten will. Die Erebien sind im Allgemeinen „Frühaufsteher‘. 
Man kann sie in den Morgenstunden von 7 bis 8 Uhr:) bereits 
in einigen Exemplaren fliegend antreffen. Die Mehrzahl erscheint 
allerdings erst dann, wenn die Sonnenstrahlen eine größere 
Wärme entwickeln. Die günstigste Zeit, ihrer habhaft zu werden, 
fällt in die Vormittagsstunden von 9 bis ıı Uhr. Um die gleiche 
Zeit besteht auch die größte Aussicht, die im Grase copulierenden 
Paare aufzustöbern. Die Erebien ‚fliegen gewöhnlich nur im 
Sonnenschein; selbst eine kurze Zeit dauernde Bewölkung, bezw. 
Verdunklung der Sonne treibt sie in ihre Verstecke wie Gras, 
Büsche, Felsenritzen und dergleichen, wo sie auch am Nachmittag 
ihre Nachtquartiere beziehen. Nur den gefräßigen Aethiops kann 
man sowohl bei bedecktem Himmel, als auch noch bei den 


!) Wenn hier von Erebien gesprochen wird, so sind damit die in Deutsch- 
land und Oesterreich vorkommenden Arten gemeint. 


2) Die E. aethiops ist auch bereits im Flachlande, in der Umgebung 
von München (2) festgestellt worden. 


®) In der genannten Zeit schlüpfen auch gewöhnlich die Falter. 


—. 299 — 


Strahlen der untergehenden Sonne von Blüte zu Blüte fliegend 
beobachten. Als Nahrung dienen denErebien vorwiegend Blüten 
von Compositen. Doch haben einzelne Arten ihre besondere 
Speisekarte, wie beispielsweise nerine, welche vorzugsweise an 
den Blüten von Potentilla caulescens (Ill) saugt: Bekannt ist auch 
die Vorliebe, mit welcher sich einzelne Arten (aethiops, goante) 
an feuchten Stellen steiniger Wege, oft in größerer Gesellschaft 
aufhalten oder an Felswänden saugen. Weibchen von nerine be- 
obachtete ich, wie sie sich mit zusammengeschlagenen Flügeln 
platt an den Felsen setzten, so daß die gesprenkelte Zeichnung 
ihrer Hinterflügel-Unterseite das Auffinden der Tiere ungemein 
erschwert. Hinsichtlich der Copulation vermag ich nur das Eine 
zu sagen, dal; sie im Freiland gewöhnlich in der ersten Hälfte 
des Vormittags bei Sonnenschein erfolgt, und daß ihr Eintritt 
in der Gefangenschaft natürlich vom Zeitpunkt abhängt, zu 
welchem die Tiere zur Paarung angesetzt werden. Sonnenschein 
ist auch hier nötig. 

Was nun die Eiablage betrifft, so bedürfen die Tiere im 
Freiland offenbar eines größeren Zeitraumes, um ihre Eier abzu- 
setzen. Die Regel ist wohl, daß die Eier einzeln abgelegt werden 
und scheint es erwiesen zu sein, daß die Ablage keineswegs aus- 
schließlich an Gras erfolgt. So hat beispielsweise Naufock (IV) 
gesehen, daß Weibchen von nerine auf Steine ablegten. Ich selbst 
konnte genau beobachten, wie ein pronoeweibchen auf einer 
feuchten Wiese zunächst verschiedene Halme desselben Gras- 
stockes absuchte, dann aber ein Ei auf die Unterseite eines Lö- 
wenzahnblattes anheftete, das sich in nächster Nachbarschaft des. 
Grasstockes befand. Die von Eiffinger (V) generell gefaßte 
Behauptung, daß die Erebien ihre Eier nicht an die Halme der 
Nahrungspflanze heften, sondern ins Gras auf den Boden fallen 
lassen, widerspricht den Tatsachen. Von 18 Arten, deren Eiablage 
ich selbst studierte, haben nur lappona und oeme die Eier lose 
auf den Boden des Ablagekastens gelegt, alle übrigen (manto, 
aethiops, medusa, cassiope, gorge, pharte, nerine, stygne, gla- 
cialis, mnestra, tyndarus, evias, pronoe, eriphyle, melampus 
und ceto) dieselben angeheftet. In der Gefangenschaft legen die 
Erebien ihre Eier unter geeigneten Verhältnissen regelmäßig ab, 
wenn auch nicht in größerer Menge in einer Sitzung, sondern 
ähnlich wie im Freiland auf mehrere Tage verteilt. Ich benütze 
zur Unterbringung der Tiere würfelförmige Kästen (skizzierten 
Baues) in 2 Größen: Der größere, 24 cm im Durchmesser, dient 


— 296 — 


zur Aufnahme größerer Falter, der kleinere mit I$ cm Durch- 
messer der Unterkunft von Faltern geringer Größe. Seitenwände 
wie Deckel haben mit Stramin bezogene Fenster.:) Der Kasten 
wird der vollen Sonne ausgesetzt, nachdem sein Boden mit einer 
dünnen Lage von Grasblättern und -Halmen (steife Sorten sind 
vorzuziehen) bedeckt und Nahrung für den Falter in ihm unter- 
gebracht ist. Als letztere sind Obstschnitten5) oder kleine in 
Wasserfläschchen frisch erhaltene Sträußchen von Klee- oder 
Distelblüten zu verwenden, welche von einer kleinen Oeffnung 
des Kastendeckels aus zeitweise (mittels einer Augentropfpipette) 
mit dünnem Zuckerwasser besprengt werden. Infolge der An- 
strengungen, welche der Flug im beengten Raume den Tieren 
verursacht, haben letztere das Bedürfnis häufig Nahrung zu sich 
zu nehmen. Unter den geschilderten Verhältnissen schadet selbst 


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(Textbild 1). 


ein längerer Aufenthalt im Kasten den Faltern nicht und beginnen 
diese, wenn überhaupt hiezu geeignet, meist bald mit der Ablage 
der Eier, welche auf die Halme und Blätter des eingestreuten 
Grases, häufiger jedoch bei vielen Arten auf den Straminbezug 
abgesetzt werden. Bevorzugt in letztgenannter Beziehung ist der 
Ueberzug des Kastendeckels. Einzelne Arten legen gerne an be- 
schattete Stellen des Kastens ab. Es ıst deshalb empfehlenswert, 
einen kleinen : Bezirk des Deckelfensters mit einer Auflage von 
Pappe zu beschatten (s. Textbild 1). 

Unter den geschilderten Umständen abgelegte, befruchtete 
Eier gelangen für gewöhnlich zur weiteren Entwicklung und 
schlüpfen die Räupchen durchschnittlich zwischen dem 16. und 
21. Tage, jedoch nicht immer. So erlebte ich, daß in Gefangen- 
schaft abgelegte Eier von eriphyle niemals Raupen ergaben. 


*) Die Kästen sind zerlegbar und können bequem auf Reisen benützt 
werden. 


5) Man höhlt am besten die Obstschnitten in der Mitte etwas aus und 
füllt die Höhlung mit etwas Zuckerwasser, um sie feucht zu erhalten. 


— AN 


Versuche C. Höfer’s (VI), welcher erstmals Ei, erwachsene 
Raupe und Puppe von eriphyle beschrieb, und die Art ex ovo 
züchten wollte, verfielen dem gleichen Mißgeschick. Höfer war, 
als ihm die Räupchen nicht schlüpften, der Meinung, daß die 
Eier infolge der herrschenden Hitze vertrocknet seien.‘) ‚Alle 
Versuche meinerseits, günstigere Bedingungen für die Aufzucht 
zu schaffen, blieben erfolglos. Es war völlig gleichgiltig, ob die 
Eier im Zimmer oder im Freien, in der Ebene oder in der Höhe, 
trocken oder feucht, kalt oder warm aufbewahrt wurden. Gleiche 
Beobachtungen machte ich auch an in Gefangenschaft abgelegten 
Eiern von ligea und euryale. Ich stelle mir vor, daß unter dem 
Einflusse der Gefangenschaft und der damit verbundenen Unruhe 
der Tiere die Eiablage in überstürzter Weise stattfindet und hiebei 
die Masse des Dottermateriales quantitativ oder qualitativ in einer 
Weise verändert wird, daß die Larve bis zu jenem Augenblick, ın 
dem sie reif die Eischale verlassen soll, nicht in genügender Weise 
ernährt wird. Die Erscheinung des Nichtschlüpfens tritt unter glei- 
chen Bedingungen sicher nur bei wenigen Arten auf. Daß aber nicht 
eine verminderte Entwicklungs- oder Lebensfähigkeit der Larve 
selbst Ursache des Nichtschlüpfens ist, geht einmal daraus hervor, 
daß man zur natürlichen Zeit (14—2ı Tage je nach der Art und 
den klimatischen Verhältnissen) die Raupe voll entwickelt mit 
allen Einzelheiten ihres Hautkleides, auch ihre Eigenbewegungen 
mittels des Mikroskopes im Ei beobachten kann, dann auch 
daraus, daß — wie im Folgenden noch gezeigt wird — die Ent- 
wicklung zur Imago erfolgen kann, wenn der schlüpfreifen Raupe 
nach ihrer rechtzeitigen Befreiung aus der Eischale die natürliche 
Nahrung zugeführt wirz. 

Nach den mehrjährigen gleichartigen Erfahrungen waren 
die Aussichten für die Aufzucht der E, eripyhle auf gewöhnlichem 
Wege absolut ungünstige. So kam ich auf den Gedanken, die 
Raupe auf operativem Wege dem Ei zu entnehmen. Grundbe- 
dingung für das Gelingen eines solchen Versuches ist zunächst die 


°) Um den Einfluß der Trockenheit zu beseitigen, ist es nötig, die be- 
reits abgelegten Eier möglichst bald dem Kasten zu entnehmen (jedenfalls 
noch am Tage ihrer erfolgten Ablage), sind in einem mit Wattepfropf ver- 
schlossenen Glase an kühlem, schattigen Orte aufzubewahren. Bei andauern- 
der großer Hitze empfiehlt es sich, den Boden des Glases mit Fließpapier zu 
belegen und letzteres täglich einmal ganz wenig vom Rande her mit einem 
Tropfen Wasser zu befeuchten. Eine feuchte Kammer darf hierbei nicht 
entstehen, da sonst Verschimmeln eintritt. Vorsicht in Sommerwohnungen, 
in welchen Ohrwürmer (Forficula auricularia) vorkommen, die gefährliche 


Eierdiebe sind. 


= 2 = 


Wahl des richtigen Zeitpunktes. Zur Zeit der Entnahme der Larve 
darf diese in der Eischale nicht mehr von sichtbaren Mengen‘ 
flüssigen Mediums umgeben sein. In feuchtem Zustande entnom- 
mene Larven gehen raschestens zu Grunde. Fortlaufende mikro- 
skopische Kontrollen führen zur Wahl des richtigen Augenblickes. 
Die Prozedur, am besten mit Hilfe des binocularen Lupenmikro- 
skopes von Zeiß vorgenommen, ist nicht ganz einfach. Schon das 
Aufkleben der Eier kann Schwierigkeiten bereiten; letztere sprin- 
gen häufig beim Berühren mit der Nadel wieder von der Unter- 
lage ab. Syndetikum hat sich als Klebemittel am meisten bewährt. 
Es ist auch nicht gleichgültig, in welcher Lage das Ei fixiert wird. 
Im Allgemeinen ist die Kopf-Brustgrube die günstigste Stelle für 
den Eistich, so daß man gut tut, diese Stelle von der Klebemasse 
frei zu halten. Zum Einstich habe ich eine gewöhnliche, besonders 
geschärfte (und gut geglättete!) Präpariernadel verwendet. Nach 
erfolgter Eröffnung der Eischale und Entfernung genügend gro- 
Ber Teile derselben, wurde die Raupe mit einem feinen, leicht 
angefeuchteten Pinsel herausbefördert. 

Der Versuch gelang bereits bei der ersten, im Jahre 1926 
derart behandelten Serie von 13 Eiern eines aus Steiermark stam- 
menden Eriphyleweibchens; ich verlor durch den Eistich selbst 
nur ein Tier. Die kleinen, im Jahre 1926 auf diese Weise gewon- 
nenea Räupchen nahmen sehr bald Futter (Poa annua) an, ge- 
diehen im Glase gezogen zunächst ausgezeichnet, häuteten sich 
mit einer Körperlänge von 4—5 mm in der Zeit zwischen 16. IX. 
und 6. X. 26 zum erstenmale und hörten mit 5—6 mm Körper- 
länge zu fressen auf. Zur Winterruhe wurden sie auf einen ein- 
getopften Grasstock gebracht und letzterer im Freien (in der 
Stadt) den ganzen Winter hindurch gehalten. Eine Ende März 
1927 vorgenommene Kontrolle wies sämtliche ı2 Tiere lebend 
nach. Nun kamen die Räupchen in ein warmes Bad, dann auf 
einen frischen Grasstock; doch gingen sehr bald ıı Tiere ein. 
Nur eines blieb am Leben, das sich im April mit 7,5 mm Körper- 
länge zum zweitenmale häutete und von da ab nur mehr zeit- 
weise fraß. Zum letztenmale sah ich es im August 1927 mit einer 
Körperlänge von Io mm, dann ging es mir verloren.) 


’) Dieses Tier führte mich anfänglich zu der Meinung, daß E. eriphyle, 
wie vielfach von der alpinen Erebienarten behauptet wird, eine 2jährige Ent- 
wicklung durchmacht. Spätere Erfolge meiner Zuchtversuche drängten 
jedoch zu der Annahme, daß die Entwicklung von eriphyle und der 
Mehrzahl der bei uns heimischen Erebienarten eine einjährige 
ist. Bis jetzt ist meines Wissens eine 2jährige Entwicklung nur bei ligea 
festgestellt worden. 


— 299 — 


Im August 1927 behandelte ich eine zweite Serie von 12 
Eiern eines Eriphylenweibchens, welches aus dem Berchtesgade- 
ner Gebiet stammte, mittels Eistiches, ohne einen Verlust durch 
den Eingriff zu erleben. Die Tiere häuteten sich diesmal zweimal 
vor der Ueberwinterung; sie waren zu dieser Zeit 9—Io mm groß. 
Die Ueberwinterung fand wieder im Freien statt und wurden die 
Räupchen Ende März vollzählig vorgefunden, gebadet und auf 
frisches Futter (Poa annua) gesetzt. Aber auch diesmal gingen Iı 
Tiere im Laufe des April 1928 zu Grunde. Ein einziges häutete 
sich mit einer Körperlänge von ı2 mm im Mai zum drittenmale 
und verpuppte sich am 6. VI. 28 mit 13 mm Körperlänge. Der 
Falter, ein normalgebildetes Weibchen, schlüpfte am Morgen des 
21. Juni 28. 

Die besten Resultate lieferte die dritte Serie von 14 Eri- 
phyleeiern, die ich im August 1928 geöffnet hatte. Das Muttertier 
flog auf der Kallbrunner Alpe (Salzburg). Die Räupchen über- 
winterten nach der 2. Häutung mit einer Körperlänge von 7—9 
mm. Zehn von ihnen gingen bald nach der Ueberwinterung zu 
Grunde, die übrigen vier häuteten sich im Mai zum dritten- und 
letztenmale und verpuppten sich vom 13. V. 29 bis 16. VI. 29. 
Berater 20,: 2, schlüpften vom 31. V. 29 ab’bıs 30. VL. 29; 
sie sind auf Tafel XVI, Abb. 9, in natürlicher Größe dargestellt. 

Es ist sonach gelungen, die Aufzucht der E. eriphyle mittels 
des Eistiches durchzuführen und hiebei normale Falter zur Aus- 
bildung zu bringen. Größenunterschiede, wie sie bei den Tieren 
der Serie III zu Tage treten, zeigen sich ebenso auch bei Freiland- 
tieren. Bei der großen Verlustziffer, mit welcher die operative 
Aufzucht belastet ist, muß berücksichtigt werden, daß sie kaum 
sehr erheblich größer als bei gewöhnlicher ex ovo-Zucht anderer 
Arten ist. Ob die hier angewendete Methode bei anderen in 
Gefangenschaft nicht schlüpfenden Erebienarten ebenfalls Erfolge 
erzielen wird, bleibt abzuwarten. Natürlich hat die Durchführbar- 
keit des Verfahrens auch ihre Grenzen, die wohl in erster Linie 
durch die Beschaffenheit der Eischale, dann aber auch durch die 
Besonderheit der zu behandelnden Art bestimmt sein dürften. 

Zum Schlusse gebe ich als Ergänzung der Mitteilung Hö- 
fer’s eine Darstellung der einzelnen Entwicklungsstadien von 
E. eriphyle, wie sie auf dem Wege der im Vorangehenden ge- 
schilderten Aufzucht erschlossen werden konnten. 


— 300 — 


Das Ei (Tafel XVI, 1 u. 2) wird einzeln abgelegt (angeheftet), ist stumpf- 
kegelförmig, seine Basis (Anheftungsstelle) abgeflacht, flacher u. breiter (0,7mm) 
als der obere Pol (0,5 mm). Die Länge beträgt Imm. Die Oberfläche des 
Eies zeigt grob gebaute, stark vorspringendc Längsrippen (16 bis 19) zwischen 
welchen deutliche concav eingebuchtete Querrillen sich befinden, Die Fläche 
des oberen Poles bietet ein granuliertes Aussehen, bedingt durch ein Maschen- 
netz leistenartig vorspringender untereinander anastomosierender Erhebungen. 
Frisch abgesetzt ist das Ei opak, schwach grünlich gelb, wie die Eier der 
meisten Erebienarten; nach wenigen Tagen nimmt es eine gleichmäßig röt- 
liche Farbe. In der 3. Woche sieht man die entwickelte Raupe durch die 
fast glashelle Eischale mit den Einzelheiten ihres Hautkleides. Es ist deshalb 
auch anzunehmen, daß die Räupchen von eriphyle in der 3. Woche im Frei- 
land schlüpfen. 


Die junge Raupe zeigt den für Erebienlarven charakteristischen Bau: 
den afterwärts mehr und mehr sich verjüngenden Leib mit 2 Afterspitzen. 
Nach der ersten Häutung (Tafel XVI 3, 4.) wird die Zeichnung des Raupen- 
kleides schärfer, die Farben desselben nehmen 
einen satteren Ton an. Die ockergelbe Grund- 
farbe kommt besonders im Seitenstreifen, an den 
Extremitäten, sowie an der Bauchhaut zum Aus- 
druck. Die Dorsale (siehe nebenstehendes Text- 
bild 2 D) geradlinig, nicht unterbrochen, ist im 
thorakalen Teil schwächer entwickelt sonst kräf- 
tig hervortretend von satt-brauner Farbe. Be- 
sonders auffällig zeigt sich der gelbe Seiten- 
streifen (S). Die Stigmen sind schwarzbraun. 
Die Stigmatale (St), chagriniert braun, wird 
oberhalb der Stigmen von einer schmalen, wellig 
verlaufenden gelben Linie (J) durchzogen und 
nach dem Dorsum zu von der Suprastigma- 
tale°®) begrenzt, welche gedoppelt erscheint mit 
einem dunkelbraunen oberen und einem gelben 
unteren Anteil. An der Basis der Extremitäten 
befinden sich unterhalb des Seitenstreifens dunkel 
kastanienbraune, halbmondförmige Flecken. Die 
Bauchhaut ist ohne Zeichnung und zeigt die Grundfarbe, Der Körper trägt 
auf seiner dorsalen und seitlichen Oberfläche zahlreiche helle (gelbe) Punkt- 
warzen, auf welchen gelbbraune Borsten stehen. 


Der Afterteil endigt in zwei hellgelbgefärbte Spitzen. 


(Textbild 2). 


Der olivbraune Kopf ist von gleicher Breite wie das erste Brustsegment 
und mit zahlreichen dunkleren grubigen Vertiefungen versehen. Die Naht 
der Hemisphären ist schwer zu erkennen. 


Nach der letzten Häutung (TafelXVI,5. 6.) nimmt das Kleid bei 
unveränderter Zeichnung eine wesentlich dunklere Farbe an. Besonders auf- 
fällig ist dies am Kopfe der Fall, der nunmehr schwarzbraun erscheint. Die 


8) Von Höfer wird die Suprastigmatale als Nebenrückenlinie in der 
Beschreibung der erwachsenen Raupe angeführt. 


— 301 — 


Kontrastzeichnung der einzelnen Linien ist durch die allgemeine Verdunke- 
lung des Raupenkleides etwas geschwächt, auch ist jetzt der Seitenstreifen 
infolge des Wechsels seiner Färbung, die einen rötlichen Ton erhalten hat, 
nicht mehr so auffällig wie früher. 


Die unbewegliche Puppe (Tafel XVI, 7. 8.) hat eine gedrungene Gestalt, 
mißt im Längendurchmesser 12 mm, in ihrem größten Querdurchmesser 4,5 mm 
Ihre Grundfarbe ist Gelb, die der abdominalen Segmente mehr rötlich gelb, 
jene der Thorax{Flügel-Janteile eher lehmgelb. In der Ventralansicht zeigt 
sich das Gebiet des Kopfes und dessen Nachbarschaft dunkler im Farbton. 
Sehr bald färben sich die Fühler- und Extremitätenscheiden kastanienbraun. 
Auf der Dorsalseite tritt der Farbenunterschied zwischen den abdominalen 
und thorakalen Partieen recht deutlich hervor. Die Zeichnung der einzelnen 
Teile ist sehr ausgeprägt. Am Abdomen fällt besonders die breite, gerad- 
linige und ununterbrochene sattbraune Dorsale auf, ebenso zwei schmälere, 
der Dorsale parallel laufende seitliche Linien. Ein besonderes Unterscheidungs- 
merkmal gegenüber den Puppen anderer Erebienraupen besitzt die Eriphyle- 
puppe in der Form ihres Cremasters, dessen Ende in zwei scharfe Spitzen 
ausläuft. 


\ 


— 302 — 


Literaturverzeichnis. 


Il. Aue, Zuchten von Frebia evias God. Ent.-Z. Frankfurt. 
RX JE, NrI 20.1927, 

ll. Osthelder, Die Schmetterlinge Südbayerns, ı. Teil Nach- 
trag zu Heft ı (erscheint erst später). 

III. v. Stubenrauch, Ueber die Entwicklung von Erebia 
nerine Frr. Mitt. der Münch. Ent. Ges. 15. Jahrg. 1925. S. 43. 

IV. Naufock A. Ei, Raupe und Puppe von Erebia nerine. 
Z:4ıd. ost. ‚Ent..Ver Ve jahre 9207 50122 

V. Eiffinger in Seitz, die Großschmetterlinge der Erde. 
1909. 1. Abt 212 Bd7 5405: 


MIL-Eöter, Verht der’ Zool®Bor "Ges" ien? 1922. PXSUTWPrE 
1.—1Io. Heft. S. 5 ff. 


TAFEL XV 


Vergr. 21/2:1 


2 


Vergr. 4:1 


Vergr. 21/2: 1 


Ro) 


Vergr. 21/2: 1 


Ueber Aberrationsbildung 
bei Acherontia atropos L. und Herse convolvuli L. 
durch ein mechanisches oder thermisches Trauma. 


Von Fritz Skell, München. 


(Mit 7 Tafeln XVII—XXIl.) 


Wer eine große Anzahl von Atropos und Convolvuli-Faltern 
nebeneinander sieht und sie auf ihre Zeichnung hin vergleicht, 
wird stets die Beobachtung machen, daß bei ihnen, besonders 
bei der ersteren Art, die Grundanlage der Zeichnung zwar kon- 
stant bleibt, Form und Tönung der Flecken, Mackel und Streifen 
aber individuell mehr oder weniger variiert. Solche Schwankungen 
sind wohl auch bei einer großen Anzahl anderer Schmetterlings- 
arten festzustellen, ja es gibt solche, bei denen man so gut wie in 
keinem Falle einigermaßen gleichgezeichnete Tiere finden kann, 
immerhin aber ist das Aberrieren hiezu besonders disponierter 
Arten vorwiegend generations- oder populationsweise zu beobach- 
ten. Es ist dann meist auch irgendwie erblich bestimmt, so daß 
man fast ebenso von Varietäten als von Aberrationen reden kann. 

Was hier aber untersucht sei, sind Veränderungen, die — 
sicher nicht vererbt — durch bestimmte nachweisbare Einflüsse 
von außen zustande kommen. Es sind echte Aberrationen und 
sie lassen unter allen Umständen vermuten, daß eine Aberration 
vielleicht durchwegs oder doch zum allergrößten Teil nur durch 
irgendwelche traumatische Einflüsse (ev. auch durch Infektion) 
allein entstehen kann. Erbfaktoren sprechen hier wohl nur inso- 
ferne mit, als die Disposition zu solchem Reagieren auf ein 
Trauma oder eine Infektion vererbt werden kann. 

Ueber 30 Jahre hinweg habe ich an Atropos und an Con- 
volvuli derartige Beobachtungen gemacht und während dieser Zeit 
bei einer Reihe von Fällen den Einfluß auf die Zeichnung und 
Färbung der beiden Falter immer wieder festgestellt. Die bekann- 
ten Temperaturversuche (von Fischer, Christeller und anderen), 
die besonders an Vanessa-Arten durchgeführt werden können, 
sind nicht ohne weiteres mit den hier geschilderten Beobach- 


— 304 — 


tungen eines thermischen Traumas bei den beiden Schwärmer- 
arten in Zusammenhang zu bringen. Diesbezügliche, von mir an- 
gestellte Versuche ergaben bei reichlichem Material stets negative 
Resultate. Der größte Teil der Puppen vertrug die angewandten 
Uebertemperaturen von Hitze oder Kälte nicht und ging ein. Die 
Ueberlebenden ergaben normale Tiere. 

Es handelt sich hier sicher auch um etwas anderes 
insoferne, als dabei mehr oder minder begrenzte, d. h. lokale 
Temperatureinwirkungen auf einzelne Körperstellen der Puppen 
in Betracht kommen. Wärme ist dann gleichbedeutend mit Ein- 
trocknungsstellen, Kälte oder Wärme verbunden mit zu großer 
Feuchtigkeit gibt Faulstellen. [Beide Erscheinungen (Vertrock- 
nung und Fäulnis), besonders aber die letztere, können auch 
durch ein mechanisches Trauma ausgelöst werden.| Indessen 
haben hier gleichfalls die angestellten Kontrollversuche versagt, 
da es mir nur in ganz wenigen Fällen gelang, bei noch so 
vorsichtig durchgeführten lokalen Temperatureinwirkungen die 
Tiere zum Schlüpfen zu bringen. Fast das ganze behandelte 
Material ging daran zugrunde. Die ausgekrochenen Falter ergaben 
völlige Krüppel, deren Eintrocknungs- oder Faulerscheinungen 
so ausgedehnt waren, daß eine eigentliche Aberrationsbildung 
nicht mehr erkannt werden konnte. Die durch mechanische 
Traumen (Druck, Einschnitt oder Stich) experimentell ge- 
schädigten Puppen gingen ausnahmslos zugrunde, selbst wenn die 
Defektstelle nur ein Nadelstich (steril!) von ı Millimeter Tiefe 
war. Die Empfindlichkeit des Materials ist hier eben besonders 
groß. Daß aus den vom Freiland stammenden Puppen trotzdem in 
einzelnen Fällen die im Folgenden beschriebenen und zum größ- 
ten Teil ziemlich gut entwickelten Falter schlüpften, steht mit 
dem Versagen des Experiments insoferne in keinem besonderem 
Widerspruch, als zunächst schon das hier in Betracht kommende 
Material dem zu den Versuchen verwendeten zahlenmäßig um 
mehr als das ıofache überlegen war. Schon hiedurch steigt die 
Wahrscheinlichkeit des Durchkommens einzelner Tiere trotz des 
Traumas. Andererseits konnten aber begreiflicherweise zum Ex- 
periment nur Zuchttiere verwendet werden, da nur sie die Ga- 
rantie boten, daß ohne jede vorausgegangene Schädigung ge- 
rechnet werden konnte. Vielleicht sind bei Atropos und Convol- 
vuli. aus Zucht erhaltene Puppen noch empfindlicher als 
Freilandtiere, wodurch sich das Versagen fast aller Kontrollver- 
suche ohne weiteres erklären ließe. Es darf hier aber auch nicht 


— 305 — 


vergessen werden, besonders festzustellen, daß von allen irgendwie 
mit einem deutlich erkennbaren Trauma behafteten Freiland- 
puppen ‚von Atropos und Convolvuli nur durchschnittlich 8% 
schlüpfen, daß ferner von sämtlichen eingetragenen Freilandpup- 
pen überhaupt bei bester Pflege nur durchschnittlich 55% den 
Falter ergaben. Es müssen daher bei diesen letzteren noch jene 
Todesfolgen hereingerechnet werden, die bei Puppen auftreten, 
denen äußerlich keinerlei Trauma anzusehen ist, die aber doch 
irgendwie beschädigt sind. 

Betrachten wir nun das vorhandene, aberrierende Falter- 
material, so sind es vor allem albinotische oder melanotische 
Verfärbungen, meist verbunden mit einer mehr oder minder 
deutlichen Verschiebung der Zeichnungsanlage, die neben mor- 
phologischen Veränderungen der Flügel oder des Körpers als Re- 
aktion auf ein vorhandenes Trauma auftreten. Mechanisch ver- 
letzte Atropos oder Convolvuli-Puppen liefern ebenso ganz oder 
teilweise albinotische oder melanotische Falter, wie es solche tun, 
deren Antrocknungs- oder Faulstellen auf ausgesprochene Wärme- 
oder Feuchtigkeitseinwirkungen zurückzuführen sind. Tritt die ge- 
nannte Verschiebung der Zeichnung mit auf, so geschieht dies 
fast stets von der Richtung und Lage des Defektes her. Diese 
Veränderungen können sich alle über einen kleinen Bezirk der 
betroffenen Flügel oder über die gesamte Flügelfläche hin er- 
strecken, und ebenso den Körper einseitig wie beiderseitig ver- 
färben. Es kann aber auch das der Traumaseite entgegengesetzte 
Flügelpaar in gleicher oder ähnlicher Weise beeinflußt werden, 
wie an einigen dargestellten Faitern zu beobachten ist. Dieser Um- 
stand ist schwer zu erklären und vielleicht nur so zu deuten, 
daß bestimmte, an der Traumastelle sich entwickelnde Stoffe 
einen gewissen Reiz auf jene Anlage der Schmetterlingspuppe 
ausüben, welche die vollkommen gleichmäßige Ausfärbung und 
Auszeichnung der beiden Flügelpaare und Körperhälften reguliert. 
Es wäre sonst nicht möglich, daß z. B. eine, durch eine Ver- 
letzung oder Antrocknung der linken Puppenflügelscheide erfolgte 
Veränderung der Zeichnungsform des Oberflügels verbunden mit 
starkem, lokalem Melanismus, sich inähnlicher, wenn auch schwä- 
cherer Weise auf dem rechten Flügelpaar wiederfindet, obwohl 
auch bei genauer Untersuchung auf dieser Seite keinerlei Defekt 
oder Veränderung der Puppe nachzuweisen war. 

Es ist notwendig die zwei Arten von Trauma genau zu un- 
terscheiden, die für Schmetterlingspuppen fast ausschließlich in 


— SO — 


Betracht kommen. Das eine ist das reinmechanische Trauma, 
das eine Schädigung darstellt, die in der freien Natur normaler- 
weise wohl seltener vorkommen dürfte. Gerade aber die Atropos 
und Convolvulipuppen, die der Sammler gelegentlich der Kar- 
toffelernte erhalten kann und die auch bei dieser Untersuchung 
in der Mehrzahl eine Rolle spielen, sind von vorneherein mecha- 
nischen Verletzungen und Quetschungen beim Ausgraben im 
Acker, bei dem damit verbundenen Einsturz ihrer Erdhöhle und 
dem oft sehr unsachgemäßen Transport ausgesetzt. Dabei 
sind leichte Quetschungen äußerlich meist gar nicht erkenntlich, 
führen aber doch in der Mehrzahl der Fälle, wie auch das Ex- 
periment beweist, zum Tode der Puppe, in geringer Zahl zum 
völligen Verkrüppeln des Falters und in ganz vereinzelten Fällen 
eben zu jenen traumatischen Aberrationen, deren Beobachtung 
und Beschreibung dieser Arbeit zugrunde liegt. (Auf die auffallend 
große Empfindlichkeit und Verletzbarkeit der Atropos und Con- 
volvulipuppen habe ich auch schon an anderer Stelle, z. B. ın 
meinem Aufsatze „Zur Biologie des Totenkopfschwärmers usw.‘ 
im 18. Jahrgang der Mitteilungen der Münchner Entomolog. Ge- 
sellschaft hingewiesen.) Das andere, das thermische Trauma, 
dürfte besonders durch Witterungsverhältnisse wohl auch im 
Freiland den Puppen verhältnismäßig häufiger zugefügt werden 
und es ist auch in der Mehrzahl der Grund zu allen vor- 
kommenden Aberrationsbildungen, soweit solche nicht etwa durch 
Infektionen oder Störungen der Erbanlage — gelegentlich, aber 
wahrscheinlich nur sehr selten — hervorgerufen werden können. 

Zuerst seien hier einige Beispiele von rein mechanischen 
Traumen bezw. Defekten aufgeführt, die sich an der Puppe deut- 
lıch erkennen ließen und deren Folgen auch, abgesehen von mor- 
phologischen Veränderungen des Flügels, deutlich in Erscheinung 
treten. Zum Zweck eines genauen Vergleiches der Abweichung 
sei den Abbildungen je ein normales Männchen und Weibchen N 
beigegeben, die ihrerseits ein Mittel aus der an sich nicht sehr 
konstanten Zeichnung und Tönung von Atropos und Convolvuli 
bilden. 

Der Unterschied zwischen dem normalen Exemplar und 
dem Falterkrüppel des Falles ı springt deutlich in die Augen, 
wenn man die fast zeichnungslosen Oberflügel dieses Schmetter- 
lings mit jenen vergleicht. Die Flügelscheiden der Puppe dieses 
Männchens waren etwas verkrümmt und vermutlich durch un- 
günstige Lagerung des Tieres bei der Verwandlung aus der Raupe 


—e301 = 


oder durch irgendwelche Vorgänge in der Puppenhöhle nicht zur 
normalen Gestalt entwickelt. Solche Veränderungen und Stö- 
rungen sind jedoch an sich viel zu grobe und eindeutige, um 
für die Untersuchung von Aberrationsbildungen von entscheiden- 
der Bedeutung zu sein. Weit wichtiger sind vielmehr die Abbil- 
dungen der nächsten beiden Männchen, von denen das eine 
(Fall 2) einen kleinen Defekt der Puppe nahe der Wurzel am 
Vorderrand des rechten Oberflügels erkennen ließ. Der Schmet- 
terling entwickelte sich zwar vollkommen normal, wies aber an 
der dem Defekt entsprechenden Stelle eine kleine Ausbuchtung 
auf, um die herum Färbung und Zeichnung schwer beeinflußt 
und dadurch verändert war. Die Zeichnung des übrigen rechten 
Oberflügels hat einen halb melanotischen und halb albinotischen 
Einschlag, von denen letzterer mehr randwärts ausgebreitet ist, 
ersterer sich von der Flügelwurzel und der Defektstelle her aus- 
dehnt. Die Bindenzeichnung ist bis auf eine einzige fast ganz er- 
loschen. Noch bedeutungsvoller aber ist ein am Wurzelfeld der 
linken Oberflügelseite auftretender, verschwommener, heller 
Randfleck, welcher hier genau der Defektstelle der rechten Seite 
entspricht. Die mehr grau‘ als schwarz angelegten Binden der 
Unterflügel stehen wohl auch mit dem Trauma im Zusammen- 
hang, sind aber viel zu wenig auffallend. 

Der andere Fall (3) zeigt ein morphologisch in keiner Weise 
verändertes Männchen von Atropos, bei dessen Puppe, gegen die 
linke Flügelspitze zu gelegen, ein kleiner schwarzer strichförmiger 
Flecken vorhanden war. Die genaue Untersuchung ergab eine 
sichere Verletzung der Flügelscheide. An dieser Stelle fiel beim 
Falter die Zeichnung nahezu völlig aus und es bildete sich dort 
ein graugelber, weit ausgedehnter Fleck, der gegen den Rand hin 
in den rotbraunen, jedoch ebenfalls verwaschenen Grundton 
überging. Auch hier fand sich, wieder zu unserem besonderen 
Interesse, die entgegengesetzte Flügelseite fast an derselben Stelle 
auch so beeinflußt, daß noch deutliche Ausfallerscheinungen 
vorhanden sind. 

An weiblichen Faltern führe ich entsprechend den Fällen 
I, 2 und 3 zwei Beispiele an, bei denen gleichfalls durch Ver- 
krümmung der Flügelscheiden bei Fall4, durch Defekt bei Fall 5, 
einseitige leichte Verkümmerung der linken OÖberflügel hervor- 
gerufen wurde, und bei denen neben melanotischen und albino- 
tischen Tönungen auch eine deutliche Veränderung der Zeichnung 
zustande kam. Der Umfang dieser Arbeit und das Format der 


— 308° — 


Abbildungen hindert leider hier, sowie in den nachher geschil- 
derten Fällen, mehr Beispiele dieser Aberrationsarten darzu- 
stellen. 

Als Beweise eines thermischen Traumas seien Fälle ange- 
führt, welche zuerst ın Figur 6 ein Männchen mit schwerem 
Albinısmus des linken Unterflügels zeigen, von dem auch der 
Oberflügel etwas ergriffen ist. Die Zeichnung desrechten Öber- 
flügels ist größtenteils stark verwaschen, während hier wiederum 
der Unterflügel weniger beeinflußt erscheint. Die ganzen Verän- 
derungen liegen bei diesem Tiere also gewissermaßen diagonal. 
Der Körper zeigt in der oberen Hälfte des Abdomens melamo- 
tische und albinotische Erscheinungen. Die Puppe wies an meh- 
reren Stellen deutliche schwarze und schwarzbraune Antrock- 
nungsstellen auf, davon einige an der Ventralseite der Abdominal- 
segmente, wobei die Flecken bis zu 4—5 Quadratmillimeter Aus- 
dehnung besaßen. Aehnliche Flecken zeigte auch die Puppe des 
Falles 7, die außerdem auch noch mit zahlreichen, zum Teil 
ziemlich tiefen Runzeln am Abdomen und auf den Flügelscheiden 
überzogen war. Die beiden Erscheinungen sind hier als deutlich 
sichtbare Zeichen einer gewissen Auströcknung anzusprechen, und 
müssen als Reaktion auf einen thermischen Reiz entstanden sein. 
Der aus dieser Puppe geschlüpfte Falter besitzt, abgesehen von 
graubraun gebänderten Hinterflügeln und einem teilweise albino- 
tisch und melanotisch verfärbten Hinterleib eine auffallende Ver- 
deutlichung der Bindenzeichnung seiner Oberflügel. Bei genauem 
Zusehen läßt sich aber erkennen, daß eben diese Verdeutlichung 
hauptsächlich durch eine Veränderung der Grundtönung nach der 
albinotischen Seite hin zustande kam, wobei sich auch hier wie- 
der an einigen Stellen verwaschene Flecken erkennen lassen. 

Für den Gedanken, daß Albinismus und Melanismus meist 
nicht nur auf gleiche Ursachen zurückzuführen sind, darnach 
gewissermaßen das Gleiche bedeuten, ferner, daß sie bei unseren 
Tieren eine Reaktion darstellen, von der nicht immer die Ge- 
samttönung, sondern oft nur der eine oder andere Farbstoff er- 
griffen wird und nach hell oder dunkel ausschlägt, sprechen nicht 
nur die schon im vorhergehenden gezeigten Exemplare von Atro- 
pos, sondern es wird derselbe auch durch die beiden in Fall 8 
und 9 abgebildeten Weibchen deutlich veranschaulicht. Während 
bei dem einen die Oberflügel ihre Zeichnung noch etwas klarer, 
aber stark verzogen und albinotisch wie melanotisch verändert 
erkennen lassen, ist bei dem anderen der Melanismus so ausge- 


— 309 —. 


breitet, daß jene fast gänzlich verwischt wurde. Die Unterflügel 
bei beiden Exemplaren sind mit tief dunklen und breiten Binden 
versehen, von denen aus ein zarter schwärzlicher Hauch sich 
über die ganze ockergelbe Grundfarbe erstreckt. Die zwei Falter 
stammen aus sehr großen, schweren Puppen, die mir erst einige 
Tage, nachdem sie gefunden und vollkommen trocken diese 
ganze Zeit über zwischen Papierschnitzel verpackt gelegen wa- 
ren, überbracht wurden. Sie wiesen deutliche Antrocknungs- 
erscheinungen am Torax, an den Spitzen der Flügelscheiden und 
an der Bauchseite des Abdomens auf. 

Schließlich seien noch zwei Weibchen abgebildet, deren 
Puppen im Fall 10 einige deutliche braungrüne Faulflecken 
(Gangraene) am Rücken und im Fall ıı solche am Bauch nahe 
den Flügelscheiden zeigten. Während bei Falter 10 die Zeichnung 
der Ober- und Unterflügel verzerrt und albino-melanotisch beein- 
flußt ist, sind am Abdomen dieses Tieres entsprechend den Faul- 
stellen der Puppe dortselbst stark melanotische Veränderungen 
der gelben Grundfarbe und eine Veränderung des blauen Rücken- 
streifens in ein stumpfes Grau festzustellen. Besonders aber möchte 
ich darauf hinweisen, daß hier zwischen Albinismus und Me- 
lanismus insoferne eine Wechselwirkung besteht, als beide Aber- 
rationen bei bestimmten Farben in das Gegenteil umschlagen. 
Beim Fall ıı zeigt der Falter am Bauch in der Gegend der Faul- 
stelle einen Ausfall der schwarzen Tönung; diese ist dort in ein 
grünliches Grau übergegangen. Infolge der Nähe der Puppen- 
flügelscheiden zu der pathologischen Veränderung wurde aber 
offenbar auch die sonst klare und scharfe Durchzeichnung der 
Oberflügel stark beeinflußt, wenn wir nicht annehmen wollen, 
daß diese Einwirkung von der Gangräne aus, entsprechend dem 
eingangs geäußerten Gedanken durch ein Toxin oder Enzym über 
ein Färbungsregulatorium hinweg erfolgt ist. 

Entsprechend den Bildern von Atropos seien hier auch noch 
solche von H. convolvuli gezeigt, welche in dem Falle ı2 albi- 
notische und melanotische Reaktionen zeigen, in den Fällen 13 
und 15 ausgesprochenen Melanismus darstellen. (Die sog. Va- 
rietät „obscura‘‘ mancher Schmetterlingswerke ist sicher nichts 
anderes.) BeiFall 14 ist durch einen Defekt der Flügelscheide rechts 
neben melanotischer Färbung eine deutliche bindenartige Ver- 
dichtung der Zeichnung (beiderseitig!) zu beobachten. 

Während fast sämtliche hier dargestellten und beschriebe- 
nen Falter aus dem besonders zahlreichen Material vom Herbst 


des Jahres 1927 stammen, schlüpfte unmittelbar vor Drucklegung 
dieser Zeilen anfangs November 1929 das Männchen der Text- 
figur. Durch Antrocknung und Verzerrung der linken Puppen- 
flügelscheide, kam die ausgekerbte, aber mit Spuren von Rand- 
fransen versehene, groteske Flügelform zustande. Auch der Un- 
terflügel dieser Seite ist ähnlich verzogen. Die fast einheitlich 
schwarze Färbung des Oberflügels ist der stärkste Melanismus, 


den ich bis jetzt beobachten konnte. Der Zeichnungsausfall ist 
nahezu vollkommen. Der rechte Oberflügel, der auch eine Spur 
von Verkümmerung zeigt, ist in seiner Zeichnungsanlage gleich- 
falls stark verwaschen und melanotisch verändert. Um dieses 
typische Exemplar hier noch mit abbilden zu können, mußte es 
lebend aufgenommen werden, wodurch leider die Unterflügel 
nicht zur Darstellung kamen. 

Sämtliche Falter sind nur in 3/4 Lebensgröße aus Gründen 
der Raumersparnis dargestellt. 

(Am Schlusse dieses Aufsatzes möchte ich nicht versäumen, Herrn 
Heinrich Simhart (graph. Kunstanstalt Brendamour, Simhart & Cie.) aufs beste 
zu danken, da es seine Güte und sein Entgegenkommen allein ermöglichte, 


durch Herstellung der zahlreichen und großen Klischees die gerade hier so 
wichtigen Abbildungen zu bringen.) 


Taiel XVII 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges 1929. 


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Taiel XVII 


Mitteilungen d. Münch. Ent. Ges. 1929. 


Taiel IXX 


Mitteilungen d. Minchn. Ent. Ges. 1929. 


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Taiel XX 


Mitteilungen d. Miinchn. Ent. Ges. 1929. 


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Tafel XXI 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929, 


Tafel XXI 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


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Tafel XXIU 


Mitteilungen der Münchn. Ent. Ges. 1929. 


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&, 


Ueber die paläarktischen Arten der Gattung 
Ellopia Tr. (Lepidopt. Geometr.) 


Von Dr. Eugen Wehrli, Basel. 


(Mit 2 Tafeln.) 


Unter der sehr schönen und sehr interessanten Geome- 
triden-Ausbeute, die mein lieber Freund, Herr Ernst Pfeiffer, 
München, von seiner diesjährigen Reise in die Gebirge des 
Centraltaurus mitgebracht hat, fällt eine prächtige Serie einer 
merkwürdigen Ellopia-Art auf, gefangen in der Bertiz Jaila, am 
Nordhang des Achyr-Dagh, einer südlich vom Centraltaurus ge- 
legenen Parallelkette, welche, wie Pfeiffer feststellte, für die mei- 
sten syrischen Arten die Faunengrenze bildet. Er erbeutete die 
zwischen E. fasciaria L. var. prasinaria Schiff. und E. pinicolaria 
Bell. stehende Art in einer Höhe von 1800 m, nebst zwei neuen 
Eupithecien, im schütteren Cedernwald, an welcher Baumart 
jedenfalls auch die Raupe zu suchen ist. In der Literatur findet 
sich nur wenig über Ellopia-Arten aus dem Taurus; Prout im 
Seitz, IV. p. 322, zitiert unter E.pinicolaria Bell. ein aus dem 
Taurus erwähntes 9, das wohl sicher nicht zu dieser Species, 
sondern zu unserer neuen Art gehören dürfte. 

Diese sehr interessante Zwischenart gab mir Anlaß zur 
Untersuchung der Kopulationsapparate auch der übrigen mir er- 
reichbaren Species der Gattung Ellopia, sich erstreckend auf die 
Artencompararia Stgr., fasciaria L. und var. prasinaria Schiff, 
cedricola sp. n., pinicolaria und die allerdings nicht in das Genus 
gehörige formosa Bilr. 

Zwei von Prout als fraglich zur Gattung zu zählende, mit 
Fragezeichen versehene Arten, E. dumonti Mab. und E. squali- 
daria Costa (Fauna del Regno di Napoli 1848 p. 17, Taf. Il, 
Fig. 4) zur Untersuchung zu bekommen, war mir leider 
nicht möglich. Für Letztere fehlt der Literaturnachweis sowohl 
im Katalog Staudinger-Rebel, als auch in Seitz, Bd. IV. 

Eine kurze Beschreibung der in Süditalien heimischen squa- 
lidaria Costa findet sich in Seitz, IV. p. 322; als Hemithea 


— 92 — 


beschrieben, aber mit prasinaria verglichen, scheint sie der com- 
pararia Stgr. nahe zu stehen, der sie Prout gegenüber stellt, hat 
aber gelbe Grundfarbe. 

Mit Prout möchte auch ich die Zugehörigkeit der E. du- 
monti Mab. zur Gattung Ellopia bezweifeln; er bemerkt, daß 
der Bau, der Abbildung Mabilles nach, an Enconista miniosaria 
Dup. erinnere; das trifft wohl für die Originalfigur zu; die wahr- 
scheinlich naturgetreuere Abbildung Culots, f. 966, pl. 47, G£o- 


metres d’Europa, aber läßt eher auf eine Verwandtschaft mit 
Numeria oder Püngeleria schließen und nähere Beziehungen 


zu Püngeleria castiliaria Stgr. Iris XII. p. 392, 1899, vermuten. 
Ein von Predota bei Albarracin in Aragonien gefangenes, stark 
abgeflogenes 5’, identifiziert Zerny mit E. dumonti und bemerkt, 
es stimme im Bau vollkommen mit E, fasciaria L. überein, wozu 
ich, wenn es sich tatsächlich um dumonti handelt, was gar nicht 
sicher ist, ein großes Fragezeichen machen möchte. Die ent- 
scheidende Untersuchung des Genitalapparates wird dort nicht 
erwähnt. Eos, 1927 p. 417. E. dumonti wurde bei La Granja 
bei Segovia, Alt-Kastilien, Spanien, gefangen; seither sind meines 
Wissens keine weiteren sicheren Flugorte bekannt geworden. 

Es muß noch besonders hervorgehoben werden, daß die 
Standorte für Püngeleria castiliaria Stgr., St. Ildefonso, und 
La Granja für E. dumonti Mab., identischsind. Nach Bädeker 
ist La Granja ein sehr bekanntes und vielbesuchtes Schloß bei 
oder in San Ildefonso, Altkastilien:) Aus diesem Grunde und 
weil Staudinger castiliaria am Schlusse mit capreolaria Schiff. ver- 
gleicht und sie zu Numeria zieht, und auch Mabille schreibt, seine 
Dumonti habe die Statur der N. pulveraria L., gewinnt die An- 
nahme, dumonti sei ein Synonym der castiliaria Stgr., erheblich 
an Boden. 

Daß zwei fragliche, einer Numeria ähnliche, Arten an der 
gleichen von Staudinger gut durchforschten Lokalität in Ka- 
stillen vorkommen, erscheint recht unwahrscheinlich. 

Ein Blick auf die cit. Figur Culots 966 zeigt klar, daß die Be- 
hauptung Zernys, l. c. p. 417, dumonti Mab. stimme im Bau voll- 
kommen mit Ellopia fasciaria (prosapiaria L.) überein, gehöre 
also in dieses Genus, nicht richtig sein kann; die Flügelform ist 
eine total andere, worauf schon Mabille. der auch Verschie- 


!) In Asturien, an der Linie Leon—Corinna liegt ein zweites touri- 
stisch, entomologisch und historisch ganz unbekanntes La Granja, das aber 
kaum in Betracht kommt. 


— 313 — 


denheit des Geäders erwähnt, unzweideutig hingewiesen hat; er 
schreibt: ‚Cette jolie espece se rapproche beaucoup du genre 
Ellopia, mais s’en &loigne par des characteres qui paraissent 
nececiter un genre distinct; voici les principaux: la cöte et le 
bord interne sont droits et le bord externe convexe. Aux ailes 
superieures la nervure 3 nait un peu au-dessous de la discocellu- 
laire; 7 nait de 8 bien au-dessous de la cellule. Je n’ai vu que 
deux exemplaires et dans l’un d’eux la nervulation varie d'une 
alle A l’autre.“ Er hat dumonti denn auch nur mit einem 
gewiß berechtigten Fragezeichen zu Ellopia gestellt. Annales 
Sue E.ntı Rrances1906;31. 75. Pl4.3, Hie.-2Pp: 32: 

Das neue Genus, das Mabille für seine dumonti fordert, 
dürfte wohl Püngeleria sein, von de Rougemont 3 Jahre vorher 
für capreolaria Schiff. aufgestellt. Bulletin Soc. Neuchateloise 
Science Nat. 1903, p. 336, Mabille damals jedenfalls noch unbe- 
kannt; doch läßt sich, bevor sichere Exemplare zur anotomischen 
Untersuchung vorliegen, die Stellung der Artim System nicht exakt 
festsetzen. Bis dahin kann castiliaria Stgr. (=dumonti Mab.) 
im jetzigen Genus Püngeleria verbleiben, wohin Prout sie vor- 
läufig gestellt hat, und welchen Platz ihr auch Staudinger an- 
wies (bei capreolaria, die damals noch im Genus Numeria stand). 

Zur weitern Klärung der Frage habe ich Herrn O. Bang- 
Haas, Dresden-Blasewitz, ersucht, die 2 typischen Exemplare der 
Püngeleria castiliaria Stgr., in Coll. Dr. Staudinger-Bang-Haas 
befindlich, zu vergleichen mit den oben erwähnten Abbildungen 
der Ellopia Dumonti von Mabille und von Culot. Das Resultat 
des Vergleiches war das erwartete. Herr Bang-Haas, dem an 
dieser Stelle nochmals für seine Liebenswürdigkeit bestens ge- 
dankt sei, schrieb mir am 21. X. 1929: „N. castiliaria und 
Ellopia Dumonti sind synonym.“ 

Es muß demnach E. dumonti Mab. in Zukunft als neues 
Synonym geführt werden, und die nicht exakten Angaben Zerny’s, 
Eos, p. 417, ist richtig zu stellen. 

Die in Seitz, IV., Taf. 15, i, abgebildete aber im Text nicht 
beschriebene Ellopia formosa Bilr. (III. Typ. Het. Brit. Mus. Il. 
p- 47), die neuerdings von Prout in die Gattung Nothomiza War- 
ren, Novit. Zool., 1894, p. 443, gestellt wurde, wohin ihre viel 
größere nahe Verwandte, Noth. costalis Moore (Ellopia pulchra 
Btlr.) bereits von Hampson (als Caberodes Gn., Subgenus Notho- 
miza) plaziert worden ist, besitze ich in der typischen, in Seitz 
abgebildeten Form in zwei Exemplaren aus Japan, Kobe und 


— 314 — 


Takeo (oder Takato), gesammelt von dem leider zu früh ver- 
storbenen Fr. Scriba, gehört also sicher der paläarktischen Fauna 
an. I g' von der Insel Formosa mit etwas schmalerer Costal- 
zeichnung und blasser Grundfarbe, und ein entsprechendes 9 
von Mokanshan bei Hang-tschou, südlich Schanghei, Ostchina, 
muß zur var. flavicosta Prt. (Entom. Mittlgn. 193 Ill. p. 249. 1914) 
gerechnet werden; noch kleiner, 22 mm Spannung, und mit 
noch mehr reduzierter Costalzeichnung sind 2 Sg von Lien- 
ping, Südchina, in der Färbung sonst sehr ähnlich den Japanern. 

Wie aus der Untersuchung des 5 Kopulationsapparates der 
formosa hervorgeht, erweisen sich alle Teile als außerordentlich 
verschieden von dem der Gattung Ellopia, so daß sicher keine 
nähere Verwandtschaft bestehen kann. 

‚Die typische N, costalis Moore, Proc. Zool. Soc. 1867, 
p. 616, vom Autor in das Genus Cimicodes Gn. gestellt, ist be- 
deutend größer, bis 5>2 mm, und stammt aus Bengalen; pulchra 
Btlr., Ann. Magaz. Nat. Hist. (5) VI. p. 124, eine dunklere Mo- 
difikation, fliegt im Nordost-Himalaja (Lidderdale). Beide zählen 
zur indoaustralischen Fauna. 


Die Gattung Ellopia 


zeigt sich, wie die Untersuchung des Kopulationsapparates lehrt, 
gegenüber ihren Verwandten als vorzüglich abgegrenzt 
und. amatomisch ausgezeichnet charakı ans 
durch” den "seeiabelten Penis (Bens bıfureasms) Anden 
asymmetrischen, bisherunbekannten, nur aufder 
linken Seite vorhandenen dorsal gerichtetewegro- 
ben Ehitinzahn beim el und dire asymmielimısechre 
Vagina beim 9. Sämtliche Arten, unter sich nah verwandt, 
weisen zwar konstante, aber nicht sehr beträchtliche Unterschiede 
ım Bau des Genitalapparates auf. Die kürzlich nachgewiesenen, 
wie es scheint, wesentlichen Unterschiede der ersten Stände der 
E. fasciaria L. und der E. pinicolaria Bell., die solche auch bei 
den übrigen örtlich weit getrennten Arten vermuten lassen, be- 
stimmen mich, sie als Species und nicht als gute, schon weit 
differenzierte Rassen der ältesten Art aufzuführen. 

Die Gattung scheint rein paläarktisch zu sein; ihre Vertreter 
finden sich fast im ganzen paläarktischen Gebiet, zum Teil lokal 
recht häufig. 

Nach dem Grade der Chitinisation und der Differenzierung 
überhaupt zu schließen, muß compararia Stgr. als älteste, pri- 


— 315 — 


mitivste, pinicolaria Bell, die am weitesten differenzierte, als 
jüngste Species des Genus betrachtet werden; fasciaria L., pra- 
sinaria Schiff. und cedricola Wrli halten die Mitte. 

Die sehr interessante und auffallende Tatsache, die ich in 
gleicher Weise schon bei den Rassen der Nychiodes obscuraria 
Vill. nachgewiesen hatte. Mitt. Münchn. Ent. Ges. 1929, XIX, 
Nr. 1, 2—4, p. 54/55, trifft auch hier zu, nämlich daß der älteste 
Sproß der Gattung (bezw. Art), von dem sich die Uebrigen 
ableiten, seine Heimat in Nordafrika hat, von wo die Ausbreitung 
über Sizilien nach Europa erfolgte. (Vielleicht mit squalidaria 
Costa als Zwischenglied.) Pinicolaria würde als insulare endemi- 
sche Form eine gesonderte Stellung einnehmen. Wie es scheint, 
hat man der Einwanderung der Arten Richtung Süd-Nord, von 
Nordafrika nach Europa, bisher zu wenig Beachtung geschenkt. 

Die Valvenform der E.compararia Stgr. kommt derjenigen 
der Metrocampa margaritata L. von allen Ellopia-Arten am näch- 
sten; sie leitet in diese Gattung über, mit der Ellopia am nächsten 
verwandt ist; auch Metrocampa zeichnet sich durch asymmetri- 
schen Bau des Kopulationsapparates aus, besitzt aber keinen ge- 
gabelten Penis. 


Im Folgenden sollen die 5 und z. Teil die @ Kopulations- 
apparate der einzelnen Species beschrieben und besprochen 
werden; meines Wissens wurde bisher nur derjenige von E. 
fasciaria L. von Pierce geschildert und abgebildet; die der Ueb- 
rigen waren unbekannt. 


E. compararia Stgr. 


Sterselrsı VII, 9.0289; Seitz) IVop: 1322) Var; Gulot 
Noct. und Geometres d’Europe. Pl. 47, Fig. 965, p. 53; Oberthur, 
Et. comp. VI. Pl. 156, Fig. 1508. Von Staudinger mit Fragezeichen 
zu Ellopia gestellt; ist aber anatomisch sicher in dieses Genus 
einzureihen. Nordafrika, Algerien, Tenied el Had. Blida, Glaciere. 


dKopulationsorgan (Taf. XXIV, Fig. ı.) 


relativ schwächer als bei den Verwandten. Penis kürzer und 
dünner als bei den übrigen Arten, erheblich unter Valvenlänge. 
Er ist anal etwas hinter der Mitte zweigablig, indem links (auf 
der Fig. rechts) ein solider, pigmentierter, Sförmig geschwunge- 
ner, zylindrischer, glatter, dornloser Ast entspringt, der sich auf 
die dorsale Seite schlägt, in situ über dem eigentlichen Penis 


— 316 — 


nach hinten unten verläuft und diesen nur wenig überragt. Der 
eigentliche Penis schlank, leicht gebogen, zylindrisch, im oralen 
Drittel etwas dicker. Der anale Drittel enthält eine größere An- 
zahl kurzer, schräggestellter, im Ruhezustand im Innern des Pe- 
nis, ähnlich wie die Patronen im Magazin einer automatischen 
Repetierpistole angeordneter, im Reizzustand aber mit dem 
Schwellkörper aus dem analen Ende dorsal ausstülpbarer Chitin- 
dornen. Je nach dem Reizzustand, ob ausgetreten oder nicht, 
gewinnt der hintere Teil des Penis ein ganz verändertes Aus- 
sehen, das schon zu fehlerhafter Aufstellung von Arten Anlaß 
gegeben hat. Fig. 2 (prasinaria) präsentiert den Penis im Ruhe- 
zustand mit den Zähnen im Innern, während auf den übrigen 
Bildern ı, 3 und 4 der Schwellkörper mehr oder weniger samt 
den Zähnen ausgestülpt ist. Bei der Beurteilung der Penisform 
und noch mehr seiner Zähne und Dornen ist äußerste Vorsicht 
geboten. 


Ductusinferior von unten gesehen asymmetrisch, 
in der Mitte ausgeschnitten, die eine Seite stärker chitinisiert. 


Lateral vom soliden Arm des Penis links ein mit der Spitze 
dorsal und etwas lateral gerichtetess, dreieckiges, zahn- 
ähnliches Chitingebilde, das nur auf Fig. 2 links vom Penis 
sichtbar wird, aber keiner der 4 Arten fehlt. Pierce, Genit. of the 
Geomtr., p. 13, Pl. IX prosapiaria, Tr., erwähnt dieses Gebilde 
weder im Text, noch bildet er es ab. Es findet sich nur auf 
der linken Seite und Lehlt nechts vo Romanen 
oder ist nur angedeutet, eine weitere Asymmetrie. 


Uncus etwa dem Kopf einer Spitzmaus ähnelnd, ohne 
ausgesprochenen Schnabel wie bei ihren Verwandten, mit gut 
ausgeprägten Seitenohren. 


Scaphium rückgebildet, häutig. 


Valven schmal, fast parallelrandıg, dorsal aufwärts ge- 
bogen, Dorsalrand stärker concav, als bei den andern Arten. 
Ventraler Rand convex, mit einem scharfen Dorn bei 3/4, medial 
gerichtet. Im Winkel, an der Basis des Dorsalrandes ein schmaler, 
stumpfer, parallelrandiger, ziemlich langer Fortsatz (bei Pierce 
für prosap. nicht ganz exakt als juxta bezeichnet), der auf Fig. ı 
anal vom Penis, etwas verschoben, deutlich sichtbar ist. Er wird 
bei allen Arten der Gattung, wenn auch in verschiedener Form, 
angetroffen. 


— ll 


E. fasciaria L. (prosapiarialL.) (Taf. XXV, Fig. ıı u. 12). 


Linne, Syst. Nat. X, 521 (nicht 523, Seitz IV, p. 432). Hübner 
Fig.5. var.prasinaria Schiff. Wiener Verz. p. 96. Hübner, fig. 4. 

Es würde mich zu weit führen und es würde auch nicht 
in den Rahmen dieser anatomischen Arbeit passen, für diese 
allbekannte Art und ihre Varietät die sehr große Zahl aller Li- 
teraturangaben aufzuführen. Gute Abbildungen finden sich in 
allen größern illustrierten Schmetterlingswerken. 


Die Kenntnis von der Verbreitung der E. fasciaria L., 
die man auf Zentral- und Nordeuropa, Ural, Kaukasus, Altaı 
und Östsibirien beschränkt hielt, hat eine wesentliche Erweite- 
rung erfahren. Ganz besonders im Westen geht sie weit in die 
iberische Halbinsel hinein, bis nach Aragonien, Sierra alta, Albar- 
racin; in den Pyrenäen trifft man sie in der ganzen Kette nicht 
selten an; auch in den Östpyrenäen ist sie stellenweise häufig; 
interessanterweise fing ich dort in großen geschlossenen 
Föhrenbeständen [Pinus uncinata Willkomm] bei Font Ro- 
meau in 1800 m Höhe ganz ausschließlich die grüne 
yayprasınarıa, diesonstnurin.Tannen-und EKich- 
Benwaldern sefunden, wind; auch am Licht erbeutete 
ich keine einzige rote fasciaria,; es scheint, daß ihre Raupe, 
entgegen der heute herrschenden Anschauung, auch auf Föh- 
ren vorkommt. Im Süden, in den Alpen Martimes, habe ich beide 
Formen bis weit gegen das Mittelmeer hinunter gefangen, wo 
sie übrigens schon von Milliere angegeben: wird, Cat. rais. d. 
Lep. des Alpes Maritimes, 2, p. 143. In Italien wurde sie im Ap- 
penine Modenese 1000 m hoch, ı2. VIII, nachgewiesen; es 
läßt sich erwarten, daß sie längs der sehr langen Bergkette bis 
weit in den Süden hinabreicht. 


Der & Kopwlatiensapparat (Taf. XXIV, Eig. 2) 


Zwischen E, fasciaria L. und ihren Modifikationen einerseits 
und der var. prasinaria Schiff. anderseits, kann nicht der ge- 
ringste Unterschied in den Organen konstatiert werden; sie sind 
identisch. 


Im Gegensatz zur vorigen Art ist der zweigablige Penis 
länger als die Valve; der solide Ast {brachium solidum), ent- 
springt näher der Mitte des Penis und überragt dessen anales 
Ende um ca. 14 der eigenen Länge; er schwillt gegen das freie 
Ende leicht keulenförmig an und ist anal mit feinen, z. T. schup- 


— 318 — 


penförmigen Zähnchen besetzt, die compararia fehlen; er ist 
viel länger als bei der letztern Art. Der Bau des eigentlichen Penis 
ähnlich dem der Vorigen, aber stärker und erheblich länger. Die 
Chitinzähne im Innern etwas länger und dicker. 

Ductus inferior stärker asymmetrisch, links vor- 
gezogen, links medial stärker chitinisiert. Pierce erwähnt diese 
ausgesprochene Asymmetrie, die wohl dem brachium solidum 
ihre Entstehung verdankt, nicht, und sie ist auch in der Fig. 
auf Pl. IX nicht angedeutet. Vom ductus inferior geht links 
en schmal dreieckiger langer Zahn lateral vom -so- 
liden Ast, dorsalwärts gerichtet, ab, der auf der rechten 
Seite fehlt, oder nur ganz rudimentär vorhanden 
ist. Auch diese asymmetrische Bildung wird bei Pierce 1. c. 
vermißt. 


Uncus vogelkopfartig (Wasserralle), mit gedrungenem kur- 
zem Hals und abgesetztem langen Schnabel. 


Scaphium häutig, atrophisch. 


Valven ähnlich der vorigen Art, breiter, am freien Ende 
stärker erweitert, weniger nach aufwärts gebogen. Der ventrale 
Dorn steht erheblich weiter analwärts, wie aus den Fig. ı und 2 
deutlich hervorgeht. Pierce erwähnt und bildet mehrere ven- 
trale Dornen ab, während an keinem meiner Präparate mehr als 
ein solcher zu konstatieren war. Es bildet diese Mehrdornigkeit 
vielleicht eine Eigentümlichkeit der britischen Inselrasse. Der 
dorsale Fortsatz an der Basis der Valve fingerförmig, länger,. 
mit stumpfer Spitze, nicht so lang und nicht so dünn, wie auf 
der) Biesnbieree: 

Die Innenfläche der Valven am freien Ende bürstenartig, 
mit Borsten besetzt; der dorsale Rand leicht gekerbt. 


Der Q’Kopulationsapparat 


Von außen (ventral unten) geschen, anal von der Ge- 
schlechtsöffnung eine Reihe von langen Querfurchen bis in die 
tiefe Tasche für den Uncus hinein (Uncustasche, recessus 
unci), die von der gut ausgebildeten, dunkler und intensiver chi- 
tinisierten Uncusnase, (nasus unci) überwölbt ist. Diesen Ein- 
paßapparat habe ich schon lange vor Reuß beschrieben und 
demonstriert in einem Vortrag über Psodos, gehalten 20. X. 1920 
in der Schweiz. Ent. Ges., publiziert in deren Mitt. Bd. XIII, 
Heft 3/4. 


Erklärung der Abbildungen auf Taiel XXIV. 


Mikrophotographien. 
Figur 1—4: 
JS Kopulationsorgane der paläarktischen Arten der Gattung Ellopia Tr. 


Aufgenommen mit Leitz Object. 1, Oc. Periplan 8%. Zeiß Tessar. 
Die rechte Valve ist entfernt; Aufnahmen von der ventral-rechten Seite, 
Fisur 
1) E. compararia Stgr. Tenied el Had, Algerien. 
2) E. iasciaria L. var. prasinaria Schiff. Frauenfeld, Nordostschweiaz. 
3) E. cedricola sp. n. Achyr Dagh, Nordsyrien, 
4) E. pinicolaria Bell. Vizzavona, Corsica. 


Figur 5 und 6: 
5 Kopulationsorgane von zwei Eupithecien. 


Aufgenommen mit Leitz Obj. 1, Zeiß Oc, 2. Zeiß Tessar. 
Die linke Valve ist entfernt; Aufnahme von der ventral-linken Seite, 


5) Eup. helveticaria B. Finnland. 
6) Eup: achyrdashica sp. n. Achyr-Dagh, Nordsyrien. 


Erklärung der Abbildungen auf Taiel XXV. 


E Aufnahme in natürlicher Größe. 

igur 

7) und 8) Ell. pinicolaria Bell. Vizzavona, Corsica. 5'® 

9) und 10) Ell. cedricola sp. n. Achyr Dash, Nordsyrien. 4'9 

11) und 12) Ell. fasciaria L. var. prasinaria Schiff, 53' München, © Nord- 
schweiz. 

13) Eup. Pieiiieri sp. n. Achyr Dash, Nordsyrien. © 

14) Eup. achyrdaghica sp. n. Achyr Dash, Nordsyrien. 7 


Dr. Wehrli, phot. 


Tafel XXIV. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


Taiel XXV 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


— 319 — 


Entsprechend der bei den einzelnen Arten verschiedenen 
Form des Uncusschnabels zeigt auch die Uncusnase differente 
Gestalt und Begrenzung, und zwar sowohl von der ventralen, als 
auch von der, dorsalen (von der dorsal aufgeschnittenen Abdo- 
minalhöhle aus) betrachtet. Bei prasinaria ist der freie Rand fast 
gerade, schwach bogenförmig, die Nase breiter als lang, gekerbt; 
von der dorsalen Seite (von innen) gesehen, glatt, nicht gekerbt, 
schwach gebogen. Bei E. pinicolaria ist der Rand stärker gebogen 
und deutlich aus einzelnen Wülsten bestehend, überhaupt stärker 
gebaut, von der dorsalen Seite geradlinig, glatt. E, cedricola hat 
die Nase schwächer, im centralen Teil fast kreisförmig gerundet, 
dorsal ebenfalls stärker gerundet. 


Vagina (Ostium) asymmetrisch, kurz, verhornt, links ge- 
radlinig begrenzt, rechts dorsal convex, mit einer Ausbuchtung, 
die wahrscheinlich zur Aufnahme für das brachium solidum penis 
bestimmt, und die bei E. cedricola am stärksten ausgeprägt ist. 


Ductus bursae stärker chitinisiert, breit, abgesetzt, die 
Ränder gegen die bursa divergent; bei cedricola breiter, ebenfalls 
divergent; bei pinicolaria breiter und länger als bei den Vo- 
rigen, aber parallelrandig, nicht divergent. 

An der Basis des ductus bursae geht ventral sehr tief der 
ductus seminalis ab, von einer kurzen und schwachen Er- 
weiterung, und schlägt sich auf die rechte Seite. 


Bursa weichhäutig, im Umriß oval, mit einer rundlichen 
gelblichen Chitinplatte anal an der ventralen Wand; diese Platte 
ist bei cedricola dem ductus bursae am nächsten, bei fasciaria 
weiter gegen die Mitte zu gelegen. 


An meinen Präparaten hat pinicolaria die kleinste, rundliche 
Bursa, fasciaria die größte, oval, cedricola steht in der Mitte; 
doch mag hier der verschiedene Füllungsgrad eine Rolle spiele: . 


E. cedricola sp. n. (Taf. XXV, Fig. 9 J' u. 109). 


Spannt 5 34, @ 36 mm. Eine sehr interessante Zwischen- 
art zwischen E. var. prasinaria Schiff. und der corsischen pini- 
colaria Bell. Palpen und 5 Fühler wie bei diesen Arten, Kamm- 
zähne etwas länger. Gesicht und Scheitel übereinstimmend. Im 
Flügelschnitt der corsischen Art nahe, aber der Außensaum noch 
gerader verlaufend; hiedurch von pinicolaria und durch den 
spitzen Apex sofort auf den ersten Blick von prasinaria zu unter- 


— 2) = 


scheiden. Oberseits Grundfarbe wie die photographischen Abbil- 
dungen auf Taf. X&XV zeigen, von beiden verwandten species ver- 
schieden, reiner und satter grün. Der Verlauf der weißen Quer- 
streifen ist sehr charakteristisch und konstant und dokumentiert 
gut die intermediäre Stellung der Art. Sie gleichen der pinicolaria 
und weichen ab von prasinaria dadurch, daß sie, genau wie bei 
ersterer, die Costa nie erreichen; cedricola hat aber den ersten 
Querstreifen bei weitem nicht sc schräg: und gebogen wie die 
Corsin, sondern er verläuft fast wie bei fasciaria, etwas schräger, 
nur daß er die Costa nie erreicht. Der konstante geradere Ver- 
lauf des ersten Querstreifens und die weiter basalwärts liegenden 
Querstreifen der Hfl. lassen die neue Art augenblicklich von 
pinicolaria unterscheiden. Der äußere Querstreif verläuft wieder 
mehr wie bei pinicolaria schräger und gerader, das vordere Ende 
mehr gegen den Apex gerichtet als bei prasinaria;die Querstrei- 
fen sind gewöhnlich nicht dunkelgrün beschattet wie bei der Letz- 
tern. Hfl. oberseits Ähnlich wie bei den Verwandten, Querstreif 
weiter basalwärts gerückt als bei pinicolaria. Unterseite matter 
grün; Zeichnung ähnlich wie oberseits. 

Als die Nährpflanze der Raupen dürfte wohl nur die 
Ceder, Cedrus libani Barr. in Frage kommen. 


Eine schöne Serie vongcgc und2 @ 2. Bertiz Jaila, Achyr 
Dagh, 1800 m. Nordseite, in Cedernwäldern. 


Das! RK optulationser san (Var XIV area 


steht zwischen fasciaria L. und pinicolaria Rell.; die drei Arten 
sind nahe verwandt. Im Allgemeinen ist es kräftiger gebaut als 
bei fasciaria, doch nicht so stark wie bei pinicolaria. 


Der Penis ist fast gleich lang wie bei fasciaria, aber der 
solide Ast wesentlich kräftiger und die keulenförmige Erweiterung 
gegen das freie Ende erheblich dicker, ihre Bezahnung gröber, 
dıe Spitze der Zähne kürzer, aber feiner. 

Der Uncusschnabel ähnlich wie bei fasciaria;, der Hals 
(des Vogelkopfes) hingegen, wie Fig. 2 und 3 deutlich zeigen, 
länger und dicker. 

Die Valven ebenfalls ähnlich, etwas breiter, die Er- 
weiterung am analen Ende viel deutlicher abgesetzt. Der Finger- 
fortsatz schmaler, stumpfer und am freien Ende, wie die Photo- 
graphie deutlicher zeigt als die mikroskopische Betrachtung, na- 
gelförmig dunkler chitinisiert. 


— 321, 


Da O’Cemstalapparat. 


Die Unterschiede gegenüber den Verwandten fanden bei 
der Besprechung der vorigen Art Berücksichtigung; sie beziehen 
sich auf die Uncusnase, die Vagina, den Ductus bursae, dıe Bursa 
und ihre Chitinplatte. 


E. pinicolaria Bell. (Taf. XXV, Fie. 7 u. 8). 


Belle Annalsoerknt: Krancer 1801,'n. 29, Pl.X2, Fig. 13. 
Kollmorgen, Iris I900, p. 199 (1899, p. 507) Gumpenberg, Nova 
Acta Deutsche Akademie d. Naturforscher Bd. 54, 6, VII. Teil, 
sestar und Rbl. Cat. 1997, Nr.3727T. Spuler, 1910, p. 90. 
BelzlN ne 322, 0.25, bD.@Oberthür, Pt. comp. VIE, Pl! 156; Pig. 
BEozakralısse, 1.E. Ztschr., Guben, T. p. 13..Culot, Noct. et Geo- 
MiesEesed.Kurope, pl. 47, p. 964, Reisser, Ztschr.Oest.. Ent. V. 
Bd. 14, p. 31 und 42 (erste Stände). 

Die Art, eine insulare, endemische Species, wurde bisher 
ausschließlich auf Corsica gefangen, wo sie in den Gebirgswäldern 
von Pinus laricio Poiret (nicht Lärchenwälder, wie irrtümlich 
angegeben wurde) verbreitet ist. Reisser 1. c. gibt Evisa, Col de 
Vergio, Col de Bavella an. Ich selber fing eine schöne Serie von 
7cdc& 2Q9 Q am Col Vizzavona und bei Tattone in 900--1Ioo m 
Höhe; ı 5 besitze ıch von Faller, bezettelt Corsica; ferner sind 
die 2 typischen Original-Exemplare aus der Coll. Bellier, die dem 
Autor als Grundlage zu seiner Beschreibung dienten, in meinem 
Besitz (Coll. Obthr.). Die Variabilität ist an meinen gefangenen 
Exemplaren äußerst gering; sie teilt diese Eigenschaft auch mit 
meinen vielen gefangenen fasciaria var. prasinaria Schiff., die ın 
unsern Bergwäldern im Jura als ausschließliche Form sehr häufig 
vorkommt und ebenfalls sehr konstant ist. 

E. pinicolaria Bell. ist bisher in Sardinien nicht gefunden 
worden. Die Angabe Taurus ais Flugort findet sich im Cat. Stgr.- 
Rbl. erstmals, gründete sich auf ein einzelnes Q, und ging dann 
in der Folge in Spuler-Hoffmann und in Seitz 1. c. über. Sie be- 
zieht sich zweifellos auf die neue E. cedricola Wrli., die im Ha- 
bitus der pinicolaria ähnelt und mit ihr gut verwechselt werden 
kann, wenn nicht genügend Vergleichsma‘erial zur Veriügung steht. 

Die bisher unbekannten ersten Stände werden von Reis- 
ser, 1. c. (Kautz) sehr eingehend geschildert. Während er Ei 
und Puppe identisch mit fasciaria fand, unterschieden sich die 
Raupen im Jugendstadium durch hellgrüne Farbe von den rot- 


J 


— N 


braunen einer Parallelzucht von E. fasciaria L. (prosapiaria L.), 
erwachsen durch größere Warzen, buntere, lebhaftere Allgemein- 
färbung und besonders durch weißliche Flecken an den hintern 
Segmenträndern der grauen Seitenkante. Da nur eine einzige 
Raupe zur Verpuppung gelangte, ist es bei der beträchtlichen Va- 
riabilität nicht ganz sicher, daß die angegebenen Merkmale kon- 
stant sind. Die prasinaria-Raupe kann einen ganz beträcht- 
lichen grünen Einschlag haben. So bildet Milliere, Iconogr. 
Bd. I, Pl. 36, Fig. 2, eine Raupe von prasinaria (von der Tanne, 
du sapin) ab, mit einem mehr oder weniger hellgrünen, brei- 
ten Seitenstreifen und deutlichen weißlichen Aufhellungen an den 
hintern Segmenträndern, wie sie von Reisser als charakteristisch 
für pinicolaria angegeben wurde. Diese abweichenden Raupen, 
die in der Jugend ziemlich sicher ganz grün gewesen sind, er- 
gaben typische prasinaria. Es ist also nicht zutreffend, wenn 
Reisser I. c. schreibt: „Insbesondere das einfarbig grüne Kleid 
der Jugendstadien der pinicolaria-Raupe ergibt einen grundlegen- 
den Unterschied gegen prosapiaria, bei welcher diese Färbung 
noch niemals beobachtet wurde, vielmehr ist dort die Raupe 
vom Verlassen des Eies an rotbraun gefärbt.‘ Die Angaben Reis- 
sers bedürfen deshalb sehr der Nachprüfung und besonders des 
Vergleichs mit Parallelzuchten von prasinaria-Raupen, zur prä- 
zisen Festsetzung der Unterschiede der Raupen der beiden Arten, 
Differenzen, deren Vorhandensein ich übrigens nicht bezweifle 


Deu! Kopulatı ons appanat (Daran 


Pinicolaria hat von allen Arten der Gattung das stärkste 
Kopulationsorgan, obgleich die untersuchten Falter, deren Span- 
nung innerhalb der Art bedeutend schwankt, ungefähr in gleicher 
Größe gewählt wurden. 

Penis länger und kräftiger als bei den vorigen species; das 
brachium solidum deutlicher S-förmig gebogen, seine Zähne 
am freien Ende schmaler und spitzer als bei cedricola; es über- 
ragt das eigentliche Penisende ebensoweit wie bei Letzterer. 

Uncusschnabel dicker und länger, der Hals noch länger 
and etwas schlanker als bei cedricola. 

Valven ähnlich, doch der Dorsalrand vor der Erweiterung 
sröber gezähnt als bei Voriger, bei fasciaria nur gekerbt; der 
ventrale Dorn steht von allen Arten am weitesten analwärts; der 
Fingerfortsatz an der Basis erheblich breiter, als bei den Vorigen, 
mehr dreieckig, spitz. Auf der Fig. 4 ist er nicht gut sichtbar, weil 


— 323 — 


er unter dem echten Penis liegt; die Spitze ist am Anfang des 
letzten (analen) Drittels als dunkleres Dreieck zu erkennen. Der 
ganze Penis hat sich bei der Präparation gedreht, der solide Arm 
sollte wie bei Fig. > links liegen; das Gleiche gilt auch für 
Kig. 1 und 3. 

Der © Kopulationsapparat. 
findet sich bei fasciaria differentaldiagnostisch besprochen. 


Ueber die Funktion des brachium solidum des Penis bifurcatus. 


Auf den ersten Blick erscheint die Einrichtung eines anal 
gegabelten Penis paradox und anscheinend seiner Funktion eher 
ein Hindernis als ein Nutzen. Betrachtet man aber den unver- 
letzten Apparat von der Seite und den Penis in Situ, so wird 
der physiologische Zweck dem Verständnis näher gerückt. In 
situ kommt die spitze Keule durch die S-förmige Krümmung mit 
dem freien Ende etwas vor und etwas lateral der Spitze des 
wahren Penis, zu liegen, wie dies auf Fig. 3 und 4 deutlich zu er- 
kennen ist. Nun wird es klar, daß die starke, solide, widerstands- 
fähıge Keule des soliden Astes bei der Kopulation vor dem 
Schwellkörper des Penis in die Geschlechtsöffnung eindringt, — 
die asymmetrische Vagina macht diese Annahme sehr wahrschein- 
lich, auch fehlt außen jede andere Oeffnung für den soliden Arm 
eZmerdab, die kratrtige Keule dem leicht verlet- 
Meinen ents als aus Sezeichmetes Führunss-. und 
Sehmezonsan dient, das eın rasches, bequemes, sicheres 
Eindringen ins Ostium gewährleistet und eine ungestörte Kopu- 
latıion gestattet. 

Das ganz schwach ausgebildete Scaphium, das bei man- 
chen Arten als Gleitapparat dient, scheint nicht zufällig derart 
beschaffen zu sein; seine Funktion wird eben teilweise vom 
brachium solidum übernommen,dasebenfallsdorsal vomPenisliegt. 

Ich habe bereits, Iris, XXXVI, 1922, bei der ravistriolaria 
Wrli.-Gruppe der Gattung Gnophos, enthaltend die Arten ravi- 
striolaria Wrli. und tholeraria Pglr. einen gegabelten Penis nach- 
gewiesen, dessen solider Ast genau die Formeiner Krebs- 
schere, Penis carcinoides, besitz, dem wohl nur die 
Funktion eines Stützorganes zukommt, das vielleicht eine 
ähnliche Wirkung ausübt, wie etwa der auf dem Gesicht des 
Patienten sich aufstützende kleine Finger des Augenoperateurs, 
der Hand als Ruhe- und Stützpunkt dienend und eine sichere 
und ruhige Führung des Instrumentes bewirkend. 


— 324 — 


Zwei neue Eupithecien 
aus der Ausbeute des Herrn E. Pieilfer, München, aus dem Taurus. 
(Lepidoptera Geometridae). 


Von Dr. Eugen Wehrli, Basel. 


Mit 4 Figuren auf Taf. XXIV u. XXV. 
1. Eupithecia Pieifferi sp. n. (Taf. XXV, Fig. 13). 


Spannt 24—25 mm; Palpen lang, über den Augendurch- 
messer vorragend, bräunlich, Spitze weiß. Fühler des g' kurz 
bewimpert, Wimpernlänge Ya—3/4 der Fühlerschaftbreite. Im Ha- 
bitus der helveticaria B. ähnlich, aber erheblich größer, kräf- 
tiger gebaut und monotoner gefärbt. Grundfarbe oberseits ein 
bräunliches Grau. Die Zeichnung weniger scharf als bei helveti- 
caria die Linien verschwommener und weniger hervortretend, 
die Fleckung am geraden Vorderrand viel schwächer. Verlauf 
der Linien ähnlich wie bei jener, meist nur durch dunkelgraue, 
nicht tiefschwarze Aderpunkte und -striche angedeutet. Vfl.oseite. 
Eine undeutliche Basilare; Antemediane an der Costa hinter 1/3, 
unter der Costa scharf gewinkelt, dann fast gerade zum Innen- 
rand bei 1/3; der Winkel weiter gegen den kurz strichförmigen 
Mittelpunkt ragend als bei der Verwandten. Mediane undeutlich, 
meist nur von der Costa zum M’strich und über dem Innenrand 
sichtbar; deutliche helle Linien, wie sie der helveticaria eigen- 
tümlich sind, fehlen. Postmediane ähnlich wie bei Letzterer, 
doch ist auf Ader C, eine deutliche Einknickung basalwärts 
vorhanden. Dahinter eine wechselnde Anzahl undeutlicher, ge- 
wellter heller Linien bis zur, aus verschwommenen weißlichen 
Fleckchen bestehenden Wellenlinie, ohne ein helles Band zu 
bilden wie bei helveticaria. Saumfeld leicht verdunkelt. Die 
Saumlinie weniger deutlich als bei Letzterer, auf den Aderenden 
‚unterbrochen. Fransen grau, an den Aderenden schwach ge- 
scheckt. 

Hfl. oberseits etwas heller als die Vf]., vor dem Saum leicht 
verdunkelt; ihr Apex etwas spitzer, der Außensaum gerader, 
weniger gebogen. Eine undeutliche erste Linie, in welche die 
Antemediane der Vfl. fällt. Mittelpunkt sehr fein, rund; hinter 
ihm die ganz unscharfe, gebogene Postmediane, nach der einige 
verschwommene, hellere Linien ein schmales, verwaschenes, hel- 
leres Band bilden. Saum und Fransen wie auf dem Vfl. Saum- 
striche weniger kräftig als bei helveticaria. 


— 325 — 


Die Unterseite ist von helveticaria verschieden; die bei dieser 
Art sehr scharfen schwarzen Mittelpunkte sind hier undeutlich 
und verschwommen, besonders auf dem Vfl.; von den Querlinien 
gilt das Gleiche, besonders für die Postmediane beider Fl. Die 
Zeichnung ist sonst ähnlich wie oberseits. Bei einzelnen Exem- 
plaren hinter der hellern Postmedianbinde ein entsprechend ver- 
laufender unscharfer Querstreifen. 

300,5 929 Bertiz Jaila, Achyr Dagh, Syria septemp- 
trionalis, I800 m, an Cedern gefangen. 


Der Kopulationsapparat. 


Nicht nur nach dem Habitus, sondern auch nach den 
und © Genitalien gehört E, pfeifferi in die nähere Verwandt- 
schaft der E. helveticaria; auch die ähnliche Form der Ventral- 
platte läßt über die nahe Verwandtschaft keine Zweifel aufkom- 
men. Aber bei beiden Geschlechtern finden sich derart starke 
Differenzen, daß die specifische Verschiedenheit außer Frage steht. 


Der 5 Kopulationsapparat (Taf. XXIV, Fig. 6). 


Der Penis ist relativ dicker als bei helveticaria er enthält, 
wie die Mikrophotographie zeigt, fünf getrennte Chitinstückchen 
(Cornuti Pierce), die ganz andere Form aufweisen und zum Teil 
anders angeordnet sind, wie bei der Verwandten. Die zwei analen 
sind ähnlich den von Petersen Fig. 55 A, Taf. ı2, Iris XXI, 
abgebildeten von helveticaria; die 3 Mittlern sind aber anders 
geformt; das dorsale eine unscharf begrenzte Platte, darunter 
ein im Umriß rechteckiges anal lang gezähntes Gebilde, das durch 
einen schmalen Streifen mit dem kleinen oralen Stück verbunden 
und mit diesem als ein Stück zu betrachten ist. Darunter ventral 
ein langer, spindelförmiger, an den Seiten gezähnter Zahn. 

Petersen gibt im Text für helveticaria 6 Chitinstückchen 
an, auf seiner Fig. 55 A zähle ich nur 5, von denen 2 noch ver- 
bunden sind, also eigentlich nur 4. Pierce spricht im Text von 
drei Cornuti, die Fig. Pl. 238 enthält aber deutlich 4 getrennte, 
die Fig. der arceutata Fır. 3 solche. Mein in fig. 5 reproduzierte 
Präparat, helveticaria von Finnland, zeigt 4 deutliche Stückchen 
und 2 zweifelhafte verschwommene kaum sichtbare Chitinisie- 
rungen, ı anal und ı dorsal hinter der Mitte, die ich nicht zu den 
Cornuti zählen möchte. | 


Uncus schmal, einspitzig wie bei helveticaria. 


— 326 — 


Die 2 hakenförmigen Gebilde zwischen den Valven ganz 
bedeutend stärker mit längerem Schnabel und von andrer Form. 

Ventralplatte, ähnlich wie bei der Verwandten, an 
der Spitze löffelförmig umgebogen; der Ausschnitt oral weiter 
und der Grund in der Mitte geradlinig; bei helveticaria rundlich. 

Am ® Genitalapparat ist die Bursa ähnlich, aber stärker 
chitinisiert, besonders der kurze Ductus bursae und der Ab- 
gangsteil des ductus seminalis; der Letztere geht links ab 
und ist etwas dünner als bei helveticaria. Die Verteiung der Sta- 
cheln ähnlich wie bei dieser; dorsal eine breite stachelfreie Zone; 
eine ebensolche, schmale am Fundus ventral zwischen der dor- 
salen und ventralen Stachelzone. Unterscheidet sich von der 
verwandten Art durch einen Halbkreis von verschieden großen 
Stacheln rechts um den Ansatz des ductus seminalis, wo bei jener 
nur wenige große Stacheln rechts liegen. Von diesem Halbkreis 
geht eine kontinuirliche Reihe von Stacheln bis zum Ductus 
bursae (bei helveticaria nicht kontinuirlich). Die dorsalen Rand- 
stacheln zahlreicher und regelmäßiger in Linien angeordnet; die 
dorsale Zone der Sternstacheln breiter. Dorsal, gegen das anale 
Ende eine weitere, bei helveticaria nur angedeutete, Gruppe von 
ganz feinen Stacheln. 


2. Eupithecia achyrdaghica sp. n. (Taf. XXV, Fig. 14). 


Spannt 16—17 mm; Palpen lang, um den Durchmesser des 
Auges oder etwas darüber vorragend. ä Fühler schwarz ge- 
tingelt, kräftig bewimpert, Länge der Wimpern von Schaft- 
breite. Sieht, ganz oberflächlich betrachtet, aus, wie eine ganz 
helle, weißliche distinctaria sextiata Mill., aber sofort unterscheid- 
bar durch die viel weiter auswärts gebogene Postmediane und 
die breitern Fl. In der Zeichnung am ehesten vergleichbar mit 
der viel größern (16—17 mm gegen 20—21 mm)amasina Bhtsch., 
Iris, p. I, 1893, die,aber viel dünner beschuppt ist, viel schwächere 
Mittelstriche und andre Flügelform besitzt, und eher in die veno- 
sala-Gruppe gehören dürfte. Amasina liegt mir ebenfalls vor und 
ist sicher eine verschiedene Species; sie findet sich abgebildet in 
Dietze, Biol. d. Eupithecien, Taf. 79, Fig. 825, 826; sie hat spitzere 
Vfl. und die helle Postmedianbinde steht weiter saum- und apex- 
wärts als bei der neuen Art. 

Grundfarbe oberseits ein weißliches helles Grau, sehr fein 
schwarz punktiert; die schwarzen Linien unterbrochen, nur aus 
Bogenstrichelchen und Aderpunkten zusammengesetzt, was der 


— 327 — 


Art, zusammen mit der Farbe und den prominenten Mittelstrichen, 
ein sehr charakteristisches Aussehen verleiht. Gesicht und Scheitel 
weißlich, mit verstreuten schwarzen Schuppen, Thorax und Ab- 
domen von der Fl.farbe; letzteres schwarz geschopft. Die Linien 
beginnen mit schwarzen Costalstrichen und -Flecken; die basale 
schwach gebogen; die antemediane bei 1/3 ebenfalls leicht ge- 
bogen, stellenweise doppelt, nicht im ganzen Verlaufe erkennbar; 
Mittellinie doppelt, gezackt, den M’strich berührend. Die Post- 
mediane gezackt, bildet in der vordern Hälfte einen starken Bo- 
gen nach auswärts, unter der Mitte aber einen scharfen Zacken 
basalwärts, ganz ähnlich wie bei silenicolata Mab. mit der achyr- 
daghica aber sonst nichts Gemeinsames hat. Dahinter eine gleich 
verlaufende, nur teilweise deutliche, hellere Binde, außen von 
einer unterbrochenen schwarzen Linie eingefaßt. Die schwarze 
Saumlinie auf den Adern unterbrochen. Fransen heller grauweiß 
als der Fl., auf den Aderenden schwach dunkel gescheckt. Hfl. 
ähnlich dem Vfl., Costalzone etwas heller; die Linien reichen 
nicht bis zum Vorderrand. Basale, subbasale und antemediane 
Linien nur am Innenrand erkennbar. Mittelstrich kräftig. Die 
nur bis zum Mittelfleck reichende mittlere und die zwei nach- 
folgenden Linien bilden etwas vor dem Innenrand einen scharfen 
Zacken basalwärts. 

Auf der ähnlichen Unterseite die Vfl. leicht rauchig ange- 
flogen. Die Mittelstriche besonders der Vfl. beim frischen © 
kräftig. Nur 2 Linien sichtbar, gleich verlaufend wie oben, die 
Postmediane und die undeutliche Linie dahinter. 

Ein & ist etwas dunkler und die Linien sind ober- und 
unterseits verwischt und undeutlich. 


2 und 2.0797 Bertiz Jaila, "Achyr Dash, Syr. sept. & 
10.—25. VI. 10—1500 m; 9.—13. VI. 1800 m. 


Dei, Kopmlationsapparat 


erweist eine ziemlich nahe Verwandtschaft mit E.alliaria Stgr., 
während die Imagines inbezug auf Zeichnung und Färbung nicht 
auf nähere Verwandtschaft schließen lassen konnten, sondern 
eher Beziehungen zur venosata-Gruppe zu vermuten waren. 
Bursa kleiner als bei alliaria, dorsal ganz mit Stacheln be- 
setzt, die feiner sınd als bei jener. Ventral rechts eine kleine 
stachelfreie Fläche, links Gruppen größerer Stacheln. Auf der 
linken Seite, etwa ın der Mitte, sitzt ein kleiner Bursa- 


— 22 = 


Anhang, wıe ihn von allen untersuchten Eupithecien einzig 
alliaria besitzt, aber nach Petersen, I c. p. 328 bei wiener, tiroler 
und ungarischen Stücken am oralen Ende desiFundus, bei süd- 
französischen notata Dietze aber mehr rechts lateral, bei 
einer andalusischen nofata meiner Präparate ebenfalls etwas 
rechts oral. 

Der Ductus seminalis geht rechts ab und ist nicht wie 
bei alliaria und notata stark dorsal nach links ge- 
rückt, ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal; seine 
Erweiterung beim Abgang erheblich kleiner bei der neuen Art. 

Der Diiterıns biunsare kursbrere 

Auf der ventralen Seite der bursa oral ein merkwürdiges, 
breit aufsitzendes, kurz schnabelförmiges Gebilde. 

Nach dem Befund am Genitalorgan handelt es sich sicher 
um eine neue, bisher nicht bekannte Art, die zweite mit 
einem sestielten kleinen Bursa Ankanler none 
liaria verschieden unter Anderm durch den Sitz links, und 
den Abgang des ductus seminalis ganz rechts. 


Apollo-Kreuzungen. 


Von Emil Riemel, München. 


Mit 1 Tafel (XXV]). 


Imnjahrsang) 22. Nr. 21 der.1. E. 2. beschrieb ich’ den Hy- 
briden hofmanni (delius 2 apollo 5). Die Zucht war heuer von 
etwas besserem Erfolg. Ich erzielte eine kleine Serie und zwar 
beide Geschlechter. Die Beschreibung des im vorigen Jahr er- 
zielten einzigen 5 paßt sehr gut auch auf die weiteren J'co’ von 
diesem Jahr. Bei der großen Variabilität beider Elterntiere ist es 
selbstverständlich, daß auch die Nachkommen variieren. Nach- 
zutragen ist noch: Die Flügelform ist nicht durchwegs gestreckt, 
sondern teilweise auch rund, apollo-ähnlich. Die Fühler durch- 
wegs schwarz-weiß geringelt, aber die Fühlerform verschieden, 
zum Teil delius-Form, zum Teil apollo-Form, zum Teil ein Fühler 
delius-, der andere apollo-Form, ein Stück mit schwarzen Füh- 
lern Ringelung kaum noch sichtbar. Bei den © © dominiert auf 
den Oberflügeln apollo-Färbung und Zeichnung, auf den Unter- 
flügeln delius. Oberflügel breiter Glassaum und breite Submar- 
ginale, beide bis zum Innenrand reichend, Zwischenraum aus 
einer mehr oder weniger schwachen weißen Punktreihe be- 
stehend. Zellflecken, Costalflecken und Innenrandsfleck kräftig 
entwickelt, meist die fasciata Bestäubung aufweisend (Delius 
herrichii). Costalflecken und Innenrandsfleck mehrfach rotgekernt. 
Adern schwarz bestäubt. Unterflügel Subcostal und Median Ocelle 
normal ohne Ausnahme mit weißem Spiegel. Glassaum breit 
zusammenhängend kräftig entwickelt, vom Innenrand bis zu den 
Analflecken reichend, ebenso die stark entwickelte Kappenbinde. 
Analflecken kleiner als bei apollo, mehrfach schwach rot be- 
stäubt. Körper behaart, die hellen Segment-Ringe fehlen, Fühler 
mit nur einer Ausnahme schwarz-weiß geringelt. Ein % 


O9 weist 
die cardinalis-Verbindung auf. 


— Sl = 


Eine interessante Kreuzung zweier weit auseinander liegender 
apollo-Rassen. 


Im Juli 1927 erhielt ich von Herrn Dietz, Passau, eine An- 
zahl Eier von Parn. pumilus, die Zucht gelang gut, die erzielten 
Falter beiderlei Geschlechts gleichen vollständig den Freiland- 
tieren, trotzdem sie vom Ei bis zum Falter ıı Monate in völlig 
veränderten klimatischen Verhältnissen lebten. Ein © wurde 
zur Copula mit einem hiesigen artonius 5' verwendet. Copula 
und Eiablage gehen ohne Schwierigkeit vor sich. Die Entwick- 
lung der ersten Stände wie bei apollo. Die Puppe etwas kleiner, 
stark bereift, Puppenruhe ca. 3 Wochen. Futter Sedum album. 
Der männliche Falter klein, 69--64 mm Spannweite. Grund- 
farbe gelblich. Oberflügel Glassaum schmal und kurz, ebenso 
die Submarginale, beide aber doch etwas stärker wie bei pumi- 
lus. Schwarzfleckung normal. Ocellen klein, nur dünn schwarz 
umrandet stumpfrot, alle weiß gekernt, Glassaum der Unterflügel 
fehlend oder schwach angedeutet. Kappenbinde oben schwach, 
unten kräftig. Basalbestäubung stärker wie bei pumilus, Anal- 
lecken klein. Das © klein, 61--67 mm Spannweite, Grund- 
farbe gelblich. Discus der Vorderflügel schwarz bestäubt. Glas- 
saum und Submarginale breit dunkel vom Vorderrand bis Innen- 
rand reichend, Zwischenraum weiß gefleckt. Schwarzfleckung 
kräftig. Unterflügel: Ocellen klein, kräftig schwarz umrandet, 
dunkelrot, alle weiß gekernt. Basalbestäubung stark. Glassaum 
überall vorhanden, die gewellte Kappenbinde breit und kräftig 
hervortretend, Analflecken kleiner als bei apollo. Rückseite bei 
beiden Geschlechtern matt wie bei pumilus. Totaleindruck pumi- 
lusartig. Nur einige Stücke zeigen den Charakter unserer Gebirgs- 
rassen und sind beträchtlich größer. Ich widme diese Rassen- 
kreuzung meinem alten Sammelfreund, Herrn Wilhelm Frank, 
München. Parn. apollo f. franki. Typen und Cotypen in meiner 
Sammlung. 


Die Kreuzung von Parn. sibiricus @ mit Parn. geminus 5 


Aus einer Eizucht von Parn. sibiricus aus Ost-Turkestan 
erzielte ich 1928 einige Falter, von denen ein ® mit einem hie- 
sıgen geminus &' gekreuzt wurde. Copula und Eiablage ist leicht 
zu erzielen. Die Zucht dieser Kreuzung lieferte eine kleine Anzahl 
interessanter Tiere. Schon die Raupe unterscheidet sich durch 
ihre Größe und dis auffallend leuchtendroten großen Seitenflecken 


— 331 — 


von unseren apollo-Raupen. Puppe groß, gedrungen. Der männ- 
liche Falter bleibt in der Größe allerdings beträchtlich hinter 
sibiricus zurück, er erreicht nur die Größe unserer Gebirgsrassen. 
Dagegen zeigt der ganze Habitus sibiricus-Charakter. Weiße 
Grundfarbe, schmalen Glassaum und ebensolche Submarginale, 
mittelgroße Ocellen. Auf den Unterflügeln Glassaum und Sub- 
marginale nur angedeutet. Die 2 © Grundfarbe gelblich durchweg 
stark verdunkelt, reichlich schwarz bestäubt. Schwarzfleckung 
groß, Glassaum und Submarginale fast zusammengeflossen. Ocel- 
len groß feurigrot, dick schwarz umrandet. Unterflügel mit 
starkem Glassaum und ebensolcher Kappenbinde. Pastöse Cu- 
bitalflecken und Analfleck. Dem Muttertiere sehr ähnlich. Spann- 
weite 76-79 mm. Diese Rassenkreuzung möge den Namen f,gemi- 
nosibiricus erhalten. Typen und Cotypen in meiner Sammlung. 


Hybr. riemeli Frank. 
Parnass. delius Esp. 5 x Parnass. apollo L. 9. 
Von Wilhelm Frank, München. 


Herrn Emil Riemel, München, gelang es im Jahre 1923 im 
Freiland einige Copula von delius 5 mit apollo © zu erzielen. 
Die Copula selbst war schwierig zu erzielen, die 9 9 legten 
die Eier ohne Schwierigkeit normal ab, leider zeigte sich ein 
größerer Teil der Eier als taub. Die junge Raupe schlüpfte zur 
normalen Zeit, anfangs Februar, und glich im Kleide und in der 
Entwicklung ganz einer Apolloraupe. Die Raupen nahmen als 
Futter Sedum album, aber nur ein kleiner Teil derselben wurde 
bis zur Verpuppung gebracht. Das Gespinst ist deliusartig, die 
Puppe schwarzbraun, sehr ähnlich der hofmanni-Puppe, nicht 
bereift wie die apollo- Puppe, sondern es liegt auf ihr nur ein, 
leichter bläulicher Schimmer. Puppenruhe normal, zwischen 3 
und 4 Wochen. 

Der 5 Falter: Rein weiße Grundfarbe, Vorderflügelforn 
lang gestreckt, deliusartig, Adern schwarz bestäubt, bis zum 
Außenrand reichend. Glassaum und Submarginalbinde verkürzt, 
schwach dunkel bestäubt, auch sehr an delius erinnernd. Hinter- 
randsfleck verkleinert. Costalflecke stark schwarz ausgeprägt und 
in den meisten Fällen oben und unterseits klein rot gekernt. 
Basalflecke der Hinterflügel normal, die Größe der Ocellen steht 
swischen delius und apollo, mit nicht starker, weißer Kernung. 


— 32 = 


Außenrandbinde fehlt durchgehends, Kappenbinde meist auch, 
nur bei einigen Stücken schwach angedeutet. Der Kubitalfleck 
fehlt immer, die Analflecke verkleinert, kommaförmig. Die Fühler 
sind durchwegs schwarz-weiß. deliusartig geringelt, die Fühler- 
form teils delius-, teils apollo-artig. (apollo abgesetzte Kolben, 
delius allmählich sich zum Schafte verjüngende Kolben.) | 

Der @ Falter: Die Flügelform nicht so ausgeprägt delius- 
artig wie beim 5, sondern in einigen Fällen apolloartig. Kräftig 
entwickelte Marginal- und Submarginalbinde, Schwarzkernung 
dem delius- Flügel ähnlich, in einigen Fällen die Costalflecke rot 
gekernt. Die Zeichnung und Färbung der Hinterflügel sınd denen 
von delius sehr ähnlich. Fühler wie beim &. Körper stark be- 
haart. Ich benenne diesen neuen Hybriden nach se'nem ersten 
"Züchter: Parnass. hybr. riemelı. 


Erklärungen zu Tafel XXVI. 


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Tafel XXVL 


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Die 
unbekannten Weibchen zweier Makrolepidopteren. 


Von Dr. Karl Schawerda, Wien. 


Zizera draesekei Schaw. 


Von dieser von mir (Iris 1926) aus der Stötznerschen Aus- 
beute beschriebenen neuen Art aus Szetschwan liegen mir nun 
ı0o Q Qaus Wassekou vor. Sie aberrieren stark. Einige sind ober- 
seits ganz schwarzbraun mit Spuren blauen Staubes an der Basis 
und am Hfl’innenrand, einige sind stärker blau im Vfl’diskus und 
im Hfl. mit oben durchschlagenden Randaugen, die von einem 
lichten bläulichen Hof umgeben sind. Ein 9 ist vorwiegend blau, 
nur der Vorder- und Außenrand der Vfl. ist schwarzbraun, 
ebenso der Vorderand der Hfl. Der Außenrand der Hfl. ist hell- 
blau mit dunklen Randaugen. 

Die Unterseite ist lichter graubraun als beim 5, bei einem 
Exemplar weißlichgrau. Vor den Randaugenflecken steht eine 
Reihe Pfeilflecken. 

Die Vfl. haben kein oder ein Basalauge, die Hfl. drei. 

Flügelspitzenabstand 25—26 mm, also größer als beim Jg’ 
(22 mm). Die Vfl. haben unten 6 viel größere Augen, die Hi. 
acht. Randaugen und Pfeilflecken sind bei einigen Exemplaren 
stärker ausgeprägt, bei andern weniger, stark weißlich umrandet. 
Die Fransen sind lichtbraun, bei einigen weißlich-braun. 

Diese Art, die der aricia sehr nahe steht, ist kleiner als 
diese, hat gerundeteren Apex, bedeutend geringere Ausdehnung 
der Marginalverdunklung (ist also nicht so stark blau), schwächer 
ausgeprägte Punktflecke der Hfl’Unterseite und ebensolchen Quer- 
aderfleck der Vfl’Unterseite. Dies hat mir Herr Kusnezov und 
Herr Filipjev aus Leningrad mitgeteilt. Sie haben draesekei mit 
den 3 vorhandenen aricia 5 im dortigen Museum verglichen, 
wofür ich ihnen bestens danke. Die Unterseite soll bei aricia 
Gr. Gr. brauner sein, was vom Alter herkommen kann. Von 
ariciaist nur das g' bekannt. 


— 334 — 


Lithosia praedotae Schaw. 


Diese neue Lithosia wurde von Herrn Karl Predota in 
Albarracın in einem einzigen 5' Exemplar erbeutet und von mir 
im der 7, doest. E.V. 19272 52 37, besehmieben? 1028 nA Le 
Predota eine Anzahl männlicher und weiblicher Stücke dieser 
neuen Art erbeutet. 

Durch dieses größere Material muß meine Erstbeschreibung 
etwas ergänzt werden. Die Größe des J' varliert zwischen 21 und 
26 mm, die Farbe der lichteren Vfl. zwischen schwärzlichgrau 
und ockerig grau, die Vorderrandstriemen, Palpen, Stirne, Fühler 
und der Afterbusch sind öfters stark ockergelb (bei einem Exem- 
plar mit einem leichten Stich in’s Rotgelb), die Hfl. dunkler, 
schwärzlichgrau mit oft gelblichen Fransen. Ein 5 hat das anale 
Drittel der Hfl. gelblich. Das bis dahin unbekannte 9 ist kleiner 
und lichter als der 5. 18 mm Spitzenabstand. Vfl. graugelb, lıch- 
ter als beimg', Hfl. lichter grau mit gelblichem Stich, gegen den 
Vorderrand etwas dunkler grau. Albarracin, 2. VII. 1928. 


Beiträge 
zur Lepidopteren-Fauna Zentral-Ungarns. 
Von Frz. Daniel und Dr. Lorenz Kolb. 


Die ungarische Tiefebene besitzt infolge ihres geologischen 
Aufbaues Vorbedingungen, die sie zu einem der interessantesten 
Sammelgebiete Mitteleuropas machen. Wenn über sie in jüngerer 
Zeit im Schrifttum nur wenig erschien, so mag das einerseits an 
dem einförmigen Landschaftsbild liegen, andererseits auch durch 
die Schwierigkeiten bedingt sein, die in der Landessprache und in 
den primitiven Unterkunftsverhältnissen auf dem flachen Lande 
liegen. Nachdem Herr E. Pfeiffer schon in den Jahren 1922 
bis 1924 vom Mai bis Mitte Juli verschiedene Gegenden Zentral- 
ungarns lepidopterologisch durchforscht und uns besonders die 
Pußta Peszer als lohnend empfohlen hatte, besuchten wir dieses 
Gebiet vom 1. bis 14. Juli 1928 und in der gleichen Zeit wiederum 
1929. Beim 2. Mal schloß sich uns Herr Ministerialrat Osthel- 
der an. So gut als nur möglich bemühten wir uns in diesen 
kurzen Zeiträumen einen kleinen Einblick in die Zusammen- 
setzung der Lepidopteren-Fauna dieses interessanten, z. T. sand- 
steppenartigen Gebietes, zu bekommen. 

Die Pußta Peszer liegt zwischen 47°4’—47’ıı' n. B. und 
19° 12’—19%26’ östl. L. von Greenwich in einer Meereshöhe von 
rund 100 Metern und ist von der Bahnstation Oerkeny der Strecke 
Budapest-Keskemet zu erreichen. Von Oerkeny führt eine primi- 
tive Autoverbindung nach Tatärszentgyörgy, wo Unterkunft und 
Verpflegung zwar nur privat, aber für einfache Ansprüche aus- 
reichend, zu erhalten ist, umsomehr als sich die Bevölkerung den 
Fremden gegenüber außerordentlich zuvorkommend verhält. 
Einige Schwierigkeiten bereitet allerdings die Verständigung, da 
nur wenige Einheimische die deutsche Sprache beherrschen. 

Das ganze Gebiet um Tatärszentgyörgy bildet eine weite 
Ebene, die aus den Schwemmsandablagerungen der Donau her- 
vorgegangen ist und nur wenige, ganz niedere Erhebungen auf- 
weist. Das beredteste Zeugnis für diese Entstehungsart ist der Bo- 


— 336 — 


den, der aus meterdicken Schichten von sogen. Schweißsand 
besteht, wie ihn alle unsere Alpenflüsse mit sich führen. Die 
Fruchtbarkeit dieses Bodens ist vor allem abhängig von der 
Bewässerung und zwar vom Grundwasser, da fließende Wasser 
hier ganz fehlen. Wenn sich in diesem Gebiet alle Uebergänge 
von der fast pflanzenwuchslosen Sandsteppe bis zum metertiefen 
Sumpf, oft auf engstem Raum, feststellen lassen, so ist dafür nur 
der Umstand maßgebend, in welcher Tiefe sich der Grundwasser- 
spiegel befindet. Die oben erwähnten Erhebungen stellen Flug- 
sanddünen vor, die ihre Entstehung der Windwirkung verdanken. 
Durch Anlage von Wäldchen und durch Anpflanzung von boden- 
bindenden Gräsern ist weiterer Dünenbildung erfolgreich vorge- 
beugt worden. 

Das charakteristische, dem Fremden sofort in die Augen 
fallende Aussehen des Gebietes ist bedingt durch die Pußta. Diese 
wird am besten als ein fast ebenes, meist mit nur geringem Pflan- 
zenwuchs bestandenes Weidegelände bezeichnet. Die Vegetation 
besteht aus typischen Steppenpflanzen, die im heißen Sommer 
1928 meist schon dürr waren; 1929 dagegen zeigte die Pußta ein 
noch grünes Aussehen. An günstig gelegenen Stellen, insbeson- 
dere in der Nähe von Siedlungen, findet sich auch Feldbau. In 
der Pußta war außer einigen Tagfalterarten — meist guten Flıe- 
gern — und einigen an Strohblumen — Helichrysium — ge- 
bundenen Tieren anderer Gattungen (Sesien, Thalpochares) im 
Tagfang nichts zu erbeuten. Wesentlich anders sieht es beim 
Nachtfang aus, wo eine ganze Reihe guter Spezialitäten ans Licht 
kamen. 

In die Pußta eingesprengt finden sich verschiedentlich mehr 
oder minder große Wälder; der bedeutendste und ausgedehnteste 
davon ist der Wald von Peszer. Er wurde vor etwa Ioo Jahren 
künstlich angelegt und erstreckt sich in der Nordsüdrichtung in 
einer Länge von ca. 1o km, bei einer durchschnittlichen Breite 
von ca. I km. Hauptbaumart ist die Robinie; dazwischen sind 
meist partienweise Eichen, Eschen, Silberpappeln und Föhren ein- 
gesprengt. Wachholder und Schlehen finden sich vielfach als 
Unterholz. Einige Schneusen, die durch das Vorkommen von 
Skabiosen und Disteln zu den besten Sammelgebieten zählen, 
durchziehen den Wald. Im übrigen besitzt dieser ein ganz anderes 
Aussehen als unsere deutschen Wälder. Die weitaus vorherr- 
schende Robinie spendet nur wenig Schatten. Der Boden ist mit 
meist kümmerlichem Graswuchs bestanden. In normalen Jahren 


a 


zeigt der nördliche Teil stellenweise feuchten Charakter, im Jahre 
1928 war zur Zeit unseres Aufenthalts davon fast nichts zu spüren, 
lediglich der andersartige Graswuchs ließ uns diese Stellen er- 
kennen. 

Nach Angaben Pfeiffers war der Wald in früheren Jahren 
viel feuchter und zeigte demgemäß auch einen viel reicheren 
Pflanzenwuchs. So waren z. B. von den ausgedehnten Skabiosen- 
beständen in den Schneusen, die H. Pfeiffer noch antraf, in den 
beiden Jahren unseres Aufenthalts nur mehr kümmerliche Reste 
zu finden. Diese Austrocknung ist sicherlich auf die Senkung des 
Grundwasserspiegels infolge Entwässerungsarbeiten in den Sumpf- 
gebieten zurückzuführen. Der Tagfang ist im Waldgebiet sehr 
ergiebig. Der Hauptteil aller Tagfalter, ferner die meisten Zy- 
gänen fliegen im Wald, besonders in den Schneusen und an den 
Waldrändern. Aber auch der Nachtfang liefert gute Ausbeuten. 

Während der Wald an seinem Ost- und Westrand scharf be- 
grenzt ist, geht er im Süd- und besonders im Nordteil allmählich 
in eine offene Buschlandschaft über und verliert sich in der 
Pußta. Im Norden befindet sich eine Reihe von Dünenhügeln, 
die zwar zu den sterilsten Teilen des ganzen Gebietes zählen, für 
den Sammler jedoch eine Fundstelle hochinteressanter Tiere 
bilden. 

Vor allem im Osten und Norden des Peszer Waldes befinden 
sich die Turjane. Oft fast ohne Uebergang sind in das Sandgebiet 
sumpfähnliche Landschaften eingesprengt, deren Wasserstand stark 
wechselt. Sie sind mit hohem Schilf und harten Moorgräsern be- 
standen; stellenweise erstrecken sich weite Bestände von Euphor- 
biumarten, darunter Euph. palustris. Da seit einigen Jahren Ent- 
wässerungsversuche unternommen werden, waren besonders im 
äußerst trocknen Sommer 1928 diese Gebiete mehr oder minder 
stark ausgetrocknet. 

Ob diese Entwässerungsarbeiten, mit denen eine Rodung 
der Turjane verbunden ist, den gewünschten Erfolg, neues Kul- 
turland zu gewinnen, haben werden, oder ob sich durch 
die Senkung des Grundwasserspiegels nicht anderswo um so 
größere Schädigungen einstellen werden, muß die Zukunft 
zeigen. Eines jedoch ist sicher, daß dadurch die eigenartige Tur- 
janflora und -fauna dem Untergang geweiht ist. In den 'Turjanen 
selbst konnten wir bei Tag nur wenige, auch in den angrenzenden 
Steppen- und Waldgebieten vorkommende Tagfalter feststellen, 
so daß sich eigenartigerweise eine eigene Tagfalterfauna hier 


— 3 


nicht entwickelt zu haben scheint. Eine etwas reichere Tagfalter- 
fauna ist an der Grenze von Turjan und Pußta festzustellen. Merk- 
würdig war, daß von den zahlreichen Nachtfalterarten, die 
wir hier am Licht erbeuteten, bei Tag kein Stück sich aufscheu- 
chen ließ. 

Für ein Sammeln ım Waldgebiet und im Turjan ist das ca. 
1a Stunden von Tatärszentgyörgy entfernte Forsthaus Peszer 
besonders günstig gelegen, während die ausgesprochenen Sand- 
gebiete leichter von dem kleinen Ort Felsö-Peszer zu erreichen 
sind. Für das Forsthaus ist eine Aufenthaltsgenehmigung der Do- 
mänenverwaltung nötig, bei der Wirtschaft in Felsö-Peszer fällt 
das weg. Da jedoch das ganze Gebiet Domäne der kgl. ungar. 
Familie ist und auch als Naturschutzgebiet gilt, ist auf alle Fälle 
das Sammeln nur mit einer, alierdings bereitwilligst erteilten Sam- 
melerlaubnis möglich. Wir hatten 19238 im Forsthaus, 1929 im 
Felsö-Peszer Unterkunft gefunden und waren überall bestens auf- 
gehoben. 

Der große Artenreichtum dieses Gebietes erklärt sich einer- 
seits aus dem engen Nebeneinanderbestehen von Pußta, Sumpf 
und Wald, andererseits aber auch aus der ganzen geographischen 
Lage. Es kommen alpine Arten vor, die nur durch Anschwem- 
mung der Donau zu erklären sind (z. B. Eup. veratraria mit 
ihrer Futterpflanze Veratrum Germer). Die Donau bildet aber 
auch eine Zugstraße für östliche Arten, die sich dann hier ange- 
siedelt haben. Die Einwanderung von Osten her läßt sich auch 
bei anderen Tiergattungen feststellen, z. Be. dem Vorkommen der 
Wasserschildkıöte (Ecmis), der Lacerta taurica (taurische 
Eidechse) der Gottesanbeterin (Mantis religiosa) u. a. m. 

Für den Sammler erschwerend ist das oft außerordentlich 
schwierige Auffinden einzelner Arten infolge ihrer Gebundenheit 
an engste Lokalitäten. Wir konnten im heurigen Jahre wiederhoit 
feststellen, daß an gleichwertigen, weniger als 100 Meter von 
einander entfernten Leuchtstellen der Anflug den Arten nach ganz 
verschieden war. 

Unsere Sammeltätigkeit erstreckte sich gleichmäßig über 
die drei angeführten Gebiete, wobei ganz besonders dem Licht- 
fang mittels Carbidlampe und auch mit hochkerzigem Petro- 
leumglühlicht möglichste Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In 
ı3 (1928) bezw. 14 (1929) Leuchtnächten wurde meist bis nach 
Mitternacht, einige Male bis zum Morgengrauen gefangen. 'Wäh- 
rend im ersten Jahre der Anflug ausnahmslos ein guter, zuweilen 


— 339 — 


ein kaum zu bewältigender war, litt 1929 der Erfolg unter der 
kühlen, windigen Witterung. 

Was den Fang selbst anbetrifft so empfiehlt es sich beson- 
ders in den Turjanen Vorsorge gegen die Stechmückenplage zu 
treffen, die in der Spätdämmerung in Schwärmen den Eindring- 
ling rücksichtslos überfallen. Kräftiges Einreiben mit Salmiakgeist 
verschaffte wenigstens etwas Abhilfe. Eine weitere fast nicht ab- 
zuwehrende Plage sind in den Turjanen die manchmal zu Tau- 
senden am Licht erscheinenden Jungtiere von Wasserwanzen 
(Rückenschwimmern), vor denen wir einmal ıo Uhr nachts das 
Feld räumen und unsere Lampe an anderer Stelle neu aufbauen 
mußten. Da bei solchem Massenauftreten Kleidung und Fang- 
geräte den unangenehmen Geruch dieser Tiere annehmen und 
für Tage behalten und da die Unmenge der Tiere ein Fangen 
angeflogener Schmetterlinge fast nicht möglich machte, zählt 
diese Kalamität zu den unangenehmsten Beigaben des Nacht- 
fangs im Turjan. 

Die Bestimmung der aufgeführten Arten wurde mit größter 
Gewissenhaftigkeit durchgeführt. Die Ueberprüfung aller einiger- 
maßen zweifelhaften Stücke, sowie die Gesamtbearbeitung der 
Mikro übernahm Herr Ministerialrat Osthelder, dem auch 
an dieser Stelle für seine Mühewaltung: bestens gedankt sei. 

Die Grundlage der im Folgenden aufgezählten Arten bilden 
die Ausbeuten von 1928 und 1929. Es wurden jedoch auch die 
Ergebnissse der Sammelreisen von Herrn Pfeiffer mitverwertet. 
Als Tagfalterspezialist hat sich Herr Pfeiffer um den Nachtfang 
weniger gekümmert, so daß sein Sammelergebnis in der Haupt- 
sache bei den Tagfaltern bezw. bei den bei Tag fliegenden Nacht- 
faltern in Erscheinung tritt. Eine Durchsicht der letzteren war 
nicht mehr möglich, da sie seit langer Zeit abgegeben sind. 

Besonders auffällig erscheint das Auftreten zahlreicher Me- 
lanısmen (deffesaria, carbonaria, castanea-melaina). Da das Fund- 
gebiet weitab von aller Industrie liegt, die Luft also sicher nicht 
von „Industriegasen‘ geschwängert ist, kann es sich nicht um die 
sogen. „Industrie-Melanismen‘“ handeln. Zu erforschen, welche 
Gründe diese Verdunklungen, die im ganzen Gebiet festzustellen 
sind, bewirkt haben, das möchten wir den mit diesen Fragen 
vertrauteren Persönlichkeiten überlassen. 

Es sei noch besonders darauf hingewiesen, daß vorliegende 
Arbeit vor allem den Zweck verfolgt, die Ergebnisse einiger kur- 
zen Sammelreisen festzulegen, um späteren Bearbeitern einer 


— 340 — 


ungarischen Fauna zu dienen und Sammlern, welche sich mit 
der Absicht tragen ähnliche Gebiete aufzusuchen, einige Finger- 
zeige zu geben. 


D 


Abkürzungen: 
D -- Dünen- und Sandgebiet 
P — Pußta 
Ta —- Tatärszentgyörgy 
Tu — Turjan 
W —. Waldgebiet 
L — am Licht gefangen 


Pf. — Angabe von E. Pfeiffer, München. 


Diurna. 


. Papilio machaon L. Im ganzen Gebiet häufig in 2 Gen. 


. Papilio podalirius L. Von uns nicht beobachtet. Nach Pf. 


im W. häufiger als voriger in der Form elongata Vrty. ın 
2, Gen: 


. Thais polyxena Schiff. Pf. fand ım mittleren W. nächst dem 


Forsthaus Ende VI die Rp. häufig. Von uns wurden die sehr 
lokalen aber reichen Bestände von Aristolochia clematitis 
eingehend abgesucht ohne jedoch eine Spur der Rp. zu 
finden (wahrscheinlich war es schon zu spät). Unter den 
Faltern sind die mod. bella Neuburger und fasciata Berger 
nicht selten. 


. Pieris brassicae L. u. gen. aest. lepidii Röb. In der Nähe von 


Kulturen einzeln. Die Stücke der gen. aest. sind groß mit 
breiter Schwarzzeichnung (Pf.). 


. Pieris rapae L. und gen. vern. metra Stph. Allenthalben 


häufig. 


6. Pieris napi L. u. gen. aest. napaeae Esp. Sehr häufig. 


Nach Pf. sind von sämtlichen aufgeführten Pieriden die 
Frühjahrsgenerationen kaum von Tieren anderer mitteleuro- 
päischer Flugplätze verschieden, während die Sommerformen 
Uebergänge zu dem südosteuropäischen Formenkreis bilden. 


. Leucochlo@ daplidice L. u. gen. vern. bellidice OÖ. In der 


P. und D. häufig in mehreren ineinandergreifenden Gen. 2 9 
der gen. aest. z. T. stark gelb bestäubt. 


8. 


EI: 


I2. 


14. 


— 341 — 


Anthocharis cardamines L. Von Pf. sehr selten Mitte V ım W. 
beobachtet. 


. Gonepteryx rhamni L. W. einzeln. 
. Colias hyale. L. Von M. V — E. Vl in der ersten, von A VII 


in der II. Gen. häufig. Unter der Art finden sich die mod. 
simplex Neuburger, obsoleta Tutt und inversa Alph. 

Im Jahre 1928 wurde ein 5’ erbeutet, das vermutlich 
als Hybride anzusprechen ist. Oberseite: Grundfarbe satt 
schwefelgelb, im Innenteil der Vfl. leicht orange angeflogen. 
Schwarzzeichnung am Apex stark entwickelt. Flügelschnitt 
und Fransen wie croceus Fourcr. Mittelpunkt der Hfl., Palpen 
und Fühler wie Ayale L. Us: Grundfarbe tief dottergelb, 
Zeichnungsanlage wie hyale; im Innenteil der Vfl. findet sich 
kein rötlicher Ton. 


Colias croceus Fourcr: Im ganzen Gebiet verbreitet, jedoch 
auch im Flugjahr 1928 nicht sehr zahlreich. Von Pf. © helice 
Hbn. erwähnt. 


Colias myrmidone Esp. Von Pf. M. V und E. VI in wenigen 
Exemplaren am Rande des Waldes gefunden. Die Falter sind 
groß und weisen das Kolorit der Kärntner Stücke auf. 


. Leptidia sinapis L. u. gen. vern. /athyri Hbn. Die gen. aest. 


bildet mit ihrer rein weißen Grundfarbe auf der Os. und der 
vielfach zeichnungslosen Hflus. einen guten Uebergang zu 
südl. Rassen, während die Frühjahrsstücke von Mitteleuro- 
päern nicht verschieden sind. 


Melanargia galathea L. Im W. häufig. Die Tiere sind sehr 
groß mit gut entwickelter Schwarzzeichnung, die J'g' zeigen 
Neigung zur Gelbfärbung der Grundfarbe, seltener auch die 
© 9; bei diesen schlagen auf der Hflos. die Ocellen fast 
stets durch. Die Form leucomelas Esp. findet sich unter 
den 9 © sehr zahlreich und ist wohl als Rassecharakter zu 
werten. 2Q Q vom Jahre 1929 fallen dadurch auf, daß alle 
normalerweise schwarzen Flügelzeichnungen ober- und un- 
terseits ein helles Braungrau zeigen. Diese Form ist als 
ab. franzenaui Aigner benannt. 

Mel. suwarovius Hbst. Diese in der Fornı clotho von Roth- 
schild und von Aigner-Abafi im Peszer Wald aufgefundene 
Art kam weder H. Pfeiffer noch uns zu Gesicht, obwohl wir 
wiederholt an den damaligen Fundplätzen eifrig darnach 


— MI — 


fahndeten. Es kann daher wohl angenommen werden, daß 
sie jetzt nicht mehr im Gebiet vorkommt. 


. Satyrus circe F. ı 5% VII. 29. W. 


. Pararge aegeria-egerides Stgr. Fliegt anf. VII in der gen. 


aest. ım Waldschatten. 


. Pararge megera L. Nach Pf. M. V in gen. vern., anf. VII in 


gen. aest. nicht selten. Bei allen Stücken die dunklen Zeich- 
nungselemente auf der Os. besonders am Außenrande ver- 
breitert. Die Us. ıst dunkel graubraun. Von uns nur wenig 
beobachtet. 


. Aphantopus hyperanthus L. Einzeln ım W. 
. Epinephele iurtina L. W. u. P. häufig. Die © © bilden gute 


Uebergänge zu südlichen Formen. 


. E. rhamnusia var. intermedia Stgr. Ab Anfang VI im W. 


und P. Die von Pf. durchgeführte Genitaluntersuchung ergab 
einwandfrei die Zugehörigkeit zu dieser Art. Die Falter sau- 
gen gerne an Strohblumen und sind bei trübem Wetter in 
Mengen aus Büschen aufzuscheuchen. 


. Coenonympha iphis. W. V. Von Pf. A. VI. im W. nicht 


selten beobachtet. Bei den 9 9 schlagen auf der Hflos. 
die Augen fast stets durch. 


. C. pamphilus L. Ab Mitte V in mehreren Gen. Julitiere 


sind nahe verwandt mit maritima Stgr. 


r 


. Pyrameis cardui Li. Allenthalben. 
. Vanessa jo L. Einzeln. 
. V. urticae L. Selten. 


. V. polychloros L. Von Pf. einzeln in der Nähe von Obst- 


gärten gefunden. 


. Polygonia c — album L. Von Pf. in der südl. Sommerform 


pallidior Tutt mehrfach gefunden. 


. Melitaea cinxia L. Nach Pf. M. V — A. VI lokal im Wiesen- 


gelände. Die Schwarzzeichnung der Os. ist reduziert; die 
Grundfarbe ein feuriges Gelbrot. Auf der Hflus. sind die 
schwarzen Einfassungslinien scharf ausgezogen, die Mittel- 
binde gelbweiß. Grundfarbe entsprechend der Os. 


u 


M. phoebe Knoch. Im W. nach Pf. ab M. VI einzeln in einer 
tiefroten, wenig bunten Form. 


.M. trivia Schiff. Von Pf. am westl. Waldrand und ın den 


Schneusen A. VI als nicht selterı bezeichnet. Die Stücke sind 
mittelgroß, Grundfarbe tief dunkelrot, Schwarzzeichnung breit 
und reichlich. Pf. zieht die Stücke zur südrussischen Form 
fascıilis Esp. 


.M. aurelia Nick. Nach Pf. im W. von A. VI—M. VII 


häufig. Die Tiere sind klein und in Zeichnung und Grund- 
farbe sehr konstant. 


.M. athalia Rott. Nach Pf. häufiger als vorige Art im W. 


Das Schwarz der Os. reduziert, Grundfarbe tief dunkelbraun 
mit rötlichem Einschlag. 

Von den Melitaea wurde nur athalia in einigen Stücken 
von uns gefunden, alle übrigen fehlten völlig. Wenn auch 
für manche die Hauptflugzeit schon vorbei war, so muß 
doch das völlige Fehlen auch abgeflogener Stücke als auf- 
fällig bezeichnet werden. Wir vermuten fest, daß ein Rück- 
gang dieser Arten vorliegt, der durch die Entwässerungs- 
arbeiten und die damit verbundene Senkung des Grund- 
wasserspiegels verursacht ist. 


. Argynis dia L. Ab M. V im W. in mehreren Gen. Die Stücke 


der gen. aest. besitzen hell ledergelbe Grundfarbe bei gleich- 
zeitiger leichter Reduzierung der Schwarzzeichnung. 


. A. hecate W. V. Pf. fand die Art im südl. W. sehr häufig 


von A. VI. — E. VI. Eine sehr feurige Rasse. Von uns 
nur in ganz wenigen Stücken gesichtet. Das bei den Meli- 
taeen Gesagte gilt auch für diese Art. 


. A. lathonia L. Allenthalben häufig. 
. A. paphia L. Nach Pf. ab E. VI häufig. Von uns nur ein 


Stück erbeutet. 


. A. pandora Schiff. Ab E. VI überall zahlreich. Treiben sich 


mit Vorliebe auf den oft übermannshohen Disteln herum. 


. Callophrys rubi L. Von Pf. E. VI noch einige abgeflogene 


Falter beobachtet. 


. Thecla spini Schiff. Fliegt von A. VI auf Waldlichtungen. 


Die Tiere sind groß, die @ 2 zeigen auf der Vflos. fast stets 
braungelbe Flecken. 


43. 


44. 


45. 


46. 
47. 


48. 


49. 


— a — 


. T. ilicis Esp. Wie vorige, jedoch seltener. 


T. acaciae F. Wurde nur in einzelnen Stücken beobachtet. 


. Zephyrus quercus L. Ein sehr großes frisches @ am 5. VI. 


1928 auf einer Waldlichtung gefangen. 


Chrysophanus thersamon Erp. Von Pf. M. VI. in ı 5 der 
II. Gen. erbeutet. 


C. alciphron Rott. A. Vil. im südl. W. sehr lokal und ein- 
zeln, mit Vorliebe an Kamille. Die Tiere gehören einer sehr 
dunklen einfarbigen Rasse an. Die Vflos. der $'5' weist keine 
Spur rotgelber Färbung auf, sondern ist dicht mit violett- 
blauen Schuppen bedeckt. Die sonst regelmäßig durch- 
schlagende Punktzeichnung ist auf ı—2 Pünktchen redu- 
ziert. Hflos. ebenfalls dicht violettblau, nur im Innenwinkel 
ist die rotgoldene Färbung schmal sichtbar. Us. lichtgrau mit 
mattem Seidenglanz, Punktzeichnung reduziert. Die Q 9 sind 
os. tief dunkelbraun ohne rötliche Aufhellung; us. grau 
mit gelblicher Färbung. Die Uebereinstimmung der leider 
nur wenigen, aber aus verschiedenen Jahren stammenden 
Tiere läßt auf eine sichere, gute Rasse schließen. 


C. phlaeas. L. Allenthalben. Die Stücke der II. Gen. bilden 


Uebergänge zu eleus F. Auch mod. suffusa Tutt und caeru- 
leopunctata Stgr. kommen vor. 


C. dorilis. Hufn. von Pf. im W. ı Q gefangen. 


Everes argiades Pall. und gen. vern. polysperchon Bsgstr. 
Die im Waldgebiet von Pf. als nicht selten angegebene Art 
wurde von uns nur 1929 in wenigen Stücken beobachtet. 


Lycaena argus L. Von A. VI an im W. nicht selten. Der 
schwarze Rand der Vflos. ist breit angelegt. 


L. argyrognomon Bgstr. A. VI. — M. VII. an den Rändern 
der Turjane sehr häufig. Es handelt sich nach Pf. um eine 
gute Rasse, wenn dieseibe nicht überhaupt zu L. ligurica 
Obth. (— insularis Leech-difficilis Stdr.) zu ziehen ist. Bei 
den Jod’ ist das Blau der Os. matt glänzend, der schwarze 
Saum schmal und scharf. Die Us. silberig grauweiß mit leicht 
bräunlichem Einschlag, die breite Außenbinde hebt sich kräf- 
tig ab. Die Punkte sind scharf, aber nicht groß. Die 9% 
tief dunkelbraun, die Orangebinden schlagen am Hfl. und 
meist auch am Vfl. stark durch. Die Grundfarbe der Us. ist 


50. 


Er 


54. 


55- 


56. 


57: 
58. 


59. 


60 


— 345 — 


etwas bräunlicher a's bei den fg‘, die Außenbinde besonders 
breit. 


L. orion Pall. Im südlichen W einzelne Stücke der I. Gen. 
von Pf. A.—E. VI. beobachtet, von uns ab ;5. VII. frische 
Stücke der II. Gen. Die Tiere der I. Gen. sind fast durch- 
gehend in beiden Geschlechtern ohne blaue Beschuppung, 
die II. Gen. dagegen zeigt etwas blauen Anflug. Charakte- 
ristisch für beide Gen. ist die cremeweiße, seidenglänzende 
Us., die reduzierte Schwarzfleckung und vor allem die 
stark verschmälerte schmutzig gelbe, nie orangefarbene Hfl.- 
binde. Diese Merkmale lassen auf eine gute Rasse schließen. 


L. baton Bgstr. Wurde nur im VII. 29 im W. von uns ın we- 
nigen Stücken beobachtet. 


. L. astrarche Bgstr. Im W. nicht selten. ı. Gen. ab Anfang V. 


Die gen. aest. aestiva Stgr. ab M. VM. 


.L. icarus Rott. Ueberall nicht selten in mehreren Gen. 


Unter den Julistücken auffallend viele Zwerge (Pf.). mod. 
arcuata n. c. unter der Art. 


L. bellargus Rott. Von A. VI bis Mitte VII überall einzeln. 
Von uns wurden nur geflogene Stücke der I. Gen. gesichtet. 


L. coridon Poda. Nur ı 5 am 8. VII. 23 im W. gefangen. 
Wurde von Pf. nicht beobachtet. 


L. cyllarus Rott. Durch Pf. M. V als nicht selten ım W. 
festgestellt. 


Cyaniris argiolus L. V—VIl im W. ın 2 Gen. 


Carcharodus alceae Esp. Die von Pf. A. VII nicht selten 
angetroffene Art wurde von uns nur in einzelnen Stücken 
beobachtet. Im W. wurde die Raupe ın Anzahl in zusam- 
mengesponnenen Malvenblättern angetroffen. Entwicklung 
M.—E. VI. 


C. lavatherae Esp. Einzeln im W. und D. A. VI — M. VI. 
Im VII. 28 wurde ein albinotisches Stück erbeutet, bei dem 
oberseits die cremeweißen Zeichnungselemente wischartig 
ausgeflossen und verbunden sind und die grünlichbraune 
Grundfarbe fast ganz verdrängen. Auch die Glasflecke teh- 
len. Us. analog der Os. 


. Hesperia sao Bgsir. ı 5 to. VII. 28. Sonst nicht beobachtet. 


66. 


— 346 — 


. H. carthami Hb. — moeschleri H. Schäff. Ab M. VI im W. 
und D. häufig. 


2. H. armoricanus Obth. Von Pf. für A. VII. als in der P. ein- 
zeln angeführt. 

. Thanaos tages L. A. V. — M. VII verschiedentlich ange- 
troffen. 


. Heteropterus morpheus Pall. Von E. VI ab im W. einzeln, 
darunter 1928 ein Stück mit tränenförmig ausgeflossenen 
Flecken der Hinterflügelunterseite. 


5. Adopaea lineola 0. In großen, lichten Stücken überall 


zahlreich. 


Augiades sylvanus Esp. Ab M. V.—M. VI. im W. nicht 
selten. Die Stücke sind sehr groß und hell. 


(Fortsetzung folgt.) 


Einige neue palaearktische Lepidopteren-Formen. 
(Mit 14 Abbildungen.) 


Von Leo Sheljuzhko, Kijev. 


1. Pieris melete Men. ab. &ö feminalis (nova). 
(Fig. 1, Tafel XXVIN) 


Beim Spannen einer älteren Lepidopteren-Ausbeute aus Ja- 
pan fiel mir unter einer größeren Anzahl von Pieris melete Men. 
ein 5 dieser Art auf, welches scharf von allen mir bis jetzi 
bekannt gewordenen melete Sg abweicht. 

‚Bei den melete-5 5 ist der Außenrand der Hfl. ganz zeich- 
nungslos oder sind höchstens nur die Adernenden dunkel be- 
schuppt (besonders häufig erscheint solch eine Beschuppung bei 
einigen chinesischen melete-Rassen, wie z. B. bei mandarina 
Leech, kommt aber auch bei der japanischen Nominatform vor). 
Bei der neuen Form erscheint auf den Hfl. eine scharfe Rand- 
zeichnung, die solcher von gewissen © © entspricht. Wie aus der 
beigegebenen Aufnahme ersichtlich ist, handelt es sich um 
eine zusammenhängende Binde, die parallel dem Außenrande, 
vom Vrande bis zur 2. Kubitalader verläuft. Sonst ist das Stück 
normal gezeichnet; zu erwähnen wäre vielleicht noch, daß die 
dunkle Zeichnung der Vfl. auch etwas verstärkt ist. 

In Betracht der fast weiblichen Zeichnung der Hfl. be- 
nenne ich diese recht auffallende Form ab. 5 feminalis (nova). 
Diese Form scheint eine seltene Erscheinung zu sein, wenigstens 
ist es das einzige Stück, welches ich unter hunderten von melete 
aus diversen Teilen Japans und des Amurlandes, die mir von 
meinen Sammlern zugingen, fand. 

Das Original der ab. feminalis stammt aus Kagoshima (Kiu- 
Shiu, Jap. m.) und wurde dort, zusammen mit normalen melete, 
von meinem Sammler am 6. VII. 1909 gefangen. 


— 348 — 


2. Erebia afer Esp. krymaea (subsp. nov.). 
(Textfigur 2.) 


Eine kleine Serie (65 & ) von Erebia afer Esp., die Herr 
M. Belozor (Vinnitza) in der Krym (Bergkette Jajla, unweit von 
Jalta) am 17. V. 1927 sammelte und von der ich der Freund- 
lichkeit des Sammlers 2 5’ verdanke, unterscheidet sich so 
beträchtlich von der Nominatform (verglichen mit Serien meiner 
Sammlung aus Sarepta, Saratov, Kizilskaja und Novorossiysk), 
wie auch von den übrigen bis jetzt beschriebenen Rassen dieser 
Art, daß ich die Krym-Stücke als Vertreter einer eigenen Rasse — 
krymaea (subsp. nov.) auffasse. 


Die neue Rasse steht der Nominatform am nächsten, unter- 
scheidet sich aber durch die viel stärkere und mehr ausgedehnte 
weißgraue Beschuppung. 


Auf der Oseite der Vfl. bedeckt diese den Vrand (bis zur 
Fl’basis), den Apikalteil (bis zur Mzelle) und den ganzen äußeren 
Fl’teil bis zum Hrande. In die Breite dehnt sie sich vom Außen- 
rande bis weit über die Ozellenreihe. Diese Beschuppung ist so 
dicht, daß die von ihr bedeckten Fl’teile ganz weißgrau sind und 
kommt dort die dunkle Grundfarbe gar nicht zum Vorscheine. 

Solche weißgraue, aber viel spärlichere Beschuppung findet 
sich auch an der oberen Hälfte des Außenrandes der Hfl. (zwi- 
schen dem Fl’saume und der Ozellenreihe). 

Auch useits ist auf den Vfl. die weißgraue Beschuppung sehr 
verstärkt. Hier bedeckt sie sehr dicht den Apikalteil (bis zur 
Ozellenreihe) und zieht sich, allmählich in ihrer Breite abneh- 
mend, fast bis zur Analader (ohne also den Hrand zu erreichen), 
auch bedeckt sie schmal den Vrand. 

Auf der Useite der Hfl. ist diese Beschuppung nur etwas im 
äußeren Fl’teile verstärkt. 


349 75 


3. Oeneis dzhugdzhuri (spec. nov.). 
(Fig. 3—4, Tafel XXVIN) 


Diese recht eigenartige Spezies, die ich als neu ansehe und 
mit dem Namen dzhugdzhuri (spec. nov.) bezeichne, wäre wohl 
bei nanna Men. und brunhilda A. BH. einzureihen. 

Vfl’länge des einzigen mir vorliegenden 9 -—- 30 mm, 
Spannweite 55 mm (Spannweite von brunhilda nach A. Bang- 
Haas — 44-50 mm, beim größten mir vorliegendem © dieser 
Art — 53 mm). Fl’form weniger gezogen, breiter und mehr 
abgerundet. 

Oseite stumpf gelbbraun-lederfarben (von viel matterem 
Ton, als bei den beiden erwähnten Arten). Diese Grundfarbe 
wird z. T. durch dunklere Beschuppung bedeckt. Auf den Vfl. 
bedeckt diese die basalen 2/3 des Fl., bildet eine Art Marginal- 
binde am Außenrande und eine ziemlich breite Einfassung der 
Adern, deren ganzer Ausdehnung entlang. Auf den Hfl. ist diese 
Beschuppung noch dunkler, fast schwärzlich-braun. Hier bedeckt 
sie ebenfalls die basalen 2/3 der Fl’fläche, bildet eine unscharf 
begrenzte Submarginalbinde am Außenrande und färbt schwarz- 
braun die Adern (außer denen, welche die Mzelle begrenzen). 
Die Färbungsdifferenz zwischen dem basalen und äußeren Fl'teile 
ist bei diesem © stärker als bei brunhilda, erreicht aber nicht 
die Schärfe, welche bei nanna zu beobachten ist. 

Auf den Vfl. ist nur ein kleiner blasser ungekernter schwar- 
zer Subapikalpunkt vorhanden und auf den Hfl. finden sich zwei 
solche Punkte (zwischen den Adern M,—M, und C, —C,). 

Die Fransen sind gelbbraun — etwa von der Farbe des 
Grundtones, an den Adernenden breit schwärzlich verdunkelt. 
(Bei nanna und brunhilda sind dieFransen rein weiß, mit schma- 
ler Verdunkelung an den Adernenden.) 

Useits ist die Färbung der Vfl. lichter (als oseits), etwa 
blaß-bräunlich, die Adern dunkler, der Apikalteil nur im obersten 
Teile mit sehr schwacher und undeutlicher Marmorierung (viel 
schwächer und undeutlicher als bei nanna und brunhilda). 

Die basalen 2/3 der Hfl’useite sind vorwiegend dunkelbraun, 
das äußere 1/3 lebhaft gelbbraun. Die Hfl’useite zeigt eine sehr 
schwache weiße Marmorierung (viel schwächere als bei brun- 
hilda und besonders bei nanna) und erscheint diese stellenweise 
auch auf den sonst schwarzbraunen Adern. Die Ozellen stim- 
men useits in der Zahl und Lage mit denen der Oseite, sind aber 


— 350 — 


schärfer und zeigen je eine kaum bemerkbare. ganz rudimentäre 
weıße Kernung. 

Die Fühler sind gelbbraun, deren Kolbe schwarzbraun, useits 
bedeutend lichter. (Bei nanna und brunhilda scheinen sie mehr 
graubraun zu sein.) 


Die Palpen entsprechen etwa solchen von nanna und brun- 
hilda, sie sind gelblich, die Behaarung z. T. mit schwärzlicher 
Beimischung. 


Das beschriebene sehr reine © wurde in der Bergkette 
Dzhugdzhur (Grenze der Provinzen Amur und Jakutsk), an den 
Quellen des Flusses Dzhelinda am ı12./25. Juli 1915 von Herrn 
V. D. Kozhantshikov erbeutet und befindet sich in meiner Samm- 
lung. 


4. Satyrus fagi Scop. '), krymaea (subsp. nov.). 
(Fig. 5-6, TafelXXVII) 


Jn der Krym ist S. fagi durch eine Subspezies vertreten, die 
von den bis jetzt aufgestellten Rassen dieser Art, auch von den 
geographisch nächsten, wie z. B. von der ostrussischen Zetrica 
Fruhst. (typ. aus Saratov) und der transkaukasischen meshetica 
Jachontov (typ. aus Borzhom), recht verschieden ist. Als Be- 
zeichnung für: diese Krym-Rasse führe ich den Namen krymaea 
(subsp. nov.) .ein. 

Diese Rasse ist mittelgroß (durchschnittlich etwas kleiner 
als z. B. subsp. australis Rbl. aus Dalmatien). Das auffallendeste 
für die Charakteristik von krymaea ist die weiße Außenbinde der 
Hfl., die bei beiden Geschlechtern o- und useits sehr breit und 
rein-weiß ist. 

Die Rasse scheint in der ganzen Krym verbreitet zu sein. 
Das abgebildete Original (9 ) stammt aus Aj-Danil (Südküste der 
Krym, 5. VII. 1915. E. Svidersky leg.), weitere Stücke besitze 
ich aus Karadag, in der Nähe von Feodossia (Südost-Krym, 
22. VI. 1921 — ı d — L. Sheljuzhko leg.), von der Jajla-Kette 
(15. VII. 1922 — £ 9 — V. Volkov leg.), wie auch aus Simfero- 
pol (also schon nördlich der Jajla-Kette, 23. VII. 1924 — JQ — 
V. Volkov leg.). 


!) In der Anwendung des Artennamens fagi Scop. (anstatt des mehr 
gebräuchlichen hermioneL. oder des von Verity restituierten major Esp.) folge 
ich dem Vorschlage Fruhstorfer's (D.E. Z. Iris, vol. XXX, 1916, pp. 145—147). 


—u33l, 


5. Coenonympha symphita Ld. karsiana (subsp. nov.). 

Eine kleine Serie (455, ı9) dieser sehr lokalen Art, die 
der eifrige Sammler B. Tkatshukov im südlichen Transkaukasien, 
bei Sarykamysh (in der ehemaligen Provinz Kars) am 10.—-17. 
(23.—30.) VII. 1915 sammelte, unterscheidet sich so bedeutend 
von der Nominatform, daß ich diese Serie als eine neue Rasse 
ansehen muß, die ich karsiana (subsp. nov.) bezeichne. 

Von der Nominatform liegt mir eine Serie von 26 Jo, 
5@Q aus Bakuriani vor (Mitte Juli: 1914. A. Vassilinin leg.) und 
ein ebenfalls von Vassilinin gesammeltes 5' aus den Sarjal-Bergen 
(bei Adzhikent, Gouvern. Jelisavetpol, 25.-—26. VII. 1914). Mit 
diesem Materiale verglichen, zeigen die Sarykamysh-Stücke fol- 
gende Unterschiede: durchschnittlich sind sie etwas größer und 
haben größere und viel mehr konstante Ozellen o- und useits. 

Vfl’länge der symphita cf 18,5 mm (nur bei einem 5 
19,5; mm), der © 9 ı8,5 mm; derkarsiana Sc 19—20 mm (nur 
bei einem J' 18,5 mm), des 9 zo mm. 

Die Subapikalozelle der Vfl. ist bei symphita nur useits kon- 
stant, oseits scheint sie nur schwach von der Useite durch und 
verschwindet hier oft völlig. Bei karsiana ist diese Ozelle useits 
bedeutend größer (besonders auffällig ist die bedeutend breitere 
schwarze Pupille, die einen größeren weißen Kern als bei symphita 
trägt) und ist auch oseits stets vorhanden, wobei sie hier nicht 
nur von der Useite durchscheint, sondern zur Bildung eines rudi- 
mentären schwarzen Punktes kommt, was bei symphita nur ganz 
ausnahmsweise vorkommt. 

Die Hfl. tragen bei symphita oseits keine Ozellen oder 
Punkte, nur manchmal scheinen die Ozellen der Useite,schwach 
durch. Bei karsiana erscheinen hier 2—3 meist recht deutliche 
schwarze hell umhofte Punkte und scheinen die weiteren Ozellen 
der Reihe von der Useite durch. 

Useits finden wir bei symphita eine Reihe von sechs win- 
zigen Ozellen, die aus der schwarzen Pupille und der hellen (gelb- 
lich-weißen) Umhofung bestehen, von diesen Ozellen ist die 
subapikale bedeutend größer als die übrigen und trägt oft einen 
weißen Kern. Diese Ozellenreihe hat eine starke Reduktionsten- 
denz, deren verschiedene Stufen mehrfach in meiner Serie 
vertreten sind. Am häufigsten verschwinden die mittleren 2—3 
Ozellen der Reihe in der Weise, daß nur der Subapikalfleck und 
die 2—-3 Flecke vor dem Analwinkel, oder die drei oberen und 
der letzte (im Analwinkel) erhalten bleiben. In anderen Fällen 


— 2 — 


geht die Reduktion noch weiter, so daß nur die Subapikalozelle 
und Rudimente von einer der weiteren Ozellen bleiben (bei 250 
. meiner Serie), endlich können alle Ozellen völlig verschwinden 
(ein 5’ meiner Serie und ein Uebergangsstück mit einzelnen kaum 
wahrnehmbaren Ozellenrudimenten). Es möchte wohl zu weit 
führen, alle diese Formen mit Namen zu belegen, ich glaube nur 
die extremste Form mit völlig verschwundenen Ozellen der Hfl’- 
useite als ab. inocellata (nov.) bezeichnen zu sollen. 

Bei allen mir vorliegenden karsiana-Stücken ist die Ozellen- 
reihe vollständig. Die Zahl der Ozellen ist 6-7 (die letzte Ozelle 
— im Analwinkel — ist manchmal doppelt). Die Ozellen sind 
bedeutend größer als bei symphita (etwa doppelt so groß oder 

noch größer). 

Es seien mir noch einige Worte über die Verbreitung der 
Art gestattet. Lederer (Ann. Soc. Ent. Belg., vol. XIII, 1870, p. 27 
(symphita) p. 44 [symphyta]) beschrieb die Art aus der Umgegend 
von Achaltzych (‚entre Achalziche et la frontiere turque‘). Ro- 
manov (Mem. s. 1. Lep., vol. I, 1884, p. 65. t. III, f. 8-9) gibt als 
Fundort nur Bakuriani an (,Seulement a Bakouriani; tres rare. 
En. Juillet). Korb (Mitteil. Münch. BG wol xl Too 
berichtet, daß er die Art „im Juli in den sumpfigen Wiesen auf 
dem Berg Chambobel in 1500 m Höhe in wenigen frischen Jg 
und Q 9“ fing. Zu diesen Fundorten müßte noch der von mir 
erwähnte: „Sarjal-Berg (bei Adzhikent)‘“ beigefügt ‚werden und 
darauf scheint sich unser Wissen über die Verbreitung der Nomi- 
natform zu beschränken. Freilich schalten Heyne (Pal. Gr.- 
Schmett., vol. I, 1894, p. 622) und Seitz (Gr.-Schmett. d. Erde, 
vol. I, 1908, p. 146) auch Kaukasus in das Fluggebiet der Art 
ein, doch scheinen diese Angaben grundlos zu sein. 

Miller (Bullet. Soc. Ent. Moscou, vol. II, Nr. 2, 1923, p. 146) 
gibt an, daß er die Art im Jahre ıgı1 in der Provinz Kars fand 
(Schlucht des Tadanka-Flusses, 5000--5500°, 10.—24. VI. und 
Berg Tshuchur-Tsham, 8500—9000’, 10.—24. VII.). Es wäre wohl 
anzunehmen, daß diese Stücke mit der hier aufgestellten subsp. 
: karsiana übereinstimmen; leider gibt Miller keine Angaben über 
das Aussehen der Exemplare seiner Ausbeute. 


6. Coenonympha caeca Stgr. heptopotamica (subsp. nov.). 


Die Art wurde von Staudinger (Stett. Ent. Z., 1888, p. 66) 
aus Namangan beschrieben. Typische Stücke liegen mir aus 
Aulie-ata (26. VI./gQ. VII. 1907 — 1 —- E. Fischer leg.) und 


— 355 — 


aus Vyssokoje (in den südl. Vorbergen des Kara-tau, Distr. Tshim- 
kent, 9./22. VII. 1913 — ı 2 — V. Rozhdestvensky leg.) vor. 

Diesen Stücken recht nahe steht eine Serie (Jg ), die 
von V. E. Rückbeil im Juli 1916 in der Provinz Semiretshje 
(Distr. Dzharkent, locus Tyshkan) gesammelt wurde. 

Der Hauptunterschied besteht in der Subapikalozelle der 
Vfl., die, wie bekannt, bei caeca o- und useits völlıg fehlt. Bei 
den Dzharkent-Stücken ist sie useits gut entwickelt und trägt 
auch einen deutlichen weißen Kern, oseits scheint sie nur von 
der Useite durch. Ein weiterer schon weniger auffallender Unter- 
schied der Dzharkent-Stücke scheint darin zu bestehen, daß diese 
vor dem Rande der Hfl’useite (wo gewöhnlich die Ozellen auf- 
treten) I—2 kleine helle Punkte aufweisen, die ın einzelnen Fällen 
als winzige, aber gut ausgebildete Ozellen erscheinen (in solchen 
Fällen bestehen sie aus einem schwarzgrauen Punkte mit gelb- 
licher Umhofung). Solche Punkte scheinen bei caeca nicht auf- 
zutreten, wenigstens fehlen sie den mir vorliegenden Stücken der 
Nominatform völlig. 

Für die beschriebene Form der Semiretshje-Provinz möchte 
ich die Bezeichnung heptopotamica (subsp. nov.) einführen. 

Hier muß ich aber noch einer Coenonympha-Form geden- 
ken, die H. Stauder in seinem Artikel: „Altes und Neues über 
Coenonympha pamphilus L.“ (Int. Ent. Z, vol. XVII, 1924, 
Nr. 19) unter dem Namen eupompus aus dem Ili-Gebiete be- 
schrieb. Nach der Beschreibung zu urteilen, scheint es mir nicht 
ausgeschlossen zu sein, daß meine heptopotamica mit eupompus 
Stauder identisch wäre. In solchem Falle wäre natürlich hepto- 
potamica als Synonym von eupompus einzuziehen, eupompus 


aber nicht als eine pamphilus-, sondern als eine caeca-Rasse 
einzureihen.:) 


Dieser Identität scheinen aber folgende Angaben der Be- 
schreibung Stauder’s zu widersprechen: 

I) „Saum beim 5 noch angedeutet“ — der dunkle Fl’saum 
fehlt bei heptopotamica gänzlich. 

2) „Das helle schmale Mittelband durchzieht (beim 5) 
Iylloıd den ganzen Hfl.“ — Bei heptopotamica (genau wie bei 
caeca) erscheint die Mbinde als eine ziemlich breite helle Halb- 


!) Nebenbei möchte ich bemerken, daß Rückbeil an demselben Orte 
und zu gleicher Zeit mit heptopotfamica auch eine pamphilus-Serie zusammen- 
brachte, die sehr scharf von heptopotamica abweicht und auch nicht mit der 
Beschreibung von eupompus stimmt. 


— cl — 


binde, die sich vom Vrande etwa bis zur Mzelle zieht und dann 
noch als ein weißer Fleck erscheint. | 

3) „Basis und Rand der Hfl.-U.-S. (des g') sind eintönig 
hellbraun gehalten, jede Marmorierung fehlt.‘ — Bei heptopo- 
famica sind Basis und Rand der Hfl’useite etwas verschieden ge- 
färbt. Der ganze Ton der Hfl’useite wäre etwa als ziemlich dunkel 
graubraun zu bezeichnen und ist dieser Grundton an der Fl’basis 
etwas grünlich beschuppt. 

Wegen der Apikalozelle sagt Stauder nur sehr kurz: „Api- 
kalauge bei den vorliegenden Stücken obsolet.‘ i 


7. Melitaea didyma O. turkestanica shel. (nom. nov.). 
(pro turanica Stgr., nom. praeoccup.) 


Wie schon Dr. K. von Rosen (Mitteil. d. Münch. Ent. Ges,, 
XI, 1921, p. 91) angibt, muß der Name furanica Stgr. durch eine 
neue Bezeichnung ersetzt werden, als welche ich den Namen 
turkestanica (nom. nov.) vorschlage. 

M. didyma turanica wurde von Staudinger im Jahre 1886 
aufgestellt (Stettiner Ent. Z., p. 231), während derselbe Name 
von Ershov schon im Jahre 1874 (Lepidoptera, gesammelt auf der 
wissenschaftlichen Forschungsreise nach Turkestan unter A. P. 
Fedtshenko, p. 16) für die Art gebraucht wurde, welche Stau- 
‚dinger später als M.pamira (Stett. Ent. Z., 1887, p. 53) beschrieb. 


Die Ursache, warum der Name furanica Ershov so lange 
unbeachtet blieb, liegt wohl darin, daß dieser im russischen (den 
Ausländern also wenig zugänglichem) Texte publiziert wurde, 
während die dieser Beschreibung entsprechende Abbildung (l. c., 
t. I, f. ıı) unter der Bezeichnung ‚Melitaea athalia ab.‘ ver- 
‘öffentlicht wurde und unter diesem Namen auch im „Catalog“ 
von Staudinger u. Rebel (p. 33) zitiert wird. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich hier noch eine inter- 
essante Q-Form von furkestanica erwähnen. Wie bekannt, ist 
für diese Subspezies der schwache Geschlechts-dimorphismus 
sehr charakteristisch. Die 9 © sind nämlich fast wie die Jo ge- 
färbt, meist nur etwas blasser. Ein © meiner Sammlung macht 
eine interessante Ausnahme in dieser Hinsicht, indem seine Fär- 
bung eine gewisse Aehnlichkeit mit © © von M. ala Stgr. aufweist, 
während die Zeichnung der O- und Useite charakteristisch für 
turkestanica bleibt. Die Vfl. sind bei diesem Stücke grau, leicht 
gelbgrün angelegt, die Hfl. rotbraun. 


— 353 — 


Das beschriebene Stück erhielt ich von meinem Sammler, 
der es am 3./16. V. 1909 zusammen mit normal-gefärbten Stücken 
bei Kauntshi (unweit von Tashkent, Provinz Syr-darja) fing. 

Diese Form, die ich mit dem Namen pseudoala (ab. nova), 
bezeichne, scheint bei turkestanica durchaus keine gemeine Er- 
scheinung zu sein, da das beschriebene Stück das einzige unter 
vielen Stücken dieser Subspezies, die mir aus diversen Teilen des 
Turkestan zugingen, war. 

Ich muß hier noch einer Eigentümlichkeit der Zeichnung 
dieses © gedenken, die wohl kaum mit der Veränderung der Fär- 
bung verbunden sein könnte. Sie besteht darin, daß die äußere 
rotbraune Binde der Hfl’useite durch die hellen Adern in einzelne 
Flecke aufgeteilt ist, wobei jeder von diesen Flecken deutlich weiß 
gekernt ist. Ich glaube, daß dieser Zustand, der wohl bei allen 
didyma-Rassen vorkommen kann, einen besonderen Namen ver- 
dient und bezeichne diese Form ab. alboocellata (nova). 


8. Melitaeca didyma O. shugnana (subsp. nov.). 
(Fis. 7-10, Tafel XXVI) 


Vom Pamir wurde bis jetzt nur eine didyma-Rasse beschrie- 
ben, nämlich nadezhdae Shel. (D. E. Z. Iris, XXVI, 1912, p. 137), 
deren Originale vom Pamirsky Post, aus Kiziljar und Nechisilga 
stammen. Inzwischen ging mir auch weiteres Material von dieser 
Subspezies zu, teilweise aus denselben Lokalitäten, teilweise aus 
neuen, wie Kyzyl-Rabat (1) und Ak-tash (3 Sog) (Pamir m. 
or.), Tshatyrtash (1Q ), Ljangar ($ 9) und Alitshur (1Q ) (Pamir 
m.), Tash-Kurgan (15) (Pamir or.) und Chorog (J Q) (Pamir 
oc.). Dieses Material bestätigt meine Annahme, daß es sich um 
eine ausgezeichnete Rasse handelt und beweist, daß diese eine 
ziemlich ausgedehnte Verbreitung im Pamir hat. 

Aus Chorog (Provinz Shugnan, Pamir oc.) liegen mir aber 
noch weitere didyma-Stücke vor, die sich keinesfalls mit der 
subsp. nadezhdae identifizieren lassen. In welchen Verhältnissen 
zu einander diese Formen stehen ist mir noch recht unklar und 
muß ich mich nur darauf begrenzen, einige Vermutungen darüber 
zu äußern. 

Die markanteste von diesen Formen bezeichne ich shugnana 
(subsp. nov.). Von dieser besitze ich eine Serievon 14 dd, 5 29, 
welche in der Umgegend von Chorog, in der Höhe von etwa 
8000’, zwischen dem 14./27. IV. und ı18./31. V. ıgı2 erbeutet 
wurden und in meinen Besitz aus der Sammlung von P. Trusse- 


3900 


vitsh übergingen. Von den beiden Geschlechtern fallen die 9 9 
besonders auf. Diese sind von allen bekannten didyma-Formen 
sehr verschieden und könnten, nach der Öseite zu urteilen, als 
eine helle Form von M. ala angenommen werden, jedoch spre- 
chen die Useite, wie auch die dazu gehörigen Jg entschieden 
dagegen. 

Die Fl’form dieser Rasse ist (besonders bei den 9 9 ) ziem- 
lich ausgezogen. Die Falter sind etwas größer als nadezhdae und 
stimmen deren Dimensionen ungefähr mit denen von M. ala. Die 
Geschlechter weisen einen starken Dimorphismus auf. 

Bei den S’oJ’ sind die schwarzen Zeichnungen stärker und 
größer als bei nadezhdae. Die submarginale Fleckenreihe der V- 
und Hfl. ist stärker als bei nadezhdae entwickelt, die einzelnen 
Flecke haben meist eine ausgesprochene Halbmondform und 
bilden eine mehr oder weniger komplette Submarginalbinde, was 
bei den nadezhdae-5 5 nur sehr selten der Fall ist. Die nächste 
Fleckenreihe fehlt, von dieser bleibt, wie bei nadezhdae, nur ein 
Fleckchen am Vrande übrig. Die Flecke der Mreihe sind stark 
vergrößert, bilden aber keine zusammenhängende Binde. Die 
schwarzen Zeichnungen des basalen Teils der Vfl. sind etwas 
dicker als bei nadezhdae. 

Auf den Hfl. ist die dunkle basale Beschuppung weniger 
ausgedehnt als bei nadezhdae. Die übrigen Zeichnungen, außer 
dem Marginalsaume und den Submarginalflecken, fehlen bis auf 
die Mbinde, von der nur einzelne kleine Punkte als unbedeutende 
Fleckenreste bei einzelnen Stücken übrig bleiben. 

Die kleinen weißlichen Fleckchen im Apikalteile am Vrande 
der Vfl., die so charakteristisch für nadezhdae sind, sind bei 
shugnana schwächer ausgeprägt und können auch ganz fehlen. 

Useits sind die schwarzen Zeichnungen stärker entwickelt. 
Auf den Vfl. fallen besonders die großen und intensiven Flecke 
der Mreihe auf (bei nadezhdae sind diese oft ziemlich verloschen). 
Auch auf den Hfl. sind die schwarzen Zeichnungen gröber, die 
 rotgelben Binden sind breiter und intensiver als bei nadezhdae 
gefärbt. 

Die 29 9 sind von den Jo sehr verschieden. Von den 
5 vorhandenen 2 Q sind bei vier die V- und Hfl. auffällig ver- 
schieden gefärbt. Der Grundton der Vfl. könnte bei diesen 49 Q 
vielleicht als beingelb bezeichnet werden, der Vrand ist etwas 
bleicher — fast weißlich. Der Außenrand ist breit rötlich-gelb 
angeflogen. Von solcher rötlich-gelber Färbung. ist auch der 


— 357 — 


Mfleck der Zelle ausgefüllt. Die Hfl. sind etwa wie bei den Jo 
rotgelb, nur etwas blasser. Beim fünften © sind die Vfl. ebenso 
rotgelb, wie die Hfl., doch bleibt auch bei diesem Stücke dei 
Vrand weißlich-gelb. 

Was die Zeichnung der Oseite der 2 © betrifft, so erinnert 
diese stark an die von M. ala Stgr. Auf den Vfl. ist der Saum 
nicht breit und läßt sehr gut die ziemlich großen Randpunkte 
erkennen. Die Flecke der submarginalen und der darauffolgenden 
Reihe bilden zwei ununterbrochene deutliche und einander pa- 
rallele Binden. Die Mreihe besteht aus großen Flecken, von 
denen die oberen vier mehr oder weniger mit einander zusammen- 
fließen, während die übrigen meist isoliert liegen. Die Zeich- 
nungen der basalen Vfl’hälfte entsprechen ebenfalls ziemlich gut 
solchen von ala. 

Auch die Hfl’zeichnung erinnert stark an die vonala. Es 
wären aber folgende Unterschiede zu notieren. Die Saumbinde 
ist bei shugnana bedeutend schmäler, so daß die Randpunkte 
besser zum Vorscheine kommen. Die submarginale Kappenbinde 
ist besser ausgeprägt, besonders im unteren Teile, wo drei Halb- 
möndchen ziemlich scharf und intensiv ausgeprägt sind. Die 
dunkle Basalbestäubung ist weniger intensiv und viel weniger 
ausgedehnt. Die übrigen Zeichnungen fehlen den Hfl. gänzlich. 

Die Useite ist von solcher bei ala sehr verschieden und 
gleicht der Useite der Jg fast gänzlich. Erwähnenswert wäre 
nur, daß der Vrand der Vfl. bei den @ 9 breit weißlich ist, daß 
der Grundton der Vfl. lichter erscheint und daß die schwarzen 
Flecke der Hfl’useite (zwischen den gelbroten Binden) weniger 
zahlreich sind. 


Forma problematica (nova). 
(Fig. 11—12. Tafel XXVI) 

Außer shugnana und dem oben erwähnten nadezhdae- 
Pärchen erhielt ich aus Chorog noch eine didyma-Serie, die 
weder mit shugnana, noch mit nadezhdae zusammenfällt. Die 
Stücke sind’ datiert: 28. VI. (11.\.VIl:) —: 7: (20.). VII. 1916 
(20), 6. (19.) — 12. (25.) VI. 1912 — 7000’ (JQ) und ohne 
Datum (1 © ). Die Dimensionen dieser Form entsprechen etwa 
denen von nadezhdae. Die Färbung der Jg ist etwas greller 
(mehr rötlich) als bei nadezhdae und shugnana. Die weißlichen 
Fleckchen am Vfl’apex fehlen gänzlich oder sind nur kaum an- 
gedeutet. Die schwarzen Zeichnungen sind stärker als bei na- 
dezhdae entwickelt und entsprechen etwa solchen von shug- 


— 3) 


nana. Der Raum zwischen dem dunklen Marginalsaume und der 
submarginalen Fleckenreihe ist schmaler als bei shugnana. 

Auch die @ 9 entsprechen weder nadezhdae, noch shug- 
nana, am besten lassen sie sich mit @ © der mir vorliegenden 
didyma-Serie vom Tuptshek (Gebirge Peter des Großen) |subsp. 
erarea Fruhst.?] vergleichen. Die Grundfarbe der beiden Cho- 
rog-Q QDist heller als die der entsprechendeng’g'. Die Färbung 
der V- und Hfl. ist bei einem J' die gleiche, während beim zweiten 
die Vfl. bedeutend heller (weniger rötlich) als die Hfl. sind. Bei 
beiden Q Y ist der Vrand etwas weißlich aufgehellt. Der dunkle 
Marginalsaum der Vfl. ist ziemlich breit, mit diesem fließen die 
schwarzen Randpunkte zusammen. Die submarginale Flecken- 
reihe ist dem Marginalsaume sehr genähert, bei einem 9 fließen 
diese Flecke zu zusammenhängender Submarginalbinde zusam- 
men. Die Flecke der nächsten Reihe sind rudimentär oder fehlen 
gänzlich. Die Flecke der Mreihe sind sehr groß, besonders der 
Fleck am Hrande. Die oberen vier fließen mehr oder weniger 
miteinander zusammen. 

Auf den Hfl. ist der schwarze Marginalsaum recht breit, ihm 
liegen die schwarzen Saumpunkte eng an. Die submarginalen 
Flecke sind etwas anders als bei shugnana geformt, nämlich klei- 
ner und dicker. Bei einem © ist die Fl’mitte durch eine Reihe 
kleiner Flecke durchquert, während beim zweiten © die Fl’mitte 
zeichnungslos bleibt. 

Die Useite entspricht ziemlich gut solcher von shugnana, 
nur scheint durchschnittlich das Rotgelb bei der neuen Form 
etwas intensiver und das Weiß etwas mehr gelblich zu sein. 

Ich erlaube mir diese neue Form, deren systematische Be- 
deutung noch unsicher bleibt, als problematica (f. nova) zu 
bezeichnen. Nach den Daten zu urteilen, wäre es recht möglich, 
daß problematica die zweite Generation von shugnana bildet, 
während nadezhdae eine (wohl einbrütige) Form höherer Berg- 
regionen ist, die vielleicht bei Chorog gar nicht in denselben 
Verhältnissen und nicht an denselben Stellen, wo shugnana 
fliegt, vorkommt. 

Die Sache wird noch mehr dadurch kompliziert, daß ich 
noch ein didyma-? aus Chorog besitze (Chorog 1910, e coll. 
P. Trussevitsch), welches großen Zurkestanica-Q @ sehr nahe 
kommt. Wie seine Erscheinung bei Chorog zu erklären wäre, 
falls hier keine Verwechslung der Fundortsangabe stattfand, bleibt 
mir fraglich. 


Zwar 


9. Melitaeca didyma O. ishkashima (subsp. nov.). 
(Fig. 13-14, Tafel XXVI) 


Um die Besprechung der Pamir-Formen von M. didyma 
zu vervollständigen, gebe ich hier noch die Beschreibung einer 
weiteren Rasse, die aus dem äußersten südwestlichen Punkte des 
Pamir stammt. Von dieser wurden 355 bei Ishkashim (kıishlax 
Njut) am 7./20. VI. ıgıI von meinem Sammler erbeutet. 


Die Stücke scheinen der mir in natura leider nicht vor- 
liegenden subsp. chitralensis Moore am nächsten zu stehen. Ein 
Vergleich mit der Abbildung von chitralensis bei Seitz (Gioß- 
Schmett. d. Erde, I, t. 66, Reihe f, Fig. 4) läßt folgende Unter- 
schiede konstatieren. 

Die Ishkashim-Stücke sind etwas größer (Vfllänge 18 mm). 
Die Grundfarbe ist nicht das blasse Gelb der Abbildung, sondern 
orange-rot (nur unbedeutend blasser als bei nadezhdae). Die 
Zeichnung der Vfl. entspricht ungefähr der Abbildung; auf den 
Hfl. weicht die Submarginalbinde etwas ab, indem diese bei 
2c'c eine deutliche Kappenbinde bildet, während beim dritten 
diese Eigenschaft weniger ausgesprochen ist. 


Auf der Useite verdienen die sehr schmalen rotgelben Bin- 
den der Erwähnung; sonst kommt die Zeichnung der Useite 
der von nadezhdae sehr nahe. 


Ich erlaube mir diese Form, ihrer Herkunft entsprechend, 
ishkashima (subsp. nov.) zu benennen. 


10. Argynnis (Brenthis) selenis Ev. meinhardi (subsp. nov.). 


Argynis selenis, Meinhard, Verzeichnisse der Sammlungen 
wirbelloser Tiere des Zoolog. Museum der Kaiserl. Universität 
zu Tomsk, VI. 1905, p. 124 (russisch). 


In meiner Sammlung befindet sich eine kleine Serie (2 cd, 
2 @ 9) von A.selenis Ev., die aus der Umgegend von Tomisk 
stammt und die dort von A. Meinhard am 17./30. VI. 1906 
gesammelt wurde. Diese Stücke unterscheiden sich so beträcht- 
lich von der Nominatform (typ. aus Kazan), wie auch von seiner 
subsp. sibirica Ersh., daß ich nicht zweifle, in den Tomsk- 
Stücken eine neue und ausgezeichnete Lokalform vor mir zu 
haben, die ich zu Ehren seines Entdeckers — des inzwischen 
leider verstorbenen russischen Lepidopterologen A. Meinhard — 
meinhardi (subsp. nov.) bezeichne. 


— 360 — 


Schon Meinhard hat in seiner oben zitierten Arbeit die lıch- 
tere und blassere Färbung der Htl’useite der Tomsk-Stücke no- 
tiert. Er konnte aber diese nur mit einem Exemplare der subsp. 
sibirica (aus Barnaul) vergleichen und zog die Stücke aus Tomsk 
zur typischen selenis Ev. 

Von der Nominatform liegen mir je ein J' aus RKazan (VI. 
1888) und Nizhniy-Novgorod (VI. 1909) aus der Sammlung von 
L.Krulikovsky und eine Serie (I0 J 0, 5 @ 9 ) aus Turgojak, Ural 
c. (VL-— VII. 1910-1913. A. Fridolin leg.) vor. Im allgemeinen 
stimmen diese Stücke mit der Beschreibung und etwas groben 
Abbildung der Nominatform, die Eversmann in der ‚„Entomo- 
graphia Imperii Rossici‘ (vol. V, 1851, p. 40, t. IV, f. 1—2) gibt. 
Bemerken möchte ich aber, daß die basale Binde der Hfl’useite 
etwas zu rot gemalt ist; in der Beschreibung wird sie als „bande 
ferrugineuse‘‘ bezeichnet und könnte wohl am besten ,,rot- 
braun’ genannt werden. Erwähnenswert ist ferner, daß die 
Flecke der Mbinde, wie auch die Randflecke, auf der Abbildung 
alle gleichmäßig gelb sind und auch nach der Beschreibung 
gelblich sein sollen. Dies scheint aber durchaus nicht konstant zu 
sein, da bei meinen Stücken öfters einzelne Flecke (in der Mbinde 
gewöhnlich der erste — am Vrande stehende — und der vor- 
letzte) weißlich sind, wodurch die ganze Useite ein viel bun- 
teres Aussehen bekommt. 

Bei meinhardi unterscheidet sich die Hfl’useite durch den 
ziemlich gleichmäßigen gelben Grundton, wobei alle Flecke der 
Mbinde, wie auch die vor dem Außensaume gelb sind und keine 
weißlichen Aufhellungen zeigen. Das auffallendste besteht aber 
darin, daß auch die basale Binde nicht rotbraun, sondern gelb ist 
und nur einen schwachen (manchmal fast ganz verschwindenden) 
rötlichen Anflug hat. Die braune Außenbinde und ihre proximale 
violetteBegrenzung scheint nicht wesentlich von selenis abzuweichen. 

Auf der Vfl’useite sind die Aufhellungen am Außenrande 
und im Apikalteile konstant gelb (nicht weißlich). 

Oseits (wie auch auf der Vfl’useite) sind bei allen mir vor- 
liegenden meinhardi-Stücken die schwarzen Zeichnungen etwas 
feiner und zeigt kein Stück Verschwärzungen oder eine Verstär- 
kung der Zeichnung im basalen Fl’teile, was eine so häufige 
Erscheinung bei selenis und sibirica ist. 

Ein Vergleich mit sibirica, die sich durch ihre dunklere und 
kontrastreichere Zeichnung noch mehr von meinhardi entfernt, 
kann wohl unterlassen werden. 


— 


11. Rhyacia [Agrotis] augur F. tobolskensis 
(subsp. nov.). 


Die Größe entspricht etwa kleineren europäischen Stücken 
(Vfl’länge 18--ı9 mm). 

Kopf, Fühler, Thorax, Abdomen und alle Fl. viel dunkler 
— schwarzgrau. Die Querstreifen der V£l’oseite weniger deutlich, 
die Fransen der Vfl. etwa wie die Fl. gefärbt, die der Hfl. in 
ihrem äußeren Teile weiß (nicht gelblich wie bei europäischen 
Stücken). 

Auch die Useite aller Fl. ist viel dunkler — schwärzlich, 
hier sind aber alle Zeichnungen sehr deutlich. 

3{0 . Tobolsk (West-Sibirien), 8.—22. VII. 1925. (Licht- 
fang.) 

Diese Stücke verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn 
B. Tkatshukov, der eine Lepidopterenausbeute aus Tobosk von 
seinem Sammler erhielt. 


12. Phytometra [Plusia] inconspicua Graes. shugnana 
(subsp. nov.). 


Eine Serie (( %J, 2 22) dieser Art aus Chorog (Pro- 
vinz Shugnan, West-Pamir) mit Stücken aus Juldus verglichen, 
weist bedeutende Unterschiede auf, die mich veranlassen, in 
den Pamir-Stücken eine eigene Lokalform zu ersehen, welche 
ich mit dem Namen shugnana (subsp. nov.) bezeichne. 

Das Basal- und Außenfeld der Vfl, wie auch die Makeln, 
sind sehr blaß bräunlich-gelb, viel blasser als bei der Nominat- 
form. Auch das dunkle Mfeld ist blasser und dabei breiter, beson- 
ders am Hrande. 

Die Hfl. sind gelbbraun (nicht schwarzbraun, wie bei in- 
conspicua); die dunkle Querlinie, wie auch der Mpunkt sind blaß, 
kommen jedoch, infolge des hellen Grundtones, besser als bei 
inconspicua zum Vorscheine. 

Auch der Thorax und Abdomen sind lichter, mehr gelblich. 

Die Useite aller Fl. ist eintönig gelblich, ohne die Ver- 
dunkelungen, die bei inconspicua vorhanden sind. Die Quer- 
linien sind ganz verblaßt, kaum sichtbar. 

Fangdaten: ıg9I0o (7 Sg) — von meinem Sammler erhal- 
ten und 24V 72 MIN) 104.(23.) VIE 1912 @J I,2 22) 
aus der Sammlung von P. Trussevitsh. 


= 22 = 


13. Synanthedon martjanovi Shel. 


Bei der Zusammenstellung der Originalbeschreibung von 
S. martjanovi:) lag mir, wie ich s. Z. angab, nur ein fühler- 
loses Stück dieser Art vor, welches ich, den Angaben von Herrn 
V. D. Kozhantshikov (dem ich das Stück verdanke) folgend, 
tur ein @. hielt. 

Vor kurzem erhielt ich aber von Prof. S. D. Lavrov (Omsk) 
in einer kleinen Lepidopterensendung, die mir zur Determination 
eingesandt wurde, ein zweifelloses Pärchen dieser Art, welches 
in einem Garten innerhalb der Stadt Omsk am 13.—14. VI. ge- 
funden wurde. 

Ein genauer Vergleich dieser beiden Stücke mit dem Ori- 
sınale von S. martjanovi, wie auch mit einem weiterem ?® 
dieser Art, das, wie das Original, aus Minussinsk stammt, veran- 
laßt mich meine Originalbeschreibung zu korrigieren. 

Der Vergleich zeigt die volle Identität des Omsk- © mit dem 
Qaus Minussinsk, wie auch mit dem Originale, während das 
etwas verschieden ist. Die Unterschiede bestehen außer den 
useits bewimperten Fühlern häuptsächlich darin, daß die Ab- 
dominalsegmente 4, 5 und 6 beim Jg’ useits weißlich sind (beim 
Q hat nur das 6. Segment diese Eigenschaft). 

In solcher Weise wäre es wohl anzunehmen, daß das 
Original nicht ein J ist, wie es in der Originalbeschreibung ange- 
geben wurde, sondern ein Q. 


!) Neue Beiträge z. systemat, Insektenkunde, Berlin, I, p. 104 (1918) und 
Annal. Soc. Ent. France, XCI, 1922, p. 289 (1923.) [Eine Diagnose dieser Art 
wurde auch von V. Kozhantshikov, gegeben (Jahrb. Martjanov, Staatsmus. 
Minussinsk I, 1923, p. 21)]. 


Einige Bemerkungen über Melitaea ala Stgr. 
(Mit 4 Abbildungen, Tafel XXVIL, Fig. 1—4.) 


Von Leo Sheljuzhko, Kijev. 


Prof. Dr. P. Sushxin war anscheinend der erste, der auf 
Grund der Genitalien-Untersuchung die artliche Selbständigkeit 
von M. ala Stgr. bewies. (Zeitschr. f. wiss. Jnsekten-Biologie, 
P21913, p. 171.)i) 

M. ala wurde von Staudinger ursprünglich als eine „var. 
von M. didyma O. beschrieben und wurde sie bis zum Jahre 
1913 von allen Autoren als solche angesehen. 


Aber schon Staudinger fielen die großen Unterschiede zwi- 
schen ala und den didyma -Formen auf und sagt er (Stett. e. 7, 
XL, 1881, p. 288), daß ala so stark von didyma abweicht, 
„daß ich zuerst bestimmt glaubte, es sei eine von didyma ver- 
schiedene Art‘. Die Originale von ala Stgr. stammen von Lepsa, 
wo sie zusammen mit Exemplaren der didyma turkestanica Shel. 


(— turanica Stgr.) gesammelt wurden.?) 


Das gleichzeitige Vorkommen von zwei Unterarten einer 
Art, als welche furkesitanica und ala zu der Zeit angesprochen 
wurden, in ein und derselben Lokalität erklärt Staudinger in tol- 
gender Weise: „Das nahe Zusammenvorkommen mit einer ande- 
ren ganz davon verschiedenen Varietät, neera, erkläre ich mir 
so, daß letztere die Form der Täler und Ebenen, ala aber die 
alpine Form Zentralasiens ist.“ 


Diese Vermutung scheint auch eine Bestätigung in den An- 
gaben von Alpheraky zu finden. Dieser („Kuldzha i Tian-Shan“, 
Petropolis, 1891, p. 171) gibt für das Fluggebiet von furanica Stgr. 


!) Vergl. auch Wagner und Zerny, Ent. Mitteil., II. 1913, pp. 91— 93. 

2) Da furanica von Staudinger erst im Jahre 1886 aufgestellt wurde, 
wird in der zitierten Arbeit die entsprechende didyma-Form unter der Be- 
zeichnung neera F. d.W. erwähnt. 


— 364 — 


(also furkestanica Shel.) 1600--2000 ft. und für ala Stgr. 4000 
bis 9000 ft. Höhe an. 

Dagegen muß ich angeben, daß in den von mir erhalte- 
nen Ausbeuten aus Naryn, Przhevalsk, Dzharkent und anderen 
Berggegenden der Provinz Semiretshje, wie auch aus dem Ale- 
xander-Gebirge, furkestanica und ala meist zusammen vertreten 
waren, da aber genaue Höhenangaben fehlten, könnte man die, 
meiner Ansicht nach so wahrscheinliche Vermutung, daß die 
beiden in gleichen Höhen gesammelt waren, doch noch nicht 
als sicher bewiesen betrachten. 

Für den südlichen Teil des Turkestan, nämlich für die Ge- 
birgskette Peter des Großen (Ost-Buchara), verfügen wir aber 
über ganz bestimmte Angaben, daß dort beide Arten zusammen, 
also bei denselben Verhältnissen und zu gleicher Zeit fliegen. Dies 
wurde schon von Grumm-Grzhimajlo (in Romanoff, Mem. s. 1. 
Lepidopteres, IV, 1890, p. 430) hervorgehoben und bin auch 
ich in der Lage diese Angaben auf Grund des von Herrn G. Kot- 
shubej gesammelten Materials zu bestätigen. Kotshubej fand ım 
Jahre 1913 in der genannten Bergkette, bei Tuptshek (in der 
Höhe von etwa 13000 ft.) beide Arten, also ala und didyma, 
wobei auch die Flugzeit der beiden ungefähr zusammenfällt (die 
mir vorliegenden didyma Stücke wurden zwischen 29. VI. und 
13. VII. — nach altem Stil — und ala am ı2. VII. gesammelt). 

Diese Angaben, wie auch das Factum, daß ich niemals ala 
aus den Steppen oder Wüsten-Regionen von Turkestan erhielt, 
wären wohl ausreichend, um zu beweisen, daß ala ein ausge- 
sprochener Bewohner der Berglande ist, der der Ebene durchaus 
fehlt. Dagegen ist didyma beiden Regionen — der Steppe und 
dem Berglande — eigen und tritt im letzteren zusammen mit 
ala auf. 

Ueber die ala-Stücke vom Tuptshek sagt Grumm-Grzhi- 
majlo (l. c., p. 432): „elle se distingue fort peut des exemplaires 
du Thian-Chan et ne merite pas une denomination particuliere,‘ 
was ıch keinesfalls bestätigen kann. Meiner Ansicht nach sind 
die Unterschiede der ala-Stücke vom Gebirge Peter des Großen 
von denen vom Tian-Shan sehr bedeutend und verdienen die 
ersten ganz bestimmt eine besondere Benennung, als welche ich 
den Namen kotshubeji (subsp. nov.) (Fig. ı-2) zu Ehren des 
‚energischen Forschers Herrn G. Kotshubej (Smela) einführe. 

Diese neue Rasse weist folgende Unterschiede der Nominat- 
form von ala, wie auch seiner subsp. bicolor Seitz, gegenüber 


— 


auf.) Beide Geschlechter haben schmalere und stärker ausge- 
zogene Vfl., was ganz besonders beim @ zum Vorscheine kommt. 
Beim g ist die Submarginalbinde der Vfl. gut entwickelt und be- 
steht aus scharfen, ziemlich zugespitzten Dreiecken, auch auf 
den Hfl. ist die Submarginalbinde gut entwickelt und besteht 
auch hier aus scharfen, zugespitzten, zusammenhängenden Flek- 
ken, die aber eher die Gestalt von Halbmöndchen haben. Diese 
Submarginalbinde fehlt den Hfl. von ala fast stets oder ist (falls 
überhaupt vorhanden) schwächer ausgeprägt und sind die ein- 
zelnen Flecke, aus denen sie besteht, nicht zugespitzt, mehr 
bogenförmig und bilden keine zusammenhängende Reihe. 


Das © ist schon durch seine Färbung ziemlich auffallend. 
Die Vfl. sind mehr rötlich angeflogen (als bei ala), auch die Hfl. 
haben einen intensiveren rotgelben Ton. Dabei sind die hellen 
Flecke der Vfl’zelle, wie auch der submarginalen und der darauf 
folgenden Reihe bedeutend dunkler-rot (etwa ziegelrot). Die 
schwarzen Zeichnungen der Vfl. sind normal entwickelt, auf 
den Hfl. findet sich aber (wie beim Sf) eine deutliche submar- 
ginale Kappenbinde und zieht sich durch die Fl’mitte eine kom- 
plette Reihe von schwarzen mehr oder weniger abgerundeten 
Flecken, die von einander ganz isoliert bleiben. Bei denala-Q 9 
fehlen gewöhnlich diese Submarginalbinden, wie auch die Flecke 
der Mreihe, gänzlich oder sind nur schwach und unvollständig 
angedeutet. 


Die Useite der Hfl., wie auch der helle Apikalteil der Vfl’- 
useite, sind etwas reiner weiß (weniger gelblich) als bei ala, 
Die schwarze Bestäubung der Useite an der Basis der Hfl. und 
am Hrande ist bei kotshubeji stärker entwickelt, besonders beim 
od. Ferner wäre noch .die äußere Begrenzung der äußeren rot- 
gelben Binde erwähnenswert, da diese viel dicker als bei ala 


!) Zum Vergleiche liegt mir ala Stgr. (die subsp. bicolor Seitz inbe- 
griffen) aus folgenden Lokalitäten meist serienweise vor: Ili, Issyk-Kul, 
Przhevalsk, Chorgos, Dzharkent, Juldus, Naryn. Alexander-Gebirge, Vysso- 
koje (Kara-tau-Gebirge). Im ganzen etwa 100 %'9', 75 2 2, Seitz beschrieb 
(Groß-Schmett. d. Erde, I. p. 219, t. 66, f, 7—8) bicolor nach Stücken aus dem 
„Karagatai-Gebirge'' (wohl „Karagai-tau‘' gemeint) als eine 2-Aberration von 
didyma, doch gehört die Form zweifellos zu ala und verwies schon Sushkin 
darauf, daß dieser Name als eine Lokalform-Bezeichnung zu gelten hat. Er 
sagt (Zeitschr. f. wiss. Insekten-Biol., IX, 1913, p. 172): „solche © © habe ich 
in einer Anzahl aus der Umgebung von Naryn bekommen; die %'5' aus dieser 
Lokalität sind auch durch schwächere Entwicklung der schwarzen Zeichnung 
auf der Oberseite vom typischen ala 9 (von Ala-tau und W, Tianschan) ver- 
schieden; diese Form ist also eine Subspezies von ala zu betrachten." 


— 366 — 


ist und eine zusammenhängende zackige Linie bildet, wobei die 
Spitze jeder Zacke auf der entsprechenden Ader liegt. 


Diese Beschreibung wurde auf zwei Pärchen gegründet, 
welche, wie bereits erwähnt, von G. Kotshubej bei Tuptshek 
(Gebirgskette Peter des Großen, Ost-Buchara) in der Höhe von 
ca. 13000 ft. am 12./25. VIl. 1913 gesammelt wurden. Das abge- 
bildete Pärchen befindet sich in meiner Sammlung, das zweite 
in der von G. Kotshube;]. 


Von individuellen Abweichungen der M. ala erlaube ich mir 
folgende zwei zu notieren: 


1) ab. 2 immodulata (nova). 


Für de@ © von M.ala scheint die Divergenz des Grund- 
tones der V- und Hfl. ziemlich charakteristisch zu sein, indem 
die Hfl. gelbrot sind, während die Vfl. diesen Ton durch 
gelbgrau oder grau ersetzt haben und nur manchmal einen röt- 
lichen Anflug besitzen oder stark dunkel übergossen sind. Ich be- 
sitze aber zwei ala-Q © bei denen die V- und Hfl. genau dieselbe 
gelbrote Färbung tragen. Das eine von diesen @ Q wurde bei 
Dzharkent, in der Gegend Tyshkan, Ende Juni 1915 von V. T. 
Rückbeil gefangen, das zweite stammt vom Norden der Provinz 
Semiretshje, wo es zwischen Gerassimovka und der Gegend 
Kyzyl-togoj am 1.—3. (14.—16.) VII. 1914 von V. Novopashennyj 
gefunden wurde. Unter den ziemlich zahlreichen @ © der subsp. 
bicolor Seitz, die mir aus Naryn vorliegen, können auch 2 Q 9 
zu dieser Form gezogen werden. 


Es scheint mir zweckmäßig diese © -Form, die normalen 
ala-Q Q gegenüber einen ganz eigenartigen Eindruck macht, mit 
einem eigenen Namen zu belegen und schlage ich als solchen 


den Namen immodulata (ab. nova) vor. 


2) ab. latemarginata (nova). (Fig. 3—4.) 


d'. Der schwarze Vfl’saum ist sehr breit, etwa Amal so 
breit wie bei normalen Stücken. Am Vrande außerhalb dem 
Zellenende liegt ein sehr großer schwarzer Fleck, der sich fast 
bis zum Marginalsaume ausdehnt. An der Mitte des Hrandes liegt 
auch ein großer schwarzer Fleck, der unscharf begrenzt ist und 
eine undeutliche Verbindung mit der dunklen Basalbestäubung 
aufweist. Zwischen diesem Hrandflecke und dem Kostalflecke 
liegen mehrere ausgezogene diffuse Wische. In der Mzelle liegen 


Erklärung zu Taiel XXVIL 


Fig. 14: Melitaea ala kothshubej Shel. Tuptshek, 13 000‘. 25. VII. 1913. 


1) 5 holotyp. 


2) 2 paratyp. 
3) Useite der Fig. 1. 
4) Useite der Fig. 2. 


Fig. 7-10: Melitaea didyma shugnana Shel. Chorog 8000’. 
7) S paratyp. 27.1IV. 1912. 
8) 2 holotyp. 9.V. 1912. 
9) Useite der Fig. 7. 
10) Useite der Fig. 8. 


Fig. 11—12: Melitaea didyma (shugnana Shel. gen. aest?) problematica Shel. 
Chorog. 
11) JS holotyp. 11. VIL 1916. 
12) @paratyp. 19. VI. 1912. — 7000‘. 


Fig. 13—14: Melitaea didyma ishkashima Shel. 9’ holotyp. Ishkashim, 
kishlak Njut. 20. VI. 1911. 
13) Oseite. 
14) Useite. 


Tafel XXVIL 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


f E | 
if Yudh > 3.8 


) ah 


Fig. 1: 

Fig. 3—4: 
Fig. 5-6: 
Fig. 7—8: 


Erklärung zu Taiel XXVIII. 


Pieris melete Men. ab. feminalis Shel. $' monotyp. Kagoshima. 
6. VII. 1909. 


Oeneis dzhugdzhuri Shel. 9 monotyp. Jugum Dzhugdzhur. 
fontes fl. Dzhelinda. 25. VII 1915. 
3) Oseite, 
4) Useite, 


Satyrus fagi krymaea Shel. ® holotyp. Aj-Danil, Krym, m. 
5, VIIL 1915. 
5) Oseite. 
6) Useite. 


Melitaea ala bicolor Seitz ab. latemarginata Shel. &%' monotyp. 
Naryn. 18. VII. 1914. 
7) Oseite. 
8) Useite. 


Alle Photographien wurden durch Herrn M. Podoljanko hergestellt, 
dem ich auch an dieser Stelle meinen besten Dank für seine Bemühungen 
zum Ausdruck bringe. Sheljuzhko, 


Tafel XXVIIL 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. 1929. 


De, We, % 
N 
Dr 


144 


ZB — 


zwei Flecke: der eine als ein verschwommener Wisch an der 
Zellenbasis und der zweite als ein Viereck vor dem Zellenschlusse. 
Die dunkle basale Bestäubung unter der Zellenbasis ist stärker als 
gewöhnlich ausgebildet und, wie bereits erwähnt, verbindet sie 
sich undeutlich mit dem Hrandflecke. 

Auf den Hfl. ist der schwarze Marginalsaum noch etwas 
breiter als auf den Vfl. und gehen von seiner Innenseite basal- 
wärts dunkle verschwommene Strahlen, die etwa bis zur Fl’mitte 
reichen. Die dunkle Beschuppung am Hrande ist pechschwarz 
und dehnt sich bis zum Marginalsaum. 


Auf der Vfl’useite sind die Submarginalpunkte stark ver- 
größert. In der Fl’mitte vom V- bis zum Hrande liegt eine Reihe 
großer und breiter, länglich stark ausgezogener schwarzer Flecke, 
deren Konturen etwas verschwommen sind. In der Mzelle liegen 
zwei schwarze Flecke, die denen der Öseite entsprechen. 


Die Hfl’useite (wie auch die Useite des Apikalteiles der Vfl.) 
ist weiß, kaum gelblich getönt. Die Randpunkte fehlen völlig, 
an der Stelle der äußeren gelbroten Binde liegt eine Reihe von 
schwarzen Punkten, von denen nur die zwei untersten eine Spur von 
gelbroter Umrandung tragen. Distal ist diese Punktreihe von einer 
Reihe schwarzer Striche begleitet, welche die Punkte leicht be- 
rühren. Die extrabasiläre gelbrote Binde ist zu einem bindenar- 
tigen großen Flecke zusammengeflossen, wobei die den Fleck be- 
rührenden (normal hellen) Fl’teile hier schwarz sind; so ist der 
Basalteil ganz pechschwarz, in der Mitte der Binde liegt ein 
schwarzer Fleck und von außen ist die Binde von länglich-aus- 
gezogenen Strichen begleitet. Der Raum zwischen diesen Strichen 
und denen der Submarginalreihe ist zeichnungslos. 


Das beschriebene Stück (ein 5) erhielt ich neben einer 
größeren Anzahl von normalen Stücken aus Naryn (Provinz Semi- 
retshje); es gehört also der subsp. bicolor Seitz an. Es wurde 
am 5./18. VII. 1914 von ]J.. Nezhivov gefangen. 


Diese Aberration benenne ich /atemarginata (ab. nova), in- 
dem ich für sie den breiten Marginalsaum als charakteristisch 
annehme. 


Zum Schlusse bringe ich eine Uebersicht der bis jetzt auf- 
gestellten M. ala-Formen und der entsprechenden Literaturan- 
gaben: 


— 8 — 


Melitaea ala Stgr. 


M. ala ala Stgr. — Dzhungarsky Ala-tau, Tian-Shan oc. (typ. 
Lepsa). 
M. didyma var. ala, Staudinger, Stett. ent. Z, XL, p. 288 
(1881); Alpheraky, Horae Soc. Ent. Ross., XVI, p. 403 
(1881) — Kuldzha ıi Tian-Shan, p. 171 (1891; Rühl, 
Palaearkt. Großschmett. I, p. 397 (1893); Heyne, ibid., 
p- 790 |[part.| (1895), Staudinger (u. Rebel), Catal. 
=rep. Palaearet. Bann, pr 3 @jparz (100m). 


M. didyma ala, Seitz, Gr.-Schmett. d. Erde, I, p. 219 |part.], 
t..66, 2.12 (&.), 3 (Q) 7908), BramsonCHorsessee 
Ent. Ross., XXXIX, p. 407 [part.] (1910). 


M. ala, Sushkin, Zeitschr. f. wiss. Jnsektenbiologie, IX, p. 
171, £. 5 6 (zenital,)) (1918) Waener us Zermaen 


Mitteil., II, pp. 9I—93 (1913). 
M. ala bicolor Seitz — Karagai-tau (typ.), Naryn, Alexandri-mts. 


M. didyma ab. bicolor Seitz, Gr.-Schmett. d. Erde, I, p. 219, 
t. 66, f. 7—8 (1908); 


M. ala bicolor Sushkin, e. c., p. 172. 
M. ala kotshubeji Shel. — Jugum Petri Magni (Buchara or.):) 
(typ.: Tuptshek, 13 000’). 


M. didyma var. ala, Grumm-Grzhimajlo in Romanoff, Mem. 

Ss. 1. Lepidop., IV, 'p. 430 (1890); Heyne, Ile marır 

Staudinger (u. Rebel), I. c. [part.); Bramson, 1. c. 

[part.]. | 

M. ala latonia Gr. Gr:) — China oc. (typ.: ad fl. Mudzhik, 
affluxus dextri fl. Chuan-che). 


I) Staudinger (u. Rebel) und mehrere andere Autoren geben auch Fer- 
gana als Fluggebiet von M. ala an. Mangels Materials kann ich nicht ent- 
scheiden, ob diese Art dort eine eigene Rasse bildet oder zu einer schon 
beschriebenen gehört (am ehesten wohl zu kotshubeji Shel.) 

®) Eine ganze Reihe von Autoren (Staudinger und Rebel, Seitz, 
Bramson) führen latonia Gr. Gr. als Synonym von ala an, erwähnen aber 
gar nicht die west-chinesische Herkunft von latonia. Diese Form ist mir nicht 
in natura bekannt und kann ich mir nach der kurzen Originalbeschreibung 
keine;genaue Vorstellung der Form machen. Aus geographischen Gründen 
scheint es mir aber sehr wahrscheinlich, daß es sich hier um eine selbständige 
Rasse handelt und glaube ich daher richtiger zu tun, wenn ich diese Form 
hier als solche auffasse, wenigstens bis uns das Gegenteil bewiesen sein wird. 


— 369 — 


M. didyma var. latonia, Grumm-Grzhimajlo, Horae Soc. 
Ents Ross, XXV, p. 455 (1800); Rühl, I. c., p. 396. 


Aberrationen: 
ı) ab.Q immodulata Shel. (typ. Dzharkent). 
2) ab. latemarginata Shel. (typ. Naryn). 


— 370 — 


Berichtigungen 


zu meiner Abhandlung: ‚„Parnassius bremeri amgunensis (subsp. nov.) — 
ein vermutliches Bindeglied zwischen P. bremeri Brem. und P. phoebus F.“ 


(Mitteil. d. Münch. E. G., XVIIL, 1928, Nr.1—2, pp. 1—9). 
Von Leo Sheljuzhko (Kijev). 


Seite 1, Zeile 7 — anstatt „Hilzellen“ muß es „Hil’ozellen“ heißen. 

Seite 7. Die Diagnose von ab. inornata (nov.) muß lauten: „Subkostal- 
flecke und Hrandfleck der Vfl. ohne rot.“ 

Seite 5. Notiz 1. — In dieser Notiz habe ich, den Angaben von 
F. Bryk (Lep. Catal, 27. p. 148) folgend, die Identität der Formen dörriesi 
Warnecke und nigripuncta Turati angenommen. Nachdem ich die Gelegen- 
heit hatte, die Originalbeschreibungen dieser Formen zu vergleichen, ersehe 
ich, daß diese Identität nicht genau ist. Als ab. dörriesi beschrieb G. War- 
necke (Int. ent. Z., XII, 1919, p. 25) eine Form, bei der das ganze Rot auf den 
H£l. oseits fehlt, also auch die beiden Ozellen schwarz sind. In solcher Weise 
entspricht ab. dörriesi derselben Form, die ich als ab, caeca in dieser Notiz 
erwähnte. £ 

Was nun die ab. nigripuncta Turati (Natural. Sicil., IV., 1919, N. 7 [Sep. 
p. 12]) betrifft, so ist das Original von dieser von Verity (Rhopal. pal,, t, 
XI, f, 11) abgebildet. Bei dieser Form ist nur die Medianozelle schwarz, 
während die subkostale noch deutlich rot ausgefüllt ist. 

Also muß der Name nigripuncta Turati nur auf die Form mit schwarzer 
Medianozelle beschränkt werden, während der Name dörriesi Warnecke 
(= caeca Shel.) Exemplare mit oseits völlig schwarzen Ozellen zu bezeich- 
nen hat. 


Die Tagfalter der Insel Celebes. 
Von L. Martin f. ‘) 


Fam. Amathusiidae. (Schluß.) 


207. Clerome chitone Hewitson, eine ganz ungeheuer 
variable, offenbar noch in voller Evolution stehende Art, die 
durch das apikale weiße Querband der Vflunterseite am näch- 
sten mit stomphax von Borneo verwandt erscheint, aber durch 
Größe und Flügelschnitt sich als echtes Kind unserer Insel aus- 
zeichnet. Hewitson beschreibt im 3. Bande seines Bilderwerkes 
chitone kurzweg aus Celebes und sofort darauf Clerome menado 
aus Menado als zwei gut verschiedene Spezies ohne jede Er- 
wähnung ihrer offenbar vikariierenden geograph. Verbreitung 
auf der Insel, chitone aber eine Seite früher, weshalb sie als 
die ältere und als Stammform zu gelten hat, womit Fruhstorfer 
im Seitz offensichtlich Unrecht hat, wenn er an menado diesen 
Rang gibt. Ohne Zweife hat der Autor beide Formen von 
Wallace erhalten, dem die Ehre der Entdeckung zukommt. Er 
sammelte zuerst in der Umgegend Makassars und hat vielleicht 
seine dortige Ausbeute einfach mit „Celebes” etikettiert, nicht 
voraussehend, daß er später auch in Menado sammeln werde — 
so erkläre ich mir die Hewitson’schen Fundortsangaben. Die 
Beschreibungen beider Formen sind ziemlich genau und die 
Bilder deutlich. Die Flügelspannung des chitone weibchens wird 
3 /ıo Zoll, also größer als die des menadomännchens (3 Zoll) 
angegeben, woraus natürlich für Bestimmung keine Schlüsse zu 
ziehen sind, da in diesem Genus immer die 9 durch Größe her- 
vorragen. Es ist übrigens im ganzen Genus die Celebes-Clerome 
weitaus die größte Art, nur die Ostform zeigt etwas geringe- 
res Ausmaß, während die Süd- und Nordform ziemlich gleich 
bleiben. Der Geschlechtsunterschied ist bei allen Clerome sehr 
augenfällig, da das 5° auf der Oberseite der Hil. eine Haarlocke 
besitzt, welche hinter der Wurzel der Mediana entspringt und 
sich über diese und über einen an der Wurzel der Subkostale 


*) Dr. Martin faßte sie als Unterfamilie der Satyriden auf. 


— 22 = 


gelegenen Duftfleck breitet. Über dieser Haarlocke zeigt der 
Innenrand des Vfl., ein ganz unverkennbares Kennzeichen der J, 
eine lappenförmige Hervorragung nach abwärts. Im Seitz sind fünf 
geographische Formen verzeichnet: chitone Hewitson im Süden, 
menado Hew. im äußersten Norden, der auch hier wie bei so 
vielen anderen Arten eine nur ihm eigene, auf ein relativ kleines 
Gebiet beschränkte Form besitzt, zenica Fruhst. im westlichen 
Zentral-Celebes bei Donggala und an der Palubai, pleonasma 
Röber im Osten und fruhstorferi Röber, eine alpine Form des 
Südens, vom Pik von Bonthain. Die Unterschiede dieser 5 Sub- 
spezies sind aber nicht überwältigend, auch nicht immer kon- 
stant und es finden sich zahlreiche Übergänge. Die Ozellen 
lassen sich weder durch Zahl noch durch Größe zur Unter- 
scheidung der Formen benützen, da häufig accessorische Augen- 
flecke vorkommen und die Größe innerhalb jeder Form eine 
sehr schwankende ist. Wo chitone ihre Nordgrenze erreicht, 
wissen wir leider nicht, aber 30 Meilen nördlich von Makassar 
in Tanette fliegt sie noch nach dem Zeugnisse Hollands. Sie ist 
im Hinterlande Makassars wohl das ganze Jahr hindurch nicht 
selten und liegen mir 15 5 und 12 2 von den meisten Monaten 
des Jahres gespannt vor. Piepers sagt „am Bantimarang und 
Amparang und in Bonthain im dichten feuchten Walde der Berge 
sehr häufig, wo sich der Falter sehr gerne auf die Erde setzt“. 
Holland erhielt beide Geschlechter aus Juni und Juli und 
Rothschild 33 Exemplare vom August und September (1891). 
Doherty bemerkte hierzu „häufig, aber seltener als bei meinem 
ersten Besuche 1887", woraus anzunehmen ist, daß Holland noch 
reicher beliefert wurde. Auch Hopffer erwähnt ein Pärchen 
von chitone, das wohl von der Ostküste in die Ausbeute 
Dr. A. B. Meyer's gelangt sein muß; seine Ausführungen bekräf- 
tigen übrigens die große Variabilität des Falters. chitone ist die 
am leichtesten zu erkennende Form und zeigt auf der Oberseite 
die helle Färbung, die wir schon bei Myc. dinon und Bleiogona 
mycalesisQ gesehen haben, die ungefähr das gleiche Gebiet be- 
wohnen mögen. Es bewegt sich also bei diesen drei Arten die 
Farbenevolution in völlig gleicher Bahn, d.h. sie unterliegen den 
gleichen klimatischen Einflüssen. Die Unterseite von chitone ist 
niemals so rötlichgelb, wie das auf Hewitsons Figur zu sehen ist, 
es gibt vielmehr in beiden Geschlechtern neben hellgelben Stücken 
auch solche, welche eine düstere schwarzgraue Überstäubung 
der Unterseite zeigen. Diese besitzt oft auch in der Zelle des Vil. 


— 3173 — 


eine weißliche Aufhellung, in deren Mitte der basale Zellfleck 
steht. Auch auf dem Hil. ist oft eine derartige, aber kleinere 
und undeutlichere Aufhellung an dem Zellfleck zu erkennen. Die 
Ozellen auf der Hilunterseite schlagen suf der Oberseite schwach 
durch, ähnlich wie bei M. transiens und das ” hat wie kein anderes 
Cleroeme X den Apex der Vfloberseite schwarzgrau verdunkelt, 
und diese Verdunklung noch immer sehr deutlich abgegrenzt. 
Immer aber in beiden Geschlechtern ist auf Vflunterseite ein 
wohlausgebildeter Apikalozellus vorhanden, sehr im Unterschiede 
zu den noch zu besprechenden nördlichen Formen, denen dieser 
Ozellus konstant fehlt. Bei der genauen Besichtigung meines 
Materials konnte ich noch einen ebenso auffallenden wie kon- 
stanten Unterschied der chitone von allen nördlichen Formen 
auffinden, bei chitone ist immer von den beiden Ozellen der 
Hflunterseite der obere apikale der größere, während bei den 
Nordformen umgekehrt immer der untere größer ist. Die alpine 
Form fruhstorferi habe ich nicht erbeutet und ist sie mir 
in natura unbekannt, sie fliegt in Höhen von 3—5000 Fuß, zeigt 
ein sehr breites Apikalband der Vflunterseite, die Ozellen, be- 
sonders das Apikalauge des Vfl. sehr deutlich, ebenso die beiden 
Submarginallinien aller Flügel deutlicher als auf den Bildern 
Hewitsons. pleonasma, die Ostform, habe ich in Kendari in 
den wenigen Sammeltagen, die mir dort vergönnt waren, nicht 
gefangen, aber von einem befreundeten Chinesen erhielt ich ein 
männliches Stück aus Paloppo 1. VIl. 06 (Flügelspannung nur 
60 mm gegen 65—75 mm bei chitone), das diese offenbar sehr 
gute Subspezies in meiner Sammlung vertritt. Sie steht in der 
Grundfarbe chitone am nächsten, besitzt aber eine sehr ver- 
schiedene Unterseite. Das apikale Schrägband des Vfl. ist völlig 
gelb und verbreitert sich gegen den Tornus in einen quadratisch 
hellgelben Fleck, der den Flügelrand erreicht. Die Ozellen sind 
alle viel kleiner als bei chitone und die Submarginallinien heben 
sich natürlich von der hellgelben Grundfarbe deutlicher ab. Das 
Apikalauge der Vflunterseite ist deutlich vorhanden aber kaum 
ein Drittel so groß wie bei chitone. Ich bedauere kein größeres 
Material zu besitzen. Von menado liegen mir 2 Ju. 3 2 vor. 
Dunklere Grundfarbe ober- und unterseits, ganz bedeutende 
Reduktion des weißen Schrägbandes im Apex der Vflunterseite, 
deutlich, aber dünn nur noch bei den 2, bei den 7 oft bis auf 
einen weißen Punkt an der Kosta ganz verschwunden und kon- 
stantes Fehlen des Apikalozellus des Vfl. sind die Charakteristika 


— 374 — 


dieser Form des äußersten Nordens, die aber chitone nicht an 
Größe übertrifft. Bei den Weibchen ist der schwarze Apex des 
Vfl. besonders am Außenrande bis zum Tornus herab breiter, 
aber nicht so scharf abgegrenzt und ins Auge fallend, wie bei 
chitone. 5 10 mm, © 77 mm Flügelspannung. Südlich des von 
menado bewohnten Gebietes, bei Donggala und an der Palubai 
soll Doherty laut Fruhst. im Seitz eine Trockenzeitform gefangen 
haben, die dort als zenica benannt wird. Hellere Unterseite, 
kleinere Ozellen und breitere Schrägbinde der Vflunterseite 
zeichnen die Form aus. Ich habe weder bei Donggala noch bei 
Palu ein Stück von Clerome gefangen, alle meine Exemplare 
11 5 2 2 stammen aus dem Berggebiete der Pekawa aus den 
Monaten 2, 3,8, 9,10, 11,12. Wie bei der dexamenusform des 
gleichen Gebietes ist die Unterseite des 5 viel dunkler als bei 
menado, das Schrägband ist etwas deutlicher, aber auch sehr 
oft inkomplett und fadendünn, die Ozellen sind hie und da etwas 
kleiner in der Mehrzahl der Stücke, aber ebenso groß wie bei 
typischen menado, die Unterseite der £ stimmt völlig mit menado 
überein. Es dürften also meine Pekawastücke nur eine unbe- 
deutende alpine Form von menado darstellen und zenica, wie 
sie im Seitz beschrieben ist, habe ich nicht erbeutet. Aus dem 
südlich von der Palubai gelegenen Hochlande von Kolawi liegen 
mir noch 4% u. 3 @ aus den Monaten 4, 6, 9 u. 10 vor, welche 
alle das Schrägband viel deutlicher und breiter zeigen, kleinere 


Ozellen wie die Pekawastücke besitzen (besonders das 2) und 


zweifellos einen Übergang zu chitone anbahnen. Ein 4‘, das mir 
eine Patrouille aus dem noch südlicher gelegenen Lande Bada 
mitbrachte, besitzt die breiteste weiße Schrägbinde, ist aber so 
dunkel wie die Sg aus der Pekawa. Alle meine Feststellungen 
bekräftigen die Tatsache, daß die Celebes-Clerome ein ganz 
enorm variabler Falter ist. 


208. Amathusia phidippus L. — celebensis Fruhstorfer. 
Daß dieser malayische Charakterschmetterling auf Celebes ebenso 
häufig ist wie überall im makromalayischen Gebiete, ist einer 
der stärksten Beweise für die Zugehörigkeit unserer Insel zur 
malayischen und zu keiner anderen Fauna. Er umgaukelt in 
der Morgen- und Abenddämmerung fast alle menschliche Wohn- 
stätten umgebenden Kokospalmen in Makassar und Menado, 
ebenso wie in Singapore, Medan, Batavia, Pontianak und Manila 
und wird hier wie dort untertags mit zusammengeklappten Flügeln, 


— 875 — 


schlafend in den Plafondecken der hohen Wohnräume gesehen. 
Östlich von Celebes aber tritt er nirgends mehr auf und hat 
nichts mit der Papuafauna zu tun, steht vielmehr auf Celebes 
unverweigerlich an seiner Ostgrenze. Auch auf der Kette der 
Kleinen Sundainseln scheint er nicht weiter östlich als bis 
Lombok zu gehen, und auf Bali fand ihn mein Sammler schon 
viel seltener als auf Java, auf Sumbawa bin ich ihm nicht mehr 
begegnet. Er ist auf Celebes in allen Teilen der Insel (Süd, 
Ost- und Nord) sehr häufig und fliegt in immer folgenden Ge- 
nerationen das ganze Jahr hindurch, da ich Exemplare aus allen 
Monaten des Jahres besitze. Von Makassar selbst und Umgegend 
sehr häufig, von der Ostküste aus Paloppo und Salabanka und 
aus dem Norden der Insel von Palu, Kalawara, Talisse, Kolawi 
und Amurang liegen mir in toto 42 Sf und 25 @ gespannt vor. 
Es ist nur wenig von einer Differenzierung zu sagen, die höch- 
stens im weiblichen Geschlechte schwach in Erscheinung tritt. 
Die Weibchen aus dem Süden sind größer und heller, auf der 
Oberseite sehr deutlich gelb gestreift und spannen bis 105 mm, 
während solche aus dem Norden kleiner und dunkler und we- 
niger scharf gezeichnet erscheinen und nur 85—90 mm messen. 
Bei dem sehr beweglichen und kräftigen Fluge der Falter, wel- 
che von Palmgruppe zu Palmgruppe eilen, erscheint eine ein- 
greifende Differenzierung ganz unmöglich, ähnlich wie bei Eronia 
fritaea und Catopsilia scylla. Die helleren Weibchen des Südens 
sind wohl das Resultat der im Süden viel akuter aultretenden 
Trockenzeit, und daß der Norden kleinere, dunklere Formen be- 
sitzt, haben wir schon bei vielen Arten aus allen Familien fest- 
stellen müssen. Es ist ein großes Verdienst Fruhstorfers, so- 
wohl in das Genus Amathusia als auch in die Spezies phidippus 
Ordnung gebracht zu haben und die meisten seiner Subspezies 
sind wohl begründet; aber bei einem unterseits so sehr individuell 
variablen Falter wie phidippus fällt es wirklich sehr schwer, gut 
haltende, auf die ganze Rasse giltige Verschiedenheiten aufzu- 
finden, und es sind auch die von Fruhstorfer für celebensis ge- 
gebenen Merkmale wohl nur in Serien nachzuempfinden. Das 
Männchen ist oberseits sehr dunkel, nur die Rasse West-Borneos 
ist ebenso dunkel, die gelbe Subapikal- u. Submarginalzeichnung 
der Vfl. fällt mehr ins Auge als bei Stücken aus Sumatra und 
Borneo, ist aber nicht so deutlich wie bei Javanern. Der Vfl.- 
Kostalrand zeigt sehr deutlich den Celebesschwung nach ab- 
wärts und außen. Auf der Unterseite sind die sieben über 


— 3716 — 


beide Flügel ziehenden weißlichen Bänder — nur das 4, von 
der Basis gezählt, erreicht nur die Medianader der Vfl. und fin- 
det keine Fortsetzung auf den Hil. — weißgrau, mit einem kaum 
sichtbaren blaß lila Hauche (bei Javanern schwach gelbbraun, 
bei Stücken aus Sumatra und Borneo schmutzig violettgrau), 
der untere Ozellus des Hfl. ist immer etwas größer als der obere, 
zeigt nach außen an dem nagelförmigen weißen Kern einen schwar- 
zen ausgezogenen Schatten und steht bei keiner anderen Form 
auf so breit aufgehelltem grauen Gebiete wie eben bei celebensis. 
Eine sehr originelle Zierde aller Amathusias ist der durch die 
Grundfarbe in zwei Hälften geschnittene Analozellus am Apex 
des lappenartig verlängerten Hils. Beide Hälften tragen den 
weißen Rand nur noch außen, wodurch die Ilusion des Aus- 
einandergeschnittenseins noch erhöht wird. Mich hat dieser 
Schmuck immer sehr an Aufschläge an Aermeln oder Krägen 
miltärischer Uniformen erinnert, welche oft ebenso unmotiviert 
auf der Grundfarbe des Waffenrockes stehen. Das hellere, 
größere Weibchen trägt auf den Vfl. statt des großen gelben Sub- 
kostalfleckes, der bei Javaweibchen besonders deutlich und rein 
von Farbe ist, nur eine schwache dreieckige gelbliche Aufhellung, 
die sich nach abwärts in Form einer zweiten, diskalen, sehr ver- 
wischten Querbinde fortsetzt und kaum in Verbindung mit der 
äußeren submarginalen Querbinde stelıt, die sie bei Javastücken 
fast erreicht. Das zweite diskale Querband ist aber auf beiden 
Flügeln deutlicher als bei anderen Formen, auf dem Hfl. wohl 
hauptsächlich durch Transparenz des breitesten dunkelbraunen 
Bandes der Unterseite. Sonst gilt von der Unterseite das beim 
Männchen Gesagte. Borneo- und Sumatraweibchen stimmen 
mehr mit dem Javaweibchen überein, doch zeigen auch die 
Sumatraner das zweite diskale Querband sehr deutlich. An der 
Unterseite aber ist celebensis in beiden Geschlechtern durch den 
viel helleren sehr aparten Eindruck sofort zu erkennen, der 
durch das Vorherrschen der lilagrauen Bänder hervorgerufen 
wird; keine andere Subspezies besitzt eine so leuchtend helle 
Unterseite. Im Seitz ist die Unterseite des celebensis S' gut 
dargestellt. Natürlich erwähnen alle Autoren die Art in beiden 
Geschlechtern, aber sämtliche ohne besonderen Kommentar, nur 
Snellen sagt, die Celebesstücke seien ebenso groß wie die von 
Java, aber dunkler, Fruhstorfer bezeichnet celebensis als kleiner 
als den Typ von phidippus von Java. — Sollte sich ein kommender 
Exotenentomologe ebenso intensiv mit den verborgenen Reizen 


— 371 — 


dieser riesigen Satyriden beschäftigen, wie das Fruhstorfer und 
ich getan haben, so hat er die Wahl zwischen seiner und meiner 
Auffassung und kann vielleicht als »tertius gaudens« den Nagel 
auf den Kopf treffen. 


209. Amathusia (Pseudamathusia) virgata Butler, ist über- 
all viel seltener als phidippus, scheint aber die ganze Insel zu 
bewohnen, da sowohl Fruhstorfer als ich ihr im Süden u. Norden 
begegnet sind. Die Art wurde schon 1870 von Butler beschrie- 
ben und mag diese erste Type noch von Wallace stammen; der 
deutsche Sammler C.Ribbe brachte 1885 größeres Material nach 
Europa und danach beschrieb Honrath in einem der ersten Irishefte 
(Nr. 3, III. 1886, pag. 91) den Falter nach einem Südstücke von 
Bantimarang nochmals als Pseudamathusia ribbei.‘) Das Genus 
Pseudamathusia erscheint mir völlig überflüssig, denn virgata will 
keine Amathusia vortäuschen, sondern ist eine solche durch 
und durch, und die reichere Ausstattung der vorliegenden Spezies 
mit männlichen Geschlechtsauszeichnungen rechtfertigt bei der 
verblüffenden Aehnlichkeit aller anderen Charaktere mit phidippus 
nicht eine genetische Abtrennung. Auf der malayischen Halbinsel 
und allen großen Inselkontinenten kommen neben phidippus noch 
andere, aber immer sehr seltene Amathusiarten vor, warum 
nicht auch auf Celebes? Hopffer erhielt den Falter nicht, eben- 
sowenig wie ihn Piepers erbeutete, aber Holland und Rothschild 
haben ihn beide durch Doherty empfangen; Holland 4% u.229, 
Rothschild 9 S und auch 2 ©, beide nennen ihn ribbei Honrath 
und Rothschild sagt „closely resembles phidippus.“ Meine Fang- 
resultate erinnern sehr an die Doherty’'s, indem ich 6 5 und 
auch 2 © besitze, 3 5, 2% aus dem Süden und 3 S aus dem 
Norden. Es besteht eine deutliche Differenzierung zwischen 
Süd und Nord, die Fruhstorfer richtig gesehen hat. Er nennt 
im Seitz die unterseits sechs gelbe statt weiße Querbänder be- 
sitzende Nordform thoanthea und hat sie bei Tolitoli im 
November und Dezember an Bananenköder in Anzahl gefangen. 
Auch bei meinen Nordstücken von Menado, Sidondo VII und 
Amurang XII, fällt dieser gute Unterschied sofort auf, alle Quer- 
bänder der Unterseite sind deutlich gelb überhaucht, während sie 
bei den Südstücken eine hellere graue leicht grünlich schimmernde 


Färbung zeigen (Makassar, Patunun, Tondana XI, XII, Namuru VI]). 


‘) Honraths Diagnose ist nicht besonders reichhaltig, sondern dürfte eine 
etwas unbeholfene, tastende Erstlingsarbeit dieses Autors darstellen. 


— Sl) 


Das vordere Auge des Hil. ist wie bei phidippus kleiner als das 
hintere, zeigt aber eine besonders beim 2 sehr dicke schwarze 
Umrandung. Die Zeichnungselemente der Unterseite sind übri- 
gens bei beiden Arbeiten absolut die gleichen, aber der mit den 
komischen halben Ozellen geschmückte Anallappen ist bei virgata 
länger schmäler und spitzer und verbreitert sich nicht gegen sein 
Ende. Vor dem halben Ozellus steht ein breites, fast den ganzen 
Lappen ausfüllendes dunkelbraunes Gebiet, das bei phidippus 
nur bandartig auftritt. Die Weibchen beider Arten stehen sich 
zweifellos sehr nahe, aber der stark konturierte vordere Ozellus, 
das Verhalten der Anallappen und die immer viel schärferen, 
schmäleren Querbänder der Unterseite beider Flügel ermöglichen 
den allein von der Oberseite nicht leicht zu gewinnenden Uhnter- 
schied immer. Die Lebensweise von virgata gleicht völlig der 
von phidippus. Welche Palmenart als Futterpflanze in Betracht 
kommt, wissen wir leider noch nicht. 


210. Amathusia plateni Staudinger, im Jahre 1888 von 
Dr. Platen in der Minahassa entdeckt und von ihrem Autor in 
beiden Geschlechtern in seinen „Exot. Schmetterlinge‘ genau be- 
schrieben. Er schuf für die Art das neue Genus Zeuxamathusia, 
aber auch in diesem Falle erscheint mir eine neue Genus- 
bezeichnung nicht erforderlich, denn plateni ist abermals wie 
virgata durch Unterseitezeichnung, Anallappen und den halbier- 
ten Ozellus auf diesem eine echte Amathusia, woran die aller- 
dings abweichenden männlichen Sexualauszeichnungen, dicker 
Pelzbezug der Hilzelle oberseits nichts zu ändern vermögen. 
plateni steht der javanischen pylaon Feld. sehr nahe, ist aber 
kleiner, das lila Subapikalband der Vfl. ist schmäler und kürzer 
und endet spitzig. Auf der dunkleren Hflunterseite ist der obere 
Ozellus etwas größer als der untere, ein Gegensatz zu phidippus 
und virgata, aber der Caudalschmuck ist völlig der gleiche. 
Von unseren Autoren hat nur Rothschild die Art in 7 J' und 29 
erhalten, Doherty nennt sie seinen wertvollsten Fang und sagt 
„they cost us a lot of work“. Damit ist das Vorkommen in Süd- 
Celebes sichergestellt, während für Nord-Celebes außer Platen 
noch Fruhstorfer Gewährsmann ist, der bei Tolitoli 50 Paare 
am Pisangköder fing. Von einer Differenzierung spricht er nicht, 
es hätten ihm dazu die in Rothschild’s Besitz befindlichen 
Stücke aus Süd-Celebes vorliegen müssen, was offenbar nicht 
der Fall war. Ich' war mit dieser Art sehr unglücklich und habe 


39 — 


sie weder bei Makassar noch bei Palu gesehen. Meine Samm- 
lung enthält nur 3 5, welche Ribbe bei Menado fing, die also 
mit den Typen Staudingers identisch sein müssen, es fehlt mir 
aber das ein gelbes sich in Flecke auflösendes Band tragende 
Weibchen, plateni & 000 mm, pylaon &' 000 mm. Als suprema 
hat Fruhstorfer eine melanotische, von Doherty entdeckte Insel- 
form von Sula Mangoli beschrieben. 


211. Discophora bambusae Feld., nach einem handschrift- 
lichen Namen Boisduval's so genannt, sehr genau und gut ver- 
ständlich lateinisch beschrieben, aber leider nicht abgebildet, 
mit dem falschen Fundorte Halmaheira, den schon Staudinger 
in seinen „Exot. Schmett.” zurückweist, da er die Art nur aus 
der Minahassa durch Dr.Platen erhalten habe. Auch Staudinger 
widmet ihr eine genaue Beschreibung. Als Entdecker muß aber 
Lorquin gelten, von dem Felder’s Type stammt. Felder sagt 
zunächst, verwandt mit melinda Feld. von den Philippinen. Im 
Seitz von Fruhstorfer am Schlusse des Genus an ganz falscher 
Stelle gebracht, denn das Tier gehört nach der Zeichnung beider 
Geschlechter ganz deutlich in die tullia-sondaica-Gruppe und 
nicht hinter die necho-cheops-Gruppe. Die Unterseite des 
Nord-Weibchens hat im Seitz eine gute Abbildung gefunden. Der 
Falter scheint nach den Fangresultaten auf der Insel selten zu 
sein, Hopffer und Piepers schweigen beide, Rothschild erhielt nur 
65 u.12, Holland meldet 5 5 u.1{%,, Fruhstorfer fing ihn im Nov. 
u. Dez. bei Tolitoli am Pisangköder. Ich verfüge nur über 1 Paar 
vom 28.1.07 aus Palja& im Hinterlande Makassar und über 1 5° 
aus Tolitoli XII Fruhstorfers und ein weiteres aus Tumpaan 1. 
Der Schmetterling fliegt nur in der Dämmerung und ist nicht leicht 
zu fangen, offenbar hatten meine faulen Makassaren zur Zeit des 
Fluges schon längst Feierabend gemacht, so muß ich mein erbärm- 
liches Resultat erklären. Da aber, wo ich selbst fangen konnte, 
kam er nicht vor. Es besteht eine geringgradige, aber deutliche 
Differenzierung von Süd nach Nord. Felder's Type stammt aus 
dem Norden und stimmen meine beiden Nordmännchen völlig 
mit seiner Diagnose überein. Nur hat er nicht angegeben, daß 
das 5’ manchmal auch auf der Oberseite der Hfl. 2—3 sehr 
kleine bläuliche Submarginalflecken führt. Es gibt aber auch 
Stücke ohne diese Flecke, ein solches muß Felder's Type sein. 
Die hellere Südform hat Holland als nova species unter dem 
Namen celebensis sehr genau beschrieben und schlecht, ver- 


— al) = 


kleinert und unkoloriert, aber erkennbar abgebildet. Besonders 
die Unterseite beider Geschlechter ist heller und das violettgraue 
Gebiet am Tornus deutlicher und ausgedehnter und auch die bläu- 
lichen Flecke der Oberseite sind größer und deutlicher. Beim 
Männchen können die Submarginalflecke der Hiloberseite wie 
bei Nordstücken fehlen, beim Weibchen sind die Flecke der 
Vfl.-Oberseite inkonstant, Holland sagt, die äußere Reihe zeige 
die größten Flecke, mein Weibchen führt sie in der mittleren 
Reihe. Bei Nord- und Südstücken befinden sich auf der Hil.- 
Unterseite konstant 5 schöne komplette Augenflecken. Holland 
gibt die Flügelspannung des 5’ mit 80 mm, die des 2 mit 90 mm 
an, meine Stücke messen nur 70 u. 78mm, gehören aber der 
Regenzeit an, während Hollands größere und hellere Exemplare 
aus VI und VII stammen, also aus der Höhe der Trockenzeit. 
Der Androkonienfleck auf der Hfloberseite, nach dem das Genus 
benannt ist, erscheint wegen der dunklen Grundfarbe nur wenig 
auffällig. Das Genus Discophora steht auf Celebes an seiner 
äußersten Ostgrenze, weiter östlich kommt keine Art mehr vor. 


Im Selbstverlag der Münchner Entomologischen Gesellschaft. E.V. 
Schriftleiter: Dr. von Rosen, München, Neuhauserstr. Sil, 


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2 


7 m 


MITTEILUNGEN 


Münchner Entomologischen Gesellschaft 
(e. V.) 


XX. 
Jahrgang- 1930 
(mit 10 Tafeln) 


IM SELBSTVERLAG 
DERMÜNCHNER ENTOMOLOGISCHEN GESELLSCHAFT ev. 


Es erschienen: 
Heft I am 20. 2. 1930 
I am 1.7.1930 
I u.IV am 1.2.1931 


Inhalt 
des 20. Jahrganges 1930 


Alfken, J. D., Bremen: Die Apidae der re Südarabien- 
Expedition C. Rathjens —H. v. Wißmann ae ’ N 

Corti, Dr. A., Dübendorf: Studien über die Subfamilie der NE 
(Lep.) XXIII — irrtümlich mit XXI bezeichnet — (mit Tafel I—IIl) 

—— Studien über die Subfamilie der Agrotinae (Lep.) XXIV (mit Tafel VII) 

Daniel, Franz u. Kolb, Dr.Lorenz, München: Beiträge zur Lepidopteren- 
Fauna Zentral-Ungarns (Fortsetzung aus Jahrg. 19 dieser Zeitschrift) 

Heydemann, Dr.F., Kiel: Berichtigung und Nachtrag zur Monographie 
der paläarktischen Arten des Subgenus Dysstroma Hbn., im 19, Jahr- 
gang dieser Zeitschrift . } Te n wärs 

—— Bemerkung zu Dr. Wehrli: „Die A nehen PN der Gattung 
Ellopia”* im 19, Jahrgang dieser Zeitschrift } 

Kolb, Dr. Lorenz, München: Bücherbesprechung Wir Schhackt 
Im Wunderlande der Falter) . Bd : ; 
Nordström, Frithiof, Stockholm: Notodonta — kt Mr ae 

tula bezeichnet — ziczac lapponica Dhl. 1929 — ab. tristis Masl, 1923 
—— Berichtigung zu obigem Artikel 
Osthelder, Ludwig, München: Ueber Larentia- Abektahenet ak 
Rebel, Dr.H., Wien: Die Microlepidopteren der Dh Südarabien- 
Expedition C. Rathjens—H. v. Wißmann 2 
Ris, Dr. F., Rheinau: Vier neue Calopterygiden a von den Phi- 
lippinen und Palawan 


Schawerda, Dr. Carl, Wien: Alte und neue interessante sa 
(mit Tafel X) ; DIENEN E ’ 

Skell, Dr. Fritz, München: erenuggc zur Arbeit von H. er 
„Ueber das Verhalten der Chromosome bei der Spermatogenese 
von Orgyia tyellina Btl. und Orgyia antiqua L. sowie eines ihrer 
Bastarde“ U e 

Soffner, J., Trautenau (Böhmen): Zur Schmetterlingsfauna des mittleren 
Böhmerwaldes (mit Tafel IX) i 2 ey 

Warnecke, G., Kiel: Die Großschmetterlinge der nee Südarabien- 
Expedition C. Rathjens—H. v.Wißmann mit einer Einleitung von 


H. v. Wißmann, Wien 


Seite 


. 144 


. 143 


138 


. 140 


Dis 


21 


Verzeichnis 


der im 20. Jahrgange 


neubeschriebenen Gattungen, Arten, Unterarten und 


Formen. 


(Die mit einem * bezeichneten sind auch abgebildet.) 


Lepidoptera 


Aglossa sanaönsis Rbl. n. sp. 
*Agrotis calorica Corti n. sp. 
*= — guberlae Corti n. sp. 

#* — vicina Corti n. sp. 


Diese 3 Arten wurden vom Autor 
kurz zuvor in der „Iris“ abgebildet 


Dysstroma dentifera Warr. f. punctumnotata Heydem. nom. coll. 


Eretmocera jemensis Rbl. n. sp. TREE 
Eustrotia uncula Cl. rufotincta Kolb n. ssp. . 
*Holcocerus sheljuzhkoi Schaw. n. sp. s 
*Mannia oranaria Stgr. var. n. espaniola Schaw. 


Hymenoptera 
Halictus flavovittatus W.F.Kirby var. n. rufobasalis Alfk. . 


Odonata 


Cyclophaea Ris nov. gen. 
*Cyclophaea cyanifrons Ris n. sp. 
*Euphaea amphicyana Ris n. sp. 
m corapRisen sp. Di Seil 
* Paraphaea ruficollis Ris n. sp. 


Nomenclatorische Änderungen: 


Agrotis juvenis Stgr. —En, saelebs Stgr. (nom. praeoccup.) . 
— multangula ab. subrectangula Stgr. — Asrotis rectangula F. 
Hoplitis milhauseri var. umbrosa Stgr. bona sp. 


Osth. nom. coll. 1929 


Seite 
41 
12 
14 
16 
95 
42 
62 


. 138 
.‚ 137 


45 


80 
81 
89 
86 
90 


17 
4 


133 
Larentia lugubrata effusaL. Müll. nom. coll. 1930 — — Iogabea indistineta 


97 


Notodonta ziczacL. lapponica Dhl. 1929 — N. erden En tristis Masl, 1923 93 


MITTEILUNGEN 


Münchner Entomologischen Gesellschaft 


(e. V.) 
XX. JAHRG. HEFT 1. 71930 


Ausgegeben am 20. Februar 1930. 


Studien über die Subfamilie der Agrotinae (Lep.) 


von 


Dr. A. Corti, Dübendorf. 


"XXIL 
Asrotis multangula Hb.; Agrotis rectangula Schil. und deren Formen; 
Agrotis vicina zov.spec., Agrotis guberlae nov. spec.. Agrotis calorica nov. spec. 
und einige verwandte Arten. 


Mit drei Tafeln. 


A. multangula Hb. 


Ueber das Vorkommen dieser wohlbekannten Agrotine siehe 
die bekannten Handbücher. Staudinger, Kat. 1901, pag. 141 nennt 
als Vaterland: Germ. c. etm.; Arag. (1) Alp.; Hung.; Ural. Hiezu 
kommen nach der neueren Literatur und nach Exemplaren mei- 
ner Sammlung: Kurland (Slevogt, Soc. Ent. 1897 pag. 77), Rostow, 
Krim, in coll.m. Was das Einzelstück Staudingers aus Arago- 
nien anbetrifft, so ist darauf hinzuweisen, daß auch Ribbe (Iris 
1909, pag. 235) 1880 multangula in Spanien gefangen hat, und 
zwar oberhalb der Alhambra in Andalusien. Nach Hampson und 
Warren kommt multangula auch in Kleinasien, Armenien, Persien, 
Turkestan, Tibet und Amurland vor. Aus den Zitaten dieser 
Autoren ist aber nicht ersichtlich, ob es sich um multangula 
oder dissoluta handelt. Ich habe aus “’=sen Ländern noch 
keine echte multangula gesehen und .ınute, daß es sich um 
Verwechslungen mit den in dieser Arbeit beschriebenen ver- 
wandten Arten handelt. 

Multangula Hb. ist so bekannt, daß über diese Art, was den 
äußeren Habitus anbetrifft, wohl kein weiteres Wort zu schreiben 
nötig ist. Auch existieren davon in den gebräuchlichen Hand- 

Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX. Jahrz. 1930. H. 1. / 1 


ee 


büchern eine Reihe guter Abbildungen. Immerhin wird mul- 
tangula immer noch öfters mit rectangula Schiff. verwechselt, 
nicht nur bei Sammlern, sondern auch in der Literatur. Schon 
Freyer bemerkt (Stett. Ent. Z. 1841, pag.92), „daß multangula mit 
rectangula so große Aehnlichkeit besitzt, daß, wenn man beide 
Eulen in Mehrzahl beisammen hat, es schwer hält, sie von ein- 
ander zu unterscheiden, doch ist multangula immer lebhafter und 
schärfer gezeichnet.“ Da multangula sowohl wie rectangula eine 
ziemliche Variationsbreite haben und es in der Tat Stücke gibt, 
die nicht ohne weiteres von einander zu unterscheiden sind, 
sei außer den überall beschriebenen Unterschieden hier nur auf 
die Verschiedenheit der Fühler des 5 Falters hingewiesen. Die- 
. selbe ist zwar nicht groß, gibt aber doch einen guten Änhalts- 
punkt für die Unterscheidung. Rectangula und multangula sind 
auf der inneren Seite der Sg’ Fühler ungefähr gleich bewimpert, 
auf der äußeren Seite trägt aber der Fühler von rectangula 
schuppenförmige Protuberanzen, die multangula fehlen. Abso- 
lute Sicherheit gibt freilich nur die Prüfung des 5 Genital- 
apparates, der, wie aus den Tafeln ersichtlich ist, so erheblich 
verschieden ist, daß ein Irrtum ausgeschlossen wird. Die Mög- 
lichkeit einer Verwechslung beider Arten und ihre oft sehr große 
Aehnlichkeit waren denn auch der Grund zu dieser Arbeit, die 
das Resultat ergibt, daß multangula und rectangula trotz ihrer 
äußeren Aehnlichkeit zwei grundverschiedene Arten sind. 

Betrachtet man die Zeichnungen der J' Gecnitalapparate 
(Taf. I, Fig. 1-3), die von multangula aus verschiedenen Gegen- 
den genommen sind, so wird man finden, daß die Unterschiede 
so gering sind, daß von einer Verschiedenheit nicht gesprochen 
werden kann. Ein einziger Blick auf die Zeichnungen von rec- 
tangula und deren Formen auf Tafel II hingegen zeigt sofort, wie 
verschieden rectangula von multangula ist. Ich komme darauf 
unter rectangula Schiff. zu sprechen. 

Wie weit die Variationsbreite bei multangula gehen kann, 
zeigt Abbildung 5, Taf. IV, im Endheft der Iris vom Jahre 1929. 
Ich habe dort eine extreme Aberration abbilden lassen. Es be- 
trifft eine bei Regensburg am 17. 6. 12 gefangene prachtvolle 
Aberration, die aus der Sammlung Meyer-Chemnitz in meinen 
Besitz übergegangen ist und welche auch von dem leider ver- 
storbenen ausgezeichneten Noctuidenkenner R.Püngeler in Aachen 
als multangula ab. erkannt worden ist. Das Tier zeigt ein von 
der Basallinie bis zur inneren Querlinie vollkommen schwach 


ed 


bräunlich aufgehelltes Feld, ein ebensolches hinter der äußeren 
Querlinie und ein ebensolches vor dem Außenrand der Vorder- 
flügel. Das Mittelfeld ist stark verdunkelt, im übrigen zeigt das 
Tier vollkommen die Merkmale einer multangula Hb. 

In meiner Sammlung befindet sich ein zweites sehr stark 
aberrierendes Stück aus Kaschgar, bei dem die Vorderflügel 
fast einfarbig rotbraun sind und auf denen eigentlich nur die 
innere und die äußere Querlinie deutlich hervortreten. Bei die- 
sem Stück, einem 9, kann ich aber nicht mit Bestimmtheit sagen, 
ob es zu multangula oder zu rectangula gehört. Alpheraky (Mem. 
Rom. 1889, pag. 130 ff.), berichtet von einer A. multangula Hb. 
(mit Fragezeichen), von welcher ihm ein 5 und zwei Q 2 aus 
Aram-Kungei und Kitschi-Alai vorlagen, die untereinander _ 
sehr verschieden waren, aber nach seiner Ansicht wahrschein- 
lich zu multangula gehören. Alphöraky wagt diese Turkestaner- 
Tiere nicht zu benennen, glaubt aber, daß wenigstens das 
einer neuen Art angehöre. Er schreibt, daß das 5 sich haupt- 
sächlich von multangula dadurch unterscheide, ebenso von rec- 
tangula, daß die Vorderflügel sehr schmal sind und daß „devant 
l'ondulee (antimarginale)“ sehr deutliche Pfeilflecke (points noirs 
sagittes) ständen. Ich vermute, daß es sich bei diesen Stücken 
um versuta Pglr. handelt, eine Art, die ich weiter unten be- 
sprechen werde und die gerade durch diese Pfeilflecke charak- 
terisiert ist und gestrecktere Vorderflügel hat, im übrigen aber 
ohne näheres Studium leicht mit multangula verwechselt werden 
könnte. 

Ueber die Biologie und die ersten Stände von multangula 
(Eier, junge Raupe) kann ich in der Literatur keine Angaben 
finden. Ich selbst habe leider niemals Eier dieser Art erhalten 
können. Ueber mißlungene Zuchten sind mir verschiedene Mit- 
teilungen zugekommen. Die einzige bemerkenswerte Notiz, die 
veröffentlicht worden ist, stammt von dem bekannten Entomo- 
logen Fritz Wagner in Wien. In der Z. Oesterr. Ent. V. Wien 1923, 
pag. 47, macht er einige Bemerkungen über Eiablage und Zucht 
von multangula. Er tritt mit Recht der in den Lehr- und Hand- 
büchern immer wieder aufs Neue verbreiteten Meinung entgegen, 
daß die jungen Räupchen im Herbst die Eihülle verlassen und 
als Raupen überwintern. Einige im Juli 1923 von ihm beob- 
achtete @ © legten eine Anzahl Eier ab, die überwinterten und 
erst in der zweiten Märzhälfte die Räupchen entließen. Folglich 
überwintert das Ei. Für rectangula habe ich die gleiche Be- 

An 


ZI We 


obachtung gemacht, ebenso noch für viele andere Agrotisarten, 
namentlich aus der Gattung Euxoa, ferner für polygona F. 

Die erwachsene Raupe von multangula ist wiederholt be- 
obachtet und beschrieben worden. Sie lebt hauptsächlich an 
Galium, Sternkraut und verwandten Pflanzen. Der erste, der 
die Raupe beschrieben hat, ist Freyer (Stett. Ent. 2.1841, pag. 92). 
Die Raupe lebt oberirdisch, wie alle Arten der Gattung Agrotis 
sensu Hampson. Einige Angaben aus der Literatur seien hier 
beigefügt: Skala (E. Z. Stuttgart 1909, pag. 134): Raupe im Mai 
auf Trifolium melilotus; Galvagni und Preissecker (J. Wiener 
Ent. V. 1911, pag. 10): Raupe am 11. Mai 1904 im Niederösterr. 
Waldviertel; Möbius (Iris 1905, pag.80): Raupe im Frühjahr aui 
Labkraut, auf felsigem Grunde bei Plauen; Schröder (Mitt. Bad. 
Landesverein f. Naturkunde, 1922, pag. 253): Raupe im Mai 1922 
in größerer Anzahl am Kaiserstuhl. Puppe in einem schwachen 
Gewebe, mit zwei Kremasterspitzen. Multangula gehört zu den 
Agrotis-Arten, die auch ans Licht fliegen. 

Multangula ab. subrectangula Stdgr. Diese von Staudinger | 
in seinem Katalog 2. Auflage pag.83 aufgestellte und in seinem 
Katalog 3. Auflage pag. 141 wiederholt angeführte Aberration 
verdient nur historisches Interesse. Im genannten Katalog (2. Aufl.) 
‚wird subrectangula als Variation angeführt mit der Bemerkung 
— rectangula B. Ic. 76, 1 (var. odscurior, dilutior) Pont. In der 
3. Auflage pag. 141 degradiert Staudinger diese Form zur 
Aberration: ab. subrectangula Stdgr. Staudinger synonymisiert 
die Form wieder mit rectangula B. Ic. 76,1 und setzt hinzu: 
obscurior, vix nom. conserv. Patria: Alt; Pont«: Arm; UÜssall); 
Hyre. 

Also hier führt Staudinger die Form als kaum mehr be- 
nennenswert an. Ich war nun in der Lage, die vermeintlichen 
subrectangula meiner Sammlung mit einem Original-Exemplar der 
Staudinger'schen Sammlung aus Amasia vergleichen zu können. 
Es stellte sich sofort heraus, daß diese subrectangula gar nicht 
zu multangula gehört, sondern zu reciangula F. Ein Irrtum meiner- 
seits ist ganz ausgeschlossen, obwohl das Exemplar Staudingers 
als eine multangula bezeichnet ist. Könnte das Tier anatomiert 
werden, so würde das Ergebnis ganz zweifellos die für recian- 
gula charakteristischen Merkmale im 5’ Genitalapparat zeigen. 
Der Irrtum Staudingers erhellt auch aus folgendem. Er syno- 
nymisiert seine subrectangula mit der Abbildung Boisduvals in 
den Icones, pag. 76, Fig. 1. Nun ist es aber außer allem Zweifel, 


2. 0 


daß diese Abbildung eine echte rectangula und keine multangula, 
die in Fig. 2 auf derselben Tafel dargestellt ist, bedeutet. Das 
etwas beschädigte Original Staudingers aus Amasia kann ich 
von gewöhnlichen rectangula nicht unterscheiden. 

Multangula ab. subrectangula Stgr. ist also gleich rectangulaF. 
und sollte nicht mehr aufgeführt werden. 

Multangula var. dissoluta Stdgr. Iris XII, pag.361, in Stau- 
dingers Katalog 1901 charakterisiert mit: dilutior, al. ant. fere 
cinereis. Ich habe ein Originalstück Staudingers aus dem Wallis 
eingesehen und mit meinen vielen Exemplaren vergleichen kön- 
nen. Als Habitat gibt Staudinger im Katalog an: Val; Ili; Iss. K.; 
Amdo et Kaschg. (var.?). Die Type Staudingers stammt aus dem 
Wallis, in seiner Arbeit über Agrotis caelebs = juvenis Stdgr. (Iris 
XII, pag. 360) schreibt er: „Im Wallis (Schweiz) kommt eine lichte 
Form von multangula vor, die lichtgraue Vorderflügel mit sehr 
grell hervortretenden, schwarzen Zeichnungen und schärieren, 
lichten Querlinien als die typischen Stücke hat.” Er nennt diese 
Form var. dissoluta. 

Solche Formen, welche der Diagnose Staudingers entsprechen 
und mit seinem Original übereinstimmen, kommen nun außer an 
den von Staudinger angeführten europäischen Fundorten noch 
an vielen anderen Stellen vor. Vorbrodt (Schmetterlinge der 
Schweiz, 1911, pag. 261) bemerkt, daß dissoluta im Jura die 
ausschließliche Form sei, daß sie aber im Wallis neben der 
typischen multangula vorkomme. In meiner Sammlung befinden 
sich aber auch viele Stücke aus Italien (Appenin, Sizilien), 
Spanien (Albarracin), Kärnten, dann aber auch solche von 
Regensburg und eine schöne Serie, die von Herrn Brombacher 
in Freiburg i. B. gesammelt und aus Raupen vom Kaiserstuhl 
gezogen worden sind. Im allgemeinen scheint dissoluta eine 
Wärmeform zu sein, der Kaiserstuhl als offenbar xerothermische 
Lokalität zeigt noch verschiedene andere Arten in solchen 
Wärmeformen. Ehinger (Heft V/VI des Bad. Ent.V. Freiburg ı.B.) 
hat 1925 dissoluta im Großherzogtum Baden gefangen. Dissoluta 
ist auch aus Siebenbürgen bekannt (Caradja, Iris 1896, pag. 15), 
wenigstens ziehe ich die dort genannte helle Variation zu dis- 
soluta. Dissoluta kommt aber auch als gelegentliche Aberration 
überall unter multangula vor. Uebergänge zwischen multangula 
und dissolufa finden sich überall. Wenn man noch die fast 
absolute Uebereinstimmung der 5 Genitalapparate (siehe Taf. I, 
Fig. 4) berücksichtigt, so ist es fraglich, ob dissoluta eine wirk- 


N 


liche Variation und nicht nur eine Aberration darstellt. Beim 
o Genitalapparat von dissoluta sind höchstens die Valven etwas 
länger gestreckt, aber auch dieser Unterschied und einige kleine 
andere besagen m. E. nichts. Die charakteristische Chitinein- 
lagerung des Penis unterscheidet sich gar nicht von derjenigen 
der Stammform multangula. Die offenbare Tatsache, daß dis- 
soluta in gewissen Gegenden fast ausschließlich in der für sie 
charakteristischen hellen, grauen Form auftritt, mag es immer- 
hin gerechtfertigt erscheinen, dissoluta als eine Variation von 
multangula bestehen zu lassen. Die von Staudinger angeführten 
Fundorte: Ili, Iss.-K., Amdo et Kaschg. (v. ?) beziehen sich be- 
stimmt auf andere Arten, vgl. folgende Bemerkungen über die 
var. fravunia Schaw. 

Multangula var. travunia Schaw. Schawerda hat (V. zool., 
bot. Ges. Wien 1912, pag. 140/141, cf. auch Stauder, Z.f. wiss. 
Insektenbiologie 1925, pag. 202) diese „standhaft ausgezeichnete 
herzegowinische Lokalrasse (3 5, 2 © Bisina)“ nach dem alten 
Namen der Herzegowina als var. fravunia aufgestellt. „Während 
die var. dissoluta Stdgr. aus Asien nach Rebel fast aschgraue 
Vorderflügel hat, erscheint die var. fravunia auf den Vorder- 
flügeln von hellbrauner Grundfarbe, mit der die dunklere braune 
Zeichnung kontrastiert. Ebenso sind Kopf und Thorax licht- 
braun. Die Hinterflügel und das Abdomen sind besonders beim / 
mit Ausnahme der Randzone und der Adern fast weiß und 
glänzend. Fransen der Hinterflügel fast weiß, ebenso die ‚Unter- 
seite. Beim 9 ist das Braun um einen Ton stärker, aber immer 
noch viel lichter als bei der Stammform.“ Schawerda war so 
freundlich, mir eine 5 und eine 9 Type dieser Variation zur 
Einsicht zuzusenden. Nach genauem Vergleich mit meinem Ma- 
terial von dissoluta aus den verschiedensten Gegenden zweifle 
ich daran, daß die Abtrennung der var. fravunia berechtigt ist. 
Die Type Staudingers von dissoluta stammt aus dem Wallis. 
37 Stück meiner Sammlung, die ich als sichere dissoluta be- 
trachte, stammen alle aus Europa, sämtliche anderen Stücke, 
die aus Asien stammen, haben sich als capnistis Led., neara Pglr., 
vicina Corti oder calorica Corti, event. juvenis Stdgr. entpuppt. 
Bis jemand den Gegenbeweis erbringt, halte ich aber dissoluta, 
genau wie die Stammform multangula für eine europäische Form. 
Staudinger hat schon in seinem Katalog hinter die Fundorte 
Amdo et Kaschg. ein (v.?) gesetzt. Ob sich dieses Fragezeichen 
auch auf Ili und Issyk-Kul bezieht, weiß ich nicht. Für mich 


2 


steht aber fest, daß die Stücke aus Ili und Issyk-Kul ebenfalls 
keine ‚dissoluta sind. 

Was die,von Schawerda angeführten Unterscheidungsmerk- 
male von dissolula und fravunia anbetrifft, so sind dieselben 
m. E. nicht genügend, um fravunia von dissoluta abzutrennen. 
Das ‘mir eingesandte 5 unterscheidet sich in gar nichts von 
gewissen dissolufa-Formen aus dem Wallis, der schwach rötliche 
oder, bräunliche Ton kommt auch bei dissoluta aus anderen Ge- 
bieten vor. Die dunklere braune Zeichnung kontrastiert natür- 
lich auch bei anderen dissoluta. Die hellen Hinterflügel kommen 
auch bei anderen dissoluta vor, z. B. bei solchen aus Albarracin. 
Das helle Abdomen ist für dissoluta normal. Die Fransen der 
Hinterflügel sind auch bei anderen dissoluta fast weiß und was 
die Unterseite der Hinterflügel anbetrifft, kommt sie in dieser 
Helligkeit auch bei anderen dissoluta, z.B. solchen aus Spanien 
vor. Und was das 9 von fravunia anbetrifft, so unterscheidet 
sich das mir vorliegende Stück nicht von multangula-Stücken 
aus Wien, Meißen, Ungarn etc. und auch nicht von gewissen 
dissolutaQ aus Spanien. 


A. rectangula Schiff. 


Ueber den Unterschied zwischen rectangula und multangula 
verweise ich auf den obigen Artikel über multangula. Rectangula 
ist offenbar erheblich seltener als multangula. Als Patria gibt 
Staudinger, Kat. 1901, pag. 141, an: Austro-Hung., Rum.; Ross. c., 
Krim, Pont., Taur m. or.; Hampson, Kat. 1903, und Warren im Seitz 
nennen noch Schweiz, Italien, Ural, ferner W.-Sibirien, Altai, 
Turkestan, Ala-Tau, Issyk-kul, Thian-schan, Kamtschatka, doch 
können sich die letzteren Lokalitäten nur auf die Varietäten 
andereggii und acutangula beziehen. In der Schweiz scheint rec- 
tangula‘ als Seltenheit nur im heißen Rhonetal des Wallis vor- 
zukommen (Vorbrodt 1, pag. 261). Ich besitze ferner Exemplare 
aus dem Kaukasus und dem Leithagebirge. Ferner ist rectangula 
auch bei Dresden gefangen worden (Steinert, Iris 1893, pag. 
246), für,Sachsen wird rectangula außerdem gemeldet von 
Möbius, Iris 1905, pag. 81, ferner Iris 1922, pag. 65. Für Brünn 
wird der Falter verzeichnet von Doleschall, Ent. Z. Stuttgart 1909, 
pag. 81. Slevogt, Soc. Ent. 1897, pag. 77, hat rectangula für Kur- 
land festgestellt. In der Bukowina wurde der Falter von Frei- 
herrn v. Hormuzaki bei Czernowitz am 30. Mai 1895 gefangen. 
(V. zool. bot. Ges. Wien 1898, p. 433.) 


Ep 


Ueber die allerersten Stände von rectangula, Ei und junge 
Raupe ist in der Literatur sehr wenig zu finden. Das Ei soll 
nach Vorbrodt (l. c.) überwintern, wie es für multangula (ct. dort) 
von Wasner-Wien festgestellt worden ist. Ich selbst kann diese 
Tatsache bestätigen. Ich habe im Oktober 1927 von Herrn Ast- 
fäller- Meran einige Dutzend Eier erhalten. Dieselben waren 
teils an der Basis, teils mit der Seite auf die Papierunterlage 
geklebt, teils schienen sie lose gelegt worden zu sein. Die Eier 
waren in der Entwicklung schon weit fortgeschritten, sie sahen 
Srauviolett aus, waren kürbisartig, fein gerippt, an der Mikro- 
pyle war nichts besonderes zu sehen, insbesonders war kein 
farbiger Ring vorhanden. Einzelne Räupchen waren in der Schale 
sichtbar. Aber trotz Befeuchten mit warmem Wasser sind die 
Räupchen nicht geschlüpft, auch am 1. Januar 1928 noch nicht. 
Dann sind mir die Eier durch einen Zufall abhanden gekommen. 

Die erwachsene Raupe ist aus der Literatur zur Genüge 
bekannt. Sie lebt hauptsächlich an Trifolium, Melilotus, Luzerne, 
Löwenzahn, Lychnis etc. Sie ist derjenigen von multangula ähn- 
lich. Puppe mit zwei Kremasterspitzen. 

Rectangula fliegt, wenigstens in der Schweiz, wohl nur in 
der Talschle (Vorbrodt 1. c.), während multangula nach Püngeler 
bei Zermatt über 1600 m hoch ansteigt. | 

Am deutlichsten und sichersten unterscheidet sich die rec- 
tangula-Gruppe von den multangula-Formen durch den charak- 
teristischen 5 Genitalapparat. Die zu reciangula gehörenden 
Formen sind auf Taiel II abgebildet. Der 5 Genitalapparat ist 
charakterisiert durch die breite, zugespitzte Valve und nament- 
lich durch die starke, zackenartige oder zahnartige, dichte Chi- 
tinisierung des Sacculus, die bei multangula vollkommen fehlt. 
Auch in der Bildung und der Chitinisierung des Penis finden 
sich erhebliche Unterschiede. Auf Tafel II Fig. 1 findet sich die 
Zeichnung des J' Kopulationsapparates von rectangula aus Ungarn, 
Fig. 2 von rectangula aus dem Leithagebirge. Die Unterschiede 
sind m. E. sehr klein, trotzdem auch äußerlich die Exemplare 
aus dem Leithagebirge etwas abweichen von mehr westeuropä- 
ischen rectangula. 

Bemerkt sei noch, daß rectangula in der nordamerikanischen 
Fauna einen echten Verwandten besitzt, nämlich juncta Grt., die 
einzige nordamerikanische Art, die diesen charakteristischen Typus 
des 5 Genitalapparates aufweist. cf. die ausgezeichnete Arbeit 
von McDonnough, Nat. Mus. Canada, 1929, Bull. 55. 


2,9 


A. rectangula var. andereggii B. Diese kleine, sichtlich 
gute Variation von rectangula Schiff. findet sich nach Staudinger, 
Kat. 1901, pag. 141, in Val., Alp., It., Ural, Alt., Ala-Tau, Thian, 
Iss.-K., Daur., Kamt. Nach Vorbr. I, pag. 261, ist andereggii 
die in den Alpen ausschließlich vorkommende Form, sie geht 
bei Zermatt und der Riffelalp bis 2500 m (Püngeler). Ich besitze 
auch schweizerische Stücke aus dem Tessin (Fusio), dann vom 
Simplon, Berisal und Paßhöhe, französische Stücke aus den 
Basses-Alpes (Larche und Digne) und Stücke aus den Pyrenäen. 
Ferner befinden sich in meiner Sammlung Exemplare aus der 
Krim und Kamtschatka. Fritz Hoffmann und Rudolf Klos mel- 
den andereggii aus Obersteier in Steiermark (Mitt. Naturw. Ver. 
f. Steiermark 1914, pag. 356). 

Ändereggii ist von reciangula durch Guenee als ver- 
schiedene Arte getrennt worden. Lederer (Noctuinen Europas 
1857, pas. 219) findet diese Trennung nicht für richtig, er findet 
weiter keinen Unterschied als in der Grundfarbe, auch sei ander- 
eggii vielleicht etwas kleiner. 

Nach meinen Untersuchungen der 5 Genitalapparate glaube 
ich auch nicht, daß man andereggii als gute Art von rectangula 
abtrennen kann. Vergleicht man die Abbildungen (Taf. II, Fig. 5 
und 6), so wird man sogar bei andereggii aus den Basses-Alpes 
und aus Zermatt kleine Unterschiede finden, sowohl in der Form 
der Valven, in der Behaarung und in der Chitinisierung des Penis 
sowohl als auch in der Form desselben. Auch der Sacculus 
ist nicht gleich stark chitinisiert. Dergleichen Unterschiede kom- 
men aber auch bei anderen Agrotinen immer wieder vor, ich 
halte dieselben für zu geringfügig, um voneinander etwa auch noch 
die Form aus den Basses-Alpes von den Formen des Wallis 
trennen zu können. Einzig die Penisbildung bei andereggiü aus 
Zermatt, die etwas anders ist, als bei dem Exemplar aus Basses- 
Alpes, könnte für eine stärkere Differenzierung sprechen. 
Ich werde gelegentlich mehr Material daraufhin untersuchen. 
Die enge Verwandtschaft mit rectangula ist auf alle Fälle ge- 
geben. 

Ueber die ersten Stände von andereggiü ist mir aus der 
Literatur nichts bekannt geworden. Ich habe selbst mehrmals 
ohne Erfolg eine Eiablage zu erhalten versucht. Es steht mir 
eine einzige Notiz zur Verfügung, nämlich eine Mitteilung des 
verstorbenen R. Püngeler-Aachen, daß das Ei von andereggii als 
solches überwintert. 


A.rectangula var. acutangula Stdgr. Staudinger beschreibt, 
Iris 1892, pag. 355, einige rectangula var. andereggü aus Kentei 
und dem Ural und fügt alsdann hinzu: „Ziemlich verschieden 
sind die zentralasiatischen Stücke dieser Art (rectangula), die 
als var. Acutangula einen Namen führen können. Sie sind reich- 
lich so groß wie die Stammform (Rectangula), 34—36 mm groß, 
anscheinend sind die Vorderflügel etwas schmäler, besonders 
sind sie”weniger braun, meist dunkelgrau, kaum etwas braun 
angeflogen, zuweilen sind sie leichter braungrau. Sie sind weit 
schärfer gezeichnet, die Querlinien treten scharf und vollständig 
auf, die (3) Makeln sind weit schärfer licht umzogen.”“ In sei- 
nem Katalog 1901, pag. 142 gibt Staudinger folgende Diagnose: 
„al. ant. distinctius signatis, minus brunnescentibus." Patria: Ferg. 
Saraw. 

Ich besitze in meiner Sammlung etwa 22 Stück acutangula, 
die, neben die europäischen rectangula gesteckt, sofort von 
diesen unterschieden werden können, namentlich infolge ihrer 
schärferen Zeichnungen, die dem Tier ein ganz eigenartiges Aus- 
sehen verleihen. Nach meiner Ansicht gehören zu acutangula 
nicht nur Exemplare aus Saraw und Fergana, sondern auch 
solche aus Issyk-kul, Alai, Tokmak, Korla etc. Die Farbe ist 
allerdings nicht immer weniger braun gegenüber der Stammform, 
aber dieses Merkmal ist m.E. wenig oder nicht ausschlaggebend. 
Es sei hier bemerkt, daß Hampson (Kat. Lep. Phal. 1903, pag. 447, 
T.IV) folgende Diagnose gibt: „Fore wing browner, with the 
stigmata prominent.“ Hampson sagt also in direktem Gegensatz 
zu Staudinger, daß die Farbe brauner ist als bei der Stammform. 
Auch Warren im Seitz, pag. 48 nennt acutangula brauner als 
rectangula. | 

Ein Blick auf die 5 Genitalapparate (Taf.Il, Fig.3 u. 4) zeigt 
sofort die Zugehörigkeit zu rectangula. Ich produziere zwei 
Zeichnungen, beide von Exemplaren aus Issyk-kul stammend. 
Man’ sieht,“ daß auch bei ganz zweifellos zu der gleichen Art 
oder Variation gehörenden Exemplaren kleine Abweichungen 
vorkommen," im vorliegenden Falle z. B. in der Form der Valven, 
der Behaarung, der Chitinisierung des Sacculus etc. Aber der- 
gleichen Abweichungen kommen überall vor. Der Unterschied 
zwischen recfangula und acutangula scheint mir hauptsächlich 
in dem bedeutend"stärkeren Clasper bei acutangula zu liegen, 
sonst aber ist die nahe Verwandtschaft zu rectangula absolut 


gegeben. 


A. capnistis Led. 


Es mag angezeigt sein, über diese mit dissoluta Stdgr,, 
neara Pglr. und wohl auch mit den in dieser Arbeit neu auf- 
geführten Arten vicina m., guberlae m. und calorica m. sehr oft 
verwechselten Art einige Bemerkungen zu machen. Das männ- 
liche Original Lederers befindet sich in der Sammlung Staudinger 
und ist von mir eingesehen und mit den oben angeführten Arten 
verglichen worden. Die Type ist sehr gut erhalten. Das Bild 
in Hampson CXXI, Fig. 21 ist gut, die Hinterflügel sind etwas 
zu dunkel geraten, die Zeichnungen etwas zu schwach. Die 
von mir in Iris 1922, Taf. VI, Fig. 18 veranlaßte Photographie 
dagegen ist sehr gut. Auch die Abbildung Lederers in den 
Hor. soc. ent. ross. T. VII, Pl. II, Fig. 1 ist ganz gut. Die Ab- 
bildung in Seitz, 10i ist sehr schlecht in Farbe und Form. Das 
Original trägt drei Etiketten, eine weiße: capnistis, eine rote: 
Original, und eine weitere weiße, Hadschyabad. Ich besitze 
in meiner Sammlung ein /', das sehr gut mit dem Original in 
allen Teilen übereinstimmt. 

Capinistis ist von Lederer, Hor. soc. ent. ross. T. VII, 1876, 
pag. 14 aufgestellt worden, seiner Diagnose habe ich nichts bei- 
zufügen. Eine gute Charakterisierung gibt dann auch Staudinger, 
Iris 1899, pag. 360 ff, wo er auch die Unterschiede zwischen 
capnistis und seiner caelebs = juvenis anführt. 


Als Patria nennt Staudinger: Hyrc.; Pont.; Syr.; Tura et 
li (v.). Die Stücke von Ili, hinter welche Staudinger die Be- 
zeichnung v stellt, betreffen sicherlich meine vicina oder calorica. 
Ich besitze sichere Stücke von capnistis von Issyk-kul, Trans- 
kaspien und Tokmak. 


Der 5 Genitalapparat von capnistis (Taf. III, Fig. 2) weicht 
von multangula erheblich ab. Abgesehen von der scharf ab- 
gegrenzten oberen Kante des Claspers, der verschiedenen Valven- 
form, ist vor allem die chitinöse Einlagerung des Penis charak- 
teristisch. 


Mit neara (Taf. III, Fig. 1) ist capnistis sicherlich nahe ver- 
wandt, doch sind, wie aus der Abbildung ersichtlich, immerhin 
erhebliche Unterschiede vorhanden. Püngeler hat mir vor einigen 
Jahren mitgeteilt, daß er vermute, neara könnte vielleicht eine 
Form von capnistis sein. Identisch ist neara mit capnistis 
sicherlich nicht, dagegen sprechen zu viel Unterschiede, auch 
äußerliche. 


A. calorica nov. spec. 
(Abbildung Iris 1929, Taf. IV, Fig. 3, 5’ Type) 


und A, hahni Chr. 


Calorica ist im äußeren Ansehen am allerähnlichsten der 
A. hahni Chr., calorica unterscheidet sich jedoch bei näherem 
Zusehen in ganz wesentlichen Punkten, die nachstehend be- 
schrieben sind. 

J. Kopf und Thorax bräunlichgrau, bei hahni weißlichgrau. 
Thorax bei calorica mit langen, dünnen Haarschuppen bedeckt, 
bei hahni mit starken breiten Schuppen (Gattung Lycopholia 
sec. Hampson). Grundfarbe der Flügel bei calorica wie bei hahni 
ein stark glänzendes Mausgrau mit violettem Schimmer. Abdo- 
men bei beiden Arten hell weißgrau wie die Hinterflügel. Diese 
auf den Adern und im Randteil etwas verdüstert, beim @ von 
calorica am stärksten, mehr als beim @ von hahni. Zeichnungs- 
elemente der Vorderflügel bei beiden Arten fast gleich, hahni 
ist nur erheblich bunter gezeichnet. Die Adern der Vorderflügel 
sind bei calorica weißlich bestäubt und treten daher weißlich 
vor, was bei hahni nicht der Fall ist. Die bei calorica stets 
mehr oder weniger deutlichen dunklen Pfeilflecken vor dem 
Vorderflügelraum fehlen bei hahni. Fransen der Vorderflügel 
bei hahni weißlich bis weiß, bei calorica bräunlich bis braun. 
Unterseite der Vorderflügel bei hahni fast einfarbig grauweiß 
mit etwas verdüstertem Analfeld, einem ebensolchen Analtleck 
und gewöhnlich mit einer Reihe dunkler Randmöndchen ver- 
sehen. Unterseite der Vorderflügel bei calorica mit weiß her- 
vortretenden Adern, viel stärker verdunkeltem Analfeld und 
ohne Möndchen. Unterseite der Hinterflügel bei hahni so gut 
wie rein weiß, bei calorica am Rande und namentlich längs 
des Vorderrandes stark verdüstert. Bei calorica geht über beide 
Flügel eine mehr oder weniger starke dunkle Binde, bei einem 
Exemplar fast durch die ganzen Flügel, bei anderen Exemplaren 
nur bis je etwa in die Mitte der Flügel. Diese Binde fehlt 
bei hahni vollständig. Discoidalflecke sind bei keinem meiner 
Exemplare, weder bei calorica noch bei hahni sichtbar. Die J’ 
Fühler sind bei calorica und hahni in ihrer Struktur gleich, sie 
zeigen dünne Fühlerschäfte, auf denen ziemlich lange Wimper- 
büschel direkt aufsitzen, nur sind diese Wimpern bei calorica 
erheblich länger als bei hahni. Vorder-Tibien bei beiden Arten 
mäßig bedornt, Palpen bei calorica im zweiten Glied stärker mit 


ER 1 ie 


borstenartigen Schuppen bedeckt als bei hahni. Die Tarsen bei 
beiden Arten ohne dunkle Ringe oder Manschetten. 

© von calorica wie das 9‘, nur erheblich dunkler, nament- 
lich auf den Hinterflügeln, bei hahni kann ich einen Unterschied 
zwischen J° und 2 nicht finden. 

Calorica ist beschrieben nach 3 J'' und 12. Typen und 
Cotypen in coll. m. Patria: Umgebung Dscharkent, Ili-Gebirge ; 
gesammelt von Rückbeil 1913. 

Exp. 31-32 mm, hahni 34-35 mm. 

Die 5 Genitalapparate von calorica und hahni :sind äußerst 
verschieden, man vergleiche hiezu die Abbildungen auf Taf. II, 
Fig. 3 und 6. Die Bilder machen eine weitere Beschreibung un- 
nötig. Man beobachte z.B. die besondere Valvenform, durch 
die allein sich hahni von allen in diesem Aufsatz beschriebenen 
Formen ganz charakteristisch unterscheidet. Ebenso die Chiti- 
nisierung des Penis. Im J Genitalapparat unterscheidet sich 
calorica auch wesentlich von guberlae, capnistis, neara u. vicina, 
mit welcher Art sie noch am ehesten verwandt ist. 

Zu Agrotis (Lycophotia sec. Hps.) hahni möchte ich noch fol. 
gende Bemerkungen machen. Die Beschreibung Romanoffs resp. 
Christophs (M&m. Rom. Tom. III, 1885, pag. 33 if. sagt: „Les an- 
tennes de la @ sont Egalement ciliees.” Dieses „egalement” ist 
mir nicht recht verständlich. Die © Fühler von hahni sind in 
der Tat ganz kurz bewimpert, aber bei weitem nicht so stark 
und in solcher Länge wie beim d. Die meisten Fühler der 
QQ der Agrotinen sind nicht ganz wimperlos, sondern ganz 
allgemein schwach bewimpert. 

Die Beschreibung durch Warren im Seitz, 1914, 3, pag. 54 
ist nicht ganz richtig. Die Zapienmakel geht nicht bis zur 
äußeren Linie, sondern nur als feiner schwarzer Strich bis zur 
inneren Querlinie. Die Abbildung in Seitz, Taf. 12i, ist nicht 
besonders gut, sie ist viel zu hell, zu gelb, die Rundmakel und 
die Nierenmakel treten in Wahrheit viel besser hervor, die helle 
Querlinie ist kaum vorhanden, die blaue Linie vor dem Rande 
sollte besser wegfallen. Sonst wird der Habitus des Tieres durch 
die Abbildung deutlich wiedergegeben. Viel besser ist die Ab- 
bildung in Mem. Rom. 1885, Pl. II, Fig.8. Hampson gibt leider 
keine Abbildung des Tieres. Christoph hat hahni 1873 im Juli 
bei Schahkuh im nördlichen Persien gefangen, Hahn Mitte Mai 
am Licht bei Ordubad in Transkaukasien, woraus Christoph 
schließt, daß hahni in zwei Generationen vorkommt, Christoph 


BE = 


glaubt, daß hahni in die Nähe von sgualorum Ev. zu stellen sei. 
Das ist zweifellos unrichtig. Die äußerst verschiedenen männ- 
lichen Genitalapparate trennen diese beiden Arten trotz ver- 
schiedener äußerer Aehnlichkeiten vollkommen. Die 5 Fühler 
von hahni sind strukturell, nicht immer in der Länge der Wim- 
pern, genau gleich wie diejenigen von calorica m. Sie besitzen 
lange, direkt auf dem Schaft aufsitzende Wimperbündel, nur 
sind diese Bündel bei hahni spärlicher und oft kürzer als bei 
calorica. Ein ganz wesentlicher Unterschied besteht, wie oben 
beschrieben, in der Bekleidung des Thorax. Hahni ist, wie be- 
reits bemerkt, von Hampson wegen der starken Schuppenbeklei- 
dung des Thorax in die Gattung Lycophotia eingereiht worden, 
Warren reiht hahni in die Gattung Rhyacia ein, squalorum Ev. 
wird von beiden Autoren unter die Gattung Euxoa eingereiht 
(starker Stirnvorsprung (Krater) zweigabeliger Clasper im männ- 
lichen Genitalapparat) cf. Abbildung des 5 Genitalapparates 
von recussa Hb. (Taf. I, Fig.6). Sehr mit Unrecht, denn sgualo- 
rum ist mit vallesiacaB. und deren Verwandte, z. B. eremicola 
Stdfs., clara Stdgr., singularis Stdgr., ignara Stdgr. etc. trotz ge- 
wöhnlich (nicht immer) vorhandenem starken Krater keine Euxoa 
und keine Feltia, sondern gehört in eine eigene Gattung. Der 
co Genitalapparat dieser Arlen ist so verschieden von den Arten 
der Euxoa- und Feltia-Gruppe, daß gar keine Verwandtschaft be- 
stehen kann. Ich werde hierüber in einem späteren Artikel be- 
richten. 


Staudinger bemerkt in seinem Katalog 1901, pag. 141: „praec. 
(multangula, Corti) sp. v. Dissolutae similis, forse var.” und gibt 
als Patria an: Arm. m. or., Hyrc., Saraw (v.). Meine Exemplare 
stammen aus Merw, Aschhabad und Arwas. 

Die Vermutung Staudingers, daß hahni vielleicht eine Va- 
riation von multangula sein könnte, oder von dissoluta, ist also 
irrtümlich, was abgesehen von den oben beschriebenen Unter- 
schieden auch aus den Genitalapparaten "hervorgeht. 


A. guberlae nov. spec. 
(Abbildung Iris 1929, Taf. IV, Fig. 4, J' Type) 

Unter einer Anzahl Agrotinen, die Herr Rangnow im Jahre 
1927 aus dem südlichen Ural (Guberla) mitbrachte, befand sich 
eine kleine Serie Falter, die ich zunächst als capnistis Led. be- 
stimmte und meiner Sammlung dort einreihte. Anläßlich der 


NE 


Studien für vorliegende Arbeit stellte es sich aber heraus, daß 
hier eine neue gute Art vorliegt, die ich wie folgt, beschreibe. 

‘. Stirne glatt, Vordertibien ziemlich stark bedornt. Ab- 
domen abgeflacht, Thorax mit Haaren und Schuppen, folglich 
nach Hampson zu Agrotis OÖ. gehörend. Kopf und Thorax” maus- 
grau, hauptsächlich mit struppigen Haarschuppen”bedeckt, die- 
jenigen des Kopfes am oberen Ende schwärzlich gesprenkelt. 
Ein ganz schwacher, kaum hervortretender, dunkler Halskragen. 
Palpen normal, erstes und zweites Glied mit ziemlich langen, 
beim ersten Glied am Ende weißen, beim zweiten Glied braun 
gefärbten Haarschuppen besetzt. Die Seite des zweiten Gliedes 
trägt dicht anliegende, schwarzbraune Schuppen. Drittes Glied 
kurz, nicht nackt, mit struppigen Schuppenborsten. Abdomen 
weißlich, mit einem Rosa-Anflug. 

Vorderflügel samtig mausgrau, glänzend. Eine Subbasal- 
linie nur durch einen schwarzen Flecken am Vorderrand und 
einem darunterstehenden angedeutet. Darunter ein tief samt- 
schwarzer feiner Wurzelstrahl, der bis zur doppelten inneren 
Querlinie geht. Diese ist unterbrochen und besteht aus einer 
inneren, kaum sichtbaren Linie, während die äußere durch drei 
markante samtschwarze Punkte oder Flecken gebildet wird, einen 
am Vorderrand, einen dreieckigen am Ende des Wurzelstreifens 
und einen nach innen gebogenen am Vorderflügelrand. Die 
runde, mausgraue Ringmakel anal- und basalwärts begrenzt 
durch zwei auf allen Seiten nach innen gebuchtete samtschwarze 
Vierecke, wovon das äußere erheblich größer ist. Unter dem 
äußeren Viereck liegt in der Fortsetzung des Wurzelstrahls ein 
samtschwarzer länglicher rechteckiger Wisch, der an beiden En- 
den ebenfalls eingebuchtet ist. Er grenzt an die äußere Quer- 
linie, die ebenfalls doppelt ist und nach innen durch unterbro- 
chene, samtschwarze, nach innen gebogene Flecken gebildet wird, 
während die äußere Linie kaum sichtbar ist. Nierenmakel groß, 
einförmig, mausgrau ausgefüllt. Eine schwache Wellenlinie vor- 
handen, keine Pfeilflecke, Saumlinie schwärzlich, bräunliche Fran- 
sen. Hinterflügel weißlich, am Saum und auf den Adern ver- 
düstert, Fransen fast weiß. Unterseite der Vfl. ohne Binden, fast 
eintönig silbergrau, ein dunkler Vorderrandsfleck, der Wellen- 
linie entsprechend. Unterseite der Hinterflügel weißlich, ohne 
Binde und!Discoidalfleck, Vorderrand etwas verdüstert. Tarsen 
hell und bräunlich beschuppt, mit weißlichen Manschetten. Fühler 
mit feinen, direkt aufsitzenden, ziemlich langen Wimperbüscheln. 


u 


O fast genau wie das 9’, nur erheblich dunkler mausgrau, 
namentlich auch auf der Unterseite, wo ein Ansatz einer Quer- 
binde auf beiden Flügeln zu sehen ist. Auch ein ganz schwacher 
Discoidalfleck auf der Hinterflügel-Unterseite ist vorhanden. Die 
Verdüsterung der Flügelunterseite mıt dem Bindenansatz findet 
sich übrigens auch bei einigen bräunlichen Exemplaren. 

Guberlae ist zweifellos mit capnistis Led. verwandt u. ähnelt 
derselben in vielen Beziehungen. Der zuerst sofort in die Augen 
springende Unterschied liegt in der gegenüber der hellen, fast 
mit weißgelben Querlinien ausgestatten capnistis in der dunkeln, 
mausgrauen Farbe von guberlae, wodurch dieses Tier ganz me- 
lanistisch erscheint. Besser als durch die Aufzählung der Uhnter- 
schiede erhellt aber die Trennung von guberlae von capnistis 
aus der Struktur des J’ Genitalapparates. Auf Tafel III, Fig. 2 
und 5 finden sich die Zeichnungen. Es ist insbesondere die 
völlig verschiedene Struktur des Claspers und des Sacculus, 
die sofort in die Augen springt. Auch die chitinösen Einlage- 
rungen des Penis sind völlig verschieden. 

. Beschrieben nach 4 Jg’ und6 ?Q. Typen und Cotypen 
in coll.m. Expansion: 32-35 mm. Patria: Südlicher Ural, Gu- 
berla (Rangnow). 


A. vicina nov. spec. 
(Abbildung Iris 1929, Taf. IV, Fig. 2, 5 Type) 


Diese neue Art ähnelt der neara Pglr., was die Zeichnungs- 
elemente der Vorderflügel anbetrifft, vollkommen, sodaß sich eine 
Beschreibung der Zeichnung erübrigt. Einzig die Querlinien ver- 
laufen bei vicina einfacher, ruhiger und sind weniger gezackt. 
Neara Pglr. ist erheblich größer als vicina, 33mm gegen 29-30 mm. 
Neara ist auch erheblich breitflügeliger als vieina. Die Stirn ist 
bei beiden Arten glatt, der Thorax bei beiden Arten mit langen 
Schuppenhaaren bedeckt. Die Hinterflügel sind bei neara im 
Geschlecht fast rein weiß, bei vicina bräunlich bis braun. Die 
Flügelunterseiten sind bei vicina stets bedeutend stärker braun 
gefärbt als bei neara. Die Fühler sind bei vicina ungefähr wie 
bei neara und bei guberlae, nur zeigen sich auf der äußeren 
Seite der '' Fühler von vicina bereits Anflüge von Zacken- 
bildung, während bei neara die feinen Wimperbüschel. direkt auf 
dem Schaft aufsitzen. 

Der hauptsächlichste Unterschied liegt aber auch hier im 
co’ Genitalapparat (cf, Tafel IN, Fig. 1 und 4). Der abgebildete 


en 


Genitalapparat von neara ist dem Typ im Berliner Museum ent- 
nommen, so wie ich auch meine neara- und vicina-Exemplare 
mit diesem Typ verglichen habe. Aus den Abbildungen erhellt 
bei der Betrachtung der außerordentlich verschiedenen Clasper- 
bildungen der artliche Unterschied sofort. Eine Verwandtschaft 
zwischen beiden Tieren ist aber zweifellos ebenfalls vorhanden. 
Püngeler sagt in seiner Beschreibung der neara (Iris 1906, p. 85), 
daß neara der multangula var. dissoluta und auch der hahni Chr. 
nahestehe, wobei Püngeler damals juvenis Stdgr. u. capnistis Led. 
noch unbekannt waren. Ein Vergleich des 5 Genitalapparates 
von vicina, neara, capnistis u. multangula resp, der var. dissoluta 
(Taf. III, Fig. 4, 1,2 und Taf. I, Fig. 4) zeigt in der Tat eine Ver- 
wandtschaft dieser Tiere, dagegen ist zu bemerken, daß hahni 
nicht hieher gehört. hahni unterscheidet sich von allen diesen 
Tieren durch die außerordentlich starke Beschuppung des Tho- 
rax und gehört zu einer ganz anderen Gruppe der Agrotinen 
(nach Hampson zu Lycophotia), obwohl eine gewisse äußere 
Aehnlichkeit zwischen hahni Chr. und neara Pglr. und vicina m. 
ebenfalls zuzugeben ist. 

Beschrieben nach 6 JJ und 59 9. Typen und Cotypen 
in coll. m. Patria: Issyk-kul, Alexandergebirge, Kuku-Noor. 
Exp. 29-30 mm. 

Die & Type Püngelers von neara stammt aus Transkaspien, 
Merw, 1898. Warren im Seitz (1914) führt merkwürdigerweise 
neara Pglr. überhaupt nicht auf. 


A. juvenis Stdgr.— A. caelebs Stdgr. 


Diese m.E. etwas zweifelhafte Art ist von Staudinger Iris XII, 
1899, pas. 360 ff. beschrieben und dort Taf. IV, Fig. 4 abgebildet 
worden. Eine gute Photographie findet sich in Iris, 1922, Taf. VI, 
Fig. 19 und 20. 

Staudinger nennt als Patria in seinem Katalog 1901, pag. 141 
Taur. m. or. (Zeitun)? Hyrc. Juvenis ist synonym mit Staudingers 
caelebs (nom. praeoccup.). Ich habe das männliche Original ein- 
gesehen. Es trägt eine weiße Etikette: juvenilis Stgr., caelebs Stgr., 
eine zweite rote Etikette: Original, und eine dritte gelbe Etikette: 
Zeitun, Haradj 97. Das Exemplar hat leider keine Fühler mehr, 
gerade noch Rudimente, um die Wimpern zu sehen. Die Hinter- 
flügel sind nicht rein weiß, wie beim Original capnistis Led., 
sondern gegen den Rand und den Adern entlang verdunkelt. 

Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX. Jahrg. 1930. H.1. 2 


ge 


Die Abbildung Staudingers in Iris XII (l.c.) ist sehr gut, was 
die Zeichnung (schwarz) anbetrifft. Was auf den Hinterflügeln 
dunkel hervortritt, ist auch beim Original dunkel. Auch die 
Abbildung Seitz, 12c ist ganz gut, nur zu rötlich, namentlich 
die Hinterflügel. Die Abbildung Hampsons PI. LXXI, Fig. 19 
ist in der Zeichnung ebenfalls gut, die Hinterflügel aber zu hell 
und die schwarzen Zellen auf den Vorderflügeln treten viel zu 
wenig hervor. Was mir besonders charakteristisch erscheint, 
sind die kleine Nierenmakel, ein schwarzer Pfeilstrich vor der 
inneren Querlinie dem Innenrand der Vorderflügel entlang, an- 
laufend bis fast zur äußeren Querlinie. Ein Merkmal, das bei 
capnistis, neara, vicina, calorica, guberlae und multangula fehlt. 
Ich besitze ein JS’ aus Saraw, das ich zu juvenis ziehen möchte, 
bin aber meiner Sache nicht sicher. Auch Staudinger ist nicht 
bei allen seinen Exemplaren sicher, er schreibt (l. c.), daß er 
ein geflogenes 2 von Achal Tekke fraglich zu capnistis ziehe, 
ebenso läßt Staudinger es dahin gestellt, ob ein reines Q aus 
Nord-Persien (von Christoph am 28. Juli bei Schahkuh gefangen) 
zu capnistis oder zu juvenis zu ziehen sei. Zum Schluß seiner 
Beschreibung (l. c.) sagt Staudinger, daß er es auch für möglich 
hält, daß juvenis sich später als eine Form von capnistis heraus- 
stellen kann. Ich halte dies für wahrscheinlich, doch kann diese 
Frage erst dann gelöst werden, wenn einmal ein größeres Ma- 
terial dieser vorläufig etwas fraglichen juvenis beigebracht und 
studiert werden kann. Die von mir weiter oben gegebenen be- 
sonderen Charakteristiken könnten ebensogut zu einer Aber- 
ration von capnistis oder vicina oder von calorica, wie zu einer 
guten Art passen. 


Ueber den Genitalapparat von juvenis kann ich leider nichts 
aussagen, da mir hiezu kein Material zur Verfügung stand. 


A. decussa Stdgr. und A. versuta Pglr. 


Ein Original von decussa Stdgr. aus der Staudinger'schen 
Sammlung trägt eine rote Etikette: Original, eine weiße Etikette: 
Decussa Stdgr. und eine violette: Alex.-Gebg. 90 (?) Rckbl. 
Staudinger hat decussa in seinem Kat. 1901 pag. 141 vor mul- 
tangula und hahni gestellt. Patria: Iss.-K. s. oc. Beschrieben 
und abgebildet ist decussa Iris 1896, pag. 367, T.4, f.9. Diese 
Abbildung ist nach eigener Aussage Staudingers nicht gut, be- 
sonders die Nierenmakeln sind verzeichnet. Ferner ist auf der 


Be 


Abbildung statt des vorhandenen, weißlichen Hakenstrichelchens 
(am Anfang der Extrabasale) ein größerer, runder, lichter Flecken 
gemacht, der durchaus nicht vorhanden ist. Die Abbildung von 
Seitz II, Tafel 7e ist hingegen ganz gut, sehr gut ist die Photo- 
graphie eines Originales in Iris 1922, Taf. VI, Fig. 16. 

Decussa ähnelt nach Staudinger der multangula Hb. und steht 
nach Staudinger dieser nahe. Das stimmt jedenfalls besser als 
die Einreihung, die Hampson und Warren vornahmen. Hamp- 
son (Kat. Lep. Phal.IV, 1903, pag.287) reiht decussa Stdgr. kurzer- 
hand als synonym unter recussa Hb. ein, also in die Gattung 
Euxoa. Nun ist aber decussa keine Euxoa, die Stirne ist voll- 
kommen glatt statt mit einem höckerigen Vorsprung (Krater) ver- 
sehen, die Vordertibien sind schwach bedornt, während die echten 
Euxoa sehr stark bedornte Tibien haben. Den JS’ Genitalapparat 
konnte ich leider nicht anatomieren, weil ich kein Exemplar 
von decussa besitze, aber beim Original ist unter dem Binokular- 
mikroskop deutlich zu sehen, daß kein zweigabeliger Clasper 
vorliegt, wie wir ihn bei einer echten Euxoa, z.B. recussa Hb,, 
vgl. & Genitalapparat von recussa Hb. (Taf. I, Fig. 6), finden, 
sondern man sieht nur einen starken Chitinvorsprung. Warren 
stellt (Seitz III, pag. 34) decussa neben recussa in die Gattung 
Euxoa und sagt: „genau wie recussa” mit Ausnahme der Fühler. 
Beide Autoren haben also decussa nicht näher angesehen oder 
gar nicht gekannt. Wohl besitzt decussa eine gewisse äußere 
Aehnlichkeit mit recussa, was schon Staudinger bemerkt hat, 
aber das ist auch alles. Was die Fühler anbetrifft, so sagt 
Staudinger, daß sie fadenförmig und deutlich bewimpert, deut- 
licher als bei multangula, seien, was ich an Hand des Originales 
bestätigen kann. Die Fühler von recussa sind total anders. 
Decussa trägt auch auf dem Thorax einen eigentümlichen Schopf, 
ähnlich wie polygona F. Sie hat auch eine große Aehnlichkeit 
mit gewissen buntgezeichneten asiatischen Exemplaren von poly- 
gona. Was aber decussa äußerlich besonders trennt von poly- 
gona, sind die deutlichen Pfeilflecken auf den Vorderflügeln, die 
ich bei polygona noch nie beobachtet habe. Erst eine anatomi- 
sche Untersuchung der 5 Genitalapparate von decussa wird 
Gewißheit verschaffen, wo die Art systematisch einzureihen ist. 
Außer den von Staudinger angegebenen Fundorten führt War- 
ren (l. c.) noch Tibet an. Ferner meldet Koshantschikov die 
Art auch aus Sibirien, Minussinsk (Jahrb. Martj. Staatsmuseum 
1925, pag. 71). Wahrscheinlich nahe verwandt mit decussa Stdgr. 


2* 


= a0 


ist A, versutaPglr. Diese schöne Art ist von Püngeler (Iris 1908, 
pag. 287) beschrieben und auf Taf. IV, Fig. 4 abgebildet worden. 
Püngelers Exemplare (1 9, 2 2 2) stammen aus dem Kuku-Noor, 
Tibet. Ich besitze ein mit Püngelers Type identisches S' eben- 
falls aus dem Kuku-Noor. Püngeler sagt, daß versuta der mul- 
tangula Hb. recht ähnlich sei, was in der Tat der Fall ist. Sie 
gleicht auch sehr der decussa Stdgr., die Unterschiede liegen 
darin, daß decussa breitflügeliger, gedrungener ist, daß die Rund- 
makel von decussa schräg und rötlich ausgefüllt ist und daß die 
Nierenmakel von decussa viel größer, breiter und ebenfalls röt- 
lich ausgefüllt ist. Die Zapfenmakel ist bei versuta kaum an- 
gedeutet, schwärzlich, bei decussa sehr deutlich, rötlich ausge- 
füllt. Der schwarze Punkt von versuta in der Vorderrandszelle 
‘vor der inneren Querlinie fehlt bei decussa, die Zelle zwischen 
Ring- und Nierenmakel ist bei versuta viel stärker schwarz aus- 
gefüllt. Hinterflügel bei versuta und decussa ungefähr gleich. 
Auch die Unterseite ist bei versufa und decussa ungefähr gleich, 
nur daß decussa neben der Binde auf der Hinterflügelunterseite 
noch eine zweite, unvollständige, dunkle Randbinde zeigt und 
einen Discoidalpunkt, der bei den von mir gesehenen Exempla- 
ren von versuta Pglr. wie beim Original fehlt. Die Stirne ist bei 
versuta wie bei decussa gleich glatt. Der 5’ Fühler von versuta 
ist, was einen Hauptunterschied mit decussa ausmacht, fein und 
dicht, aber sehr kurz bewimpert, der 5 Fühler von decussa ist 
zwar ebenfalls nur mit direkt auf dem Schaft sitzenden Wim- 
pern besetzt, die aber viel weniger dicht und um mehr als 
dreifach länger sind. Das zweite Glied der Palpen ist sowohl 
bei decussa wie bei versula stark bärtig. 

Der wesentlichste Unterschied zwischen versuta und decussa 
besteht jedoch in den Vordertibien resp. in der Bedornung der- 
selben. Während die Vordertibien bei decussa, wenigstens auf 
der Innenseite, durchaus bedornt sind, zeigt versuta schwache, 
schmale Tibien mit nur einem Enddorn (wenigstens bei den von 
_ mir untersuchten zwei Exemplaren) am Ende der Tibien. 

Der auf Tafel I, Fig. 5 abgebildete 5 Genitalapparat stammt 
von Püngelers Original im Berliner Museum. Man sieht sofort, 
daß es sich hier natürlich nicht um eine Euxoa handelt, aber 
auch, daß auch mit multangula Hb. keine engere Verwandtschaft 
bestehen kann. 


Berichtigung: Auf Tafel II, Fig. 2 muß es heißen: Leithagebirge. 


CORTI, Studien über Agrotinae. (XXM). Tafel I. 


mnultangula,Nib. Dresden. 


Fig. 1 Big. 2 


RI2 


I Er 
RL m 


Fig. 3 Fig. 4 


versus Pglr. Tibet. 


zecxessa, Ab. Suldurs. 


Kies Fig. 6 


£ Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX (1950). 


CORTI, Studien über Agrotinae. (XXIL) Tate I 


D 


varacırlangıda, Stdgr. 
Sssyk-Kad.. 


var. aeulangula, Stgr- 
SSSYH-Kuel. 


DR 


var. andereggil,B. 
Sasses Alpes. 


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( E _— 


Big, 5 Fig. 6 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX (1950) 


CORTI, Studien über Agrotinae. (XXII.) Taiel IIL 


a er 
NY capınislis,Zed. Issyk Kiel. 
neara ,‚rlr. TZokmar. e 


Fig. 1 Fig. 2 


calorica, Corte, Sli -Gebiel. 


Sir 
N 


Bes 


‚qucberlae, Corte, @uberla. 


3 Gr g 
Eis:>5 Fis. 6 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX (1920). 


Die Großschmetterlinge 


der Hamburgischen Südarabien-Expedition 
C. Rathjens — H. v. Wißmann. 


Von G, Warnecke, Kiel, mit einer Einleitung von H. v. Wißmann, Wien. 


Einleitung. 


Nachdem der Plan, von Djedda aus die Gebirge von Asir 
zu erreichen, infolge der Abwesenheit Ibn Sauds, der im Osten 
seines Reichs Kämpfe gegen Irak leitete, gescheitert war, wurde 
der Versuch unternommen, von Hodeida aus nach Jemen ein- 
zudringen. Bei Djedda und im Wadi Fatima sowie bei Port 
Sudan an der afrikanischen Küste war die Ausbeute an Insekten 
infolge kurzer Sammeltätiskeit nur gering. Eine kleine Karten- 
skizze (S.22) möge unsere Reiseroute in Jemen erläutern. Die er- 
wähnten Fangorte sind eingetragen, ebenso die wichtigsten Vege- 
tationsgrenzen, da sie wahrscheinlich auch Verbreitungsgrenzen 
für manche Insektenarten sind. Vor allem ist hier die obere 
Grenze der Gebüschzone wichtig, die nur wenig oberhalb 
der Grenze des Kaffeebaues bei etwa 2100 m liegt. Arten- 
reiches Gebüsch, bestehend vor allem aus Hartlaubgehölzen, 
dazu Sukkulenten (besonders Euphorbien) und laubabwerfenden 
Dornbüschen, läuft hier gegen ein Gebiet aus, das von Kräutern, 
Stauden und Zwergsträuchern spärlich bewachsen ist, in dem 
nur hie und da Acacia abyssinica in kleinen Baumbeständen 
auftritt. Hier scheint auch etwa die äußerste Verbreitungsgrenze 
paläarktischer Insekten zu liegen. Nur oberhalb dieser Grenze 
findet sich eine Mischzone tropischer und paläarktischer Arten. 
Die meisten afrikanisch tropischen Arten aber scheinen nicht 
in die baumlose Region aufwärts zu wandern, Weiter gegen 
die Küste zu konnte leider nur während der schnellen Durch- 
reise nebenbei flüchtig gesammelt werden. Es läßt sich daher 
nicht sagen, wie weit die wohl unterscheidbaren Vegetations- 


ea 


zonen hier auch durch Insektenarten charakterisiert werden. 
Auf einen taureichen, aber sehr niederschlagsarmen Küsten- 
streifen mit Salsolaceengestrüpp und Wüstensteppe folgt ein 
durch den Ackerbau einer dichten Bevölkerung zum größten 
Teil in Kulturlandschaft umgewandelter Streifen von Akazien- 
hainen und auf diesen erst die oben beschriebene Zone vor 
allem von Hartlaubgehölzen, die ebenfalls dicht besiedelt ist, 
das niederschlagsreichste Gebiet Arabiens. Vor allem hier, an 
der Westseite der steil aus der Ebene ragenden Hochgebirge, 
wäre die Ausbeute an Insekten bei längerem Aufenthalt gewiß 
eine große und artenreiche. Fast in keinem Monat des Jahres 


224680, 20, ,,30 eHaz-- 5° 
23 Wüstenst Km 2 \ 

.n usiens eppe- Maßstab 1:20009 00U on % 
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22 AkKazıenzone. = Dhullae--, 


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athjens -v.hı'ssmann. 


2er 5 KK 


San’ä 2345 m, EI Adjz 1599 m, Manacha 2322 m, Hadjeilä 655 m. 


scheint dieser Gebietsstreifen ganz ohne Niederschlag zu sein. 
In seinen außerordentlich arten- und endemismenreichen Be- 
ständen finden sich durch das ganze Jahr blühende Pilanzen. 
Immerhin bemerkten wir, daß während unserer Durchreise im 
Januar weniger Schmetterlinge flogen als auf der Rückreise 
im März 1928, 

Obwohl das fast baumlose Hochland dicht bewohnt und 
mit Ackerland bedeckt ist, ist es doch während der Trockenheit 
wüstenhaft kahl. Nur in den ständig bewässerten Oasen gedeihen 
Obstbaumhaine. Hier folgt eine Getreideernte der anderen; 
viele Flächen sind mit Luzerne bebaut. Dort wurde der größte 
Teil der Schmetterlinge und Apiden gefangen. Eine Sammlung 
zur Regenzeit ließe ein recht verschiedenes Ergebnis erwarten; 
unsere Reise erstreckte sich nur auf die extreme Trockenzeit 
im Hochland von Januar bis März, 


Kurze allgemeine Uebersicht. 


Die Schmetterlingsausbeute beträgt 189 Stücke in 55 Arten, 
darunter 48 Arten sogen. Großschmetterlinge, 7 Arten Klein- 
schmetterlinge. Unter den Großschmetterlingen befinden sich 
34 Arten Tagfalter, 2 Schwärmer, 12 Angehörige sonstiger 
Familien. Nicht vertreten sind die Geometriden. Neu für die 
Wissenschaft sind 3 sogen. Großschmetterlinge (Pararge felix 
Warn., Leucania affinis Warn., Cossus frater Warn.) und 2 Klein- 
schmetterlinge (Aglossa sanaensis Rbl., Eretmocera jemensis Rbl.). 
Die Schmetterlinge sind jetzt in der Sammlung des Zoologischen 
Museums in Hamburg. 

Die Ausbeute ist zoogeographisch sehr wertvoll. Ganz ab- 
gesehen davon, daß sie die erste Schmetterlingsausbeute aus 
dem Hochland Jemens ist, enthält sie eine Anzahl Arten, welche 
weder von den Küsten des Roten Meeres, wo schon Ehrenberg 
und Hemprich vor ca. 100 Jahren gesammelt haben, noch von 
Aden, aus dessen Umgebung mehrere Verzeichnisse englischer 
Sammler vorliegen, noch vom übrigen Südarabien, an dessen 
Küsten u.a. Simony 1898/9 gesammelt hat, bekannt geworden sind. 

Ganz besonders müssen 2 Arten hervorgehoben werden, 
welche auf Beziehungen des südwestarabischen Hochlandes 
sowohl zur paläarktischen Fauna wie zur Fauna Nordafrikas, 
insbesondere Abessiniens, hinweisen. Südarabien wird in der 
lepidopterologischen Literatur als nicht paläarktisch angesehen. 
Seitz (die Großschmetterlinge der Erde) nimmt als Südgrenze 
der paläarktischen Fauna in Arabien eine Linie an, welche 
etwa von Mekka nach dem nördlichen Teil des Golfes von 
Oman verläuft. Holdhaus (die geographische Verbreitung der 
Insekten, in Schröders Handbuch für Entomologie, II. Band, 1929) 
legt die Grenze etwas südlicher, auf den 20. Breitengrad. In der 
von ihm gegebenen Karte rechnet er Arabien südlich dieses 
20. Breitengrades zur äthiopischen Region; die Grenze der äthio- 
pischen Region in Arabien zeichnet er als „relativ scharfe 
Grenze” ein, die erst in der Weiterführung in Nubien als „völlig 
unscharfe* Grenze dargestellt wird, während er sie im weiteren 
Verlauf in der Sahara wieder als „relativ scharfe Grenze” be- 
zeichnet, Rebel endlich hat schon früher in seiner Arbeit: Lepi- 
dopteren aus Südarabien und von der Insel Sokotra, Wien 1907, 
ausgeführt, daß die Tagfalter Südarabiens ein ganz vorherr- 
schend äthiopisches, respektive ostafrikanisches Gepräge auf- 
weisen, nur unter den Heteroceren befänden sich Arten, welche 


Be 


außer in Arabien bisher nur im westlichen Indien gefunden seien. 
Rebel betont aber, daß die bis 1907 aus Südarabien bekannten 
Lepidopteren fast ausschließlich in der Umgebung von Aden 
und den Küstenorten von Hadramaut gefunden seien, das ganze 
Innere der arabischen Halbinsel sei vollständig unbekannt, 
Die Ausbeute der Expedition C. Rathjens—H. v.Wißmann ent- 
hält nun bemerkenswerter Weise auch Arten paläarktischer Her- 
kunft; es handelt sich um zwei große Tagfalter. Die eine Art 
ist die paläarktische Pieride P. daplidice L., welche im nicht- 
paläarktischen Gebiet, in Afrika, an den Küsten Arabiens usw. 
durch eine vikariierende Art, Pieris glauconome Klug, vertreten 
wird. Daplidice selbst liegt in 10 Stücken von San’& vor, wäh- 
rend glauconome in einem Stück näher der Küste zu gefangen 
ist. Daplidice wird von Guerin (1845) als in Abessinien vor- 
kommend angeführt. Seine Angabe ist später angezweifelt wor- 
den, obgleich für die Richtigkeit seiner Bestimmung die Tat- 
sache zu verwerten ist, daß er auch die verwandte Art glau- 
conome Klug aus Abessinien anführt, sodaß man annehmen kann, 
er habe beide Ärten unterscheiden können. Durch die Auf- 
findung der daplidice in Jemen dürften die Zweifel an der 
Richtigkeit der Bestimmung Gu£rins hinfällig geworden sein. 
Der zweite Tagfalter, welcher paläarktische Beziehungen 
andeutet, ist neu für die Wissenschaft, Pararge felix nov. spec. 
Warn. Er gehört zum Pararge maera-Formenkreis, welcher 
bis auf eine Art, die in Abessinien fliegt, paläarktisch ist. Die 
neue Art hat die nächsten Beziehungen außer zu der abessini- 
schen Art, der Pararge maderakal Guer., zu der im Himalaya 
fliegenden P. menava Moore. Bisher konnte das Vorkommen 
einer Pararge in Abessinien, die ein völlig abgegrenztes Gebiet 
zu bewohnen schien, nicht einleuchtend erklärt werden. Durch 
die Auffindung der verwandten Art in Jemen, der sich später 
vielleicht noch andere Zwischenglieder über Oman und Süd- 
persien anschließen werden, ist die Erklärung gegeben. 
Berücksichtigt man nun, daß auch die paläarktische P, dapli- 
dice in Abessinien vorkommt, so ist es wahrscheinlich, daß ein 
engerer Zusammenhang zwischen den Faunen des Hochlandes 
von Jemen und Abessinien und stärkere Beziehungen dieser 
beiden Länder zur paläarktischen Lepidopteren-Fauna bestehen, 
als bisher vermutet werden konnte. Auf paläarktische Be- 
ziehungen Abessiniens weisen übrigens auch der große Perl- 
mutterfalter Argynnis niphe L. (hyperbius L.) und der Feuer- 


a 


falter Heodes phlaeas L. hin. Arg. niphe, welche von Ostasien 
her weit bis nach Indien verbreitet ist, fliegt in Abessinien in 
der Rasse Neumanni Rothsch. und Jordan; Heodes phlaeas, eine 
im paläarktischen Gebiet und in Nordamerika weitverbreitete 
Art, findet sich in Abessinien in der Form pseudophlaeas Luc. 
(ferner am Ruwenzori in der Form aethiopica Poult.). Ich möchte 
annehmen, daß diese beiden Arten in den Hochländern des süd- 
lichen Arabien noch aufgefunden werden. 

Unter den übrigen Tagfaltern sind besonders Bläulinge 
(Lycaeniden) vertreten, und zwar in nicht weniger als 13 Arten; 
das ist eine recht große Zahl. Es sind afrikanische und süd- 
westasiatische Arten; eine Art, Jolaus jordanus Stgr., ist nur 
von Palästina und Südarabien bekannt geworden. Als bisher 
in Arabien, soweit ich habe feststellen können, nicht gefundene, 
aber nach ihrer sonstigen Verbreitung hier zu erwartende Arten 
der Ausbeute sind zu nennen: Axiocerses harpax F., Tarucus 
telicanus Lang in der Nominatform, T. mediterraneae B. — Baker (?), 
Cupido mirza Plötz. 

Neu für Arabien ist auch die eine der beiden auf der Ex- 
pedition erbeuteten Acraea-Arten, Acraea chilo Godm., die bis 
jetzt nur aus Afrika selbst bekannt gewesen ist. 


Die in der folgenden Aufzählung enthaltenen floristischen 
Bemerkungen beruhen auf Mitteilungen H. v. Wißmanns. 


Besonderer Teil. 


1. Pieris daplidiceL. 10 Stücke von San’ä, 2360 m Seehöhe, 
27.1.—3.IIl. Neu für Arabien. Es handelt sich um typische 
daplidice; die Hinterflügel haben auf der Unterseite viel Grün 
und zeigen deutlich die charakteristischen weißen Saumflecke, 
welche nach innen zu verbreitert und quer abgeschnitten sind. 
Daplidice ist eine in Europa und Asien weitverbreitete Art, 
sie bewohnt auch die afrikanischen Gebiete am Mittelmeer 
(Algier, Unterägypten). In Südpersien, Arabien und benach- 
barten Gebieten wird sie durch Pieris glauconome Klug er- 
setzt (s. Nr. 2); angeblich soll daplidice dort fehlen, wo die 
vikariierende Art glauconome regelmäßig vorkommt; die Ver- 
hältnisse sind indessen noch nicht genügend geklärt. Auf 
jeden Fall ist die Auffindung der echten paläarktischen 
daplidice in Jemen aber eine zoographisch hoch bedeutsame 
Entdeckung; bisher waren als südlichste Fundorte mit Sicher- 


Er 


heit nur Unterägypten und das Sinai-Gebiet bekannt, Eine 
alte Angabe Gu£rin’s über das Vorkommen der Art im Ge- 
birge Abessiniens ist später bezweifelt worden; ich möchte 
mit Rücksicht auf die Feststellung der Art in Jemen aber 
annehmen, daß diese Angabe doch zutrifft, zumal Guerin 
beide Arten, daplidice u. glauconome, von Abessinien anführt. 
Die Raupe der daplidice frißt in Europa Resedaceen. Um 
San’ä sind Resedaceen häufig: Reseda sphenocleoides Defl, 
Ochradendus baccatusDelile, Oligomeris subulata (Del.)Boiss., 
Caylusia canescens (L.) St. Hil. 


. Pieris glauconome Klug. Ein Stück (4) von Äckern west- 
lich Badjil, 18.1IL, 150 m Seehöhe. Die Art ist sofort kennt- 
lich an der heller und anders gezeichneten Unterseite der 
Hinterflügel, insbesondere an den stark gelb gefärbten Adern 
der Hinterflügelunterseite.. glauconome wird als typische 
Wüstenart bezeichnet; sie scheint in Arabien verbreitet zu 
sein (Aden, usw.); sie fliegt ferner in Abessinien, Ober- und 
Unterägypten, dem Sinai, Persien usw. Die Raupe ist nach 
den Angaben in der Literatur an Zilla myagroides Forsk., 
Cleomene arabica und Capparis speciosa gefunden. 


‚ Teracolus halimede Klug. Ein © vom Wadi Brar zwischen 
Hadjeilä und Usil, 16. II, 1000 m Seehöhe. Eine afrikanische 
Art, welche schon an verschiedenen Stellen in Arabien (Aden, 
Hedjas) gefunden ist. Die Raupe ist bei Aden auf Cadaba 
glaudulosa festgestellt. 


. Teracolus evarne Klug. Ein Stück mit der Fundortsbezeich- 
nung: „Hinter Dar el Aedjz”, 1500—1700 m, 14.Ill. Die Art 
war hier sehr häufig im gebüschreichen, felsigen Hügelland, 
sehr flüchtig und schwer zu fangen. Das erbeutete Stück 
gehört zur f, philippsi Btl., zeigt aber die Unterseite der 
E. citrinus Btl., wie sie im Seitz, Tagfalter v. Afrika, Taf. 20c, 
abgebildet ist. Die Form citrinus Btl. ist in Südarabien schon 
gefunden. Evarne ist mit ihren Formen im nordöstl. Afrika 
weit verbreitet. 


. Teracolus eris Klug. Ein J, zwei 2 9 vom Wadi Brar 
zwischen Hadjeilä und Usil, 1000 m, 16, Il. Eris ist eine pan- 
afrikanische Art, von der bisher nur im Seitz (die palä- 
arktischen Tagfalter, S. 58) angegeben ist, daß sie auch in 
Arabien, und zwar in dem zum paläarktischen Gebiet ge- 
hörigen Teil Arabiens vorkomme. 


a 


6. Teracolus protomedia Klug. Ein 9, bei el Aedjz, 14. III, 
über einem braunpurpurn blühenden Busch von Anisotes 
trisulcans Nees in der gleichen Landschaft wie T. evarne 
gefangen. Die Art flog auch im Wadi Brar (1000 m) unter 
ähnlichen Vegetationsverhältnissen. Diese große afrikanische 
Teracolus-Art ist schon aus Südarabien und dem Hedjaz 
bekannt. 


7. Teracolus daira Klug. Ein 3 der f. Yerburi Swinh. von San’ä, 
27.11.; ein © der nounaLuc. vom Wadi Zaun (westlich el Aedjz, 
1550 m). in der gleichen Landschaft wie T. protomedia und 
halimede. Daira ist eine weitverbreitete afrikanische und 
arabische Art, welche außerordentlich viele, von manchen 
Autoren als eigene Arten angesehene Formen bildet. Die 
nordafrikanische Hauptform wird als nouna Luc. bezeichnet. 
Sie nimmt, wie schon Seitz hervorhebt, fast in jedem Monat 
des Jahres ein durch Größe, Schwarzzeichnung oder Unter- 
seitentönung wechselndes Kleid an. Ob die Bezeichnung 
der verschiedenen Formen als Winter- bezw. Sommerformen, 
wie es verschiedentlich geschieht, gerechtfertigt ist, erscheint 
doch recht zweifelhaft. So wird die unter der Ausbeute 
befindliche stark gefleckte Form Yerburi, die Ende Februar 
bei San’& gefangen ist, in der Literatur als die dritte Som- 
merform Arabiens bezeichnet. Als Winterform Arabiens wird 
die kleine, schwach gezeichnete E. evagore Klug angesehen ; 
aber Seitz hat diese evagore am Pfingstmontag 1890 in An- 
zahl nach schwerem Regen bei Aden erbeutet, und nach 
seinen weiteren Beobachtungen dürfte eine scharfe Schei- 
dung der Formen weder nach Zeit noch nach Lokalitäten 
durchzuführen sein. In der Literatur werden von Arabien 
außer daira Klug die Formen nouna Luc. (= demagore Feld.), 


evagore Klug, Heuglini Feld. und Yerburi Swinh. ‚aufgeführt. 


8. Catopsilia florellaF. Ein 5 von San’ä, ein ganz abge- 
flogenes @ am 1.IlIl. bei San’ä, auf Luzernenfeldern; die 
Art wurde auch bei el Aedjz (1600 m) am 14. III. beobachtet 
(v. Wißmann). Eine in Afrika südlich der Sahara weit ver- 
breitete, auch in Arabien (Aden, Makalla, Hedjaz) und Syrien 
vorkommende wanderlustige Art. Die Raupe lebt, soweit 
bisher bekannt, an Cassia. Cassia-Arten wachsen in Jemen 
aber aufwärts nur bis zu etwa 1100 m. Die Raupe muß also 
noch andere Futterpflanzen haben. 


— De 


9, Terias senegalensis Be. Ein J, westlich Bädjil (200 m), 


10. 


ih 


12, 


13. 


14, 


15. 


auf einem Brachfeld über blühender Cassia obovata Collad. 
Diese Art ist bereits aus Arabien bekannt; in Asien wird 
sie durch hecabeL. ersetzt. 


Terias DesjardinsiB. Ein 5, auf einem Brachfeld östlich 
Der-es-S-heil, über blühender Cassia obovata Collad. Eben- 
falls aus Arabien bekannt. 


Colias electoL. 23 5, 112 von San’ä, 27.11. bis 10.IIL, auf 
blühenden Luzernenfeldern. Neu für Arabien. Ich kann 
sämtliche Stücke nur als die Hauptform electo L., welche 
bisher nur aus Afrika südlich der Sahara bekannt gewesen 
ist, und nicht als die europäische und mediterrane Neben- 
form edusaF. (crocea Fourcr.) ansehen. Es sind kleine Falter, 
welche z. T, deutlich violettrot schillern, wie es von electo 
hervorgehoben wird. Sie stimmen in Größe und Färbung 
durchaus zu der von Seitz in seinen „afrikan. Tagfaltern“ 
auf Taf. 22 unter f abgebildeten südafrikanischen electo und 
nicht zu der größeren ostafrikanischen Form. 2 9 gehören 
der weißen f, aurivillius Kef. an. Es ist auffallend, daß diese 
afrikanische Form im Hochland Jemens vorkommt; es liegt 
hier gerade umgekehrt wie bei Pieris daplidice und glauco- 
nome (s. Nr. 1 und 2). Die paläarktische Form edusa F. ist 
aus Unterägypten, dem Sinai und neuerdings von Hufuf in 
Ost-Arabien bekannt geworden. Ihre Raupe ist in Aegypten 
an Luzerne und an Trifolium alexandrinum gefunden. 


Danais chrysippus L. Drei ©, 1.IIL, San’ä. Bereits von 
Arabien (Aden, usw., Sokotra) bekannt. Das eine Stück 
bildet einen Uebergang zur Form alcippus Cr. 


Danais dorippus Klug. Ein 9. San’ä. Ebenfalls von Aden 
und Sokotra bekannt geworden. 


Acraea doubledayi arabica Eltringh. Ein J', im Wadi Brar 
zwischen Hadjeilä u. Usil (1000 m), 16. III. (Dr. le Doux det.). 


Acraea chilo Godm. Zwei 9, ein 9, vom Wadi Brar zwi- 
schen Hadjeilä und Usil, 16.1. Neu für Arabien. 
(Dr. le Doux det.). Die Acraeen flogen besonders zahlreich 
um einen blühenden Strauch von Lycium arabicum Schwein- 
furt und ließen sich durch das Abfangen mit dem Netz 
nicht verjagen (v. Wißmann). 


a 


16. Pyrameis carduiL. Zwei kleine frische Stücke des „Distel- 
falters“, der fast überall auf der Erde vorkommt, am 1. Il 
bei San’ä, Bekannt von Aden, Makalla, Sokotra. 

17.. Iunonia hierta F. f. cebrene Trim. Zwei Stücke, 3. II. 
bei San’ä. Cebrene ist die afrikanische und arabische Form 
der asiatischen hierta F, (oenone Cr.). Sie ist bereits bekannt 
von Aden, Makalla, Sokotra. 


18. Pararge felix Warn. 2 J, 7 9 von Sanä, 27. II. bis 4. III. 
Die Falter flogen in den Obstbaumgärten der Stadt. 


Pararge nov. spec. felix Warn. Pararge nov. spec. felix Warn. 
Unterseiten des 5’ (obere Fig.) und Oberseiten des 9’ (obere Fig.) und 
des (untereFig.). Natürliche Größe. des (untereFig.). Natürliche Größe. 


Ich habe diese neue interessante Art bereits in der 
Internat. Entomolog. Zeitschrift (Guben), 22. Jg., 1927/8, S. 365 ff. 
beschrieben. Es ist die erste Pararge aus Arabien. Eine Pararge- 
Form oder -Art ist bis dahin aus Arabien nicht bekannt gewesen. 
Das Genus ist rein paläarktisch bis auf eine Art, die im Hoch- 
gebirge Abessiniens und im Somalilande vorkommende Pararge 
maderakal Guer., deren Vorkommen bisher nicht recht erklärt 
werden konnte. Darüber weiter unten mehr. 

Die arabische Pararge sieht auf den ersten Blick in Größe, 
Färbung und Zeichnung einer P. hiera F. ähnlich, zeigt aber bei 


en 


genauer Prüfung besonders unterseits so erhebliche Unterschiede, 
daß sie von dieser Art weit getrennt ist. Sie dürfte vielmehr 
in die Gruppe der menava Moore von Nordindien und der Par. 
maderakal Gu£er. gehören, d.h. zu maeraL. 

Oberseite braunschwarz; Vorderflügel mit dem typischen 
weißgekernten großen schwarzen Pararge-Auge und einem win- 
zigen Punktauge schräg darüber; die Augen stehen in einem 
großen braungelben Feld, das beim 9 heller und größer ist 
als beim 5. Auf den Hinterflügeln schlägt nur das in der Mitte 
des Außenrandes stehende Randauge durch; es ist im Durch- 
messer etwa halb so groß wie das Apexauge der Vorderflügel, 
schwarz und leuchtend weiß gekernt. Es steht in einem großen 
gelbbraunen Fleck. Die übrigen Augen der Hinterflügelunterseite 
sind durch verschieden große und zahlreiche gelbbraune Fleck- 
chen, die manchmal in der Mitte einen schwarzen Punkt zeigen, 
angedeutet. 

Bei dem 5 von maderakal (nach der Originalabbildung von 
Guerin und nach der Figur im Seitz, Fauna Africana, Taf. 28f) 
fehlen die gelbbraunen Flecken auf beiden Flügeln so gut wie 
völlig, so daß die Oberseite eintönig schwarz erscheint, aus dem 
sich die gleichen Augen wie bei der arabischen Art leuchtend 
abheben; auf der Hinterflügeloberseite schlagen noch 2—3 ganz 
kleine Augen durch. Der Duftschuppenstreif läuft bei der ara- 
bischen Art fast senkrecht auf die Mitte des Innenrandes zu, 
während er bei maderakal ganz schräg zur Wurzel hin gerichtet 
ist (Abbild. von Guerin). Ueber die Oberseite des 2 von ma- 
derakal fehlt in der Beschreibung Gu£erin's jede Angabe, eben- 
so im Seitz. 

Die Unterseite beider Geschlechter erinnert, wie schon 
hervorgehoben, an hiera, menava und paßt auch im allgemeinen 
zu maderakal. Auffallend ist ein geschlossenes dunkelgraues 
Band, das die innere Häfte der Hinterflügel von der äußeren 
Hälfte mit der Augenreihe trennt. Während bei maera und 
den verwandten Formen dieses Band zwischen den einzelnen 
Adern stark gezackt oder wellenartig gebildet ist, ist dies bei 
allen 9 arabischen Stücken nicht der Fall; auch tritt es bei der 
arabischen Art viel schärfer hervor. Der Innenhälfte der Hinter- 
flügel fehlt die von Guerin für maderakal besonders hervor- 
gehobene schwärzliche Besprenkelung. Das 1., 4. und 5. Auge 
der Hinterflügel (vom Vorderrand an gerechnet) sind bei beiden 
Geschlechtern recht groß und leuchtend gekernt. — 


12 


20. 


21: 


22, 


ee 


Die Auffindung einer Pararge im inneren Jemen löst das 
Rätsel des Vorkommens der abessinischen P,maderakalGue£r., 
die man als eine „versprengte“ Form bezeichnet hat. Die 
neue Art felix stellt die Verbindung mit Abessinien her. 
Da Pararge felix, wie oben angegeben, gewisse Aehnlich- 
keiten mit der übrigens viel größeren nordindischen menava 
Moore zeigt, geht die Verbindung möglicherweise über die 
Gebirge Omans nach Beludschistan und Nordindien; bisher 
sind allerdings aus Oman und Beludschistan noch keine 
Formen des Pararge maera-menava-Kreises bekannt ge- 
worden. Mit den maera-Formen in Syrien und Persien 
scheint keine Verbindung zu bestehen. 

Die Typen befinden sich im Zoolog. Museum in Hamburg, 
zwei Cotypen in meiner Sammlung. 


Virachola livia Klug. Ein Q, 6.IIL, San’ä. Die Art ist be- 
reits aus Arabien bekannt. Die Raupe ist in Aegypten in den 
Schoten von Akazien, sowie in Granatäpfeln und Datteln, 
in diesen beiden Früchten Schaden anrichtend, gefunden. 


Jolaus jordanus Stgr. Ein 5, von buschigem Gehänge 
unterhalb Usil (1200 m). Dieser aus dem Jordantal be- 
schriebene Bläuling ist schon aus Südarabien (Azzan und 
Makalla) bekannt geworden (Rebel, Lepidopteren aus Süd- 
arabien und von der Insel Sokotra, Wien, 1907); das mir 
vorliegende Stück stimmt vollständig mit der Abbildung bei 
Rebel (Tafel I, Fig. 5) überein, der diese Art für eine sehr 


interessante Bereicherung der arabischen Fauna erklärt. 


Axiocerses harpax F. Ein 9, oberhalb Süq el Chamis, 
2500 m, 13, IIL; an einer Stelle, wo am häufigsten Rumex 
alismaefolius Fres. wuchs. Neu für Arabien. Die Unter- 
seite dieses Stückes ist sehr hell; im übrigen ist es von 
afrikanischen Stücken der Art nicht verschieden. 

Lycaenesthes amarah Guer. Ein 5 am 1.Ill. von San’ä, 
ein © von Djidda. Guerin (Voyage en Abyssinie etc., Zoo- 
logie, Insectes, 1845-50, Taf. II, Fig. 5, 6) hat diese Art, von 
welcher ihm nur das © vorlag, aus Abessinien beschrieben; 
seine Abbildung stimmt ober- und unterseits völlig mit dem 
@ von Djidda überein (dagegen ist die Figur des Falters 
bei Seitz, Afrikanische Tagfalter, Tafel 72b, zu groß und 
auch verzeichnet). Die Art ist schon aus Arabien bekannt 


gewesen (Aden, Ras Fartak, Maskat, Hedjaz),. 


28. 


24. 


29: 


26. 


a 


Cupido (Tarucus) lingeus Cr. Drei @ von San’ä, 27. IL, 
3. und 10. III. Diese afrikanische, durch ihre Unterseite un- 
verkennbare Art ist schon früher in Südarabien gefunden. 


Cupido (Tarucus) mediterraneae B.-Baker. Ein Pärchen, 
hinter el Aedjz, 14. IL; die Art umschwirrte in Scharen 
Acacia laeta R. Br. — Bis 1917 kannte man von diesem 
Formenkreis als verbreitete Arten nur die beiden Arten 
theophrastus F. und balcanicus Frr. B.-Baker hat dann (Trans. 
Entom. Soc., London, 1917, S. 281, Taf. XIV, Fig. 7, 7a) als 
eigene Art, die im nordafrikanischen Mediterrangebiet fliegt, 
die mediterraneae B.-Baker abgetrennt. Sie soll sich von der 
verbreitetsten Art theophrastus dadurch unterscheiden, daß. 
die Submarginalflecke beider Flügel strichförmig und zu 
einer zusammenhängenden Linie vereinigt sind; außerdem 
sollen die Genitalien erheblich verschieden sein. Eine 
Genitaluntersuchung habe ich nicht vornehmen können; 
nach den Abbildungen bei B.-Baker passen die vorliegenden 
Stücke am besten zu seiner Art. Sie ist neu für Arabien. 
Vielleicht gehört der von Aden gemeldete theophrastus hierher. 
Seitz (Afrikanische Tagfalter, S. 466) gibt übrigens seinen 
Bedenken Ausdruck, ob es möglich sei, die neue Art von 
theophrastus zu trennen. 


Cupido mirza Plötz. Ein 5, drei %, 27. und 28. 1l., 3. IL, 
Sanä. Neu für Arabien. Ich kann die Stücke nur zu 
dieser in Afrika verbreiteten, auch in Abessinien gefundenen 
Art ziehen. 


Azanus jesous Guer. Eine Anzahl 5 und 9, 27. 11.—6. IIl., 
San’ä. Diese von Gu£rin 1845 aus Abessinien beschriebene, 
nach einem abessinischen Heerführer benannte Art ist von 
Afrika über Arabien und Syrien bis Ceylon und Birma ver- 
breitet. Die Jemenstücke dieses veränderlichen Bläulings 
stimmen sehr gut zu der Originalfigur Guerins, insbesondere 
auf der Unterseite. 


27. Azanus ubaldus Cr. Zwei J, 1.u. 6.IIL, San’ä. Ubaldus 


ist eine von Afrika über Arabien (Aden, Hedjaz etc.) bis 
Indien verbreitete Art, welche trotz ihrer großen Verbreitung 
und des nicht seltenen Vorkommens oft verkannt worden 
ist. Rebel (Il. c. bei Jolaus jordanus Stgr.) hat bereits darauf 
hingewiesen, daß ubaldus sich selbst bei oberflächlicher Be- 
trachtung von kleinen Stücken des Az. jesous sofort durch 


28. 


29. 


Je 


den Mangel des dunklen Punktes in der Mittelzelle der Vfl.- 
unterseite und die einfarbigen tiefschwarzen Analflecke der 
Hinterflügelunterseite trennen läßt. Eine kenntliche Ab- 
bildung des 5 findet sich bei Seitz, Indoaustralische Tag- 
falter, Tafel 153e ;; sie gibt den schwarzen Schatten im Mit- 
telfeld, welcher am Innenrand breit aufsitzt und nach vorne 
zu spitz ausläuft, gut wieder. Rebel verweist auch auf die 
Abbildung der f. thebana Stgr. (Iris-Dresden, VII., Taf. 9, 
Fig. 3, S. 244); doch handelt es sich m. E. hier nicht um 
eine Form des Az. ubaldus, soweit aus der nicht sehr ge- 
lungenen Abbildung entnommen werden kann. Courvoisier 
(Iris 1920, S. 239) erklärt die Figur sogar für schlecht und 
zieht thebana, die aus Aegypten beschrieben ist, zu jesous. 


Tarucus telicanus Lang. Zwölf Stücke, 15, 11Q vom 
28. II. bis 10. IL, San’&. Aus der äthiopischen Region und 
Arabien scheint, soweit ich aus der Literatur feststellen 
kann, bisher nur Tar. plinius F., bekannt zu sein, den einige 
Autoren für eine Form von felicanus ansehen, während 
andere ihn als eigene Art bezeichnen. Seitz (Afrikanische 
Tagfalter, S. 470) schreibt: „Die Hauptform (felicanus) kenne 
ich nicht aus der äthiopischen Region, wenn auch einige 
Stücke, besonders aus den Gebirgsgegenden, ihr nahe kom- 
men.“ Ich kann die Jemen-Stücke nur zu telicanus ziehen, 
d.h. zu der mediterranen, in Südeuropa und Nordafrika bis 
Westasien verbreiteten Art. Sie ist also neu für Arabien. 
Das Vorkommen dieser paläarktischen Art in Jemen er- 
scheint bei Berücksichtigung des Vorkommens von Pieris 


daplidice L. und Pararge felix Warn. nicht auffallend. 


Polyommatus baeticusL. Zwei 9, 2.und 4. IIL, San’ä; 
das erste Stück gehört der f. fasciata Tutt an. Eine weit- 
verbreitete, über Afrika, das Mediterrangebiet u. Südasien 
bis nach Australien vorkommende Art, die schon aus Ara- 
bien bekannt geworden ist. 


30. Chilades trochylus Frr. Ein 9‘, 1. IIL, San’'ä In Afrika, 


al. 


dem östlichen Mediterrangebiet (bis zum südlichen Balkan) 
und in Asien bis nach Australien verbreitet, ist die Art 
auch in Arabien (Aden etc., Hedjaz) bereits festgestellt. 

Zizera lysimon Hb. var. knysna Trim. 13 5 u. 9, 27.11. 
bis 4. III., San’ä. Sämtliche Stücke dieser vom Mediterran- 
gebiet über Kleinasien und Südasien bis zu den Philippinen 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges, XX. Jahrg. 1930. H. 1. 3 


32. 


33. 


34, 


33. 


36. 


37. 


38. 


ar 


in verschiedenen Formen verbreiteten Art gehören der klein- 
asiatischen-nordafrikanischen Unterart knysna Trim. an, die 
sich von der typischen iberischen Iysimon im J' vor allem 
durch den viel schmäleren schwarzen Saum der Flügel, 
im @ durch Blaufärbung und hellere Unterseite unterschei- 
det (Rebel, 1. c. bei Jolaus jordanus, Nr. 20). knysna ist 
schon von Aden, Sokotra und Semha bekannt geworden. 


Carcharodus alceae Esp. var. SwinhoeiWatson. 18 J' u.Q, 
27. II. bis 10. II., bei San’& auf Luzernenfeldern gefangen. 
Die Falter gehören zu der paläarktischen C. alceae; wegen 
der sandgelben Unterseite ziehe ich sie zu der aus Belu- 
dschistan beschriebenen, von Seitz als Wüstenform bezeich- 
neten var. Swinhoei Watson. 


Hesperia galba F. var. adenensis Btl. 6 Stücke, 27. II. bis 
6. III, bei San’ä auf Luzernenfeldern. Ich kann die Falter 
nur zu der von Aden beschriebenen und auch sonst aus 
Südarabien bekannt gewordenen adenensis Btl, ziehen, die 
jetzt als Form der verbreiteten galbaF. angesehen wird. 


Gegenes nostrodamus F. Ein geflogenes Stück, 6.IIL, San’ä. 
Ob es zur östlichen Form karsana Moore gehört, welche bei 
Makalla gefunden ist, läßt sich bei dem schlechten Erhal- 


tungszustand des Stückes nicht entscheiden. 


Chaerocampa celerio L. Ein sehr stark abgeflogenes, aber 
noch zu bestimmendes Stück dieser im Mediterrangebiet, 
in Afrika und Asien bis Australien weitverbreiteten Art 
wurde bei San’ä in einem Spinnennetz gefunden. 


Macroglossum trochilus Hb. Ein am 1. Ill. bei San’ä auf 
einem Luzernenfelde gefangenes Stück hat Dr. Jordan-Tring 
nach einer Photographie als wahrscheinlich zu dieser indo- 
australischen Art gehörend bezeichnet. 


Taragama cuneatum Dist. f. confusum Aur. Ein Jj, 20.1L, 
bei San’ä. Die Bestimmung dieses afrikanischen Spinners 
ist durch freundliche Vermittlung von B. Zukowsky-Hamburg 
durch Dr. Hering vom Zoologischen Museum in Berlin vor- 
genommen. 


Spilosoma jemenensis Hamps. Zwei J, 18. IL, San’ä. 
Die beiden Stücke passen am besten zu der Abbildung 
dieser Art im Seitz, Afrikanische Spinner, Taf. 12g, S. 96. 


39, 


40, 


41. 


42. 


43, 


44, 


45. 


46. 


47, 


ar aBe. 


Hampson hat die Art nach einem von G.W.Bury in Jemen 
gesammelten 5 beschrieben (Novitates Zoologicae, 23. Jg., 
pag. 235) und abgebildet (Figur im Catal. Moths Brit. Mus., 
Suppl., vol. II, pl. 58, Fig.17). Sein Stück hat zwar kürzere 
Flügel und ist stärker schwarz gefleckt, aber vor allem paßt 
die Thoraxzeichnung. Die Arctiiden variieren bekanntlich 
sehr stark. 


Leucania (Hyphilare) nov. spec. affinis Warn. Ein 9, 3.IIL, 
San’ä. Diese Art steht der L. !'album L. am nächsten. Die Be- 
schreibung befindet sich in der Int. Ent. Ztschr. (Guben), 23. J., 
1929/30, S. 391. — Type im Zoolog. Museum in Hamburg. 


Brevipecten spec. Ein 5, Usil. Das Stück paßt am besten 
zu Br. captatus B. von Indien (vgl. Hampson, Moths of Brit. 
India, II, pag. 361, Fig.). 


Plusia auriiera Hb. Ein J, 3. Ill, San’ä. Eine weitver- 
breitete, von den Canaren bis zu den malayischen Inseln 
gefundene Art. 


Plusia circumilexaL. Ein 5, 3.IIL, San’ä&. Die Art ist 
von den Canaren über Aegypten und Syrien bis Zentral- 
asien verbreitet. 


Plusia (Phytometra) limbirena Guen. Ein Stück, San’ä. 
Eine von Afrika bis Indien weitverbreitete, auch von Aden 
bekannte Art (Dr. Draudt-Darmstadt det.). 

Acontia spec. Ein Stück von San’ä, vielleicht zu A. secta Gn. 
(vom Atbara) gehörig. 


Acontia lucida Hufn. Ein j', San’ä, 6.1Ill.; ein weiteres g’ 
vom 10, IIl. gehört zur f. albicollis F. Lucida ist vom Medi- 
terrangebiet bis Nordindien verbreitet. 
Thalerastria bipartitaH.S. var. mediana Stgr. Ein 5’, San'ä. 
Das Stück paßt gut zu der Figur und Beschreibung, welche 
Staudinger in der „lris” X., 1897, pag. 295, Taf. IV, Fig. 26 
von seiner mediana aus Palästina gibt, die er zu bipar- 
tita H.S. (aus Sizilien) als Varietät zieht. Ob wirklich mezo- 
sona Hampson von Aden damit zusammenfällt, wie im Seitz 
angenommen wird ? 
Earias insulana B. Ein verhältnismäßig kleines, abgefloge- 
nes. und teilweise gelblich verfärbtes @, welches am 3. III. 
bei San’ä gefangen ist, gehört zu dieser bereits aus Süd- 
arabien bekannt gewordenen Art. 

er 


—. 36 


48. Cossus nov. spec. frater Warn. Drei Stücke, 2 9,19, 
18. IL, bei San’ä, z. T. auf Luzernenfeldern in der Dämme- 
rung gefangen. 


Die Beschreibung dieser neuen, mit Cossus Aenleyi Rothsch. 
(vom Atbarafluß) und niloticus Joann. zu einer Gruppe gehören- 
den Art findet sich in der Internat. Entomol. Zeitschr. (Guben), 
23. Jg., 1929/30, S. 3839— 391. 

o- und 2 -Type im Zoolog. Museum in Hamburg, J-Cotype 
in meiner Sammlung. 


Die Raupen der Cossiden leben im Holz (Splint und Rinde) 
von Bäumen. Bei San’ kommen 16 verschiedene: Arten von 
Bäumen vor. 


u — 


Uebersicht 


über die bisher aus Arabien bekannt gewordenen Tagfalter (außer Hesperiden). 


Geordnet nach Seitz: Afrikanische Tagfalter. 


1; 


15. 


16. 


17. 


18. 


19. 


20. 


al, 


Papilio demoleusL. 


Arabien, von Harrar bis Mascat, Aden, 
Hufuf. 


.Papilio demodocus Esp. 


Siidarabien. 


.Papilio machaonL. 


Hufuf. 


.Herpaenia eriphia Godt. 


Arabien (var. lacteipennis Bil ) 


. Pieris severina Cr. 


Aden. 


. Pieris mesentina Cr. 


überall ?, Hedjas, Südarabien, Innerarabien 


.Pieris daplidice L. 


Jemen. 


. Pieris glauconome Klug. 


Aden, Mascat, Hedjas, Jemen etc. 


. Teracolus faustus Ol. 


Aden (var. vi Swinh.) 


. Teracolus amatusF. 


(var. ealais Cr.) Südarabien. 


. Teracolus phisadia Godt. 


Arabien, Aden, Mascat. 


. Teracolus gaudens Bil. 


Arabien. 


. Teracolus chrysonome Klug. 


Siüdarabien, Hedjas. 


. Teracolus protomedia Klug. 


Hedjas, Jemen. 


Teracolus halimede Klug. 
Arabien, Hedjas, Jemen, Aden. 


Teracolus plejone Klug. 
Siidarabien, Aden. 


Teracolus eris Klug. 
Arabien, Jemen. 


Teracolus eupompe Klug. 
Arabien, Hedjas, Sidarabien. 


Teracolus omphale Godt. 
Sidarabien. 

Teracolus daira Klug. (mit Formen). 
Hedjas, Jemen, Aden, Siüdarabien. 


Teracolus evarne Klug. 
Südarabien, Hedjas, Jemen. 


Sokotra 
Somaliland 


x 
x 


(var.) 


Semba 


Abessinien 


x 
er 


Weißer Nil 


RER ER 


) 


Sudan (Karthum 


Do me 
SENT TTS x 


Nubien 


Aegypten 


EEE 


Bemerkungen 


Marocco, Algier, Sollum. 


(leucogyne Butl.) 


Afrika, Indien, Syrien, Persien. 
(lordaca Walk.) 


Paläarkiisch. 


Palästina, Sinai, Ostafrika, Süd- 
persien bis Tibet (nach Seitz). 


Syrien, Persien, Afghanistan, 
Nordwest-Indien. 


amatus: Indien; 
calais: äthiopische Region. 
(earnifer Butl.) 


Sinai, Nordindien. 
(arne Klug.) 


Siidpalästina, Ostafrika. 
(arenicolens Butl.) 


(acaste Klug.) 


(mirjam Feld.) 


Sinai (Klug.). (miles Butl.) 


(theogene Butl.) 


Formen: 
nouna Luc. (=demagore Feld. 
—evagoreKlug.), Heuglini Feld,., 
Yerburi Swinh.,, Swinhoel Bil. 


22. Eronia buqueti B. 


Südarabien. 


25. Catopsilia florella F. 


Arabien, Südarabien, Hedjas, Jemen. 


24. Terias senegalensis B. 
Arabien, Siidarabien, Jemen. 


25. Terias desjardinsi B. 
Arabien, Jemen. 


96. Colias electoL. 


Jemen (var. edusaF.); Hufuf in Ostarabien. 


27.Danais chrysippusL. 


Arabien, Jemen, Südarabien. 


28. Danais dorippus Klug. 


Arabien, Jemen, Südarabien. 


99. Melanitis ledaL. 
Arabien. 

80. Pararge felix Warn. 
Jemen. 


ö1. Ypthima asterope Klug. 


Siüdarabien. 


32. Hamanumida daedalusrF. 
Sidarabien. 

55. Byblia ilithyia Dr. 
Arabien. 


34. Hypolimnas misippus L. 
Südarabien. 


85. Precis chorimene Guer. 
Arabien. 


86. Precis limnoria Klug. 
Südarabien. 


57. Precis hiertaF. f. cebreneTrim. 
Arabien, Siidarabien, Jemen. 


Preeis clelia Cr. 
Aden. 


Preecis orithyia L. 


var.hereLang: Arabien, Aden, Südarabien; 
var. cheesmaniRiley: Hufuf in Ostarabien. 


Pyrameis carduiL. 
Südarabien, Jemen. 


Acraea doubledayi Guer. 
var. arabica Eltr. Siidarabien, Jemen. 


42. Acraea arabica Rebel 
Siüdarabien. 


45. Acraea chilo Godm. 
Jemen." 


44. Virachola (Deudorix) livia Klug. 


Arabien, Südarabien, Jemen. 


88. 


89. 


40. 


41. 


| 
& 
| 


Sokotra 


| 


> 
ee er 


Somaliland 
Abessinien 


eu RE Kerr 


> 
x 


ee 


ee es 


Weißer Nil 


x 
X 


Sudan (Kartkum) 


Nubien 


Aegypten 


> 


edusa 


Bemerkungen 


(var. arabica Hopft.) 


Syrien. 
(aleurona Buil., hyblaea B. 
pyrene Swains). 


electo: äthiopisch ; 
edusa: paläarktisch. 


' äthiopische u. orienfal. Region. 


auch in Südindien. 


(ismene Cram.). 


äthiop. Region, Syrien, Indien. 


(eastanea Butl.) 


äthiopische u. oriental. Region, 


Hierta F. (=oenoneL.) in Süd- 
asien. 


äthiopisch und orientalisch in 
anderen Rassen. 


Kosmopolit. 


Außerdem nur ausDeutsch-Ost- 
afrika und Britisch-Ostafrika 
bekannt geworden. 


EL) ee 


Fi 
a 
Ei5|=|®% & 
| SE | 2|8 (5 
e|i=|7|5/lEe 2% Bemerkungen 
s|Sı2le|In 2|S 
z2|Elve=|/58|% 
a FE ER FER IS 
ala «<> on z|«< 
45. Virachola(Deudorix)antalusHopff. X x 
Hedjas. 
46. Myrina ficedula Tr. > bis Südafrika. 
Siüdarabien. 
47. Jolaus jordanus Stgr. außerdem nur aus Palästina 
Siüdarabien, Jemen. (Jordantal) bekanntgeworden. 
48. Jolaus nursei Bil. in 
Aden. Walk. 
49. Cigaritis acamas Klug. X nur noch “ Syrien Gel. Riley, 
m . . ’ 3 . Hist., serie 9, 
Sen Hedjas. vol.VIIL, p. 59988). 
50. Axiocerses harpaxF. XIX 
Jemen. 
51. Lycaenesthes amarah Guer. xx 
Hedjas, Jemen, Aden, Mascat. 
52. Cupido lingeus Cr. x x 
Siidarabien, Jemen. 
= DT 7 
? Cupido theophrastus F. x|x x 
Siüdarabien. 
55. Cupido mediterraneae B.B. XIX 
Jemen. 
54. Cupido mirza Plöt. > bis Südafrika. 
Jemen. 
55. Cupido jesous Guer. SUDS IT X\X| äthiopische Region, Indien (mit 
Siidarabien, Jemen. f. gamra Ld.). 
56. Cupido ubaldus Cr. XIX 1XIX\X | bis Indien (zena Moore). 
Sidarabien, Hedjas, Jemen. ! 
57. Cupido felicanus Lang. x|xX X | (pulcher Murray). 
Jemen. : 
58. Cupido boeticusL. XIXIXIX| |xX| inder ganzen äthiopisch. Region 
Südarabien, Jemen 1 und in der oriental. Region 
; bis Australien. 
59. Cupido malathana B. IR X (asopus Hopffer). 
Siüdarabien. % 
60. Cupido (Chilades) trochylus Frr. X |X|xX1xX|xX|X|x| bis Südafrika und Indien. 
Siüdarabien, Hedjas, Jemen. 
61. Cupido jobates Hopfl. xx x 
Arabien. 
62. Cupido lois Bil. X 
Siidarabien. 
65. Cupido contractus Bil. wesiliches Indien. 
Siidarabien. 
64. Zizera gaika Trim. IS x Süd- und Ostafrika, Indien. 
Südarabien. 
65. Zizera Iysimon Hb. XIXIXı |X) |xX| var. knysna in der äthiopischen 


Region und dem östlichen Me- 
diterrangebiet, Iysimon in Süd- 
westeuropa. 


Siidarabien, Jemen (var. knysna Trim.). 


Er a iger 


Für die vorstehende Uebersicht ist die bei Pagenstecher 
(Die geographische Verbreitung der Schmetterlinge, 1909) und 
bei Rebel (Lepidopteren aus Südarabien und von der Insel 
Sokotra, 1907) verzeichnete Literatur benutzt worden, außer- 
dem noch: 


1. Mace: The butterflies of Kharthoum. Entomologist, LVII, 
1925, 522532, 

2. Aurivillius: Lepidopteres Rhopaloceres du voyage de 
M. le baron Maurice de Rothschild en Ethiopie et en Afrique 
orientale anglaise, 1904/5. Paris, 1922, pag. 333—386. 

3. Riley: List of the butterflies collected in Arabia by Captain 
R. E. Cheesman, with a description of one new subspecies. 
Ann. Mag. Nat. Hist. London (9), 15., 1925, S. 151—152, 1 Tafel. 


Die Zahl von 65 Tagfaltern (außer Hesperiden) wird bei ge- 
nauer Erforschung Arabiens gewiß noch erheblich überschritten 
werden. 

In der Spalte Bemerkungen habe ich die Namen aufgenom- 
men, unter welchen die Arten in früheren Publikationen, z.T. 
als eigene Arten, aufgeführt sind. 

Die Cliches für die Abbildungen in dieser Arbeit sind in 
liebenswürdiger Weise von der Internat. Entomolog. Zeitschrift 
in Guben zur Verfügung gestellt. 


Die Microlepidopteren 
der Hamburgischen Südarabien-Expedition 
C. Rathjens—H. v.Wißmann. 


H. Rebel, 


 PYRALIDAE. 


Aglossa sanaönsis Rbl. nov. spec. (JS). Fühler gelbgrau, 
relativ kurz, nur wenig über '/, der Vorderrandlänge reichend, 
mit schütterer, sehr langer, gegen die Fühlerspitzen abnehmen- 
der Bewimperung (S). Auch die Palpen mit dem kurzen, 
spitzen Endglied sind gelbgrau. Der Thorax dunkler grau ge- 
mischt, der schlanke Hinterleib rötlichgrau, gegen die Spitze 
dunkler, Bauchseite und Beine einfarbig hellgelbgrau. Die All- 
gemeinfärbung der Flügel ist glänzend gelbgrau mit einem 
schwachen Stich ins Rötliche. Die Vorderflügel sind schmal, 
gestreckt mit deutlicher Spitze und sehr schrägem, nur wenig 
gerundetem Saum. Die Zeichnung ist schwäizlich und besteht 
aus drei Querstreifen (an der Basis, bei '/, und °/,), einem 
schwach gebogenen Mittelstrich und zusammengeflossenen - 
Saumpunkten. Zwischen dem kurzen basalen und dem vorde- 
ren Querstreifen liegt noch ein undeutlich bleibender Zwischen- 
schatten, Die Querstreifen sind schmal und scharf begrenzt, 
der vordere fast gerade, gleichmäßig gezackt, nur in der Falte 
mit einem stärkeren Einsprung basalwärts. Der hintere Quer- 
streifen ist viel schärfer gezackt, tritt in seiner Mitte stark 
saumwärts vor und bildet in der Falte einen tiefen basalen 
Einsprung. Die Fransen gleichfärbig mit undeutlicher Staublinie 
in ihrer Mitte, 

Die Hinterflügel sind viel bleicher als die Vorderflügel, 
mit vom Vorderrand ausgehendem, grauen, in seiner Mitte unter- 
brochenem, nach außen hellbegrenzten Mittelquerstreifen und 
grauer Saumverdunkelung, welche ebenfalls gegen den Vorder- 
rand. deutlicher und breiter wird. Eine feine, auf den Adern 


a 


punktartig verdickte Saumlinie ist dunkelgrau, die Fransen hell- 
gelbgrau. Die Unterseite glänzend hellgrau mit schwach durch- 
scheinender Zeichnung der Oberseite. Vorderflügellänge 13 mm, 
Exp. 26 mm. Ein frisches, am 3. März in San’ä erbeutes J.. 

Die Art steht der Aglossa simplicialis Chr. aus Nordpersien 
zunächst, unterscheidet sich aber von derselben durch geringere 
Größe, viel gestrecktere schmälere Flügel und den Mangel der 
dort stark vorherrschenden rötlichen Färbung. Die Bewimperung 
der männlichen Fühler scheint bei Agl. sanaensis eine längere 
zu sein. 


Nomophila noctuella S.V. San’ä, März. 
Mecyna polygonalis gilvataF. San’ä, 27.Febr. bis 4. März. 
Pionea ierrugalis Hb. 27.—28. Febr., abgeflogen. 


Noctuelia floralis Hb. San’ä, 27. Febr. bis 10. März, neun 
Stücke, welche hellere, deutlich gezeichnete Vorderflügel und 
einen schmäleren schwarzen Antemarginalstreifen der reingelben 
Hinterflügel zeigen. 


PTEROPHORIDAE. 


Pterophorus monodactylus L. 4. März. 


TINAEGERIIDAE. 


Eretmocera jemensis Rbl. nov. spec. (9). Die schwarzen 
- Fühler nur sehr schwach gegen die Basis durch Schuppen ver- 
dickt, reichen bis °/, der Vorderrandslänge. Der Kopf wie die 
Vorderflügel bronzebraun. Die stark vor- und aufgebogenen 
Palpen orangegelb, ihr Endglied schwarz. Der Halskragen, so- 
wie zwei seitliche Schrägflecken am Metathorax sind orange. 
Die Beine schwarz mit orangefarbigen Kanten, solchen Sporen 
und Gliederenden. Die Hinterschienen sind oberseits gegen 
ihre Basis ganz orangefarben. Der Hinterleib (wie die Hinter- 
flügel) sind lebhaft mennigrot. Die beiden ersten Segmente 
mit einem schwarzen Mittellängsfleck, desgleichen das letzte 
Segment mit einem solchen Mittelfleck. Der rote, gestutzte 
Afterbusch seitlich schmal schwarz, unterseits wie die ganze 
Bauchseite des Hinterleibes orangefarben. 

Die Vorderflügel sind bronzebraun mit orangefarbiger Zeich- 
nung. Diese besteht aus einer bis über ein Drittel der Flügel- 


ul. 

länge reichenden, in ihrer Mitte unterbrochenen Längsstrieme 
in der Falte und zwei hinteren runden Gegenflecken, von wel- 
chen der kostale größer und viel weiter nach außen gerückt 
ist. Im Apikalteil finden sich noch feine orangefarbige Schup- 
pen eingesprengt. Die Fransen gleichfarbig. Die Hinterflügel 
sind samt Fransen mennigrot, nur die äußerste Spitze und 
Fransen beiderseits um die Spitze sind tiefschwarz. 

Die Unterseite aller Flügel ist rot, die Spitze in breiter Aus- 
dehnung schwarz, desgleichen in einer schmalen Linie der Vorder- 
rand der Vorderflügel. Vorderflügellänge 6 mm, Exp. 12 mm. 

Zwei frische 2 am 4. März in San’ä erbeutet. 

Die Art steht der westafrikanischen Er. basistrigata WIsghm. 
zunächst, von der sie sich (nach der Abbildung bei Walsingham, 
Tr. Ent. Soc. London 1889, Pl.5) durch organgefarben Halskragen 
und solche Vorderflügelzeichnung unterscheidet, in der die Basal- 
strieme in der Mitte unterbrochen ist, und die Gegenflecke wei- 
ter nach außen gerückt erscheinen. Auch fehlt bei Er. basi- 
strigata der hier vorhandene schwarze Längsfleck am Rücken 
der beiden ersten Hinterleibssegmente. 


Die Apidae 
der Hamburgischen Südarabien-Expedition 
C. Rathjens—H. v.Wißmann. 
Von J. D. Aliken, Bremen. 


Unter den von Herrn Dr. Rathjens und Dr. v. Wißmann 
auf ihrer Reise in Südwestarabien gesammelten Insekten befin- 
den sich 20 Bienen-Arten. Von diesen hat sich eine als bis- 
lang in der Wissenschaft noch nicht bekannt erwiesen; einige 
andere sind vermutlich ebenfalls noch nicht beschrieben, es ist 
aber vorläufig davon abgesehen, dies zu tun. 

Ueber die Zusammensetzung der südarabischen Fauna nach 
dem vorliegenden Bienenmaterial ein Urteil abzugeben, dürfte 
nicht angebracht sein; dazu ist es nicht reich genug. Wie mir 
scheint, treffen in dem Gebiete die paläarktische und die äthio- 
pische Region zusammen. So ist Crocisa erythraeensis R. Mey. 
bisher nur in Erythraea gefunden worden, und eine Halictus- 
Art nach Mitteilung von Blüthgen mit solchen aus Rhodesia 
nahe verwandt. Zwei Halictus- Arten, H, vestitus Lep. und 
H. minutissimus W.K., sind in Mittel- und Südeuropa verbreitet. 


Liste der Arten: 


Colletes jemensis Nosk. — Sana. 49, 5 cd. Herr 
Dr. J. Noskiewicz wird diese Art, die neu für die Wissen- 
schaft ist, in seiner Monographie der Gattung Colletes beschreiben. 


Halictus ilavovittatus W.F. Kirby. — Ich glaube die vor- 
liegenden Stücke zu dieser mir nur nach der Beschreibung be- 
kannten Art rechnen zu dürfen, die auch im Chitin vier helle 
Hinterleibsbinden hat. Kirby gibt freilich an, daß das End- 
segment beim 9 rot ist, was auf unsere Art nicht zutrifft. 

Verwandt ist auch AH. nomiodes Friese vom Kilima Njaro, 
von dem ich der Güte Herrn Professors Sjoestedt ein @ ver- 
danke. Dieses hat aber dunkelgelbe Hinterleibsbinden und einen 
gelbrot behaarten Thorax, die vorliegende Art dagegen elfenbein- 
weiße Binden und graue Thoraxbehaarung. 

San’ä. 10.—18. Febr, 29%, 1d; 1.—10. März, 5 d.. 


SEA E 


var. rufobasalis var.nov. Wie die Stammform, aber 1. und 
2. Rückenplatte des Hinterleibs am Grunde rot gefärbt, letztere 
auch an der Spitze, manchmal auch die 3. Platte am Grunde. 
In der roten Färbung der 1. Platte steht an den Seiten am Grunde 
meist ein schwarzer, runder Flecken. In der Skulptur und 
Punktierung stimmt die Varietät völlig mit der Stammform über- 
ein. Hintere Schienen und Füße, manchmal auch die Mittel- 
schienen sind gelbrot durchscheinend. 

Wir haben es hier mit einer Rotfärbung zu tun, wie sie 
bei der Gattung Halictus hin und wieder auftritt, so u. a. auch 
bei H. calceatus Scop. und AH. albipes F. 

San’ä. 10.—18,Febr., 10 2; 1.—10. März, 9 2. — Auf dem 
Wege von Manakha nach Hodeida. 15.—18. März, 19. 


H. gibber Vach. — Weg von Der-es-S-heil nach Badjil. 
jardanı 2.9". 


H. luripides Vach. — San‘ä. 1.—10. März, 39, 1d. 
Blüthgen det. 


H. minutissimus W.K. — Weg von Manakha nach Hodeida. 
15.—18. März, 3%. Blüthgen det. 


H. spec.? — San’ä. 10.—18.Febr., 19; 1.—10. März, 39. 
Nach Blüthgen, dem die Art vorgelegen, äthiopisch, ähnliche 
Arten in Rhodesia vorkommend. 


H. vestitus Lep. var. — San’ä. 10.—18. Febr., 19,10; 
1.-10.März, 690. Von Manakha nach Hodeida. 15.-18. März, 19. 
Auch Blüthgen, der die Bestimmung nachprüfte, möchte an- 
nehmen, daß diese Art vorliegt. 


Sphecodes olivieri Lep. et Serv. — San’ä. 1.-10.März, 19. 


Anthophora mediterranea Alfk. — San’ä. 10.—18.Febr., 
49,29; 1.-—10. März, 55, 89. Von Manakha nach Ho- 
deida. 15.—18. März, 1 <. 

Die Jemen-Stücke gleichen völlig den Mallorca-Stücken, 
nach denen die Art aufgestellt wurde; vor allem besitzen sie 
denselben Kopfschildflecken. Bei den arabischen Männchen ist 
der Kopfschildfleck veränderlich: entweder ziemlich breit, oder 
in drei Strichelchen aufgelöst, oder aus einem Strichelchen 
bestehend. Diese verschiedenen Kopfschildzeichnungen dürften 
auch bei den Mallorca-Tieren vorkommen. Ich sah bisher nur 
ein Männchen von dort, bei dem der Fleck strichförmig ist. 


A. leucomelaena D.T. (melaleuca Walk.).. — San'ä. 10. bis 
18. Febr., 3 9: 1.—10. März, 12,10. Mir auch aus Aegypten 
und vom Sinai bekannt. Da das Männchen dieser Art bisher 
noch unbekannt geblieben ist, sei es nachfolgend beschrieben : 


10 mm lang. Kopf unten lang abstehend weiß behaart. Ober- 
kiefer gelb, dann rot, Spitze schwarz, zerstreut und fein punk- 
tiert. Oberlippe fast quadratisch, dicht u. ziemlich stark runzelig- 
punktiert, Vorderrand rötlich, Höckerchen klein, braunrot. Kopf- 
schild gelb, seitlich mit kleinem, schmalem, schwarzem Fleck, 
Vorderrand rotbraun gesäumt, sehr dicht abstehend weiß be- 
haart, die Skulptur unter der Behaarung schwer zu erkennen, 
anscheinend dicht und fein punktiert. Gesicht lang abstehend 
weiß behaart. Scheitel mit vereinzelten weißen Härchen. Wangen- 
anhänge fehlend. Fühler schwarz, Geißel unten schwach ge- 
bräunt, das 2. Geißelglied kürzer als die beiden folgenden zu- 
sammengenommen. Mesonotum, Pleuren, Sternum und Mittel- 
segment weiß behaart. Mesonotum mit vereinzelten schwarzen 
Härchen. 1.—5. Rückenplatte des Hinterleibs mit breiten, dün- 
nen, weißen Haarbinden am Hinterrande, die nach vorn nicht 
scharf begrenzt sind. 1. Platte ziemlich lang abstehend, locker 
behaart, 6. Platte schwarzbraun behaart, 7. Platte rotbraun ge- 
färbt, an der Spitze halbkreisförmig ausgeschnitten, sodaß seit- 
lich zwei spitze Zähne entstehen. 2.—4. Platte vor den Binden 
körnig punktiert und außerdem sehr fein chagriniert. Bauch 
schwarz, dicht und fein runzelig-punktiert, die Hinterränder 
schwarzbraun bewimpert, seitlich mit kleinen weißen Haarflecken 
als Fortsatz der Haarbinden der Rückenplatten. Beine schwarz. 
Alle Schienen, Vorder- und Mittelfersen außen dicht anliegend 
weiß behaart. Vorderschienen unten lang abstehend weiß 
behaart. Hinterfersen schwarz, am Grunde oben außen mit 
kleinem weißem Haarfleck, innen der ganzen Länge nach 
mit kurzen starren Borstenhaaren besetzt. Penicillus schwarz, 
am Ende schwach aufgehellt. Schienensporen tief schwarz. 
Flügel glashell, am Grunde ein wenig gelblich; Adern und Mal 
schwarzbraun. Schüppchen gelbbraun, am Grunde dunkelbraun. 


A. bimaculifera Walk. — San’ä, 1.—10. März, 19,10. 
Ich glaube in dem vorliegenden Pärchen die Walk er'sche 
Art, die von Harkeko, Küste des roten Meeres beschrieben 
wurde, zu erkennen, zu der Deutung bin ich dadurch veran- 
laßt worden, daß bei den vorliegenden Stücken, wie bei der 


EAN 


Art Walkers, Bauch und Beine rot gefärbt sind. Freilich 
sollen auch die Fühler unterseits rot sein, was auf die vor- 
liegenden Stücke nicht zutrifft. Da das X überhaupt noch 
nicht bekannt gemacht und das, wie alle Walker schen Arten, 
recht mangelhaft beschrieben ist, sei die Art nachfolgend be- 
handelt: 

O, 11 mm lang. Schwarz. Oberkiefer gelb, Spitze schwarz, 
stark glänzend, zerstreut punktiert und gerieft. Oberlippe ein 
wenig breiter als lang, kurz weiß behaart, dicht u. fein runzelig- 
punktiert, gelb, Grund und Vorderrand schmal schwarz gesäumt, 
die Höckerchen ausgedehnt schwarz gefärbt. Kopfschild mit 
zwei großen schwarzen Flecken, nur die Mittellinie und der 
Vorderrand schmal gelb; dünn abstehend weiß behaart, dicht 
und ziemlich stark gerunzelt. Stirnschildchen mit dreieckigem, 
gelbem Fleck. Wangen dicht weiß behaart, neben dem Kopf- 
schild gelb gestreift. Stirn und Scheitel abstehend grauweiß 
behaart, letzterer oben mit schwarzen Haaren untermischt; die 
Skulptur dieser Teile ist unter der dichten Behaarung nicht er- 
kennbar. Innere Augenränder nahezu parallel. Fühler schwarz, 
Geißel unten kaum gebräunt, 2. Geißelglied länger als die drei 
folgenden zusammengenommen, 3. Glied sehr kurz. Mesonotum 
grau behaart, in der Mitte mit schwarzen Haaren untermischt. 
Pleuren, Sternum und Mittelsegment weiß behaart. Punktierung 
des Mesonotum fein und zerstreut, unter der Behaarung schwer 
sichtbar. Rückenplatten des Hinterleibs schwarz, 1. bis 4. am 
Hinterrande mit ziemlich breiten, weißgrauen (im frischen Zu- 
stande wohl gelbgrauen) Binden, unter diesen sind die Ränder 
gelb gefärbt. An der 3. und 4. Platte sind vor den Binden noch 
zerstreute weiße Härchen sichtbar. 5. Platte ganz grau behaart, 
in der Mitte mit samtschwarzem Haarfleck (wie bei A. byssina Klg.) 
Bildung und Behaarung der Endplatte nicht zu erkennen, da 
verschmiert. Bauch rot, die 5. Platte ein wenig verdunkelt; 
die Platten in der Mitte sehr zerstreut, an den Seiten etwas 
dichter punktiert, die Hinterränder mit feinen, in der Mitte 
dünn, seitlich dicht gestellten, weißen Wimperhärchen besetzt. 
Vorderbeine schwarz, Endglieder der Füße rotbraun, Mittel- 
und Hinterbeine braun, Mittelhüften braun, alle Schienen und 
Fersen außen weiß behaart; Schienenbürste oben weiß, unten 
gelbrot, Penicillus schwarz; Schienensporen hellgelbrot. Flügel 
ein wenig getrübt, Adern und Stigma braunschwarz, Schüppchen 
rotbraun, außen gelb. 


Re 


cd. 9 mm lang. Dem % sehr ähnlich. Kopfischild ebenfalls 
mit zwei großen, schwarzen Flecken, von etwa stiefelförmiger 
Gestalt. Wangen ganz gelb. Fühlerschaft vorn gelb gefleckt, 
2. Geißelglied etwas kürzer als das 3. u 4. zusammengenommen, 
Thorax wie beim 9, Hinterrand der 1.—5. Rückenplatte des 
Hinterleibs mit weißen Haarbinden, die allmählich bis zur 5. Platte 
breiter werden; alle Hinterränder unter den Binden weißlich 
durchscheinend. 7. Platte an der Spitze rot gefärbt, gerade ab- 
gestutzt, an den Seiten mit gerader, ziemlich langer, hellgelber 
Spitze. Bauchplatten in der Mitte verwaschen braunrot gefärbt, 
an den Hinterrändern weißgelb durchscheinend, Wimperhärchen 
schwächer als beim @. 6. Platte mit zwei flachen, rundlichen 
Grübchen. Beine schwarz, nur die vier letzten Fußglieder, an 
den Hinterbeinen auch die Fersen braunrot gefärbt, letztere an 
der Spitze innen mit einem Kamm von kurzen, sehr dicht ge- 
stellten Haaren besetzt. Flügel wie beim 9. 


A. spec. nov.? A. crinipes F. Smith nahestehend. San’ä, 
? 10. März, 195 1<@1. 


Xylocopa aestuans L. — San’ä. 10.—18.Febr., 2 2; 1, bis 
10. März, 69,7%. Hedjas: WadiFatimah, 10 km östlich Djiddah, 
24. Dez. 1927, 1 J. 


Apis mellifica L. subsp. unicolor Latr. var. fasciata Latr, 
San’ä. 10.—18. Febr., 29, 1.—10. März, 49. 


Ceratina tarsata F.Mor. — San’ä. 10.—18.Febr., 79,5; 
1.—10. März, 30, 2 J. Zwischen San’& und Manakah, 12. bis 
14.März, 19. Zwischen Manakha und Hodeida, 15.-18. März, 5 Q. 

Crocisa dimidiatipunctata M.Spin. — San’ä. 1.-10.März,2 9. 


C. circulata Alfk. — San’ä. 1.—10.März, 2 5.1 2: fraglich, 
ob dazu gehörig. 


C. erythraeensis R. Meyer. — Port Sudan, 28.Dez. 1927, 1, 
Megachile submucida Alfk.? — In der Tihama zwischen 
Hodeida und Der-es-S-heil. 11. Jan., 39. San’ä, 10.—18. Febr. 
19. Die vorliegenden Stücke stimmen mit dieser Art überein, 
zeigen aber auf der 6. Rückenplatte zwei kleine, rundliche weiße 


Filzflecke. 


Coelioxys penetratrix F. Smith, — Zwischen Hodeida und 
Der-es-S-heil, 12. 


Ausgegeben: 1. Juli 1930. 


Beiträge 
zur Lepidopteren-Fauna Zentral-Ungarns. 


Von Franz Daniel und Dr. Lorenz Kolb. 


(Fortsetzung.) HETEROCERA. 
67. Procris pruni Schiff. u. Den. 12 W.VIL; auch von Pf. an- 


68. 
69. 
70. 


at, 


12; 


13. 


gegeben. 
Procris chloros Hbn. W. nicht selten. 
Procris statices L. wie vorige, aber seltener. Anf. VII 
Procris manni Led. 29 W. Ant. VI. 
Zygaenen: Das W. erwies sich 1928 als sehr ergiebiges 
Fundgebiet für diese Gattung und wird auch von Pf. als 
solches geschildert. 1929 waren alle Zygaenen (u. Procris) 
äußerst selten, sodaß kaum nennenswerte Fänge gemacht 
wurden. Alle Einzelangaben dieser Gruppen beziehen sich, 
soweit nichts bemerkt, auf Funde 1928. ° 
Zygaena purpuralis Brün. var. pluto OÖ. Im W. einzeln, 
Anf. VII. schon stark geflogen. Nach Pf. VI. häufig. 

ab. guinguemaculata Bsti. 10. 
Zygaena punctum ssp. punctum O. Einzeln und zerstreut 
im W. Mitte VIL vermutlich erst im Schlüpfen. 
Zygaena cynarae var. puszfae Bgff. Nach den von Pf. aus 
diesem Gebiet gebrachten Faltern beschrieben. Die Tiere 
kommen im ganzen W. zerstreut vor und sind an einigen 
Stellen, besonders an den Rändern häufig. Mitte VII. schon 
stark geflogen. Die unausgesuchte Serie 1928 besteht aus: 

170 5, 34 2 normal. 

ab. confluens Bgff. 18 J, 8 2 und zwar: 

6 0, 2® Verbindung Fleck 2-4 


2 " are 
IE Re, R N ee 
Sr „ „ 1-+3; 2-4 


6<&,3Q Verschmelzung aller Flecke. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX. Jahrg. 1930. H. 2. 4 


Sk; 


75. 


16. 


71. 


78. 


ab. tricingulata Bgff. 1,1%. 
ab. rubrianata Bgft. 1 cd. 


aberratio. 19 hat den ganzen Hinterleib oben und 
an den Seiten einfarbig rot, lediglich die Afterspitze bleibt 
dunkel. Useits sind 3 Ringe rot geschlossen. Ferner 
ist die Grundfarbe der Vfl. ober- und useits gleichmäßig 
rötlich übergossen. Fleck 2 mit 4 verbunden. 


Zygaena filipendulae L. var. pulchrior Ver. Einzeln. Eine 
höchstens mittelgroße, stark metallisch glänzende Rasse mit 
kleinen, aber intensiv leuchtenden Vil.-Flecken und sehr 
schmalem, schwarzem Hilsaum. 


Zygaena ephialtes ssp. ephialtes L.‘) In den ab. coronil- 
lae Esp. und frigonellae Esp. nach unseren Beobachtungen 
im ganzen W. sehr häufig. Von Pf. nur lokal und einzeln 
angegeben. Eigenartig ist nach unserem Material die Ver- 
teilung der beiden Formen auf die Geschlechter. 127 J, 
70 2 von ftrigonellae stehen 18 J', 37 2 von coronillae 
gegenüber, 1 @ hat Fleck 3 gelb. 


Zysaena meliloti Esp. Von Pf. angeführt. Die Tiere sind 
leider weggegeben, dürften aber wohl der ssp. dacica Car. 
zugehören. 


Zygaena laeta ssp. lae!a Hb. In wenigen stark ge- 
flogenen Exemplaren im W. Nach Pf. Mitte VL einzeln. 


Zygaena achilleae Esp. ssp. achilleae Esp. Die häufigste 
Zygaene. Zirka 40°/, aller Tiere gehören zu costali-elongata 
und basi-confluens n.c. Ferner finden sich nicht selten 


folgende Abarten: 


ab. analis-confluens n. c. 
„ parallela n. c. 

„ parvimaculata n. c. 

„ crassimaculata n. c. 

„ cingulata n. c. 


!) Burgeff. determinierte eine ihm übergebene Serie als var. meridiona- 
lis Bsff, Nach seiner Diagnose (Mitt. Mü.E.G. Jg.5 p. 69) hat diese Form 
als Hauptrassecharakter Punkt 2 nur schwach gelb gefärbt, was nur auf 
einen kleinen Teil der gefundenen Stücke zutrifft. Da nach seinen eigenen 
Angaben in gleicher Arbeit (p. 67) die Typenrasse in Niederösterreich und 
Ungarn fliegt, glauben wir mit Recht von obiger Determination abweichen 
zu können. 


1% 


80. 


8. 


82. 


83; 


Zygaena carniolica ssp. onobrychis Esp. In einzelnen 
frischen Stücken am Westrand des W. Die Art war 1928 
wohl erst zum kleinsten Teil geschlüpft; 1929 war sie über- 
haupt nicht da. Merkwürdigerweise erwähnt sie Pf, E. VL 
als nicht selten. 

1 5 fast ohne roten Hinterleibgürtel. 


Syntomis phegea_L. Häufig im W. Außerordentlich auf- 
fallend ist die Verschiedenheit der Jahrgänge 1928 u. 1929. 
Während die 1928 gefundenen Tiere ausnahmslos durch 
ganz besondere Größe, kräftige Zeichnungsanlage und vor 
allem außerordentlich entwickeltes Abdomen, besonders bei 
den © auffallen, die denen von marjana Stauder in nichts 
nachstehen, sind die im kühlen Sommer 1929 gefangenen 
Stücke nur wenig von Mitteleuropäern verschieden. Ledig- 
lich die kräftige Entwicklung der weißen Flecke ist bei den 
Jahrgängen gleich geblieben. Wir hatten die im ersten Jahre 
gebrachten Stücke unbedenklich als gute, der var. pliniusStdr. 
nahestehende Rasse betrachtet und möchten diesen Fall als 
Beweis dafür anführen, welche Fehlschlüsse bei rassischer 
Beurteilung mit Material eines klimatisch stark abweichen- 
den Jahres entstehen können. An mod. wurden gefunden 

mod. repicta Tti. 1928 alle 2 2; 1929 80°/, alle @ 9, ein- 

zeln auch beim Jg. 
mod. phegeus Esp. 10. 
„ cloelia Borkh. 2 5 (1928 u. 29). 
„ monosignata Tti. 1 cd. 


Dysauxes ancillaL. Sehr häufig; die 5 bei Tag im Halb- 
schatten der Robinienwälder fliegend und besonders nachts 
am Licht. Die % 2 fliegen nur ungern auf und huschen 
nahe dem Boden im Halbschatten, wo sie sehr schwer mit 
dem Netz zu fangen sind; am leichtesten sind die 2 2 
durch Schöpfen an schattigen Stellen zu erhalten. 9 9 oft 
mit fehlendem Innenrandfleck. 


ab. inops Dhl. Einzelne J'. 
Roeselia togatulalis Hb. Von Pf. 1 Exemplar 1926 im VI. 


erwähnt, 


Roeselia albula Schiff. Im W. einzeln am L., darunter ein 

sehr auffallendes 5, dessen sämtliche Flügel reinweiß sind; 

nur der dunkelbraune Mittelschatten ist scharf durchgezogen, 
4* 


84, 


85. 
86. 
87. 


88. 
89. 
So. 
IE 


92. 
93. 


94, 


rd 


während der denselben umgebende dunkle Grund völlig fehlt. 
Längs des Saumes der Vfl. sind als einziges weiteres Zeich- 
nungselement ein paar braıune Schüppchen sichtbar. Das 
Stück ist nur schwer als albula zu erkennen. Ein Stück 
mit reduzierter Schwarzzeichnung, aber ebenfalls deutlich 
erhaltenem Mittelschatten bildet einen Uebergang hiezu. 


Celama centonalis Hb. Bei Tage unschwer an den Ro- 
binienstämmen in Anzahl zu erbeuten, geht auch sehr gerne 
ans Licht. In allen erdenklichen -Uebergängen von der 
hellsten afomosa Brem. bis zu den dunkelsten Formen, so 
daß sich ein Ausscheiden der zahlreich beschriebenen mod. 
nicht lohnt. 


C. cristatula Hbn. In wenigen Exemplaren 1929. L. 
C. chlamitulalis Hbn. Einzeln M. VII. Tu. u. D.L. 


Miltochrista miniata Forst. 3 5 1929. Ziemlich stark gelb 
im Innenteil der Vfl., wie das wohl für südliche Tiere all- 
gemein zutrifft. L. 


Lithosia complanaL. Einzeln. L. 
L. palliirons Z. 19. W.L. 
Pelosia muscerda Hufn. Einzeln. W.L. 


Phragmatobia iuliginosa L. Nicht selten amL. 1 5 mit 
rötlich übergossenen Vfl. Hfl.-Schwarzzeichnung auf wenige 
Außenrandpunkte reduziert, Vrand einfarbig rot. 


Spilarctia lubricipedaL. Nicht selten. L. 


Spilosoma urticae Esp. 1 5, 29. L. Verhältnismäßig 
stark gefleckt (ab. pluripuncta Rbi.), aber am Fühlerbau sicher 
zu erkennen. 


Rhyparioidis metelkana Led. 10 5,2 @9. Diese begehrte 
Spezialität Ungarns fanden wir nur die letzten Nächte 1928 
in einem zu dieser Jahreszeit völlig ausgetrockneten Turjan 
am Nordrand des W. Die Tiere scheinen sich nur an 
Stellen aufzuhalten, wo dichte Büschel hoher, harter Schilf- 
gräser in größeren Beständen zu finden sind, unter denen 
Euphorbia pallustris wächst. Wir konnten sie hier sowohl 
am Licht erbeuten wie auch mit der Handlampe suchen, 
wobei das langsam fliegende Tier unschwer zu fangen ist. 
Eine Kopula fanden wir gegen Mitternacht an Schilfgras. 


93. 


96. 


91. 


98. 
2 


100, 
101, 


102. 
103. 
104. 
105. 


Die { weichen erheblich von einander ab und finden 
sich solche mit zeichnungslosen Vfl. und nur einem dunklen 
Hfl.-Fleck, bis zu Tieren mit 6 Vfl.- u. 4 Hil.-Flecken. Die Q 
lassen sich der geringen Anzahl halber nicht beurteilen. 
Sämtliche Stücke sind tadellos, also um M. VII. wohl erst 
am Schlüpfen (1928). Bei Tag konnten wir trotz angestreng- 
testen Suchens keinen Falter auffinden. 

1929 hatten wir leider nicht das Glück, metelkana noch- 
mals zu fangen, wohl nur deshalb, weil die Flugzeit erst 
nach unserer Abreise begann. Es empfiehlt sich also in 
normalen Jahren die Art in der 2. Julihälfte zu suchen. 
An erwähnter Stelle dürfte sie aber nicht mehr zu finden 
sein, da selbe sicher noch im Laufe des Sommers 1929 der 
schon sehr nahe herangerückten Kultivierung zum Opier fiel. 


Arctia cajaL. Pf. berichtet: Bis M, VII. allerorts Massen 
von Raupen, besonders an den die Straßen einfassenden 
Robinienstämmen. Die Falter sind breiter weiß gebändert 
als mitteldeutsche Stücke. Wir konnten A. VII. 29 nur zwei 
Raupen auffinden, die leider eingingen. 


Hipocrita jacobaeae L. Raupe allerorts im Waldgebiet. 
Pf. fand M, VI Rp. und F. gleichzeitig. 


Hypogymna mori L. Nach Pf. von M. VL auf Wiesen- 
gelände nicht selten. Von uns nicht beobachtet. 


Orgyia antiqua L. Einzeln. W. 


Laelia coenosa Hb. 1928 an der gleichen Lokalität wie 
R. metelkana, die J in Anzahl, © sehr selten am L. Die 
erwachsene Rp. nachts an harten Gräsern gefunden. 1929 
nur wenige, frisch geschlüpfte Stücke. 


Stilpnotia salicis L. Einzeln. L. 


Lymantria dispar L. Je 1 Stück als Raupe und Falter. 
1 Gelege an einem Robinienstamm. 


Euproctis chrysorrhoeal. 19 L.. 
Lasiocampa quercusL. Ein Stück von Pf. erwähnt. 
Macrothylacia rubiL. Die jg. Rp. in Anzahl beobachtet. 


Epicnaptera tremulifolia Hb. var. ambigua Stgr. Die 5 
zahlreich am L. Eine jg. Rp. M. VIL 1929 von Pappel ge- 
klopft ging leider ein. 


ee 


106. Gastropacha querciiolia L. var. meridionalis Horm. 2 
von leuchtend gelbbrauner Grundfarbe und mäßig stark an- 
gedeuteten Bindenzeichnungen. L. 


107. Dendrolimus pini L. Eine Anzahl, der rotbraunen und 
grauen Form angehörend. D.L. 


108. Drepana falcataria L. Einzelne Stücke der 2. Gen. L. 
109, Drepana binaria Hufn. 29 W. 2. Gen. 


110, Cilix glaucata Scop. Eine kleine Serie, teils in der Spät- 
dämmerung um Schlehenbüsche fliegend, teils auch am L. 
gefangen. 2. Gen. Die Tiere fallen durch beträchtliche Re- 
duktion aller dunklen Zeichnungselemente auf und nähern 
sich ziemlich stark der var. (gen. aest.) aeruginata Tti. aus 
Süditalien. 


111. Saturnia pyri Schiff. Auf einem mittelgroßen Obstbaum 
10 erwachsene Rp, gefunden. 


112. Sphinx ligustriLl. Oefter amL. in einer ziemlich kleinen 


und hellen 2. Gen. wie eine erwachsene Raupe bewies, die 
Anfang VIII. den Falter lieferte. 


113. Sphinx pinastriL. Einzeln. L. 


114. Smerinthus ocellata L. Von Pf. in wenigen Stücken für 
VIL angegeben. 2. Gen. 


115. Amorpha populi L. Sowohl Falter wie Raupe M.VII. Es 
ist eine sehr große 2. Gen. mit grauer wie brauner Grund- 


farbe. 


116. Haemorrhagia tityus L. Einzeln an den Waldrändern. 
Il. Gen. 


117. Macroglossum stellatarum L. Raupen und Falter allent- 
halben gemein. 


118. Celerio euphorbiae L. Sowohl an den heißesten Sand- 
hügeln der Pußta wie in den Turjanen an Euph. palustris 
einzelne Raupen gefunden, jedoch nur 1 männlichen Falter 
erhalten. Pf. traf jahreweise die Rp. zahlreich an. Das ge- 
schlüpfte 5 gehört einer großen, hellen Südrasse an. 


119, Pergesa porcellus L. Falter und Raupe gefunden, letztere 
entwickelte sich Ende VII. zur 2. Gen. Die Stücke haben 
sehr wenig Rot. 


120. 


121. 
122, 
123. 


124, 


125. 


126. 


127. 


128. 


129, 
130, 


131, 
132. 


ea 


Cerura bifida Hbn. Eine Anzahl M. VII. 1929 geklopfter 
Raupen lieferten Ende VII bis M. VIIL den Falter, 2. Gen. 
1% am L. gefangen. 


Dicranura vinulaL. Einige J. L. 
Drymonia querna F. Selten. L. W. 2. Gen. 


Notodonta dromedarius L. Eine erwachsene Rp. lieferte 
A. VIIL den Falter. 2. Gen. 


Notodonta phoebe Sieb. 1 5 1929 im Turjan am Licht, 
sicher aus dem nahen Walde zugeflogen. Das einzige Stück 
gestattet natürlich keine sicheren Rückschlüsse auf die Rasse- 
merkmale. Es ist viel heller als unsere dunkle Form, mehr 
weißgrau, ähnlich der südtiroler var. teriolensis Dannehl, mit 
auffallend breiter hellbrauner Binde im Saumfeld und star- 
ker Einmischung von gleicher Farbe im Mittelfeld, nament- 
lich in der Hälfte gegen den Innenrand. Es ist auch größer 
als unsere Stücke, erreicht jedoch nicht die Größe der süd- 
tiroler Rasse. 


Spatalia argentina gen. aest. pallidior Horm. 1% 9. VIL 
1928 L. W. 


Lophopteryx camelina L. Ein stark geflogenes S' 8. VII. 
1929 W. L. 


Pterostoma palpina_L. Einige 5 L., auch die Raupe be- 
obachtet. 2. Gen. 


Pygaera curtulaL. Einzelne 5 L. Sie gehören der hel- 
leren 2. Gen. an. Ein 5 vollständig weißgrau mit viel ge- 
ringeren Färbungskontrasten. 


Pygaera pigra Hufn. Zahlreich. L. 2. Gen. 


Palimpsestis ocularisL. Selten. L. Auch die Rp. gekloptt, 
die A. VIIL den Falter liefert. 2. Gen. 


Psychiden: Sämtliche Arten dieser Familie wurden von 
Herrn Dr. Wehrli-Basel determiniert, wofür auch an dieser 
Stelle bestens gedankt sei. 

Pachythelia villosella. Selten. L. 


Amicta ecksteini Led. Von Pf. 9. VIL. in einigen Stücken 
im W, gefunden. 


133: 


134, 


135. 


136, 
137. 
138. 


139 


140. 


141. 


142, 


143, 


144, 


I 


Psyche viciella Schiff. 55 1928, einzeln, 1929 zahlreich 
am L., besonders in den Tu. Fliegen nur von der Spät- 
dämmerung bis gegen 21h an. Auch von Pf, angegeben. 


Apterona crenulella Brd. helix Sieb. Zahlreich bei Ta. 
im alten Friedhof sowie über das ganze W. verbreitet, Es 
wurden zahlreiche Säcke sowohl von den Stämmen der 
Robinien, dem einzigen Aufenthaltsort der verpuppungs- 
reifen Raupen, wie auch von Astgabeln und frischen Blät- 
tern höherer Zweige abgenommen, ohne männliche Falter 
zu erzielen. Nachdem auch ein Anflugversuch mit frisch- 
geschlüpften @ © erfolglos blieb, ist wohl nicht anzunehmen, 


daß diese Gegend crenulella 5' beherbergt. 


Rebelia surientella Brd. 1929 zwei J am L., auch den 
weiblichen Sack im W. gefunden. 


Fumea casta Ball. 19 W. 

Bacotia sepium Spr. 1 10.VIL 28. Tu. L. 
Chamaesphecia bibioniformis Esp. Einzeln auf Stroh- 
blumen saugend angetroffen. D. 

Hypopta caestrum Hbn. 1929 in wenigen männl. Stücken 
im D, amL., 


Dyspessa ulula Bkh. Ein wohl verspätetes frisches 5’ am 
8. VIL im D. amL. 


Phragmataecia castaneae Hb. u. mut. melaina Daniel. Über 
die Beobachtungen bei dieser Art im Jahre 1928 wurde be- 
reits in einem eigenen Artikel dieser Zeitschrift (Jg. 18 p. 81) 
ausführlich berichtet. Die Erfahrungen 1929 bestätigten die 
hier niedergelegten Beobachtungen vollkommen, auch die 
auffallende mut. melaina wurde abermals in einem männ- 
lichen Exemplar erbeutet, das fast vollkommen der auf der 
rechten Reihe unter Nr. 3 in genannter Arbeit abgebildeten 
Type gleicht. 

Oxycesta geographica F, 1928 nur zwei J’J der 2.Gen., 
da die Art eben im Erscheinen war; 1929 in Anzahl amL. 
Auch Pf. erwähnt sie als nicht selten. Die Schärfe der 
Zeichnung schwankend. | 


Simyra nervosaF. Nur 1929 am Nordende des W. in 
einigen JS am. 

Arsilonche albovenosa Goeze. Sowohl 1928 als auch häu- 
figer 1929 im Tu. am L. Die Grundfarbe wechselt von weiß- 


145. 


146. 


147, 


148, 
149, 


150. 


191. 


152, 


193. 


154. 
155, 


156. 


197, 


N 


lichgelb bis rötlichgelb; Tiere mit stark ausgeprägter Zeich- 
nung überwiegen. Die R. wurde am 12.VIl. 28 nachts an 
Gräsern erbeutet. 


Acronicta megacephala F. Eine R. von Pappeln geklopft. 
Der F. schlüpfte am 2. VIII. 29. 

Acronicta ligustriF. Eine R. geklopit, aus der sich am 
25. VII. 29 der F, entwickelte. 


Acronicta tridens Schiff. Aus einer im W. gefundenen R. 
schlüpfte am 6, VIII. 29 ein 9. 


Chamaepora rumicis L. Einzeln im Tu. als auch im D. 
Metachrostis raptricula Hbn. Ein © Ta. am 14. VIl. 28 


bei Tag an einer Hausmauer sitzend. 


Metachr. algaeF. 2 Q 2 im W. am L. Außerdem wur- 


den noch folgende mod. gefunden: 


mod. degener Ep. 15 W.; 
„ mendaculaHbn. 19 W.; 
„ calligrapha Bkh. 10 Ta. 


Euxoa obelisca Schiff. 2929 in der Form fictilis Hbn. 
kamen 1929 im D. ans L. Bei einem Stück ist das Bunt- 
farbige dieser Form sehr ausgeprägt. (Dr. Corti det.) 


E. nigricans rubricans L. 1928 1 5 Ta. 2 weitere Sc 
1929 im D. am L. (Dr. Corti det.) 


Rhyacia vestigialis Rott. Am 5. VII. 29 1 05 D. amlI. 
Das Stück ist klein, die Grundfarbe sehr hell, fast weißlich, 
sodaß die stark dunkel gefärbten Makeln, vor allem die 
Zapfenmakel kräftig hervortreten. Die Ringmakel ist klein 
und stark in die Länge gezogen. Die Querlinien sind in 
der Grundfarbe fast verschwunden, die schwarzen Zähn- 
chen vor der Submarginallinie weitgehend verkleinert. 


(Dr. Corti det.) 
Rh. ypsilon Rott. 1 5 1928 im Tu. am L. 
Rh. festiva Schiff. Ein ganz defektes Stück, das im W. 


gefangen wurde, dürfte hierher gehören. 


Rh. c-nigrum L. Einige R., die wir auf Verbascum fanden, 
ergaben E, VII. 29 den Falter. 


Rh, triangulum Hufn. 19 imW. am L. 


158. 
159. 


160. 
161. 
162. 


163. 


164. 


165. 


166. 
167. 
168. 
169. 


170. 


171. 


172. 


173. 
174. 


175. 


a 
Rhyacia sigma Schiff. 1 5 im W. am L. 


Rh. ravida Schiff. Im W. am L. Insbesonders 1929 in 
Felsö-Peszer in Gebäuden aufgefunden. Vorwiegend 29€. 


Rh. praecoxL. Ein kräftig gezeichnetes / im W. am L. 
Actinotia radiosa Esp. In einzelnen Stücken im D. 


Barathra brassicae L. Ein stark geflogenes Stück Felsö- 
Peszer 1929. 


Scotogramma trifolii Rott. In einigen Stücken von sehr 
verschiedenem Aussehen im ganzen Gebiet amL. Vertreten 
sind die Formen: saucia Esp. und farkasii Tr. 


Sc. dianthi Tausch. Ein ziemlich dunkles Stück 1929 


am I 


Polia dissimilis Knoch. Einzeln im W. amL., darunter je 
1 5 von den Formen suasa Bkh. und w-latinum Esp. 


P. aliena Hbn. Je ein J' in Ta. und Tu. am L. 

P., oleraceaL. Ein 5 der Form obscura Spul. im W. amL. 
P. serena Schiff. 19 im W. am L. 

Harmodia bicruris Hufn. (= capsincola Espp.) 19 im W. 
am L. 

H. lepida Esp. (=carpophaga Bkh.). 1% aus einer in Si- 
lenekapseln eingetragenen R. schlüpfte im VIII. 29, 
Aplecta advena Schiff. 1 5 1929 imW.amL. Zeichnung 
wenig hervortretend. 


Epia irregularis Hfn. Diese 1928 nicht beobachtete Art 
fing Pf. am L, während wir sie 1929 in einigen Stücken 
bei Tag auf Blüten fanden. Die Tiere fallen. durch die 
dunkle Färbung auf. 


Trichoclea albicolon Sep. Einzeln im D. am L. 
Hyperiodes turcaL. Einzelne Jg’ am L. im W.; auch 
schon von Pf. beobachtet. 1 J’ vom Jahre 1929 besizt eine 


derart dunkle Sprenkelung, daß es dunkelbraun übergossen 
aussieht. 


Sideridis impura Hbn. Wenige SQ einer dunklen Form 
am L. D. und Tu. 


176. 


Bid. 


178. 


119. 


180. 


181. 


182, 
183. 


184. 


185. 
186. 
187. 
188, 


189. 


190: 
19% 
192, 


193. 
194, 


195. 


EN, == 


Siderdis pudorina Schiff. Sowohl die Stammform als auch 
die Form impudens Hbn. in einigen Stücken im ganzen Ge- 
biet am L. 


S. pallens L. 1929 eine kleine Zahl von kräftig ocker- 
gelben Stücken am L. im Tu. 


Cuculia umbratica L. In Anzahl sowohl in Ta. als auch 
im W, abends an Blüten, besonders Echium, schwärmend. 
Gehen nur selten ans L. 


C, verbasciL. Aus R., die wir an der Useite von Blättern 
von Verbascum fanden, schlüpften im IV. 30 die Falter. 


C. thapsiphaga Tr. Die R. wurden zahlreich auf Wald- 
lichtungen an den Blüten einer Verbascum-Art gefunden. 
Der größte Teil davon war gestochen. 


Lithophane socia Rott. Aus einer R. entwickelte sich Mitte 
VII 29 ein F., der zur Form umbrosa Esp. gehört. 


Calophasia lunula Hfn. Bei Tag am Waldrand fliegend. 


C. casta Bkh. 1928 ein 5 auf Helichrysum sitzend bei Tag 
gefangen; 1929 zwei Stück am L. 


Amathes iners Germ. In der Form suspecta Hbn. 1928 
in Anzahl am L. sowohl im W. als auch im Tu. 
Amphipyra tragopogonis L. Im W. einzeln am L. 
Dipterygia scabriusculaL. 195 imW. 

Parastichtis sublustris Esp. 1 5 Ta. am L. 


P. ophiogramma Esp. Einzeln im W. und im Tu. am L. 
Eine Kopula wurde am Schilf sitzend gefunden. 


Oligia strigilis Cl. Ein @ der Form lafruncula Hbn. (die 
jetzt als eigene Art gilt) im W. am L. 

O. bicoloria Vill. Je ein im W. und in Ta. am L. 
Epimecia ustula Frr. In wenigen Stücken im D. am L. 
Athetis alsines Brahm. 1 imW. am L. Auch von Pf. 
E. VL am L. erwähnt. 

A. respersa Schiff. Von Pf. A.VII einzeln gefunden. 


A. pulmonaris Esp. In wenigen Stücken von kontrast- 
reicher Zeichnung im D. am L. 


A. fuscicornis Rmb. Von Pf. E. VL 1 Stück erwähnt. 


196. 


197. 
198. 
199. 
200. 
201. 


202, 
203. 
204, 


2035. 


207. 


208. 


209, 


210. 


ee 
Acosmetia caliginosa Hbn. Im D. in einigen Stücken 1929 
am L. 
Psilomonodes venustula Hbn. 15 imW. amL, 
Gortyna leucostigma Hbn. Einzelne Jo im Tu. am L. 
Pyrrhia umbra Hfn. Ein imW. am L. 
Calymnia diifinisL. 109 imW. 1929 am L. 


C. trapezina L. Sowohl die Stammform als auch die Form 
rufa Tutt im W. amL. 


Archanara algae Esp. 1929 ein 5’ im Tu. am L. 
A.neurica Hbn. 1 7 im D. am L. 


Calamia virens var. immaculata Stgr. Nicht selten im W. 
teils am L., teils bei Tag im Sonnenschein fliegend oder auf 
Blüten saugend. Die Form immaculata ist für das Gebiet 
nicht als mod., sondern als Rasse zu werten. 


Aegle koekeritziana Hbn. Im D. in einigen Stücken am 
L., darunter auch solche mit fast verloschenen Pünktchen 
im Zellende (= mod. suffumala Stgr.) 


‚ Chloridea dipsacea L. Allenthalben am Waldrand und in 


der Pußta bei Tag schwärmend. Bei einem 5’ sind oseits 
die Zeichnungen verwischt und mehr olivengrün, useits sind 
die sonst graubraunen Zeichnungen gelbrot. Die Raupe an 
Helichrysum. 

Ch. peltigera Schiff. Die von Pf. als zahlreich in früheren 
Jahren gemeldete Art von uns selbst im Wanderjahr 1928 
nur in einem Stück gefunden. 1929 fehlte sie ganz. 


Porphyrinia noctualis Hbn. (=paula Hbn.). Die Falter 
bei Tag aus ihrer Futterpflanze (Helichrysum arenarium) 
aufzuscheuchen, worauf sie sich nach kurzer Flugstrecke 
wieder setzen. Die Grundfarbe schwankt zwischen rötlich- 
gelb und grünlichgrau; der Mittelschatten unter der Flügel- 
mitte ist zum Teil rein orange, zum Teil rein grau. 

P. pannonica Frr. Diese Art kommt an denselben Stellen 
wie nociualis vor und zeigt auch dieselben Lebensgewohn- 
heiten. Von uns wurde nur 1 J 1928 erbeutet, während 
Pf. sie in früheren Jahren in mehreren Exemplaren fing. 
P. purpurina Schiff. Ein der Sommerform secunda Stgr. 
zugehöriges 2 im D. amL. 


211, 


212, 
213. 


Lithacodia fasciana L. Allenthalben u. nicht selten‘ am L. 
Im allgemeinen zeigen die Stücke Neigung zur Reduzierung 


des Weiß im Saumfeld. 
L. deceptoria Scop. Nur ein f im W. am L. 


Eustrotia uncula Cl. Zahlreich im Gebiet, besonders im Tu. 
am L. Der größte Teil der Tu-Tiere zeigt eine auffällige 
Rottönung der Vfl. Oseits: Die Grundfarbe der Vil., die 
bei Vergleichstieren auch anderer Herkunft olivenbraun ist, 
geht bei diesen Stücken in ein warmes Rotbraun über. Die 
Verdunkelung der Grundfarbe gegen den hellen Costal- 
streifen zu ist besonders ausgeprägt. Der fleischfarbene 
Strich längs des Vrands ist mehr oder minder rötlich über- 
gossen, bei einzelnen Stücken fast rosa. Diese Rottönung 
erstreckt sich auch über die sonst bräunlich-fleischfarbene 
Ausfüllung der Nierenmakel. Die sonst helle Linie vor dem 
Außenrand ist nur schwach angelegt und gelblich; auch 
fehlt die bei verschiedenen Vergleichstieren auftretende 
weißliche Aufhellung saumwärts dieser Linie den Tieren 
vollständig, an ihre Stelle tritt vielfach ein ausgesprochen 
rötliches Band. Das übrige Außenfeld zeigt durchwegs 
eine rötliche Tönung, die sich häufig auch auf die Fransen 
erstreckt. Die Hfl. sind ebenfalls etwas rötlich angehaucht, 
vor allem zeigen die Fransen einen rötlichen Schimmer. 
Unterseits: Am Costalrand und am Apex der Vil. ist eine 
kräftige, rote Tönung vorhanden. Die Schwärzung der Flügel- 
mitte ist etwas intensiver als bei Vergleichstieren. Die Hil. 
zeigen am Apikalteil dieselbe rote Färbung wie die Vil. 
Der Diskalpunkt ist stets kräftig ausgeprägt, während er 
sonst häufig fehlt. 

Die Beschuppung des Thorax ist braun, aber reichlich 
mit roten Schuppen durchsetzt. 


Als Vergleichstiere lagen vor: 
1) Eine größere Serie aus verschiedenen Orten Südbayerns 
(aus Sammlungen Osthelder, Daniel und Dr. Kolb). 
2) 2 Stücke aus Terlan in Südtirol. 
3) 1 Stück von Kassakewitsch (Ussuri). 
4) 1 Stück von Forst Tharau (Ostpreußen). 
5) 3 Stücke von Reval (Estland). 
6) 1 Stück von Freiburg (Baden). 
7) 1 Stück von Sattnitz (Kärnten). 


ee 


8) 1 Stück von Ungarn. 
9) 1 Stück von Sutschan (Sibirien), 
Die Nr. 2—4 aus Sig. Osthelder; 
5—9 aus Sig. des Bayer. Staates durch Baron Dr. v. Rosen. 
Unter all diesen Tieren ist nur bei Nr. 8 und in geringem 
Maße bei Nr. 2 eine ähnliche Rotfärbung zu erkennen. Diese 
rote Form fingen wir nur in den Tu, wo sie 1928 viel reicher 
vertreten war als 1929, In den übrigen Gebieten kamen unter 
den nicht allzuselten anfliegenden Tieren niemals rotübergossene 
vor, so daß der Schluß berechtigt ist, daß es sich um eine 


dem Tu. eigene Form handelt, die als rufotincta ssp. nova 
(Dr. Kolb) bezeichnet sei. 


214. Eustrotia olivana Schiff. (= argentula Hbn.). In nur 1 9’ im 
Tu. amL.; auffällig durch eine kräftig dunkle Begrenzung 
der Außenseite der äußeren Querbinde. 


215. Erastria trabealis Sccop. Am Waldrand und im Tu. nicht 
selten amL.; nach Pf. in früheren Jahren äußerst häufig. 


216. Tarache lucida Hin. Die von Pf. Anf. VII. in den östlichen 
Sandhügeln in sehr hellen Stücken gefundene Art kam uns 
1928 nicht zu Gesicht; 1929 fanden wir sie in Mengen auf 
Brachäckern bei Felsöpeszer. Außer der Stammform sind 
noch die benannten Formen albicollis F., lugens Alph. und 
insolatrix Hbn. festgestellt worden. 


217. T. luctuosa Esp. Wird von Pf. als überall äußerst häufig 
ab Anfang VI, erwähnt. Uns kam die Art nicht zu Gesicht. 

218. Earias vernanaHbn. in einigen Stücken im W. am L. 

219. E. hloranaL. 1 Stück am Nordende desW. am L, 5. VII. 29. 

220. Hylophila prasinanaL. 19 12. VII. am L. 

221. Catocala nuptaLl. und 

222. C. puerpera Giorn. Beide Arten von Pf. Anf. VIL als sehr 
häufig erwähnt. Von uns wurde nur am 13. VII. 28 bei Tag 
eine Catocala aufgescheucht, deren Artzugehörigkeit mit 


Sicherheit nicht feststellbar war, wahrscheinlich aber war 


es nupta. Die R. von puerpera klopften wir erwachsen 
am 13. VIL 29 am Nordende des W. von Pappelgebüsch und 
erzielten daraus Ende VII. bis Anf. VIII. die Falter. 


223. Gonospileia elyphicaL. Am Waldrand sehr einzeln. 


224. 


223. 


226. 


227. 


228. 


229, 


230. 


231: 


232. 


233: 
234. 


233. 


236. 


251: 


gg 


Gonospileia triquetra Schiff. Sehr einzeln; bei Felsöpeször 
bei Tag, am Nordrande desW. am L. gefangen. 


Phytometra festucaeL. Ein S am 3.VIL 29 im Tu. amL. 
erbeutet. 


Ph. gammaL. Allenthalben häufig, im allgemeinen kleiner. 
Scharf gezeichnet. Nach Pf. in manchen Jahren in Un- 
massen. 

Ph. confusa Steph. (= gutta Guen.). Einige ”’Q amL. 7.bis 
9, VII. im W. und im Tu. 


Scoliopteryx libatrixL. Einzeln im Gebiet amL. und am 
Köder. | 

Toxocompa. Ein J’ Vertreter dieser Gattung kam am 7. VIL 
im W. ans L., jedoch so abgeflogen, daß eine Determination 
fast unmöglich; wahrscheinlich viciaeL. 


Colobochyla salicalis Schiff. 1 5 am 4. VIL im Wald- 
gebiet am L. 


Prothymia viridaria Cl. Im Wald sowohl am Tag fliegend 
als auch nachts ans Licht kommend. Die Formen ab. fusca 
Tutt. und ab. aenea Hbn. finden sich unter der Art. 


Rivula sericealis Scop. Nach Pf. ab Mitte VL nicht selten, 
von uns jedoch nur in einem einzigen 5 angetroffen, der 


am 12. VIIL. im Tu. ans L. kam. 
Simplicia rectalisEv. Ein J in Ta. am L. 3. VIL 28. 


Zanclognatha tarsiplumalis Hbn. Ueberall, besonders aber 
im feuchten Waldgebiet sehr häufig ans L. kommend; 


Z. tarsipennalisFr. Nach Pf. vom Ende VI. an im feuchten 
Waldgebiet häufig (ob nicht Namensverwechslung mit der 
vorigen Art vorliegt?) 


Herminia tentacularia L. Nach Pf. ist die 1. Generation 
ab Mitte VI. im Waldgebiet nicht selten; von uns wurden 
1928 nur wenige Exemplare am L. sowohl in Ta. als auch 
im W. festgestellt; 1929 fanden wir die Art nicht. 


H. derivalis Hbn. Ueberall häufig am Licht; im Gegensatz 
zu tarsiplumalis auch bei Tag öfters aus Gebüsch aufscheuch- 
bar. Die Färbung der Tiere geht von hellockerig bis dunkel- 
braun. Auch die Querlinien (innere und äußere) schwanken 
in ihrer Stärke sehr, bei 3 5’ sind sie nur mehr sehr schwach 


238. 


23% 


240. 


241. 


242, 
243, 


244, 


245. 


246. 
247. 


248, 
249, 


250. 


vorhanden. (mod. delicata Dannehl). Die subterminale Linie 
bei einigen Exemplaren jedoch sehr deutlich. Einzelne sehr 
verdunkelte Stücke haben im Außenfeld der Vfl. eine Reihe 
kräftiger dunkler Flecke (mod. fangalis Dannehl). 


Hypena rostralisL. Eine Anzahl 5 und @ sowohl in Ta. 
als auch im W. am I. 


Orthostixis cribraria Hbn. Ein 5 am Nordende des W. am 
Baumstamm sitzend gefunden. 1929. 


Pseudoterpna pruinata Hbn. Eine Anzahl ZQ teils bei 
Tag auf den Waldwiesen, teils nachts am L. gefangen; nach 


Pf. Ende VI bis Anf. VIL nicht selten. 
Thalera fimbrialis Scop. Im W. amL. ab 6. VIL 
Chiorissa pulmentaria Guen. 1 J imW. amL. 4. VIL 


Hemistola chrysoprasaria Esp. (= vernaria Hbn.). Einzelne 
dc im Wald amL. Ein Tier von 1928 zeichnet sich durch 
geringe Größe aus. 


Rhodostrophia vibicaria Cl. strigata Stgr.. Von Pf. ab An- 
fang VII. im ganzen Gebiet als ziemlich einzeln angeführt; 
von uns wurden sowohl JJ als 2 Q in Ta. und auch im 
W, amL. erbeutet. Auch bei Tag vereinzelt aufgefunden. 
Bei allen Tieren sind die roten Linien nur ganz schwach 
angelegt; Stammform oder wenigstens Uebergänge sind nicht 
unter den Tieren, so daß sfrigata hier als ausschließliche 
Lokalrasse anzusehen ist. 


Timandra amata L. Im ganzen Gebiet festgestellt, die 
Schräglinie wechselt von sehr kräftig bis zu ganz schwach. 
Acidalia immorataL. 1 Stück im Tu. am L. 13. VIL 
A. rubiginata Hin. Die von Pf. als nicht selten im trockenen 
Wiesengelände gemeldete Art wurde von uns in allen Ge- 
bieten einzeln am Tag, häufiger am Licht erbeutet. 1928 
war die Art wesentlich seltener. 

A. marginepunctata Goeze. Vereinzelt im W. am L. 

A. immutataL. Von Pf. Ende VI. in den Tu. als nicht selten 
angegeben. Von uns sowohl in Ta. als auch im Tu. am L, 
gefangen, 1929 viel häufiger als 1928. 

A. corrivallaria Kretschmar. Im Tu. in Anzahl amL. 11. bis 
13. VIL. 1928. Im Jahre 1929 ziemlich einzeln. 


251. 


252. 


253. 


254. 


259. 


256. 


257. 


258. 


239. 


260. 


261. 


262. 


Ben 


Acidalia virgulata Schiff. (= strigaria Hbn.). Von Pf. zwei 
Exemplare der 1. Gen. am 26. VI. gemeldet; in jedem Jahr 
wurden uns einige Stücke zur Beute. Binden sehr deutlich. 


A.flaccidaria Z. Nur 1929 in den ersten Julitagen in we- 
nigen Stücken im Tu. amL. Die Tiere zeigen schwach gelb- 
liche Grundfarbe. Der schräge Mittelschatten quer durch 
die Flügel ist z. T. kräftig ausgebildet, die Distalfleckchen 
dagegen z.T. sehr schwach. 


A. nigropunctata Hin. (= strigilariaHbn.). Sowohl von Pf., 
als auch von uns im Waldgebiet einzeln gefunden. 


A. ornata Scop. Nach Pf. ab Mitte V. im offenen Wiesen- 
gelände nicht selten. Kam uns im ganzen Gebiet unter, 
geht auch ans Licht. 


A. decorata Schiff. 1929 kam 1 J in den nördl. D. ans 
Licht. 4. VIL 


Ptychopoda aureolaria Schiff. (= trilineata Scop.). Einzeln 
im Wald am Tag gefangen. 


P. ochrata Scop. Ueberall; hauptsächlich bei Tag fliegend, 


kommt jedoch auch einzeln ans Licht. 


P. rufaria Hbn. 2 ZZ kamen 1929 ans L., während 1928 
die Art nicht festgestellt werden konnte. 


P. sericeata Hbn. . Von Pf. ab Ende VI. im trockensten 
Gelände als nicht selten gemeldet. Uns kam die Art 1928 
nicht unter, 1929 war sie nicht selten im Nordteil des W. 
am |. 


P. moniliata Schiff. Am L. in dem D. des nördl. W. in 


wenigen Stücken. 


P. serpentata Hufn. (similata Thnb.). Pf. meldet die i. Gen. 
ab Mitte VI. als nicht selten; wir fanden nur wenige Stücke 
bei Tag imW. und bei Ta. Ein Stück macht einen ganz 
eigenartigen Eindruck, da es zwar die Bindenzeichnung 
und den Mittelpunkt der Hil. wie die serpentata zeigt, die 
Fransen jedoch kräftig braun sind, ähnlich wie bei flavio- 
laria. 

P. muricata Hufn. Die rote Bestäubung des Vil.-Diskus ist 


immer nur schwach angelegt. Von uns jedes Jahr nur 
je 1 Stück gefunden. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX. Jahrg. 1930. H.2. 5 


N 


263. Ptychopoda dimidiata Hufn. In wenigen Stücken (SQ) 


jedes Jahr im W. bezw. im Tu. am L. gefangen. 


264.P. seriata Schrk. (= virgularia Hbn.). Nach Pfeiffer ab Mitte 
. VL im trockenen Waldgebiet in der 1. Gen. nicht selten. 


2653. 


266. 


267. 
268. 


269. 


270. 


271. 


212. 


273. 


Von uns nur wenige, darunter ein aberratives Stück ge- 
gefunden. Die Tiere neigen mehr zur cubicularia Peyer 


(= bischoffaria Lah.). 


P. sylvestraria Hbn. (= straminata Tr.). In wenigen Stücken 
1929 im W. amL. 


P. laevigata Scop. Selten im ganzen Gebiet, ans Licht 
kommend. 


P. herbariataF. Ein JS in demD. am L. 1929. 


P. trigeminata Haw. Von uns in einigen Stücken im W. 
am L, erbeutet. 


P. rusticata Schiff. Pf. fand die Art bei Tag nicht selten 
an Robinienblättern sitzend, besonders an Straßen; von uns 
wurde die Art zahlreich am L. sowohl als auch im Tu, ge- 
fangen. Die Tiere flogen auch gerne nachts um kleine 
Büsche. Der Färbung nach können die Tiere zur f. vulpi- 
naria H.Sch. gezogen werden. 1929 war die Art wesent- 
lich seltener. 


P. dilutaria Hbn. Pf. fand die Art Ende Vl. im lichten 
Waldgebiet. Uns kam sie zahlreich im W. ans Licht. Ein 


Stück weist eine verdunkelte innere Linie auf. 


P. fuscovenosa Goeze. Sowohl von Pf. EndeVlI., als auch 
von uns zahlreich im ganzen Gebiet festgestellt. Kommt 
gerne zum Licht. 


P. humiliata Hufn. Pf, erwähnt die Art von Ende VI. an 
besonders im Sandgebiet als äußerst häufig; 1928 kamen 
uns lediglich 2 Stücke unter (Ta., W.). 1929 dagegen war 
die Art allenthalben besonders im Tu. ein häufiger Gast 
am L. Die Bindenzeichnung ist.bei einzelnen Tieren sehr 


kräftig. 


P. deversaria H.Sch. Eine im ganzen Gebiet vorkommende 
Art. Ein & ist durch einen deutlich ausgeprägten Mittel- 
schatten ausgezeichnet. 


a 


274. Ptychopoda aversataL. Sowohl in der Stammform als ins- 


213. 


276. 


277, 


2718. 


29: 


280, 


besonders in der ab. remutata L. (== spoliata Stgr.) im gan- 
zen Gebiet nicht selten am L. 


Cosymbia Hbn. orbicularia Hbn. Je 1 5 Ende VI. bezw. 
Anf.VIL. am L. Ta. undW. 


C. porataL. Die von uns nicht aufgefundene Art fand Pf. 
nicht selten auf den Waldwiesen. 


C. punctariaL. Ein 5 mit kräftig entwickelten Binden und 
Randflecken, die viel Rot enthalten, im D. am L. 


Lythria Hbn. purpurariaL. Sowohl in der Stammform 
als auch in der einfarbig gelben Iutearia Vill. nicht selten 
an trockenen Stellen; Sommergeneration. 


Ortholitha Hbn. coarctaria Schiff. Mitte Mai nach Pf. an 
den Waldrändern einzeln. 


Mesotype Hbn. virgata Hufn. Die Art kam zahlreich im Tu. 
ans Licht, wurde aber auch im Waldgebiet, selbst bei Tag 
gefunden. Die Tiere gehören der 2. Gen. an (= gen. aest. 
diluta). Bei einigen Stücken fehlt das schwarze Diskal- 
pünktchen der Vil. (ab. impunctata Petersen). Die Tiere sind 
im allgemeinen weniger kontrastreich. gezeichnet als süd- 
deutsche. 


281. Minoa Fr. murinata Scop. Von uns die 2. Gen. 1928 in ein- 


282. 


zelnen Stücken, 1929 viel häufiger imganzen Gebiet gefunden, 
nach Pf. ist auch die 1. Gen. Anf, V. nicht selten. Nach der 
Färbung sind Uebergangsstücke sowohl zu cyparissaria Mann 
als auch zu monochroaria H.Sch. unter der Art. 


Lithostege Hbn. farinata Hin. Einzelne Stücke; im ganzen 
Gebiet vorkommend. 


283. Triphosa Steph. dubitataL. 1 5 im Waldgebiet am Licht. 


284. 


285. 


286. 
287. 


7. VIL 28. 

Philereme Hbn. transversata Hufn. (= rhammata Schift.). 
In jedem Jahr je 1 Stück im Wald am L. 

Ph. vetulata Schiff. Ein stark geflogenes J am 3, VIL 29 
im Südteil des W, 

Cidaria Fr. ocellataL. 1 Stück im W, am L, 10, VII 


©. fluctuata L. Einzelne ziemlich helle Stücke im ganzen 
Gebiet beobachtet. 


5* 


288. 


289. 
290. 


291. 


292. 


293. 


294. 


295. 
296. 


297. 
298. 


299, 


300. 


301. 
302. 


303. 


Cidaria ferrugata Cl. und ab. unidentariaHaw. Beide Formen 
kommen im ganzen Gebiet vor. 


C. obstipata F. (= fluviata Hbn.). 1 Stück im W, 5. VII. 28. 
C. lignata Hbn. (=vittata Bkh.). Eine kleine Anzahl im Tu. 
am L. 
C. berberata Schiff. Jedes Jahr in wenigen Stücken im Tu. 
am L. 

C. cuculata Hfn. 1 Stück imW. amL. 8. VI. 29. 

C. bilineataL. Im Waldgebiet nicht selten; die Tiere sind 


durchwegs scharf gezeichnet, aber nicht verdunkelt. Ein 
großer Teil gehört zu f. margaritata Kautz. 


C. polygrammaria Bkh. Pf. stellte die 1. Generation der Art 
Ende V., die 2.Gen. Ende VI. bis Anf. VIL auf Waldwiesen 
als nicht selten fest. Von uns wurden nur einige Stücke 
der 2. Gen. im W. gefunden. 

C.rubidata Schiff. In wenigen Stücken im Wald am L. 
C. procellata Schiff. Kam am 6.VIl. im W. ans Licht; dar- 
unter auch ein Uebergangstück zu ab. infumata Rbl. 

C. galiata Schiff. Einzeln im W. 

C. alternata Müll. (= sociata Bkh.). Im ganzen Gebiet nicht 
selten. 


Cataclysme Hbn. riguataHbn. Kam im ganzen Gebiet ans 
Licht, aber nur einzeln. 1929 etwas häufiger, besonders im 
Nordteil des W. 

Eupithecia Cart. linariataF. In einem Stück 1928 am L. 
E. alliaria Stgr. In einem Stück im W. 10. VII. 28. 

E. centaureata Schiff. (oblongataThnbg.) Vom 9.VIL. ab imW. 
und im Tu. am L. 


E. veratraria H.S. Im Nordteil des W. ein J amL. 5. VIL 
1929. 


304. E. denotata Hbn. Ein Stück im W. 9. VIL 1928. 


303. 
306. 
307. 


E. subumbrata Schiff. (scabiosata Bkh.). Einzeln. 
E. distinctaria H.S. Ein Stück am 4. VII. 1928. Ta. 


Chloroclystis Hbn. rectangulatal., ab. cydoniata Bkh. 1 9 
am 6. VII. 28 im W. amL. 


308. 
309. 
310. 
311. 


312. 


313, 


314. 


819: 


316. 


317. 


318, 


319. 


320. 


321: 


Ze 


Horysme Hbn. corticataFr. Ein S im Norden desW. amL. 
1929. 


Abraxas Leach. grossulariata L. In mehreren Stücken 
abends in Ta. fliegend, aber nicht ans Licht gehend. 


Losmaspilis Hbn. marginataL. Im Wald und im Tu. amL. 
ab. pollutariaHbn. unter der Art. 


Ligdia Guen. adustata Schiff. Nicht selten im ganzen Ge- 
biet aml. 


Lomographa Hbn. dileetaria Hbn. Einige Stücke im Tu. 
am L. 

CaberaFr. exanthemata Scop. Im W. in einigen Stücken 
der 2. Gen. 


Epione Dup. repandaria Hufn. (= apiciaria Schiff). Nicht 
selten im Tu. am L.; bei allen Stücken ist die orange Stri- 
chelung recht kräftig. 


Therapis Hbn. flavicaria Schiff. Ganz einzelne 5 imW. 
teils am L., teils bei Tag. 


Pseudopanthera Hbn. maculariaL. 2 J amL.; ein weite- 
res gezogen; die ziemlich reduzierte Schwarzfleckung läßt die 
Stücke als Uebergang zu meridionalis Galvagni erscheinen. 


Macaria Cart. notataL. Die Art kam besonders im Tu. 
nicht selten ans Licht. Einige Stücke gehören zur ab. inno- 
tata Fuchs. | 

M. alternaria Hbn. Wurde in Ta. Anf. VII. am L. erbeutet; 
bei 1 5 fehlen die dunklen Flecke distal von der Mitte der 
Postmedianlinie (entspricht also der notata ab. innolata). 


Biston Leech. betulariaL. Sowohl im W. als auch im Tu. 
in einigen Stücken am L., bei einem davon ist die schwarze 
Zeichnung vermehrt und der Thorax ganz schwarz. Von 
der ab. carbonaria Jord. kam ein völlig geschwärzter 5 am 
9, VIL 28imW. am Rande der Puszta ans Licht. 1929 wur- 
den 2 weitere Stücke erbeutet. 


Boarmia rhomboidaria Schiff. Mitte VL nach Pf. im Wald 
nicht selten, sehr variabel. Von uns wurde von der Art 
nur ein @ gefunden. W. 4. VII. 1928. 


B. lichenaria Leech. 1928 in Ta. und im Wald nicht selten 
am L.; fehlte 1929 ganz. 


322: 


323. 


324. 


325. 


326, 


327. 


328. 


329, 


330. 


Bull 


332. 


333. 


mo 


Boarmia punctinalis Scop. (= consortariaF.). Eine Anzahl 
dd imW. und im Tu. amL.; die Stücke zeigen eine düstere, 
verdunkelteFärbung beisehr schwach entwickelter Zeichnung. 


B. bistortata Goeze. Die Art kam sehr häufig, aber fast 
nur Jg, im ganzen Gebiet ans Licht. Die helle Stamm- 
form ist nur schwach vertreten, die meisten Stücke (ca. 80°/,) 
gehören zur ab. defessaria Frr. bezw, bilden Uebergänge zu 
diesen. Die @ 9 sind am besten bei Tag an Robinienstäm- 
men sitzend zu suchen. 

Narraga Wkr. fasciolariaHufn. Im W. und in Ta. einzeln 
amL. Die Zeichnungen sind meist schwach ausgeprägt, sogar 
einförmig braune Tiere finden sich vor. 

Ematurga Led. atomariaL. Eine Anzahl Sf und 19 
im W.; durchwegs stark dunkel überstäubt. 

Diastictis Hbn. artesiaria Schiff. Im ganzen Gebiet einzeln. 
Der Vil. ist zwischen Wurzel und Postmedianlinie sehr hell 
und sticht dadurch stark vom dunklen Saumfeld ab. 
Chiasma Hbn. clathrataL. Im Tu. am L.; 2. Gen. Die 
dunklen Binden durchwegs kräftig angelegt. 


Ch. glarearia Brahm. Im W. und im Tu. in einzelnen Stücken 
sowohl am Licht als auch bei Tag fliegend. 


Tephrina Guen. arenacearia Schiif. Die Sommerform Fflavi- 
daria Ev. im ganzen Geb. einzeln. 

T. murinaria Schiff. 1 5 im Nordteil des W. amL. 4. VIL 
1929. 

Aspilates Fr. formosaria Ev. In Anzahl im Tu, am L,; 
fliegt bereits zur Dämmerung an örtlich eng begrenzten 
Flugstellen und zwar in dem bei Rh. metelkana ausführlich 
beschriebenen Gelände. Die Stücke sind durchwegs recht 
kräftig gezeichnet und auffallend groß. 


Nachträglich wurden noch jestgestellt: 


Diaphora mendicaCl. Aus einer im Westteil des W. 1929 
gefundenen Rp. schlüpfte im April 1930 ein weiblicher Falter. 


Nonagria maritima Tausch. Unter der Mikroausbeute fand 
sich noch ein Stück dieser Art. Tu. 1929. 


Fortsetzung (Mikrolepidopteren) folgt. 


Vier neue Calopterygiden (Odonata) 
von den Philippinen und Palawan. 


Von Dr. F.Ris, Rheinau (Schweiz). 


Da im folgenden eine neue Gattung (Cyclophaea) der 
Calopterygiden beschrieben und eine früher von R. Martin auf- 
gestellte (Paraphaea) durch Einreihung in eine Gattungstabelle 
und insbesondere durch eine photographische Abbildung der 
Flügel neu begründet wird, so mögen hier einige einleitende 
Worte Platz finden zur Ansicht des Verfassers über Stellung 
und Einteilung der Calopterygiden. Die Bemerkungen sind ganz 
kurz und skizzenhaft, mögen aber doch als das aufgefaßt wer- 
den was sie sind: Ergebnisse vielfacher Beschäftigung mit den 
Calopterygiden und den Zygopteren überhaupt, beruhend auf 
für die Genera fast lückenlosem Material, von dem gegen 200 
photographisch vergrößerte Flügelbilder hergestellt und nur zum 
kleinsten Teil bisher veröffentlicht wurden. Hier sei nur von 
den Calopterygiden gesprochen; neues Material zur „Legion 
Podagrion“ der Agrioniden wird voraussichtlich in nicht zu fer- 
ner Zeit an anderer Stelle vorgebracht werden. 

Nur ganz weniges sei über die Nomenklatur gesagt. In 
dem durch den Katalog Kirby verursachten Streit Calopteryx 
versus Agrion haben sich zur Zeit die Lager — nicht genau 
aber annähernd — nach den Kontinenten getrennt: Amerika 
braucht vorwiegend Agrion, Europa hält mehr noch an Calop- 
teryx fest, Australien (Tillyard) ist neuerdings von Calopteryx 
zu Agrion abgeschwenkt; ein unerfreulicher Zustand, in dem 
sich wohl auch die verschiedene Einstellung der Kontinente zur 
Tradition spiegelt. Offenbar vermögen keinen Teiles Argumente 
den anderen zu überzeugen. In vielen Nomenklaturfragen ist 
dies unvermeidlich, und da es so ist, nimmt der Verfasser den 
Standpunkt ein: erster Zweck der Nomenklatur überhaupt ist, 
verstanden zu werden; Prioritätsfragen sind sekundär. Wenn 
es in klassischen Werken wie der „Monographie des Caloptery- 
gines“ von Selys-Hagen, den diese fortsetzenden „Synopsis” 


Kara pe 


von Selys, der „Revue des Odonates” Calopteryx heißt: warum 
soll ich Agrion sagen, nachdem für den Wechsel keineswegs 
unanfechtbare Argumente vorgebracht werden? Sage ich wei- 
terhin, wie bisher in allen meinen veröffentlichten Arbeiten, 
Calopteryx, so bin ich sicher, sofort richtig verstanden zu werden, 
und dies ist die Hauptsache. 

Ganz im allgemeinen dürfte zu sen sein: die Naturforscher 
sind im Irrtum, wenn sie Nomenklaturfragen unter sich, nach 
ihren Methoden, wäre es auch an universalen Kongressen, zu 
entscheiden suchen. Diese Fragen haben vielmehr als mit natur- 
wissenschaftlichen Aufgaben Beziehungen zu einem ganz andern 
Gebiete menschlichen Wissens und Forschens: ihre nahe Ver- 
wandtschaft mit den Aufgaben der Rechtswissenschaft ist un- 
verkennbar. Und wenn wir davon absehen wollen, daß die 
Rechtssubjekte hier nicht konkrete und lebende Menschen, son- 
dern abstrakte und tote Namen sind, so können wir das ganze 
Gebiet vorbehaltlos der Rechtswissenschaft überweisen; mit 
andern Worten (denn diese wird sich in eigenen Interessen da- 
mit nicht befassen) die Vertreter dieser Wissenschaft freund- 
schaftlich heranziehen, damit sie uns mit Hilfe ihrer in Jahr- 
tausenden erarbeiteten Grundsätze das nomenklatorische Chaos 
entwirren helfen. Ohne solche Grundsätze wie „Verjährung“, 
„ersessene Rechte“ und ähnliches ist diese Entwirrung zweifel- 
los unmöglich, mit ihnen aber sollte sie möglich sein, das Er- 
gebnis sicher ein gesunder Konservatismus, mehr Achtung vor 
gutem Herkommen und nicht das hilflose Treiben in einer Kasu- 
istik, in der immer wieder neue Verwicklungen auftauchen, die 
das Gesetz (die Internationalen Nomenklaturregeln mit allen 
Annexen) niemals voraussehen oder überhaupt nicht eindeutig 
lösen konnte, 

Ich will die Calopterygidae weiterhin als Familie behandeln. 
Mit einer so gewichtigen Autorität wie Handlirsch (in Schröder'’s 
Handbuch und anderswo) kann ich keinen Vorteil darin sehen, 
die größeren systematischen Kategorien immer weiter hinaus 
nach der Peripherie zu rücken; die gründlichere Durchforschung 
eines Gebietes gegenüber der Vergangenheit kann sich auch ohne 
diese Verschiebungen bezeugen, die geeignet sind, das Gleich- 
maß der Kategorien über das ganze zoologische System hin- 
weg empfindlich zu stören. Die Selys’schen „Legions", eine 
heute nicht anerkannte Kategorie, sind von neuen Autoren zum 
Teil als Subfamilien behandelt worden, vielleicht mit Recht. 


N min 


Ich möchte einstweilen nicht folgen und bei der Bezeichnung 
von Selys bleiben, womit angedeutet sei, daß ich den Rang die- 
ser Abteilungen noch nicht für spruchreif halte, weniger viel- 
leicht gerade hier bei den Calopterygiden, wo relativ gute De- 
finitionen möglich sind, als bei andern Odonatengruppen. 

Alles wesentliche über die Systematik der Calopterygiden 
ist im Grunde schon in der Einleitung zur Monographie von 1854 
zusammengestellt. Es fehlte damals noch eine genauere Kennt- 
nis von Diphlebia (unter Amphipteryx) und an später entdeckten 
Genera Caliphaea, Philoganga (Anisoneura) und Devadatta (Te- 
franeura), die schon 1859 in den „Additions au Synopsis des 
Calopterygines“ nachfolgen samt einer Charakteristik von Di- 
phlebia (als Dineura). Caliphaea steht hier an der meines Er- 
achtens (gegen Mac_Lachlan später) richtigen Stelle bei der Le- 
gion Calopteryx. Philoganga, die überhaupt sehr schwer ein- 
zuordnen ist, steht meines Erachtens unrichtig bei Dicterias- 
Heliocharis, Devadatia kaum richtig bei Diphlebia. 

Von späteren Versuchen bleiben Tillyard (5) und Munz (6) 
an der Oberfläche, Williamson 1904 (4) umfaßt nur einen klei- 
neren Teil der Familie und bringt, die traditionelle Einteilung 
befolgend, interessante neue Aderbefunde. Ganz abwegig er- 
scheint mir Kennedy 1920 (7), wo die Calopterygidae und die 
Legion Podagrion der Agrionidae durcheinandergeworfen und 
noch Platysticta und Palaemnema nebst Tatocnemis dazugenom- 
men werden. Die beigezogenen Larvenmerkmale sind ganz un- 
zulängliche Fragmente. Die Penisbilder wirken in keiner Weise 
überzeugend; in dem bunten Vielerlei scheint die Möglichkeit 
mannigfacher Konvergenzen otfen zu stehen. 

Selbstverständlich sind 1854 und 1859 nicht alle Merkmale 
berücksichtigt, die heute wichtig erscheinen. Von Adermerk- 
malen fehlt zunächst der Hinweis auf die besondere Bedeutung 
von zwei verdickten Antenodalqueradern (Ang). Sodann eine 
mehr als ganz beiläufige Darstellung der eigentümlichen Reduk- 
tion, welche das proximale Stück der Sektoren Mı-3 gradweise 
verschieden in einer Formenreihe eingeht, wo M3 in gerader 
Richtung Mı-3 fortsetzt und Mı+2 in unsymmetrischer Gabel 
costalwärts ausweicht. 

Die verdickten Ang sind vorhanden bei Philoganga, Di- 
phlebia, Devadatta, Amphipteryx — Dicterias, Heliocharis, Cyano- 
charis — Legion Libellage — in etwas fragwürdiger Gestalt 
Legion Thore. Sie fehlen bei Legion Euphaea und Legion 


Calopteryx. Dabei ist zu bemerken, daß mit ihrem Fehlen die 
Koinzidenz, mit ihrem Vorhandensein die Nichtkoinzidenz der 
costalen und subcostalen Anq einhergeht. 

Die Fortsetzung von Mı3 in gleicher Stärke und Richtung 
durch M3, und damit verbunden die Degeneration des proxi- 
malen Stückes von Mı-+2, eventuell bis zur Verbindung mit R 
auf einige Zellen Länge, betrifft nicht die gleichen Reihen, son- 
dern umfaßt außer Euphaea und Calopteryx noch aus der Reihe 
mit zwei verdickten Ang die Gattungsgruppe Dicterias-Heliocharis- 
Cyanocharis, welche Selys als „zweite Kohorte” der Legion Eu- 
phaea anschließt. Unklar ist in Bezug auf die Bildung der Basis 
von Mı-3 und Mı+2 die Legion Thore, wo die besondere Ge- 
staltung der Arculus-Region diesen Zug ebenso in eigenartiger 
Weise beeinflußt, wie das Verhalten der verstärkten Ang. 

Als gute natürliche Gruppen erscheinen heute noch, in Selys’ 


Reihenfolge: 


1." Legion Calopteryx (deren Definition etwas zu modifizieren 
ist zur Aufnahme von Caliphaea). 


2. Legion Euphaea (unter Abtrennung der zweiten Kohorte 
mit Dicterias-Heliocharis-Cyanocharis). 


3. Legion Libellago (ohne Vorbehalt). 
4, Legion Thore (ohne Vorbehalt). 


5. Fragwürdig bleibt die Legion Amphipteryx. Ihre Anteile 
sind wahrscheinlich heterogen und auf ihre Verwandtschaft recht 
schwer heimzuweisen. Ich würde diesen Abschnitt einstweilen 
beibehalten und ihm auch die Gruppe Dicterias-Heliocharis- 
Cyanocharis zuteilen. Verwandtschaft in der Richtung auf Euphaea 
dürfte für Philoganga, Diphlebia und die Dicterias-Gruppe nicht 
unmöglich sein; Amphipteryx und Devadatta dagegen stehen ganz 
allein und dürften auch mit einander nicht viel zu tun haben. 


Die Reihenfolge der Legionen: 1. Amphipteryx, 2. Libellago, 
3, Thore, 4. Euphaea, 5. Calopteryx dürfte für wesentliche An- 
teile der Merkmale (keineswegs aber für alle) ungefähr die auf- 
steigende Reihe der Differenzierung angeben. Selys dagegen 
ordnet hier wie überall (allerdings praephylogenetisch) in ab- 
steigender Reihe. 

Phylogenetische Diskussion versage ich mir; ich finde, daß 
wir zur Zeit damit nicht weiterkommen. Hier würde uns vor 
allen Tillyard's in den letzten Jahren vertretene Ansicht zu be- 


schäftigen haben, nach welcher die nachpermischen Odonaten 
aus kleinen Reduktionsformen durch Bereicherung und Entfaltung 
des Aderbaues abzuleiten wären. Die paläontologischen Unter- 
lagen sind zwar hochinteressant, aber doch auch recht dürftig. 
Rein logisch gelingt zweifellos die Ableitung des Vielfachen aus 
dem Einfachen in besonders eleganter Weise (wie ich mich in 
ausführlicher persönlicher Auseinandersetzung mit Tillyard 1926 
überzeugte an Hand meines fast lückenlosen photographischen 
Materials von Calopterygiden, Lestiden und Legion Podagrion 
der Asrioniden). Aber ob diese logische Eleganz mit der phylo- 
genetischen Wirklichkeit übereinstimmt, ist eine andere, unend- 
lich komplexe Frage. Zum Teil gewiß, und auf solcher Ueber- 
einstimmung beruht die Tatsache, daß die logisch aufgebauten 
Systeme der vordarwinischen Systematiker in großen Teilen die 
Kritik der phylogenetisch orientierten Periode gut bestanden 
haben. Im konkreten Fall der Odonaten sei besonders auf die 
zwei durch Durchlaufen und eventuell Verstärkung ausgezeich- 
neten Ang hingewiesen. Tillyard's These würde sich etwa so 
darstellen: sie waren ursprünglich allein da; die weitern Ang 
sind nachträglich erworben und wo diese costal und subcostal 
koinzident wurden, ging die Auszeichnung der ursprünglichen 
zwei sekundär verloren. Eine andere Möglichkeit aber ist: 
unter einer ursprünglichen Vielzahl von Anq waren zwei durch 
Koinzidenz und Verstärkung ausgezeichnet; in der einen Ent- 
wicklungsreihe (Reduktion des ganzen Adersystems mit proxi- 
maler Verschiebung des Nodus) blieben zuletzt die zwei aus- 
gezeichneten Ang allein übrig; in andern Entwicklungsreihen 
kam es zur Koinzidenz der costalen und subcostalen Ang auf 
der ganzen Linie und damit verschwindet die Auszeichnung der 
zwei (dies in zwei völlig getrennten und unabhängigen Reihen 
bei Leg. Euphaea und Leg. Calopteryx der Calopterygiden einer- 
seits und bei einem Endzweig der Anisopteren, den Libelluliden 
anderseits). Welche von beiden Möglichkeiten mehr für sich hat 
ist zur Zeit durch positives Material nicht zu belegen; speku- 
lativ kann das eine wie das andere mit gleich viel und gleich 
wenig Recht gesagt werden. 

lm folgenden nun befassen wir uns nur noch mit der Legion 
Euphaea und lassen noch eine ganz kurze Gegenüberstellung 
derselben zur Legion Calopteryx vorangehen. 


Be, 


Legion Euphaea. 
Gemeinsam mit Legion Calopteryx: 


Fehlen von verdickten Ang und damit (wie es scheint inner- 
halb der Calopterygidae zwangsläufig verbunden) Koinzidenz 
der costalen und subcostalen Ang (mit geringen Ausnahmen, 
namentlich bei großen Ang-Zahlen, wie sie auch innerhalb 
der Libelluliden vorkommen). 

Asymmetrie der Gabel Mı12—M3 in dem Sinne, daß M3 den 
Stamm in Richtung und Stärke fortsetzt, das Basalstück 
Mı-+2 costalwärts abbiegt, in gewissem Maße degeneriert, 
im extremen Fall bis zur Verschmelzung mit R. 


Unterschiede gegen Calopteryx: 


Das Viereck (q) im allgemeinen kürzer als der Medianraum (m), 
den Charakter einer größern und etwas stärker umrahmten 
einzelnen Zelle tragend, die frei oder von 1—2 (selten mehr) 
Queradern durchsetzt ist. 

Eine Abknickung des Cubitalraumes (cu) in der Gegend des 
Arculus mindestens angedeutet. 

Ein regelrechtes, oft großes und massives Pterostigma stets vor- 
handen. 


Beine relativ kurz und robust mit sehr mäßig langen Dornen. 


Appendices superiores der 5 sehr vorwiegend in lateraler Rich- 
tung abgeplattete, in dorsoventrale Richtung gestellte, zahn- 
lose Blättchen. Appendices inferiores vorwiegend stark 
rückgebildet. Sehr geringe Modifikationen innerhalb der 
Artunterschiede. 

Larven soweit bekannt mit primitivem Kieferbau und lateralen 
Abdominalkiemen. 


Legion Calopteryx. 
Gemeinsam mit Legion Euphaea: 
(Siehe oben unter Euphaea). 
Unterschiede gegen Euphaea: 


Das q größer, so lang oder meist länger wie m, hat den Cha- 
rakter eines eigentlichen Raumes mehr als den einer mo- 
difizierten Zelle, meist mit mehreren bis vielen Queradern 


a 


(an Euphaea genähert und viel kürzer als m bei Caliphaea; 
durch proximale Verengerung und distale Erweiterung mo- 
difiziert bei Hetaerina und Lais; in ähnlichem Sinne um- 
geformt bei Vestalis — sicher eine Konvergenzerscheinung 
ohne Verwandtschaftsbedeutung). 

Eine Abknickung von cu fehlt der typischen Gruppe von Genera 
auch in Andeutung, fehlt vollkommen auch bei Vestalis, 
ist aber angedeutet bei der Gruppe Hetaerina und bei 
Caliphaea. 

In der Regel kein Pterostigma oder ein Pseudopterostigma; 
ausnahmsweise ein sehr kleines Pterostigma (dieses und 
das Pseudopterostigma auch als Geschlechtsunterschied 
und sogar individuelle Variante). Voll entwickeltes, immer- 
hin relativ kleines Pterostigma bei Archineura, Echo, Mnais, 
Psolodesmus, Sapho, Umma und Caliphaea. 

Beine sehr lang und dünn, mit zahlreichen langen und dünnen 
Dornen. Diese Eigenschaft bis zu extremen Formen. 
Appendices superiores der S zu einer ungefähr kreisförmigen 

Zange zusammengebogen, lateral-distal mit unregelmäßigem 
Dornenbesatz ; inferiores meist einfache Griffel. Medialer 
Rand der sup. und teilweise auch die inf. mit erheblicher 

Artdifferenzierung in der Gruppe Hetaerina. 

Larven zwei Typen bekannt: Aetaerina mit primitivem Kieferbau. 
Calopteryx-Neurobasis- Vestalis mit extremer Differenzierung 
des Labium für alle in gleichem Sinne. Alle ohne laterale 
Abdominalkiemen. 


Legion Euphaea. — Die Genera. 


L Die q frei und relativ zur Länge breit. 


Keine Queradern im Subquadrangularraum außer der regu- 
lären cubitoanalen Querader (Cug). 


Zwischen R und Mı-3 keine Querader, die erste proximale 
von R ausgehende Querader erst distal von der Bifur- 
kation Mıt2—M3 (Williamson) (vereinzelte Ausnahmen 
kommen vor). 


Appendices mehr differenziert als bei der Gruppe Il. 


A. Mı-2 bleibt von R getrennt. 


a) Die q stark schief: die proximale Seite ist deutlich 


aa) 


iänger als die distale, der costale Teil des Arculus 
verkürzt. ‘5 im Hfl. mit einem scharfen Vorsprung 
der Costa, die daselbst verdickt ist, proximal von 
der Mitte der Distanz Basis-Nodus. Anisopleura. 


Die q nicht schief: proximale und distale Seite 
völlig oder sehr annähernd gleichlang und parallel; 
costaler u. analer Teil des Arculus ungefähr gleich- 
lang. & ohne Vorsprung der Costa im Hfl. Epallage. 


-B. Mı-2 auf eine lange Strecke, etwa 5—6 Zellen Länge, 
mit R verschmolzen; gegen das Ende dieser verschmol- 
zenen Strecke entspringt Rs. (q etwas schief nach Art 
von Anisopleura bei B. hyalina, nicht schief bei B. in- 


dica). (Fig. 1). Bayadera. 


II. Die q durchquert (ausnahmsweise frei bei inviduellen Va- 
rianten, vorwiegend frei bei Cyclophaea). 


Queradern im Subquadrangularraum. 


Zwischen R und Mı-3 mindestens eine Querader proximal 


von der Bifurkation Mı+2—M3 (Williamson). 


Mı-2 bleibt von R getrennt. 


Appendices wenig differenziert. 
C. Der antenodale Teil der Vfl, und Hil. erheblich kürzer 
als der postnodale Teil (Zahlen siehe besondere Reihe). 
c) Aderverlauf gestreckt, die distalen Enden der Sek- 


cc) 


toren nur sehr flach zum caudalen Rand gebogen; 
in dem schmalen Analfeld zwei lange gerade Sup- 
plementärsektoren, die zu Cu2, welcher nach der 
basalen analwärts gerichteten Krümmung ebenfalls 
fast gerade ist, parallel verlaufen. 5 mit zwei 
langen lateral- ventralen Fortsätzen an Segm. 2, 
(Eig. 2, 7). Cyclophaea. 
Die Sektoren und Supplementärsektoren, insbeson- 
dere die analwärts von M3 gelegenen, biegen im 
Endverlauf in proximalwärts zunehmend engen 
Bogen zum Analrand ab. Den engsten Bogen be- 
schreibt Cua und in dem relativ breiten Analield 


2.19, 


folgen diesem Bogen konzentrisch mehrere bis viele 
'Supplementärsektoren. Vielfach gefärbte, bei den 
cd oft teilweise metallglänzende Flügel und teil- 
weise erhebliche Geschlechtsunterschiede in Form 


und Färbung der Flügel. (Fig. 3, 4). Euphaea. 


D. Der antenodale Flügelteil ist ungefähr gleichlang wie der 
postnodale (Zahlen siehe besondere Reihe). Aderverlauf 
mehr gestreckt als bei Euphaea, weniger als bei Cyclo- 
phaea. Die Bogen der Sektoren und Supplementär- 
sektoren anal von M3 sind flacher als bei Euphaea. 


d) Im Analfeld bis zum distalen Ende des q (Vfl.) 
oder etwas weiter (Hfl.) nur eine Zellreihe, die 
Knickung des Cubitalraums nur eben angedeutet 
(die geringste in der ganzen Euphaea-Reihe.) Grund- 
farbe der 5’ rot, am Thorax schwarz und rot. 5’ mit 
Borstenbesatz ventral am 9. Segm. (Fig. 6). Paraphaea. 
Im Analfeld von Beginn oder mindestens proximal 
von q zwei oder mehr Zellreihen (die Analielder 
sind bei der abgebildeten D. ethela die schmalsten 
und damit Paraphaea am nächsten kommenden von 
allen vorliegenden Arten). Die Knickung von cu ist 
deutlich. Grundfarbe der 5’ schwarz. Kein Borsten- 
besatz am 9,Segm. ventral bei den J. (Fig.5). Dysphaea. 


dd 


— 


Das Längenverhältnis des antenodalen zum postnodalen 
Flügelteil erscheint schon in den Selys’schen Gattungsdiagnosen. 
Zur genaueren Orientierung über dasselbe wurden an 22 Formen 
die fraglichen Längen gemessen, überall an stark vergrößerten 
Photographien auf ganze Millimeter. Die antenodale Länge ist 
an der Costa gemessen, die postnodale vom Nodus zum Apex 
des Flügels, sie steht somit zur antenodalen in einem stumpfen 
Winkel. Nach dem Verhältnis antenodal zu postnodal ordnen 
sich die 22 Formen in die folgende Reihe, die nach dem Vorder- 
flügel geordnet ist; die zweite Zahl bei jeder Form bedeutet 
den Hinterflügel; nach diesem würde sich eine etwas andere 
Ordnung der Reihe ergeben, worin die Verkürzung der gesam- 
ten Hfl, einzelner Gruppen und Arten zum Ausdruck kommt, 
welche Verkürzung wesentlich den postnodalen Flügelteil er- 
greift. 


Be 


1. Cyclophaea cyanifrons J 0,582 — 597 
2. Euphaea decorata 9 0,607 — 577 
3. E. decorata g' 0,610 — 600 
4. E. dispar JS. 0,625 — 633 
5. E. formosa © 0,689 — 621 
6. Anisopleura lestoides JS . . 0,691 — 660 
7. E.ochracea 9‘ (Williams.) . 0,695 — 698 
8. Bayadera hyalina JS . 0,729 — 702 
9. E. amphicyana {9 . 0,736 — 720 
10. E.cora 0,761 — 727 
11. E. formosa 0,769 — 673 
I2mP.sopaca, 07, 0,770 — 672 
13. E. refulgens 9 er 0,777 — 704 
14. Anisopl. furcata 2 (Will.) 0,796 — 786 
15. E. refulgens S . 0,800 — 699 
16. Bayadera indica J' 0,810 — 724 
IMıEslararg? 0,818 — 794 
18. Epallage fatime 9 0,911 — 818 
19, Epall. fatime 5 0,936 — 792 
20. Paraphaea ruficollis 5 . 0,964 — 946 
21. Dysphaea ethela 5 1,000 — 920 
22. Dysphaea lugens 2 . 1,100 — 1,064 


ii Cyclophaea nov. gen. 


Stellung und Definition der Gattung ergibt sich aus der 
Tabelle. Das 5 fällt auf den ersten Blick auf durch die gro- 
teske Armatur des zweiten Abdomensegmentes. Im übrigen hat 
es, wie das @, den Habitus einer kleinen und schmalflügeligen 
Euphaea. 

Mit Euphaea stimmt überein: Die weit proximale Lage des 
Arculus, weiter proximal als bei allen andern daraufhin ge- 
prüften Arten. Die Querader zwischen Mı—-3 und R proximal 
von der Bifurkation Mı-+2—M3. Die Queradern im Subqua- 
drangularraum. Der getrennte Verlauf von Mı+2 und R. 


zig — 


Nicht mit Euphaea stimmt überein: das vorwiegende Fehlen 
der Querader in q (11 von 12 Flügeln). Der ganz eigenartig ge- 
streckte Verlauf der Sektoren, der auch das 2 leicht kenntlich 
macht. 


Cyclophaea cyaniirons nov. spec. (Fig. 2, 7). 


2 5 Binaluan, Nord-Palawan, 25. XI. 1913 und 7.1. 1914, 
leg. G. Böttcher; 
1 © Palawan, I. 1894, leg. Everett — alle in Coll. Ris. 


& (ad., gut erhalten). Occiput schwarz. Unterlippe das 
Basalstück blaß trübgelb, die Fortsätze schwarz. Oberlippe, 
Anteclypeus, Postcelypeus, Mandibelbasis, Genae, Stirn bis zur 
Mitte sehr licht grünlichblau bis seegrün. Die Farbe schließt 
dorsalwärts in vier Wellen ab, deren mittlere zwei je die hin- 
tern Ocellen berühren, während genau im Wellental der vordere 
Ocellus liegt. Rest des Vertex tief samtig schwarz. Fühler 
schwarz. 

Prothorax rostfarben, die Seiten dunkler. 

Thoraxdorsum dunkel rostfarben nach goldbraun; schwarze 
Säume der Nähte, kräftig an der Median- und Flügelsinusnaht, 
sehr fein an der Schulternaht, in deren dorsalem Ende ein 
dunkles Fleckchen. Seiten trüb gelb mit einer wolkig diffusen 
rostfarbenen Zeichnung: dorsaler Keil des Mesepimeron, dorsa- 
ler und medialer Querstreifen des Metepisternum, medialer Quer- 
streifen des Metepimeron. Ein etwas diffuser, schwärzlicher Fleck 
am ventralen Ende des Mesepimeron, viel kleinerer des Mete- 
pimeron. Mesinfraepisternum seegrün wie das Gesicht. Ventral- 
seite trüb braungelb. 

Beine schwärzlich, die mediale Seite der Femora etwas 
lichter. 

Abdomen schlank, fast zylindrisch, Basis und Ende sehr 
wenig erweitert. Rot, die terminalen Segmente, in der Mitte 
von 6 beginnend, diffus allmählich zu dunkelbraun getrübt. An 
der Seite von Segm. 1 ein gelbliches Fleckchen. In der Mitte 
des 2, Tergits, jederseits nahe dem Ventralrande, je ein nach 
ventral-hinten geneigter, schmaler, zylindrischer Fortsatz, länger 
als die Segmentbreite, in der Seitenansicht fast gerade, in der 
Frontalansicht die Fortsätze beider Seiten zu einer fast kreis- 
förmigen Zange zusammengebogen, ihre scharfen, feinen Spitzen 
lateralwärts gedreht (Fig. 7). 

Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX. Jahrg. 1930, H. 2. 6 


Va) 


Vesicula: vorne breit dreieckig, niederliegend, nach hinten 
in eine quere, scharfe Kante aufgerichtet, die in zwei spitzen 
seitlichen Fortsätzen vorspringt; die hintere fast ebene Fläche 
von dieser Kante steil abfallend. 

Dorsal-hinterer Rand des 10. Segm. mäßig dachförmig er- 
hoben. 

Appendices superiores etwa so lang wie Segm. 10, vom 
Typus der Gattungsreihe, in der Dorsalansicht schwach kon- 
vergent gebogen, in der Seitenansicht gerade, rechteckig, stumpf 
endend; inferiores sehr klein, dem Abdomenende angedrückt, 
in der Seitenansicht nicht sichtbar. 

Flügel hyalin, schwach graugelb, an der Basis sehr diffus 
endend etwas reicher gelb. Pterostigma schmal, schwärzlich. 
Aderung siehe Tabelle und Fig. 2. 

Q (subjuv., dem Flügelbau nach sicher zugehörig). Occiput 
schwarz. Unterlippe Basalstück und Mittellappen trüb blaßgelb, 
Seitenlappen dunkelbraun. Gesicht statt des seegrün des J 
trüb ockergeib und darin tiefschwarz: Anteclypeus, Postclypeus 
und ein quadratischer Fleck zwischen Postclypeus und Fühler- 
basen, der dorsale Rand des Flecks vor dem mittleren Ocellus in 
kleinem Bogen ausgeschnitten; schwarzer Hof um die Fühlerbasen. 

Prothorax schwärzlich, Mittellappen dorsal zwei breite quere 
gelbliche Flecken. 

Thoraxdorsum schwarzbraun; breite gerade ockergelbe Ante- 
humeralstreifen, jeder ungefähr das mittlere Drittel des Mese- 
pisternum einnehmend, am dorsalen Ende mit einem kleinen 
Fortsatz nach lateral-vorne. Seiten trüb blaßgelb mit schwärz- 
licher Zeichnung: Mesepimeron die dorsal-vordere Hälfte, mit 
schrägem Abschluß nach dem dorsalen Ende der vordern Seiten- 
naht, darin am dorsalen Ende ein dreieckiges lichtes Fleckchen;; 
breit der ventrale, schmal der vordere Saum. Metepisternum 
sehr schmaler vorderer, etwas breiterer dorsaler und hinterer 
Saum, querer Fleck am Stigma. Metepimeron schmaler dorsaler 
und ventraler Saum, hinten breite, vorne schmale Binde über 
die Mitte. Mesinfraepisternum und Metinfraepisternum licht. 
Metasterna licht mit dunkeln Säumen und dunkler Querlinie 
über den unpaaren Skleriten. 

Abdomen zylindrisch, mäßig robust. Schwärzlich, Segm. 1—2 
trüb gelbliche, 3—7 trüb rotbraune Zeichnung, 3—7 keilförmige 
Binden bis nahe zum terminalen Viertel und am Ende ein Fleck- 
chen; 8—9 jederseits ein terminales Fleckchen. 


Flügel bleich graugelb, Basis sehr wenig reicher gelb. Ptero- 
stigma graubraun. 

enAld: 36, Vila 32, „Elll.. 30,5, Pt. 2,5! mm. 

O Abd. 30, Vfl. 30,5, Hil. 29, Pt. 2,5 mm. 


Die merkwürdigen Fortsätze des 2. Tergitrandes beim 7’ 
erscheinen morphologisch als eine Uebertreibung des an ent- 
sprechender Stelle bei vielen Euphaeen stehenden dreieckigen 
Fortsatzes. — An dem © sind keine Strukturen zu finden, die 
etwa in Beziehung zu den Fortsätzen des 5° stehen könnten. 


Euphaea. 


Der Name Euphaea ist im Katalog Kirby mit dem Zeichen 
der Präokkupation versehen und durch Pseudophaea ersetzt. 
Er ist daselbst Rambur 1842 (2) zugeschrieben, da Kirby über- 
sieht, daß er, wie eine Reihe anderer Namen, zum erstenmal 
in Selys' Monographie der europäischen Libellen 1840 (1) er- 
scheint. 

Euphaea ist aber nicht präokkupiert. Nach dem neuen 
Nomenclator animalium erscheint 1816 Eupheus Risso für eine 
Gattung der Crustacea Isopoda, emendiert 1846 in Agassiz’ 
Nomenclator in Euphaeus. Eupheus 1816 bedingt aber nicht 
Präokkupation von Euphaea 1840, 

Doch begleitet den Namen Euphaea ein anderes Miß- 
geschick: Die Definition von 1840 lautet: (pag. 200) „Genre 
exotique. — Differe des Calepteryx en ce que les ceilules sont 
moins nombreuses, les ailes plus &troites ä la base et surtout 
par la presence d’un vrai parastigma oblong. — Exemple: 
Calopteryx holosericea.“ Die Definition ist reichlich fragmenta- 
risch, aber doch mindestens so weitgehend wie manche andere 
Gattungsdefinition der Zeit. 


Rambur 1842 übernimmt mit einer ausführlicheren Definition 
den Namen von Selys, „quoique l’espece qui lui a servi de type 
ne me paraisse pas lui appartenir, puisque, d’apres M. Bur- 
meister, le mäle n’'aurait pas de pt&rostigma (C. holosericea Burm.); 
parce que, d’apres les caracteres qu'il donne, il parait designer 
les especes que jy ai placees.” Als erste Art gibt Rambur 
E. variegata von Java, weiter Guerini und dispar, die heute noch 
unter Euphaea stehen; endlich an nicht mehr zugehörigen Arten 
picta Ramb. (Thore-Polythore), paulina (ex Drury, Palaemnema), 
iridipennis (ex Burmeister, Phaon). 


6* 


ee 


Ich finde, daß es richtig sei, der Ueberlegung von Rambur 
auch heute noch zu folgen, wie es Selys 1898 (3) auch vor- 
schlägt; dies umsomehr, als Selys dieselbe Art E. variegata 
vorlag, als er fatalerweise die C. holosericea Burm. (C. macu- 
lata nob.) zitierte. Freilich war die Falschbestimmung der 
variegata als holosericea durch Selys nur zu entschuldigen 
durch die falsche Herkunftsangabe Java bei Burmeister und die 
annähernde Uebereinstimmung der lateinischen Artdiagnose, 
diese Diagnose allein betrachtet; berücksichtigt man aber die 
deutsche Gruppencharakteristik mit, unter der holosericea steht, 
so war die Bestimmung unmöglich (Selys hat, besonders in 
jüngern Jahren, mit deutschen Texten Schwierigkeiten gehabt, 
über die später Hagen hinweghalf). Es scheint mir: maßgebend 
sollte das Tier sein, das der erste Autor Selys unzweifelhaft 
vor sich hatte, dasselbe wie der zweite Autor Rambur, nicht 
aber ein diesem Tier falsch angehefteter Name, zu dessen rich- 
tigem Träger dann die gegebene Definition nicht stimmt. Ueber 
solche wunderliche und kniffliche Nomenklaturfragen möge man 
auch nachsehen Ent. News 22, pag. 278 (1911). 

Eine Subfamilie, die der Legion Euphaea entspricht, ist 
Epallaginae genannt worden. Nach unserer Ueberlegung würde 
es Euphaeinae heißen müssen, da Selys’ Monogr. 1840 gegen- 
über Charpentier 1840 Priorität zugeschrieben wird. 


Gruppe der Euphaea impar. 


Arten mit einem schwarz-blauen Zeichnungsmuster des 
Thorax beim a. Eine breite blaue Längsbinde zieht von der 
ventralen Hälfte des Mesepisternum über die ganze Seite bis 
zum Metepimeron, dorsal und ventral von schwarz begrenzt, 
in der Form nach den Arten (und Individuen?) etwas ver- 
schieden. 

Schwacher dreieckiger, quer gestellter Fortsatz am hintern 
Ende des ventralen Randes des zweiten Tergiten. 

Vesicula ohne seitliche Fortsätze. 

Appendices inferiores mit einem kleinen, spitzen, ventral- 
lateralen, nach hinten gerichteten Fortsatz, der in der Seiten- 
ansicht sichtbar ist. 

Ich glaube nicht, daß diese Gruppe mit der Gruppe dispar- 
Fraseri-cardinalis besonders nahe Beziehungen hat. 


YOB 


1. E.impar. Spitze der Hil. schwarz ohne Metallglanz bis etwa 
zur Mitte zwischen Nodus und Pterostigma, hyalin 15,5, 
schwarz 8,5 im ganzen; hyalin 5,5, schwarz 5 in der Strecke 
Nodus-Pterostigma. Blaue Binde auf dem Mesepisternum 
mit einer medialen Begrenzung, die ungefähr parallel der 
ventralen Hälfte der Mediannaht verläuft, blau etwas breiter 
als schwarz; auf Metepisternum erreicht blau vorne den 
ventralen Rand; Mesinfraepisternum blau mit schwarzem 
Querstreifen. — Abd. 30, Vfl. 27, Hfl. 24, Pt. 2 mm. 


2. E.inaeguipar. Spitze der Hfl. schwarz ohne Metallglanz 
bis proximal von der Mitte zwischen Nodus und Pterostigma; 
hyalin 15, schwarz 12 über die Flügelmitte gemessen; 

 hyalin 3,5, schwarz 7 auf der Strecke Nodus-Pterostigma. 
Blaue Binde auf Mesepisternum mit der medialen Begrenzung 
schräg, ein Dreieck mit den ventralen zwei Dritteln der 
Schulternaht als Begrenzung herausschneidend, ventral vorne 
am Mesepisternum schwarz und blau fast gleichbreit. Seitlich 
erreicht blau nirgends den ventralen Rand. Mesinfraepister- 
num blau mit zentralem schwarzem Fleck. — Abd. 33, Vfl. 30, 
T11..27,. Pt..2,5 mm. 


3. E.cora. Kein schwarzer Spitzenfleck der Hfl. Blaue Binde 
auf Mesepisternum in etwas zackiger schräger Linie medial- 
wärts begrenzt, die so nahe zur Mittellinie reicht, daß am 
ventral-vordern Rande jedes Mesepist. der blaue Anteil etwa 
zweimal so breit ist wie der schwarze. Seitlich erreicht die 
blaue Binde nirgends den Rand. Mesinfraepisternum schwarz. 


Abd. 31, Vil, 28, Hil. 26, Pt. 2 mm. 


Euphaea impar. 


Selys, Addit. Synops. Calopt. p. 7 (1859) 5 Mt. Ophir in Ma- 


lacca, leg. Wallace, © Singapore in coll. Selys.. — Kirby, Cat. 
p. 109 (1890). — Krüger, Stett. Ent. Zeitg. 59, p. 78 (1898) Suka- 
randa in Sumatra, leg. Dohrn. — Laidlaw, Proc. Zool. Soc. 


London 1902, p. 87 (1902) Malacca. — id., Fascic. Malay. Zool. 1, 
p. 194 (1903). — id., Rec. Ind. Mus. 19, 1, 6, p. 27 (1920). 


Coll. Ris: 1 5 Malacca, Mt. Ophir, leg. Wallace, ded. Selys. 


Vesicula ein ziemlich flaches Kugelsegment, vorne in der 
Mitte mit einer Impression, ohne seitliche Fortsätze. 


ee 


Euphaea inaequipar. 


Selys, Addit. Synops. Calopt. p. 7 (1859) 5 Sarawak (irrtüm- 
lich Saratoga), leg. Wallace in coll. Selys. — Kirby, Cat. p. 109 
(1890). — Laidlaw, Rec. Ind. Mus. 19,2, 6, p. 27 (1920) als Sub- 
species zu impar in eine Tabelle eingereiht. 

Mus. Stockholm: 1 S Sarawak Distrikt, leg. Mjöberg. 


Nach der Ausdehnung der schwarzen Hinterflügelspitze und 
auch nach der Herkunft ist anzunehmen, daß dieses Exemplar 
zu inaeguipar gehört, trotzdem die summarische Beschreibung 
der Thoraxzeichnung ein Rätsel aufgibt. /mpar: „Thorax noir 
avec une grande plaque bleu clair, occupant presque tous les 
cötes du thorax.” Inaeguipar: „Thorax noir avec deux bandes 
laterales bleuätres, la premiere tres large.“ Das mag so zu ver- 
stehen sein, daß das von Selys beschriebene Exemplar einen 
schwarzen Streif auf der hintern Seitennaht hat; oder es kann 
auch einfach eine postmortale Verfärbung in Frage kommen. 

Abdomen schwarz. Seiten von Segm. 1 ein Fleckchen, 
2—3 ein sehr schmales Streifchen blaß grünlich. — Ein Doppel- 
fleck der Oberlippe und die Genae, medial schräg begrenzt, blau. 

Vesicula ein in der Längsrichtung etwas verlängertes Kugel- 
segment ohne seitliche Fortsätze, hinten mit einer kleinen Im- 
Pression. 


Euphaea cora nov. spec. (Fig. 3). 


Coll. Ris: 2 5 Surigao, Mindanao, 29.V. 1915, leg. G. Böttcher. 


oJ’ (etwas immatur). Occiput schwarz. Unterlippe schwarz 
mit sehr schmal lichten Rändern der Seitenlappen. Kopf vorne 
und oben schwarz, licht, blaß grünlichgelb, nur zwei kleine rund- 
liche Fleckchen der Oberlippe, ein Fleck auf der Mandibelbasis 
und ein schmales Streifchen der Genae am Augenrand. 

Prothorax schwarz; je ein kleines querovales blaues Fleck- 
chen auf den Höckern des Mittellappens. 

Thorax schwarz und blau (siehe die Tab.); die ventrale 
Begrenzung der blauen Binde bildet seitlich: breiter schwarzer 
Saum des Mesepimeron, breiter Saum des Metepisternum und 
der lateroventralen Kante des Metepimeron; die dorsale Be- 
$grenzung: vorne breiter, hinten schmaler Saum des Mesepimeron, 
vorne schmaler, hinten breiter Saum des Metepisternum, sehr 
feiner Saum der dorsalen Kante des Metepimeron. Ventralseite 
schwarz, weißlich bereift. Beine schwarz. 


ST 


Abdomen schwarz, licht bläulichgrüne kleine Zeichnungen: 
Fleckchen auf der Seite von Segm. 1, schmales Längsstreifchen 2, 
basaler Punkt und sehr schmales Längsstreifchen 3, basaler 
Punkt 4—6. 

Vesicula ein ziemlich flaches Kugelsegment, ohne seitliche 
Fortsätze, vorne ohne Impression, etwas nach vorne verlängert. 

Appendices superiores vom Gattungstyp. Von den inferiores 
überragt die Basisplatte in der Seitenansicht ein wenig das Ende, 
etwas mehr ein kleines, dorsalwärts gekrümmtes Spitzchen am 
lateralen Rand. 

Flügel etwas graulich gelb, proximalwärts mehr gelb, distal- 
wärts mehr graulich, Flügelspitzen nicht verdunkelt (Fig. 3). 

Maße siehe Tab. 

Die kleine Art ist dadurch interessant, daß bei ihrem J' 
die Farbenauszeichnung von den Flügeln weg ganz auf das 
schwarz-blaue Thoraxmuster verlegt ist, womit sie gewissen Cora- 
Arten (besonders chirripa und irene) habituell recht ähnlich 
wird. Dies soll durch den Namen angedeutet sein. 


Gruppe der Euphaea tricolor. 


Arten mit fast völlig zu schwarz verdunkelter Färbung der 
Jg. Wo lichte Zeichnungen vorhanden, sind es die schmalen 
Thoraxlinien des primitiven Euphaea-Musters. Hil. teilweise oder 
ganz verdunkelt mit Flecken prachtvoll metallisch blauer Reflexe. 
— Appendices inferiores mit lateroventralem Fortsatz, der etwas 
robuster und mehr gerade nach hinten gerichtet ist als bei der 
Gruppe impar. — Dreieckiger Fortsatz am Ventralrande des 
zweiten Tergiten: kräftig ausgebildet bei fricolor, subcostalis 
und subnodalis, sehr klein bis fast fehlend bei basalis (ex Laid- 
law) und amphicyana. — Vesicula: queroval mit lateralen 
stumpfen Höckerchen bei tricolor, seitlich in kräftige Spitzen 
ausgezogen bei subcostalis und subnodalis, fast halbkugelig ohne 
Höcker oder Spitzen bei basalis (Laidlaw: „well rounded“) und 
amphicyana. 


1. E. tricolor. Die dunkle Farbe beginnt im Hil. am Nodus, 
ihre proximale Hälfte leuchtend blaumetallisch, die distale 
schwarz. Hyalin 11, schwarz plus blau 13,5 mm. — Abd. 32, 
1110275711245, Bi 3>’mm: 


gg 


2. E. subcostalis. Die dunkle Farbe beginnt proximal vom 
Nodus, im Costalfeld wenig distal von der Mitte Basis-Nodus, 
etwas vorspringend in der Flügelmitte, etwas zurückweichend 
am analen Rand. Costalstreifen durch schwärzliche Ader- 
säume verdunkelt. Blaumetallisch etwa die proximale Hälfte 
der dunkeln Zeichnung. Hyalin 7,5, schwarz plus blau 
16,5 mm (Labuan) oder 5,5 und 17,5 mm (Kina Balu). — 
Abd. 29, Vfl. 28, Hil. 24, Pt. 2,5 mm (Labuan) — 30, 27, 23, 
2,5 (K. B.). 


3. E. subnodalis. Der vorigen sehr ähnlich, etwas größer und 
die Hfl. verhältnismäßig etwas weniger verkürzt. Im Hil, 
bleibt der Raum zwischen R und Mı-+>2 bis zum Nodus 
hyalin. Dreieckiger Fortsatz des zweiten Tergiten erheblich 
größer, mehr schmaldreieckig. Hil. hyalin 7, schwarz plus 
blau 20 mm. — Abd. 34, Vfl. 30, Hil. 27, Pt. 3 mm. 


4. E. amphicyana. Die dunkle Farbe beginnt etwa am distalen 
Ende des Vierecks, oder subhyalin schon an der Basis. 
Hyalin oder subhyalin 3,5, dunkel 24,5 mm. Darin auf der 
Useite blaumetallisch bis zum Nodus an der Costa, 4—5 Zel- 
len weiter distal am analen Rand, schwarz bis zum Ptero- 
stigma, blau die Flügelspitze. Auf der Öseite blau bis zur 
Mitte Nodus-Pterostigma, distal mit diffusem Abschluß, schwarz 
der Rest ohne blaue Spitze. Spitze der Vfl. braun gesäumt. 
Abdr33, Vil3177E111228 Br 3m 


5. E. basalis (ex Laidlaw). Ganze Hfl. dunkel, blaumetallisch 
die proximalen vier Siebentel, mit geradem Abschiuß quer 
über den Flügel, etwa 10 Zellen distal vom Nodus; c, sc, 
m, cu und q tiefschwarz ohne Metallglanz. — Abd. 35, Hil. 


27 mm. 


Euphaea tricolor. 


Selys, Addit. Synops. Calopt. p. 8 (1859) 5 Sarawak (irr- 
tümlich Saratoga) Borneo, leg. Wallace, coll. Selys. — Kirby, 
Cat. p. 109 (1890). 

Coll. Ris: 1 5 Sarawak, ded. Selys; 1 5 Nord-Borneo, 
ded. R. Martin. 


Euphaea subcostalis. 


Selys, 3. Addit. Synops, Calopt. p. 19 (1873) 5 Labuan 
Borneo, leg. Higgins, coll. Selys und Mac Lachlan. — Kirby, Cat. 


SR: : VORe 


p. 109 (1890) — Laidlaw, Proc. Zool. Soc. London 1915, p. 32 
(1915) Kina Balu. 

Coll. Ris: 1 Z Labuan Borneo, ded. Selys; 2 5 Kina Balu 
I. 1894, leg. Everett. 


Euphaea subnodalis. 


Laidlaw, Proc. Zool. Soc. London 1915, p. 31 (1915) Serie 
7,109, Kina Balu leg. Moulton, Typen in Brit. Mus. 

Coll, Ris: 1 Ö Kina Balu 30. IX. 1913, leg. Moulton, ded. 
Laidlaw. EUR 


Euphaea basalis. 


Laidlaw, Proc. Zool. Soc. London 1915, p. 32 (1915) 2 / 
Kina Balu, leg. Moulton, Type in Brit. Mus. 


Euphaea amphicyana nov. spec. (Fig. 4). 


Coll. Ris: 2 5 Surigao, Mindanao, 16. VIIL 1916, 30. X. 1915, 
leg. G. Böttcher. 

JS (ad., gut erhalten). Occiput und Unterlippe schwarz. 
Gesicht und Stirn ganz schwarz bis auf vier grünliche Fleck- 
chen, zwei auf der Oberlippe, zwei auf den Mandibelbasen, die 
in einer queren Reihe stehen; die Genae sind schwarz. 

Prothorax schwarz mit geringster Andeutung eines trüb- 
rötlichen hintern Saumes und ebensolchen winzigen queren 
Stricheln auf der Höhe der Höcker. 

Thorax schwarz, mit schmalen, trüben und etwas ver- 
loschenen rostfarbenen Linien; feinstes Strichel in der Mitte der 
Höhe nahe der Mediannaht, vollständige Linie vorne sehr nahe 
an der Schulternaht, ebensolche über die Mitte des Mesepimeron, 
etwas lichtere ventralwärts etwas keilförmig erweiterte vorne 
an der vordern Seitennaht, sehr diffuse nahe der hintern Seiten- 
naht, vordere und hintere dorsal sich fast berührende nahe den 
Grenzen des Metepimeron. Useite trüb dunkelbraun, teilweise 
weißlich bereift. Beine schwarz. 

Abdomen ganz schwarz mit geringer Andeutung rötlicher 
Zeichnung auf den Seiten von Segm. 1 und 2; Useite von 1 dicht 
weißlich bereift. Keine Erweiterung des hinteren Endes an der 
ventralen Kante von Tergit 2; daselbst nur ein sehr kleines 
Zähnchen. Vesicula fast halbkugelig, ohne seitliche Höcker oder 
Fortsätze, auf der vordern Hälfte eine rundliche Grube ein- 
gedrückt. 


= Hoi 


Vfl. hyalin, sehr schwach gelblichgrau, etwas reicher gelb 
an der Basis, namentlich im Costalfeld, distal vom Nodus sehr 
diffus auslaufend. Spitzen tiefbraun gesäumt bis zum distalen 
Ende des Pterostigma, diffus begrenzt. Hfl. siehe Tab. 

Maße siehe Tab. 

Diese prachtvoll gefärbte Art steht zweifellos der basalis 
sehr nahe, doch sind die Unterschiede mindestens so groß wie 
zwischen subcostalis und subnodalis und innerhalb dieser Gruppe 
nahe verwandter Arten wohl genügend zur Definition. 


Paraphaea. 


Martin, Bull. Mus. Hist. Nat. 1902, p. 507 (1902) nov. gen. 
für Paraphaea barbata, nach 1 5 von Manila in Mus. Paris. — 
Munz, Mem. Amer. Ent. Soc. 3, p. 45 (1919) Note: das Genus ist 
nach der Beschreibung in die Gattungstabelle nicht mit Sicher- 
heit einzureihen. 

Die Stellung und Definition der Gattung geht aus unserer 
Tabelle und Fig. 6 hervor. — Die Verwandtschaft mit Dysphaea 
ist so nahe, daß ich wohl gezögert hätte, eine neue Gattung auf- 
zustellen, hätte dies R. Martin nicht schon getan. Immerhin ist 
der Habitus der vorliegenden Art durch ihre Größe, die schmalen 
Flügel, das Borstenbüschel an der ventralen Seite von Segm. 9, 
die Farbenzusammenstellung aus rot und schwarz ein recht 
eigenartiger. — Die minimale Knickung des Cubitalraumes und 
das zu Beginn einreihige Analfeld unterscheiden Paraphaea auch 
deutlich von der viel später entdeckten Dysphaea ethela Fraser 
(Fig. 5), deren 5 ebenfalls nicht geschwärzte Flügel hat und ein 
schmaleres Analfeld als die Dysphaea der typischen Gruppe. 


Paraphaea ruficollis nov. spec. (Fig. 6) 


Coll. Ris: 1 5 Inuyan’), Luzon, 26. V. 1916, leg. G. Böttcher. 

Das Exemplar stimmt recht nahe mit der Beschreibung der 
P. barbata überein. Doch heißt es in dieser: „Dessus de la 
levre superieure blanc bleuätre, tout le reste de la face noir 
ainsi que le dessus de la t&te. Prothorax noir marqu& au centre 
de dessins rougeätres”, woraus sich Farbenunterschiede ergeben. 
Besonders aber läßt sich mit dem vorliegenden Exemplar in 
keiner Weise der folgende Passus der Beschreibung reimen, der 
auch in die Gattungsdiagnose übergegangen ist (und aus dieser 

*) Wahrscheinlich ist Imugan, 4000' in Nord-Luzon gemeint. s. Taueber 


Beiträge zur Kenntnis der Heteropteren-Fauna der Philippinen I, Konowia VI 
(1927) p. 170, Kyle 


N 


zu streichen sein wird): „le dixieme segment portant un enorme 
_mamelon noir, &leve, comme fendu en deux et formant par suite 
une echancrure droite, Elevee“. Da bei unserm Exemplar am 
10. Segm. nur die für die Gattungsgruppe gewöhnliche dach- 
förmige Erhebung der Mitte des hinteren Randes vorhanden ist, 
in keineswegs übertriebenem Maße, so scheint der Widerspruch 
nur durch Annahme einer besonderen Art lösbar zu sein. Es 
sei daran erinnert, daß bei der Gattung Euphaea auch sonst 
auf verhältnismäßig engem Raume Gruppen nahe verwandter 
Arten vorkommen, wofür außer den im vorhergehenden Text 
behandelten auch die Gruppe E. dispar-Fraseri-cardinalis ein 
schönes Beispiel ist. 

& (ad., gut erhalten). Occiput schwarz. Unterlippe schwarz, 
nur die Seitenränder der Seitenlappen gelblich. Oberlippe, 
Mandibelbasis und Genae trüb blaß grünlich-blau. Kopf vorne 
und oben tiefschwarz, lateral von jedem hintern Ocellus ein 
schräges schmales trüb rötlichbraunes Streifchen. 

Prothorax rot (im Farbenbilde der Art recht auffallend), 
ein schmaler Saum am vordern Rande und der Lobus posterior 
schwarz, dieser in etwa 45 Grad aufgerichtet, im Kreisbogen 
begrenzt. 

Thoraxdorsum sehr düster rot, alle Nähte breit schwarz 
gesäumt; in der Mitte der Fläche jedes Mesepisternum ein 
schwarzer, dorsalwärts etwas breiterer Keilstreifen (das ganze 
sehr düster und die Zeichnung nur bei gutem Lichte richtig zu 
sehen); im Flügelsinus ein helles rotes Fleckchen. Seiten schwarz 
mit zwei großen roten Keilstreifen: der vordere ventral breit 
über Mesepimeron und Metepisternum, der hintere dorsal breit 
über Metepimeron bis zum dorsalen Rande. Ventralseite schwarz 
mit schmal lichteren Nähten, weißlich bereift. Beine schwarz. 

Abdomen zylindrisch, basale und terminale Segmente sehr 
schwach erweitert. Gleichmäßig karminrot, Sternite, Ventral- 
seite von Segm. 9 u. 10 und Appendices schwärzlich. Segm. 9 
jederseits der ventrale Rand des Tergiten mit einem dichten 
Saum schwärzlicher Borsten; kürzere und spärlichere Borsten 
am Saum des 8, Tergiten. Segm. 10 in der Mitte des terminalen 
Randes dachförmig erhoben, der freie Rand fein gezähnt. 

Appendices superiores schlank, etwa so lang wie Segm. 9, 
zu einer ovalen Zange zusammengebogen, ziemlich lang behaart; 
inferiores dem Abdomenende angedrückt, in der Seitenansicht 
nicht sichtbar. 


Ventrale Kante des zweiten Tergiten ohne Fortsatz. Vesi- 
cula ein Kugelsegment mit einem kleinen Fortsatz an der Basis 
vorne, ohne seitliche Höcker oder Fortsätze. 

Flügel graulichgelb, die Spitzen bis zum Pterostigma diffus 
gebräunt. Pterostigma schwarz, in der Mitte etwas breiter. 


Abd. 52-3, Vfl. 43, Hfl. 42, Pt. 3,5 mm. 


Verzeichnis der Abbildungen. 
Fig. 1—6 photographisch vergrößerte Flügel: 
Fig. 1. Bayadera indica 5' Assam 
2. Cyclophaea cyanifrons 5 Palawan 
3. Euphaea cora 5’ Mindanao 
4. Euphaea amphicyana 5 Mindanao 
5. Dysphaea ethela 5 Coorg 
6. Paraphaea ruficollis 5 Luzon 
7. Cyclophaea cyanifrons, Basis des Abd, von rechts. 


Verzeichnis von Schriften, 
die im Text mit Ordnungsnummer zitiert sind. 
1. Selys Longchamps, Edm. de — Monographie des Libellu- 
lides d’Europe. — Paris et Bruxelles 1840. 


2. Rambur, M. P. — Histoire naturelle des Insectes. Nevrop- 
teres. — Paris 1842. 
3. Selys Longchamps, Edm. de — Causeries odonatologiques. 


No. 11. — Ann. Soc, ent. Belg. 42, p. 332—338, 1898. 

4. Williamson, E. B. — The dragonflies (Odonata) of Burma 
and Lower Siam. — I. Subfamily Calopteryginae. — Proc. 
U. S. Nat. Mus. 28, p. 165—187, 1904. 

5. Tillyard, R. J. — The Biology of Dragonflies (Odonata or 
Paraneuroptera). — Cambridge 1917. 

6. Munz, Philip A. — A venational study of the suborder 
Zygoptera (Odonata) with keys for the identification of 
genera. — Mem. Amer. Ent. Soc. 3, 1919. 

7. Kennedy, Clarence Hamilton — The phylogeny of the zygo- 
pterous dragonflies as based on the evidence of the penes. 
— Ohio Journ. Sc. 21, 1, p. 19—29, tab. 1—3, 1920, 


Notodontula ziczac L. lapponica Dhl. 1929 
— ab. tristis Masl. 1923. 


Von Frithiof Nordström, Stockholm (Schweden). 


Franz Dannehl, der fleißige Täufer von Lepidopteren, hat 
in dieser Zeitschrift XIX, p.104 (1929) mit dem Namen lapponica 
ein Synonym von ab. fristis Maslowski (Polsk. pismo entom. I], 
Sep. p. 10. Tab. III, £. 17, 1923) aufgestellt. Die beiden Maslowski 
schreiben 1.c. p.10: „Alae colore uniformi-obscuriore” und p.12: 
„Die Vfl. fast zeichnungslos braun, nur mit schwarzen Mond- 
zeichen.“ Dannehls Beschreibung lautet: „Kleine verdunkelte 
Tiere. Der sonst hellgraue Teil der Mittelbinde vor dem Vor- 
derrande dunkelveilgrau, das Außenfeld fast ganz zeichnungs- 
los in der düsteren graubraunen Grundfärbung. Hil. grau über- 
wölkt.“ Von den Dannehl’'schen Fundorten „Lulea und Tirra 
in Lappland“ ist Lulea eine Küstenstadt in der nordschwedi- 
schen Landschaft Norrbotten und liegt demnach nicht in Lapp- 
land, das übrigens nirgends die Küste erreicht. Tirra existiert 
überhaupt nicht, es ist wohl auf eine Mißdeutung der Fundort- 
etikette oder auf eine Fehlschreibung eines anderen Namens 
zurückzuführen. — Von Kvikkjokk in Lappland habe ich selbst 
eine N, ziczac ab. (an f. geogr.?) tristis Masl. ex larva gezogen. 


nga 


Berichtigung und Nachtrag 


zur 


„Monographie der paläarkt. Arten des Subgenus Dysstroma Hbn.‘ 


Auf S. 207 
8.8210 


im Jubiläumsheft vom 9, XIl. 1929, 


muß es heißen: Dysstroma Hbn. statt Dystroma in derÜberschrift. 
desgl., ebenso an anderen Stellen im Text. Ich danke Herrn 
Prout für die Richtigstellung. 


Bei D. iniuscata Tgstr. Seite 240 fehlt: f. olivescens (Warren) Prout 1908 — 


zwischen dem 2.u.3. Absatz. Diese Form wird von Prout (loc. 
cit. S.55) nach drei, von Warren so etikettierten Stücken im 
Britischen Museum beschrieben, die von Finnland und Lappland 
stammen. Die helle Grundfarbe ist bei ihnen einen Ton gelblicher 
als gewöhnlich und leicht grau bestäubt, wodurch ein olivfarbe- 
ner Ton entsteht. Auch die Hinterflügel sind verdüstert, leicht 
olivfarben. Ich erwähne hierzu das Bild Culots der var. Schnei- 
deri Sdbg. Taf. 23, Fig. 478, das auch aus Lappland stammt. — 
Inzwischen sah ich frische, 1928 gef. infuscata dorther, die alle 
hell blaugrau im Gesamteindruck waren, sodaß ich fast an- 
nehmen möchte, daß die Stücke im Britischen Museum schon 
älteren Datums sind, und dieser olivfarbene Ton durch Vergilbuns 
der Grundfarbe eine Alterserscheinung darstellt. 


Bei D. latelasciata Stdgr. ist S. 246 im Absatz über die Verbreitung hinter 


„gefangen“ einzuschalten: beiReval, Estland, leg. vonRosen, 


Bei D. pseudimannata Heydm. muß es am Schluß des 2. Absatz der S. 250 


Auf S. 266 


heißen; statt Sajan Gbg. vom „Transbaical mer. occ., Boro- 
chewa, Malchan montes, aus 800 m Höhe." 

Desgl. am Schluß der S. 350: „Transbaical-Gbg.“ statt Sajan, 
und auch entsprechend in der Tafelerklärung zu Taf. XIII, Fig. 58: 
Sg Transbaical. Die Ursache ist eine bedauerliche Fundorts- 
verwechslung bei einer der bezogenen Tütenfalter-Sendungen. 
In der Tafelerklärung ist das beim @ (Fig.57) richtig bezeichnet. 


muß es heißen: subsp. pythonissata Mill. statt pythonnissata. 
Desgl. auf S. 263 Zeile 20, S.270 Zeile 16, in Tafel-Erklärung 
zu Taf. X, Fig. 22 und Taf. XII, Fig. 32, 


In Tafelerklärung Taf. XII, muß es unter Nr. 39 heißen: Mus. Berlin statt 


Auf S. 270 


Hamburg. 


unter i. nigricans Prout muß es Zeile 10 heißen: vem Attersee 
statt Calalco und weiter unten Zeile 18: Die zweite Type „aus 
Calalco, Ober-Italien", statt vom Attersee, 


In Tafelerklärung Taf. X, Fig. 24 muß es „Attersee“ statt Calalco heißen 


Puh 


Nachträglich 


erhielt ich noch die Falter dieser Gruppe aus der Münchener 
Museums-Sammlung durch Herrn Dr. von Rosen zur Durchsicht, 
dem ich hierfür herzlichst danke. Unter diesen fanden sich einige 
interessante Stücke und weitere Fundorte der neuen ostasiati- 
tischen Formen. 


D. truncata subsp. sinensis Heydem., 11 Stücke von Kunkala- 
schan, Szetschwan. Die Rasse ist bis zu den Westbergen 
um Peking verbreitet (leg. Stötzner). Auch waren unter 
jenen vertreten, und seien als neu angeführt: 


f. perfuscata nom. coll., 1 5 mit schwarzgrauem Mittelfeld, 
und 

f. centumnotata nom. coll, 1 S mit auffallend weißem Mit- 
telfeld. 


D. citrata subsp. tibetana Heydem. fand sich in 1 JS von Hai- 
ning, Chin. occ. sept., Juni, 2500 m. 


D. dentifera Warren. Mit f. punctumnotata nom. coll. möchte ich 
1 @ vom Darjeeling bezeichnen, das ein breit weißes 
Mittelfeld aufweist. Da die Nominatform als „schmutzig 
gelb" beschrieben wird, (die Tönung kann auch hell gelb- 
bräunlich sein) — so scheint hier wie bei flavifusa Warr. 
auch die gelbe Form, die der citrata f. ferruginea Prout 
entspricht, zuerst beschrieben zu sein. Solche hellen 
Stücke, fast oder ganz ohne gelben Ton, dürften ebenso 
häufig vorkommen. 


D. Korbi Heydem. 1 5 vom Transbaikal. Neuer Fundort. 


Aus San Francisco, Californien, stammt eine kleine Serie 
einer Dysstroma, die Herr Prout in stets hilfsbereiter Weise als 
D. mancipata Guen., Spec. Gen. Lep. X, 468, bestimmte. Die 
Tiere zeigen Anklänge an fruncata, aber auch durch die regel- 
mäßige, breit bandförmige, dunkelgraue Einfassung des Mittel- 
felds mit einer Ortholitha. Die Hinterflügel sind besonders im 
Saumfeld schmutzig gelbockerfarben getönt, zur Wurzel grau. 
Mittelfeld in der Mitte grau, aber auch rein weiß oder schwarz- 
grau. Die spitzwinklig gebrochene Postmediane der Hil. ähnlich 
wie bei brunneata Pack. Herr Prout teilte mir mit, daß aus Nord- 
Amerika bisher 22 Dysstroma-Formen benannt seien, die aber 
hinsichtlich ihrer artlichen Zusammengehörigkeit noch nicht näher 


untersucht sind. D. mancipata Guen. hat besonders beim $ am 
Ende des Abdomens ein starkes, graues Haarbüschel, ähnlich 
dem der @ © von Hib. rupicapraria, ist aber nach dem Genital- 
präparat eines J'’Q eine echte Dysstroma. Das Tegumen ist 
äußerst lang gestreckt, wie bei sonst keiner der untersuchten 
Arten; ebenso die Borstenkissen des ÄAnellus. Der starke Penis 
hat, ähnlich corussaria Obth., 5—6 ziemlich lange und spitze 
Dornen. Beim 9 ist, abweichend von allen eurasischen Arten, 
die Bursa sehr primitiv, einfach beutelförmig gebaut, ohne An- 
deutung eines Signum oder sonstiger Gliederung. — Die ameri- 
kanischen Dysstroma stellen also anscheinend einen sehr alten, 
primitiven Zweig des Subgenus dar, der zugleich artenreicher 


sein dürfte, als ich zuerst annahm. De 


Bemerkung 


Dr. Wehrli: „Die paläarktischen Arten der Gattung Ellopia“. 


Ich kann die S. 317 des Jubiläumshefts 1929 bei E. fasciaria 
L. von Dr. Wehrli geäußerte Auffassung, daß die grüne var. 
prasinaria auch in reinen Föhrenbeständen vorkommt, 
nur bestätigen. Hier im eigentlichen Schleswig-Holstein ist bis- 
her überhaupt nur prasinaria gefangen worden, und zwar viel- 
fach in Stücken, die der intermediaria Gpbg. nahestehen. Wenn 
auch hier die Fichte der hauptsächliche Nadelbaum ist, so findet 
sich die Art auch in gemischten und Föhrenbeständen. In einem 
vor 40 Jahren künstlich auf der Nordsee-Insel Amrum ange- 
pflanzten Wäldchen von Pinus montana uncinata und einigen 
Pinus silvestris ohne jegliche Fichten kommt, weit und breit 
isoliert, ebenfalls nur var. prasinaria vor, deren Raupe ich auch 


auf diesen Kiefern fand und zur Entwicklung brachte. - Sonst 
fehlt diese in den Kiefernforsten des östlichen Norddeutschland 
ganz. 


Es ist also erwiesen, daß die grüne var. prasinaria 
auch auf Kiefern übergehen und in reinen Beständen 
derselben ebenfalls gute Lebensbedingungen finden 
kann. Die Flügelfarbe bleibt von der Futterpflanze 


unabhängig. Dr. F. Heydemann, Kiel. 


DR. F. RIS: Vier neue Calopterygiden (Odonata). Tafel IV. 


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3 € IT 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX (1930). 


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DR. F. RIS: Vier neue Calopterygiden (Odonata). Tafel V. 


Fig. 4. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX (1950). 


DR. F, RIS: Vier neue Calopterygiden (Odonata). 


Tafel VI. 


BERN TLLCHLT 7 


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Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX (1950). 


DR. F. RIS: Vier neue Calopterygiden (Odonata). Tafel VII. 


Fig. 7. 


Mitteilungen d. Münch. Ent. Ges. XX (1950). 


Ausgegeben: 1. Febr. 1931. 


Über Larentia-Aberrationen 


Von Ludwig Osthelder 


Im Jahrgang 1930 Nr. 7 der Zeitschrift des österreichischen 
Entomologen-Vereins (S. 93) beschreibt Herr Dr. Leopold Müller- 
Linz mehrere gleichartige Modifikationen von verschiedenen 
Arten der Gattung Larentia, deren übereinstimmendes Wesen 
nach Dr. Müller darin besteht, daß das Mittelfeld der Vorderflügel 
nicht in der gewöhnlichen Weise nach außen scharf abgeschlossen 
ist, sondern unscharf nach außen ausfließt. Er bemerkt dazu, daß 
diese Aberrationsrichtung anscheinend bisher in der Literatur 
nicht vermerkt sei, und hat für sie die einheitliche Bezeichnung 
effusa vorgeschlagen. 

Ich möchte dazu darauf hinweisen, daß ich schon im vorigen 
Jahre die gleiche Modifikationsrichtung in meinen „Schmetter- 
lingen Südbayerns“ in Anlehnung an Dr. Wehrli, der die gleiche 
Modifikation von Larentia hydrata Tr. zuerst unter diesem Namen 
beschrieben hat (Mitt. d. e.V. Basel 1919), mit dem Kollektivnamen 
indistincta bezeichnet habe (vgl. Nr. 822, 827, 829, 834 meiner 
Arbeit). Es ist erfreulich, daß uns Dr. Müller nun mit der glei- 
chen Modifikation bei einigen weiteren Arten bekannt macht; 
wenn man aber schon für einheitliche Modifikationsrichtungen 
Kollektivnamen wählen will, hat es keinen Sinn, für eine Modi- 
fikationsrichtung, die bereits mit einem solchen in der Literatur 
bezeichnet wurde, einen neuen zu schaffen. Dr. Müllers 
Lar. lugubrata-effusa ist auf jeden Fall -ein Synonym zu meiner 
lugubrata-indistincta. 


Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX. Jahrg. 1930. H.3 u. 4. _ 7 


Studien über die Subfiamilie der Agrotinae 
Von Dr. A. Corti, Dübendori 


xXXIV * 


Euxoa decora Schiti, und Euxoa haverkampli Stdis. 
(Mit einer Tafel.) 


Euxoa decora Schiff. und deren Formen 
(Wien. Verz. pag. 313, 1776) 


Die Verbreitung von decora Hb. ist nach Staudinger, Kata- 
log 1901 pag. 144 wie folgt: Austr. inf.; Alp. val. Austr. Germ. 
Helv., Gal. etlt.; ? Pyr. Seither ist der Falter noch an vielen 
anderen Orten gefunden worden. Berge-Rebel, pag. 165 nennt 
noch Bosnien; nach Spuler pag. 154 kommt die var. livida auch 
im nördlichen Kaukasus vor und (Nachtrag) südöstlich bis Bos- 
nien und zur Herzegowina. Nach Caradja, Iris IX. pag.16 eben- 
falls in der Herzegowina. Nach Hampson Kat. IV. pag. 241 auch 
in Armenien, Kasikoporan, ebenso nach Warren im Seitz II, 
pag. 29. Was die als Fundort von Staudinger mit einem Frage- 
zeichen versehenen Pyrenäen anbetrifft, so ist heute das Vor- 
kommen von decora dort sicher. Struve hat z.B. decora bei 
Vernet gefangen (Stett. Ent. Z. 1882 p. 427). Ich besitze selbst 
in meiner Sammlung Stücke aus den Pyrenäen (Hautes Pyrenees, 
Gavarnie, von Harved 1916 gefangen). Aber auch aus Spanien 
(Sierra Nevada 1800 m) wird decora gemeldet (Ribbe, Iris 1909, 
pag.237). Außerdem besitze ich noch Stücke aus Lappland (Ribbe) 
und aus der Hohen Tatra. Eversmann meldet decora auch aus 
der Umgebung von Indersk im südlichen Ural (Bull. Soc. Imp. 
Moscou 1856, pag. 219). Die Höhenverbreitung geht von 379 m 
über Meer (Genf, Gramann leg. in Anzahl sec. Vorbrodt, pag. 268) 
bis auf 2600 m (Glacier du Trient, Vorbrodt, LE Z. 1922, pag. 177). 
Einmal auch bei Zürich (408 m) gefangen von Naegeli, vergl. 


* In Mitt. d. Münchn. Ent. Ges. 1930 (H. 1) ist die Zahl XXIl zu meiner 
Arbeit über multangula etc. in XXIII abzuändern, 


—Ydg = 


Vorbrodt l.c. Der nördlichste Verbreitungspunkt, der mir außer 
Lappland bekannt geworden ist, ist Brünn (Doleschall, Ent. Z. 
Stuttgart 1909 pag. 81.) Der nördlichste Punkt in Deutschland, 
den ich kenne, ist der Taunus (Boldt, E. Z. Frankfurt 1925, pag. 36). 
Die Flugzeit von decora bewegt sich zwischen Juni— Oktober 
sec. Vorbrodt I.c. Einige genauere Daten seien wie folgt an- 
geführt: Niederösterreich, Juli— August, Galvagni u. Preissecker, 
1.W.E.V. 1911 pag. 11. Steirisches Ennstal: 20. Juli, Kiefer, 
l.E. Z. Guben 1913 pag. 180; Steiermark: Hoffmann u. Klos, 
M.N. V. Steiermark 1914 pag. 362, 20. Juli etc. Berge-Rebel: 
Juli-August, Spuler do. Digne: Juli, Heinrich, D.E.Z. 1923 p. 102. 
Im Etschtal von Astfäller am 28. Juni 1921 zwei J'o’ gefangen 
(Kitschelt, Großschm. v. Südtirol, 1925, pag. 121). Von decora 
sind mehrere Variationen und Aberrationen beschrieben. 


1. Decora var. livida Stdgr. Diese Abart ist von Staudinger 
in seinem Katalog 1901 pag. 144 aufgestellt mit der Diagnose : 
multo obscurior, al. ant. obscure plumbeo-griseis, al. post. 
nigrescenti-griseis. Habitat: Sum. Alp. Helv. Cauc.S. Es wäre 
also die dunkle bleigraue Form von decora. Da diese Form 
aber überall vorkommt, wo decora fliegt und alle möglichen 
Uebergänge ebenfalls an allen Fundorten von decora zu finden 
sind, ist livida keine Variation, sondern eine Äberration, die 
keinen Namen verdient. Ich bin von befreundeter Seite darauf 
aufmerksam gemacht worden, daß livida schmälere Vorderflügel 
zu haben scheine und daß event. unter decora-livida sich zwei 
Arten verstecken könnten. Ich glaube das nicht, dagegen spricht 
die Tatsache, daß in dem 5 Genitalapparat wie in der übrigen 
Struktur kein irgendwie wesentlicher Unterschied zu finden ist, 
ferner die Tatsache, daß bei decora wie bei vielen Agrotinen 
die Flügel in der Form und Breite großen Unterschieden unter- 
worfen sind. Im allgemeinen besitzt decora recht breite Vorder- 
flügel, insbesonders fällt mir dies auf bei einer größeren Serie 
von decora aus der Wiener Gegend. Aber auch unter diesen 
finden sich Falter mit bedeutend schmäleren Vorderflügeln. 
Andererseits besitze ich livida aus verschiedenen Gegenden 
mit breiten und mit schmalen Flügeln, dasselbe wiederholt sich 
auch bei albidecora S.R. aus Italien und Südfrankreich. Daß 
decora auch mit schmalen Vorderflügeln vorkommt, ist übrigens 
auch schon in der Literatur erwähnt, z. B. führt Hoffmann, 
M.N.V. für Steiermark 1914 pag. 362 zwei Krieglacher Stücke 


7* 


— 100 — 


auf, die sich „bedeutend von Wiener Exemplaren unterscheiden. 
Sie sind sehr schmalflügelig, fast zeichnungslos und lichtgrau*. 
Aus der Literatur sei ferner eine Bemerkung von Kautz, V. Zool. 
Bot. Ges. Wien 1923, pag. 156/57 angeführt: „Wagner glaubt 
(M. E. G. 1922, Nr. 7-12) festgestellt zu haben, daß an den Ab- 
hängen des Kleinen Göll und auf der oberen Torrentjochalpe 
ausschließlich die Stammform von decora fliegt und daß sie 
höchstens ganz schwache Uebergänge zur var. livida Stdgr. bilde. 
Entgegen dieser Beobachtung stellt Hofrat Dr. Rebel fest, daß 
auch solche darunter seien, die typischen Stücken von var. livi- 
da Stdgr. vollkommen gleichen.“ Auch habe er (Kautz) einige 
Falter mit auffallend gelb gefärbten Makeln erbeutet. 

Was die Farbe der Makeln von livida anbetrifft und deren 
Umrandung, sagt Staudinger in seiner Diagnose nichts davon. 
Neuere Autoren haben die Diagnose mit Unrecht ergänzt. So 
sagt Stauder, Z.w.J. 1925 pag. 204 von decora: „Mojstrana zahl- 
reich am Licht, Stücke mit hellgelben Makeln und scharfer dunk- 
ler Wellenlinie, ab. livida (Hafn. F.Kr.).“ Vorbrodt Iris 1928 p. 51 
bezeichnet c. „f. livida Stdgr. Hinterflügel dunkelgrau, Makeln 
groß, weiß." Spuler gibt die Diagnose Staudingers richtig wie- 
der, auch Berge-Rebel, der die Form auch richtig als Aberration 
bezeichnet. Die erwähnten Ergänzungen zu Staudinger’s Di- 
agnose halten den Tatsachen nicht stand. Die bald gelblich, 
bald weißlich, bald dunkel ausgefüllten und bald scharf, bald 
kaum deutlich umrandeten Makeln finden sich abwechselnd 
immer wieder bei den decora-Formen, sie sind für eine Cha- 
rakterisierung der Art oder deren ÄAbarten von gar keiner Be- 
deutung. 


2. Decora ab. nivalis And. (Anderegg?). In der Literatur 
finde ich hie und da diese Angabe. Wo Anderegg diese Form 
beschrieben haben soll, konnte ich aber trotz mehrfacher Be- 
mühungen nicht herausbringen. Ich finde in Rougemont, Faune 
du Valais 1899 pag.141 folgende Notiz: „Var. NivalisH.S. 15 et 16. 
Ailes superieures d’un cendr& blanchätre, avec les taches forte- 
ment marqu&es. Avec le Type, mais generalement dans la region 
alpine. Glacier du Trient, Zermatt, Simplon etc.“ In Hoffmann 
und Klos, M.N.V. für Steiermark, pag. 362 findet sich folgende 
Notiz: „Die ab. nivalis And. hat dunkelumzogene Makeln.“ Und 
bei Vorbrodt, Iris 1928 p.51 findet sich b) f£. nivalis And. Vorder- 
flügel hellgrau, etwas gelblich, Makeln deutlich umzogen, Zer- 


— 101 — 


matt etc.“ Bei diesen Angaben und den bereits erwähnten 
wechselnden und häufigen Verschiedenheiten in den Farben 
und der Umrandung von decora ist nivalis eine fast will- 
kürlich benannte, ganz belanglose und nicht benennenswerte 
Aberration. 


3, Decora var. decorata Neuburger. Dasselbe gilt von die- 
ser Form. Sie ist in der Soc. Ent. 1904 pag. 131 beschrieben 
und zwar nach einem 5’ aus Wien. Die Beschreibung paßt auf 
sehr viele decora-Formen und die Form ist m.E. nichts wie eine 
öfters vorkommende Aberration von decora, die keinen Namen 
verdient. Sie kommt überall vor, wo decora flieg. Vorbrodt 
Iris 1928 pag.51: „... nicht viel heller sein als die Nennform, 
Makeln ockergelblich, Wellenlinie fleckenartig aufgelöst. Zer- 
matt 2127.20”. (Nag.) 


4. Decora ab. flavorenalis Bub. Auch die Benennung die- 
ser von Bubalek, V. Zool. Bot. Ges. Wien 1924 pag.9 beschrie- 
benen Form hätte m. E. unterbleiben sollen. In den V. Zool. 
Bot. Ges. Wien 1923 pag. 9 berichtet Bubacek: A. decora Hb. 
ab. flavorenalis Bub. nova var.: „alle Flügel glatt glänzend, blei- 
grau, ohne grünliche Färbung, dadurch von der typischen Form 
verschieden, Mittelfeld der Vorderflügel etwas dunkler.“ Und 
in den V. Zool. Bot. Ges. Wien 1924, pag. 9 steht: „Gehört zur 
kleineren, schwärzlich bleigrauen Form livida Stdgr., von welcher 
sie sich durch die ockergelb ausgefüllte Nierenmakel unter- 
scheidet.” Ich habe schon ausgeführt, daß die Makeln bei 
decora in allen möglichen Uebergängen bald gelb, bald weißlich 


ausgefüllt sind. 


5. Decora ab. flavomaculata Schaw. So nennt Schawerda 
M.E.G. 1924 p.95 „die Exemplare mit deutlich gelben Makeln.“ 
Daß diese Benennung ebenfalls überflüssig war, erhellt m. E. 
zur Genüge aus den bei den vorher angeführten Aberrationen 
genannten Gründen. Hiezu sei noch ergänzungsweise bemerkt, 
daß auch Culot, Noctuelles I pag. 61, dem das überaus reiche 
decora - Material der Oberthür'schen Sammlung zur Verfügung 
stand, und unter fig. 10, Pl. 9 eine decora mit anormaler Ring- 
makel abgebildet hat, ausdrücklich bemerkt: „Tantöt ces taches 
sont d’un beau jaune, tantöt simplement ocrac&es et parfois 
entierement grises, c’est-ä-dire de la couleur du fond.“ 


= 102 


6. Decora var. albidecora Sohn-Rethel (= calcaria Dhl. i.1.). 
Hier haben wir es mit einer wirklich guten, sehr ausgeprägten 
Variation oder Lokalrasse zu tun. Die Variation steckte schon 
seit vielen Jahren unter dem Namen S. Rthl. i. 1. in den Samm- 
lungen, erfreulicherweise hat nun Sohn-Rethel Iris 1929 pag. 7 
auch dieser Variation ihren legitimen Namen gegeben. Es ist 
die weiße, meist silberweiße, oft goldgelb glänzende südl. Form, 
die Sohn-Rethel aus den Abruzzen im Gebiet der Majella be- 
schreibt und die dort sehr häufig ist. Sie kommt Mitte Juli 
bis Mitte September ans Licht und auf blühende Disteln. 
Häufig ist sie auch verdunkelt bis bleigrau, nie aber von der 
Farbe der Alpen. Auch bei den verdunkelten Exemplaren 
bleiben der Kopf und der Thorax silberweiß. Ich besitze eine 
große Serie dieser albidecora aus den Abruzzen, daneben aber 
auch eine ganze Anzahl aus dem nördlicheren Apennin, aus 
den Monti Sibillini und auch aus Digne und Larche. Es kommen 
dort, wie auch in Italien hie und da Uebergänge zu den nörd- 
lichen Formen vor, aber die Hauptmenge ist dermaßen charak- 
terisiert, daß an einer guten Varietät oder Lokalrasse kein Zwei- 
fel bestehen kann. Wir haben hier dieselben Verhältnisse wie 
mit grisescens latens Hb. und simplonia Hb. Auch diese Arten 
haben im Süden helle, fast weiße Variationen, bei grisescens ist 
es die Varietät albescens Sohn-Rethel, Iris 1929 pag. 7, bei latens 
die Varietät apennina S.R. I. c. und bei simplonia die Varietät 
calcigena S.R. loc. cit., alle aus den Abruzzen stammend. Die 
von Dannehl (E.Z. Frankfurt 1925 pag. 131) gemeldeten sehr hel- 
len Stücke „wie nivalis“ aus Terian, Südtirol, gehören vielleicht 
schon zu albidecora, seine calcaria i.|. ist synonym mit albidecora. 
Die Flugzeit von albidecora ist Mitte Juli bis Mitte September. 
Albidecora variiert in der Zeichnung und auch in der Flügelform 
ebenfalls sehr stark. Sohn-Rethel I.c. erwähnt zwei besondere 
Aberrationen, die eine mit gleichmäßig zugeschwärztem Außen- 
feld aller Flügel, ähnlich wie bei melanura Koll.; das zweite hat 
ein dunkles Außenfeld der Vorderflügel, bis auf eine schmale 
weiße Binde, die das Mittelfeld begrenzt etc. (cf. 1. c.). 


7. Der Vollständigkeit halber möchte ich darauf hinweisen, 
daß mir die Formen von decora aus der Wiener Gegend schon 
längst durch ihre helle Farbe, im Allgemeinen breiten Flügel 
und durch einen eigentümlichen Habitus im Unterschied zu z.B. 
schweizerischen Tieren aufgefallen sind. Sie ähneln sehr Stücken 


— 103 — 


aus den Basses-Alpes und aus Italien. Ein Vergleich größerer 
Serien wäre interessant. 

Decora gehört mit all ihren Variationen und Abarten zu 
den echten Euxoa sensu Hampson, zeigt also einen starken, 
ziemlich variierenden, kraterförmigen Vorsprung auf der Stirne, 
kräftig bedornte Vordertibien und im 5’ Genitalapparat den typi- 
schen zweigabeligen Clasper. Hampson hat decora als Typ für 
die Gattung Euxoa gewählt. 

Ueber die Biologie von decora ist eine ziemliche Literatur 
vorhanden. Da ich aber über die Eier nichts finden konnte, 
möchte ich aus meinen Tagebüchern hierüber kurz folgendes 
mitteilen. Ich habe zweimal von decora Eier erhalten, erstmals 
von Astfäller-Meran. Sie waren höchst unregelmäßig, in wüstem 
Durcheinander abgelegt, ähnlich wie z.B. bei tritici L., von Farbe 
braungrau oder erdgrau, unregelmäßig rund, z.T. wie zerdrückt 
und eingekerbt, ganz ohneRippung, teils an Schnüren, teils einzeln, 
teils an Klumpen und mit Haaren und Schuppen wie mit Sand oder 
Kieselsteinchen beklebt. Ein zweites Mal erhielt ich Eier von Wien, 
die Räupchen waren gerade am Auskommen, in diesem Stadium 
waren sie kugelig, groß, perlmutterglänzend mit goldig-silbrig 
schimmerndem Anflug. Den erstgenannten am 1. September 1927 
erhaltenen Eiern entschlüpften die Räupchen am 15. Januar 1928 
im warmen Zimmer, nachdem die Eier bis dahin auf der kalten 
Veranda gestanden hatten. Es lagen jedoch neben deu Eiern 
auch einige tote Räupchen, die also schon früher ausgekommen 
waren. Nach einer brieflichen Mitteilung von Oberst Vorbrodt- 
Lyss geschieht die Eiablage in der Schweiz zwischen dem 
12. Juli bis 13. September. Das frischgeschlüpfte Räupchen 
rollt sich bei Berührung sofort zusammen, zeigt daneben 
aber auch ganz schwache, niedrige Schreckstellung. Das 
Räupchen erscheint von hinten nach vorn stark verdickt. 
Borsten weiß, sehr kurz und spärlich, mit kaum angedeuteten 
Endknospen. Grundfarbe graurötlich braun, in den Leibes- 
ringen heller, grau. Der ganze Körper ist bräunlich marmoriert. 
Warzen klein, braun, nicht glänzend schwarz. Kopf und 
Nackenschild groß, robust, sehr rauh, Kopf glänzend schwarz- 
braun, kaum herzförmig geteilt, Nackenschild glänzend schwarz- 
braun, etwas heller wie der Kopf. Die Form des Nacken- 
schildes ist unregelmäßig, etwas halbmondförmig, eher mit Ein- 
buchtung gegen den Kopf zu, auch etwas ins Trapezförmige 
gehend. Bauch grauweiß, Vorderfüße bräunlich gesprenkelt. 


—1047—— 


Warzen mit einem lichten Hof umgeben. Die Raupe spinnt keine 
Fäden. 

Bis zum 1. November nahmen die Räupchen kein Futter an, 
weder Löwenzahn, noch Gras, noch Spinat, noch Salbei, noch 
Rumex. Bis zum 9. November nahmen sie dann etwas Klee an, 
in der Folge auch Löwenzahn. In der Literatur werden als 
Futterpflanze genannt: Salvia pratensis (Berge-Rebel u. Spuler) 
Wurzeln von Gramineen und Kräutern (Wilde, Raupen pag. 239, 
vgl. auchWullschlegel, Faune du Valais pag. 141), Galium Molugo, 
Isatis tinctoria u. andere niedere Pflanzen (Rougemont, Cat. p.92). 
Auch an Epilobium (Ent. Verein Sphinx, LE.Z. Guben 1910 p.77), 
Wurzeln von Anthyllis vulneraria, Thymus serpyllum, Cruciferen- 
arten und anderen polsterartig wuchernden Alpenpflanzen (Boldt, 
E. Z. Frankfurt 1925 pag. 36). 

Nach der ersten Häutung sind die Endknospen an den 
Borsten immer noch, wenn auch nur schwach, angedeutet, der 
Nackenschild ist nunmehr deutlich halbmondförmig, oben zwei- 
mal eingebuchtet, lederig schwarzbraun, Kopf kleiner, herzför- 
mig, glänzend schwarz. Warzen klein, dunkel, schwer sichtbar. 
Körper bräunlich, mit Weiß gemischt, marmoriert, eine ziemlich 
helle, ziemlich breite Dorsallinie und je eine ebensolche Dorsal- 
seitenlinie vorhanden. Die Endknospen werden einige Tage 
später sehr deutlich, wenn auch klein. Die Raupe verhält sich 
träge, im übrigen wie am Anfang. Die erwachsene Raupe ist 
hinlänglich bekannt, beschrieben und abgebildet, sodaß sich ein 
Eingehen darauf erübrigt. Nach der Literatur (Wilde 1861 p.239) 
verpuppt sich die Raupe in einem geleimten Gespinst, ich selbst 
habe bei Zuchten in Torf kein Gespinst gefunden, in einem 
Falle lagen zwei Puppen lose auf der Torfoberfläche, was aller- 
dings kaum als normale Erscheinung angesehen werden darf. 
Die gedrungene, rotbraune Puppe besitzt zwei divergierende 
Kremasterspitzen. 

Zur Biologie der Raupe von decora haben Irmscher (E. Z. 
Frankfurt 1925, pag. 20) und Boldt (l. c. pag. 36) interessante 
Beiträge gebracht. Wie Boldt richtig bemerkt, besitzen diese 
Eigenschaft, das Futter nach Art der Regenwürmer in die Erde 
zu ziehen, noch sehr viele Agrotinen-Raupen. Diese Eigenschaft 
besitzen aber nur die Raupen der Gattungen Euxoa und Feltia 
(Agrotis), wie ich bis jetzt beobachten konnte, nicht schlechtweg 
alle Raupen, die sich tagsüber im Sand oder in der Erde ver- 
borgen halten. Die sog. oberirdisch lebenden Agrotinenraupen 


— 105 — 


z. B. pronuba, comes, fimbria, c-nigrum etc. verstecken sich tags- 
über ebenfalls mit Vorliebe im Sande oder in der Erde, ziehen 
aber zum Fressen auf's Futter, manchmal klettern sie zu dem 
Zwecke recht hoch an der Futterpflanze hinauf, z. B. pronuba, 
fimbria, c-nigrum, ditrapezium etc. Wohl aber stimmt die An- 
gabe für die von Boldt genannten Arten fritici, vestigialis, cur- 
soria, ripae, exclamationis, segetum, decora, welche sämtlich zu 
den Gattungen Euxoa und Feltia (recte Agrotis) gehören. Bei 
praecox und saucia sind die Verhältnisse wieder etwas anders, 
es sind auch keine Euxoa oder Feltia. Das biologische Ver- 
halten der Raupen der verschiedenen Gattungen der Agrotinen 
ist äußerst interessant und m. E. äußerst kompliziert zu beur- 
teilen. Ich habe auf diese Verhältnisse schon öfters hingewie- 
sen, vgl. z.B. Mitt. Schweiz. Ent. Ges. 1921, 1924, 1925, Z. f. Wiss. 
Insektenbiologie 1927, Mitt. Münchn. E. G. 1929 etc. In seiner aus- 
gezeichneten Arbeit über die Revision der nordamerikanischen 
Gattungen der Agrotinen hat J.H. McDunnough (Bulletin Nr. 55, 
National Museum of Canada) bereits die Gattung Euxoa als eine 
höchstentwickelte angesehen und auch ich bin, wenigstens was 
die Gattungen Euxoa und Feltia (Agrotis) anbetrifit, zu dem 
Schluß gekommen, daß die Gattung Feltia die primitivere, stam- 
mesgeschichtlich ältere Gattung ist. Decora ist eine echte Euxoa 
und als solche zeigt die Raupe zwar im Allgemeinen das Ver- 
halten der typischen Erdraupen, zu denen auch die Raupen 
der Gattung Feltia gehören, aber in wichtigen Punkten, z. B. 
durch das Einnehmen einer Schreckstellung, unterscheiden sich 
diese Erdraupen. Die eigentümlichen Verhältnisse sollen Gegen- 
stand einer besonderen Studie bilden. 


Euxoa haverkampli Stdis. 


Agrotis(Euxoa) haverkampfi ist bekanntlich zuerst von Stand- 
fuß, Berl. Ent. Z.1893 pag.359 benannt und beschrieben worden. 
Die ausschließlich auf Korsika vorkommende Art galt erst als 
große Seltenheit, Standfuß hatte nur 2 2 @ vor Augen, bis sie 
später in großen Mengen, namentlich von Wiener Entomologen, 
gefangen worden ist. Ich selbst besaß bis vor kurzem nur 
etwa 11 Stück in meiner Sammlung und habe nach dieser spär- 
lichen Anzahl und Untersuchung derselben wiederholt in brief- 
lichem Verkehr mit anderen Entomologen die Vermutung aus- 
gesprochen, daß haverkampfi keine eigentliche Art sei, sondern 


— 106 — 


lediglich die korsische Rasse oder Variation von decora Schiff. 
In meiner Meinung wurde ich namentlich auch durch die Unter- 
suchung der 5 Genitalapparate bestärkt. Ich hatte nun einigen 
Wiener Herren versprochen, bei Einsicht von mehr Material 
die Frage näher zu prüfen und da ich nun von Herrn Med.-Rat 
Dr. Schawerda (Z. österr. E.V.1930 pag. 13-14 zu einer öffentlichen 
Diskussion geradezu aufgefordert worden bin, will ich gerne 
meinen Befund veröffentlichen. Ich bin dazu durch die liebens- 
würdige Ueberlassung von reichlichem Material durch die Wie- 
ner Herren H. Reisser, Prof. Dr.Kitt und Dr. Schawerda in die 
Lage versetzt worden, welchen Herren ich hier für das freund- 
liche Entgegenkommen meinen verbindlichsten Dank aussprechen 
möchte. Untersucht wurden etwas über 70 Exemplare von 
haverkampfi, die mit mehreren hundert Exemplaren von decora 
und deren Abarten aus meiner Sammlung verglichen wurden. 
Haverkampfi ist, wie bereits oben bemerkt, nach 29 ® von Stand- 
fuß beschrieben worden. Die spätere Literatur ist entsprechend 
der früheren Seltenheit des Tieres, nicht groß. Wo haverkampfi 
citiert ist, sind es immer die Standfuß’schen Angaben. Erst seit 
der besseren Erforschung Korsikas durch eine Reihe von Wie- 
ner Entomologen finden wir eine neuere Literatur und zwar 
ausschließlich von Schawerda (Münchn. Ent. Ges. 1922, Nr.7-12, 
ebenso 1925, Nr. 6-12; Verh. Zool. bot. Ges. Wien 1926 pag. 12; 
Verh. Zool. bot. Ges. 1921 mit Abbildung; Iris 1927 mit Abbil- 
dungen; Z.österr. Ent. V. 1928 pag.113, ebenso 1930 pag. 13-14). 
Die Abbildungen Schawerda’s von haverkampfi und deren 
Abarten finden sich Verh. Zool. bot. Ges. Wien 1921, Fig. 8; 
Münchn. Ent. Ges. 1922, Nr. 7-12 und Iris 1927. Taf. III, Fig. 3-6. 
Variationen von haverkampfi sind keine bekannt, dagegen hat 
Schawerda eine große Reihe von Aberrationen benannt: leuco- 
phila, melanophila, carola, xanthophila, sagittaria, lauter Benen- 
nungen, die m.E. besser unterblieben wären. 


Ich citiere das nach meiner Ansicht wesentlichste aus der 
Charakterisierung, die Schawerda für diese Aberrationen gibt. 


Die ab. xanthophila (Schawerda, Z. österr. Ent. V. 1928, 
pag. 113) ist dadurch gekennzeichnet, daß das helle Grau auf- 
fallend gelb ist und diese Exemplare dadurch von den grauen 
oder schwärzlichen Formen abstechen. Wenn man eine größere 
Serie haverkampfi vor sich hat, kann man in der Tat solche 
gelbere Exemplare abtrennen. Das ist aber reines Belieben, 


Hl —— 


eine Grenze nach mehr gelb oder mehr grau ist gar nicht zu 
ziehen. Aehnliches gilt von der 


ab. leucophila (Mitt. Münchn. Ent. Ges. 1925 pag. 114), das 
die ganz licht weißlich grauen Exemplare betrifft. 


Die ab. melanophila (].c.) betrifft die schwärzlichen Exem- 
plare. Durch die Freundlichkeit des Herrn Reisser-Wien habe ich 
einige Cotypen vor mir. Die Namensgebung ist mir unverständlich. 


Die ab. carola (l. c. pag. 115) soll die schönste, gleichmäßig 
verdunkelte Form sein. Ebenfalls durch Herrn Reisser liegen 
mir drei Cotypen vor. Sie sind in der Tat etwas dunkler als 
andere haverkampfi, aber auch unter sich verschieden und 
ähneln schwach dunklen /ivida wie bei decora. Irgendeine Grenze 
kann ich nicht ziehen. 


Von ab. sagittaria (l. c. pag. 115) liegt mir ebenfalls eine 
Cotype vor. Bei dieser sollen die Adern im andern Drittel 
außergewöhnlich stark angelegt sein. Ein kontrastreiches Tier, 
in der Tat, aber nur willkürlich von anderen haverhampfi zu 
trennen. Ich habe mich bemüht, von den ca. 70 mir vorliegen- 
den haverkampfi die Abarten zu sortieren, es ist mir nur ge- 
lungen, von den hellen angefangen bis zu den dunkeln, einen 
schönen Uebergang von einer Form in die andere zu finden. 


Die Flugzeit und Höhenverbreitung von haverkampfi: 
Standfuß gibt keine Flugzeit an. Nach Schawerda fliest der 
Falter im Juni, Juli und ist anfangs August erledigt. Ich selbst 
besitze aber ein gut erhaltenes 5, daß Faller - Breisgau am 
12. August gefangen hat. Die Höhenverbreitung geht nach 
Schawerda von 1200—1800 m. 

Die ersten Stände von haverkampfi: Ueber die Eier 
und das junge Räupchen ist leider nichts bekannt geworden. 
Schawerda bemerkt (Zool. Bot. Ges. Wien 1926 pag.12), daß die 
Q © nur sehr schwer zur Eiablage zu bringen sind. Prof. Dr. Rebel 
hat I. c. eine Beschreibung der Raupe nach drei von Herrn 
Reisser vorgelegten Exemplaren im vorletzten und im erwach- 
senen Stadium gegeben. 

Als Hauptunterschied von der Raupe von decora wird bei 
haverkampfi der deutlich geteilte, mehr grünlich gefärbte Nacken- 
schild und die viel deutlicher hervortretenden Punktwarzen ge- 
nannt. Sonst und auch biologisch scheinen die Raupen kaum 
verschieden zu sein. Die Raupe lebt im Sand vergraben wie 


— 108 — 


diejenige von decora, Futterpflanzen wie diese Taraxacum, La- 
mium und niedere Pflanzen. Verpuppung in einem sehr leicht 
zerbrechlichen eirunden Sandgehäuse. Cf. Bemerkung unter 
decora (Wilde, Raupen). Puppe mit zwei Kremasterspitzen wie 
bei decora (Reisser). 

Da die vorliegende Studie zum Hauptzweck hat, zur Klä- 
rung der Frage beizutragen, ob haverkampfi, wie ich anfänglich 
vermutete, nur die korsische Rasse von decora sei, oder, wie ins- 
besonders von Schawerda-Wien angenommen wird, als „gute Art“ 
aufzufassen sei, wollen wir nachstehend einmal die evtl. Unter- 
schiede der beiden Formen und deren bisherige systematische 
Steilung prüfen. 

Standfuß 1.c. sagt: „Diese Art (haverkampfi) ist noch am 
ersten mit Agrotis decora Hb. zu vergleichen und sicher wohl 
mit dieser am nächsten verwandt”. Eine nähere Begründung 
gibt Standfuß nicht. 

Staudinger stellt (Kat. 1901 pag. 144) haverkampfi ebenfalls 
neben decora. 

Spuler (pag. 115) citiert haverkampfi ganz kurz nach Stand- 
fuß und stellt die Art ebenfalls neben decora. 

Hampson (Kat. IV. pag. 664) führt haverkampfi unter den 
„unrecognized species“ auf mit der Bemerkung: „?_Lycophotia 
near renigera”". Um es vorweg zu nehmen, ist die Vermutung 
vollkommen irrtümlich. Aeußerlich hat haverkampfi eine gewisse 
Aehnlichkeit mit gewissen renigera-Formen, insbesonders mit der 
gewöhnlich zu renigeraHb. gestellten (irrtüml., Corti) hadjina Stdgr. 
Aber haverkampfi besitzt nicht die für die Gattung Lycophotia 
sensu Hampson notwendige Schuppenbekleidung des Thorax, 
die Stirn von haverkampfi trägt die für Euxoa charakteristische 
kraterförmige Protuberanz, während renigera eine glatte Stirn hat, 
die Vordertibien von haverkampfi sind stark bedornt, diejenigen 
von renigera viel schwächer und endlich sind die 5 Genital- 
apparate von haverkampfi und renigera äußerst verschieden. 

Warren im Seitz (Ill. pag. 29) ist der erste, der richtiger- 
weise haverkampfi unter die Gattung Euxoa stellt, offenbar nur 
wegen der stark bedornten Vordertibien und wegen des Stirn- 
vorsprunges, denn Warren nimmt auf die Genitalapparate keine 
Rücksicht und vermengt bekanntlich infolgedessen die scharf 
von einander zu trennenden Gattungen Euxoa und Feltia (Agrotis), 
indem er beide Gattungen zusammen in die einzige Gattung 
Euxoa steckt. Meines Wissens bin ich der erste, der 1i. I. und 


109 


an Hand der heutigen Abbildungen auf Tafel I des 5 Genital- 
apparates von haverkampfi den sicheren Nachweis für die Zu- 
gehörigkeit in die Gattung Euxoa sensu Hampson erbracht hat. 

Schawerda, der sich neuerdings mehrfach mit haverkampfi 
beschäftigt hat, kommt auf Grund seiner Untersuchungen zu dem 
Schluß, daß haverkampfi eine gute Art sei. 

In seinem ersten Artikel (Mitt. Münchn. Ent. Ges. 1922 pag. 28) 
sagt Schawerda von der systematischen Stellung von haverkampfi : 
„Bei grisescens, simplonia und decora stehend.“ Die Stellung 
zu decora ist richtig, diejenige zu grisescens und simplonia da- 
dagegen ist irrtümlich. Haverkampfi ist, wie schon mehrmals 
betont, eine Euxoa. Simplonia ist eine echte Feltia (Agrotis) 
und hat weder mit decora noch mit haverkampfi eine nahe Ver- 
wandtschaft. Grisescens endlich ist weder eine Euxoa noch eine 
Feltia, sondern gehört mit latens in die Gattung Epipsilia sensu 
Hampson. 

Ich will nun versuchen, an Hand des mir vorliegenden 
Materials die Unterschiede zwischen beiden Arten herauszu- 
finden. 

Thorax. Bei haverkampfi struppiger, namentlich an der 
Basis gegen den Kopf zu viel mehr Schuppen und Schuppen- 
haare, statt Haare. Bei decora nur mit Haaren, höchstens mit 
feinen Schuppenhaaren bedeckt. 

Stirnvorsprung. Bei beiden Arten in starker Variation 
gleich, bald stark ausgeprägt, bald mehr nur aus einem höcke- 
rigen Auswuchs bestehend. 

Vorder-Tibien. Die Bedornung ist bei decora und haver- 
kampfi ungefähr gleich, bei der durch Reisser gefangenen dunk- 
len decora aus Korsika etwas weniger stark. Tarsen bei allen 
gleich. 

Flügelform. Haverkampfi hat im allgemeinen tatsächlich 
etwas schmälere und langgestrecktere Vorderflügel, doch kom- 
men Formen bei decora und namentlich bei der var. albidecora 
vor, die genau denselben Flügelschnitt wie bei haverkampfi zeigen. 

Zeichnung der Vorderflügel-Querlinien. Standfuß 
sagt in seiner Originalbeschreibung |. c.: „von dem sich die 
beiden den Flügel etwa am Ende des ersten und zweiten Drit- 
tels durchquerenden Zackenlinien scharf abheben.“ Es ist rich- 
tig, daß bei den meisten Stücken, die ich gesehen habe, die 
innere Querlinie sich scharf abhebt. Wenn Schawerda (Z. Wien. 
E. V. 1930 pag.13-14) schreibt, daß besonders die basalen Quer- 


— ll) — 


linien der Vorderflügel different sind von denjenigen von decora, 
so meint er offenbar ebenfalls die innere Querlinie. Denn die 
Basallinie ist bei vielen haverkampfi ebenso wie bei decora, 
fast erloschen, während die innere Querlinie bei vielen decora 
mindestens ebenso stark hervortretend ist, wie bei vielen haver- 
kampfi und genau gleich verläuft. Sie verläuft außerdem bei 
manchen decora, genau wie bei manchen haverkampfi, nicht nach 
innen gebogen, sondern manchmal auch nach außen gebogen. 

Was die äußere Querlinie anbetrifft, so ist sie lange nicht 
bei allen haverkampfi genau gleich deutlich. Im Allgemeinen 
verläuft sie bei dieser Art so, daß der obere Teil sich direkt 
an die äußere Buchtung der Nierenmakel anschließt, während 
sie bei decora in einem ziemlichen Abstand von der Nieren- 
makel, stark nach außen gebogen, verläuft. Ich besitze aber 
auch decora, bei denen die äußere Querlinie sich genau wie 
bei haverkampfi an die Nierenmakel anschließt. Und was die 
Deutlichkeit der Linien und deren Zacken anbetrifft, so ist bei 
vielen decora kein Unterschied gegenüber haverkampfi zu finden. 

Was die gelblichen Schuppenpartien anbetrifit, so finden 
sich dieselben auch bei decora, namentlich bei frischen Exem- 
plaren oft, sogar bei einigen alten Exemplaren meiner Samm- 
lung sind sie noch zu sehen. 

In Bezug auf die Fransen scheint in der Tat zwischen decora 
und haverkampfi ein gewisser Unterschied zu sein. Nach Stau- 
dinger sind die Fransen der Vorderflügel bei haverkampfi ge- 
scheckt, bei decora einfarbig. Der Unterschied ist m.E. klein, 
eher noch sind die Fransen der Hinterflügel bei decora im All- 
gemeinen weiß, bei haverkampfi dunkler, was namentlich bei den 
dunklen livida-Formen deutlich in Erscheinung tritt. 

Bei haverkampfi ist manchmal vor dem Außenrand der Vor- 
derflügel eine mehr oder weniger deutliche, zum Flügelaußen- 
rand parallele Reihe von weißlichen Flecken vorhanden, von 
der Standfuß 1. c. sagt, daß sie viel deutlicher als bei decora 
sei. Ich besitze aber decora mit dieser Reihe Flecken, die viel 
deutlicher ist als bei allen haverkampfi, die ich gesehen habe. 
Außerdem verlaufen sie absolut gleich. Bei haverkampfi sind 
manchmal auch Pfeililecken vorhanden oder angedeutet, ein 
Stück Schawerda’s (l. c.) zeigt vier Pfeile. Aber mindestens 
Andeutungen von Pfeilen kommen bei decora auch vor. Nicht 
verständlich ist mir die Angabe Schawerda’s (Mitt. M.E.G. 1925 
pag. 114), daß die schwärzlich-grauen Zackenlinien keine Spur 


— 11l — 


von Braun, wie Standfuß sagt, aufweisen sollen. Ich finde im 
Gegenteil bei vielen mir vorliegenden Stücken ein sehr schönes 
Rotbraun. 

Die Unterseite der Flügel von haverkampfi und decora 
zeigen im allgemeinen eine vollkommen gleiche Färbung und 
Zeichnung. Die Binden sind bald mehr oder weniger stark aus- 
geprägt, bald ist ein Discoidalfleck auf den Hinterflügeln sicht- 
bar, bald fehlt er. Bei aberrativen Stücken von decora ist die 
Vorderflügel-Unterseite sehr verschieden gefärbt, mir scheint nur, 
daß bei vielen haverkampfi ein weißlicher Apicalfleck auf der 
Vorderflügel-Unterseite ausgeprägt ist, den ich bei decora nicht 
finden kann. 

Was die Größe anbetrifft, ist haverkampfi eher etwas klei- 
ner als decora, doch gibt es auch unter diesen große und kleine 
Tiere. Das größte Exemplar von decora in meiner Sammlung 
mißt 42 mm, das kleinste 32 mm, von den mir vorliegenden 
haverkampfi mißt das größte 38 mm, das kleinste 32 mm. Ueber 
die stark variierende Flügelbreite habe ich mich schon oben 
ausgesprochen. 

Die Fühler. Der bemerkenswerteste Unterschied, den 
schon Schawerda aufgeführt hat, liegt bei decora und haver- 
kampfi in den Fühlern. Dieselben sind bei haverkampfi viel 
mehr, namentlich einseitig außen, kammförmig, mit längeren und 
breiteren Zapfen, während decora mehr sägezähnige Fühler hat 
und die Zapfen viel kürzer und weniger breit sind. 

Betrachten wir nun noch kurz die auf Taf. VII abgebildeten 
JO Genitalapparate von decora, livida, albidecora u. haverkampfi. 
Ich weiß, daß es immer noch Entomologen gibt, die dergleichen 
Untersuchungen keinen besonderen Wert beilegen, obwohl mir 
dies ganz unverständlich ist. Die 5 Genitalapparate, wenig- 
stens bei den Agrotinen, sind in ihren Hauptmerkmalen, nicht 
in nebensächlichen Kleinigkeiten, dermaßen konstant und cha- 
rakteristisch, sodaß sie bis zur Stunde oft die einzige Möglich- 
keit bieten, Arten voneinander zu trennen. So ist z. B. der 
zweigabelige Clasper ein ganz untrügliches Merkmal für die 
Gattung Euxoa, keine einzige andere Gattung der Subfamilie 
der Agrotinen zeigt dieses Merkmal. Die Gattung Feltia (Agrotis) 
zeigt z.B. im Clasper immer eine Zinke statt zwei. Es ist nun 
äußerst interessant zu beobachten, daß es Euxoa sensu Hampson 
gibt, die eine merkwürdig verschiedene Länge der beiden Zinken 
zeigen. Wir finden das bei verschiedenen islandica Stdgr.-Formen, 


— 1a — 


dann z. B. bei clauda Pglr., complicata Corti, distracta Corti, 
deficiens Wg$nr., expugnata Corti, fissa Stdgr., foeda Led., lidia Cr., 
opportuna Corti, subvaria Corti, varia Alph., variegataW£nr. und 
wahrscheinlich noch bei anderen sog. Euxoa. Bei diesen Arten 
ist der eine Zinken manchmal um die Hälfte kürzer als der 
andere. Ich bin der Meinung, daß man diese Tiere in ein be- 
sonderes Genus oder Subgenus zwischen Euxoa u. Feltia (Agrotis) 
gewissermaßen als Bindeglied zwischen der Euxoa und Feltia, 
einreihen sollte, etwa in ein neues Subgenus Mesoeuxoa. Auf 
diese Verhältnisse habe ich schon in einem Vortrag in der Jahres- 
versammlung der Schweiz. Entom. Gesellschaft vom Jahre 1925 
aufmerksam gemacht. Hiezu sei auch noch folgendes bemerkt. 
Filipjev (Annuaire du M. Zool. de l’Acad. des Sc. de le’URSS 1927 
pag.242) hat den J’ Genitalapparat von Euxoa predotae Schaw. 
untersucht und abgebildet. Er schreibt u.a.: „Die Art gehört 
zu den wenigen Arten der Gruppe mit assymmetrischer unterer 
Spitze der Harpe, die von der linken Seite das Valvenende über- 
ragt, während von der rechten es nicht erreicht; obwohl nur 
1 © untersucht wurde, unterstreiche ich dieses Merkmal, da 
es bei den verwandten Arten konstant zu sein scheint.“ 
Filipjev hält die Art für nahe verwandt mit intolerabilis Pglr., 
gibt aber an, daß er die Genitalien dieser Art nicht kennt. 
Betrachtet man nun die Abbildungen Filipjev's (l. c. Taf. XIV 
Fig. 22 a und b), so zeigt sich bei Fig. b in der Tat ein erheb- 
lich kürzerer Zinken links als rechts. Die Fig. a soll die Seiten- 
ansicht sein, wobei dann aber die beiden Zinken doch ungefähr 
gleich lang sind. Mir sind diese Figuren und die daran ge- 
knüpften Bemerkungen Filipjev's nicht recht klar. Ich habe 
nämlich den 5 Genitalapparat von predotae ebenfalls untersucht 
und zwar an einem mir von Filipjev selbst zugesandten Exem- 
plare. Bei meinem Präparate sind die Harpen (Clasper) ventral, 
also in einer Ebene, präpariert und da zeigen die beiden Zinken 
genau die gleiche Länge. Ich muß also annehmen, daß dem 
sonst so verdienten Autor, dem ich für Ueberlassung manchen 
Materials sehr zu Dank verpflichtet bin, hier ein Irrtum bei der 
Beobachtung der Harpen von predotae in einer unrichtigen Lage 
unter dem Mikroskop unterlaufen ist. Ich habe übrigens auch 
die 5' Genitalapparate von zwei Exemplaren intolerabilis unter- 
sucht und kann nur sagen, daß zwar bei intolerabilis bei ven-. 
traler Lage der äußere Zinken des Claspers etwas kürzer ist 
als der innere, aber nicht in dem Maße, wie ich es bei den- 


CORTI, Studien über Agrotinae (XXIV) 


Fig. 1 


Eis22 


decora, v.livida, Hgr 
Bernina, Helv. 


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Fig. 4 


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Tafel VIIL 


decora, v.albidecora, S.R 


Aörwurzer. 
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Fig. 5 
G 
Ntaverkampfi.I&s- 
Korsika. 


haverkampft St4Ufs- 
Korsika. 
/ -i 
pP; 


—313— 


jenigen bisherigen Euxoa sensu Hampson finde, die ich als unter 
das neue Subgenus Mesoeuxoa fallend betrachten möchte. Bei 
diesen Arten ist der eine Zinken mindestens um die Hälfte bis 
?/, verkürzt gegenüber dem anderen. Auch habe ich beobachtet, 
daß die Länge der Zinken sowohl an und für sich, als auch im 
Vergleich zu einander, sehr oft bei ein und derselben Art et- 
was schwankend ist. McDunnough hält (wie schon weiter oben 
bemerkt) offenbar mit Recht die Gattung Euxoa als die höher 
entwickelte, also vielleicht phylogenetisch neuere Gattung. Be- 
trachten wir nun die Abbildungen an verschiedenen 5 Genital- 
apparaten auf Taf. VIII, so sehen wir zunächst die absolute Zu- 
gehörigkeit von allen abgebildeten Formen zu einander und die 
äußerst nahe Verwandtschaft. Zwischen decora und livida kann 
ich nach meinen bisherigen Erfahrungen in der Beurteilung von 
Genitalapparaten bei Agrotinen einen irgendwie bemerkens- 
werten Unterschied nicht finden. Wenn auch der rechte Zinken 
des Claspers (Fig. 2) von livida etwas kürzer ist als der linke, 
so beweist das nach meinen vorhergehenden Bemerkungen 
nicht viel. Auch die etwas andere Form der Valven etc. be- 
weist nichts, man wird sehen, daß diese Fig. 2 sich sehr gut 
mit der Fig. 6 von haverkampfi deckt. Albidecora (Fig. 3) als 
zweifellos gute Subspecies oder Variation zeigt nicht prinzipielle, 
aber doch erhebliche Abweichungen von decora (Fig. 1) sowohl 
in der Form der Valven, der Corona, der Behaarung usw. 
Unter Fig. 4—6 sind drei der untersuchten Genitalapparate von 
haverkampfi abgebildet. Sie zeigen keine großen Unterschiede 
untereinander und gegen decora, aber die Tendenz, einen rech- 
ten gegenüber dem linken weniger entwickelten Zinken aufzu- 
weisen, tritt stark hervor, namentlich bei den Figuren 4 und 5 
ist der äußere Zinken beinahe um die Hälfte kürzer, sodaß es 
zweifelhaft erscheint, ob haverkampfi nicht zum Subgenus Meso- 
euxoa gezogen werden könnte, Fig. 6 läßt dies nicht gut zu, 
ebensowenig andere nicht abgebildete Präparate. Wir können 
hier eher auf ein Mittelglied, einen Uebergang von Euxoa zu 
Mesoeuxoa, also im vorliegenden Falle von haverkampli zu decora 
denken. Im Sinne dieser Ausführungen und gemäß den Be- 
funden McDunnoughs, daß Euxoa phylogenetisch jünger ist als 
Feltia (Agrotis), wäre also haverkampfi älter als decora. Also 
könnte decora sehr wohl aus haverkampfi entstanden sein. 
Da Reisser eine echte decora-livida in Korsika an demselben 
Fundort wie haverkampfi gefangen hat, dürfte man schließen, 
Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX. Jahrg. 1930. H.3 u. 4. 8 


— la, = 


daß haverkampfi sich in Korsika noch nicht ganz in decora um- 
gewandelt hat, oder daß beide Arten sich nebeneinder halten. 
Haverkampfi ist eine südliche Form, der Formenkreis von decora 
ist jüngeren Datums und scheint sich nach Norden verbreitet 
zu haben. 

Ich stehe daher nicht an, meine brieflich*) verschiedenen 
Kollegen gegenüber geäußerte Meinung, daß haverkampfi ein- 
fach die korsische Rasse von decora sei, zurückzuziehen. Nach 
den heutigen Anschauungen dürfte es richtig sein, haverkampfi 
als „gute Art” zu bezeichnen. 


*) In der Zeitschrift Oesterr. Ent. V. 1930 pag, 13-14 schreibt Schawerda 
wie folgt: „Ich bin wirklich begierig, wie Corti seine Meinung, daß die 
decora-livida die Reisser fing, ein Atavismus sei, aufrecht halten wird, 
Corti negiert die Artverschiedenheit.” Es ist richtig, daß ich anfänglich 
dieser Meinung war, bin aber doch überrascht, dieselbe in dieser positiven 
Form publiziert zu sehen, umsomehr als ich diese meine Meinung gar nicht 
Herrn Schawerda, sondern einem andern Wiener Herrn geschrieben habe 
und ich in jenem Brief mir eine gründlichere Prüfung der Frage vorbehalten . 
hatte, 


Zur 
Schmetterlingsiauna des mittleren Böhmerwaldes 


Von J. Soiiner, Bezirksschulinspektor in Trautenau (Böhmen) 


(Mit einer Tafel.) 


An der Grenze zwischen Bayern und Böhmen streichen 
von Südost nach Nordwest die gewaltigen Gneismassen des 
Böhmerwaldes und des Bayrischen Waldes, die in Großartigkeit 
und an Ausdehnung die Sudeten übertreffen. Stellenweise wird 
der Gneis von Graniten durchbrochen, sonst zeigt er nur ge- 
ringe Mannigfaltigkeit. Kalke finden wir nur dort, wo sich das 
Gebirge zu verflachen beginnt; sie sind meist in dünnschiefri- 
gem Gneise eingelagert. Das Gebirge fällt gegen Bayern steiler 
ab, während nach Böhmen hin zunächst eine mächtige Hoch- 
ebene eine Zahl von Hochmooren (sogenannten „Filzen”) trägt. 
Erst dann verflacht es sich allmählich. Etwa 1800 km? 
dieses Gebietes werden vom Walde bedeckt und hiedurch wird 
der Böhmerwald zum größten Waldgebirge Mitteleuropas. 
Charakteristisch ist auch die hohe Niederschlagsmenge (bis 
1200 mm). Er stellt ein großes Gebiet dar, das entomologisch 
nahezu unerforscht ist, und es gelang mir, in meiner 5jährigen 
Sammeltätigkeit (1923—1928) eine Reihe von Arten aufzufinden, 
deren Vorkommen in Böhmen bisher unbekannt war. Der Böh- 
merwald ist leicht zu bereisen, da er geschlossenes deutsches 
Sprachgebiet ist und man überall Unterkunft zu niedrigen Prei- 
sen findet. 

Ich sammmelte in einem Gebiete, das etwa von folgenden 
Punkten begrenzt wird: Ruine Prachin—Zosum—Lusen (1370 m) 
— Rachel (1432 m)— Falkenstein (1350 m) — Arber (1457 m)— Osser 
(1283 m)— Gewintzi beiNeuern— Swatobor. 

Ihren eigenen Zauber haben die Hochmoore des Böhmer- 
waldes, der jeden Naturfreund, nicht nur den Entomologen ge- 
fangen hält. Hier herrscht feierliche Stille, über der noch der 
Schreiadler seine stolzen Kreise zieht. Zu den bekanntesten 
Mooren des mittleren Böhmerwaldes gehören der Haidler Filz 
(1128 m) bei Innergefild, der Weitfäller Filz (1078 m) nördlich 


— ld — 


des Rachel, der Große Filz bei Goldbrunn und der Plattenhausen- 
filz bei Pürstling. Gute Fangplätze sind auch die Wiesen an der 
Ahornsäge (1030 m), meinem beliebten Standquartiere, und bei 
Mader (980 m), wo ich oft im Gasthause „Zur Forelle“ über- 
nachtete. 

Von Mader gegen Norden hat sich die Wydra in einem 
tief eingeschnittenen Tale (der „Schachtelei“) ihren Weg gebahnt; 
es liegen hier die Einschichte „Antigl" und weiter nördlich die 
Gastwirtschaft „Thurnerhütte” (781 m). Auf den Höhen, die 
dieses Tal begleiten, liegen Chinitz-Tettau (1000 m), Rehberg 
(840 m) und schließlich noch Bergreichenstein (739 m). Unterhalb 
Unterreichenstein heißt die Wydra Wotawa, überschreitet nörd- 
lich von Langendorf die Sprachgrenze und fließt dann durch 
Schüttenhofen gegen Nordost. 


Vorirühling 


Der Böhmerwald wird land- und forstwirtschaftlich weniger 
eingehend bewirtschaftet, er ist schwächer bevölkert und man 
findet oft noch Streifen unbebauten Landes, die Siedlungsstätten 
mancher guten Art. Zumeist sind selbst in den Tälern die Feld- 
raine, Straßenränder und Waldsäume noch mit Sträuchern be- 
wachsen. Häufig sind dies Schlehen und an den kahlen Zwei- 
gen sitzen im März Hibernia rupicapraria neben überwinterten 
Larentia siterata, Cerostoma asperellum, Depressaria applana und 
Gracilaria elongella. Erst im April fliegt Epigraphia steinkellne- 
riana und Bapta pictaria. Lange Zeit war von dieser recht lokal 
auftretenden Art nur ein Stück aus Böhmen bekannt, das Ma- 
loch bei Karlsbad fing. Bei Schüttenhofen ist sie jedoch gar 
nicht so selten (10. -21.1V.). Der Falter sitzt nachts mit zusammen- 
geklappten Flügeln an Schlehen, läßt sich ruhig anleuchten und 
leicht abnehmen. Die Eiablage ist ebenfalls nicht schwer zu 
erzielen und die Zucht mit Pflaume leicht durchführbar, doch 
vertragen die Puppen das Hereinnehmen ins warme Zimmer 
nicht gut. — Im April beobachtete ich einmal eine Kopula von 
Orrhodia vaccini. Die Kopula findet ja bei den meisten (oder 
allen?) überwinternden Arten erst im Frühlinge statt. — 

Ueber den ganzen höheren Böhmerwald ist Olethreutes 
mygindana verbreitet, deren Raupe wir zwischen zusammen- 
gesponnenen Blättern der Preiselbeere finden. Doch müssen wir 
schon bald im April mit dem Suchen beginnen, da sie sich Ende 


— N — 


dieses Monates verpuppt und 4—5 Wochen später den schönen 
Kleinfalter liefert. An Heidelbeere fand ich die Raupe nie. — 
Bei Chinitz-Tettau lebt an Vacc. vitis idaea die Raupe von Agro- 
tis strigula und Coleophora vacciniella. (Ein Sack schlüpfte am 
24.V.). Das „Raupenleuchten“ bei Schüttenhofen ergab Agrotis 
orbona (e. I. 11. Vl.), Larentia guadrifasciaria usw. In Weiden- 
kätzchen lebt vereinzelt Tephroclystia tenuiata als Raupe. 

Weit verbreitet und häufig ist im April Larentia badiata, 
etwas seltener Lobophora carpinata (Nuserau 9. IV.); auch La- 
rentia sociata fing ich schon am 21.IV. Von Selenia bilunaria 
erscheint die 1. Geschlechtsfolge im Tale am 11. April, während 
dieser Spanner im höheren Böhmerwalde 1100 m Seehöhe) vom 
30. V. bis 30. VL fliegt; wahrscheinlich tritt er hier nur in einer 
Generation auf. Um junge Fichten schwärmt Asthenia pygmae- 
ana (Swatobor, 11. IV.), an trockenen Lehnen sonnt sich überall 
Pyrausta purpuralis (29. IV. bis 19.V.) und nigrata (29. 1IV., 4.V.). 
Zu den ersten Frühlingskindern gehört auch Tephroclystia lan- 
ceata (Prachin 7.IV., Kalov 11. IV.). 


Mai 


Geschlossener Buchenwald ist am Nordhange des Böhmer- 
waldes eine Seltenheit, nur auf dem Gewintzi bei Neuern fin- 
den wir einen prachtvollen Bestand. Er beherbergt Aglia tau, 
Drepana cultraria, Nemophora Svammerdamella, Larentia suffu- 
mata und pomoeriaria. 

Von den Schlehen in der Umgebung von Schüttenhofen 
klopfte ich Raupen von Hemithea strigata und Chloroclystis 
chloerata. Von dieser Art schlüpften mir Ende Mai, Anfang 
Juni 5 Falter. Der Fund dieser Art ist deswegen recht be- 
merkenswert, als Nickerl nur ein einziges in Böhmen gefangenes 
Stück kennt. In größerer Zahl dagegen klopfte ich sowohl in 
den Tälern als auch in höheren Lagen von Wachholder die 
Raupen von Tephroclystia sobrinata, von Eiche Acrobasis zelleri 
(e. 1. 5. VIL) und Hylophilina bicolorana (e. 1. 12.—21.Vl) und 
aus Ahornblüten sammelte ich bei Unterreichenstein solche von 
Cacoecia aeriferana (e.1. 16.VIIL). Diese Art fehlt im Nickerl'- 
schen Verzeichnis der Falter Böhmens. Sehr häufig sind in der 
Umgebung Schüttenhofens die Raupen von Depressaria assimilella 
zwischen Ginsterzweigen (e. 1. im VL), von Litatischeriella an 
Silene nutans (e.1. 10.—20.VL. u. von Teleia seguax an Hel.vulgare. 


— NM 


Das Tal der Wottawa wendet sich unterhalb von Schütten- 
hofen nach Nordosten. Der Fluß wird von Bergen begleitet, 
die meist aus Kalk bestehen und oft recht steil abfallen. Die 
Berge des linken Uters sind der Standort wärmeliebender Arten: 
vor allem der Berg Cepicna. Er liegt zwischen den Kilometer- 
steinen 6 und 7 an der Straße zwischen den Dörfern Dobrschin 
und Cepice, besteht durchwegs aus Kalk und an der sonnigen 
und windgeschützten Südlehne findet manch seltene Schmetter- 
lingsart ihre Lebensmöglichkeit. Hier beobachtete ich Hesperia 
serratulae (20., 29.V., 1.VL), Abrostola triplasia (31.V. u. 20.VIL.), 
Toxocampa craccae (13.V.,1.VL), Acidalia marginepunclata (20.V., 
12.VL.), rubiginata (20.V.), Anaitis plagiata (20.V.), Larentia salicata 
(häufig im V. u. VL), rivata (29.V., 1.VLu.11.VL), Tephroclystia 
abietaria (V.u.Vl.), exiguata (26.V.), Acalla literana (noch am 8.V.), 
Ancylis siculana 8.V.u. 16.—22.VIL), comptana (29.1IV., 12.V., 
17.V., 10.VIL u. 22.VIL), Grapholita coronillana (7.—28.V.) und 
Nepticula basalella (18. \V.). 

Die Fauna auf Gneis, Syenit und Granit ist weit ärmer als 
jene der Kalkberge. Hier fliegt — sowohl im Tale als auch bis 
900 m Seehöhe — Larentia autumnalis (30. V., 11.VL). Auch 
eine 2. Geschlechtsfolge beobachtete ich sogar in höheren Lagen. 
Die 1. Generation fliegt da gemeinschaftlich mit Larentia ruberata, 
doch hält sich aufumnalis gerne in der Nähe von Erlen auf. — 
Einzeln und selten lebt an Stellen, die mit Heidekraut und Ge- 
sträuch bewachsen sind, Pachycnemia hippocastanaria (Schüt- 
tenhofen 4. V.). Weit verbreitet ist Crambus chrysonuchellus (\V.), 
Cacoecia musculana (17.V., 4. VL), Conchylis ciliella (V.), Ole- 
threules umbrosana (20. V.), Steganoptycha fractifasciana (4. \V.; 
Mader 30. V.), Grapholita strobilella (V. e.|. mehrfach aus Fich- 
tenzapfen gezogen), compositella (29.V.); Ancylis lundana (auf 
Kleefeldern häufig), uncana (Hartmanitz 19. V.); Glyphipteryx 
fischeriella (Schüttenhofen 28.V.), Plutella porrectella (do. 20V.), 
Depressaria propinguella (noch am 1. V.). Gelechia ericetella 17.\V., 
21.V1., 22. VIL), Phyllocnistis saligna (Bergreichenstein, noch am 
18.V.) und Incurvaria muscalella (Bergreichenstein 18. \V.). 


Viele Falter fliegen sowohl im Tale als auch im Gebirge, 
andere sind jedoch auf die höchsten Teile des Böhmerwaldes 
beschränkt. In jedem folgenden Abschnitte dieser Arbeit will 
ich daher jene Arten, die vorzugsweise im Gebirge vorkommen, 
gesondert behandeln. 


ug — 


Zu den Schmetterlingen, die wir als Relikte kennen, ge- 
hört Larentia ruberata. Ich entdeckte 1925 dieses Tier als neu 
für Böhmen. Die Flugzeit beginnt etwa am 20.V. und dauert 
bis Ende VI. Die Eier sind gelb, später rotbraun und werden 
in Rindenspalten, Blattwinkel u. dgl. abgesetzt. Die Raupe führt 
ein sehr verstecktes Leben, bei Tag ist sie in Moos oder Flech- 
ten, in Rindenspalten, zwischen zusammengesponnenen Blättern 
usw. verborgen und geht nur nachts ans Futter (Wollweiden). 
Sie wächst sehr langsam heran und bei größeren Zuchten leben 
manche bis Anfang Oktober. Die Puppe liegt in einem dünnen 
Gespinste in Rindenspalten, im Moos, unter Steinen u. dgl. Der 
Falter schlüpft bei Nacht und die Kopula dauert kurze Zeit. 
Da mir von hunderten von Puppen nur zwei Falter Ende Oktober 
(im Zimmer) schlüpften, so ist wohl anzunehmen, daß der Falter 
im Böhmerwalde bloß in einer Generation vorkommt. Bemer- 
kenswert ist die erstaunliche Abänderungsfähigkeit dieses Tieres. 
Neben ganz grauen Stücken (ab. grisescens) kommen alle Ueber- 
gänge bis zu dunkel rotbraunen (ab. variegata) vor. Ich konnte 
diese seltene Art überall im höheren Böhmerwalde feststellen, 
wo Salix aurita oder auch caprea wächst (Rehberg, Thurner- 
hütte, Antigl, Chinitz-Tettau, Mader, Ahornsäge, Stubenbach, 
Glaserwald, Hurkental usw.). 

Bei Hurkental fing ich am 21. V. eine Acalla lipsiana. Ueber 
800 m Seehöhe fliegt schon Ende Mai überall Larentia incursata, 
die besonders 1925 häufig auftrat. Im Frühlinge ist in höheren 
Lagen an Vaccinium uliginosum, Salix u. a. oft die Raupe von 
Bombyx quercus zu finden. Die Form des höheren Gebirges 
unterscheidet sich durch ihre Biologie auffallend von der Form 
der Ebene. Im Gebirge überwintert zunächst die junge Raupe, 
die sich im August oder September verpuppt. Die Puppe über- 
wintert und liefert etwa Mitte Juni den Falter. Die Raupe 
unterscheidet sich nicht von einer gewöhnlichen quercus-Raupe. 
Um die Beharrlichkeit der Entwicklungsweise nachzuprüfen, 
versuchte ich, die Tiere im zweiten Jahre zur Entwicklung zu 
bringen. Das Muttertier stammte vom Kießleiten (etwa 1000 m 
Seehöhe). Die Raupen wurden im Freien gezogen und über- 
winterten klein. Im März nahm ich sie ins geheizte Zimmer, 
fütterte sie mit Weidenkätzchen und die Raupen fingen gleich an 
zu wachsen. Trotz Wärme und reichlichen Futters aber ver- 
puppte sich nur ein Teil im Mai und Juni und lieferte im glei- 
chen Sommer die Falter (5 und &). Der andere Teil verpuppte 


— 120 — 


sich erst im Herbst und die Puppen konnten im gleichen Jahre 
nicht mehr zum Schlüpfen gebracht werden. Sie überwinterten 
und schlüpften im folgenden Jahre. Dies waren nur 2 9. 

Das Männchen unserer Gebirgsform hat einen gelben Wisch 
an der Wurzel der Vorderflügel, doch bleibt es eine Streitfrage, 
ob unsere Mittelgebirgsform als var. (oder ab.) callunae anzu- 
sprechen ist. Jedenfalls soll die Raupe der schottischen var. 
callunae sich von der gewöhnlichen guercus-Raupe auffällig unter- 
scheiden, was — wie schon erwähnt — bei unserer Form nicht 
der Fall ist. Auffallende Unterschiede zwischen dem callunae 5 
und dem 5 aus dem Böhmerwalde lassen sich nicht feststellen, 
höchstens, daß der Zellschlußfleck auf der Unterseite der Vor- 
derflügel viel deutlicher als bei callunae hervortritt. Das cal- 
lunae 2 ist etwas schärfer gezeichnet, besonders die dunkle 
Umrahmung des Zellschlußfleckes tritt schärfer hervor als bei 
der Böhmerwaldform. Auch Dr. v. Sterneck erkennt in seinem 
prachtvoll. Werke „Prodromus der Schmetterlingsfauna Böhmens“ 
die Form der böhmischen Randgebirge nicht als var. callunae an, 
während Paul Wolf in den „Großschmetterlingen Schlesiens“ 
sie als callunae bezeichnet. Selbstverständlich hat diese frag- 
liche Form auch mit var. alpina nichts gemein, da vor allem 
die Grundfarbe der var. alpina eine andere ist. Ueberdies be- 
hauptet C. Vorbrodt in den „Schmetterlingen von Zermatt”, 
daß die var. alpina-Raupe meist zweimal und daß auch die Puppe 
überwintere. 

Neben der Bomb. quercus-Raupe lebten im Mai an Vacci- 
nium uliginosum die Raupen von Tortrix forsterana, Pyrausta 
nyctemeralis (Glaserwald-Stubenbach e. 1. 18. VL), von Gelechia 
infernalis (zwischen Zweiglein;; ähnlich wie Depressaria assimilella 
an Ginster) und von Calocampa solidaginis. Diese Raupe frißt 
auch Heidelbeere und ist im höheren Böhmerwalde (nachts mit 
der Lampe oder dem Streifnetz) überall und oft zu finden, 
während sie nach Osthelder in Südbayern nur ganz lokal und 
vereinzelt nachgewiesen sein soll. 

Nur auf die Hochmoore beschränkt ist Tortrix rusticana 
(31.V. und 14.VL). Auch Gelechia viduella (30.V. bis 3. VIL) 
liebt feuchte oder steriele Stellen. 

Eine Merkwürdigkeit der Hochmoore des Böhmerwaldes ist 
Evetria turionana var. (?) mughiana, die bisher nur aus den 
Alpen bekannt war. Die Stammform furionana kommt sowohl 
in der Ebene als auch im höheren Gebirge vor; mughiana aber 


— ll = 


fliegt nur dort, wo Knieholz wächst. Die Raupe der Ev. 
mughiana überwintert in den Knospen der Zwergkiefer und ver- 
puppt sich in ihnen Anfang Mai. Man erkennt besetzte Knos- 
pen daran, daß sie im Wachstum zurückgeblieben sind. Sie 
lassen sich daher bequem sammeln. Der Falter schlüpft Ende 
Mai und Anfang Juni. Auf der Abbildung im „Kennel“ kommt 
der Glanz der Vorderflügel zu wenig zum Ausdruck. Vielleicht 
ist mughiana eine gute Art. Da mir kein Mikroskop zur Ver- 
fügung steht, kann ich Genitaluntersuchungen leider nicht vor- 
nehmen, doch gab folgender Umstand zu dieser Vermutung An- 
laß. Am Westrande des „Haidler Filzes” bei Innergefild wachsen 
Pinus silvestris und montana pumilio im gemischten Bestande. 
Aus diesem Gebiete sammelte ich besetzte Knospen der Zwerg- 
kiefer. Es schlüpften mir unter etwa 200 mughiana nur zwei 
turionana. Ebenso sammelte ich, vom gleichen Orte auch Knos- 
pen der gewöhnlichen Kiefer. Aus diesen erzielte ich stets nur 
Ev. turionana. Uebergänge gibt es auch da nicht, wo beide 
Arten zu gleicher Zeit und am gleichen Orte fliegen. Nur bei 
zwei Stücken meiner großen Serie schwankt die Farbe der 
Hinterflügel zwischen furionana und mughiana (siehe Taf. IX, 
Abb.21u.22). Ich zog beide aus Zwergkiefer. Vielleicht sind 
diese zwei Stücke Bastarde (ev. sekundäre). In Evetria turiona 
schmarozt auf dem Haidler Filz Glypta resinana Hartig und in 
mughiana Ephialtes haemorrhoidalis Tschk. (Die Bestimmung 
erfolgte durch Herrn Rektor Hedwig in Breslau.) 

Ueber den ganzen Böhmerwald ist Thaleria putata und 
Epichnopterix pulla verbreitet und von letzterer Art kommen 
Stücke von besonderer Größe vor. Auf dem Moore bei Holz- 
schlag (900 m) beobachtete ich am 30. V. Acronicta menyanthidis, 
Larentia fluctuata und nigrofasciaria. 

Auf den mit Schlüsselblumen bewachsenen Wiesen zwi- 
schen Schröbersdorf und Bergreichenstein lebt Ende Mai 
Nemeobius lucina; bei Bergreichenstein fand ich auch: Pach- 
nobia rubricosa (7.V.), Gypsonoma neglectana (e. |. 22.V.), Cypho- 
phora idaei (31.V.), Gracilaria rufipenella (noch am 18.V.), Litho- 
colletis blancardella (14. und 17.V.) und Micropteryx ammanella 
(16., 17.V., bei Glaserwald am 8.V. und auf dem Haidler Filz 
am#22>\V1.), 

Hoch ins Gebirge hinauf steigt Conchylis dubitana (Mader 
17.V., Rehberg 6.V1.), Tephroclystiu satyrata (Gutwasser 30.V., 
Chinitz 2.VL), indisata (Hurkental 24.V., Mader 2.VL), Ancylis 


— 12 — 


unguicella (24., 30.V.), Gelechia peliella (Mader 31. V., 9. VL) und 
Ancylis myrtillana. 

Nur auf das Gebirge ist Larentia affinitata beschränkt. Die 
Art fliegt Ende Mai und Anfang Juni. 

An verdunkelten Tieren ist der Böhmerwald arm, während 
das Erzgebirge eine Reihe geschwärzter Formen beherbergt. 
So kommt z.B. Larentia caesiata im Böhmerwalde nur in der 
Stammform und in der ab. annosata vor. Die Raupe lebt im 
Mai an Vaccinien, besonders an uliginosum. An Heidelbeeren 
sitzen im Mai u. Juni die Raupen von Lygris populata in Menge. 
Die Formen musauaria oder binderi, von denen ich aus dem 
Isergebirge eine schöne Serie besitze, konnte ich weder durch 
Fang noch durch Zucht erhalten. Diese dunklen Formen schei- 
nen dem Böhmerwalde ganz zu fehlen. Neben der Stammform 
beobachtete ich nur die ab. infermedia. Von Gonodontis bi- 
dentata konnte ich nie ein melanotisches Stück erbeuten. Ein- 
zig Ematurga atomaria zeigt sich in einfärbig dunklen Stücken 
(ab. unicolor) und in schönen Uebergängen hiezu (18.V., 21. V1.). 


Juni 


Im Tale erreicht das Insektenleben jetzt seinen Höhepunkt. 
Die warmen Hänge des Wottawatales bilden den Tummelplatz 
manch guter Art und bei Tag trai ich folgende Arten hier an: 

Hesperia sao (27.V1. bis 20.VIL), Sesia empiformis (13. V1. 
u.10.VIIL), Sesia muscaeformis (29. V1.), Plusia bractaea (29.V1.), 
Platytes cerusselus (18.VL, 12.VIL), Evergestis sophialis (12.VL, 
17.VIL), Eulia cinctana (18. VL, 31.VIL), Olethreutes stibiana 
2.VL, 5.VIL), cespitana (12., 18.VL, 5., 11.,14.,17.VIL, 26.ViI), 
Evetria pinivorana (12., 25.Vl), Epiblema pflugiana (1.VL), Gra- 
pholita nigricana (1.Vl), Pamene rhediella (3.V1.), Glyphipteryx 
Thrasonella (6.V1.), Depressaria liturella (e.1. 14.VL.), Borkhau- 
senia stipella (12. u. 24. VL), Coleophora serenella (12. V1.), onos- 
mella (12., 18.VL) und Gracilaria alchimiella (1.V1.). 

Doch auch der Lichtfang zeitigte vorzügliche Ergebnisse, 
obzwar ich nur eine Azetylen-Stehlampe verwendete, wie sie 
während des Krieges im Gebrauch waren und diese nur auf 
ein Leintuch stellte, das auf den Erdboden ausgebreitet war. 
Von der Menge der festgestellten Arten seien nur erwähnt: 

Lithosia sororcula (12. VL), Agrotis cinerea (2. Vl., 13.V.), 
Mamestra aliena (1., 16. u.22.VL.), Hadena basilinea (2.u.16.VL), 


— 123 — 


Erastria uncula (12.V1.), Acidalia incanata (6. u.12.VL), Rhodo- 
strophia vibicaria, oft auch die ab. strigata (16. VI. bis 20. VII), 
Larentia molluginata (12. VL), rubidata (1. VL), Tephroclystia 
pyreneata (die Raupe sammelte ich im Juli in großer Zahl), 
Scotosia vetulata (29. VI.), Schoenobius forficellus (12.V1.), Hypo- 
chalcia ahenella (12. VL, 24. VIL), Salebria formosa (12. VL), 
Nymphula stratiotata (12.VL, Eurrhypara urticata (3. u. 29. VI.) 
Alcuita tetradactyla (7.VI., 24.VIL), Pierophorus carphodactylus 
(12. VL, 7.VIL), Euxanthis angustana (4.V1.), Olethreutes ochro- 
leucana (12. VL.—14. VIL), Epiblema penkleriana (29.VL), immun- 
dana (11.VL), tripunctana (4.Vl., e.1. 25.V.), Metzneria pauci- 
punctella (1.V1.), Lita tussilaginella (2.VL), Anacampsis vorticella 
(4. VL), Xystophora tenebrella (16. VI), Anacampsis coronilella 
(27.VL.), Rhinosia ferrugella (16.V1., 10.VIL), Paltodora anthe- 
midiella (10.—27.VL), Sophronia semicostella (16.V1), Psecadia 
sexpunctella (16. VI.), Depressaria flavella (27. VI.), Coleophora 
ornatipenella (16.V1.) und Elachista pollinariella (18. V1). 

Besonders erwähnenswert ist die Feststellnng des Vorkom- 
mens von Caradrina selini (16. V1.), nachdem sie in der Osthel- 
der'schen Fauna Südbayerns fehlt. 

Am 5.VI. fand ich an den Hängen des Arber ein Cucullia 
lucifugaQ. Die Nachzucht ergab eine Anzahl Puppen, von denen 
eine im August schlüpfte, obzwar die Puppen nicht in der Woh- 
nung aufbewahrt wurden. Wahrscheinlich tritt auch im Freien 
eine teilweise zweite Geschlechtsfolge auf. Vielleicht gilt das- 
selbe ebenfalls von Cucullia umbratica, von der ich noch am 1.X. 
ein frisches © bei Tschachrau fand. Im Gebirge ist überall 
Parasemia plantaginis nicht selten (Anfang VI. bis Ende VII). 
Neben der Stammform kommt die ab. bicolor, hospita, lutea- 
obsoleta, nigrociliata und matronalis vor. Unter matronalis ver- 
stehe ich die Form, bei der die Hinterflügel bis auf geringe 
gelbe Farbreste schwarz gefärbt sind. Die Formen borussia _ 
und elegans (mit weißen Farbresten auf den Hinterflügeln) 
konnte ich nicht beobachten. (Besonders scharf auseinander- 
gehalten und gut abgebildet sind die P, plantaginis-Formen in 
der Zeitschrift der Entomologischen Tischgesellschaft Meidling, 
Heft 2, Jahrgang 1; April 1924). 

Wie für das Riesen- und Isergebirge so ist auch für den Böh- 
merwald Erebia euryale charakteristisch. Während sie aber im 
Isergebirge hauptsächlich in den ungeraden Jahren erscheint, 


— 124 — 


ist sie im Böhmerwalde in den geraden Jahren häufiger als in 
den ungeraden. Merkwürdig ist es, daß im Böhmerwalde die 
QQ viel Weiß auf der Unterseite der Hinterflügel besitzen, wäh- 
rend im Isergebirge @ X mit gelben Binden vorherrschend sind. 
Die Raupe schöpfte ich im Frühlinge bei Nacht von Gras. B,C.S. 
Warren nennt diese Rasse „böhmerwaldensis“. (Entomologist’s 
Rekord vom 15. XI. 1930, Seite 147). Erebia ligea habe ich im 
Böhmerwalde nicht beobachtet. 

Ein Freund des Berglandes ist Pamphila palaemon. Er be- 
wohnt nicht nur die Schachtelei, sondern man trifft ihn auch 
auf dem Adamsberg (über 1000 m Seehöhe) und bei der Fischer- 
hütte (2. VI bis 19. VIL) an. — Charakteristisch für höhere Lagen 
ist Larentia hastata var. subhastata, während die Stammform 
hastata nur auf die Täler und das niedrige Vorgebirge be- 
schränkt ist. Am 26. VI. beobachtete ich ein ©, das an Heidel- 
beere seine Eier ablegte. — In Sachsen soll angeblich (siehe „Die 
Großschmetterlinge des Königreiches Sachsen”, Seite 169) sub- 
hastata unter der Stammart fliegen. Die echte subhastata ist jedoch 
ein ausgesprochenes Gebirgstier und kommt im Böhmerwalde in tie- 
feren Lagen nicht vor. Ich zog subhastata schon zweimal im Tale 
mit Birke und konnte nie einen Rückschlag zu hastata feststellen. 

Eine häufige Erscheinung des Böhmerwaldes ist Hadena rurea 
und ab. alopecurus. 

Bemerkenswert ist auch der Fang eines Stückes Hipocrita 
jacobaeae am 14.VI. bei der Ahornsäge (etwa 1000 m Seehöhe). 
Es blieb dies auch das einzige Stück, das ich im Böhmerwalde 
sah. Am gleichen Orte flog Hemaris fuciformis L. (= bombyliformis 
Ochs., lonicerae Zell), die Blüten der roten Taglichtnelke be- 
saugend. Diese Art dürfte auch im höheren Gebirge heimisch 
sein, nachdem die Futterpflanze hier oben noch wächst. Zu 
den Stammgästen, die sich am Köder oder am Licht im Böhmer- 
walde überall einfinden, gehört Acronycta auricoma und Ma- 
mestra nana nebst der ab. /latenai. Diese ist im Gebirge nicht 
so selten als in der Ebene. Bei Antigl fing ich ein Stück 
Psecadia funerella (26.VL). Obzwar ich diese Art auch im Rie- 
sengebirge (Riesengrund) feststellte, kennt sie Nickerl nur von 
Gießhübl. Nach Wocke ist Psecadia funerella ebenfalls ein Tier, 
welches das Gebirge bevorzugt. 

Ausschließlich die höchsten Teile des Böhmerwaldes be- 
wohnt Gnophos sordaria var. mendicaria (Antigl, 6.VL, Ahorn- 
säge 15.VI.), Pionea nebulalis (Ende Juni überall häufig), Cne- 


— 125 — 


phasia osseana (Pürstling 27.VL, Rachelhaus 9.VII) und Pionea 
decrepitalis. Von dieser recht seltenen Art fing ich nur 2 Stücke 
bei Mader (14.VI. und 30. VL). 

Erwähnenswert ist vielleicht der Fang von Tephroclystia 
indigata f. tristrigata und einer verdunkelten Tephroclystia vul- 
Sata. Dieses Tier ist so dunkel, daß es stark an T. silenata 
erinnert. Beide Stücke wurden bei Mader am 6. VI. gefunden und 
befinden sich in der Sammlung des Herrn E. Lange in Freiberg. 

Ferner beobachtete ich im höheren Gebirge noch Lycaena 
arsus (Rehberg 26.VL), Gnophria rubricollis (Schachtelei 16. VI., 
3. VI), Hepialus humuli (Mader 14.Vl.), Selenephera lunisera 
var. lobulina (1 Raupe, die jedoch einging — Ahornsäge), My- 
thimna imbecilla (nicht selten — Mader, Ahornsäge 30.V1., 19.VIL.), 
Hypena obesalis (Antigl), Acidalia fumata (sehr häufig, e.l. 18. VL), 
Odezia atrata (Vogelsang, Weitfäller Filze, Stepanitz: Ende VII. 
und VI), Anaitis praeformata (Schachtelei 26. VL, 3.VIL), La- 
rentia cambrica (26. VL, ein Pärchen am 9. VIl. Die Eiablage 
konnte jedoch nicht erzielt werden), Tephroclystia plumbeolata 
(Rehberg 4.VL, Mader 9.VL; die Raupen später an Melampyrum 
gefunden), Pyrausta porphyralis (Zigeunerfilz, Ahornsäge, Höhal 
9.—26.VL), Platyptilia tesseradactyla (Arber 5.VI., Chinitz 6.V1., 
Rehberg 9.VL, Schüttenhofen 28.V.) Cnephasia argentana (Ma- 
der 26.VI., Pürstling 19.VIL), Olethreutes sauciana (21. u. 27.V1.), 
Steganoptycha vacciniana (Chinitz-Tettau 9. u. 14.VL), Epiblema 
Irigeminana (Mader 6.VL.), Ancylis biarcuana (Mader 6. u. 9.V1.), 
Argyrestia laevigatella (Mader 9. VL; auch dieses Tier kennt Nickerl 
aus Böhmen nicht), Plutella senilella (Ahornsäge 26. V1.), Gelechia 
virgella (häufig im Juni), Teleia fugacella (Madel e. 1.), Coleophora 
murinipennella (Rehberg 4.V1.), Monopis rusticella (Karlsburg 3.V1.) 
und Nemophora pilulella (Mader 9.VL, Hurkental 24.V.). 

Gnophos dilucidaria und Pyrausta alpinalis fand ich im Böh- 
merwald nicht. 

Die Hochmoore des Böhmerwaldes zeigen überall die gleiche 
Fauna, nur Crambus alienellus (Ende V1., Anfang VII.) scheint auf 
den Großen Filz bei Innergefild beschränkt zu sein. Ich fand 
diese Art auf keinem anderen Moore, glaube aber, daß sie auch 
auf dem Neuhüttener Filze bei Pürstling fliegt, wo ich nicht zur 
rechten Zeit suchen konnte. Auf einem gemeinschaftlichen Aus- 
fluge fand Herr Dr. v. Sterneck das erste Stück dieser für Böh- 
men neuen Art. Ein echter Moorbewohner ist ferner Glyphipte- 
rix haworthana, den Nickerl in seinem Verzeichnisse der Schmet- 


— 126 — 


terlinge Böhmens nicht anführt. Im Böhmerwalde fliegt die Art 
allerdings viel seltener (30.V., 22. VL) als im Isergebirge. — 
Gerne halten sich auf Mooren oder in deren Nähe noch Bactra 
lanceolata, Olethreutes palustrana (9.VL, 4.VIL.) und Elachista 
paludum (22.VI.) auf. Mitten auf dem Weitfäller Filz fand ich 
am 28. VI. um 10 Uhr vorm. ein frisch geschlüpftes Hadena rubri- 
rena cg' mit noch weichen Flügeln, an einem Grashalme sitzend. 
— Auf Wegen sonnt sich im Juni überall Anarta cordigera, so- 
ferne Sumpfheidelbeere in der Nähe ist, oder sie besaugt die 
Blüten der Heidelbeere. Bei trübem Wetter sitzt A. cordigera 
gerne an den Aesten und Zweigen der Zwergkiefern. Ein fri- 
sches Pärchen in Kopula fand ich am 13.VI. auf dem Platten- 
hausenfilze. Sogar Argynnis selene fliegt noch auf den Hoch- 
mooren, wahrscheinlich aber hier nur in einer Geschlechtstfolge, 
während sie im Tale regelmäßig in einer 2. Generation auftritt 
und ich eine 3. schon einige Male künstlich gezogen habe. — 
Die größte Merkwürdigkeit des Böhmerwaldes ist wohl das Vor- 
kommen von Crambus truncatellus. Sein Verbreitungsgebiet er- 
streckt sich über die nördlichsten Teile von Amerika, Europa 
und wahrscheinlich auch von Sibirien. Daß der schön gezeich- 
nete Falter soweit im Süden als ausgesprochenes Relikt vor- 
kommt, war bisher unbekannt. Ich entdeckte ihn als Neuheit 
für Mitteleuropa im Juli 1924. Obzwar ich ihn auch auf nas- 
sen Wiesen beobachtet habe, scheint er jedoch alle höher ge- 
legenen Moore zu bevorzugen, wo er Ende Juni und Anfang 
Juli gemeinsam mit Salebria fusca, Nomophila noctuella u. Pleu- 
rota bicostella fliegt. Er kommt vereinzelt ans Licht, ist jedoch 
am besten nachmittags bei Sonnenschein aus dem Grase auf- 
aufzuscheuchen. 

Schon aus den zwei Abbildungen (Taf. IX) ist zu ersehen, 
daß Crambus truncatellus stark abändert. Das vergrößerte Stück 
stellt die Form mit stark hervortretenden Binden, lichterer Grund- 
farbe und schönem Rotbraun dar. Die Stücke dieser Form sind 
vorwiegend Weibchen. Daneben kommt eine zweite Form vor, 
bei der die Vorderflügel mit schwarzen Schuppen dicht über- 
gossen sind und daher einen düsteren Eindruck machen. Die 
Binden treten zurück und die äußere Zickzackbinde verschwin- 
det oft ganz. Der Saum ist undeutlicher gefleckt. Auch das 
Braun der Vorderflügel ist viel düsterer. In dieser Abart kom- 
men Männchen und Weibchen vor. Das abgebilde Tier (Nr. 16) 


bildet einen Uebergang zu dieser Aberration. 


— 127 — 


Juli 


An engbegrenzten Standorten, aber dort recht häufig, ist 
Melitaea didyma zu finden (Cepicna). Die Raupe frißt vorzugs- 
weise Veronica Teucrium (andere Veronica-Arten nimmt sie 
nicht an) und öfters auch Verbascum. Die Art tritt nur in 
einer Geschlechtsfolge auf wie auch Melitaea athalia. Ich ver- 
suchte von athalia eine 2. Generation durch Wärme zu erziehen, 
was jedoch stets mißlang. Die Raupen stellten trotz der Wärme 
das Fressen ein, überwinterten und lieferten erst im Frühjahre 
die Falter. 

In der Umgebung von Schüttenhofen, meist auf dem Berge 
Cepiöna haben noch folgende Arten ihre Standorte: Epinephele 
Iycaon (vereinzelt), Thecla spini (22.VIl.), Hesperia alveus (31. VIL, 
30.VIIL, 3.IX.), Lithosia deplana (14. u. 16.VIL), lurideola (häufig), 
complana (häufig), Zygaena achilleae (häufig), Odonestis pruni 
(ein / am 14.VIL), Panthea coenobita (10. VIl., auch zweimal bei 
Annathal), Agrotis corticea (10.VIL), Hadena furva (16. VII), 
Calophasia lunula (mehrmals als Raupe), Cucullia lychnitis (als 
Raupe sehr häufig), Habrosyne derasa (14.VIl.), Laspeyria flexula 
(12. u. 20.VII. in vielen Stücken), Scotosia rhamnata (ein Stück 
am 16.VIl.), Larentia olivata (21. bis 30. VIL), frustata (10. VIL, 
10. VII) Ellopia var. prasinaria (Maurenzen 1.VIL), Boarmia 
lichenaria (an Felsen 24. VIL), Gnophos glaucinaria (10. VIL), 
Crambus pinellus (5. VIL, 11.VIIL), myellus (10. u. 12.VIL.), falsellus 
(häufig), ericellus (10. u. 22. VIL), Acentropus niveus (CepiCna 3. VIL, 
8. VIL, 14. VIL u. 15. VIIL, von dieser Art war aus Böhmen bisher 
nur ein einziges Stück bekannt, das Dr. Rebel am 18. VIII. 1886 
in Budweis fing), Pempelia ornalella (10. u. 14. VIL), Acrobasis 
consociella (26. VIL), Rhodophaea rosella (an Disteln 20. VIL), 
suavella (16.VIL), Cledeobia angustalis (24., 5.VIIL), Stenia punc- 
talis (12.u.14.VIL), Psammotis pulveralis (3.VIL), Cynaeda dentalis 
(12.VIL), Oxyptilus teucrii (unter einer Menge O. hieracii als Neu- 
heit für Böhmen — die richtige Bestimmung bestätigte Dr. von 
Sterneck — 24.VIL), Platiptilia rhododactyla (20.VIL), Agdystis 
adactyla (öfters Mitte Juli); Acalla holmiana (10. u. 31.VIL), Cne- 
phasia penziana (10.u.16.VIl), Olethreutes gentiana (10. u. 30.VIL), 
achatana (17.VIL), Grapholita roseticolana (20. VIl.), Anacampsis 
bigutella (1.u.6.VIL), Aristotelia decurtella (31.VIL, 15.VIIL), Meso- 
phleps silacellus (16. VIl.), Scythris fuscoaenea (23.VIL., 11. VIIL), 
scopolella (20. VIl.), dissimilella (21., 22.VIL), Mompha miscella 


— 1128 = 


12.VIL, 26.VIIL), Coleophora lixella (14.VIl. u. 10.VIIL), ibipennella 
(14.VIL), anatipennella (14.VIl.) und Adela violella (5. u. 21. VIl.). 


Ein Charaktertier des höheren Böhmerwaldes ist Colias pa- 
laeno var. europome, das Ende Juni aus der Puppe schlüpft und 
im Juli überall fliegt, wo die Futterpflanze der Raupe wächst. 
Die Raupe findet man Ende Mai und Anfang Juni an Sumpf- 
heidelbeere und zwar am besten an einzeln auf Wiesen stehen- 
den Büschen. Dort, wo Vacc. uliginosum in großen Beständen 
vorkommt, kann man die Raupe nachts durch Schöpfen erbeuten. 
Viele Raupen sind leider angestochen. Am 19.VIl. fing ich ein 
ab. illeneri Q. Viel seltener als Colias palaeno ist Argynnis 
arsilache (Mader, 19.VIL), häufiger Lycaena optilete (im Juli). 
Die 2 9 sind am besten früh um 6 Uhr auf Heideplätzen, Prei- 
selbeerbergen u. dgl. zu finden, während die $o sich gerne 
auf Wegen und sonnenbeschienen Stellen aufhalten und während 
des ganzen Tages umherfliegen. Lycaena arion stellte ich nur 
bei Antigl fest (19.VIL), Chrysophanus alciphron nur bei Hart- 
manitz (8.VIL). Von Apatura iris sah ich während meines Auf- 
enthaltes im Böhmerwalde nur ein einziges Stück beim Maus- 
häusl. Lymenitis populi begegnete ich von Unterreichenstein bis 
Mader recht oft; die dunkle Form des 5 (ab. fremulae) scheint 
in der Schachtelei vorherrschend zu sein. — An den Hängen 
des Falkensteins und bei Rehberg sammelte ich von Salweide 
die Raupen von Sarothripus revayanus ab. degenerana. Die Fal- 
ter schlüpften im August. — Die Raupe von Hepialus fusco- 
nebulosus dürfte im höheren Gebirge an einer anderen Futter- 
pflanze als Adlerfarn leben, denn obzwar der Falter bei Mader 
fliegt, konnte ich Adlerfarn nicht finden. — An den Köder geht 
gerne Agrotis speciosa (Ahornsäge 3. VIL, Rachelhaus 4. VIL). — 
Ein © von Plusia ain (Thurnerhütte 9.VIL) blieb leider ein Einzel- 
fund. Das beschädigte Stück befindet sich jetzt im Bergreichen- 
steiner Museum. Wahrscheinlich frißt die Raupe nicht nur Lärche. 
Andere vereinzelte Funde sind Hyppa rectilinea (Mader 14. VI.) 
und Plusia interrogationis (Hartmanitz). — Als bedeutsames Relikt 
mag auch Larentia taeniata gelten. Zwischen dem 1. und 7.VII. 
gelang es mir, 4 5 0‘ zu erbeuten. Die Q 2 konnte ich leider 
nicht finden. Sie sitzen sicher bei Nacht mit zusammengeklapp- 
ten Flügeln an der Futterpflanze und sind mit der Eiablage be- 
schäftigt. Diese Futterpflanze konnte ich aber nicht feststellen. 
Larentia taeniata wurde bisher in Böhmen noch nie beobachtet; 


Erklärung zu Taiel IX 


(Nr. von links nach rechts gezählt.) 


Larentia verberata ab. (gefangen am 17.VII. zwischen Pürstling 
und Mader). 


Larentia ruberata 2 e. |., mit düsterem Braun. 


do. 2 e.|., mit hellem Weißgrau und lebhaftem Braunrot; sehr 
kontrastreich gezeichnet. 


do. 2 e.|. ist ganz grau. Das Braun fehlt. 
do. 9’ e.|., mit breiter schwarzgrauer Submarginalbinde. 


do. 5 gefangen bei Mader (30.V.). Das Mittelfeld der Vfl. ist 


braunrot übergossen. 


do. 5' e. |, überwiegend rotbraun. 


do. © e.|. Die Binden sind teils tiefschwarz. teils braun. Das 
Grau ist sehr hell. 


do. 9 e.|. ist ziegelrotbraun. 
do. © e.|. sehr hell mit wenig Braun. 
do. © e.|. Die Grundfarbe ist sehr licht. 


do. 5 e.|. sehr einförmig gezeichnet: grau mit Braun. Ein schö- 
nes Stück. 


do. 2 e.l. Die graue Mittelbinde ist vom Braun unterbrochen. 


do. 9’ e.|. ist ähnlich der Nr. 2, besitzt aber schöneres Braun. 
Die graue Mittelbinde ist unterbrochen. 


do. J e.|., ist nur dunkelgrau. 


Crambus truncatellus, die Form mit vielBraun, zurücktretenden Quer- 
binden u.undeulich geflecktem Saume. (Weitfäller Filz 24. VI.) 


Evetria turionana e. |, (Schüttenhofen). 

Evetria turionana var. mughiana e. |. (Haidler Filz). 
do. viel dunkler gezeichnet. 

do. e. |., mit hellerer Grundfarbe. 

do. e.|., Abart mit lichteren Hinterflügeln. 

do. e. |. stark abweichendes Stück. 


Crambus truncatellus ©, dreifach vergrößert. Die Querlinien treten 
stark hervor, der Saum ist scharf gefleckt. (Haidler Filz 3. VII.) 


Auf einer Photographie läßt sich Braun, Rot und Grau nicht unter- 


scheiden. Da aber gerade bei Lar. ruberata Grau und Rot stark wechseln, 
ließ sich die große Variabilität schlecht wiedergeben. In Wirklichkeit macht 
die abgebildete Serie einen viel bunteren Eindruck. 


SOFFNER, Schmetterlingsfauna des mittleren Böhmerwaldes. Tafel IX. 


— 129 — 


Möbius fand 1 Stück bei Dresden; Wocke und Zeller fanden 
das Tier in den schlesischen Gebirgen. Im Böhmerwalde fing 
ich es nur in der Umgebung der Thurnerhütte und zwar ein 
Stück bei Tag an einem Felsen sitzend, die übrigen beim nächt- 
lichen Spaziergang mit der Karbidlampe nebst vielen anderen 
Faltern, z.B. Agrotis festiva, Lygris reticulata, Larentia alche- 
millata, Nudaria mundana, Scoparia murana, Depressaria peta- 
sitae usw. 

Nur aus den Alpen und den ungarischen Gebirgen war bis- 
her Gelechia perpetuella bekannt, ich fing sie auch bei Mader 
am 3. VI. Neu für Böhmen ist auch Depressaria doronicella 
(Mader e.1.). — Als Fig. 1 der Taf. IX ist ein abweichendes Stück 
von Larentia verberata abgebildet, das ich am 17.VIl. zwischen 
Pürstling u. Mader fand. Die Mittelbinde der Vorderflügel tritt 
scharf hervor, während die übrigen Querlinien fast verschwun- 
den sind; auf den Hinterflügeln ist die innere Binde hervor- 
tretend, während die äußere kaum sichtbar ist. — Auf fast allen 
Mooren (besonders dem Scharfilz und den Filzen bei Stuben- 
bach) fliegt Anaitis paladuta var. imbutata (19. VIL, 3. VIIL). 
Eigentümlich ist die Angewohnheit der Tierchen, sich im Netze 
tot zu stellen. — Im höheren Böhmerwalde fing ich ferner Dia- 
crisia sanio (Mader 4. VIl), Anarta myrtilli (Antigl 16.VIl), La- 
renlia furcata nebst den Abarten sordidata, fusco-undata und 
infuscata; Tephroclystia venosata (Ende Vil als Raupe bei Chinitz- 
Tettau), Metrocampa margaritaria (Glaserwald 26. VIL), Crocallis 
elinguaria (Raupe im Frühjahre an Heidelbeere), Crambus per- 
lellus var. waringtonellus (Ahornsäge 7.VIL), dumetellus (überall 
häufig), Scoparia petrophila (Pürstling 1. u. 14.VIL), Platyptilia 
Zetterstedti (Chinitz 7.u.17.VIL), Dichelia gnomana (Mader 9.VII.), 
Olethreates hercyniae (Weitfäller Filz 4.VI].), Steganoptycha eri- 
cetana (Mader e.1. 7. VIL) und Simaethis Fabriciana (Mader 1.VIL., 
Bergreichenstein 30. VIIL). An allen Orten kann man Plutella 
maculipennis antreffen. Ich beobachtete sie am 17. VII. sogar 
auf der höchsten Spitze des Lusen. 


August 


Am 26. August kamen mir an den Hängen der Cepicna 
ganz frische Coscinia striata ins Netz, die jedoch bedeutend 
kleiner waren als die Stücke vom Juni. Zweifellos gehören sie 
einer teilweisen 2. Generation an, nachdem sie auch nur ver- 

Mitteilungen d. Münchn. Ent. Ges. XX. Jahrg. 1930. H.3 u. 4. 9 


— Kl — 


einzelt anzutreffen waren, während sfriata im Juni häufiger ist. — 
Am gleichen Orte fliegen im August Satyrus briseis, semele, 
Zygaena ephialtes var. peucedani, Lithosia lutarelia (5.u. 11.VIIL), 
Neuronia cespitis (20.VIIL), Apamea testacea (20.VIIL), Larentia 
silaceata (5. VIlL), Tephroclystia subfulvata nebst ab. oxydata 
(5. VIll., die Raupen fand ich an Schafgarben Ende IX. und An- 
fang X); Tephroclystia semigraphata (5.VlIl), Boarmia gem- 
maria (5. Vll), Crambus tristellus, Selaga spadicella (16. VIll., 
6. IX), argyrella (11.VIll., 6. IX.), Laodamia semirubella var. san- 
guinella (15. u. 26.VIll), Pyrausta aurata (19.V1ll.), Platyptilia cosmo- 
dactyla (zog ich aus Raupen, die ich an Quendel fand), Notocelia 
incarnatana (5.u.10.VIIL), Epiblema similiana (10. Vlll.), Gelechia 
distinctella (10. Vil), Tachyptilia populella (12.Vlll), Argyritis 
pictella (6. u. 11.V1ll) und Gracilaria aurogutella (e.1. 23. V1ll.. 

An verschiedenen Orten in der Umgebung Schüttenhofens 
stellte ich als Neuheit für Böhmen Depressaria subpropinguella 
fest (11.VIll., 19, [IV.). — Zwei dunkel veilbraune Stücke von Agrotis 
florida fing ich am 10.VIll). an den Hängen des Swatobor. Im 
höheren Gebirge ist Numeria capreolaria nicht selten, ebenso 
Acalla emargana var. caudana (Bergreichenstein 30. Vlll.), Epi- 
blema semifuscana (Rehberg e.1. 11.Vlll.) und Diasemia litterata 
(Annatal 10.Vlll). Als Raupen fing ich im August Cerura bi- 
fida und Acronycta euphorbiae (diese hauptsächlich an Königs- 
kerze). 


September 


Mit ausklingendem Sommer geht die Zahl der Schmetterlinge 
zurück. An trockenen Wegrändern zeigt sich die 2. Geschlechtsfolge 
von Lycaena bellargus (Ende Vlll. bis Ende IX.) und ich besitze 
gerade von dieser Herbstgeneration prachtvolle Stücke der Form 
ceronusQ. Der Lichtfang in der Umgebung Schüttenhofens er- 
gab Trichiura crataegi (10. IX.), Anaitis plagiata (6. IX.), Larentia 
firmata (6. u. 20.IX.), Ennomos fuscantaria (6. IX.), Depressaria 
arenella (22.1X., 24.1V.) und badiella (10. u. 20. IX.). 

Besonders an Kalkfelsen ruht bei Tag Polia xanthomista. 
Ich habe hier stets nur die Stammform mit viel Gelb gefunden 
und aus meinen Zuchten nur selten die ab. nigrocincta erhalten. 
Möglicherweise kommt die Stammform vorzugsweise auf Kalk 
vor. Die Raupen zog ich mit Heckenkirsche (Lonicera). Beim 
Suchen der P, xanthomista fand ich Agrotis glareosa (18. IX.) 
und Catocala fraxini an Felsen. Mehr in höheren Lagen fliegt 


— Bl — 


Larentia miata (Innergefild 21.IX., Chinitz 23. XL), immanata 
(Bergreichenstein 20. IX.), Ennomos quercinaria (Bergreichen- 
stein 21. IX.), Stenoptilia pterodactyla (Karlsburg 6. IX.), Acalla 
maccana (Frauental 21.1IX.), variegana (Bergreichenstein 24. IX., 
4.X.), schalleriana (Bergreichenstein 12.Vlll., Karlsburg 6. IX., 
Frauental 21. IX.), contaminana ab. ciliana (Schüttenhofen 30. IX., 
11.X.) u. Plutella incarnatella (Karlsburg 6. IX.: neu für Böhmen). 

Die besten Erfolge im Raupensammeln erzielte ich im Sep- 
tember und Oktober. Von Wachholder klopfte ich da in der 
Umgebung Schüttenhofens die sich ähnlich sehenden Raupen von 
Tephroclystia helveticaria var. arceuthata und von Larentia ju- 
niperata. L. juniperata schlüpft Ende Oktober. Eine Frühjahrs- 
oder Sommergeneration habe ich nicht beobachten können. Beim 
Abklopfen der Goldrute erhielt ich Raupen von Tephroclystia 
expallidata, absinthiata, castigata, Pyrausta terrealis (e.1. im Früh- 
jahre) und häufig die Säcke von Coleophora virgaureae, aus 
denen ich auch Falter erzog. An Beifuß lebt: Cucullia absinthii 
(e. 1. 14.VIL) und Tephroclystia succenturiata, an Bibernell Pa- 
pilio machaon, Tephroclystia oblongata, pimpinellata und tri- 
signaria. Die letzteren fand ich auch an Bärenklau. An Orten, 
wo Heide zwischen heranwachsenden Kiefern u, dgl. wächst, ist 
Tephroclystia goosensiata zu Hause und man kann die Raupe 
im Oktober mit dem Streifnetz abschöpfen. Am bequemsten 
und dabei in größerer Zahl ist die Raupe von Tephroclystia 
denotata einzusammeln, indem man einfach die Samenkapseln von 
Campanula trachelium nach Hause mitnimmt und tüchtig durch- 
schüttelt. Hie und da fällt dabei auch eine T. castigata-Raupe 
heraus. An Lärche lebt in der Umgebung Schüttenhofens die 
Raupe von Tephr. lariciata, an Christofskraut Thephr. actaeata 
(besonders bei der Karlsburg), an Engelwurz Tephr. albipunctata 
und an Leinkraut Tephr. linariata. Ein an einem Felsen hängen- 
des Wespennest lieferte eine große Zahl Raupen der Aphomia 
sociella und aus Zapfen erhielt ich Dioryctria abietella (e. |. Früh- 
ling). Die Raupe verläßt zur Verpuppung den Zapfen und legt 
sich zwischen Moos auf dem Erdboden ein Gespinnst an. — 
Zwischen zusammengesponnenen Blättern der Birke lebt die 
Acalla ferrugana-Raupe und liefert noch im Oktober den Falter. 
Aus Pflaumen zog ich Grapholita funebrana und aus Eicheln 
Carpocapsa splendana. Minen von Lithocolletis cramerella, stri- 
Sulatella, quercifoliella und Tischeria complanella sind im Herbste 
überall an den Futterpflanzen vorfindbar. 


. 9* 


= — 


Der Spätherbst 


Einer zweiten Generation gehörte ein recht frisches Stück 
von Mamestra pisi an, das am 2. X. ans Licht flog. Am glei- 
chen Tage fing ich an der Lampe auch Polia flavicincta und 
Ortholita cervinata (Schüttenhofen). Erwähnt mögen noch die 
Funde von Ammoconia caecimacula (Bergreichenstein 4. X.) und 
Endrosis lactella (Schüttenhofen 6. X., 9. XI. und 27. IV.) sein. 
Als Letzter beschließt den bunten Reigen Poecilocampa populi 
(Schüttenhofen 4. XL). 


Trotz der großen Zahl der angeführten Arten habe ich alle 
jene Falter unerwähnt gelassen, die über ganz Mitteleuropa 
gleichmäßig verbreitet und überall häufig sind. Ganz sicher aber 
beherbergt der ausgedehnte Böhmerwald noch manch seltene 
Art, die mir entgangen ist. Die Belegstücke für alle Funde 
befinden sich in meiner Sammlung. 

Außer den Schmetterlingen sind nur die Käfer des Böhmer- 
waldes (von Herrn Oberlehrer Tanzer in Schneiderschlag, Bez. 
Prachatitz) einigermaßen erforscht. Ganz unerforscht ist diese 
Gegend in Bezug auf andere Insektenordnungen und der Böh- 
merwald beherbergt gewiß hievon noch eine Reihe Merkwürdig- 
keiten, vielleicht auch neue Arten. Ein großes Gebiet, das dem 
Naturforscher noch vieles bieten kann, erwartet hier seine Er- 


schlie Bung. 


Alte und neue interessante Lepidopteren. 
Von Dr. Carl Schawerda, Wien. 
(Mit einer Tafel.) 


Hoplitis umbrosa Staudinger 
(Fis.5 u.6, Taf. X) 


Von Herrn O.Bang-Haas erhielt ich ein 5’ der Hoplitis 
Milhauseri F. var. umbrosa Staudinger vom Ussuri. 

Der ganze Aspekt des Falters sagte mir, daß diese umbrosa 
wohl der Milhauseri sehr nahe steht, aber doch etwas anderes 
sein muß. Herr Bang-Haas war so liebenswürdig mir noch eine 
Anzahl ZZ u.3 9 9 vom Ussuri, Korea, Japan zu senden. Sie 
bestätigten alle meine Ansicht, daß umbrosa eine eigene Art sei. 
Sie sind alle größer als Milhauseri, 'c5' haben 50 mm, dieQ 9 
57 mm Spitzenabstand. Während letztere ein rein graues Ko- 
lorit haben, ist umbrosa mehr bräunlich und außerdem viel dunk- 
ler. Am auffallendsten sind die braungrauen Hinterflügel der 
Q Q gegen die weißen bei Milhauseri. Doch bestehen auch 
Unterschiede in der Zeichnung der Vorderflügel. Der auffallend- 
‚ste Unterschied liegt in der praemarginalen dunklen Bindenlinie. 
Dieselbe beginnt bei Milhauseri im äußeren Drittel des Vorder- 
randes, zieht in einem schwach sichtbaren Bogen nach Außen 
abwärts und mündet am Beginn des äußeren Drittels im Innen- 
rand in einer doppelten, beim 9 gelb ausgefüllten, nach Außen 
etwas schwarz begleiteten Doppellinie. 

Bei umbrosa ist ein kleiner weißer Fleck vor dem Beginn 
dieser Linie im Vorderrand. Hier ist im apikalen Teile von die- 
ser Linie nichts zu sehen. Ein dunkler Wisch halbiert hier den 
Apex. Die Adern sind im Außenrand tief schwarz. Durch eine 
solche dunkle Ader (die vierte von oben) entsteht zwischen dem 
apikalen Teilungswisch und der praemarginalen dunklen Linie 


— 134 — 


eine dunkle Zickzackline. Am Vorderrand in der Mitte ein 
schwarzer Wisch, ferner im basalen Drittel am Innenrand, der 
aber nicht wie bei Milhauseri bis zur Mitte reicht sondern schon 
früher dort endet, wo bei einigen Exemplaren eine schwache 
dunkle Binde parallel mit der praemarginalen gegen den Apex 
zu sich vorwagt. 


Ich lasse nun Dr. Zernys Befund über den Genitalunter- 
schied von Milhauseri und umbrosa folgen und danke ihm bei 
der Gelegenheit herzlich für seine Mühe. 


„Es sind auffällige Unterschiede im männlichen Kopulations- 
- apparat vorhanden: 

Die Chitinplatte des VIIL Segments ist bei Milhauseri 
aus Europa analwärts rund ausgeschnitten und seitlich in zwei 
lange, scharfe Spitzen ausgezogen; der Ausschnitt ist mit einigen 
spitzen Zähnchen besetzt. Oralwärts ist sie seitlich ebenfalls 
in zwei lange scharfe Spitzen ausgezogen. 

Bei der ostasiatischen Form schließt die Chitinplatte des 
VIII. Segments analwärts mit einer stark chitinisierten, ganz leicht 
analwärts gebogenen Querleiste ab, die Seitenecken sind schwach 
ausgeschnitten; oralwärts ist die Platte seitlich in zwei abgesefzie 
Fortsätze ausgezogen. 


Der Uncus ist an der Spitze bei europäischen Stücken 
mit einem gerundeten Ausschnitt versehen, an den Seiten gleich 
hinter der Mitte stumpf gezähnt und dahinter verschmälert, 
während er bei der ostasiatischen Form die Form einer schma- 
len Tonne mit stark gewölbten Seiten besitzt und der Aus- 
schnitt an seiner Spitze fast dreieckig ist. 

Die Harpen enden bei der europäischen Form analwärts 
in eine stumpfe etwas hakig gekrümmte Spitze und tragen 
dorsal einen relativ kleinen, spitzen Zahn, während sie bei der 
ostasiatischen Form analwärts gerundet sind und der dorsale 
Zahn viel größer ist." (H. Zerny.) 


Omia Banghaasi Stauder 
(Fig. 9, Taf. X) 
In der Entomolog. Zeitschrift (Stuttgart) vom 8. April 1930 
hat Stauder diese neue Art nach einem einzigen Falter aus der 


Umgebung von Castellamare di Stabia im Neapolitanischen auf- 
Sestellt. Fundort: „150 m Seehöhe, 13. Juni 1928, Valetta beim 


— 135 — 


Dorfe Pimonte.” Er sah es für ein Männchen an. Stauder 
zeigte mir bei seinem Besuche in Wien das Exemplar flüchtig. 
Es sah einer cymbalariae zum Verwechseln ähnlich. Die Höhe 
von 150 m gegenüber der sonst bei cymbalariae (z. B. Stilfser- 
jochstraße) gewohnten Höhe machte mich wohl stutzig, aber ich 
dachte an eine Verwechslung des Fundortes. Es ist das Ver- 
dienst Stauders, doch das Richtige gefunden zu haben. Wie 
komme ich nun dazu, das zu wissen? Die lange Beschreibung 
Stauders mit den phantastischen Bildern ist für diese neue Art 
nämlich nicht immer zutreffend. Vor allem ist die Geschlechts- 
bestimmung eine falsche. Und doch hat er mit der neuen Art 
Recht. Das kam so: 

Ich kam durch Karl Predota in den Besitz von 2 50 und 
39% dieser Art, die in der Sierra von Albarracin in Arago- 
nien (12. Juni 1928, 9. Mai und 7. Juni 1929) in einer Höhe von 
1100 bis 1700 m erbeutete und mir schenkte. Er sah mit sei- 
nem scharfen Auge, das die zwei Männchen viel dickere Fühler 
haben, die schwach sägezähnig sind, während sie bei cymbala- 
riae denen des Weibchens gleichen. Man kann den Unterschied 
in der Stärke der Fühler sogar an der Photographie sehen. 
Dieser Fühlerunterschied ist wohl das wichtigste Unterscheidungs- 
merkmal beim 5. Er mußte Stauder entgehen, da er ein ® 
vor sich hatte (wie Dr. Zerny und ich konstatieren konnten) 
und nicht ein J wie er glaubte. Es ist aber auch die Be- 
schreibung Stauders in vielem zu korrigieren und zu ergänzen. 
Der Flügelspitzenabstand von Banghaasi beträgt 17 bis 21 mm 
gegenüber 18 bis 20 mm bei cymbalariae. Die zwei Männchen 
scheinen wirklich um 1 mm kleiner als cymbalariae Sg‘, aber 
ein Weibchen ist dafür 1 mm größer. 

Ein Vergleich mit Oberthüri und cyclopea ist unnötig, da. 
nicht die geringste Verwechslungsmöglichkeit mit diesen beiden 
besteht. 

Der Vorderrand verläuft nicht immer, wie Stauder sagte, 
bei Banghaasi eingedrückt und bei cymbalariae geradlinig. Bei 
einem Q von Banghaasi ist er geradlinig, bei zweiQ 9 ist er 
ebenso leicht geknickt und ausgebaucht wie bei Stauders Type. 
Auch im Hil.-Schnitt fehlt der angegebene Unterschied. 

Der Vfl.-Oberseiten-Grundton ist bei meinen 5 Exemplaren 
nicht dunkel olivbraun und dunkler als bei cymbalariae, sondern 
mehr olivgrau statt olivbraun. Das Hellgrau überwiegt bei 2 5 
und 19, bei 22 tritt es zurück. In diesem helleren Kolorit 


— 136 — 


fallen die tief schwarzen dicken Längsstriche, einer am Diskus- 
ende, 2 Parallelstriche in der Basis und 5bis6 als Aderverdickung 
im Außenrand besonders auf. In Stauders Skizze von Bang- 
haasi (Seite 5) fehlen gerade diese auffallenden zwei Basalstriche 
und werden auch negiert. 

Zur Schilderung der Weißornamentierung auf Seite 7 will 
ich mich nicht äußern. Sie ist. mindestens phantastisch. Ich sah 
das Original Stauders noch nachträglich. 

Auch was Stauder von der Unterseite der Hinterflügel sagt, 
stimmt nicht. Der sichelförmige schwarze Mittelfleck ist nicht 
wie Stauder sagt, im Gegensatz zu cymbalariae im Analschwarz 
eingeschlossen, sondern viel weniger als bei cymbalariae. Bei 
einem Männchen ist er sogar ganz heraußen, bei einigen cym- 
balariae wieder direkt im Schwarz. 

Die Unterseite von Banghaasi ist vor allem viel heller grau 
als bei cymbalariae. Nur praemarginal haben die Vorderflügel 
dunkle Schatten, während cymbalariae die Vorderflügelunterseite 
mit Ausnahme des Vorder- u. Innenrandes und der gescheckten 
Fransen meist ganz geschwärzt hat. 

Es sind die dunklen Querbänder der Hfl.-Unterseite im 
Hellgrau der Hinterflügel bei Banghaasi kaum zu sehen, bei 
cymbalariae meistens viel stärker. 

Auch die Ausführungen auf Seite 8 stimmen nicht. Gerade 
die Behaarung ist bei Banghaasi grau am Thorax, Kopf und 
Abdomen sind keinesfalls gelblich wie Stauder sagt. Sein 2 
hat übrigens ein ausgehöhltes Abdomen und ist lange nicht so 
frisch wie meine 5 Stück. Auch seine Palpenunterschiede kann 
ich nicht bestätigen. Ich möchte hier nur noch erwähnen, daß 
ich ein cymbalariaeQ vom Isman (3. Juni) besitze. Dies ist ein 
Berg an der bosnisch-herzegowinischen Grenze. Die Höhe die- 
ses Fundortes kenne ich leider nicht. 

Resume. Banghaasi hat im männlichen Geschlecht schwach- 
sägezähnige Fühler gegenüber den von cymbalariae. Die Vorder- 
flügel sind mehr hellgrau statt olivgrün. Die drei schwarzen 
Längsstriche sind viel stärker und tiefer schwarz. Die Uhnter- 
seite ist viel heller und besitzt verschwindende Hfl.-Querbinden. 
Das Abdomen ist viel kürzer als bei cymbalariae, was Stauder 
richtig betont. Es ist kein Zweifel an der Artverschiedenheit 
von Banghaasi und cymbalariae und an der Identität der Ir 
Stauders und Predotas Falter aus: Aragonien. 

Die Futterpflanze dürfte nach Predota Helianthemum sein. 


Br 
Fig. 


1 
4 


KT 
3 
I 


Erklärung zu Taiel X 


Holcocerus consobrinus Püng. 


Holcocerus Sheljuzhkoi spec. nova. 


ig. 2/3 Hoplitis Milhauseri F. 
ig. 5/6 Hoplitis umbrosa Stdgr. 


Mannia oranaria Stdgr. var.nova espaniola. 
Omia cymbalariae Hb. 


Omia Banghaasi Stauder. 


SCHAWERDA, Interessante Lepidopteren 


Taiel X 


22 
DER 
7 
N} 


— 137 — 


Mannia oranaria Stdgr. var. nova espaniola 
(Eig. 7, Taf, X) 

Zwei fg dieser Form erbeutete Karl Pretoda am 12. 7.1929 
in der Sierra Alta bei Albarracin in Aragonien. Anfangs sah 
ich diese zwei Falter als eine neue Mannia an, da ich nirgends 
seinesgleichen finden konnte. Am ähnlichsten sahen sie in der 
Zeichnung und den Fühlern der castiliaria Stdgr. Aber sie sind 
doppelt so groß als diese. Oranaria ist im Oberthür (Taf. 63 
Fig. 1263) abgebildet und im Culot. 

Ich verschaffte mir Einblick in die Originale von oranaria 
und sah, daß die neue Form mit Sicherheit zu oranaria gehört. 

Oranaria aus Nordafrika steht, was die Größe betrifft, in 
der Mitte zwischen ihrer spanischen Schwester, die ich espaniola 
nenne, und der kleinen castiliaria, die schon im Rebel-Staudinger- 
Katalog mit einem Fragezeichen zu oranaria gezogen wird. 
Außer Staudinger war auch Prout in der Sache nicht sicher, 
ebenso Culot. Ich kenne keine Abbildung von castiliaria. 

Die spanische oranaria hat eine Vfl.-Spannung von 24 mm 
gegen die kleinere afrikanische oranaria. Während letztere grau 
mit einem schwach braunen Ton ist (vielleicht vom Alter her- 
rührend), hat espaniola ein viel dunkleres Grau, ein Stück mit 
einem Stich ins Grüne. 

Die postmediane Querlinie, die parallel zum Außenrand 
ziemlich gerade, nur wenig basalwärts ausgebaucht, verläuft, 
ist eine deutliche Reihe von dunklen Pfeilflecken an den Adern. 
Distalwärts ist ein dunkler Begleitwisch von vorne nach hinten. 
Der Raum zwischen dieser postmedianen queren Aderpunktlinie 
und dem Begleitschatten ist weißlich aufgehellt. Es ist dies das 
einzige sehr schmale Weiß im dunklen Vorderflügel. Die basale 
Querlinie beginnt am Vorderrande mit einem schwarzem Punkt- 
fleck, springt dann in einem scharfen spitzenWinkel nach außen 
vor ohne wie bei ismailaria (siehe Culots Abbildung) die mittlere 
Querlinie zu erreichen. Am Innenrand endet sie wieder mit 
einem etwas vorspringenden schwarzem Punkt. Die Mittellinie 
ist nicht so stark ausgeprägt wie die basale. Dunkle Saum- 
büschelchen und gescheckte Fransen. Hinterflügel heller grau. 
Die mediane und postmediane Querlinie und der Mittelpunkt 
eben noch sichtbar. Deutlicher ist dies auf der lichteren, fast 
silbergrauen Unterseite der Fall. Hier fallen auf dem Vorder- 
flügel die dunkle postmediane Querlinie auf mit dem schwarzen 
Vorderrandfleck und die schwarzgefleckten Fransen. 


— 138 — 


Es ist naheliegend, daß meine beiden spanischen Gebirgs- 
falter (espaniola) einer anderen Rasse angehören als die algeri- 
sche Type. Da wir hier sehen, daß die spanische oranaria 
viel größer und dunkler ist, als die Stammform, haben wir die 
Sicherheit, daß die kleinste castiliaria, die sogar kleiner sein 
kann als die oberflächlich sehr ähnliche Egea cacuminaria, keine 
oranaria sein kann. Castiliaria ist übrigens .heller grau und 
viel schwächer gezeichnet, unten ganz ungezeichnet. Nach 
Prout sind die Linien in Punkte aufgelöst. Es ist unmöglich, 
daß in Spanien zwei so differente Formen fliegen können wie 
espaniola und castiliaria, Letztere ist sicher eine eigene Art, 
was ja in den meisten Büchern schon vermutet wird. Die 
espaniola ist eine sichere Mannia mit vier Sporen an den Hinter- 
tibien. Die Costalis und Subcostalis der Hinterflügel anatomi- 
sieren nicht. Die echte castiliaria sah ich im Wiener Hofmuseum. 


Holcocerus Sheljuzhkoi spec. nova. 
(Fig. 4, Taf. X) 

Von Herrn Leo Sheljuzhko in Kiew erhielt ich vor längerer 
Zeit zwei Männchen einer Cosside, die mir anfangs als conso- 
brinus imponierten. Beim Vergleich mit meinen und dem Museal- 
material sah ich aber, daß die beiden männlichen Falter einer 
neuen Art angehören dürften, die der consobrinus am nächsten 
steht. Sie sind größer, haben ein mehr graues als braunes 
Kolorit und auch eine andere Zeichnung. Auf meine Anfrage hin 
teilte mir Herr Sheljuzhko mit, daß er derselben Ansicht sei 
und 80 $ 5 und nur ein einziges @ dieser Art habe, alle von 
Herrn G. Rückbeil 1914 in der Uıngebung von Aksu erbeutet. 
Ein Stück stammt vom Tschal-tag (August 1914). 

Außer der Größe (45 mm Flügelspitzenabstand gegen 37 mm 
bei consobrinus) und der mehr grauen als hellbräunlichen Grund- 
farbe sind die Fühler auffallend. Diese sind an der Basis und 
am Ende sehr dünn und in der Mitte viel dicker, während sie 
bei consobrinus an der Basis dicker sind und gegen das Ende 
immer dünner werden. Doch ist dies vielleicht nicht immer 
zutreffend. 

Die äußere praemarginale etwas dunklere Geradlinie verläuft 
bei consobrinus vom Vorderrand aus sofort nach außen stumpf 
gewinkelt aber dann in gerader Linie zum Innenrand. Bei der 
neuen Art fast ungewinkelt und dann nach Innen leicht ge- 


— 139 — 


schwungen unregelmäßig wellig nur bis zur Mitte des Flügels. 
Dort bricht sie oberhalb eines mehr zackigen unregelmäßigen 
Fleckes ab, dessen eine Zacke nach oben gegen den Außenrand, 
eine nach unten gegen den Innenrandwinkel ausläuft, während 
eine mit der dunkelgrauen Mittelbinde kommuniziert. Diese ist 
dunkler und daher kontrastierender als bei consobrinus und reicht 
auch weiter gegen den Innenrand herab. Einen derartigen Fleck 
(oberhalb des Analwinkels der Vorderflügel) hat consobrinus über- 
haupt nicht. Das Abdomen prominiert in der Mitte schopfartig 
nach oben. 

Herr Sheljuzhko schreibt mir, daß die Intensität der dunklen 
Zeichnung der Vorderflügel etwas variabel sei. Die Verdunklung 
der Mittelzelle der Vorderflügel ist manchmal etwas mehr aus- 
gedehnt. Die Größe variiert beträchtlich. Die Vfl.-Länge des 
kleinsten Stückes ist 15,5 mm, während sie beim größten 22 mm 
erreicht. Das 2 ist größer (Vfl.-Länge 25 mm), breitflügeliger, 
hat natürlich feinere Fühler. In der Zeichnung stimmt es aber 
mit den schwächer gezeichneten Jg überein. Ich nenne die 
neue Art nach Herrn Sheljuzhko, dem bekannten russischen 
Lepidopterologen, dessen Freundlichkeit ich sie verdanke. 


Über das Verhalten der Chromosome 
bei der Spermatogenese von Orgyia tyellina Bil. 
und Orgyia antiqua L., sowie eines ihrer Bastarde 


betitelt sich eine Arbeit von H, Cretschmar, die uns in muster- 
gültiger Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit, zugleich auch unter 
interessanter und ausführlicher Bezugnahme auf die entsprechende 
Literatur einleitend die Beschreibung der biologischen und mor- 
phologischen Eigentümlichkeiten der beiden Stammarten, der 
europäischen antigua und der japanischen iyellina, gibt. Beson- 
ders interessiert hier äußerlich die Verschiedenheit der rudi- 
mentären Flügelanlage der weiblichen Falter, biologisch die merk- 
würdige Erscheinung, daß gelegentlich der Kreuzung der beiden 
Arten die antigua-Männchen ganz offensichtlich die Zyellına- 
Weibchen bevorzugen. Schließlich wird der Bastard geschildert, 
der als sogen. intermediärer bezeichnet werden muß, d. h. er 
enthält die mütterlichen und väterlichen Eigentümlichkeiten im 
Phänotypus, also in der äußeren Erscheinung ziemlich gleich- 
wertig. (Dies ist ja übrigens auch bei den meisten anderen 
bisher erzielten Schmetterlingsbastarden der Fall.) 

Die Zucht einer F,-Generation oder einer Rückkreuzung 
gelang trotz des Zustandekommens von 26 Paarungen in allen 
möglichen Zusammensetzungen nicht, denn aus sämtlichen daraus 
erhaltenen Gelegen schlüpfte nur ein einziges Räupchen, das 
alsbald wieder einging. Gleichwohl hatte, wie eine diesbezüg- 
liche Untersuchung der Eier feststellte „die Entwicklung der 
Embryonen in zahlreichen Fällen eingesetzt.” (Die Raupen 
kommen aber nicht zum Schlüpfen, wie jedem Bastardzüchter 
wohl bekannt ist.) 

Interessant ist auch die Beschreibung der Raupen aus der 
Kreuzung und die dabei gemachte Beobachtung einer gelegent- 
lichen asymmetrischen Anlage der typischen Haarbürsten der 
Orgyia-Raupen, die ich ähnlich bei einer von F. Lenz erzielten 
illieifolia- tremulifolia-Kreuzung feststellen konnte, und die — 


— 141 — 


zwar nicht als konstante Folgeerscheinung — so doch als eine 
typische Anomalie der Bastardierung bezeichnet werden muß. 
Bemerkenswert ist auch Cretschmars Beobachtung der Haar- 
pinselanlagen der Bastardraupe, die in bestimmter Form die 
Eigentümlichkeiten der Elternraupen vereinigt. 

Der Hauptteil der Cretschmar'schen Arbeit ist natürlich, 
wie der Titel sagt, der zytologischen Untersuchung der Vor- 
gänge der Reifungsteilungen in den Hoden sowohl der beiden 
Elternarten, als auch des Bastarden gewidmet. Auch dies ge- 
schieht mit großer Genauigkeit und Ausführlichkeit. 

Die Frage, ob Parallel- oder end to end-Konjugation vor- 
liegt, wird in der Arbeit — wie bei den Vererbungsforschern 
nicht anders zu erwarten ist — im Sinne der ersteren beant- 
wortet. Allein wie immer scheinen mir die beigegebenen Bilder 
hiefür keineswegs wirklich beweisend, weil gerade bei den 
Schmetterlingen die feinen und besonders die achromatischen 
Details überall an der Grenze des mit bester und modernster 
Mikroskopoptik Sichtbaren stehen und ebenso sehr, weil die 
Ausdeutungen des Verfassers zu wenig photographisch (mit Aus- 
nahme einer einzigen Tafel) d.h. nur zeichnerisch-subjektiv be- 
legt sind. 

Nicht ganz begreiflich ist mir auch die Ueberschrift des 
Kapitels, das der Schilderung der synaptischen Vorgänge — 
mit der Parallelaneinanderlagerung — sowie der Wachstums- 
periode folgt und das wiederum mit „Konjugation“ betitelt ist. 
Die genannte Parallelvereinigung oder Parasyndese ist doch 
nichts anderes als schon die Konjugation, die damit zur so- 
genannten Pseudoreduktion der normalen Chromosomenzahl auf 
die Hälfte führt. 

Wenngleich der Autor an einer Stelle auch zugibt, daß das 
mikroskopische Material aus Schmetterlingshoden zur Entschei- 
dung der Frage, ob Para- oder Metasyndese, also zur sicheren 
Deutung. der entsprechenden Kernbilder nicht sehr geeignet ist, 
und wenn er vor allem auch ausführlich und kritisch die Be- 
funde anderer Untersucher der Reifungsteilungen bei Lepidop- 
teren bespricht, so staunt man über seine präzise Beschreibung 
der Reifungsvorgänge und über die Schärfe und Eindeutigkeit 
seiner diesbezüglichen Zeichnungen, besonders was ihre minu- 
tiösen achromatischen Details betrifft. Ich meine hier aber auch 
solche, die wegen ihrer kaum noch sichtbaren Zartheit unter 
Umständen auch nicht zur Darstellung kommen können. 


— 1a) — 


Es ist in dieser Besprechung leider nicht der genügende 
Platz und es ist auch schließlich nicht ihr spezieller Zweck, 
der an sich so ausgezeichneten Arbeit von Cretschmar gegen- 
über bei der Deutung mikroskopischer Details ausgesprochene 
Stellung zu nehmen und etwa der Metasyndese das Wort zu 
reden; denn es müßten dann ja auch die anschließend be- 
schriebenen Diaden- bezw. Tetradenbildungen und das geschil- 
derte Zustandekommen der zweiten Reifungsteilung kritisch be- 
trachtet werden. Aber die grundsätzliche Bedeutung all dieser 
Vorgänge in den Vererbungsfragen, im Mendel’schen Gesetz 
und schließlich auch noch in den Fragen der Zellmechanik läßt 
den Interessierten nicht so leicht darüber hinwegkommen. Denn 
zunächst ist die Ausdeutung und Darstellung der eigentlichen 
achromatischen Kernbestandteile, deren Darstellung leider eine 
Fixierungsmethode bedingt, die den Chromatinteilen wieder 
nachteilig wird, an manchen Stellen nicht so betont, wie es 
ihrer sicher ausschlaggebenden Bedeutung in den Veränderungen 
des Kerninhalts zukommen könnte. Ob es sich weiterhin 
im sogen. Leptodaenstadium wirklich um freie Enden der noch 
sehr zarten Chromosomenschleifen oder doch um einen konti- 
nuierlichen Knäuel handelt, ob daher wirklich Einzelchromoso- 
men vorhanden sind oder nur die Umbiegestellen der Schleifen- 
touren nicht gesehen werden konnten und ob endlich dieses 
Stadium nach Cretschmar bei den Orgyiaarten — den meisten 
anderen Schmetterlings- und Insektenarten entgegengesetzt — 
keinen gerichteten Knäuel bildet, sind lauter Fragen, die uns 
aus den Bildern weniger eindeutig als aus dem Text beant- 
wortet erscheinen, der damit teilweise mehr die Morgan’schen 
Vererbungsvorstellungen stützend als restlos überzeugend wir- 
ken muß. 

Vor allem kann ich es mir nicht versagen, hier auf zwei 
Forderungen hinzuweisen, die die richtige Deutung mikroskopi- 
scher Vorgänge viel. mehr als die genaueste Schilderung und 
alle noch so geistreiche Auslegung veranschaulichen: Es ist dies 
erstens die Forderung, jeden einzelnen Vorgang in der Zelle 
mindestens durch ein Photogramm zu belegen (und höchstens 
noch durch eine beigegebene Zeichnung subjektiv, d.h. als eigene 
Ansicht zu erklären), zweitens die Forderung — noch besser als 
durch eine einfache Aufnahme — durch Stereo mikrophoto- 
gramme Gesehenes und Beschriebenes zu dokumentieren, Nur 
diese letztere Darstellungsmethode vermag allein schwierige 


— 143 — 


Form- und Vorgangsanalysen, besonders bei so abstrakten 
Körpern, wie es die Chromsomen sind, eindeutig zu vermitteln, 
weil ihre Auswertung allein von der subjektiven Raumvorstel- 
lung des monokularen Mikroskopbildes zur objektiven Raum- 
und Formwirklichkeit des plastischen Sehens führt. (Ich erlaube 
mir dabei auf meine Arbeit: Stereomikrophotographischer Beitrag 
zur Kenntnis der Reifeteilungen im Hoden des Grottenolms und 
des Feuersalamanders [Zeitschrift für mikrosk.-anatom. Forschung 
XII. Band, Heft 1/2, 1928] hinzuweisen.) 

Abgesehen von diesen nur wegen ihrer prinzipiellen Be- 
deutung so ausführlich erörterten Fragen, sind die sonst so vor- 
bildlich genau angelegten Untersuchungen von H. Cretschmar 
über O. antigua und tyellina und ihren Bastarden auch rein 
entomologisch genommen und wie schon eingangs erwähnt, von 
hohem Werte und müssen vor allem wieder zu solchen Ver- 
suchen mit anderen Lepidopteren aufs stärkste anregen. 


Dr. Fritz Skell. 


Berichtigung. 


Irrtümlicher Weise lautet die Ueberschrift des Artikels von F. Nord- 
ström im II, Heft dieses Jahrganges (XX) Seite 93: Notodontula ziczacL. 
lapponica Dhl. 1929 = ab, tristis Masl. 1923, 

Es muß natürlich Notodonta usw. heißen. 


— da4, 


Buchbesprechung. 


Schnack Friedrich: Im Wunderreich der Falter. Erlebnisse mit 
Abenteuer. 191 Seiten. Mit 111 Originalaufnahmen und Natur- 
urkunden von Dr. Paul Denso, Berlin: Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) 
A.G. 1930 (Preis in Ganzleinen gebunden 9 RM.). 


„Die Liebe hat dieses Buch geschrieben und mit Bildern geziert, nicht 
der wissenschaftliche Eifer.“ Dieser vom Verfasser selbst an den Anfang 
gestellte Satz offenbart sich auch wirklich in seinem ganzen Werk. Nicht 
ein Lehrbuch will der Verfasser den Lesern geben, von seinen Erlebnissen 
und Abenteuern im Falterwunderland will er ihm erzählen, In 43 Kapiteln 
werden fast alle Abschnitte des Schmetterlingslebens behandelt, aber nicht 
in einem trocknen wissenschaftlichen Stil, sondern in einer dichterischen 
Sprache. die das Lesen zur Freude macht. An vielen, glücklich gewählten 
Einzelbeispielen rührt uns Schnack durch das Falterdasein; er zeigt uns die 
Winterquartiere des Zitronenfalters, das erste Falterregen im März an den 
Jungferkindern (Br. parthenias), das Liebeswerben des Aurorafalters ust. 
Aus all diesen meisterhaften Schilderungen spricht nicht nur eine genaue 
Naturbeobachtung, sondern auch eine gründliche Kenntnis der Dinge. Eine 
besondere Würze verleiht dem Buch der Bildschmuck. Die 111 von Dr. Paul 
Denso gefertigten photographischen Aufnahmen werden jeden Naturfreund 
begeistern, bringen sie doch vielfach Motive, die gar mancher Sammler selbst 
noch nicht geschaut, viel weniger im Bilde festgehalten hat. Außer Falter- 
bildern aus der freien Natur, die aufzunehmen der Verfasser mit Recht „eine 
nichtswürdig schwierige Unternehmung“ nennt, schmücken das Buch auch 
eine Reihe von Aufnahmen gespannter Sammlungsstücke, um an diesen die 
Schönheit der Flügelzeichnurg vor Augen zu führen. Die vergrößerte Wie- 
dergabe der Falterbilder wirkt ganz besonders anschaulich. Aber nicht nur 
Falter, auch ihre ersten Stände: Eier, Raupen in Puppen werden im Bilde 
gezeigt. Auch bei diesen lassen gerade die Vergrößerungen so recht die 
künstlerische Begabung des Photographen erkennen. 

Durch das sich ergänzende Zusammenarbeiten des dichterisch veranlag- 
ten Naturbeobachters mit dem trefflichen Lichtbildner ist ein Werk geschaffen, 
das nicht nur der Laie mit Freude und Genuß liest, sondern das auch dem 
Sammler Nutzen und neue Anregungen bringt. Eine weiteste Verbreitung, 
vor allem auch in Sammlerkreisen wäre dem Werke nur zu wünschen; ganz 
besonders aber ist es geeignet, unter der Jugend Verständnis und Liebe zur 
Natur zu wecken. Dr. Kolb. 


‘ Anläßlich der Feier des 25jährigen Bestehens der Münchner Entomo- 
logischen Gesellchaft im Dezember 1929 wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: 
Herr Heinrich Sattler in München, der eigentliche Gründer der Gesellschaft 
und Herr Professor Dr. Adalbert Seitz in Darmstadt. 


(e. V.) 


xX. 
— Jahrgang — 


1930 
Heit I 


Schriitleitung: 
Dr. von Rosen 


IM SELBSTVERLAG 


il Beschluß de ‚Generalversammlung vom 2 7 130 
ereinsjahr 1930 dr | B 
Mitgliederbeitrag auf 10,— RM. 


Derselbe ist bis Ende Februar zur en fällig 
| Wunsch i in zwei Bere Raten im ı Februar und Juni. ’ 


g 


BB en München, Kto, N 0 
G$. ale Kallier, München9, Columbus 


Vorstindech 


"1. Vorsitzender: Ministerialrat Ludwig ednatdiee 
| München 23, Wilhelmstraße 5/1 
2. Vorsitzender: Oberlehrer Eugen Arnold 
une München, Rumfordstraße 38/4 
1. Schriftführer: (Ernst Pfeiffer,) vertreten dureh 

(für auswärts) Dr. med. F. Eisenberger 
München, Leopoldstr. 71/3 
2. Schriftführer: Franz Daniel 

(für München) München, Bayerstr. 77 
Kassier: Georg Wenger 
ei München 9, Columbusstr. 2/3 
Bibliothek: Dr. Lorenz Kolb 

München, Dachauerstraße 409/0 


 Schriftleitung: Dr. Kurt von Rosen 
München 2C, Nee 51 


Vertretung: Ernst Pfeiffer 
München 2C5, Herzogspitalstr. 5 


Sitzungen 


Die el Zuschriften werden folgend erben | 


‚Vereinsangelegenheiten an den 1. Vorsitzenden 
Geldwesen an den Kassier 
Schriftenaustausch an den Bibliothekar 
Vereins-Zeitschrift an den Schriftleiter oder 
(Manuskripte, Tafeln etc) dessen Stellvertreter 


Die nn der Jubiläumsnummer stellte an die Vereinskass: ir 
il ee Forderungen. Die Vorstandschaft sieht sich deshalb & 


freiwillißen Nachzahlung von mindestens 1,50 Mark 


für das vergangene Jahr heranzutreten. Ueberdies möchten es alle 
Bieder und besonders on welchen eine finanzielle Unter- 


a 
. 


a 


Pak zuzuführen. 
I Auch an dieser Stelle sei es der Vorstandschaft gestattet alle 
Mitarbeitern, die zum Gelingen des Jubiläumsheftes ihr Bestes be 
getragen haben, öffentlich zu danken; vor allem den Herren Dr.Heyde 
mann, Riemel-Frank, Skell und Prof. Dr. von Stubenrauch, welcl 
durch Stiftungen die reiche Bildbeigabe ermöglichten. 


n m | 
Kleine Anzeigen 
nt Raum vorhanden ist, werden auf den Umschlagseiten gegen Erste 


Unkosten kleine Inserate aus dem Kreise der Mitglieder Aufnahme finden 
Diesbezügliche Zuschriften an die Schriftleitung erbeten, 


Abgebbare | 2: 
Separat- 


; drucke 
Lycaeniden a 


M Br L. 
aus den Balkanländern, Klein- N N ; En > 5 S übe ER Ley: 


asien und Persien, auch die ge- Dystroma Hbn. (trunca- 


Suche im Tausch 


öhnlichen Arten, möglichst i ta-citrata-Gruppe) der 
a Gaktung Cidarıa, 
PS feln, 13 Figuren. Mk. 5.— 


Im Tausch biete 
r Dr, Burgeff: 
 nordsyrisches (Marasch) Falter- Kommentar. Zum 


1 material aller Gruppen, darunter ‘ Teilder Gattung Zygae- i 
mehrere nov. spec. na 1.Teil. 1 Farb- und4 


Schwarztafeln Mk.5.— 
Ernst Pieilter, 2. Teil (88 Seiten) Mk. 4— 


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DREN LEN. 


(e.V) 
xX 


n 4 


— Jahrgang — 
Schriftleitung: 
Dr. von Rosen 
, IM SELBSTVERLAG 
München, den 1. Juli 1930 


| Der MÜNCHNER ENTOMOLOGISCHEN GESELLSCHAFT ey. 


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nchner Entomologischen Gesellschaft || 


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XX. 
— Jahrgang — 


1930 


Heit III und IV 
(Schlußheft) 


Schriftleitung: 
Dr. von Rosen 


IM SELBSTVERLAG 
MÜNCHNER ENTOMOLOGISCHEN GESELLSCHAFT ev. 


München, den 1. Februar 1931 


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Mitteilungen der München Entomologischen Gesellsch ft 


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Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 
Jahrgang, 19=20 „1929°30 31-121012 


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